Nr. 2 n
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List« Blatt w-s. Jahrgang Mittwoch. 2h Sktober
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Kampfe bei Nieuport. vergebliche Bemühungen der westlichen sranzöfischen Aüge!§. Reue Erfolge der Oesterreicher.
Rrft«» kxrirpBguarttM, 20. DB, »orm. tAmklich.l Tie deutschen »on Ostende längs der Küste oorge- dend-en Truppen stiegen «in Merabschintt bei Nienpvtt aus seiirdärch« KrSste und mit diesen stehen sie seit vorgestern im G e fecht.
Lorgenommene Angriffe des Gegners tuest sich Lille wurden unter starken Verlusten für den G«s«er ab- gewi escn.
Auf dem östlichen Kriegsschauplätze hat sich nichts wrsent- llcheS eoeigmet.
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Als vor einigen Tagen über der sturmbetvegten Zeitgeschichte wieder einmal gaitz schüchtern der Name Bethmann Hollweg austauchte, da erinnerten sich manche schreibenden und polllisierenden Zeitgenossen der alten, lieben Gepflogen- beit, dem Inhaber der Reichsregierungsgewalt einen dornige« Kranz aus die Stirne zu setzen. Alan glaubte nicht, daß sei« Stern des Reiches Ausstieg bis zur Höhe begleiten könne und von einigen freilich unmaßgeblichen Stellen erscholl der Schrei nach seinem Rücktritt. Teils setzten diese Politiker Mißtrauen in die Tatkraft des fettigen Kanzlers, die vielleicht zögen! werde, alle militärischen Machtmittel an das große Ziel zu setzen, teils >oar die Angst vor der staatsmännischcn Bescheidenheit des Reichskanzlers die Berairlassung zu pa- viernen Angriffen. Wir wollen das Gerede kurz abtun. Es ist kleinlich und kurzsichtig, dem Reichskanzler vorzuwersen, sein Bekenntnis bei der Verletzung der belgischen Neutralität fei ein politischer Fehler gewesen. Wir dürfen wohl bekennen, daß wir Gesetze und Rechte auch internationaler Vereinbarungen respektieren und daß uns keineswegs Gewalt vor Recht gilt. Der Zwang der Verhältnisse >»ar, so hat der Reichskanzler nrtt Recht gesagt, stärker als wir selbst. Herrn v. Beth- mairn Hollwcg aber jetzt schon als ein Hindernis für einen erfvtgrecheu und aller Opfer würdigen Frieden z« bezeichnen, ist eine Taktlosigkeit, die glücklicherweise nur einzelnen in den Sinn gekommen ist. Die Mehrheit des Volkes weiß, daß wir auch Herrn v. Bethmann Hollweg als einen unserer aller- treueste« Volksgenossen einßhätzeu müssen, dessen rechtlicher Sinn rrnd deutsche Geradheit i« der Well von Feinden, die ims umgeben, gerade am rechten Platze sind. Es müßte eine unerträgliche Mißstimmung erwecken, und es wäre auch voli» tisch schädlich, wenn der »berste Reichsbeamte in dieser kritischen Zeit seinen Posten verlassen würde. Wir glauben nicht darmi und hoffen. daß solche urrzritgefnäßen Erörterungen in den Zeitungen nicht wiedcrkehren.
ttrrsere Zeit braucht jetzt zunächst nicht hochfliegende Wrne von Welt e roberung — dafür lassen w-ir den deutschen Generalstab sorgen '— sondern Pflichterfüllung aller und sorgfältige, gut organisierte Kleinarbeit im Innern. In Bezug ans dre Milderung der Arbeitslosigkeit hat der in sozialer Beziehung so verdienstvolle Reichskanzler dem Vorsitzenden der Gesellschaft für soziale Reform, wie aus einer der nachstehenden Meldungen hervorgelft, die besten Leitsätze bekannt gegeben. Gerade Preußen, wo weite Gebiete durch die russische Barbarei schwer gelitten haben, braucht jetzt volle Ärmrütigkeit und fleißig Verwaltungsfürsorge. Aus den Vorlagen, die dem preutzisckfen Landtag jetzt zugehen, ist zu erkennen, daß alle Aussicht vorhanden ist, mit bewährter Gründlichkeit durch die Fährnisse der Zeit hin- durchznkommen. Auch Unser hessisches Parlament soll nach einer bisher unbestätigten Meldung demnächst eine kurze Tagung abhaltrn. Wir würben dies sehr begrüßen, und wenn wir auch große Redeverschwendnngcn gegenwürttg für absolut überflüssig halten, so sind doch auch für Hessen große Aufgaben genug vorhanden, die es verdienen, unter einheitlichen, großzügigen Gesichtspunkten zusammengefaßt zu werden, und wir nelimen an, daß die hessische Staatsregierung in dieser Hinsicht ebenfalls manch« Vorlagen in Bereitsckfaft haben wird. In dem einen Punkte der Arbeits- losensitrsorge hat der Reichskanzler ja schon die Mithilfe der Bundesstaaten dirett angcrufen. Dom 'Parlament fordern wir kurze, gute Entschlüsse ohne Weitschweifigkeiten, und wir sind geiviß, daß auch die großen volkswirtschaftlichen Organisationen, wie z. B. die hessische Landwirtschafts- kaimner, in diesen großen Zeiten, die so vielfache bedeutsame Anforderungen an sie stellen, nicht versagen werden!
