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Drittes Blatt
|64- Jahrgang
NMk| mit »«rnatnne brt SwmtagS.
Die „»ietzener werden dem
.Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, d«; „ilreirb!«« für den Kreis Sietzen" zweimal wöchenttich. Die „landsirlschastlichen Sell- fragen" erschemen manallich zweimal.
C üger
General-Anzeiger für Gderhessen
Samstag, Oktober
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität?»Buch» und Eteindruckerei. R. Lange, Gieße».
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- siraße 7, Expedition und Verlag: Redaktion: e-dI12. Tel.-Adr.:AnzeigerGießew
Rnegsbriese ans dem Osten.
Km vafcrtm jpsm Oftherre entftmdbeu Kriegsberrchterstatt« gi»berechti«ter Rachdrnck, anch «nSzn^weise, verboten.)
,.Q«rrt«re .
Vrn»»«e-Oh«rkomm a ndo O-st, 10. Okt.
I« ak>vrschö«sten Schlaf, nacktdem es sogar gelungen I st, den Ofen zu Heizen, liege ich in einem rrrtirrgen Bett. >as nur den eisen Dehler Hut, keine Matratze zu besitzen!, Mr kamen vom Schlachtfeld und waren müde, so daß aucl> -nie Besichtianng des neuen Quartiers unterblieben war. LlStzkich wache ich auf, weil mir Heller Lichtschein in die ■äugen fällt, außerdem brütlt jemand „Wer da!" Dian gibt in solchen Momenten kaum gescherte Antworten. Meistens wird man grob. Was ich tat
Bot mir stand ent Landsturmmann mit aufgepflanztem T eS «ng e weh r, grüßte mikit ärisch und swcpe: „Ach so!" Die Aloen waren nämlich offen und Licht im Haus, und da in Siallupörven «u den leeren Häusern geplündert wird, kam ich nein. Die Fenster find auch besetzt."
Wir »ertrugen uns natürlich wieder, und da ich noch was »an Kognak in der Feldfvasche hatte, wärmten wir uns beide. <88 war der erste Nachtfrost eingetreten, und die «Schichte mit dem Ofen schien einen Haken zu habeu. Er Seannte, aber wärmer wurde es trotzdem nicht.
Ich gab das Schlichen ans und knipste das elektrische Nicht an. Der Kommandant von Stallüpönen, ein außer- oadentvch «ebenswärdiger und dabei energischer Herr, hatte das Werk von ein paar Soldaten, die früher Monteure waren, in Ordmirmg bringen, hatte Kohlen crnfahverr laßen und in der Stadt, in der es kein Petroleum, nichts! Ehbaoes und kaum Trinkbares gab, arbeitete das elek- tiäsche Licht ausgezeichnet. Jedenfalls wcrven die Zimnier »orlrefslich heK. Was man da sah, hätte aber besser in Dunkelheit bleiben können. Die ganze Wohnimg, die in shver Anlage und ihrer Ausstattung für den Geschmack und den Sinn ihres Inhabers sprach, war eine Art Müllhausen. Im Speisezimmer stand der Tisch OaÜt 1 mit den kostbaren Porwella ntellern, auf denen Reste tum den verschiedensten Mahlzeiten lagen, ei» paar Bilder waren aus dem Rahmen geschnitten, andere lagen in den mächtigen Haufen von Jettschristen. Packpapier, Manuskripten, Briefen, der den gröfjexen Test des Salons ausfüllteu. Die Türen zum Büfett waren eingeschlagen, der Schreibtisch erbrochen, ein paar Bronzefigureu waren niederträchtig verstümmelt. Ein Merkwürdiger Geruch lag über dem aKem.
