Ausgabe 
5.11.1914
 
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Nr. 260

Der Slehener Anzeiger

erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöcbentlich GletzrnerLamIIiendlätter; zwennal wöchenll.Lreis- blattfilrden «reis Sietzen (Dienstag und Freitag): zweimal msnatl. Land- «irtschoftliche öeitsragen Feriisprech - Anschtösse: sürdieSchr>itleiIungI12 Verlag,Geschäilsstelle51 Adresse iür Drahtnach­richten: Anzeiger Sietzen. Annahme v«n Anzeigen sür die Togesmunmer bis vormittags 9 Uhr.

Erster Blatt J64- Jahrgang Donnerstag, 5. November

Gietzener MzetzF

General-Anzeiger für Oderhessen

Rstationrdruck und Verlag der Srühl'schen Univ.-Such- und Zttindruckerei 8. Lange. Schriftlritung, Seschästrftelle u. Druckerei: Schnlstr. 7.

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Ein Seelompf an der englischen Höfte. Untergang eines englischen Unterseebootes. Unfall des deutschen Hrmzers yorL

(MTB.) Berlin. 5. Nov. (Amtlich.) S. M. großer I Kreuzer York ist am 4. November vormittags in der I a d e ans die Hafenmincnspcrre geraten und ge-I funken. Nach bisherigen Angaben sind 382 Mann, mehr als die Hälfte der Besatzung, gerettet. Die Rektungsarbeiten waren durch dichten Nebel erschwert.

Der stellvertretende Chef des Admiralstabes, gez. Behncke.

Berkin, 5. Nov. (Ctr. Bin.) Ans London wird uns über Lolland gemeldet, daß bei L o w e st v f t und Darmouth gestern heftiger Kanonendonner gemeldet wurde. Bei dichtem Nebel in etwa IVMeilcn Entfernung haben acht deutsche Schisse auf englische Fahrzeuge das Feuer eröffnet. Wäh­rend des Kampfes fürchteten die englischen Behörden offenbar einen ILandungSpersuch Me Truppen wurden konzentriert und besetzten die Straßen. Als englische Kreuzer und Torpedoboote erschienen, dampften die deutschen Schisse ab.

Wie sich nunmehr herausstellt, wurde bei diesem Kampf ein englisches Unterseeboot vernichtet. Folgende Mei­dling vom Sekretär der englischen Admiralität liegt darüber vor: Gestern morgen beschoß ein feindliches Geschwader das K ü st e n - >o acht schiffHalcyon". Ein Mann wurde verwundet. Als Halcyon" die Anwesenheit feindlicher Schiffe signalisierte, zogen fick.diese zurück, verfolgt von englischen leichlcit Kreuzern. Der letzte deutsche Kreuzer warf Minen aus, und das englische Unterseeboot1>5" stieß auf ein« der Minen und sank. Zwei Offiziere und zwei Mann, die aus der Brücke des Unterseebootes standen, wurden gerettet. Der Rest der Besatzung ertrank.

Weiter meldet derBerk. Lok.-,Anz." aus Aittsterdam: .Aus London wird gemeldet: Am Dienstag ftüh wurde das Ka- nouenboot für KüstenbewachungHalcyon" beim Patrauillendienst durch /ine deutsche Flottille angegriffen. NachdemHalcyon" den Angriff gemeldet hatte, kamen britische leichte Kreuzer zu Hilfe, vor denen der Feind sich schnell zurückzog. Obwohl die Briten ihm auf jdckir Fuße nachsolgten, konnten sie die feindliche Flotte vor Anbruch der Nacht nicht zum Kamps zwingen. Ein deuffcher Kreuzer der Nachhut streute eine Anzahl Sceminen hinter sich, von denen eine das über Wasser mitfahrende TauchbootD 5" zum Sinken brachte.

(WM.) Großes Hauptquartier, 4. Nov'. vormittags. (Amtlich. 1 Unsere Angriffe auf Dpern nördlich Rohe und östlich Soissons schritten langsam, aber erfolg­reich vorwärts.

Südlich Berdun und in den Vogesen wurden fran­zösische Angriffe abgewiesen.

Aus dem östlichen Kriegsschauplätze hat sich nichts wesentliches ereignet.

