Fr«lt unb am Logrrfeuer umgehen. Es gehört mit zum Wesen des Kriegs hu mors, daß er nur in feiner Umgebung wirkt. Die hübschen Anekdoten, welche unsere Veteranen von 66 und 70 am Stammtisch erzählen und von denen der jetzige Krieg sicherlich eine große Fülle erzeugen wird, sind meist erst später in der beschaulichen Rückerinnerung entstanden.
Wenn der junge schwäbische Freiwillige, der sich seinen von einer Granate zerschmetterten linken Fuß mit einem Abschiedsblick be leuchtet , che er ihm im Feldlazarette abgenvmmen wird, ruhig und betrüblich sagt: „Hätt'S nit lieber die linke Hand sein könne?
aus oem Fuß >oär i halt gern noch enial aus unserer Kirchweih getanzt!" so ist das kein Witz, der aus das Gelächter der Zuhörer berechnet ist. Wer es liegt eine tröstende Krast lür die anderen in der Fassung des Schwerverwuudeten, der tapfer genug ist, den tzeilen Zuspruch zu bieten, während er selbst den Jugendsreuden Valet sagt.
Oder ein anderes Beispiel: Einem Landwehrmanne, einem zungcnstinkcn Schneider aus Neukölln, ist,vor Lüttich eine belgische Jnfanteriekugel in die linke Hütte gefahren und zur rechte:, wieder herausgedrungen. Bei der Untersuchung im Lazarette stell' sich heraus, daß die Verwundung sehr seltsam verlauten und zwar schmerzhaft, aber nicht gefährlich ist. Die Kugel itt unmittelbar ymtrr bei Bauchhaut im Bogen um den Leib heruingegangen und bat keinen edlen Teil gefährdet. „Del sind nu wieder ianz die Belgier," bemerkt der Neuköllner zu dieser Feststellung. „Niemals jerräezu, immer die verfluchten Winkelzüge."
Solch ein Wort wird von Belt zu Bett weitergegeben. Es verklärt die blassen Gesichter der Leidenden und kommt mit der nächsten Krankenträgerkolonne schon in den Schützengräben, wo die Kameraden des Verwundeten noch im Feuer liegen. Und zwischen Laden und Zielnehmen geht es von Mund zu Mund: „Du, haste schon gehört, tval Emil zu seinein Bauchschuß jesagt hat! Braver Kerl, ,oat?" — Feuer! Und die Kugeln zischen von hüben und drüben. Halb noch im Lachen, daß Emll so einen guten Spaß gemacht hat und halb im Schmerz, weil ihn selbst eben die Kugel traf, parkt ein anderer seinen zerschlagenen Arm ein und folgt Emil nach dem Lazarett. „Aus Wiedersehen!" rust er den Ka merrcken zu. „Aber hier draußen, nich drinne bei die Karboldragoner."
Wochenlang liegen sie in den Schützengräben, Stunde um Stunde unter dem Heulen der Granaten und dein Zischen der Schrapnells, jeden Augenblick gewärttg, selbst getrosten zu werden. Da sind sie die Höllenmusik der todspeienden Feuerschlündc ebenso gewohnt geworden wie tvir, die wir sie vom Hauptguariicr aus größerer Entfernung hören. Sie darf ihnen den Humor nicht mehr stören, sonst wäre es schlimm um sie bestellt. Und sie stört ihn
nicht.
„Ich werde Ihnen mal ganz einen gebildeten Vortrag halten," erklärt ein nach wochenlangem Liegen im Schützengraben verwundet zurückkehrender .Hauptmann. „Der Mensch ist ein Produkt seines Milieus, nicht tvahr, das stimmt doch nach Zola und Ibsen und wie sie heißen? Das ist also ganz gebildet modern ausgedrückt. Unser Milieu ist brauner Lehm. Der lelimbraune Schüyengraben- mensch, das ist die neueste Entwicklungsstufe. Hat nichts zu saufen, reagiert sauer auf Erbswurst, unterscheidet die ältesten Jahrgänge Sp«k mit der Zunge und an der grünen Farbe, wie ein Weinkcnner, und schläft im Schlamm wie eine Teichkröte. Da Itaben Sie die ganze Naturgeschichte. Zoologischer Name: Homo sol- datirus fossilis, von Fossa, der Schützengraben. Latein IV., Laune I."
