Ausgabe 
11.11.1914
 
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von größerer Ansdehrmirg in mehrfacher Kreuzung _

Dir Ausschristen sind aus die Sendungen niederzuschreiben oder unbedingt haltbar auf ihnen zu befestigen und müssen deut­lich und richtig sein. Auf die Verwendung Nein« Betlei- imn-sstnrle und Gebrnuchsgegenitändc brrrucht sich der Päckchcn- »erketzr nicht zu beschränken. Es sind auch Lebens- und Gennßmittel zulässig, aber nur solveit, als sie sich zur Be- föredcmig nttt der Feldpost eignen. Ausgeschlossen sind leicht verderbliche Waren, wie frisches Obst, Butter, Fett, frische Wurst; ferner feuergefährliche Gegenstände, wie Patronen Strcickj- HArcr und Taschenseuerzerrge mit Benzinsüllung. Päckchen m i t Flüssigkeit! lind nur Mgclassen, wenn die Flüssigkeit in einem starken, sicher verschlossenen Behälter enthalten und dieser in einem dnrchlochten Holzbllock oder in eine Hülle aus starker Pappe fest verpackt iit, sowie sämtliche Zwischenräume mit Baum­wolle, Sägespänen oder einenr schivammigen Stoffe so angesüllt sind, daß beim Schadhaftwerdei, des Behälters die Flüssigkeit ausgesaugt wird. Sendungen, die den vorstehenden Bedingungen nicht entsprechen, werden von den Postanslalten unweiger­lich zurückgew esen.

** Verluste der Maschinengewehr-Kompagnie Infanterie-Regiments l 1 6. Vom Bezirkskommando erhalten wir die nachstehende V e r l u st l i st e der Maschinengewehr- Kompagnie des Regiments Nr. 116 vom 31. Oktober und 1. No­vember (Gefecht bei Le Quesnoy), die der jetzige Führer der Kompagnie, Oberleutnant Müller, dorthin eingesandt hat: Hauptmann Poly, Gießen, tot. Vizeseldw. Hantel. Großen- Linden, tot. Vizeseldw. Amend, Gießen, lverw. Ujfj. Nick­laus, Gießen, schverw. Ufsz. Rau, Gießen, schoerw. lkssz. Schneider, Ernstdors, schverw. Ufsz. d. Res. Rübsam, Mainz, schverw. Ufsz. Stork, Günnigfeld, lverw. Ussz. Kraas, Schwerte, lverw. Gesr. Fischer, Gießen, lverw. Gesr. Schomber, Beuren, schverw. Gesr. d. Res. Hartmann, Meßbach, lverw. Gesr. Bäumlcr, Mainz, lverw. Res. Meyer, Raberts­hausen, schverw. Res. Aberle, Franksurt a. M., lverw. Ers.-Res. Grimm, Ofsenbach a. M., lverw. Ers.-Res. Titschler, Osfenbach a. M., schverw. Ers.-Res. Regu, Bieber, tot. Res. Einhäuser, Älten-Buseck, schverw. Res. Launspach II Iieiskirchen, lverw. Res. Dietze, Tarmstadt, lverw. Musk. Koch, Lülerkborn, tot. Musk. Hollstem, Offstein, schverw.

** Feldbriefe aus allen Himmelsrichtun­gen haben sich auf unserer Redaktion in den letzten Tagen wieder in großer Zahl angesammelt; von Angehörigen aller Formationen der 116 er, vom Landsturm, selbst von hoher See, so letzthin vom Kreuzervon der Tann" gingen uns in kaum geringerer Zahl Krieg spoesien der verschieden­sten Art zu. Bei der erdrückenden Fülle dieser Einsendungen ist es uns selbstverständlich schon aus Raummangel nicht mög­lich, von dem reichen Material den Gebrauch zu machen, den die Einsender meistens wünschen. Soweit wir die uns über­lassenen Schreiben nicht an anderen Stellen veröffentlicht oder dem Absender zurückgegeben haben, können wir aus dem Rest nur eine kleine Blutenlese veranstalten.

Unsere Marine soll zuerst das Wort haben:

Von der Tann", 1. Nov. 1914.

