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Erscheint ticüch mit Ausnahme des Sonntag?.
Die „vietzruer Za»1lienvläUer" werden dem .Anzeiger^ »iermal wöchentlich beigelegt, das „Xreirdlatt für den ttreir Kietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen öeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Blatt 164. Jahrgang
Gichenee Ameiger
General-Anzeiger für Oberhesjen
Freitag. \(u Gttober \9\H
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Umversiläts - Buch- und Steindruckcrei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrabe 7. Expedition und Verlag: c^Ebl. Rcdak1ion:^EI12. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.
Antwerpen als Hasen.
Der Verlust Antwerpens wird den Engländern wohl» recht nah« gehen. Ähre Haltung während der Belagerung beweist zwar, daß sie auch im modernen Festungskrieg nicht sonderlich viel leisten, denn sonst würden sie sich nicht eilt- gebildet haben, daß sie init einigen schweren Schiffsgeschützen und drei Brigaden Seesoldaten den Fall der Festung würden anfhalten können. Ader das politische Prestige erforderte es, daß sie den wichtigsten belgischen Aassenylatz nicht ohne militärische Anteilnahme seinem «Schicksal überließen. Daß sie gegen den artilleristischen deutschen Ansturm nichts würden'machen können, davon werden sie innerlich überzeugt gewesen sein.
Dvo militärisch-strategische Bedeutung Antwerpens für England und Deutschland soll hier nicht näher erörtert wer- dea Ghurlaub würde Antwerpen als militärischen Stützpunkt woht ausgenuvt haben, wenn es dazu grbnnmen wäre, seine Pläne gegen Deutschland ckn Binrde mit Frankreich und Mußland in diesem Kriege zu oerivirklichen, Vielleicht würde es sogar Antwerpen als Siegesbeute für sich beansprucht haben. Es würde sich auch den Teufel imt die holländisckw Neutralität gekünnaeri haben. Denn mehr noch als strategisch flennen mtb fürchten die Briten die wirtschaftlich ^Bedeutung Antwerpens für den Durchgangsund Uebersee-Berkehr, die Antwerpen bisher schon unter belgischer Herrschaft erlangt hat. Um Ivie viel mehr wird diese Bedeutung aber stergen, wenn es erst in den Besitz «nes mächtigen Rivalen auf lorrtschaftlichem Gebiete übergehen sollt«!
Daß Antwerpen ferne Entwßckeftmg als Umschlaghafen der deutschen Industrie verdankt, ist bekannt. Der Handel Antwerpens ist zu zwei Dritteln deutsch. Die deutschen Handelshänfer sind bei weitem im Ueberge- wicht, und da von Einheimischen die Blamen überwiegend so könnte Antwerpen lseute schon als deutsche Stadt gelterx, zumal der Berkehr mündlich wie schriftlich sich vorwiegend in deutscher Sprache abwickelt. Die deutschen Reedereien, die Spcditionshäuser vermitteln den starken deutschen Export der loestdeutschen Industrie. Vorwiegend sob Antwerpen und cif Antwerpen verkauft die westdeutsche Eisenindustrie ihre Fabrikate bezw. bezieht ihre Rohstoffe, wie Erze. Ti« südwcstdeutsche Eisenindustrie setzt bekamrtlich drei V iertel ih rer Erzcwgnisse nach dem Auslände ab, die ab Diedeuhosen über die belgischen Bahnen nach Antwerpen gehen. Desgleichen ist Anvoerpen als Ge treibe-Umschlagsplatz und für den Holz-Import und Export von besonderer Wichtigkeit. Antwerpen hat im inter- mobonaken HoiKhandeÄ verkehr von jeher eine bedeutende Rolle gespielt and im Lauf« der Jahre sogar einen maßgebenden Einfluß ans die &n- mtb Ausfuhr fertiger Holz- waoen gewonnen. Wähceiü> der rivalisierende holländische Haftorplatz Rotterdam fich ansschlreßttch dem Durchgangsverkehr von holz nach Deutschland widmete, verstanden es die Äntwerpener Holzkaufleute, auch einen großen Deik der anSILndischiai Hölzer tu industriellen Betrieben solbst zu ver- «Lbetlen. wodurch ihre Machtstellung gehoben wurde.