Es war das typische Bild unserer Quartiere in den ver. fafperten Wohnungen und Städten. Man sucht dann Ord- nnng Da wachen «rnd richtet sich in de» fremden Stuben' «NU so gui es geht Es ist ein unheimliches Gefühl, in tzoemdc Wetten so rief dabei bkckst» Ml müssen, ohne jede Absicht Einblick in die Falten eines Ehelebens zu bekoni- rührende Kleinigkeiten Ml sehen, die der Besitzer kaum besten Frennd, wie viel weniger dem Fremden gczcrgl
Da Ist «et» Btedbef fRnbrrWJb einer Madels von acht Jahren an der Wand. Ich rännre Berge von Papier zurück, um den Schreibtisch benutzen zu können Natürlich lege ich die Briese ungelesen weiter, auf einen fällt rwch ein Blick. Eine steile Kiräerhand: „Mein lieber Pappi!" Ick, muß doch zu Ende lesen, de» Kinderbrief, imb ich sehe dabei dies« Wirtschaft, wie sie vorher war. Zwischen dem Briefplunder liegt cti»e Nande Locke Frauenhaar, sie ist aus einem Paket gefallen, das noch hcckb mit blauem Band verschnürt ist, „Briese aus der Brautzeit".
Aus dem Boden zertreten und beschmutzt Kegen tzofi Blätter aus dem Gafibuch. Daum dcrrf man ja wohl lesenl Es muß «in sehr gastfreundliches und liebenswürdiges Haus gewesen sorn, mein Quartier. Biel« Fremde, die dem Be- russstande des Hausherrn «vrgehörten, haben ihre Eintragung gemacht, weil sie ein, zwei Nächte ausgenommen wurden. Launige Verse aus dem Jahre 1tz05, Eintragungen von sehr lustigen Familien tagen.
Auf dem Gang finde ich noch zufällig das letzte Blatt. Eine Eintragung vom 17. Juli mit Druck für die Aufnahme und dem Versprechen, im Mai 1915 wiederzukehren. Dann mit scharfer Schrift: „Durch! In herzlichster Dankbarkeit für im so liebevolle Ausnahme der Einquartierung. P., Kriegsgerichtsrat bei der Kavalleriedivision." Uno die Schlnßeintragung: „Ach, daß es immer so bliebe! Gott schütze HauS und Bewohner! Mit Gl»tt für König und Bater-
wie der alle Zritz seme Siege meldele.
Heute trägt der Telegraph im Sturmwind unsere Sie-- gesnachrichten vom Großen Hauptquartier durch ganz Deutschland, und d« Zeitung ist der natürliche Bore unseres Schlachtenruhms. Zur Zeit des allen Fritz gab es keinen Telegraphen, und die Zeitungen erschienen nicht so regelmäßig und nicht so schnell, als daß sie immer die ersten Verkünder der Siegesberichte hätten sein können. Viel langsamer kamen die Mellungen des großen Königs von seinen Taten in die Hauptstadi und brauchten von dort erst wieder viel Zeit, um in alle Ecken und Winkel des Preußenlandes zu dringen. Aber dafür hatte die Verkündigung der Siegesbotschaft einen feierlicheren Charakter, vollzog sich in einer dramatischeren Form und lebhafteren aufregenderen Bildern. Nach gewonnener Bataille fertigte der alte Fritz gewöhnlich noch svät abends, unter niederem Banerndach bei spärlichem Licht oder gar im Freren auf einem Prellstein sitzend, Adjutanten oder auch uur Plagen mit Briefen ab, in denen er die gute Nachricht in aller Eile flüchtig hinkritzelte. Nur selten zog der Sie- gesdow mit so viel Feierlichkeit in Berlin ein, als der Uebev- dringer der ersten großen Siegesnachricht, die der junge König nach Hause schickte.
„24 Trompeter schmetterten den Jubelrus des ersten großen Sieges der preußischen Waffen durch die hellen breiten Straßen der neuen Stadt," erzählt Alexis in seinem „Cabanis". „Der Staub saß fingerdick auf den hohen Stieseln des Kuriers, den sie nach dem Schloß einholten: sein Hub war mit Tangerreis, der ganze Mann mit Bändern und Kränzen überworfen. Wie flog er keck im Sattel, wie glänzten die Augen über den von der Sonne hochgebräunten. Backen! An jeder Ecke nickte er alten Bekannten zu, wer von ihm angesehen wurde, fühlte sich glücklich, er hätte heut Er-
laud! KriSgSschaupÜch Stallüpönen 7, 8. 14. F., Feld- divisionspsarver der Kavalleriedivisio,,."