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Wer den Glauben hegen sollte, wir befänden uns bei dem Mangel großer Entsckfeidunqssch'.ackUen in einem Still staub, und wer es noch immer nicht über sich gewinnen kann, einmal gründlicher naehzudenken und die erfolgreiche Riesenarbeit unserer tapferen Heere nach voller Gebühr zu würdigen, dem ist nicht zu helfen. Es werden jetzt allerdings nur wenige sein, die Langeweile und Ungeduld verspüren. Die überwälttgende Mclfrheit des deutschen Volkes ist auch unter den in der Heimat Zurückgebliebenen tapfer und hochgemut. Wie überwältigend hat es sogar ans unsere Feinde gewirkt, daß die deutschen Heere an allen Kriegsschauplätzen mit unerhörter Energie und Schncöngkeit die Offensive ergriffen haben! Auch in den jetzigen Kämpfen in Belgien erleben wir die erffculichstcn Beweise der soldatischen Fähigkeiten unserer Offiziere und Mannschaften. Mll großer Schnelligkeit sind unsere Truppen von Antwerpen (wo die deutsche Verwaltung schon
tadellos im Gange ist) weiterhin an der belgischen Mste vorgedrungen: nach einer hollandiich'n Meldung mußten an der Küste längs der Dämme von Middelkerke und West- ende sogar Laufgräben angelegt iverden, da die englische Flotte mit ihren Schiffsgeschützen an den Kämpfen teitge- nommen haben soll. Trotzdem wurde der zurürkweicheilde Feind bis südlich Nieuport getrieben, >v>o jetzt nach der obigen amtlichen Meldung entscheidende Gefechte im Gange sind. Die Absicht der Feinde, eine Bereinigung ihrer Truppen in Flandern und westlich von Lille zu erreichen, wird sicherlich zu schänden tverdcn. Deutsche Hartnäckigkeit und Widerstandsfähigkeit tverden über den so oft gelobten „Clan" der Franzosen, die den Rächt eil einer zu bunt gewürfelten Waffenbrüderschaft für sich haben, am Ende den Sieg davontrage«!
Regengüsse in Nordsrankrcich.
Kristiania, 20. Okt. Der Kriegskorrespondent des „Dailh Chronicle" berichtet über die Kämpfe in Nordfrank- reich: Die Operattonen an der Nordfrvnt würden durch die anhaltenden Regengüsse der letzten Tage sehr beeinträchtigt. An einzelnen Stellen glichen die Landstraßen zwischen den kämpsendcn Arineen wüsten Moraststrecken. in Mannschaften und Pferde stecken blieben.
Die englischen Verluste.
Berlin, 20. Okt. (Ctr. Bln.) Der Mailänder „Cor- riere della Sera" meldet aus London: Nach dem Bericht des Generals French an den Kriegsminister betragen die Verluste des englischen Heeres tvährend der Kämpfe an der Aisne vom 12. September bis 8. Oktober an Toten, Verwundeten und Vermißten 561 Offiziere und 12980 Soldaten.
Der Anteil der Bayern an den Kämpfen.
(WTB.) B e r l i n, 20. Okt. lMchtamtlich.) Bei dem Angriff ans die Fortslinie Toni—Verdun, bei dem die Einnahme des starken Sperrforts Camp des Romains besonders eine glänzende Ruhmestat war, haben außer dem ersten und zweiten Bataillon des Bayerischen 11. Infanterie- Regiments noch das dritte Bataillon des 6. Infanterie-Regiments und das 2. Pionier-Bataillon Nr. 16 teilgenommen.
Eine deutsche Denkschrift über franzästsche Rohheiten.