Allerdings hatten die Hafenaulagen in ihrem Ansban mit der BerrehrsMtnahnie nicht gleichen Schritt gelösten,
Lösch- und Dcrladevorrichtuugcn waren für den Niasscn- güter-llmschlag nicht mehr ausreichend, so daß darin oft Verzögerungen herdeigeführt wurden, die der raschen Abwickelung des Berladens und Löschens Abbruch taten. Die belgische Regierung hinkte hinter der Vcrkehrsentwickelung her und schuf mil ihnen (Zurichtungen keine ausreichende 2lb- htlße. Infolgedessen zrcgtc der Schiffsverkehr in den letzten beiden Jahren nicht die starke Entwickelung^ wie in den Fahnen ztwor. Im Jahre 1043 liefen etwa 7100 Sclfisse mit 14,1 mit. fstegrstertonnen im Äntwerpener Hafen ein, gegen 7020 mit IZsZ MM. Registertonnen im Jahre vorher. Di« englischen Schiffe find dab«i der Zahl wie dem Raum-
gehalt nach noch bei weitem in der Mehrzahl, Beweis genug, welches Interesse der englische Handel in Antwerpen hat. Daß die Konkurrenz besonders auch den Londoner Platz trifft und den Verkehr von dort wegzieht, soll nur nebenbei erwähnt werden. Englische Schiffe kiesen im letzten Jahre 3350 nrit 6,2 Mill. Registertonnen in Antwerpen ein gegenüber 1700 deutschen mit 4,5 Bttll. Registertonnen. England vereinigte also säst die.Hälfte des BerkelxrS aus seiner Flagge. Bemerkenswert aber ist, daß gegenüber dem Vorjahr die englischen Schisse dem Tonnengehalt nach eine Abnahme von fast 100 000 Tonnen verzeichneten, während die deutschen eine Zunahme von 361 000 Tonnen austveisen. Der deutsche Verkehr ist also stark in der Zunahme begriffen, während der englische langsam abnimmt: das Zeichen der Zeit und im Kleinen — die Ursache des Krieges!
lttiegsdriese au§ dem Westen.
Von unserm Kriegsberichterstatter.
Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verbeten.)
Das Erlebnis eines jugendlichen Franktireurs.
Großes Hauptquartier, 4.Okt. 1914.
In einem Lazarett besuchte ich einen Saal, der ganz mit verwundeten Feinden belegt war. Ich sprach einen Franzosen, einen lebhaften schwarzbärtigen Mann von vielleicht dreißig Jahren, einen Rechtsanwalt, der als Kriegssreiwilli-- ger eingetretcn >var. Er >oar gleich im ersten Gefecht, in der Gegend von Verdun, durch einen Gewehrschuß durch die Schulter niedergestreckt worden, und als er dann verwundet dalag, hatten ihm fünf Schrapnellkugeln und -Splitter die Füße durchbohrt. „Drei sind aber schon herausgezogen", sagt er fröhlich, richtet sich mit einem Seufzer auf und zieht aus der Nachttischschublade die Blei- und Kupsersplitter. „Ich werde nicht viel Schaden haben, und wenn ich ruhig liegen bleibe, habe ich fast gar keine Schmerzen mehr."
lieber die Behandlung durch die Deutschen ist er aller Anerkennung und aufrichtigen Dankes voll. „Gleich, nachdem sie das Gefecht gewonnen hatten, noch unter den Kugeln unserer abziehenden Truppen, kamen die deutschen Samariter, die Männer vom Roten Kreuz, und nahmen mit der gleichen liebevollen Behutsamkeit die deutschen und die französischen Verwundeten auf. Ms ob es gar keinen Unterschied gäbe, als ob sie die gleich« Uniform anhätten." Der Franzose berichtete das mit so unverhohlenem Erstaunen, daß ich des Gedankens nicht Meister werden konnte: „Wie nrögen unsere Verwundeten in Frankreich behandelt werden."