Unserer lieben Heimatstadt Gießen senden die besten Grüße die Gießener von S. M. PanzerkreuzerBon der Tann".

>Bovts-Maat W. .herrmann, Ober-Sanitäts-Gast W. Walz, Heizer Fr. Klotz, Matrose H. Kehl."

Dem Verein ehemaliger 116er dankt ein schlich­ter Landwehrmann aus dem Felde für die gesandten Gaben und die Unterstützung seiner Lieben:

Liebe, werte Kameraden!

Soeben erhalte ich ein Liebesgaben-Paket, welches mir sehr große Freude bereitet hat, und wofür ich herzlich danke. Ich und meine Kameraden liegen gerade westlich D. im Schützengraben 109 m vom Feinde entsernt, und da ist es eine große Freude, etwas zu rauchen zu haben. Besonders danke ich für die gütige Unterstützung meiner Familie. Gott wird es dem Verein lohnen."

Wie man auch iin Felde daran denkt, den Taheim- gebliebenen die Sorgen zu erleichtern, zeigt, folgender rührende Zug, den wir dem Brief eines aktiven 116ers entnehmen.

Ich habe iin der Kompagnie einen Unter st ütznngssonds für die Angehörigen der Reservisten und Landwehrleute geschaffen. /Die Junggesellen und solche, die weniger ihre Löhnung gebrauchen, stillen au jedem Löhnungstage etwas für den Fonds, und so sehen die Leute, daß bis aufs äußerste für sie gesorgt ist, fühlen sie sich wohl und werden chr Leben lang an die Kompagnie denken, die sich sogar in dieser schweren Zeit der Angehörigen ihrer Untergebenen erinnert. In der Kompagnie ist dieser von mir gemachte Vorschlag am ersten Löhnungstage mit der Samm­lung von 110 Mk. beantwortet worden, so daß ich 11 Wehrleuten je 10 Mk. auszahlen konnte."

Vielen unserer Wackeren genügt es nicht, die Korw- pagnie oder das Regiment summarisch für die Liebesgaben­sendungen danken zu lassen. Sie möchten Gelegenheit haben, ihre dankbare Gesinnung zu spezifizieren. So schreibt uns ein Unteroffizier im Auftrag der Mannschaften der 10. Kompagnie Jnf.-Regts. 116:

Verehrte Redaktion!

Bei den Liebesgaben, die wir empfangen (bes. Strümpfe, Näh- bentel), liegen oft Zettel mit den WortenUnfern l. Vaterlands­verteidigern" oderMit Golt für Kaiser und Reich" bei, aber ohne Namen der Schreiberin oder des Schreibers. Wir bitten des­halb in Ihrer werten Zeitung zu veröffentlichen, daß die l. Spender Namen und Wohnorte dazusetzen, damü wir denselben aus dem Kriege durch eine Karte danken können, was doch sicher große Freude macht."

Uebrigens hat eine ganze Anzahl unserer Leser diese Anregung schon vorher befolgt, denn viele haben darauf Persönlich Dankschreiben von den Empfängern der Liebes­gaben erhalten. '

Ein Freiwilliger hat die Eisenbahnfahrt zwischen Na- mur und Maubeuge zum Dichten benutzt. Die Veröffent­lichung der Verse müsien wir uns leider versagen, aber die Mitteilung, daß er und seine Kameradenschon mitten­mang" sind", sei gern wiedergegeben.

Wie nahe Scherz und Ern st draußen zusammen­wohnen, zeigt nachstehende Briefstelle:

Eins ist sicher, und das ist wahrlich das Beste: Der Deutsche er ist ein Krieger, >vie ihn seinesgleichen keine Macht besitzt. Kalt­blütig nud tapfer ist er, ein Gegner von besonderer Güte.