Da hatten die „Quartiere" begonnen. Die Russen lzaben ihre Eintragungen mehr an den Möbeln und den Geldkassetten, von denen sie eine gesprengt hatten, geinacht.
In anderen Quarfieren waren die Spuren der russ- schen Gäste vor uns nock, deutlicher. In einem fietnen Nest fand ich russische Depeschen und einen angejangenen Brief auf dem Tisch, der als Schreibgelrgenheit an das Fenster geschoben worden war. Die typische Wendung, die. die Russen ja bei jeder Ankunft in einer ostpreußischen Stadt zuerst gebrauchten, stand auch gleich in den Anfangszeilen des nicht beendeten Schreibens. es ist nicht mehr weit von
Berlin, Liebling, und da schicke ich dir schönere Dinge als von hier. Der Feldzug ist bald aus. Noch vor Weihnachten sehen wir uns wieder. Peter hat sich das Geovgskreuz geholt, er ist ein verdammter Schlingel. .
Inzwischen mich das Dröhnen der deutschen Geschütze den Briefschreiber Hinausgetrieben haben.
In einem kleinen Pfarrhaus, in dem ich lag, fand ich wahrscheinlich abgeschriebene Dokumente aus der Datcrren- zeit, die 1656 über Masuren gekommen war. Es können aber auch Auszüge aus eimm Buch sein. Mich ergriff nur fbie Aehnlichkeit der Erscheinungen damals und jetzt. Nach der Schlacht bei Proscken 1656, 8. Oktober, waren die vereinigten Polen und Tataren in Ostpreußen eingefallen. Ich habe mir aus den umfangreichen Aufzeichnungen oder Auszügen nur ein paar Daten abgeschrieben. Die Stadt Lyck wurde völlig und ganz zerstört, daß nicht ein Stein bei dem andern verblieben ist. Im Amt Lyck wurden 67 Dörfer, ein Flecken, drei Kirchen, drei Hospitäler eingeäschert, 2800 Personen fortgeführt und über 200 getötet. In K a l i - nowen wurden 800 Menschen niedergeschlagen oder fvrt- geschleppt. Die Stadt O letz ko wurde völlig in Asche gelegt. Im Amte Polommen raubten die Tataren alles, Bialla zerstörten sie, Drigallen ging in Flammen auf. In Neuhof verpesteten die Leichen der ermordeten Bewohner nwnatelcmg die Luft. In Gilgenburg wurde die gesamte Einwohnerschaft in der Kirche nieder gehauen. Es wurden in Ostpreußen 13 Städte, 248 Flecken und Dörfer, 37 Kirchen eingeäschert, 23 000 Menschen getötej, 4000 verschleppt. Gerade das lustige und fröhliche Masuren hat es am schwersten gehabt zu jeder Zeit.
Es gibt auch andere Quartiere. Wir kommen mit unseren Wagen irgend an einen Gutshof, in dem sich Offiziere einqucrrttert haben. Wir besitzen Rum und die besitzen Kohlsuppe urü> heißes Wasser. Eine Zusammenstellung, die sich zu einem ausgezeichneten Abendbrot verbindet. In dem schönen großen Salon nebenan sind mächtige Strohschütten, gestern schlief hier ein Zug, heute find sie weiter. Der Flügel ist so gut wie gar nicht verstimmt. Irgendein Kollege phantasiert Wagner. Der nkächsige Kack>elofen saust und glüht. Es kommen lustige Lieder. Der rote Scrrafan. „... Jugend kehrt nicht wieder, ist sie einmal vorbei..Das Petroleum ist auägefaarott, Kerzen kommen auf den Tisch Jemand fragt ganz unvermittelt: „Ob wir Weihnachten schon zu Hause sind?"
Jeder holt irgend etwas Besonderes, ein Päckchen Scho- totobe, eine Flasche Rotwein, eine eigentlich aufzuhebende Dose Sardinen.
