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Di- „ « e tzeuer ,fa«UUliW9tt«r" rwerben Jxm .Anzeiger' tunmal wöchemlich b<jg«legt, das „Krrttbtafl ftr ♦« Krtta Sietzen" jrotimal wöchentlich. Di« .^«»»iNschgstlichen Lett- -rag«»" erscheinen inonaiiich zwelmal.
VIÄt 164. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesjen
Dienstag. tZ. Oktober \ 9 \\
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universrläls - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: fcSS&l- Redaktion:«E11L.Tel.-Adr.:AnzeigerGi-ßen.
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Deutsche in Belgien.
Die Mitteilungen des Vereins für das Deutschtum im Island veröffentlichen aus der Feder eines berufenen Statikers eine Darstellung der Deutschen in Belgien vor dem rege, die jetzt von besonderem Interesse ist, da sie gleich- tig Schlüsse aus den Umfang der Schäden und Wie zu- ;t, die durch di« Vertreibung der Reichsdeutschen vom Kelchen Boden entstanden sind.
Die belgische Volkszählung vom 3l. Dezember 1910 gab ch drei Richtungen Auskunft über die Zahl der Deutschen Belgien: nach der Staatsangehörigkeit, nach der Gebürt keil, nach der Sprache Die Zahl der Personen mft deutscher Reichsange- r i g k e i t betrug 57 010; die überwiegende Mehrzahl derben, nämlich 46 805, fand sich in den Städten Brüssel, ttich, Antwerpen und Berviers und ihren Vororten, die t den betreffenden Städten zusammen je ein „Arrondisse-i rrtt" bilden. Jtt der Svadt BtnUsel, die ja nur den Kern reS großen Wohnvlatzes ausmacht, betrug die Zahl 4944, ganzen Arrondissement 16151. Auf Antwerpen trasen 46, auf das Arrondissement 10367, auf Lüttich-Stadt 13, Arrondissement 10 798, aus Verviers-Stadt 2959, Ar- udissemenl 9489. Angehörige von Lesterreich-Ungarn gab in ganz Belgien 5927.
Die Statistik der im Deutschen Reich geborenen Per- ren ist, weil vom Zufall mit beeinflußt, hier von geringc- «n Belang. Um so bedeutsamer ist die Unterscheidung der prache, die in Belgien in der Weise erfolgt, daß crsicht- fj wird, wieviele Personen nur eine der drei Landessprachen wuzösisch, ftämisch, deutsch), wieviele zwei oder alle drei crchcn, und von letzteren wieder, welche Sprache sie am ungsten sprechen. Da die noch nicht sprechenden kleinen rrder in der Sprachenstalistik nicht mitgezählt werden, so im folgenden ein ihrer Zahl ungefähr entsprechender Zui- lag von 4 Prozent zu allen sprachenstatistischen Zahlcn-- gaben gemacht, um Vergleiche mit der Gesamtbevölkerung ermöglichen.
Die Zahl der deutschsprachigen Personen wird wohl x richtigsten gewonnen aus der Summe derjenigen, die cr deutsch, und jener Mehrsprachigen, die deutsch am häu-- isten sprechen: sie beträgt 32 680 und 47 820, zusammen so 80500, b. t. etwas über 1 auf 100 Einwohner des tö« greichs. Diele Zahl besagt aber sehr ivenig, weil sie sich auf »ei ganz verschiedene Gruppen bezieht, nämlich einerseits cf die Bewohner der zu Belgien gehörenden Teile des geflossenen deutschen Sprachgebiets, die mei- ns gebürtige und von Alters her landeseingesessene Belgier rd, andererseits auf die in der Zerstreuung lebenden, fast rchgängig erst zugezogenen Deutschen, deren Aufenthalt oft cht aus unbegrenzte Zeit beabsichtigt ist.