In all die grausigen Eindrücke nrischt sich das Klaoierspiel und das Singen der SoldatenWenn ein Mädchen einen Herrn hat etc." Ja, k ö st l i ch i st ein S o l d a t e n h e r z, es ist ge­stählt und tjt allem Elend ist der Humor stets vorhanden. Da plötzlich eine Musikkapelle. Was ist das? Alles verstummt. Unter den Weisen des Chopinschen Trauermarsches wird ein Haupt- mann zur letzten Ruhe getragen. Aus dem Friedhofe der zerschossenen Kirche hat man ihm ein Grab gemacht, und gefolgt von Obersten und Ossizieren, tragen 6 Mann die Leiche des wockern Hauptinannes. Der Geistliche hält eine Ansprache, die Musik spielt das Gebet und alle Augen sind feucht. Kanonendonner senden aus der Ferne diesem auf fremdem Boden liegenden Helden den letzten Gruß ins Grab. .

Die wackere Tat eines Reservisten aus Großen- Linden, der bei den Marburger Jägern kämpft, schildern jolgendc Zeilen:

,,Bei Erstürmung eines feindlichen Schützengrabens wurde im Handgemenge dem Kompagnieführer durch einen Schuß in die Hand der Degen enttissen. Ein Franzose, der den wastenlosen Offizier wahrnahm, wollte dies rasch ansnützen, indem er das Gewehr erhob, um ihn von hinten zu erschlagen. Schon hatte der !Franzmann die Wafje zum tödlichen Schlag erhoben, da sprang in demselben Moment der Gefreite Velten, der der Feinde, die auf ihn selbst eindrangen, nicht achtete, hinzu und stieß den Franzosen mit dem Bajonett nieder. Der Hauptmann, der erst jetzt sah, in welcher Gcstlhr er geschivebt hatte, klopfte

Belten ans die Schulter und sagte:Das haben Sie brav ge­macht, Velten, ich werde es Ihnen nie vergessen." Kurze Zeit daraus erhielt Velten das Eiserne Kreuz."

Den Beschluß mag ein kleines Stimmungsbild machen, das erkennen läßt, wie unsere Soldaten in allen Sätteln gerecht sind und im Handumdrehen aus einem nassen Viehwagen einen vielbeneideten Aufenthalt machen können:

Die Stiefelschäjte sind bis obenan voll Wasser, bis an die Knöchel stampften wir in dem Schlamm und Morast herum. Dazu waren die Knochen durch das Liegen in den Schützengräben schon steif und halb erstarrt. Nachts um 1 Uhr kamen wir an dev Station an und wurden auch sofort verladen. Wie sroh wir waren, endlich in einem wasserdichten Wagen zu sitzen, wenn es auch nur im Viehwagen war, können Sie sich wohl denken. Der Wagen wurde halb mit Stroh gepackt, und wir krochen hinein wie die Mäuse. Als der Zug auf offener Strecke längere Zeit hielt, meinte auf einmal ein ganz Schlauer, es wäre sehr schön, wenn wir einen brennenden Ofen im Wagen hätten. Gesagt getan. 'Drei Grenadiere springen ans dem Wagen und begeben sich aus die Suche nach einem Ofen. Ich war natürlich auch dabei, bei so was durfte ich nicht fehlen. Es dauerte auch nicht lange, da kehrten wir mit einem solch nützlichen Instrument zurück. In irgend einem Bahnwärterhäuschen hatten wir den Ofen na, sagen wirs offen gekrampst, mitsamt dem Ofenrohr, Kohleneimer mit Inhalt, Feuerhaken und Schaufel: also eine ganze kompletteH e i z u n g s a n l a g e" schleppten wir aus dem Rücken heran. Im Handumdrehen war die Heiznngsanlage von fachmännischer Hand montiert und bald brummte ein Kohlenseuer imKanonenosen". So konnten wir wenigstens unsere Kleider trocknen und unsere erfrorenen Knochen austauen. Es dauerte nicht lange und FreundHumor" hielt seinen Einzug bei den Grena­dieren im Viehwagen mit der Heizungsanlage. Himmelgroße Witze wurden gerissen, daß es nur so eine Art hatte. So flössen die Stunden dahin und leider war die Fahrt zu schnell zu Ende. Am Nachmittag des 3. Oktober kamen wir in der EirdstattonC." an. Mit einem Gefühl von Wehmut verließen wir unserTrautes Heim", denViehwagen mit der Heizungsanlage".