Und dann die Pflege hier im Lazarett, soviel Fürsorge, solche Sauberkeit, das gute Essen, die Schwestern mild wie Engel aus dem Himmelreich, und täglich kommt ein Offizier und fragt nach, ob die Verwundeten keinen Grund zum Klagen hätten. „Der Offizier spricht so gut französisch, fast wie einer von uns! Niemals hören wir ein böses Wort, immer behandelt man uns als tapfere Soldaten, die ihrem Vatev- lande gedient haben. Wir waren auch alle redliche Soldaten. Nur einer, der dort in der Ecke, das ist ein belgischer Franktireur, der junge Lümmel." Voller Verachtung sagte der Franzose das. Und zum ersten Male wird seine Stimme unzufrieden, als er hinzufügt: „Aber den behandelt man ebenso wie uns Soldaten, nicht ein bißchen schlechter."
Ich trete an das Bett des belgischen Franktireurs. Ein Milchbart von 18 Jahren, mit wasserblauen Augen und ttotz des Schmerzenslagers rosigen Wangen, schaut mich verängstigt wie ein geschlagener Hund an. Ich frage ihn nach seiner Geschichte und erfahre folgendes:
Er war bei einem Fermier, also einem Gutsbesitzer, in einem belgischen Dorfe unweit der französischen Festung Longwy in Stellung. Tagelang waren immer Deutsche hindurchgezogen, und alles war ruhig. Inzwischen war aber erzählt worden, die deutsche Armee sei vernichtet und werde bald auf der Flucht, soviel von ihr noch vorhanden sei, hier
Zn vrügger Sassen nnd Kirchen.
Nun deingt der Waffen! ärm und Kanonendonner unserer siegreich Belgien vom Feind sänbernden Truvpcn auch bereit? in die T«omicsstille deS schlafenden „Dornröschen unter Belgiens Städten", des „toten Brügge"". Dieser köstliche Kunstschrein, den eine stolze und schönhckcssnobe Vergangenheit hinterlicß, bisher nur das Ziel kunstsreudiger Wanderer, die Lieblingsstätte welt- flüchtig müder Dichter, wird zum strategischen Punkt, aus den unsere Operationen gerichtet sind. Jener lyrisch schwärmende, mystisch dunwft Roman des belgischen Dichters Georges Rodenbach, dessen Titel das „tote Brügge"' zum modernen Schlagwort machte. Hai den verfallenen Zauber dieser „Sinfonie des Schweigens" entdeckt und zahllose Poeten. Maler und Touristen in die einsamen Gaffen Brügges nrit ihren stillen Kanälen und hochgeschwungenen Brücken, in die dunkel verwitterten, rrichge- schmückren gotischen Kirchen mit ihrem ernsten Glockengeläut und ihren Weihrauchwolken gelockt. Vor einem halben Jahrtausend wogte über diese ^auSgestorbencn Plätze der Handel der Welt: die Schiffer aller Volker schwammen damals, beladen mit den Schätzen des Orients, den bockten .Kanal heraus und nahmen nieoerländische Tuche und Leinwand mit fort in die Ferne. Die Grasen von Flandern rerperten hier und wette t ta te n an Prunk und Pracht mit den reichen Handelsherren, und in dem herrlichen hob«: Ehor her Kalhchrale stiftete Philrpp der Gute von Burgund den Orden vom goldenen Vließ das höchste Ehrcnzckchen der damaligen chcksllichcn Welt. Heute kündet nur noch die stumme steinerne Spractie der mächtigen Bauten von dickem Glanz und dicker P r acht Da sind die Tuchhallen des 13. Jahrhunderts, in denen die Auslagen die Blicke der Käufer aus fernen Landen lockten, und über choen wuckchgen Bogen strebt in scher unermeßlichen Höhen der ehrwürdige Belfrieü mir seinem berühmten Glockenspiel. So stattlich er auch heute noch steht mit scknen gespitzten Flankcntürrnen und sckner Wehr von Zmnen und Fenstern, er ist doch seit jenem großen Brande ohne Kopf, denn die ypranrideuförucrge von vier Türmchen umgeben« Spitze ragte ernst «och viel höher.