Die belgischen Teile des deutschen Sprachgebiets, — rtn sein er zeitige Zuteilung zu diesem Staate auf die Unl- nninis zurürkzusührrn sein dürste, die in Bezug aus die rachlichen Verhältnisse jener Gegenden sowohl auf dem Wie- t Kongreß wie beim luxemburgischen Teilungsvertrag von 139 bestand, — lassen sich auf Grund der Angaben des olkszählungswerks über die Sprack>en in den einzelnen Gerindert ziemlich genau konstruieren. Es handelt sich um ei getrennt liegende Bezirke. Den größten, an die südliche iestgrenze des Grobherzogtums Luxemburg angrenzenden utschcn Bezirk bildet die Stadt Arel (französisch Ärlon, elcher Name leider auch in Deutschland fast ausschließlich braucht wird) mit 18 anderen Gemeinden sowie vier geson- rten Wohnplätzen von zwei französisch sprechenden Ge- einden. Weiter nördlich folgt die an Luxemburg und reußcn angrenzende Gemeinde Bochholz (französisch Beho) rd endlich nenn Gemeinden zwischen Aachen und Berviers, ren größte Welkenraedt und Gemmcnich sind. Der Anteil -r Deulschsprechendcn an der Bevölkerung dieser drei Gerte ist in der folgenden liebersicht zusammengestellt:
Einwohner Deutsch- ,, überhaupt sprechende 10
1. Arel mit Gebiet...... 39 637 31340 79,1
2. Bochholz......... 1474 1060 71,9
3. Gegend von Welkenraedt . . . 17 612 13700 76,8
zusammen 68 623 48100 78,6
Wenn das Gebiet vckn Arel außer den deutschen 7900 ar oder hauptsächlich französischsprechende Einwohner zählt, erklärt sich das daraius, daß davon allein 3700 auf di^ ieichnamige Stadt mit ihren zahlreichen Beamten usw. essen: und auch in den übrigen Teilen des deutschen Sprachgebietes sind die deutschen Einwohner in der .Haupt- «che das bodenständige Element, die französischen aber zu- ezogen. Bon den 57 010 deutschen Reichsangchörigen Belsens fanden sich nur 4300 in dem hier bezcichneten deuit- hen Sprachgebiet.
Die Berechtigung der deutschen Sprache in diesem Gerate ist bei der Errichtung des Königreiches durch die gesetz- che Bestimmung anerkannt worden, daß die Gesetze für die «enternden, wo vlämisch oderdeutsch gesprochen wird, mit ebersetzunqen in diesen Sprachen zu veröffentlichen sind, las geschieht aber, ohne daß das Gesetz außer Kraft getreten -äre, schon seit 1840 bezüglich der deutschen Gemeinden nicht rehr, und diese müssen, wenn sie mit der Staatsverwaltung r Verbindung treten, sich des Französischen bedienen. Rähe- es über das deutsch-belgische Sprachgebiet enthalten u. a. ie Jahrbücher des Deutschen Vereins in Arel.
Eine Aufsehen erregende Enthüllung über Vorbereitungen in Belgien vor dem Kriege.
Berlin, 12. Olt. (28258. Amtlich.) Die „Nordd. Mg. lerhmg" schreibt: Der Bruch der belgischen Neutralität ittrf) England und Belgien Durch die eigene Erklärung rar (8)ward Grevs ist die Behauptung der englischen Re- rerung bereits als unhaltbar erwiesen, daß die 'Verletzung er belgischen Neutralftät durch Deutschland das Eingreifen Englands in den gegenwärtigen Krieg veranlaßt hat. Das Pathos sittlicher Entrüstung, nrit dem der deutsche Ein- rrarsch in Belgien von englischer Seite zur Stimmungs- rrache gegen Deutschland bei den Neutralen verwertet Worten ist, findet eine neue und eigenartige Beleuchtung durch gewisse Dolumente, welche die deutsche Heeresverwaltung n den Archiven des belgischen Gencralstabs . n Brüj.jel aufgLhunden hat..
