fltirm twute tn Sta* bul tn>r brra von SBaifer WiHelm zur Erinnerung an seinen Besuch iur Iah« 1888 gestifteten Prachtbrunnen vor der Moschee Sultan Ahmeds. Tie Perser Konsrantinopels sammelten sich vor dem mit der persischen und der islamitischen Flagge geschmückten Brunnen, aus dem die Redner standen. Die Teilrrah-me der Bevvlkerung war allgemein, viele Bansende bedeckten den ganzer! Platz. Redner waren der Hodscha Ismail Haberi, ein vor den Russen ge- siüchteter Abgeordneter des Provinzialrats, dann der Direktor der hiesigen persischen Zeitung „Haver". Sie forderten zu dem Heiligen Krieg gemeinsam mit den Freunden und Verbündeten des Islam, nämlich mit Deutschland und Oesterreich-Ungarn, auf, deren lLasfcntaten die Begeisterung der ganzen islamitischen Welt erregen. Nach mehreren anderen Rednern zog ein riesiger Zug durch die mit Flaggen geschmückten Slragen nach Peru und veransta tete vor der österreichischen und der deutschen Botschaft grosse Kundgebungen.
Ein verbot des Scheichs ül Islam.
Wien, 13. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Neue Freie Presse" meldet aus Sofia: Nach einer Meldung aus Konstantinopel hat der Scheich ül Islam deri Mo- ammedanern verboten, in den Armeen Erig- ands, Frankreichs und Rußlands zu dienen.
Der Khedive organisiert ein Expeditionskorps.
Turin, 13. Nov. Die „Stampcr" meldet, daß man nach in Rom eingetrofsenen Nachrichten große Ereignisse in Aegypten erwartet. Es sei ganz sicher, daß der Khedive, der noch iinmer in Konsdantinopel ist, ein Expeditionskorps organisiert, um gegen die englischen Okkupations- truppen vorzugehen und Aegypten txm den Engländern zu säubern. — Nach dem „Corriere della Sera" hat die Gärung in Aegypten ernan besorgniserregenden Um sang angenommen.
Afghanistan mit der Türkei.
Berlin, 13. Nov. (Priv.-Tek.) Der „Berl. Lokalanz" Meldet aus Konstantinvpel: Nach über Persien eingcgange- nen Nachrichten ist der Emir von Afghanistan entschlossen, den Krieg genteinsam mit dem Kalifen zu führen. Trotz aller ihm von Rußland und England gemachten unrftrwgretchen Zusicherungen gilt hie Kriegserklärung des Emirs an beide als bevorstehend.
Die Verteidigung von Smyrna.
Konstantinvpel, 13. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Der Militärkommandant von Smvrna veröfseutlicht eine Proklamation, in der es heißt: Die Mlliiärbchörde bat alle Maßnahmen zur Verteidigung SmyrnaS zu Lande und zu Wasser getroffen und wird bis zum Ende in der Verteidigung der Stadl beharren, was auch immer für ?lngriffe erfolgen werden. Die Armee ist entschlossen, ihre Pflicht bis zum legten Mann zu erfüllen, und überzeugt, daß kein Feind den Fuß aus den ge- ! heiligten Boden des Vaterlandes wird setzen können. Die Proklamation spricht sodann ausführlich von den Pflichten der Bevölkerung im Falle einer Beschießung der Stadt. — Die Veröffentlichung der Kriegserklärung in den Abendblättern wurde voll allen Bevölkerungsschichten mü lebhafter Freude aufgenom- meu. .Eine große Anzahl von Geschäften und Schissen sind beflaggt. Die Nachrichten über die Erfolge der Türken an der Kan- kasusgrenze haben große Freude bei der Bevölkerung erregt. In der österreichisch-ungarischen und deutschen Kolonie, sowie in amtlichen türkischen Kreisen wird erklärt, die Armee werde beweisen, daß sie ein wertvoller Bundesgenosse der Zentralmächtc sei.