Der „Reichsanzeiger" schreibt in seinem amllichen Deik: Die Kaiserliche Regierung hat nachsteehnde Denkschrift über die Verletzung der Genfer Konvention vom 6. Füll 1906 durch die französischen Truppen und Freischärler, in der gegen deren völkerrechtswidriges Verhallen scharfer Protest erheben wird, der sranzöfischen Regierung, sowie den Regierungen der neutralen Mächte zugehen lassen:
„3« dem gegenwärtigen Kriege haben rranzösische Truppen und Freischärler die zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken bei im Felde stehenden Heeren getroffenen Bestimmungen der Genfer Konvention vom 6. Juli 1906, die von Deutschland und Frankreich notifiziert worden sind, in flagranter Weise verletzt. Aus der großen Zahl der bekamU gewordenen Fälle werden in Anlagen diejenigen aufgeführt, die bereite durch gerichtliche Vernehmungen oder dienstlicl-e Meldungen ernwand- srei sestgestelll wurden. An der Spitze der Genier Konvention steht einer der ersten Grundsätze des Kriegsrechts: daß nämlich ine Verwundeten und Kranken des feindlichen Heeres ebenso wie che Verwundeten und Kranken des eigenen Heevte geachtet und versorgt werden sollen (Art. 11, Abt. l). 'Diesem Grundsatz haben französische Truppen und Freischärler ins Gesicht geschlagen, indem sie deutsche Verwundete, che in ihre Hände gefallen waren, nicht nur roh behandelt, sondern auch beraubt, ja sogar teilweise m bestialisckwr Weise verstümmelt und ermordet lmbcn.
Für di« beweglichen Sanitätsiormationen sehen Artikel 6 und 14 der Genfer Konvention besonderen Schutz vor. Tiefen Bestimmungen zuwider haben französische Truppen deutsche Automobile nrü Verwundeten angegriffen und Sanitätswagen beschossen, obwohl das Rote Kreuz deullich erkennbar war: mich wurden deutsche Lazarette überfallen, ihres Persoirals und ihrer Ausrüstung beraubt.
In völkerrechtswidriger Weise haben sich ferner französische Truppen gegen den Artikel 9 der Genfer Konvention vergangen, der das 'Sanüätepersonal der kriegführenden Heere schützen, ja sogar sie neutral behrnoelt wissen will. Wie sich aus den Anlagen ergibt, wurde der Führer einer Sonüätswlonne von einem ffanzöiischen Trupveniiibcer verhaitet und woggeschler>p:, und ein Arzt, der einem Verwundeten Hellen wollte, von französischen Truppen erschossen; auch wurden die LIerzte und Beglcümann- scharten emes Sanitätewagens unter Feuer genommen, sowie Krankenträger bei der Bergung der Verwundeten durch französische Truppen und Freischärler angegriffen, verwundet und getötet oder zu Kriegsgefangenen gemacht. Ebenso wurde ein deutscher Feldgeistlicher von den französischen Truppen gefangen und wie ein gemeiner sVerbrccher behandelt.
Tie .Kaiserliche Reaierimg bringt mit Entrüstung diese dem Bölkerreckit und der Acenschtichkeit hohwvreckcnde Behandlung deutscher Vernmndeten, deutscher Sanitätchormotionen und deutschen -Sanitälsverionats zur onenlllchen K.'mmnl und legi iss er- mit feierlich Verwahrung ein gegen die unerhörten Verletzungen eines von allen .Kulturstaaten geschlossenen Weltvcrtraaes.
Berlin, 10. Oktober 1914."
Geht Chnrchill?
Wien, 20. Okt. Rach einer Meldung der Wiener „Zeit" aus London hat Winsron Churchill nach einer sttirmischeu Ministersitzung seine Entlassung gegeberr. (Diese Nachricht ist bisher von keiner andern Seite bestättgtO
Keine deutschen Verluste beim Untergang des englische» Unterseebootes „Kl 3".
Berlin, 20. Okt. (WTB. Nichtamtlich^ Wie nnr der- nehmen, sind bei dem Untergang des englischen Unterseebootes auf deutscher Seite keine Berlnste zu beklagen.
„E 3" gehörte zu den neuesten Unterseebooten ES ist 1912 vom Stapel gelaufen mit etwa 800 Tomicn Wassenierdrängung. 16 Knoleit Geschwindigkeit über, 10 Knoten unter Wasser und 27 Mann Besatzung. Das Unterseeboot war also eines der besten dei englischen Flotte.
Die deutschen Orden des englischen Königs.
Haag, 20. Okt. Wie der „Manchester Guardian" mil- teilt, .haben der König von England, der Prinz von Wales und LordRoberts ihre deutschenOr- den znrückgeschickt.
Ter Reichskanzler über die ArbeitSloscn-Fürsorgc.