* * *

Eine Trauerbotschaft überrascht uns heute; sie hat aber auch einen Drost ftt sich: es wcrr nur ein Unfalb, der Uns den Kreuzer Dort hinweggerafft hat, der Feind Hot keinen "Anteil daran. Vielleicht steht das bedauerliche Ereignis im Zusammenhang mit dem Auslaufen eines deutschen Ge­schwaders, das, trotz Minensperre, bis an die eng­lische Küste vorgedrungen ist und, laut der vor­stehenden Meldung, eineni englischen Unterseeboot den Unter­gang bereitet hat. Der englische Küstenstrich, der ob der drohenden Gefahr einer deutschen Landung in so große Ans­regung geraten ist, gehört der Grafschaft Suffolk an und liegt irördlich von London. Es waren diesmal nicht nur Unterseeboote, die den kühnen Vorstoß an die englische Küste unternahmerr; ein deutscher Kreuzer hat der englischen Marine den erwähnten Schaden verursacht. Zu einer Zeit, in der die Engländer so viel Aufhebens von der Sperre der Nordsee machen! Wie wird nun die Angst in London steigen und wie werdmi die über die englische Lmmaßung erbitterten Neutralen heimlich lachen!

DerDorck" war keiner unserer wertvollsten unb statt­lichsten Kreuzer; 1904 erbaut, hatte er etwa 600 Mann Be­satzung und eine Wasserverdrängun-g von 9500 Tonnen. Sein Schwesterschiff ist derRoon".Gneisenau", der nach einer heutigen Meldung mirScharnhorst" undNürnberg" glück­lich in Santiago "de Chile cingelanfen ist, ist stattlicher, und Merlvoller, denn er hat einen Tonnengehalt von 11 600

Hoffentlich loivd- der Name des alten Dorck in der deut­schen Marine nicht evrschwinden! Ans den nachsolgenden Be­trachtungen geht hervor, daß 2h>rcks Name hinter Gneisenau nicht zurüctzustehen braucht.

Der Feldzug in Belgien und Frankreich hat, was die deutsche Führung anlangt, sich so glatt und einleuchtend abgespielt, daß man an der einhe i tli ch c n, planmäßigen obersten Seitung kaum zweiselu darf. Auch die Führer der einzelnen .Heere haben chre Aufgaben aufs beste erfüllt. Und wenn man nach dem bekannten Rückzug düs deutschen reckten Flügels in Frankreich an die Möglichkeit gedacht hatte, daß einzelne Truppenführer ihre Aufträge nicht ganz glücklich zur Ausführung gebracht habeu könnten, so wurden diese Zweisel hinterher durch Gnadenbeweise des Kaisers, durch Erlasse an die Truppenteile mit erkeuchharer Absicht be-

I seiftgt. Wir können, soweit wir Umschau halten, keinerlei Anhaltspunkte dafiir finden, daß im Hauptquartier sich nicht > alles nach einem Willen vollzöge uno daß in den acht Heeren, die in Belgien und Frankreich fechten, irgendwelche Eigenmächtigkeit oder Unstimmigkeit sich geltend mache. Die Erkrankung des Generalstabschefs v. Moltke hat bei müßigen Kriftkern, die ohne Grundlagen und Sachkenntnis zu urteilen Pflegen, einiges Gerede erweckt, das nicht wert ist, wider­legt zu werdest, da auch! in diesem Fülle der Kassier durch einen außerordentlichen Freundschaftsbeweis er stellte Herrn v. Moltke bekanntlich seftl Sck)loß in Homburg zur Verfügung alle ängstlichen Betrachtungen zersfteute.