** Kriegshunde. Zur Ausbildung von Führer- und Sani­tätshunden für den Gebrauch im Felde sind den hiesigen Vereinen, die deren Ausbildung besorgen, 16 Hunde von Besitzern aus ganz Oberhessen überlassen worden. Auch haben sich bereits

6 Führer, die bereit sind, mit Hunden ins Feld zu gehen, gemeldet, eine Zahl, die allerdings noch eine Vermehrung vertragen würde. Unter dem zur Verfügung gestellten Hundematerial besindet sich eine ganze Anzahl sehr edler und wertvoller Tiere, mit deren Dres­sur bereits ein viel versprechender Anfang gemacht worden ist.

** Landwirtschaftliche Genossenschaftsbank, D a r m st a d t. Die stille Liquidation der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank in Tarmstadt hat in der letzten Zeit bedeu­tende Fortschritte gemacht. Die Schwierigkeiten, die der Landwirtschaftlichen Genossenjchastsbant erwachsen sind, sind be­kanntlich zum großen Teil dadurch herbeigesührt worden, daß die frühere Leitung der Bank außerorventlich große Summen bei der Reichsgenossenschaftsbank in Frankfurt a. M. sest- flclcgt hat, und daß letztere ihre Zahlungen einstellen mußte. Das Engagement beläuft sich aus nicht weniger als rund acht Millionen Mark. Nach schwierigen Verhandlungen ist es nunmehr gelungen, eine befriedigende Verständigung mit der .Reichs­genossenschaftsbank herbeizuführen. Im Hinblick aus die schweren Verluste, die das hessische Genossenschaftswesen erleidet, haben die üdrigen Gläubiger der Reichsgenossenschaflsbank aus ihre Forderungen zu Gunsten der Landw. Genossenschaftsbank in Darm­stadt verzichtet n nd die Werse der Reichsgenossenschaftsbank wurden der Landw. Genossenschaftsbank zur Verrechnung ans ihre Forderung überwiesen. Gleichzeitig wurde von genossenschaftlicher Seile im Reiche ein erheblicher Barbetrag zur Deckung der sonstigen baren Verpflichtungen der Reichsgenossenschaftsbank aufgebracht, damit die Landw. Genossenschaftsbank in Tarmstadt hierdurch nicht belastet wird. Die Landw. Genossenschaftsbank löst die Sicherheiten, die die Reichsgenossenschaftsbank bei der Landwirtschastlichen Hypo- thekenbanl in Franksurt a. Main gestellt hat, aus, so daß die Landw. Hypothekenbank in Frankfurt a. M. wieder das Psand- briesprivileg erhält und flott wird. Unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß das Pfandbriefprivileg erteilt wird, hat die vorgestern in Franksurt abgehaltene Aktionär-Versammlung der Reichsgenossenschaftsbank den Vereinbarungen zugestimmt und die Liquidation der Reichsgenossenschaftsbank beschlossen. Hierdurch werden auch die erheblichen Berwaltungs- kosten der Reichsgenossenschaftsbank, die letzten Endes der Landw. Genossenschaftsbank zur Last fallen würden, für die Zukunft erspart. Durch diese Maßnahmen wird die stille Liquidatton der Landw. Genossenschaftsbank in Darmstadt znmBe st ender hessischen Genoss enschafteninerfreulicherWeisegesördert. Es ist anzunehmen, daß die wenigen hessischen Genossenschaften, die seither der stillen Liquidation noch nicht zugestimmt haben, sich der gütlichen Verständigung nunmehr alsbald anschließen werden.

** Zeitgemäße Warnungen verbreitet das Wolfs'sche Bureau: Immer noch tun sich anläßlich des Kriegszustandes A u s - kunststellen über Verlvundete und Vermißte auf. Die Tätig­keit solcher privater Auskunftsstellen widerspricht den militärischen Interessen und ist v erboten: sie dient auch nicht dem Interesse des Publikums, da die Arbeiten solcher Institute gar nicht kon­trollierbar sind und die gegebenen Auskünfte im besten Falle den Auftraggeber nicht zeittger erreichen können, als die kostenlos gewährten Auskünfte der amtlichen Stelle des Kriegsministe­riums, Berlin, Dorotheenstraße 59. In bewegten Zeiten blüht leider auch stellenweise der Aberglaube und sucht sich seine Opfer unter denen,die nicht alle werden". Phrenologen und Wahrsager bieten sich an und auch der religiöse ...Ketten- b r i e s" taucht wieder auf. An sich ein harmloses Gebet, ist er doch geeignet, Unheil zu stiften, da er neun Tage hintereinander einem andern lieben Menschen ohne Unterschrift zugesandt wer­den muß; wer dies verabsäumt, dem droht Unheil. Es liegt klar zu Tage, daß das ein Unfug ist, vor dem gewarnt werden muß.