Sie haben auch schon ihr Bundeslied, diese lehmbraunen, versteinerten Grabenmenschen. Ein junger Oisizier, der es an der Aisnc verfaßt haben soll, hat das Verdienst, den ersten in diesem Kriege volkstümlich gewordeneti Gesang gedichtet zu haben, der Aussicht l>at, bald eben so beliebt zu werden, wie das Lied des Füsiliers Kutschke 1870:
Das Haar wächst uns zur Mähne,
Die Seife ward uns fremd.
Wir putzen keine Zähne,
Wir wechseln auch kein Hemd,
Durchnäßt such alle Kleider,
Oft bleibt der Magen leer,
Von Bier und Wein gibt's leider Auch keinen Tropfen mehr.
Es quatscht in Schuh uud Socken,
Der Dreck spritzt bis zum Ohr;
Das einzig«, was noch trocken,
Sind Kehle und Humor.
<So klingt es nach der Weise eines alten Studentenliedes ans den Schützengräben, Staunend vernehmen die Franzosen^ diesen rauhen, germanischen Barditus, der sich toohl schwer in ihre Sprache übersetzen läßt, so genau auch iedes Wort zu verstehen ist.
Denn sie liegen sich stellenweise nur 30—50 Meter gegenüber, die seindliclzen Schützengräben, Und da hat sich zwischen den Feinden, die so lange gemeinsam dein Tod ins Äuge blicken, eine Art ikommcnt her aus gebildet, genau wie cs 1870 geschehen ist. Mittags von 12—2 Uhr ist an vielen 'Stellen der Lampsliuie auj Grund einer beiderseitigen streng eingehaltencn Vereinbarung Schießpause eingelegt worden. Es kann aber Vorkommen, daß infolge von zwingenden Gründen menschlicher Natur einer der Kämpfer .zu anderer Zeit den dringenden Wunsch hat, den Schützengraben zu verlassen. Dann hebt er den Gewehrkolben in die Höl>e. Das Hcken der Gewehrkolben im feindlichen Graben zeigt ihm an, daß er verstanden worden ist und den Graben verlassen kann, Näeist verläßt gleichzeitig auch emer der Feinde den Graben, gc- üässermaßen als Geißel, Zwilchen Deutschen und Franzosen ist es noch nicht oorgekontmcn, daß aus jemand im Augenblicke dieser notgedrmigenen Neutralität geschossen worden ist. Mit den Engländern freilich wird kein Versuch zu Vcreirbarungen dieser Art eigentümlicher Ritterlichkeit gemaclst. Dazu ist die Erbitterung aus unserer Seite und die Heimtücke aus ihrer zu groß.
Der Mensch gewöhnt sich an alles, schließlich auch an das Maulwurssdascin im nassen Schützengraben. Wer man sucht cs sich so gemütlich zu machen, wie cs der Kvmsort der Erdlöcher zuläßt, ?lus dem Gebiete der wohnlichen Einrichtung der Schützengräben sind jedenfalls in diesen harten Kriegswvchen bemerkenswerte Fortschritte geinackst tvorden. Wenn es in der netten Naturgeschichte des „Homo soldaticus fossilis" heißt, daß er im Schlamme schlafe toic eine Teichkrötc, so ist das eine Ucbertreibung und kommt nur ausnahmsweise vor. Meist schläft er in sehr ztveckmäßig gebauten splittersicheren Unterständen, förmlichen Erdkaserncn, die mit Strohschütten und Docken ausgestattet sind und eine mollige ^Sicherheit gegen Wind, Regen und fcindlick>e Schrapnelle bieten
Man kann selbst Polstersessel und behagliche Kanapees im Schützengraben finden, dir zu einem Mittagsschläfchen mitten im Kugelregen rinladen. In den feindlichen Schützengräben — von den unseligen habe ich bas noch nicht fcststellen können — blühen in bescheidenem Umsange sogar die Wissenschaften. Wenigstens tourden in belgischen Schützengräben dreisprachige Wörterbücher, vlämisch-sranzösisch-englisch gesunden, deren eines ich mir als Andenken mitgenommen habe So guten Willen muß mau loben. Ich fürchte aber doch, daß die Zeit zum Studieren etwas spät geworden war und die vlämisch-englische Verständigung dürfte nach der von den Engländern verschuldeten Beschiespmg Änttvervens auch durch die besten Wörterbücher nicht mehr zu erreick>en sein.
