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kr. 234 Zweiter

Erscheint täglich mit Ausnahme beS Sonntags.

Die ,,-ießener §a«illenblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da? Kreisblatt ffir den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLnndwirtschastltchen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Blatt 1-4. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

vienrtag. 6. GNoder

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lchen Universitäts - Brich- und Steiudruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schrrl- straßc 7. Expedition und Verlag: e^sbl. Redaktion: eqA 112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

König Albettr Schuld und Strafe.

.Mrrtet ab, wie ich, was da kommen wird!" lief der Snig der Belgier den aiujfterfüHten Anttverpenern vorn taltone seines Schlosses zu, als die ersten Zeppekingranoten mschlugen. Ahnt König Albert nicht, was gerade sür ihn >rnrnen muß, toenn er nrit der schönen Geste eines todes- rutigen Staatsoberhaupts iin bestürmten Antwerpen crus- arrt? Hat er nicht darüber nachgedcuht, welchen Berg von ichnld er nicht nur während dieses Krieges, sondern sckzon orher häufte, und daß diese Schuld genau so gut Sühne nd Genugtuung erheischt, wie die Frankttreuruutcllcn seiner andeskinoer? Glaubwürdige Enthüllungen (der Frauk- rrter Zeitung) haben es jetzt an den Tag gebracht, wie er rtt dem Lord (Jargon sich heimlich verband, um hinter dem kücken seines Ministeriums England und den Dreiverband egen Deutschland ausAispielen

Svllte König Albert diesen seit Jahr und Tag gehegten tlan leugnen wollen, so wird man ihm das ganze Hinte» istige Gespinst noch aktenmäßig Nachweisen. Er hat sich iner ganzen Reihe von Mitarbeitern und Vertrauten be« ient, die nicht leuMen können. Sein Hauptratgeber, G» ^ral Jungblout, hat oft genug aus der Schul« geplau- ert. Aber auch im Parlament bei den gegensätzlichsten Par- eien waren Helfershelfer tätig. Der belgische Parlamen« artrr Bandervelde, der wahrend des Krieges ins Mi- eksteriuni eingetreten ist, hat Anfang dieses Jahres Aus­assungen veröffentlicht, in denen cs als etwas ganz Selbst­verständliches behandelt wurde, daß Frankreich und Eng« and die Absicht hatten, dem Deutschen Reiche im Kriegs- alle in einer Besetzung Belgiens zuvorzukomrnen. Bander- >elde schrieb damals, nach der Abstrnrmung über die deutsche Behrvorlage vom 14. Juni 1912 hätten verschiedene Mächte natürlich Frankreich und England) dem König Mbert nahe yelogt, daß man seine Heeresmocht reicht mehr für fähig zolle. int Notfall eine Verletzung der belgischen Neutralität pl hindern, und daß man! es deshalb für airgstzeigt baltcp Deutschland zuvodckonrmen. Daraufhin mußte es M. de groqueville im Parlament gegen den Widerstand der Mehrheit durchzusetzen, daß die Krvegsstärke des belgischen Heeres etwa verdoppelt und das Heeresbudget um wenig- tens 30 Millionen jährlich erhöht wurde. Nach diesem und o vielen anderen Dokumenten steht es fest, daß König Albert -ich in voller Absicht und planmäßigem Vorgehen den Fran­zosen verschrieben hat, daß er sich inrnver wieder ausdrück­lich einverstanden erklärte, französische Druppenmossen durch sein Gebier hiiümrch marschieren und die deutschen Grenzen überfluten zu lassen. Er mißtraute der deutschen Kraft und verschwor sich mit denen, die er für die Stärkeren hielt. Ms Kaiser Wilhelm ihm aus Mannes- und Fürsten wort die Neu tralität und den Besitzstand Belgiens zu gewährleisten ver­sprach, lehnte König Merl dieses hochherzige Anerbieten (hochherzig schon deshalb, well seine feindseligen Hinte» gedanken bereits bekannt waren) mit einer fast verächtlichen und kränkenden Pose ab.

Und dieser König ist «in Deutscher! Er entstammt von Natersseite her dem Koburger Herzogshause. Er nruß sogar mütterlicherseits als Hohcnzoller angesprochen werden.