Ko n stan t ino pel, 13. Nov. (WTD. Nichtamtlich.) Nach einer amtlichen Mitteilung in den Smyrnaer Blättern erschien ein englisches Torpedoboot vor Di- kili und verlangte, die englischen Untertanen und einige Franzosen an Bord nehmen zu können. Das Ansuchen wurde jedoch abgelehnt. Das Torpedoboot eirtsernte sich, kam aber nach kurzer Zeit noch zweimal zurück- es erhielt jedoch jedesmal dieselbe Antwort.
Konstantinopel in „Zargrad" umgetauft?
Berlin, 13. Nov. (Priv.-Tel>.) Die „B. Z." meldet: Die Londoner „Central News" berichtet aus Petersburg, daß dort Konstantrnopel in .Lar graid" umgetaust worden sei. Der Zar werde dort später seinen Sommers itz neh- inen.
Der Tagesbericht der Oefterreicher.
Wien, 13. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird derlauibart: Im Norden ereignete sich gestern an der Front unserer Armeen nichts von Bedeutung. In Tarnow, Jaslo und Krosnos ist der Feind eingerückt. — Die Gesamtzahl der in der Monarchie internierten Kriegsgefangenen ist bis gestern auf 867 Offiziere und 92 727 Mann gestiegen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Generalmajor.
Wien, 13. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Von dem süd- lichcn Kriegsschauplätze wird amtlich gemeldet: Der Feind setzt seinen Rückzug von Koceljevo uitd Baljevo gegen Osten fort. An der Save wurde Usce erstürmt und Beljin und Bonjani erreicht. Die feindliche Befestigungslinie Gomile — Draginje ist bereits in unserem Besitz und Sovvot und Stalice erreicht worden. Die von Westen und Nordwesten vorrückcnden Kolonnen sind gegen Baljevo herangekommen, wobei speziell die südlichen Kolonnen in schwierigstem Terrain bewunderungswürdige Leistungen vollsührten.
Die Kriegsführung der Serben.
Wien, 13. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs-Presscquartier wird zu der Tatsache, daß die Serben die eigenen Ortschaften von der Bevölkerung räumen lassen und dann verwüsten, bemerkt: Tie Methode hat für uns mehrfache Vorteile. Unfern Truppen bleibt die Belästigung durch das hinterhältige Schießen der Einwohner genommener Ortschaften erspart. Tie geflohen« Bevölkerung nimmt ohnehin die nicht zu reich bemessenen Vorräte des Hinterlandes stark in Anspruch und verbreitet die Wahrheit über die .Kriegslage. Es scheint, daß die Serben, die derart vandalisch gegen eigenen Besitz Vorgehen, selbst nur noch wenig Hoffnung haben, diesen zu behaupten.
Eine Lügenmeldung.
Wien, 13. Rov. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des K. K. Wien. Korr.-Bur. Dir Petersburger Meldung der ,/Daily News", daß die Russen unsere und deutsche Streib- kräfte in den Vorwerken Krakaus augreifen, entspricht nicht den Tatsachen.
Japanische Kanonen für Rußland.
Stockholm, 13. Nov. „Tages Nyheter" meldet: Die Japaner haben 300 Kanonen von derselben Größe, wie r ie bei der Belagerung von Port Arthur benutzten, a n R u fc land verkauft. Drei von diesen Kanonen sind in Svea- lorg cingetrofsen. Die russische Besatzung dort hat bereits Schießübungen mit diesen Kanonen unternommen. Das
furchtbare Getöse, das dadurch entstand, ließ das Gerücht von eurer großen Seeschlacht auskommen.
Lügen.
Wien, 13. Nov. (W.B. Nichtamllich.) Die „Polit. Korr." schreibt: Für die Kühnheit der Erfindungen, durch die sich die Kriegsberichterslattung der Organe des Dreiverbandes aus- zeichnet, sind die nachstehenden hier telegraphisch eingelangten Meldungen besonders bezeichnend: „Moruing Post" erfährt aus Rom: Deutschland trug Rußland den Frieoens- s ch l u ß an, was von den Russen abgelehnt wurde. Eine Londoner Reuter-Meldung besagt, beinahe die ganze ungarische Kavallerie sei in Belgien vernichtet worden; die Wiener Brrlusilisl« sühre 867 ungarische Adelsnamen uMer den bei Lille Gefallenen an.