Sehr sinnreich sind die Kochvorrichtungen in den Schützengräben, die so eingerichtet sind, daß kein aussteigender Rauch die Stellung dem Feinde anzeigt. Nur ganz ausnahmsweise dagegen findet sich ein anderes, hier draußen stets als sehr gemütliche Nachbarschaft empfundenes Möbel im Schützengraben, nämlich das Klavier, Immerhin haben die Engländer kürzlich Gelegen- heit gehabt, ans einem deutschen Schützengraben deutsche Kriegslieder init Klavierbegleitung zu hören. Ein rheinischer Klavierlehrer hatte sich an das, in der Nacht aus einem der Zerstörung ausgeliejerten Nachbardorfe in den Schützengraben geschleppte Instrument gesetzt und meisterte die Tasten kaltblütig im ärgsten Kugelregen: er kam nicht einmal ans dem Takt, als ein Schrapnellsplitter das Klavier ankratzte. Leider konnten sich dis Engländer dem musikalischen Genuß nicht lange hingebcn, denn gleich daraus räumte unsere Artillerie ihre Stellung auf. Die Engländer glaub- >en beim eiligen Wschied nock, zu hören, daß die Deutschen ihnen zu Ehren „God save the kurz" spielten. Das war aber ein Irrtum.
Unsere Mannschaften sangen: „Deutschland, Deutschland über
alles!"
In den französischen Schützengräben gibt es noch eine besondere Art von Kwiegskomsort, Da sind beherzte Nichtkvmbattantinnen, welche bis in die vorderen Stellungen Vordringen, so daß man ihr Kichern und Plaudert: in den Schicßpausen bis in unsere Gräben herüber hört. Doch das ist eine Art von Kriegsaufsassung, für du wir keinen Sinn haben. Das geht uns über den Humor.
W. Scheuermann, Kriegsbcrichlerstalter,
Die Eröffnung öcs Ems-Veser-Leine-ttanals.
Ha nnoper, 23. Oktober,
Am 1. November 1014 wird das große westliche Stück des (Rhein-jEms-Weser-Leine-Kanals dem Verkehr über, geben werden, während das (vorläufige) Schlußstück von der Weser zur Leine bei Hannover wohl etwa ein Jahr später betriebsfertig fein wird. Welche Bedeutung hätte dieser ganze Kanal in den gegenwärtigen Kriegszeiteri gehabt, wenn er schon zur Mobilmachung hätte benutzt iverden können! Der Kriegsausbruch hatte den deutschen Eisenbahnen eine Riesenaufgabe geboten, die zwar von unserer Eisenbahnverwaltung glänzend gelöst wurde, iinmerhin aber eine gewaltige Belastung darstellte. In solchen Zeiten erkennt man erst so recht den Wert künstlicher Wasserstraßen, Die Mobilmachung ist vorüber, inmier aber noch stehen die Eisenbahnen zur Berftigung der Militärbehörde, die Fahrpläne, sowohl für Personen- wie für Güterverkehr, können noch nicht so gestaltet werden wie in Friedenszeiten, was zur Folge hat, daß der Eisenbahngüterverkehr sich nicht in norncalen Verhältnissen abwickeln kann. Der Handel, durch den.Krieg au und für sich geschwächt), leidet darunter, es fehlt vor allem an bedeckten Güterwagen, die noch immer in erster Linie den Zwecken der Landesverteidigung dienen müssen. Welch ein Segen wäre es gewesen, wenn in diesen Zeiten schon eine große, ganz Deutjchland von Westen nach Osten durchquerende Wasserstraße vorhanden gewesen wäre! Getreide, Mehl, Steinkohlen und ähnliche Maffengüter, die in diesen Kriegszeiten einen erhöhten Wert besitzen, hätten dann leicht, bequem und sicher auf einem derartigen Kanal befördert werden können, imserer ganzen deutschen Volkswirtschaft zum Nutzen,