Der Feldzug von 1670/71 war im deutschen .Heere unter Moltkes Leitung ebenfalls frei von Mißhelligkeiten der er­wähnten Art. Zwar ist es keinem Feldherrn in die Hand gegeben, einen vorgefaßten Fekdznigsplan in allen Einzel­heiten genau zur Ausführung zu bringen; es muß vielmehr immer mit Ereignissen und Zwischenfällen gerechnet werden, die besonders der Feind zu bereiten in der Lage ist und die einen neuen Aufbau der strategischen Entschließungen be­dingen können: Auch der Krieg von 1870/71 bietet Belege hierfür. Lehrreicher aber sind die Erfahrungen aus den Be­freiungskriegen vor 100 Jahren. Wir dürfen diese kriegerische Zeit heute mit kritischerem Auge durchmustern, denn kriegs­technische Fragen haben in unseren Tagen ein ganz außer­ordentliches Interesse erlangt; wieviel mehr fesselt ihre Er­örterung wenn damit die NlOnren von Männern in Ver­bindung gebracht werden, die das deutsche Volk mit Stotz zu seinen Großen zählt! Blücher, Dorck, Gneisenau, mm Um­schließt sie mit gleicher Liebe und Verehrung; das Ergebnis und di« Entwicklung ihrer damaligen Kämpfe erscheinen heute in einer gewissen Verklärung, und dock« waren die Beziehungen dieser großen Männer nicht von 'Spannungen frei, ja sogar handfester Haß hat sie in welthistzorischeni Tagen öfter heimlich gegeneinander gefiihrt.

Bekannt ist besonders der Gegensatz zwischen: Dorck und Gneisenau, der gerade heute, wo das Schicksal der gleich­namigen Schiffe der deutschen Marine in aller Münde ist, wohl einige Aufmerlsamkeit finden dürfte. In

einer eben erschienenen sehr fesselnden psycholo­gischen Studie (Verlag von Mittler und Sohn, Berlin) hat General der Infanterie z. D. v. Zwehl auf Grund neuer Untersuchungen diesen Gegensatz erklärt und kritisch beurteilt. Dabei fällt so recht ins Auge, was unsere Zeit vor der damaligen voraus hat: nämlich die einheitliche mili­tärische Schule, während in der Zeit vor IM und mehr Fahren in den Köpfen mancher Führenden von vornherein poliftsche und militärische Gegensätze zusammenstießen.

Dorck und Gneisenau warert ihrem ganzen Wesen nach grundverschiedene Menschen:

Dorck, 1759 geboren, war bei Beginn der Befteiungskriege nickü allein ein völlig abgeschlossener, fertiger Charakter, sondern auch ein bewährter Führer, der auf tatsächliche, vielseitig« Erfolge znrückblicken konnte. Eine harte Schule des Lebens hatte ihn ge­bildet, seine militärischen Anschauungen gründeten sich auf Beob­achtungen in vielen Erdteilen. Er mar als Lehrer des zerstreuten Gcsochts und des Dienstes der leichten Infanterie seiner Zeit voraus bahnbrechend gewesen. Auch als Führer im Gefecht hatte er im Jahre des Schreckens und des Zusammenbruchs der Armee des Großen Königs auf dem Rückzüge bei Mtenzaun und m den Kämpfen bei Lübeck sich; vortresstich bewährt. In den folgenden Jahren mit zahlreichen Beweisen des Vertrauens seines Königs begnadigt, vielsach mit verantwortungsvollen Aufträgen bedacht, hatte er sich 1812 in Rußland, bevor es zum endgültigen Bruch mit Macdonald kam, als Führer des preußischen Hilfskorps dessen volle Zufriedenheit erworben Napoleon bot ihm den Marsckmll- stab mit 20 000 Franken lebenslänglicher Jahresrentc an. Am Tage von Tauroggen war er der Mann der Tat gewesen, hatte int Frühjahrsseldzugc 1813 überall mit Ehren im Feuer ge­standen. Das Leben hatte den von Natur verschlossenen, peinlich rechtlichen, aber harten, fast finsteren Mann streng, wo es sein mußte, bis zur Härte streng gemacht, sein an sich kritischer Ver­stand ihm eine Ncimmg zmn Pessimismus gegeben. Erst nach längerer Bekanntschaft gab er sich sreicr und zeigte, daß unter der äußeren Härte ein warmes, teilnehmendes Herz schlug. Im gewöhnlichen Verkehr aber ging durch sein Wesen ein fast fin­sterer, scheinbar mürrischer Zug, der anders geartete Naturen absticß.