** Postnachrich t. Von jetzt ab gelten neue Einzah­lungskurse: Für Postanweisungen nach Niederland 100 Gul­den gleich 188 Mark. Nach den Vereinigten Staaten von Amerika 100 Dollars gleich 458 Mark.

Landkreis Gießen.

-r- Annerod, 10. Nov. An Geldbeiträgen kür das R o t Kreuz gingen seit Beginn des Krieges in unserer Genieinde ein: Bei einer Haussammlnng an> 9 August 407,50 Mark, bei der Kirchenkollekle am 9. August 40 Mk. und aus einer Rrieqsbetstnnde 5,50 Mk., zusammen 453 Mk., welche teils an die Zweigstelle in Gießen, teils an die Hauptstelle voni Rolen Kreuz in Darinstadt abqelielert wurden. Am Erntedanksest ivurden weitere 403,40 Mk aelanimelt, welche teils sür die Gemeinde-Krankenvflege, teils zur Versendung von kleinen Liebesgaben sür die ans der Gemeinde ins Feld gerückten Krieger dienen foflen; ein etwaiger Rest soll wo­möglich eraänzt werden »iid sür die^ dnrch den Krieg geschädigten Ostpreiißeii Verwendung finden. Für bedrängte Familie» von Kriegstetlnehniern a>is uiiserer Gemeinde wird in de» Sonntags- Gotlesdienncn iorliauiend gelainnielt. Es giiigen hierkür bi? jetzt etiva 110 Mk. ein. An Aatnraliengaben koniiten an die Zweig- nelle in Gieße» abgelieiert iverden: 60 Eier, 7 Pfimd Speck, 26 Zentner Gemüse, 30 Malter Kartofselii, 2 Flaschen Wein, 3 Pfimd Dörrobst und 200 Kuchen. An Kleidungsstücken gingen ab: 18 Paar Strümpfe, 27 Wollhemden, 66 leinene Hemden und

7 Unterhoseii. Für den Lazareligebrauch standen ziir Bersügung: 23 Bettücher, 15 Kissen- und Bettbezüge, 2 wollene Decken, 13 Unter­lage» »nd 26 Handtüeher. Mnncherlei Nahrungsniittel, wie z. B. Milch und Kuchen, ivurden verschiedentlich auch unmittelbar an die Verwundeten iit den Laiaretten verabreicht.

Ö Rodheim b. Hungen, 11. Nov. Daß unsere Gemeinde an Opferwilligkeit und Gebefreudigkeit hinter andern Gemeinden des Kreises Gießen nicht zurücksteht, beweisen folgende eingegangene Geldspenden und Liebesgaben fürs Rote Kreuz und Kriegs- Hilfe. Zwar wurden die hier gesammelten Gaben nicht an das Kreiskomitee abgeliefert, sondern nach Ermessen des hiesigen Orts­ausschusses verteilt. Es wurden 90 Mark bar an das Reserve­lazarett II zu Gießen abgeführt, 100 Mfirk an hiesige bedürftige Familien von Kriegsteilnehmern gegeben, 83 Atark für die Hinter­bliebenen der Gefallenen an die Post zu Hungen geschickt, über

30 Mark für WoUe ausgegeben, und 175 Mark bar sind noch vor­rätig. Wetter ergab eine Sammlung bei hiesigen Einwohnern 125 Hemden, 52 Bettücher, 98 Paar Strümpfe, Kissen, Bezüge, Handtücher usw. 430 Eier und eine Wagenladung Gemüse, Kar- tosfeln und Aepsel erhielt das Reservelazarett II zu Gießen. Heute geht eine Sendung Kartoffeln und Gemüse für die Ober-Elsässer nach Mülhausen ab. 30 Kriegsleilnehmer wurden durch die Ge­meinde versichert. Am letzten Sonntage versammelten sich die Jugendwehren von Langd, Rabertshausen, Rodheim und Stein- Heim unter Führung der Lehrer dieser Gemeinden zu einer gemein­schaftlichen Kriegsnbung zu Rodheim.