Ldrs der gleichen Zeit stammt das ckgcntffcbe architckwnische Wahrzeichen Brügges, das 1377 begonnene Rathaus, kckn üent- mat stolzen Bürgersftrns, sondern, wie es sich für diese fromme Stadt gebührt, urtt scknen hohen Fenstern und den: cknst so über- rckchen 'Figuocnschmuck seiner wundervollen Fassade viel eher eurer Kirche ähnlich als eine m «stadthause. Die sechs schlanken Türmchen des Daches, die bemalten und vergoldeten Statuen der Grasen von Flandern in den Nischen, die 24 bunten Wappensclülder verbanden sich einst nrit der grandiosen Gliederung der Fenster zu cknem wundervollen Ganzen, das 1792 zerstört wurde, durch ckire geschickte Rcstanratton aber im wesentlichen wckder hcrgestcllt wor
den ist. Am die großen Tage der Burgunder Herrschaft gemahnen die beiden Grabdenkmäler Karl des Kühnen, des letzten Burgunders, und sckner "Tochter Macka in der Liebsrauen-Kirche, zwei Mcksterwerke slandckscher Bildhcn:er, des Jan van Backere (1495) und des Jakob Jonqhelinck (1558). Ein anderes Wunderwerk der belgischen .Frührcnaissance-Plastik ist der Kamm im Schöfiensaal der „Fveihckt Brügge", des heutigen JustizvffoRs. Um eine Wandung von ichwar em Atarnwr und Alabaster führt cm monumentaler holzgckcbnitzter Fries, dcksen lebensgroße Hcrr- schergestalten mit prachtvoller Majestät und Natürlichkckt in einem reichen dekorativen Rahmen stehen. Aber die Werke der Bildhauerkunst, die Brügge birgt, müssen zurücktreten gegen die Fülle dec ickönsten Gemälde, die die Stadt zu cknem Schatzkästlern alt- niedertändischcr Malerei machen. Sckt Jan van Eyck, der „Vater der nordischen Malerei"", von Gent hierher übeckiedelbe, blühte in Brügge eine iNaleckchule auf, deren Bedeutung nur mit der einzelner italienischrer Schulen zu vergleichen ist. M e m l t n g, der „Meister von Brügge"", ist die Hauptsonne dicker Kunst, und die kraftvolle Anmut, gie sanfte Zackhckt scknes Schaffens kann nur in der Liese ersaßt "werden in ihnen Blldern, dce her kranke Künstler als Gast des altchrwürdigen Johann,s-Spitals schul und die nur in dicken stillen Hallen rrnd Höfen den strmnrungs- vollen Rahmen finden. Aber daneben gibt cs noch andere leuchtende Kunststerne, die man nur in Brügge recht genießen kann: den religiös pathetischen Hugo van der Goes, den beschaulich frommen Gerard David, den schwungvoll prächttgen Lancelot Blondeel, den letzten der Brügger Schule. Und wandelt man, den Geist erfüllt von dicken erhabenen Schöpfungen ckner innerlichsten Beseelung und farbigen Berllärung des Lebens, durch BrüggeS Gaffen und Kirchen, dann itchen dicke Künstlervistoncn leibhaftig vor dem Auge. Ta grüßen wieder die spitzen Giebel, die dunkel getönten Backstcknmauern: da eröffnen sich die malert- schen Ausblicke aus die ruhigen Wasserspiegel, die Friedhöfe mit den vollen Baumkronen und die verschwiegenen Klosterhöse: da huschen sckwarze nonncuhaft gekleidete Geltalten durch die Straßen, und die Beghincn rm alten Stift scheinen noch dickrlben, wie dis zacken lieblichen Pflegerinnen, di« Meister Memling als die Gefährtinnen der hl, Ursula verewigt.