Asquith über die Kriegsdauer.
Kopenhagen, 13. Nov. Nach einer Londoner Meldung der „National Tidende" sagte Asquith in der Eröffnungssitzung des Parlaments, der Krieg könne noch lange dauern, tvenn auch nicht so lange, wie viele ursprünglich vorausgesagt hätten. Je länger er dauere, desto mehr würde sich zeigen, über welche kolossalen Hilssquellen das britische Reich verfüge. Zu Beginn des Krieges habe man dessen Dauer aus drei Jahre, einige Pessimisten sogar auf 10 Jahre berechnet. Aber er möchte hier die Meinung aussprechen, daß der Krieg kaum länger als 2 Jahre dauert, werde. — Asquith; Betrachtungen sind die erste Andeutung seitens der Regierung und ihre Auffassung von der Dauer des Krieges. — Im Oberhause sagte Lord Curzon, daß von den 1800 Millionen Menschen der Erde 900 Millionen, also die halbe Menschheit, direkt an dem gegenwärtigen Kriege interessiert seien.
Die englischen Frauen in Aachen.
Aachen, 13. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Hiesige englische Frauen sandten eine Eingabe nach London, in der es heißt:
„Die in Aachen lebenden britischen Frauen richten die dringende Bitte an die britische Regierung, die deutschen und österreichischen Zivilgesangcnen, soweit sie nicht verdächtig sind, auf sreien Fuß zu setzen und den Inhaftierten ein der britischen Nation würdiges Unterkommen zu sichern. Außerdem fragen sie an, was mit den Frauen und Kindern der jetzt in Deutschland uip haftierten Briten geschehen soll, da sie, ihrer Ernährer beraubt, der Gnade und Ungnade der deutschen Regierung oder Privatpersonen ansgcliefert sind. Die englischen Frauen in Aachen möchteir der britischen Negierung unterbreiten, daß sie bisher von der deutschen Behörde mit der größten Schonung und Rücksicht behandelt worden sind, wie es dieser großen und starken Nation; würdig war. Wie es aber die deutsche Regierung jetzt sür richtig erachtet, mit uns zu verfahren, nachdem die traurigsten Aussagen von deutschen Zivilgesangcnen aus England eingetrossen find, muß abgcwartei werden."
Das Ende der „Emden".
kWTB.l London, 13. Nov. (Nichtamtlich.) „Daily Chro- nicke" meldet aus Keeling: Tic „Emden" traf mit Volldampf am Montag morgen 6 Uhr ein. Sie führte keine Flagge und hatte einen vierten Schornstein. Sie setzt« zwei Boote aus, die drei Offiziere und 40 Mann mit vier Maschinengewehren landeten. Sie zerstörten die Kabelstation und die dort befindlichst Instrumente. Darauf machten sic sich an das Durchschneiden des Kabels. Die „Emden" gab um 9 Uhr das Signal zm Alfiahrt, aber es war zu spät. Die Jnsclbcnwhner sahen bereits ein anderes Kriegsschiff austauchen, das sofort auf eine Entfernung von 3300 Metern den ersten Schuß abgab. Als die „Sidney" näher kam, gelang es ihr, einen Schornstein und ernen Mast der „Emden" weqzusckficyen. Beide Schisse seuerten heftig and entfernten sich schnell. Die Inselbewohner sahen und hörten darauf nichts mehr. Dir Bemannung der „Sidney" erzählte am nächsten Morgen, daß sie ihre Schnelligkeit benutzte, um sich außerhalb des Bereiches der Kanonen der „Emden" zu halten, bis diese ans den Strand lief. Das Gcf«ht dauerte 80Miuutrn. Nur zwei Schüsse der Deutschen trafen, töteten vier Mann und verwundeten vierzehn. Beide Kreuzer versuchten vergeblich, einander zu tor- vedieren. Alm Aberch schifften sich die gelandeten deutschen Matrosen aus einem alten Schoner ein, der einem Bewohner der Insel gehörte. Nachdem sie Kleider und Vorräte registriert hotten, fuhren sie ab. Man hat von ihnen nichts weiter gesehen.
Das Geschwader des Grafe« Spee.