Es klopft, ein Koloiinenfiihrer fragt, ob es von hier nach Dinglcruken oder Blindgallen oder Rissanitzen gehe. Man wärmt schnell einen Teller der berühmten Suppe.
„Wie stets im Zentrum?"
„Gut."
„Bei uns ging's ausgezeichnet, als ich nun wieder wsg ging."
„Weih jemand der Herren was vom linken Flügel?"
Das ist 150 Kllometer von hier, man weiß gar nichts.
Der Wind geht über den Gutshof und streicht über die Dachrinnen. Wan lehnt nnt den Händen am Ofen. In einem Großvater-Sessel schläft ein blutjunger LeutnaM, so fest, daß er nicht mehr aufzubekommen ist, als ynr die Betten aufsucheu wollen, soweit sie vorhanden sind.
An den Hoftüren klappert es. Man sieht hinaus, da stehen ein paar Fohlen. Man hat Pferd uno Rindvieh heute vormittag aus den Ställen getrieben. Zuchtbullen darunter im Werte von 15000 Mark. Nun kommen die Fohlen frierend zurück. Die kleinen pusseligen Diesjährigen, die am Tage so neugierig und lustig sind. Sie werden untergebracht.
Der Himmel ist sternenklar. Die Wafferlachen haben einen hauchfeinen Ueberzug. Der Atem steht weiß in der Lust.
Am andern Morgen irm 6 Uhr ist an ein paar Büschen und Bäumen Rauhreif. Mittags schlagt bann das Wetter um. Wir gehen in neues Quartier, vielmehr in unser Stadtquartier, das wir wieder einnehmen.
Meine Stube ist inzwischen znm Zeiiungsladen geworden. Es ist so famos, ,Hne jede Bitte auf srnchibarcii Boden fällt. Nur bitte ich zu entschuldigen, daß ich auf. die Anfragen nicht antworten kann. Die Gelegenheit zum Schreiben ist schwierig, und es >väre viel zu Vielau he- aniworten.
Man hätte heute morgen das Gesicht eines pvmmerjchen Grenadiers sehen sollen, dem ich Zeftimgen und Wurst aus Rügenwalde gab.
„Siehste, Kamerad! Rn? Ponrmern! Das sind unsere Leute! Unsere Leute!" sagt er zu den Kameraderl.
Uebrigens sollten die Zeitungen isicht zu alt sein. Außerdem kann ich eine regelmäßige Berterlimg, um die einige baten, nicht übernehmen. Aber auch nur ein solch Gesicht von heute morgen macht den Oktobertag freundlicher.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
wie GstenSe belagert wurde.
Ostende ist heute ein Mitelpunv der Krieqs erei gn i ße . den. Schon einmal hat es eine große Rolle auf dein europäischen Krieqsthealer gespielt: das war vor gut dreihundert Jahren, wäh rend des Freiheitskampfes der Holländer gegen die Spanier. Es war ein kühnes Wagnis, als sich Philipps II. Statthalter, der Erzherzog Albrechi, im Frühiahr 1601 zur Belagerung der Festung rüstete, die damals eines der stärksten Bollwerke der jungen holländischen Generalstaaten bildete. Mit einem Heer von 16000 Mann rückte er von Süden heran, während die durch die Engländer verstärkte Besatzung von 7000 Mann unter dem Besehle des hol ländischen Generals Charles van der Noot stand. Die Holländer hatten, wie schon so oft, wieder ihre Teiche durchbrochen, so daß Ostende, vom Wasser vollkommen umgeben, gleichsam eine befestigte Insel schien. Um sie eittstand nun ein Ringen, das geradezu als Gegenstück zu der Belagerung Antwerpens durch die Deutsck»ei> bezeichnet werden kann: diese dauerte dank unserer modernen Bela- gerungsgesckyitze volle zwölf Tage — jene zog sich über dreiund- einvicriel Jahr dahin und hat »ach zeitgenössischen Angaben beün'n PaNeien über 100 000 Mann gekostet, von denen allerdings die große Anzahl nicht den Waffen, sondern schweren Kricgsscnchen erlag.