Dagegen Gneisenau:

An Lebensalter nur ein Jahr jünger als Dorck, hatte er bis zum Kapitän sein Leben in kleinen Garnisonen, in dem Einerlei des damaligen schematischen Dienstes verbracht, als das Schreckens­jahr 1806 anbrach Bei Jena war er vorübergehend im Stabe Hohenlohes gewesen und durch einen Zufall der Kapitulation von Prcnzlan entgangen. Ae Belagerung von Kolberg sah ihn als dessen unverzagten, heldenmütigen Kommandanten. Immerhin war diese «Verteidigung, so ruhmvoll sie für die Preußen und ihn selbst war, dock, iiur eine Einzeltat. In der Reorgwiisations- kommission hatte Gneisenau als Gehilfe Scharnhorsts eine wich­tige Rolle gespielt, aber das war in den Augen namentlich derer, die seinen fortgeschrittenen militärischen Standpunft nicht teilten und sie waren sehr zahlreich, doch alles Mehr Theorie oder Organisatorisches. Auch seine längeren Reisen, sem Aufenthalt in England hatten ihn militärisch nicht fördern können. Aus den Gesichtsfeldern und in der Praxis hotte noch niemand, nament­lich Dorck nicht, ihn kennen oder gar schätzen gelernt. Als er 1813 bei Beginn des Herbstfeldzuqes als Chef des Gencralstabes zur Schlesischen Armee trat, schrieb er an den König Friedrich Wil- hclnk: So sehr ich mich durch einen solchen Beweis des König­

lichen Vertrauens zur lebhaftesten Dankbarkeit besrnert fühle, so gebietet mir doch meine Pflicht, Ew. Königlichen Majestät un- oerhohlen zu sagen, daß ich die sür diesen Posten erforderlichen Kenntnisse und Fähigkefteii nicht besitze. llptxp der Oberleitung:

des Generalmajors Scharnho-st und bei der Unterstützung ein­sichtsvoller Freunde konitte ir'i wohl einigermaßen dem Genera!- quartiermeisterposten eines kleinen Armeekorps vorstehen, aber die höchst wichtigen Geschäfte eines Generalquarftermeisters für eine große Armee und in einem so hochwichtigen Moment zu übernehmen, dafür fühle ick; meine Kräfte unzureichend." Das naren keine Redensarten, keine scheinbare Bescheidenheft, die den Widerspruch, Hervorrufen sollten, sondern innere Ueberzeugnng. Längerem, dessen Urteil über Dorck oben angeführt ist, sagt über Gneisenau:Der Chef des Geacralstabes Gneisenau ist ein unter­richteter, tapferer Soldat, ein ausgezeichneter General. Seme Studien und die aus den Kriegen der FranzösisckLN Revolntron abgeleiteten Erfahrungen hatten ihn gelehrt, daß, man die ver­alteten taktischem Grundsätze verwerfen müsse, weil sie 22 Jahre lang alte Niederlagen der Feinde Frankreichs verursacht hätten. Er hatte begriffen, daß man Napoleons System der Kricgstihrnng annehmen, ihn durch große Operationen tu derselben Weise in Erstaunen setzen müsse, wie er durch kühne Bewegungen Europa überrascht habe. Aber wenn ich auch den Taleittcn des Generals Gneisenau alle Gerechtigkeit ividerfahren lasse, kann ich dasselbe Lob seinem Charakter nicht spenden. Sern Hochmut, ferne Eigenliebe dulden nicht den leisesten Widerspruch: selbstsüchtig, hart, aufbrausend, grob und derb in einem Maße, wie es selbst bei einem Deutschen ungewölpilich ist, imrd er allgemein gehaßt und muffte es sein."

Gneisenau war mit Doyen und vor allem mit Scharn­horst einer der leidenschaftlichsten Vertreter der Steinschen Reformen. Dorck aber schrieb am 21. September 1808:Der Mann (Stein) ist zu unserein Unglück in England ge­wesen und hat von dort seine Staatsweisheit hergehoü; und nun sollen die in Jahrhunderten begründeten Institutionen des auf Seemacht, Handel und Fabrikwesen beruhenden reichen Großbritanniens unserem armen, ackerbautreibenden Preußen an gewöhnt werden."

Dorcks Standpunkt war, die Geschichte hat es bewiesen, unhaltbar, aber er hat, so nrteikt v. Zwehl, den von Gnei­senau im Jahre 1811 in einer Denkschrift vertretenen Ge­danken eines Volkskrieges gegen die fremden Bedrücker mit guten Gründen von der Hand gewiesen.Wirs der Aus­gang Preußens gewesen wäre, wenn man schon 1811 dmt Volkskrieg in Preußen nach Gneisenans Vorschlägen versucht hätte, ist unschyver zu erkennen."