Wer iinmerhin, wir dürfen uns freuen, daß der wichtigen Wasserstraße westliches Stück nunmehr doch fertig geworden ist, das Stück von der Ems mit dem! Dortnrund- Eins-Kanal bis zur Weser bei Minden in Westfalen, Auf diese Weise ist wenigstens die direkte Wasserverbindung des rheinisch-westfülischenJndustriegebietes mit der W e s e r (weserabwärts bis Bremen) hergestellt worden. Bei Minden befinden sich die schon öfters in den Zeitungen beschriebenen mächtigen Kanalwerke, das große Hebewerk (Schlachtjchleuse init Sparkammern), das den im Maximum 14 1 /, Meter betragenden Abstieg vom Kanal zur Weser vermittelt, das große elektrisch betriebene Pumpwerk, das zur Speisung des Kanals mit Wasser dient und seine Betriebs- kraft etwa 70 Kilometer weit von einer unterhalb an der Weser belegenen großartigen Ueberlandzentrale bezieht, und schließlich die imposante Kanalbrücke über die Weser, ein Aquädukt, wie er in diesen Wmessungen, in dieser technischen Vollkommenheit in Deutschland seiuesgleickzen nicht hat. Hier bei Minden wird der Kanal nun vorläufig enden. Aber nicht lange mehr, denn man arbeitet mit Hochdruck, trotz des Krieges, an der Vollendung des noch recht großen Stückes von Minden bis Hannover-Misburg, Hannover und seine betriebsame Vorstadt Linden werden besonders in den Häsen, im Leineabstieg und der Schleuse um Lindener Hafen bedeutende Kanalbauwerke erhalten, ie jetzt schon nahezu fertig sind. Unter militärischer Bewachung arbeiten u, a, viele Russen am Kanalbett, die zahlreichen Brücken für Eisenbahnen und Landstraßen sind fertig. In einer zweiten Kanalbrücke, die allerdings nicht so imposant wie die Mindener ist, wird die Wasserstraße über den Leinestutz geführt, und der Endhafen, der für die Industrie Hannovers und Ltudens uud für den Umschlagsverkehr wichtig ist, wird etwa 7 Kilometer östlich von Hannover, bei dein durch seine Zementindustrie bekannten lleinen Orte Misburg angelegt werden. So dürfen wir hoffen, daß der ganze Kanal, vom Rhein bis zur Leine, im nächsten Jahre fertig sein wird, und wir wollen weiter hoffen, daß. dann auch dieser Weltkrieg beendet sein wird und man dann nicht länger zögert, auch das noch fehlende letzte Stück des Mittelland-Kanals, von der Leine zur Elbe, zu bauen! H. W.
Lin brasilisches Urteil über Deutschland und seine Uultur.
Dr. Abrahao Ribeiro veröffentlicht in der Rio-Presse (Brasilien) einen Auffatz, der sich durch gerechte Beurteilung des deutschen Volles und warme Wertschätzung seiner Vev-> dienste um die Kultur im allgemeinen und um Brasilien im besonderen auszeichnet. Die Mitteilungen des Vereins für das Deutschtum im Ausland bringen einen Auszug aus den Ausführungen dieses vorurteilsfreien Südamerikaners.
„Der Brasilier keimt Deutschland nickst, beginnt Ribeiro, weil er niemals dort gewesen ist und auch nichts von diesem Lande gelesen hat wegen der Schwierigkeit der schönen deutschen Sprache, Seine ganze Sympathie gehört Frankreich, das er aus den überall verbreiteten Büchern keimt, die in einer allen verständlichen Sprache geschrieben sind. Aus diesen Büchern lernen wir hier und da anderwärts die Antipathie gegen das große deutsche Volk, so stark sind die Lügen, die uns durch die französischen Schriftsteller über die Deutschen aufgetischt werden, Für den Turchschnittsauskänder ist Paris sehen und Europa sehen, in Paris wohnen und in Europa gewesen zu sein dasselbe.