Blutsverwandte haben sich immer geholfen. Das fürst­liche und das königliche Haus HohcnAollern haben sich stets geachtet und unterstützt. 1870 verzichtete der zum Thron­folger in Spanien erkorene Hoheirzollernprinz, ein naher Verwandter dieses jetzigen Bclgierkönigs, auf die angebotene Krone, weil er dem Oberhaupt des Hauses zu Dienst und Willen sein wollte. König Albert hat genau das Gegenteil getan. Er hat gegen Deutschland gearbeitet, wo er nur konnte; als wir mit den Frantzosen über Marokko und Ka­merun verhandelten, ließ er in den belgischen Blättern fast täglichKongonotizen" erscheinen, durch die eine besondere Köngoangst der Belgier hervorgerusen werden sollte. Noch aml4. November 1913 mußten die Blätter bezüglich der Absteckung der deutschen transafrikcrnischen Bahnlinien (die von Daressalam ausgeht, bei Danganika sich gabelt und einen Zweig nach Kamerun, einen anderen nach der portu­giesischen Lobito-Bucht senden soll) folgendes schreiben:So wird sich bald erne Art groß«' deutsche Heugabel bilden, an der der belgische Kongo wie ein HenbündÄ stecken wird.tt Das war durchaus in dem delttschfeindlichen, deutschhasieri- schen Sinne .König Alberts, der in der Geschichte seines Lan­des nicht gelesen zu haben scheint, tüü alles Elend inrrneff von Frankreich, und die Rettung und Anerkennung Belgiens als eines selbständigen Staates so oft von Preußen und Deutschland kam. Wie er, der Fürst vom deutschen Stamme, scheint leider auch die Königin, die Tochter des edlen Herzogs Karl Theodor in Bayern, zu denken und zu suhlen; sie hat es jedenfalls nicht vermocht. die Frauen), Pflicht der Fürstin zu üben, indem: sie bei chrem Gatten die Stimme des deutschen Blutes weckte. Sie hat mit jh-rem Gatten grenzenloses Elend über das belgische Voll gebracht und chre deutsche Herkunft verleugnet. Welche Sühne so viel Schuld erheischt, wird sich jetzt bald erweisen. Uns scheint dieses Fürstenpaar das Anrecht aus Thron und Herrsche» würde verwirkt zu haben.

Der Reichstag im Zelde.

Unser Deutscher Reichstag ist eine kriegerisch wohlaus- gebildcie Körperschaft. Denn von den 397 Reichstagsabgeord- tieten haben nicht weniger als die Hälfte gedient. Rund 180 Abgeordnete haben den bunten Rock getragen, und zwar Mitglieder aller Fraktionen. Etwa 30 Rcichstagsabgeordnete haben sogar schon den Krieg von 1870/71 mitgernachk. Mehrere von ihnen sind mit dem Eisernen Kreuz geschmückt worden. Etwa 70 Bollsboten sind Ofsiziere gewesen.^ Nun sind natürlich die meisten Abgeordneten schon in höheren Jahren, trotzdem ist unser Reichstag im Felde jetzt sehr gut vertreten.

Etwa 65 derzeitige Reichstagsabgeord­nete stehen unter den Waffen, zum Teil beim Feldheere als Kriegsfreiwillige, als Reservisten und Landwehrmänner, zum Teil auch bei den Etappenlinien und in den Landsturmbatail­lonen. Mit frohem Eifer sind auch unsere Reichstagsabgeord­neten dem Rufe gefolgt, als der Kaiser rief, und alle, alle kamen, ohne Unterschied der Partei.

Von den Patteien der Rechten sind viele Herren als

Offiziere nn Krüge, so unter anderen die ostprenßischen Ab­geordneten v. Bieberstein, Nehbel und Reck, ferner die Herren Siebenbürger, Dietrich und von W-interseldt; der frühere Reichstagsabgeordnete von Oldenburg-Januschau, der eine Zeitlang im kronprinzlichen Hauptquartier war, hat nun ein Kommando in Westpreußen. Der siühcre Reichslagsabgcord- nele Dr. Diederich Hahn ist Etappenkommandant auf dem westlichen Kriegsschauplatz. Die Reichspartei stellt den ein­stigen Abgeordneten v. Lübert und die Abgeordneten Hegen­scheidt und v. Halem.