Wir können nicht allen Einzelheiten hier folgen, in denen General v. Zwiehk an der Hand der Ereignisse desl Herbstfeldzuges von 1813 die mancherlei Mißhelligkeiten zwischen Gneisenau auf der einen und Porck auf der an­deren Seite auf deren grundverschiedenes Wesen znrück- führt: bei Porck starres Festhalten an überlieferten An­schauungen, auch wo es sich uin Ueberlebtes, die fteiere- Entwicklung des Staates hemmende Einrichtungen han-t delte, bei lNneisenau hinmrcMirmender Optimismus, dckr öfter die verderblichsten Folgen hafte haben können.

Dorcks Charakter kommt in der Studie Zwehls, der zwar erklärt, nich.t allgemein fcststellen zu wollen, welchen von den beiden berühmten Generalen die größte Sch>ull> treffe, entschieden besser weg als der Gneisenans. Blücher überließ seinem Generalstabschef volle Selbständigkeit. Am 25. August kam es zum ersten verhängnisvollen Zniammen-' stoß. Nach den von Dellrück benutzten Quellen Höften Blücher und Gneisenau mit den Offizieren des Stabes tu Jauer bei Tisch gesessen,

als sich plötzlich die Tür öffnete und Dork hereintrat. Gneisenau sah, daß es eine Szene geben würde, wobei die (Gegenwart der ftemden Ofsiziere nicht erwünscht sein konnte. Er stand auf, ging Pork entgegen und führte ihn in ein lleines Seitengemach, wohin ihnm Blücher unmittelbar folgte. Hier erhob Aork seine Vor­würfe über die unerhörten Fatiguen, über den Mangel an Ver­pflegung und schloß mit der Versicherung, daß die ganze Armee sichanflöse und er dergleickten nicht länger verantworten könne, daß er dem Könige seinen Bericht darüber machen werde. Zwei Tage Ruhe seien der Arniee durchaus nötig. Gneisenau, obwohl er nur Generalmajor und Pork Generalleutnant war, übernahm die Antwort, rekapitulierte ihm kurz, was geschehen und warum cs geschehen sei, und daß man bei jenem einen Widerstreit und einen Starrsinn finde, der nicht selten an Ungehorsam streife, dann machte er die Tür auf und fragte:Haben Euere Exzellenz sonst noch was zu befehlen?", woraus York mit einer kalten Verbeugung gegen Blücher abging."

Wenn, so bemerkt dazu v. Zwehl, diese Schilderung Del­brücks wirklich authenftsch ist, so begreift nian die nachsichts­volle Milde und Zurückhaltung Aorcks kaum und ist erstaunt, daß er nicht nach den ersten Worten Gneiseuaus diesem ge­sagt hat:Herr General, ich habe mit Ihnen gar nichts zu verhandeln. Sie sind der Gehilfe des Generals v. Blücher, aber nicht mein Vorgesetzter, diesem wünsche ich meine Mel­dung zu machen, nicht Ihnen." Daß sich gar Gneisenau! erlaubt hätte, den Generalleutnant v. Dorck durch Oeffueu der Tür hinauszuweisen, klingt gcknz umoahrscheinllch. Sollte es doch der Fall gewesen sein, so wär»r es eine be­dauerliche Entgleisung Oftieisenau-s, die mff seine militärische Erziehung und seine Bildung kein günstiges Licht würfe. Auch in der Sache pflichtet v. Zwehl dem Standpunkte Dorcks. bei:Die Schlacht au der Katzback wurde nicht gewonnen; weil man diese Hin- und Herzügc vorgcnommeu hatte, son­dern trotz der Mißgriffe in den Tagen vorher, nainentlich aber, weil die Einzelanordnungen des OberkoinniandoS für das Korps Dorck nicht zur Ausführung kamen."

Dorcks Verdienste um den Sieg an der Katzbach wur­den 'in Gneiseuaus amtlichem Bericht nicht gewürdigt. Dorcks 'Name wurde überhaupt nicht erwähnt. Auch die An­ordnungen zur Verfolgung, die von Gneiseium. crudqinqen wurden nach der Ansicht Zlvehls den tatsäckMzen Verhält-