„Viel mehr als irgend ein anderes Volk hat dos deuffche für Brasilien getan. Die deutsche Einwanderung, von uns selbst im Jahre 1822 in die Wege geleitet, ist die stärkste und die beste im ganzen Lande, Der Staat Parana mag sprechen, denn er hat den untrüglichsten Beweis dafür. Ritt diesen! gesunden, energischen, unternehmungslustigen und disziplinierten ElemeM gedechen unsere Südstaateir aus erstaunliche Art, Der Deutsche tvandert wegen der dichten, immer mehr wachsenden Bevölkerung seines Landes aus, nicht aus Eroberuugslust. Sein Bestreben ist, sich ein gegenwärtiges und zukünftiges Wohlbefinden zu verschaffen. Selbst in Frankreich leben viele Deutsche, die für ihr und der Gegend Wohlergehen arbeiten, 100 sie sich niedergelassen haben. Die Franzosen wandern nicht aus, um nicht noch mehr ihr ovlkarmes Frankreich zu entvölkern: deshalb werden sie nicht wie die Deutschen als
Eroberer verschrien Seien wir nicht undankbar mrd denken wir daran, daß die Deutschen keine Abenteurer sind, wenn sie hierher kommen, ihr Glück zu suchen. Sie sind dem Lande dankbar, das sie ansgemnnmen hat, sie bleiben hier, lieben das Land und arbeiten mit an seinem Jorffchriü: sie erwerben liegende Güter, bauen, gründen Familien und schließen sich uns vollständig an. Wollte ülott, daß es ihnen auch gelingen möge, hier die Gerechtigkeit, di« Ordnung und die Achtung vor den Gesetzen ein,zupflanzen, die das schönste Ruhmesblatt der großen deutschen Nation bilden.
„Dieses ist das Volk, das man „Barbaren" nemtt. Aber einen Barbaren beneidet man nicht. Und warum hegen alle europäischen und einige außereuropäische Länder im höchsten Grade diese ver- abscheuungswürdigen Gefühle gegen diese große Nation von „Barbaren"? Nur einzig und allein wegen der unermüdlichen Tätigkeit, des Arbeitseifers, der großen Geduld, der Gerechtigkeitsliebe und der eisernen Disziplin dieses edlen Volkes,"
Kirdi« itnf* Schule.
Ter Nachfclgu des Fürstbischofs Dr. Kapp.
_ Berlin, 26. Cu. (W. B. Nichtamtlich.) Ter »Reichs» und «taalsaiizeiger" meldet: Nnchdeni biitch den am 4. März erfolgte» Tod des Kardinal-Fürslbischoir Tr, Äons der bischöfliche Stuhl Breslau zur Erledigung gelonrmen mar, fand nach Maßgabe der teslehenden Vorschrilten am 27. Mai v. I. durch das Tomtavilel in Breslau die Wahl des neuen F ü r st b i s ch o s s we che auf den bisherigen Bischos von Hildesheini, Bertram qesallen ist. Dieser erhielt durch vävstliches Breve vom 8. Sep tcnibcr die Bcstätignng zur Ausübung des bischöflichen Amtes. Der staiser und König haben mittels allerhöchster Urkunde dem Bische Berlrani die »achgesuchte landesherrliche Anerkennung als Fürs,, bischos von BrcSlau erteilt. Die llrkunde n'nrde dem F!irstbisch,s am 26. Oktober durch den Minister der geistlichen usw. Angelegenheiten ansgehändigt, nachdem der Fürstbischol den durch Verordnung voni 13. rebrnar 1887 vorgeschriebenen Eid geleistet halte.
Ans Stadt und Land.