Aus dem Inhalt einer Mappe, ,reiche die Aufschrift trägt .„Intervention anglarse en Belgiquc" geht hervor, daß schon im Jchhre 1906 die Cssitscndung eines englischen Expeditionskorps n ach Be lg i e n für den Fall eines deutsch-französischen Krieges in Aussicht genommen war iitach einem Vorgefundenen Schreiben an den belgischen Kriegsminister vom 10. April 1906 hat der Chef des belgischen itzeneralstabs mit dem damaligen «ng • fischen Militärattache in Brüssel, Oberstleutnant Barnar- diston, auf dessen Anregung in wiederholten Beratungen einen eingehenden Plan für gemeinsame Operationen eines englischen Expeditionskorps van 100 000 Mainz mft der belgischen Armee gegen Deutschland aus gearbeitet. Der Plan fand die Billigung des Chefs des englischen Generalstabs, Generalmajors Griorsvn. Dem belgischen Generalsrab wurden alle Angaben über die Stärke lunb Gliederung der englischen Truppenteile, über die Zusammensetzung des Expeditionskorps, ferner die Aus- schiffungspunkte, eine genaue Zcitberechnung fiir den Abtransport und dergl. geliefert Auf ttz-rund dieser Nachrichten hat der belgische Generalstab den Transport der englischen Truppen in das belgische Auftnarsciige- biet, ihre Unterbringung und Ernährung dort eingehend vorbereitet Bis in alle Einzelheiten ist das Zusammenwirken sorgfältig ausgearbeitet worben. So sollten der englischen Armee eine große Anzahl Dolmetscher und belgischer Gendarmen zur Dermgnng gestellt und die nötigen Karten geliefert werden. Selbst an die Versorgung englischer Verwundeter war bereits gedacht worden. Dünkirchen, Calais und Boulogne waren als Ausschisfungspntrkte für die englischen Truppen vorgeselkn. Von hier aus sollten sie mit belgischem Eisenbahninatcrial in das Ausmarschgebict gebracht werden. Die beabsichtigte Ausladung in französischen Häsen und der Transport durch französisches Gebiet beweist, daß den eirglisch-belgischen Vereinbarungen solche rnit dem französischen General stab vorausgegangen waren. Die drei Mächte hoben die Pläne für ein Zusammenarbeiten der „verbündeten Armee n", wie es in dem Schriftstück heißt, genau sest- gelegt. Dafür spricht auch, daß in den (tzeheimakten eine Kart« des sranzösischen Aufmarsches vorgefunden worden ist. Das erwähnte Schreiben enthält einige Bemerkungen von besonderem Interesse. Es heißt dort an einer Stelle, Oberstleutnant Barnardiston habe bemerkt, daß man zurzeit auf die Unterstützung Hollands nicht rechnen könne. Er habe ferner vertraulich mitgeteilt, daß die englische Regierung die Absicht habe, die Bassis für den englischen Skrpfleguiigsüachschub nach Antwerpen zn verlegen, sobald hie Nordsee von Men deutschen Kriegsschiffen gesäubert sei. Des weiteren regte der englische Militärattache die Einrichtung eines belgischen Spionagedienstes in der Rheinprovinz an.
Das Vorgefundene mllitärische Material erfährt eine wertvolle Ergänzung durch einen ebenfalls bei den Geheimpapieren befindlichen Bericht des langjährigen belgischen Gesandten in Berlin, Baron Greindl, an den belgischen Minister des Aeußern, in dem mit großem Scharfsinn die dem englischen Angebot zu Grunde liegenden H in t e rge d an ken enthüllt werden, und in dem der Gesandte auf das Bedenklich« der Situation hinweist, in die sich Belgien durch ein« einseitige Parteinahme zugunsten der Ententemächte begeben habe. In dem sehr ausführlichen Bericht, 'der vom 23. Dezember 1911 datiert ist, und dessen vollständige Veröffentlichung Vorbehalten bleibt, führt Daran Greindl aus:
Der ihm mftgeteilte Plan des belgischen Generalsidabs für die Verteidigung der belgischen Neutralftät in einem deutsch-französischen Kriege beschäftigte sich nur mft der Frage, was für mtti- tärische Maßnahmen für den Fall zu ergreifen seien, daß Deutschland die belgische Neutralftät verletzte. Die Hypothese eines französischen Angriffs aus Deutschland durch Belgien habe aber gerade viel Wahrscheinlichkeit für sich Der Gesandte sühft dann wörtlich folgendes aus: „Bon der französischen Seite her droht die Gefahr nicht nur im Süden von Luxemburg, sie bedroht uns aut unserer ganzen gemeinsamen Grenze. Für diese Behauptung sind wir nicht nur aus Mutmaßungen angewiesen. Wft haben dafür positive Anhaltsvimktc. Der Gedanke einer Umfassungsbewegung von Norden her gehört zweifellos zu den Kombinationen der Entente Cordiale. Wenn das nicht der Fall wäre, so hätte der Plan, Blissrngen zu befestigen, nicht ein solches Geschrei in Paris und London hervorgerusen. Man hat dort den Grund gar nicht verheimlicht, aus dem man wünschte, daß die Schelde ohne Skt* teidignng bliebe. Man verfolgte dabei den Zweck, unbehindert eine englische itzaruison nach l'lntwerpen überfuhren zu können, also den Zweck, sich bei uns eine O peration sb a sis für eine Offensive in der Richtung aus den Nieder- rhcin und Westfalen zu schaffen und uns daun mft sott- zurcißen, was nicht schwer gewesen wäre: denn nach Preisgabe unseres nationalen Zufluchtsortes hätten >oir durch unsere eigene Schuld uns jeder Möglichkeit begeben, den Forderungen unserer zweiselhasten Beschützer Widerstand zn leisten, nachdem wft so unklug gewesen wären, sie dort eiuzulasseu."
Diese Ausführungen von vorurteilsfreier Sefte stellen in überzeugerrder Weise die Tatsache fest, daß dasselbe England, das «ich jetzt als Schirmherr der belgischen Neutrnll- tät gebärdet, Belgien zu einer einseitigen Parteinahme zu Gunsten der Ententemächte bestimmt und daß es zu einem Zeitpunfie sogar an eine Verletzung der holländischen Neutralität gedacht hat Des weiteren erhellt daraus, daß die belgische Regierung, indech sie den englischen Einflüsterungen Gehör schenkte, sich eine schwere Verletzung der ihr ccks neu1 1 aler Macht obliegenden Pflichten hat zu Schulden kommen lasten. Die Erfüllung dieser Pflichten hätte es erheischt, daß die belgische Regierung in ihren Derkeidigungsplanen auch die Der* letzung der belgischen Neutralität durch Frankreich vorgesehen, und daß sie für diesen Fall analoge Vereinbarungen mit Deutschland getroffen hätte, wie mft Frankreich und England. Tie fünf ausgesundenen Schriftstücke bllden einen dokumentarischen Beweis für die den maßgebenden deutschen Stellen länge vor Kriegsausbruch bekannte Tatsache der belgischen Konnivenz mit den Ententemächten. Sie dienen als eine Rechtfertigung für unser militärisches Vorgehen und als eine Bestätigung der der deutschen Heeresleitung zugegangenen Informationen über die sranzösischen Absichten. Sic mögen dem belgischen Bolle die Augen darüber öffnen, wem eS die Katcytrwhe zu verdanken I hat, die jetzt über das unHwtlkfjc Qari f 4 erew 2 cijxo£toi ist.
Sum Thronwechsel in Rumänien.
Bukarest, 12. Okt. (WTV. Nichtamtlich.) ttzesteru vormittag fand in der Mctropolitankirche ein (tzcdächmisgottes- dieust für >Lönig Carol statt. Um 2 Uhr rmchnftttags erfolgte im Saale der Deputterlenkaniiner die fcierliclie Eidesleistung zröuia Ferdinands I. aus die Skrsassung Nach der Eidesleismng hielt der König jolgeniw Ansprache:
„Berufen durcli die tzbrade Gottes und den Willen des Volles.