Berlin, 13. Nov. (Prtv-Tek.) Die „Voss. Zeitung" meldet aus dem Haag: Die „Dimes" veröffentlichen eine Depesche des „New Pork Heralb" aus Valparaiso, nach der es dem Admiral Spee gelang, die „D r e s d e n" und „Leipzig", die zur Aufsuchung des englischen Kreuzers ,/Otranto" abgesandt waren, wieder mit dem Geschwader zu vereinigen, um der aus acht Schiffen bestehenden japanischen Flotte entgegenzufahren.
„Good Hope" ««d „Monmouth".
London, 13. Nov. (WDB Nichtamtlich.) Die Admiralität teilt mit, daß, obwohl keine näheren Nachrichten eingegangen seien, die Kreuzer „Good Hope"- und „ffion« mouth" als verloren betrachtet werden muffen.
Englands Rekrutierung.
London, 12.Nov. (WTB. Nichtaintlich.) Der Parlaments stenograph des „Daily Telegraph" erfährt, man glaube, Asguith werde die Genehmigung des Parlaments zur Anwerbung einer zweiten Million Soldaten für den Krieg «inholen.
(WTB.) London, 13. Nov. (Nichtamtlich.) „Morningvost" meldet: Man erwartet, daß die Regierung einen Kredit von 210 0 Millionen Pfund Sterling fordern werde. Es wird beabsichtigt, einen nicht Unbeträchtlichen Teil davon durch Steuern zu decken, die 30 bis 50 Millionen einbringen werden. Asauith hat dir prinzipielle Anregung Bonar Laws angenommen, daß ein alle Parteien vertretender kleiner Ausschuß die Versorgung der Angehörigen der Soldaten regeln solle. Jrstotgedcs^n verzichtete die Arbeiterpartei daraus, euren Zusatz zu der Mwesse aus die Thronrede einzubringe»,
Bom Bnrenkricg.
London, 13. Rov. (WD8. Nichtamllich.) Rach anrt- licher Mitteilung soll Bot ha De Weis Kommando nach einem forcierten Nachtmarsch 24 Meilen östlich von Win- b u r g getroffen haben. Die Buren hätten 250 Gefangene verloren.
Berlin, 13. Rov. (Priv>-Del>,) Die „B. Z." meldet aus dem Haag: Wie ans London berichtet wird, bestätigt die „Wesrminster Gazette"", daß der ehemalige Burenkommandant Jo oste sich den Au s ständis chen in Doans- vaat angeschlvssen hat.
Die Haltung Rumäniens.
Wien, 12. Nov. (WTB. Nichtamllich.) Das „Deutsche Volksblatt" meldet aus B u k a r c st: Das Gerücht, daß Rußland von Rumänien den Durchzug russischer Truppen durch Rumänien verlangt habe, wird von hiesigen unterrichleten Stellen bestritten. Sollte die Petersbur-, ger Regierung eine solche Forderung stellen oder Rumänien irgendwelche andere Maßnahmen zumuten, die gleichbedeutend mit dem Auf geben der Neutralität wären, dann würde dadurch eine durchaus neue Lage geschaffen sein
Lund neue Entschließungen der rumänischen Regierung würden notwendig werden.
Wien, 13. 'Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Das „Deutsche Bolksblatt" meldet aus Bu kar e st: Die letzten Kriegsereig- nissc in Lstgalizien und der Bukowina haben hier eine starke Erregung gegen Rußland hervorgerusen, die auch in der bevorstehenden Tagung der Kammer zum Ausdrucke komnien dürste. Auch die geringe Leistungsfähigkeit Rußlands im Schwarzen Meere stemmt hier nicht zugunsten Rußlands.
Die „Reichspost" meldet aus Bukarest: In einem „Das Testament Peters des Großen" betitelten Artikel führt das Organ der Konservativen „P o l i t i k a" aus, das letzte Manifest des Zaren beweise, daß Rußland nicht, wie in den früheren Kriegen mit der Türkei, für die Freiheit des bedränglen Volkes zu känrpsen vorgibt, sondern es sagt klipp und klar, daß essichdiesmalumdieDar- danellen handelt: Jetzt ist für Rußland die Zeit gekommen, diese Frage endgültig zu regeln. Wir müßten ganz blind sein, wenn wir nicht erkennen wollten, daßwirdann zunächst an die Reihe kommen; denn niemand von uns könnte glauben, daß Rußland über Wien nach Kon- stantinopel gehen werde. Das Testament Peters des Großen soll nun ausgeführt werden, darum müssen wer für unsere Existenz sorgen.