Gießen, 27. Oktober 1014,
** Ritter des Eisernen Kreuzes, Leutn. d. R. Heinrich Geck im Feldart.-Regt. 61, komm, als Bats.-Adj. im Jns.-Regt. 118, Leutn, Cornel Vögele y von Worms, Ehrisllan Metzger aus Wornrs-Neuhcrrrsen im Jns.-Regt. Nr, 88. Sergeant Hermann Franz aus Bischoffen iin Ins,. 143 (Bataillonstambvur). Sergeant Hrch. Sänger aus Friedberg-Fauerbach. Oberst Berger, Stoorm. des Jns- Regts. 138 (bisher Komm, des Eisenbähn-Rgts. 3). Bize- felüw Walter Schott im Res.-Jnf.-Regt 88. Bizefeldw. u. Off.-Stellv. Oskar Schenck vom Res.-Jnf.-Regt. 71 aus Hanau. Bankprokurist Ernst Krieg, Uffz. d. L. im Res.- Jnf.-Regt. 88, Uffz. Abel in, Res.-Jnf.-Regt. 88 aus Fulda. Assistenzarzt Dr, Ammenhäuser aus Hanau. Uffz. Bach aus Langendiebach, Jns.-Regt. 88. Res. Heinrich Ge r st i na aus Roßdorf. Cand. Phil. Feicke, auswärtiges AMitglied der Dürerschule Hocktwaldhausen. Oberprimaner Clages, Schüler der Dürerschule in Hochwaldharrsen. Leutn. b. R. Oberlehrer H. Scheererin Msfckld. Mzefeldw. d. R. Oberlehrer P. G r a e b e r in Alsfeld, beide beim Res.-Jnf.-Regt, 116. Fahnenschmied Lindemann in Uellershausen. Fabrikant Wenzel beim Stabe des 118. Landw,-Juf.-RAs, aus Msfeld. Gcfr, Otto Schöffel aus Budcnheim im Jns.- Regt, 118. Leutn. d. R, im Fußart,-Regi. 18 Karl Zimmermann aus Biedenkopf, Karl Pfarrius, Oberapotheker im Feldlazarett des 0, Armeekorps, aus Dodenau. Assistenzarzt Dr, F-rcht P r e n z e l im Jns.-Regt. 60 aus Wetzlar. Oberlt. H o e s l i n g von der Unteroffizierschuhe Wetzlar, jetzt Res-Jns.-Regt. 22. Obergeitdarm Schäfer, 11. Armeekorps, beim Stabe der 43, Jnf.-Brigade, aus RiederbnL August Mohr, Pivn.-Bat, 21, aus Garbenheim.
**MitderhessischenDapferkeitsmcdailtz« wurde ausgezeichnet der Unteroffizier Sei pp, Lcrndtr».- Jnf.-Regt. 116, aus Oberchörgern.
** Die dankbaren 116 er. Bon der 11. Kompagnie des Landwehrregiments 116 ist folgendes Dankschreiben an den Vorstand des Roten Kreuzes eingegangen: ,Jm Namen der Landwehrleute der 11. Komp. L. I. R. 116 gestatte ich mir, allen Spendern der überaus reichen Liebesgaben, die uns hier im Felde bei D. erreich kerc, den wärm stau DanF auszusprechen. Sowohl die praktisch ausgesuchten Kleidu ngsstücke, als auch Lebensmtttel und Dabakund Zigarren wurden mit großer Freude in Ernpfang genonnnen, um so mehr, da sie aus der Garnisonstadt kamen und be^ wiesen, daß man auch dort der im Felde stehenden Landwchv- leute mit warmem Herzen gedachte, gez. Himmelreich, Lt. u. Kompagnieführer."
Liebesgaben von Sthulwädcheu an dt« blauen Jungen. Zwei Klassen unserer Töchterschule haben sich zuscr7nniengeta.il, um unseren blauen Jüngen an der WasserkaMe eine Liebesgabensendung z» inacheu. Jedes der kleinen Dkädchen sammelt für den Zweck in den Kreisen der Verwandten und Freunde seiner Fanrilie und legt den Ertrag der Sammlung in Tabak, Zigarren usw. an. So wird wohl eine sbattliät« Anzahl von Liebesgaben zusammen kommen, du uMer der Bczeichimng .^Liebesgaben Giehener kleiner Mädchen an die blauen Jungen" abgesandt werden soll.