der Erbe des großen Gründers zu sein, der mir als hcüigiles Skrmäcüttiis die Gefühl« der Liebe und Treue des ganzen Volkes binterlassen l«r, finde ich in meiner Liebe zu der Nation die kraft, ohne Schwanken den 2Svg der Ersü llurg meiner großen, aber schwierigen Psticht zu betteten. (Lebhafter Verfall. Das Beispiel l'cssen, den wir alle wie euren Vater deweinrn, und die Ucberzeugamg, daß es bloß durch einen iimmtcrbrochcncil Anstchwung möglich ist, die Lebenskraft des Siolkes zu iichcrn, irnrd für mich t*cr Leitstern meiner BcmüGingen für dre- Entwicklung dieses Stiaws während meines ganzen Lebens sem. «Lebhafter SkijalU Ich hin überzeugt, daß die tliumänen, von demselben hoben Patriotismus beseelt, auch zulünfttg dem Throne und dem Lande die Einigkeit in Gedanken und Tat zu geben wissen iverdcn, die das eimnge Unterpsand emer gelunüeu nationalen Cntwulliiiig ist. «B«ifall.> Der Ällniäclüige, der nach so vicini schweren Prrisirngen die Arbeft derer geiegmt hat. die sich dem Wohle dieser Nation widmeten, wrrd auch das, was uril so viel Mühe gebaut ist, nicht vergehen lassen und mft Liebe sür dieses Molk die rastlose Arbeft schützen, di« ich als guter Rumäne und als Köing meincni teuren Lande zu weihen cnt- sclüossen bm " «Begeisterter Beifall, in den siä> auch ianganhal- tcnde Boftallsriife sür die Königen Maria mcngteir.i
Der Präsident des vereinigten Parlaiueuts, Phere- khde, widmete hieraus dem König Carol einet tvcrrmcm Nachruf und versicherte den neuen König der dingebungl der gesetzgebenden Körper Die stürurischen^ Ovationcn, nftederhollen sich, als die Königsfamifie den ^cral verließ. Hieraus fand rn der Mettopolitankirche ein Tcdeum statt, nach dem das Königspaar durch ein Spalier von Soldaten unter den Huldiglungen eftier ungeheuren Meusclienurengci ins Schloß z»rückkehrte.
oemcin.lü ^acn Bouocieine und der Krieg.
In der Berbandstagung der «geineimrüpig«.'n Bauvereine in Gustavsburg, über die tvir bereits in der gesttige» Ausgabe berickitet ^aben, hielt Landesivolmungsiulpektor Gr etz- schel einen Dort rag über die'Stellung der gencettrittltzi- gen Bauvereine zu den gegenwärtigeu Zeitläufen. Er führte dabei folgendes aus: >
Tie Arbeft der Skuvcvcmc ist Friedensarbeit, insofern. als sic einersetts mir in Friedenszeiten richtig gedeihen kann, andererseits, als sie der Förderung des inneren Friedens dient., Ski Anpassung an die durch den Krieg grschaffmeu veränderten Skrhältnisse müssen wft unsere Ausmcrksanckeft naincntlich nach drei Richtungen lenken: 1. auf dft Ausrechterhaltung eines! geregelten Geschäftsbetriebes. 2. aus das Vcrhälliiis zu den Käu- sern und Mietern von Bauvcreiushäusern und SLvhnungen und
3. «aufdicMöglichkeiteinerKortsetznngdcsZ weckeS unserer Banvereine.