* Was Italien seine Sehenswürdigkeiten jetzt nicht einbringen, llnter den vielen Schäden, die der euro- Väische Kckeg auch dem neutralen Italien zuiügt, steht zwcksellos in erster Linie das FernbleibenderausländischenBer- gnügungsreisenden, Bckvnders in der Herbst-undWinters- zckt wird sich dicker Ausfall in cknem Lande, dessen große Städte ihr ganzes Derkehrsleben darauf ckngerichtet haben und viele Millionen alljährlich dadurch zu gewinnen pflegen, aufs peinlichste fühlbar machen, viel mchr natürlich, als dies die Italiener schon
durch das Dorf kommen. Da wurden heimlich Waffen unter die Einwohner verteilt. „Wer hat die Waffen veckeilt?" „Oh, ich weiß nicht, ich glaube der Bürgermeister oder noch ein Höherer, der expreß in unser Dorf gekommen war. Ich kann das nicht sagen, wirklich, ich ivciß es nicht!"" „Was warcm denn das für Waffen?"" Militärmassen, sic sollten ja nur für die im Dorfe zurückgebliebenen Gcstcllungspstichtigen sein, die nicht mchr in die Armee hatten cinrücken können, weil die Deutschen zu schnell gekommen waren. „Waren denn viele solcher Waffenfähigen zu Hause geblieben?"" Oh, vielleicht eine Viertelkompagnie aus unserm Dorfe allein und in der Nachbarschaft »och tnchr. Die meisten waren sroh und loolllcn nicht cinrücken. „Sind denn dann slüchffge Deutsche gekommen?"' Nein, wir haben ein paar Tage gewartet. Äber dann hieß es auf einmal, jetzt kmtrmen sic! Und da kamen deutsche Trainkolonnen, die rückwärts gingen. „Habt ihr euch denn nicht gedachr. daß diese Kolonnen nup neue Munition holen ivollten?" Nein, wir haben geglaubt, jetzt flüchten die Deutschen ans Belgien hinaus, und da Hab mein Herr gesagt, jetzt ivollen wir ihnen den Rest geben! Da ist dann aus vielen Häusern geschossen ivorden. Zuerst aids anderen, dann auch aus dem unsrigen. „Wer hat geschossen?" Ich nicht, ich schwöre, ich ivar nicht dabei. Aber mein Herrt und andere haben viel geschossen.
Der Bursche schweigt und will nicht weiter erzählen. Man muß jedes Wort ans ihm herausfragen. Auf einmal! waren viele deutsche Infanteristen im Dorf und schlugen die Türen von allen Häusern auf, aus denen man geschossen hatte. Wir hatten uns gut verbarrikadiert, aber sie waren gleich drin. Dann wurden uns die Massen abgenommen und alle Männer aus dem Hause mußten im Hos antreten. Man hat uns vor das Dorf, auf der großen Wiefe, vor eine Mauer gestellt und gesagt, daß wir füsiliert werden. Dann sind die Deutschen angetreten. Ich stand neben meinem Herrn, wir haben beide geschrieen und geweint. Die deutsche Salve kracht« und wir stürzten alle zu Boden. Die übrigen waren tot. Ich hatte nur einen Schuß durch den Oberschenkel bekommen nnd lag ganz still, weil ich glaubte, ich werde sofort noch einmal geschossen. Da kam ein deutscher Ofsizier hcrangerittcn und fragte, wie alt ich sei, und als ich ihm sagte, erst 18 Jahre, wurde ich begnadigt und in das Lazarett geschafft. „Er hat doch geschossen. Er hat es uns selbst erzählt", mischte sich vom Nachbarbette aus ein verwundeter Franzose ins Gespräch. „Glauben Sie ihnen nicht, diese bösen Menschen wollen, meinen Tod"", flehte der Bursche ängstlich, „Sic oerachtcn mich »nd schimpfen mich Franktireur und sagen immer, ich werde doch noch erschaffen werden. Aber die deutschen Aerzte nnd Schwestern und der Geistliche trösten mich und versprechen mir, daß ich am Leben bleiben werde."" _
Ich habe ihn auch getröstet, trotzdem er kein gutes Ge- wiffen hatte und mit der Waffe in der Hand bettoffen worden war. Aber er hat sicherlich mehr ausgestanden und ist schtverrr bestraft als die anderen Männer seines Dorfes, die mit ihm auf der großen Wiese vor die deuffche Salve gestellt worden sind und die man dann eingescharrt hat vor dem gänzlich zerstörten Dorfe, welches ich inzwisckfen selbst gesehen habe.
W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.
Enthüllungen über die Vorbereitungen der Feinde vor dem ttrieg.