Vom Zentrum stehen Graf Praschma, der Fürst zu Salm, Dr. Maner-Kausbeuren, Herr Düz-Konstanz und der Freiherr o. Kcrkerink unter den Fahnen. Bo» der polnisckßni Fraktion stellte sich der Abgeordnete,». Dziembowski-Pomian als Kriegsfreiwilliger. Auch sein Fraktionskollcge Sosinski ist im Kriege. Von der elsaß-lothringischen Zentrumspartei sind die Herren Hauß und Dr. Schatz ins Feld gerückt, vom Bay rischen Bauernbunde der Mgeordnctr Laux.

Eine stattliche Schar von Kriegsteilnehmern stellen die N a t i o n a l l i b e r a l e n. Da ist zunächst der nationallibe­rale Führer Ernst Bassermann. Er ist Abteilungskomman­deur einer Munitwnskolonne und wurde wegen seiner Ve» dünste vor Namur zum Major l>esördert. Der Leipziger Justizrat Dr. Junck ist als Kriegsfreiwilliger eingetreten, ebenso sein Frakttonssreimd Dr. Bollert. Auch der Abgeord­nete Laser, der in Ostpreußen als Bürgermeister tätig ist, steht im Felde. Bon den Nationalliberalen sind weiter ein­gezogen die Abgeordneten Tboma, v. Richthoscn, Schlee, 'Schulenburg, van Calcker, List Eßlingen, Kerschbaum, ferner die früheren Reichstagsabgeordneten v, Schubert und Dr. Quarck.

Auch die Fortschrittliche Volkspartei des Reichstages hat viele Mftglüdcr zu den Kämpfenden gesandt, nämlich unter anderen als Kriegssieiwilligen den Freibur­ger Professor und Nationalökonom v. Schulze-Gävernitz, außerdem die Abgeordneten Professor Neumanw-Hoser, Siehr, Hähnle, Gunßer, Bruckhofs, Dr. Blunck, Röser, Dr. Haas, Strnve. Der Abgeordnete Fegter stellt nicht weniger als fünf Sühne.

Die Sozialdernokratensind mit etwa 25 Abgeord­neten vertreten. Als Kriegsfreiwilliger meldete sich von ihnen als einer der ersün der Abgeordnete Ludwig Frank, der im Kampfe gegen die Franzosen fiel Als Kriegsfreiwilliger ist auch der Benjamin des Reichstages Wendel bei den deutschen Heeren. Ferner stehen unter den Waffen die sozialdemokra­tischen Abgeordneten Wels, Davidsohn, Kraetzig, Cohn-Nord- hausen, Schulz-Erfurt, Schmidt-Meißen, Dr. Lensch, Hasen­zahl. Ihrer Einberufung sehen noch entgegen Dr. Karl Lieb­knecht und Dr. Südekum.

Diese Liste kann natürlich nicht ganz vollständig sein, da viele Abgeordnete noch auf ihre Einziehung zun, Land­sturm warten. Wer schon jetzt zeigt es sich, daß alle Parteien im Felde stattlich vertreten sind, daß der Reichstag einen guten Teil zu den Baürlandskämpfern stellt.

Andere Wgeordnete sind leider bereits in Feindeshand geraten. So wurde der fortschrittliche Abgeordnete Dr. Ab­laß ans Hirschberg in Schlesien auf einer Geschäftsreise in Petersburg festgencmrmen. Der Alterspräsident des Reichs­tages, der polnische Führer Fürst Radziwill, wird von den Russen in Polen festgehalten. Der sozialdemokratische Ab­geordnete Dr. Weill siegt in Plaris in einem Sanatorium.

Zum Schluß seien ein paar unwürdige Bollsboten er­wähnt, der Vaterlandsverräter und frühere elsaß-lothringi­sche Abgeordnete Wetterls und sein Freund Blumenthal, die aus Deutschland geflohen sind und sich nicht scheuen, von Frankreich ans Deutschland zu beschimpfen. Das Urteil der Geschichte ist über sie gefällt.

Lttrche und Schule.

Rom, 5. Okt. .Osservatore Romano" meldet, daß der Kardinal staats lekretär flerrate außer Gefahr und bereits fast vollständig wieder hergestellt ist.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 6. Oktober 1914.