In ersterer Beziehung liegt die Möglichkett vor, daß einzelne Mitglieder der Genossenschaftsorganc zu den Fahnen eiw- berusen sind. Die so entstandenen Lücken im 2lufsichtsrat können! zunächst osten bleiben, dagegen wftd cs aus alle Fäll« notwendig sein, den Vorstand vollzählig zu erhalten. Bon besonderer Wichttg- kcit ist die Frage des Skrhältnisses zu den Mietern und Käufern: vcm Geirosscnichastswohnungen. Dier ist größtmöglich« Rücksicht zu üben, nanientlich bei den zum Militärdienst ein- geftetenen oder aus Anlaß des Krieges arbeftslos gewordenen Familienvätern. Wenn hier ost beim besten Willen die Zahlung von Mitte oder Zinsen nicht irröglich ist, so entlpricht cs dem Charakter unserer Genosscnsckxlsten, daß in diesen Fällen nicht nur Stundung gewähtt, sondern helfend eingegrissen wird. Das genügt jedoch kaum. Dem Zurückkehrendcn kann nicht damit gedient fern, wenn cr vor einen 2ktg von «Schulden! gestellt wird, wft müßten uns fast schämen, wenn es keinen andern Ausweg gäbe. Der Mann, der da fürs Baterlcmd sein Leben, sttnc Gesiimdheft anss Spiel setzt, hat ein Recht darauf, daß wir Daheimgebliebencn dafür sorgen, daß während seiner Alnoesenhttt wenigstens seine wirtsckzaitlistzen! Verhältnisse sich nicht zn sehr verschlechterrr. Ganz können wir ihm ja Nachteile nicht ersparen, aber sowcft das möglich, besteht für die Daheimgeblicbenen ttne Pflicht, es zu tun. Und des unverschuldet arbeitslos Gewordenen müssen wir in ähnlicher SLeise gedenken. Die Slauverttne können teftwttse dft Mieten erlassen und zu den Zinszahlungen Zuschüsse gewähren. Wird ttn Mettel oder gar die Hälfte dieser Skrvilichtungen ans die Bauvereine übernormnen, so wäre das selbstverständlich schon ttne große Erleichterung. Es könnte auch in Frage kommen. Mitten und Zinsen vorschuwottse sür den «Schuldner zu leisten icnd die Deckung der Schuld später in kleinen Ratenzahlungen zu ermöglichen. In Fällen völliger Zahlungsunfähigkeit sühtt auch gerade das in unserer Genossenschaft zur Tat gewordene Wott: „Einer sür alle, alle für einen" zu der Hoffnung, daß wft in jenen Fällen nicht umsonst an unsere wohlhabenden OkrwsscN apvelliercn würden. Es werden aber auch dann noch Lücken in unserer HUssaktton bleiben, deren Schlichtung notwendig ist. Wenn der nicht vermögende Hausbesitzer keine Meten bekommt, so kann er au«h keine Zinsen zahlen und auch der daraus angewiesene Gläubiger gerät in Not. Dft Quell« dftses Mißstandes zu verstopfen ist nur durch eine Hilfsaktion in größerem Sttle möglich, dft niäst den Charakter von Almosengaben bat Es muß hütt mit öffentlichen Mitteln eingegrissen werden, indem man m ttnzelnen (Gemeinden Ausschüsse bildttr, die im einzelnen zu prüfen hätten, daß nur in Fällen tatsächlicher Skdürsttgkttt eingegristcn wird. Daß dabei auch Mißbräuche möglich sind, darf uns nicht aühalten. 28enn man dft richttgcn Leut« wählt, dft die Verhältnisse kennen und Umsicht besitzen, werden sich dce Mißbrittuhe auf ein Miudesrmoß beschränken. In diesen Frage nichts zu tun, wäre direkt eine Versündigung am Gemeinwohl. Zum Glück haben die Bauvereine zumeist eigene Mittel zur Unterstützung zur Hand, die wenigen andcrcii mü>ien >ich an Hilssakttonen der erwähnten Art btteiligen. Die Vaugenosieir- schast in Friedberg hat den znm Militär einberuicucn und dem Arbeiterstande angehövendcn Genossen während der tt?"? des Feldzuges die Miete um 25 Profit cnnamgt und m Aussicht genommen, daß, sosern die Hüisrr,cri>«i den Ausiall^ nicht decken, dies tttlwttse aus dem Rttngewnrn d^ lcmtmden wahres geschehen soll. Der Bano«ttn A l S t c l d h<ftbttli>lo>t«n> den- iniigen Familftn, deren Ernährer nch culFttde beiiudtt, me Mitte bis aus wttteres aur die va l s tc ^abzuietzen und dm noch rückständige Miete ,u itundcn. Die biSherin die «er Richtung hervorgttvctenen Notstände sind oerh^tmsmatzig noch lehr gering was id> aui Grund meiner Beobachtungen in Darmstadt und anderwätts, sowie aus den Mftteüungen verschiedener Bau« vereine bestaiigcu kann. Wft müssen abtt damit rechnen, daß die Notstände weiter im Winter zunehmen werden.
Nuii die Frage, ob dft Skuvncine je&t an dft wettere Er- strebung ihrtt prakttschen Zwecke, aljo an i»e Her itet.tu.ug