Kriegsbriefe aus dem Osten.
Bon unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Wintrrschlacht.
Armee-Oberkommaudo Ost, 11. Nov.
Schon zweimal ist die russische Ossensivc blutig zusammcnge-
brochen. Aus dem ungeheuren Meirschenbehältcr sind immer nein Massen herangcworsen worden, und es hat den Anschein, ats öb der Versuch, m Ost- oder Wcslpreußen einzudringen, durchaus wiederholt werden soll. Vermutlich spielen dringende und wrcber- holte Notschreie der Verbündeten eine Rolle bei einem Versuch, der rein militärisch nicht völlig zu verstehen ist. Daß man billige Lorbeeren nicht pflücken kann, sollte doch der Oberbefehlshaber Nicolai Ricolajcwitsch, der nicht vergqssen käme, daß es sich m Insterburg so hübsch „Majestät" spielte, eingescbcn haben. Tannrn- berg und dre Masurischen Seen beim ersten Versuch, Augustowo, Philivvowo, Suwalki, Schirwindt beim zweiten, sprechen ernr deutliche Sprache. Nacheinander und gleichzeitig sind die drei Unterführer vor unserer Ostfront, Rennenkampf, Miscenko und der tüchtige Schilinsky geschlagen worden; es wird auch diesmal die inzwischen kaum verbesserte russische Armee chrcn beinahe verzweifelten Vorstoß blutig bezahlen müsserl.
Daß inzwischen Grenzgebiete von Ostpreußen dem neuen Anprall, dessen Stärke und Richtung hier nicht abgeschätzt werden soll, zum Opfer satten können, ist möglich; bei der Lag« von Ostpreußen, das nach zwei Seiten eine wenig glückliche Grenze geigen Rußland hat, wird sich solch Hin- und verspielen des Krieges an den Grenz- strecken nicht immer vermeiden lassen. Die Ofscnsivkrast der russischen Armee wird aber zu der neuen Ausgabe nicht mehr hinreichend sein, der derzeifige Staich der Düige gibt zu Beunruhi, gungrn keinen .Anlaß. Es war von vornherein anzunehmcn, — und es ist hier gebührend betont worden —, daß die Entwicklung des Feldzuges im Osten nur langsam vor sich gehen könne, daß der recht schwierig« zweite Teil erst im Beginne stände. Das Ende wird sich in dem Rahmen vollziehen, den sich unsere Heeresleitung gestellt hat. Es ist im russischen Feldzug bisher noch stets so gewesen, daß wir den.Russen unseren Willen anfge- z w u n g« n haben, man kann gewiß sein, daß wir es auch diesmal tun.
Dem kleinen Osiensivstoß auf Szittkebmcn, über dessen Abweisung ja amtlich berichtet wurde, und dessen letztes Zusanuncn» brechen ich letzthin miterleben konnte (in dem „Nachtgesech!" bandelte es sich um diesen russischen Angriff), folgte ein neues Vordringen von etwas nördlicherer Stelle aus. Der Gencralstabsoffi- zier, dem dir Berichterstattung der Presse zugcteilt ist, der liebenswürdige Hauvtmann H„ gab uns Gelegenheit, deni letzten Akt dieser neuen nutzlosen russischen Offensiv-Bewegung beizuwohncn.