Kriegsspielzeit im Stadttheater.

Die Stadtverordneten haben in ihrer letzten Sitzung den Be­schluß gefaßt, dem hiesigen Stadttheater durch eine Reihe von Vergünstigungen die Möglichkeit zu schaffen, trotz der schwü- rigen Verhältnisse am 1. November den Spielbetrieb aus;unehmen. Theaterbanvevcin und Direktion des Stadt- theaiers sind daraufhin mit einem Aufruf zum Abonne­ment an die Bürgerschaft herangetreten. lieber den möglichen Erfolg dieses Appells an Kunst- und Gemeinsinn ist natürlich einstweilen nichts zu sagen, bei der ungewöhnlichen Lage der Tinge aber dürste es sich lohnen, sich über die Grundlagen des Ausrufes, namentlich über diejenigen ethischer Natur, klar zu werden, zumal von der richtigen Einschätzung eben dieses ethischen Moments nicht zu unteffchätzend« kommunale und soziale Inter­essen abhängig sind.

Man begegnet bei der Beurteilung der Theaterftage ziemlich häufig der Ansicht, daß zwischen Krieg und Theater unverein­bare Gegensätze bestehen Viele bezeichnen es als leichffettig und dem Ernste der Zeit direkt znwiderlanfend, wenn man daheim seinem Vergnügen nachgehr, während draußen Millionen dem Tode ins Antlitz sahen und um die Geschicke der Nation kämpften. Es sei unmoralisch, sich vom Rampenlicht die düsteren Stunden des Krieges erhellen zu lassen. In den Kopsen derer, die so sprechen und sich der Not der Zeit nur anznvassen glauben, wenn sie mit gesenktem Blick, gefurchter Stirn und allzeit tränen- bereit das Dasein eines indffchcn Büßers leben, sind die Bo» stellungen vom Wette des Theaters nie lebendig gewesen. Ihnen war das Theater nicht mehr und nicht weniger als der Ott, wo man die Stunden zwischen dem Abendessen und dem Schlafengehen möglichst kurzweilig verbringt und^ nebenbei mit einer neuen Toüttte aus dem ttaditionellen Abonnement für bürger­liche Reputation sorgt.

Wir lernen in diesen Tagen um," hött man so oft sagen. Es kann nicht schiden, wenn man dieses llmlernen eine kürze Weile aut die landlänsigrn Ideen vom Theater verwenden wollte: Wenn man sich llar zu machen versuchte, daß dem Theater nicht nur unterhaltende Aufgaben zukommen, sondern daß ihm auch kulturelle Werte innewohnen, von deren Qualität man sich sehr wohl Maße für den Stand einer Ncitün holen kann.

Es ist zweckmäßig, sich zunächst einmal zu vergegenwärtigen, daß nichts falscher ist, als den Krieg schlechthin als den größten aller Gräuel, schrecklichsle Plage der Aten schon erde zu bezeichnen. Wenn Stuck den Ktteg matt, wie er über ein Feld voll zerfleischter

Leichen reiüt, wenn Lübermann llzn mit kaltem Hahn, das bloße Schwert nachlässig wiegend, der Vernichtung eines stüchcndsr Heeres zuschaucn läßt, und Weresffchagin eine Pyramide bleichen­der Schädel zum Svnibol des Krieges macht, dann vergessen alle, daß der Ktteg eine Ivrm des Riesenkampses ist. der die ganze Natur erfüllt, eines Kampsts, dessen Erlösckien Ubopie ist, der aber zur sörtschrritlichcn Entwicklung der Menschhert not­wendiger fast als das Dasein ist. Sie vergessen, daß der Krieg die edelsten menschlichen Tugenden züchttt: Mul, Tapferkeit, Ausovserungsfähigkeit, Glauben, und daß noch eine Natwn wahrhaft groß geworden ifc wenn ihr nicht dos Säyoert als Zierde der Besten goll. Das alles belegt die Ge­schichte mir so irnzähligen Beweisen, daß man sich bei einer E» hünung des Gesagten nicht anfznhalün braucht, ljnd düse Tatsachen müssen den einzelnen bei der Beurteilung des gegenwärtigen Bölkerringens über die individualistische Anssas- sung herausheben, müssen ihm zeigen, daß die Trauer zum Egoismus, lörpcttiches und geistiges Kopfhängettmn zur Schuld werden kann. Einzig die Betrachtung des Krieges vom Standpunkte des übergeordneten Jnüreffes des Volksganzen ver­leiht die Haltung und Würde, deren wir in tn.es e» Zewen bedürfen. Stellen sich diese Würde und düse Haltung des Ein­zelnen vor die Pforün unserer Theater?