Auf beiden Seiten wurden alle Mittel der damaligen Kricgs- wissenschast ins Feld geführt: berühmte Feldoberstei,, jugendliche Osfizierc, Ingenieure und Acrzte, Kanoniere und Matrosen kamen sowohl in das spanische Lager, wie in die von der Seeseite stets' mit frischen Truppen, Kriegsmaterial und Lebensmitteln versorgte Festung, um hier als aus „een arademia oste hooge schote" das Kriegshandlverk zu lernen und „een meester van cunbacht" zu werden. Zuweilen schien es — wie Block in seiner Geschichte der ■ Niederlande erzählt —< eher ein Jahrmarkt als eine Brlagerang zu sein, denn auch Frauen und Kinder kamen übers Meer aus England und Spainen her, um chre Verwandten bei den Truppen zu besuchen, und maucher deutsche Fürst zeigt,' sich nrct grohcmi Gefolge in der belagerten Festung und im spanischen Lager.
Als während des Sommers 1601 die Pest in der Stadt ausbrach, knüpfte General Berc, der erst kurz Anvor mit 3000 Mann! die Besatzung verstärkt hatte, Berhandlnngen an, und schon verbreitete sich durch ganz Flandern die Nachricht vom Falle Ostendes. Da kamen ihm fünf Kompagnien frischer Fußtruppen zu Hilfe und er brach die Verhandlungen wieder ab. Erzherzog Albrccht war empört und ließ stürmen; doch die Spanier wurden, obgleich sie Philipps II. Tochter, die nnt Albrecht vermählte Infantin Jsa- bella, versönlich anseucrie, geschlagen und verloren 800 Mann, während die Verteidiger nur 40 Tote hatten. Bon fitzt ab zog sich die Belagerung in die Länge, zu,aal aus beiden Seiten Geldnot herrschte. Als der Zugang zu dem am Flüßchen Jperlee gelegenen Hasen durch die Spanier unsicher gemacht wurde, gruben die Ostender ein neues Fahrwasser, um die Verbindung der Stadt mit dem Meere zu erhalten. Doch mit der Zeit wurde ei» Wall nach dem andern durch das Geschützjeuer der Spanier unbrauchbar gemacht, durch deren Minen zerstört: die Graben füllten sich mit Schutt. Brandkugeln und feurige Pfeile, Bomben und glühende Kugeln zerstörten die Häuser der Stadt. Vorübergehend schien eine Meuterei im spanischen Heere Ostende zu retten, doch als im Sommer 1603 der energische, kaum 30 Jahre alte Italiener Ambrosro Spinola den Oberbefehl der Belagerung übernahm, schwand diese Hoffnung wieder. Da rückte Moritz von Oranten zum Ersatz heran. Die Spanier hatten vor Ostende ein holländisches Schifserboot gekapert und dessen gesamte Besatzung ausgeknüpst. Als Erzherzog Albrecht mit Moritz ü-ber den Austausch von Gefangenen, die diesev aus dem Ilbmarsch gemacht hatte, verhandeln wollte, ließ Moritz ihm sagen, zuerst müsse das Wiedervergeltungsrecht geübt werden. So wurden am 20. September von 200 Gefangenen 12 durch das Los zum Galgen verurtellt, 11 wurden gehängt und nur einer erhielt infolge der Fürbitte eines jungen Mädchens Gnade. Zugleich drohte der Psinz von Oranien, für jeden Hingerichteten Kriegsgefangenen in Zukunft zwei Spanier hängen zu lassen. Erz-
obernngen machen können, lvenn er seinen Borteil verstand. Ern Jubelrus schallte durch die ganze ©tobt und der Name eines dürssigen schlesischen Dorfes: Mollwitz jolfte von heut an unsterblich werden." Gewöhnlich hatte der Adjutant oder Page nur ein paar blasende Postillione vor sich, die en unterwegs ausgegriffen und die ihm nun als Bvrtrah dienen mußten. Kaum aber ertönte das Helle Horngeschmetter an den Toren, da liefen auch schon die Berliner zusammen, groß und klein, Männer und Frauen, vornehme Herren und gewöhnliche Arbeiter und setzten ihre Beine so rasch wir inög- lich in Bewegung, um jubelnd und jauchzend mit dem vom Slraßenkot bespritzten Siegesbolen gleichen Schritt zu halten, der sein übermüdetes Pfird mit den Sporen zu letzte« Krastanstrengung sortriß. Immer mehr schwoll der Zug an, immer lauter wurden die Rnie und Schreie, bis der ganze Zug vor der Kommandantur Haft machte. Hier sprang der Reiter vom Pferde und stürzte zum Kommandanten hinein, um ihm den inhaltsschweren Brief des Königs zu übergeben, während alles in höchster Spannung harrte, llud dann kam der Kommandant mit freudestrahlendem Antlitz heraus und rief der Menge zu: „Unser allergnädigfter König hat einen glänzenden Sieg errungen!" Darauf folgte die Verlesung des Schreibens.