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Ein glitzernder blauer Winterbimmel, unter dem wir unserem Ziele, dem Darf und Gut T., zusaustcn, spannt fick über die hartgefrorene Straße. Wagen aus Wagen mit Flüchtlingen stillst vorüber. Die kleinen ostvreußiichen Pferde gehen im festen Trab, kleine Fohlen umtraben die Mutterstuten, die rührend in ihrer Ausdauer find, wie fie den schweren Wagen vorwärtsreißen Es find Ostpreußen. Es scheint mir, vielleicht ist es auch die strahlende Wintersonne, die über der Straße liegt, ich weiß es nicht, aber cs scheint, als ob auch das Flüchten zur Gewohnheit werden könnte. Dieselben Züge habe ich vor Monaten gesehen, da war das Bettzeug in inniger Verbindung mit dem Vogelbauer, und die unnützesten Dinge nahmen rührend viel Platz sort. Jetzt ist alles beinahe sachgemäß verpackt, das Riemenzeug ist in Ordnung, für die Kinder ist vorgesorgt, und die Fahrt geht flott und glatt. Ich weiß, daß hinter diesen festen Gesichtern viel Herzleid gebannt ist, ich weiß, daß diese Menschen an ihren verlassenen Wohnstätten mst einer stummen Liebe hängen, die nicht spricht, aber das äußerliche Bild ist ruhiger geworden. Mit Staunen stelle ich fest, daß bi« Menschen selbst in das Elend Ordnung bringen können, daß sic in dieser tätigen Ordnung ein Mittel haben, es zu vergessen.
Die Wagen werden seltener. Wir fahren mü siebzig bis achtzig Küomctern. Rechts nach vorn ist eine driüsche Batterie zum Feuern bereü. Kavalleriepatrouillen reiten über die Felder, eine Feldküche scheint eben verteilen zu wollen. Da saust es plötzlich über unsere Köpfe. Ein paar Meter weiter im Straßengraben schlägt eine russische Granate ein, bei dem harten Boden fliegen die Spreng- stückc bis zu dem Auto heran „Unser" Hauvtmann läßt höchste Ge- schlviiidi gleit einftellcn, und in rasendem Tempo fliegen wir von der bestrichenen Zone, di« bald von Granattrichtern durchlöchert jem muß.
Noch »vr ein paar Stunden war die Höh«, auf die wir zn-
filhren, und die Straße in russischen Händen. Wir müssen das Tempo verlarrgsamen. Zerschossene Wagen, totwnnde Pferd« sperren den Weg.
Unsere Infanterie auf den Höben ist in weü ansrinander- gczogenen Truppen bereit zum Bor stoß. Die ArtÜlerrc stinkt in einen lleinen Wald, der dunkelgrün aus der hellen Landschaft sich abhebt: es ist so kalt, daß der Atem weiß in der Lust steht: in der kühlen Klarheit sieht man deutlich, wie die Granaten die Zweige von den Bäumen schlagen. Der Wald ist still, schön, leuchtend in dem sonnigen Mittag, es ist, als ob der Harzgeruch mit leichtem Wind herüberwehtr, je stärker die Granaten das Gezweig« niedcrschmettern.
Es wird festgestrllt, daß der Wald von den Russen geräumt ist. Alles geht vor. Fern rechts das Jnsantcriesignal zum Avancieren.
Wir durchschreiten das Waldstück. Ein kleiner, uralter, vergessener und verlassener Friedhof schläft mitten in dem Waldstück. Die Granaten haben ein Grab aufgerissen, mürbe Knochensplitter und morsches Holz liegen auf dem braunen Trichter. Die belle Wintcrfiinne streift über di« zerfalleieen Gitter. Ein kurzer Blick. Weiter! Dir Schlacht geht so eilig vorwärts, daß nicht Zeit ist, alten Friedhöfen nachzuträumcn. Am jenseittgen Waldrand fährt unsere Arttllcrie aus, um die abziehenden Russen noch zu fassen. In gestrecktem Galopp reiten die Offiziere vor, einen günstige» Beobachtunqsstand zu stnden. Dir Pferde sind in weiße Damvs- molken gehüllt. Mit unvergleichlicher Präzision fährt die Batterie in die neue Stellung. Ein vaar Schüsse erreickzen die russisckw Nachhut noch, aber der Rückzug ist jetzt so ellig, daß es nicht mehr lohnt, weiter zu feuern.
Da werden auch schon aus einer Mulde russische Gesangeme oorbcigesührt. Der Oberst, der muf der Anhöhe, auf der >vir fteheu, hält, läßt sie herankommen. Es sind fast auSschlteßlich