Auch wenn das Dolkscmpsinden unserer letzten Wochen der Parffer Schwmrklckcratnr nicht den Weg über Grenze gewiesen lütte, brauchte man nicht zu bttonen, daß sie und ähnliche Miß- gebutten der Salonästlzetik heute irnd immerdar von deutschen Bühnen verbannt sein müssen, daß in der jetzigen Zett der Theate» zettel nur Werke unserer Besten verbinden darf. Unter solchen Umständen aber beanspruchen folgende Erwägungen Gültig keck: Das Theaür ist der fähigste Gestalter der Menschensecle und dannt Kunst in ihrer höchsten Machtsnllr. Wer will der Kunst entraten? Das Theater ist die Kunst der OeffenÜichkett. Es kann als Masieriwirkimg zu allem werden, zum Parlament, zur Kirche, zum Bacchanal: Bei cmer Sch illerau fführmrg in Berlin begannen die Kriegsdemonslratwneil gegen fstapoleoii I. Das Theater erzieht zum Stil, zur großen Linie. Und haben gerat»' wir Deutschen, deren Unsttliiietthoit sprichwörtlich ist, nötig: Können wir unsere weltgeschichtliche Mission erstllleu, ehe es einen impo­nierenden deutschen Lebensstil gibt? Können wir eher eine erfolg­reiche Germanisierung betrübÄr? Wir sollen unsere" Innerlich­keit nicht ausgeben, aber wenn wir aus ihr ein Weltgitt moäzen wollen, daun muß sic sich Mitteilen und entfalten können. Und das Theater kann hür als Erzühungsfaktor gelten. Wir sind nicht alle zum individuellen Heldentum berufen. Warum sollen aber die, einschlägigen Affekte der Masse nicht gerade in Kriegs­zeiten rm Theater ihre adelnde Befreiung effahren? Das Theater ist eine nwralrsche Anstalt: Drama heißt dock? Handlung; und die Aioral unserer wirllicben Dramen spricht mit Dpmre» wottcn zum handelnden Willen. Wenn der Feind nrit allen Mitteln in den Willen der Natton Bresche legen möchte, kann da der Einzelne den moralischen Willen entbehren? llnd wenn man düsen Gedanken nicht ihr Gewicht lassen loill: Wie manchem Trauernden und Bedrückten tut 1s not, sich von den dunklen Seiten der Zeit eine Welle zu abstrahieren und sich' in ein« bessere Welt veffetzen M lassen, die sich inü beglückender Klarhett vom zerttsseuen Bild des Xagr? abhebt? (Die echte Knust veredelt, indem sie vom Niedrigen, ZufMigen, Ehy^nen ins Erhabene, Notwendige, Topische erhebt. AbffKut genonrnren, kann sich also vom Theater dispensieren, wer ehre sotche Erhebung nicht nötig zu haben glaubt. Wo tft er aber? Und so ließen sich der Gründe, zwischen Krieg und Theater Bande schlingen, noch manche ireunen. Wer ins Parkett odsi:<iuf düGalerü nur rohe Sensatwns- lust oder Näherrnnensentimenlakttät mitfrrrogt, de» gegenüber hat das Theater allerdings keinen Berus. Den andern kann und soll es ein Born sittlicher Stärkung und innerer Forderung sein.