** Vom Arbeitsmarkt. Zahlreiche Schneider west über die Grenzen unserer Stadt hinaus haben seit einigen Wochen durch Arbeiten für Armeebedcrrf himeichende Beschäftigung voraussichtlich bis über den Winter hinaus. Das BeNeidungsamt Kassel hat nämlich mit einer Gießener Firma einen größeren Arbeitsvertrag aus llnisvrmen und Mäntel abgeschlossen.
** Jugendliche Schlachtenbummler. Der 16jähr. Schlosserlehrling Ernst H. und der 13jährige Sohn seines Meisters sind um Samstag abend nach dem Kriegsschauplatz ausgerückt, um den Meister resv. Vater, der in Frankreich beim Amomobilkorps sich befindet, aufzusuchen. Die beiden Durchgänger sind zuletzt, gut für die Reise ausgerüstet, mit schweren Rucksäcken aus dem Rücken, am Selterswcg von einer Frau gesehen wvrden. Sie frug den 13jährigen, tov denn die Rwse hinginge, Nwrwus! derselbe keck entgegncte: Nach dem Kriegsschauplatz, um den Vater zu besuchen, Tic Fragrin, die die Familie des Buben kennt, meinte, die Sache sei Scherz, war aber nicht wenig erschrocken, als ihr die Mutter am anderen Tag erzählte, daß der Lehrbuffch und ihr einziger Mck» durchgebrannt seien. ?ln Reisegeld bis zum Kriegsschauplatz soll es den Ausreißern nicht fehlen, ob sich aber nicht bald die Polizei ihrer annimmt, ist eine andere Sache,
**DieVerwendungderEichelnalsFuttev- mittel. Der reichliche Ertrag an Eicheln in den Waldungen hat, wie wir schon aus einer Rleihe von Orten berichteten, Veranlassung gegeben, dieselben durch Schulkinder und an-« dere sonst beschäftigungslose Personen sammeln zu lassen und sie, soweit sie nicht zu Saatzwecken Verwendung finden, zur Verfütterung an Schweine auszunutzen. Die Zen- tralgcnossenschaft der hessischen landwirtschaftlichen Konsum- Vereine in Darmstadt wird diese Eicheln anfkaufen und sie den Landwirten zu diesem Zweck zum Kdnf zur Verfügung stellen. Wegen Bezugs wende man sich an die Zentralgenossenschaft der hessischen landwirtschaftlichen Konsumvereine in Darmstadt.
Heffen-Nassau.
m Kirchhain, 26. Okt. In der setztenSitzung des Kreistages des Kreises Kirchhain wurden zunächst folgende Scküeds- männer gewählt: sür den Bezirk Allendorf mit Obersörsterei Neustadt Martinas Müller, als Stellvertreter ?lugustin Feldpausch in Allendorf, für den Bezirk Schwabendorf-Wolfskaute Balthasar Köhl, als Stellvertreter Peter A i l l a n d III. in Schwabendors, sür den Bezirk Wohra-Äracht Johs. Trümmer in Wohra. — Gegen die Umgemeindung von zwei in der Gemarkung Neustadt belegenen forstsiskalischen Parzellen aus dem Gemeindcbczirk Neustadt in den Gaitsbezirk Obersörsterei spcustadt hat der Kreistag nichts einzuwenden. — Zur Deckung der Untcr- stützungsbeträge, welche cm die Familien der in den Kriegsdienst einberusenen Mannschaften zu zahlen sind, soll ein Darlehen bis zur Höhe von 60 000 Mk. bei den fünf Sparkassen des Kreises ausgenommen werden. — Weiter beschloß der Kreistag, bei der Königlichen Eisenbahndirektion imd der Linienkommandantur dahin vorstellig zu werden, daß der in Kirchhain eintrefsende Ohmtalbahnzug besseren Anschluß an den 11.25 von hier in der Richtung nach Marburg abgehcnden Zug erhält. — Dein Reservisten Konr. Kraft aus dem nahen Großscelheim wurde das Eiserne Kreuz verliehen. — Gestern wurde das erste Opfer des Krieges aus Mardorf, Otto Schick, der in Frankreich verivundet wvrden