Kreis Schütten.

§ Schotten, 10. Nov. In den Gemeinden des Kreises wurden bis jetzt nahezu 21000 Mark für das Rote Kreuz ge­sammelt. Vorige Woche fand aus demBockzahl" eine In­struktion für die militärische Vorbildung der Jung- mannschaften des Kreises durch Leutnant der Reserve Petri aus Gießen statt. Die Uebungsleiter der einzelnen Genieinden waren säst vollzählig erschienen. Die hiesige Jungmannschast führte das in der Kürze Gelernte vor und fand allseitigen Beisall. In allen Kreisen der Bevölkerung bringt man den Bestrebungen reges Inter­esse entgegen.

Starkcnburg imd Rhcinhessen.

O Ober-Mossau, 10. Nov. Tie hiefiae Psarrstell- ist Piarrasfistent Müller ans Jugenheim (Rheinhessen) übere tragen ivorden. Der neue Piarrer ist der sünite Geistliche, der innerhalb Jahresirist in unserer Gemeinde wirkt gewiß ein seltenes Vorkommnis.

O Wald-Michelbach, 10. Nov. Zum Amtsrichter bei den, hiesigen Amtsgericht wurde Werichtsassessor Paul Schmidt in Bad-Nanheini ernannt. Tie Neubesetzung ist not­wendig geivorden insolge des Todes des Oder-Amtsrichters Bickel Haupt, der in Frankreieh gefallen ist.

O Rim ha eh, 10. Nov. Mit dem Eisernen Kreuz ivnrde der llnterosfizier Philipp S eh a a b im Jns-Regt. 118 aus­gezeichnet, der Turnwart unseres Turnvereins.

O Birkenau, 10. Nov. Wehrmann Kinnscher ff erhielt die hessische Tapferkeits-Medaille.

Hessen-Nassau.

[] Marburg, 10. Nov. Die ZahlderStudieren- d e n der hiesigen Universität beträgt in diesem Winter­semester nur 2032, darunter 165 Damen. Neu eingeschrieben wurden 144 Studierende, darunter 36 Damen. Es studieren Theologie 221, Jurisprudenz 260, Medizin 597 (darunter 30 Damen), Philologie 954 (darunter 135 Damen). Der weit­aus größte Teil der Studierenden ist ins Heer eingctreten.

() Frankfurt a.M11. Nov. An der U n i v e r s i t ä t Franksurt a. M. sind für das laufende Wintersemester bisher 380 ordentliche Studierende immatrikuliert. In An­betracht des Umstandes, daß es sich ausschließlich um neu immatrikulierte Studierende handelt, da die ncugegründete Frankfurter Universität nicht wie die andern über einen alten Stamm von Studierenden verfügt, übersteigt die Ziffer die Erwartungen, die man nach den gegebenen Verhältnissen hegen konnte, nicht unbeträchtlich. Die letzte öffentliche Jms- matri.kulatwn findet Freitag. den 13. Nov., statt._

Danvel.

Höchstpreise für Metalle. Nachdem in der letzten Zeit trotz der Zurückhaltung, die sich die führenden Firmen auf­erlegt haben, die Metallpreise eine in den Verhältnissen durchaus nicht berechtigte Steigerung erfahren haben, steht jetzt, so schreibt man der Franks. Ztg. aus Berlin, die Festsetzung von Höchstpreisen für eine Reihe von wichtigen Metallen (zunächst sür Kupfer, Aluminium, Antimon und Nickel) nahe bevor. Es ist zu erwarten, daß durch diese Maßnahme auch die jetzt in der Hoffnung aus wettere Preissteigerungen zurückgehaltenen Vorräte dem Markte zugesührt werden.

kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Heute abend 8 Uhr: Kriegsbelstnnde in der Johanneskirche. _ Piarrer Bechtolsbeimer.