Berlin, 20. Okt. (WTB Nickstanttlickf. Die „Nvrd- deutsckfe Allg. Ztg." schreibt: Ans die Eingabe des Vorsitzenden der Gesellschaft sür soziale Reform Staatsminister Dr. Berlepsch »nd Prof. Dr. Franckc, die sich mit der Frage der Arbeitslosensürßovgc besaht, ist folgende Antwort des Reichskanzlers ergangen:
Euer Exzellenz geneigtes Schreiben vom 21. Septeniber, das Sie gemeinschaftlich mit Professor Franckc an mich gerichtet haben, ist in memc Hände gelangt. Ich bin ebenso wie Sic davon durchdrungen, daß alles geschehen muß, um diejenigen unserer Bolks- genosscii, die der Krieg erwerbslo-s gemacht hat, vor Rot zu schützen. In erster Linie werden, wie S« treffend hervorheben, dir Gemeinden dafür zu sorgen haben, daß die Unterstützung in aus- reichendein Maße unter Formen gewährt wird, die deU llmstanbe Rechnung tragen, daß es sich nicht um eine Armenimtefftützung in landläuffgem Sinne handelt. Daher rechne ich darauf, daß die Bundesstaaten bestrebt sein werden, den (Gemeinden, soweit die Geldbeschaffimg Schwierigkeiten inackit, mit ihrem Kredit beizuspringen. zumal sich meines Erachtens das Reich nach beendetem Krieg der Prüfung nicht toird entziehen können, inwieioeit cs sich seinerseits an der Unterstützung beittagsschwacher Gemeinden beteiligen muß.
Euer Exzellenz ergebener Bethmann Hollweg.
Die Italiener besetzen Balona?
Rom, 20. Okt. (Ctr. Frkft.) Der „Meflaggero" gibt ein Exttablatt erus, wonach Bakona durch eine Matrosenkoiw- pagnie des Kreuzers „Agordat" und des Torpedobovtszersdö- rerS „Dardo" besetzt wurde. Das Jnfanterie-Rcgiment 47 aus Lecce sei gleichfalls dorthin unterwegs. Die Regierung gibt zwar ein Dementi aus, doch höre ich, so meldet ein Berichterstatter der „Franff. Ztg.", ans bester Quelle, daß das Dementt nur kurze Zeit aufrechterhalten toird, weil man bald vor einer vollendeten Tatsache stehen wird.
Bedrückte Stimmung in Rußland.
Wien, 19. Okt. Russische Blätter klagen über den auffallenden Mangel an Krie^beaeisteruug in allen Krei- sen der Gesellschaft. Der bekannte Publizist Peter S tr u we richtet an die Studenten die Mahnung, sich in diesem fiir Rußland schweren Augenblick sür die Berteidiming des Vaterlandes zu opfern. Ter Moskauer Professor Speranski verweist in einem Artikel darauf, daß die russischen Klöster, deren Reichtümer unschätzbar sind, nickst das geringste getan haben, um die Schrecknisse des Krieges zu mildern. Selbst der Sanitätsdienst verzeichnet keine Mitglieder der Nonnen- llöster. In Moskau ist die Spitalnot so groß, daß viele Krankenttansporte tagelang toarten müssen, bis sie Unterkunft finden. Die Notspitäler zeigen einen empfindlichen Mangel an Medikamenten. Die Stimmung in Moskau ist sehr gedrückt.
Die Bewohner von Warschau ftuchtbereit.
Krakau, 19. Okt. „Kurier Codzienny" meldet: Die städtischen und Staatsbeamten in Warschau haben den Befehl erhalten, in dem Falte, wenn die deutschen Truppen 30 Meilen vor der Stadt sirrd, Warschau zu verlassen und nach Petersburg zu flüchten. Die Beamten sind schon be- reft, jede Minute die Stadt zu verlassen. Die Bevölkerung Warschaus wurde aufgefordert, sich schleunigst schon jetzt aus der Stadt zu entfernen, weil die Festung, wie der Kommandant von Warschau durch Anschlag bekanntgibt, mit allen Mitteln und bis zum äußersten verteidigt werden solle. Am Sonnabend zeigten sich südlich von Czenstochau hinter Radom zwei Zeppeline, die von den Russen erfolglos beschossen wurden.
Reue serbische Lügen.
Wien 20 Oll. tWTB. Rickstamtlich) Amtlich wird verlautbatt: 19. Okwber. Die serbische Presse verbreitet
in den letzten Taaen eine Reibe von sregesirachrrchten, die vielleicht im Bereiche ihrer Wünsckjc gelegen sind, die aber mü den tatiäckstichcn Bcrhälmiisen in völligem Widerspruch stehen und aus Nachstehendes reduziert tverden müssen:
1. Der angebliche Sieg bei Murjacica war durch das Hochwasser der Tttna bedingt, nicht aber durch den serbischen