Man kann dem allem entgegenhaltrn, daß es das Bild des Theaters sei, wie es sein sollst und nicht ist. llnd wenn diesem Bilde mich noch manches mangeln sollst, um ihm Allgemem- gülttgkeit zu verschaffen, so ist gerade der !Zug der Zett geerg- ntt, diese Mängel zu beseitigen. Wenn jeder Hilsts höhere Gesichtspunkü für die Frage: Warimr gehe ich ins Thea­ter? maßgebend sein zu lassen als Neugier, Sensatwnslnst Mid andere noch weniger empfehlenswerte Tttebe, daun HUft er, dem Theater seine ursprürrgliche, leider so vül verkannte

und verblaßte Bedeutung wiedcrzugebcn. Gerade düse Zeit der inneren Einkehr, die wir dnrchmachen, ist danach hervorragend angetan. Oder will noch einer behaupten, daß es unsinnig oder gar unmoralisch sei, während draußstr MMWnen von Werten zettrümmett werden, zertrümmert werden müssen, drinnen und daheim an kulturellen Wetten mitzuschaffen? Was sonst noch im Spiele ist: Die Hochhaltnng unserer bewähtten künstlettschen Kräfte, die Sorge für den Ruf unserer Mhne über die Grenzen Gießens hinaus, für die ein Ausfall der Spielzeit 191415 ein beschämendes Zeichen der Schwäche wäre das sind ebenfalls Momente, die ms Gewicht fallen sollten.

Zn dem Gegenstand läßt sich noch so manches sagen. Es sei aber einstwellen genug msi der Feststellung, daß es die Zell auch in dieser Ivan veffühen hißt, wenn man die In te re s s« n des Theaters zu den seinen macht. Denn zwischen dem Krüg, der gewaltigsten Effcheinnngsform völkischer Kraft, und der ernsten Bühne, der stärksten Lehrettn dieser Kraft, einander ansschließende Faktoren zu entdecken, dazu gehött sich ein lleinerer Geist, als sich im Interesse unseres Mnscntempels hoffeirLich das Gießener Publikum zumuten lassen wird. O. B.

Auf dem Felde der Ehre gefalle«.

(Ans Hessen und den Nachbargebitten.)

Lt. d. Res. und Regierungsbaumttster Wilh. Heß, Jick.- Regt. 81 aus Leihgestern. Landwehrin. Ph Bu chtaleck, Ini.-Regl. 116 aus Grohen-Buseck. Res. Ludwig Zahrt, Trag -Regt. Nr. 4 ans Hausen b. Güsten. Gest. d. L. Kart Stein, Res-Inf.-Regt. 116 aus Gießen. Feldw. Heinr. Hüttenberger, Landw.-Jnf.-Regt. 116 usa Gießen. Osf.- Stellv. Dr. Ludwig Ho ff mann, Landw.-Jnf.-Regt. 116 ans Gießen. Musk. und Lehrer Wllli Jung aus Heuchelhttm. Geft. Hellrr. Römer, Rff.-Jns.-Regt 116 aus Lollar.' Untere ff. Heinr. Klein, Jns.-Regt. 116 aus Trtts a. d. Lda.

Res. Ferdinand Jung, Jns.-Regt. 116 ans Heuichelheim.

Lehrer Gerßler aus Stammheim b. Fnedbttg. Lt d. R. imd Fofftassessor Julius Lichtenberger, Jägerbat. 11. Res. Jvhs. Bernges aus Hutzdoff. Res. Karl Heinr Schmelz aus Queck. Direktor der Württemb. Haudttsschulc in Stutt- gatt Ludwig Lang aus Odenhausen. £l. d. Res. und Lchr- aintsasseffvr Dr. Chrrsttt Bär aus Nidda. Gesr. Otto Schmidt, Mascknnengew.-Komp. Jns.-Regt. 118 aus Borsdmi. Unterost. d. Res. Julius Kaufmann, Jns.-Regt. 83 aus Bicdenkopi Lt. d. L. und Füffll. Hohttiloh. Obefföttür Leo Bogt, Jns.- Regt. 116 aus Butzbach. Landwchrm. Jakob Reuter, Jns.- Regt. 116 aus Niederweisel. Lt. d. R. Feist Bolland. Ins.- Regt. 118 aus Wttlburg. Dostchsisünt Hans Börner ,n Wellburg. Res. Jak. Nolte, Ieldatt.-Regt 25 aus Offen- hoch a. M. Rentmeister i. 95. Carl Langenbach aus Bad- Nauheim Landivebrm und Postbote Karl Sieger, ,xeli> att-Regt 25 aus Darmstadt. Gesr. Heinrich Gunkel mann, Inf-Regt 115 aus Hergershausen. Unterofs. Balensin Heber­mehl. Landw.-Jnf.-Regt 116 aus Crumstadt. Landweh