Wetteranssichten in Hessen am Tonnerslaa, den 12. Nov. I314r

Trüb, Regeniälle, etwas wärmer, westliche Winde.

Letzte Nachrichten.

Aus Luxemburg.

Luxemburg, 11. Nov. Der Eröffnung der dies-, jährigen Luxemburgischen Kammersession wird die Großherzvgin Maria Adelhaid mit ihrer Mutter und drei Prinzessinnen beiwohnen. D i e Großh er zogiu. wird selber die Thronrede verlesen, was .seit langer Zeit nicht vorgekvmmen ist. Man glaubt, daß die Großhcrzogin bei der Eröffnungssitzung der Kammer Ge­legenheit geben wird, die deutschen Anschauungen aus di­rekter Quelle kennen zu lernen, in der Thronrede die inter­nationale Lage Luxemburgs besprechen und gleichzeitig durch ihr Erscheinen im Parlamcntsgcbäude die im Auslände ver­breiteten Gerüchte über eine Gefangennahme durch die Deut­schen entkräften werde.

Englische Flieger bei Brüssel.

Rotterdam, 10. Nov. In der vergangenen Woche ver­suchten englische Flieger vergeblich, aus das Benzttilager in Haren, nördlich von Brüssel, Bomben zu werfen. DasLager wurde nicht getroffen. Der angerichteteSchaden ist gering. In Belgien ist der Bahnverkehr fast vollständig wieder hergestellt.

Diplomatische Mißerfolge des Dreiverbandes aus deni Balkan.

Athen, 10. Nov. Aus gutinsormierter Quelle wird erklärt, daß die Diplomatie des Dreiverbandes ihre Anstrengungen in den neutralen Balkan-Hauptstädten scheitern sieht. Derselben Quelle nach lehnte Bulgarien es ab, sich gegen die Türkei zu erheben, trotz­dem ihm als Lohn von dem Dreiverband Thrazien mit Adrianopel versprochen wurde. Dies wird als Beweis, dafür angesehen, daß das Einvernehmen der Türkei mit Bulgarien' effektiv ist.

Französische Beurteilung der Kampflage.

Genf, 10. Nov. Tie Kriegslage wird von den franzö­sischen Blättern dahin beurteilt, daß die Deutschen zum letzten Streich a u s h o l e n, um die Verbündeten im Norden zu schlagen. Man möge nicht vergessen, heißt es, daß dieser Kraft- auswand womöglich noch größer sein wird, als der seit drei Wochen unternommene Versuch. Die Deutschen werden nicht auf den so lange begehrten Besitz der Küste von Calais verzichten, bis sie nicht ihre letzte Karte ausgespielt haben. Bei den großen Hilfsmitteln, über die der deutsche Generalstab verfügt, ist es unmöglich, im voraus zu wissen, wie dieser äußerste Kampf im Norden verlaufen wird. Man wird einer erbitterten Schlacht entgegensehen müssen.

Bulgarien und Serbien.

Konstantinopel, II. Nov. Wie derOsmmiische Lloyd" berichtet, habe die buligarisrhe Regierung ihren Ge­sandten in Nasch angewiesen, der serbischen Regie­rung folgende Forderungen zu unter breiten:

1. Serbien entläßt sofort aus seiner Armee die aus Macr- donien stammenden bulgarischen Soldaten: 2. die serbische Regie­rung bestraft sofort jene Serben, die den nach« Strumitza ent­sandten bulgarischen Abgeordneten Gregoriew ermordeten; b. die serbische Regierung trifft geordnete Maßnahmen, um das Treibeir der serbischen Behörden in Maeedonien unmöglich zu macken:

4 die bereits geioählte serbisch-bulgarisckx Kommission beginnt in dem Gebiete Gewgbcli und Jjttp sofort ihre Tätigkett.

Halil Bcy in Bukarest.

Bukarest, 11. Nov. Halil B e y, der Präsident der tür­kischen Kammer, dcr vor seiner Erwählung zum Kammerpräsideitten als Bolschaster in Bukarest auserseheu lvar, ist in besonderer Mission in Bukarest «ingetrosse».