Berlin, 15. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Nordd. Mg. Zcktnng"" veröffentlicht amtliche Aktenstücke zur Vorgeschichte des Krieges, und leftet diese VerösseMlichung fol- gendermaheir ckn: . m n
Angesichts der bei unseren Gegnern hervorttckenden Bestie- bungen, der deutschen „M i l i t ä r v a r t e i“ und dem deutschen Militarismus die Schuld an dem gegcnwäckigen Kckege zuzuschieben, veröffentlichen wir nachstehend eine Rckhe von Berrchten von deittschen diplomatischen Veckrckern im Anstande, welche die voliffschen und militäckschen Beziehungen der Ententemächte vor dem Kckegsausbruch zum Gegenstand haben. Von der Bezeichnung
während des Lybischen Kckeges bellagen mußten. Was allein die öffentlichen Museen und Sehenswürdigkckten an Eintrittsgckd ckn- trugen, davon gibt B. Mainen in der „Domenica bei Eorriere" eine ziffernmäßige Vorstellung. Unter den Städten, die am mcksten Fremde herbeilocken, nehmen Rom, Florenz und Venedig die erste Stelle ckn. Die Eintckttsgelder zum Forum Romanum, Museum und Galene Borghcke, die bckde ziemlich die gleichen Eingänge errckchten, ergaben im Lause des Betricbsiahres 1913/14 allckn mehr als 86000 Lire. Dazu bckiesen sich die Eintrittsgelder für den Palatin auf ckwa 37000, für die Engelsburg auf mehr alt 25 000, für das römische Nationalmuseum aus 24 351, für di« Caracallatbermen auf 26 590 und für die Nationalgalecke nebst Kupfetstichkabinett ans 7527 Lire! Auch Florenz lieferte in dieser Beziehung ganz erhebliche Summen. So die Uffizien 83 123 Lire, die Pitti-Galeckc bcknahe 60000, die Capelle der Mediceer nicht viel weniger als 40 000, das Museum von S. Marco 25 200, die Galecke stir alte und neue Kunst 29 568, das National-Museum 30 950, das archäologische Museum nebst der Tepvich-Galecke 5071, während die anderen Florentiner Sehenswürdigkckten weniger als 1000 Lire ei »trugen, hingegen erreichten die Einkünfte aus dem Dogen-Palast zu Venedig nahezu 163 000 Lire, die der königlichen Galecken dicker Stadt 48 266 und das archäologische Museum 13 057 Lire! An erster Stelle indeffen stehen die Ausgrabungen von Pom- pcki, deren Eintckttsgelder sich im Jahre 1913/14 zu 203 908 Lire anhäuften. Von den Sehenswürdigkckten anderer Städte ttug dir Pinakothek der Brera 52 023 Lire ckn, das Abendmahl von Lio- nardo ziemlich 50000, das National-Museum zu Neapel etwa 70 000, das Museum S. Martino, ebenfalls zu Ncavel, 19 630, die Certosa von Pavia gegen 22 500 und die Billa des Hadrian bck Tivoli 15 585 Lire. Biel höhere Ziffern ergäben sich, wenn man zu den Erträgnissen an Eintckttsgeldern aus öffentlichen Se- hensmürdigkckten noch jene aus den zahlrckchen vckvacku rechnen würde. All solche Summen ledoch, fügt Maincck hinzu, »nd verschwindend im Verglckch zu dem, was die augenblicklich vom Kriege ferngehaltenen Fremden sonst noch in Italien auszugeben pflegen.
Lprachecke der LIgtmeinen Deutschen Sprachoeeelnr.
— Speisen, ll. Unter de», öinvruck des Krieges und des dadurch erwachten decNschen Setbstgeiühts^ sind viele (Gastwirte dazu überczegangen, die enizliichen und französischen Bezeicbnunqen für Speilen »u verdeutlch-n. Um bei der Benennung dem Wirrwarr und der Willkür vorznbengen, sowie der b'inheillicbkeit und AN- gem-i»versländl:chke>t den Weg zu bahnen, empfiehlt es stcb, die Aeuderuugen nach der .Teutsche,, Sveilekarte" vorzunehmen, dle der Allgemeine Teutlche Sprachverein (Geschäitsslelle Berlin W So, Nollendorfsiraße 13/14, Preis 60 Pfg.) herausgegeben hat. Eine Auswahl jolcher Lerdeucjchungen folgt hier: Statt CroqnoUes