Die Meldungen Friedrichs waren zumeist sehr kurz gehalten; ohne jede Ruhmredigkeit gaben sie in knapper schlagender Form die Tasiachen: ,Lch habe die Oesterreicher geschlagen. Ich habe viele Kriegsgefangene gemacht. Singet das Te Deum laudamus." Bisweilen schickte der König den Adjutanten mit dem ersten Brief auch nicht an den Kommandanten, sondern an seinen Minister, an die Königin, an seine Schwester, und die Neuigkeit wurde dann vom Schloß aus möglichst rasch im Volke kund getan. Die seierliche Mitteilung des Mollwitzer Sieges an das Auswärsige Amt lautet:
„Ta es Gott gcksallcn. Meine Waffen dergestalt zu segnen, daß ich den 10. auf dem Marsche nach Ohl-ru bei dem anderthalb Mecken davon gelegenen Dorfe Mollwitz nach einer vierstündigen hitzigen Bataille die Armee des Feldmarschalls v. Neivverg, vhnerachtet diestlbe an die 6000 Dlann wenigstens stärker gewesen und fast dreimal soviel Cavallerre gehabt als die weinige, gänzlich in die Flucht zu schlagen, so daß sie sich mit Conrusivn und Hinterlassung von 4 Canvnen, vieler Equipage der Cavallerie und des Chamv de bataille nach der Gegend von Neiße retiriren müssen, so sollet Ihr von diesem glücklichen Evenement Meinen an denen culswärtigen Höfen subsistirenden Ministris Bart geben."
Ueber Hohenfriedberg meldet er an den Minister Podewils:
.Ich berichte Ihnen in drei Worten, daß tmr soeben einen: vollständigen Sieg über ptn Feind davongetragen haben. Wir haben 5000 Gefangene gemacht. Oesterreicher und Sachsen zusammen haben 3000—4000 Mann an Toten und Verwundeten aus dem Schlachtselde gelassen. Lassen Sie tebaitnieren ulw , wie sich das schickt."
Den Sieg bei Senile» verNftrdet er öec Schloester Milbe lmiue:
„Wir haben soeben dir Oesterreicher volllländig geschlagen. Ich marschiere morgen nach Breslau, um die Stadt zurückzuerobern. Wir haben eine wundervolle Menge von Fahnen und Kanonen und viele Gesängen«. Wir haben im goN^ irwr 2000 Mann Tote und Bernmnüete: ich schätze den Verlust der Feinde aut über 10000 Mann." ^
In dieser Form sind alle Berichte des Komgs abgefaßt. Nach Eintreffen der Sieqesnachricht strömte die Menge in die Kirchen, die die Zahl der Andächsigen gar nicht taffer» konnten. Während von den Wüllen die Feuerschlünde ihren wuchtigen Siegesrus ertönen ließen, hielten die llleistlichen die Siegesprediglen, die in einem feierlichen Dank an Gott ausklangen, und die Gemeinde sang srorruue Lieder.


