Ausgabe 
26.9.1914
 
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turnt) an Untrctfrfwot zum Sin kor ofOradit fein muß Was anrf) uitfar Schiffe unternahmen, es n»ar sicher, Hatz die deutschen Schisse einen derartigen Versuch machen luürden. Daß die Leistungen dieser Art t>ei den Unterseebooten nicht häufiger sind, ist wohl haupt­sächlich den Maßregeln zuzuschreibcn. die getroffen worden find, uui sie zu empsanqen, und der Wachsamkeit bei der Ausführung dieser Maßregel"- Die Küste vo» Essex liegt nicht mehr als 250 See­meilen von Emden entfernt, mid wenn dal>er die Schifte (es nmr nnr ein Schiff!), denen die Vernichtung der drei Kreuzer gelungen ist, am Montag aus diesem Hasen ausgelaufen sind, so können sie gestern morgen an der mutmaßlichen Unglücksstätte angelangt sein. Es gibt anscheinend für die Flotte kern besseres Abwehrmitlcl gegen Unterserbootc als stetige Wachsamkeit und häufiges Wechseln des Standortes, Solange unsere Schiffe in Bewegung bleiben, wird die Gefahr, bo« einem Torpedo getroffen zu werden, für sic wesent­lich vermindert.

Dat man, um den begreiflichen Wunsch der Oeffentlichkeit nach Neuigkeit zu befriedigen, nicht etwas zu sehr in der Zurückhaltung nachgelassen, die mit Bezug auf die Bewegungen in der Flotte in den ersten Tagen des Krieges so streng eingehaltcn wurde? Es ist in den Zeitungen dieser Tage viel die Rede gewesen von schlechtem Wetter, und die Wirkung mag die gewesen sein, daß die Tätigkeit der Z er st ö r erpatr o u i l l e n eingeschränkt wurde. Es sind neuerdings auch ziemlich oft Berichte über Truppentransporte nach Frankreich laut geworden, und solche Transporte sind nicht ohne Geleit zu denken. Es scheint daher möglich, da man nicht weiß, bis zu welchen- Maße Deutschland durch seine Agenten von hier bedient wird, daß ein Eindruck hervorgerufen wurde, wonach sich in den nähern Gebieten der Nordsee Schiffe befänden, denen nach­zugehen sich lohne, und daß infolge des Wetterwechsels die Wach­samkeit nachgelassen haben möge.

Es gilt noch eine andere Erklärung für die Gefahr der Unter­seeboote, und es war schon darauf hingewiesen worden: Diese Boote können unter Waffer nicht sehen, und ihre Tätigkeit kann durch hie Verwendung von Minen beträchtlich vermindert wer­den, Bisher haben die Marinebebörden, wie sie uns erklärten, sich des Gebrauchs von Minen enthalten. Allein, wenn es kein anderes Mittel gibt, um die deutschen Unterseeboote von der Wirffamkeit in unfern Gewässern abzuhalten, in denen wir die Macht haben, wäre cs da nicht vorteilhaster, diedeutscheKüstemit Mi neu zu umgeben und sic mitsamt der Flotte auf diese Weise ein­zuschließen?

Wieder ei« englisches Schleppboot auf eine Mine gestoßen.

Grimsby, 34. Sept. (WTW. Nichtamtlich.) Ein wei- tereS Schleppboot ist gestern auf eine Mine crufge- swtzen und in 10 Minuten gesunken. Die Besatzung ivurde bis ans einen Mann gerettet.

Vom Kreuzer Emden.

Madras, 23. Sept. (WTB Nichtamtlich.) DerdaUftsche KreuzerEmde n" hat, wie weiter gemeldet wird, bei dem Bombardement nenn Schuß abgegeben. Er traf die Tanks derBirma Oil Company", von "denen zwei brennen. Anderthalb Millionen Gallonen Oel sind verloren. Auch das Telegraphenamt nnd das Seemannsklnbhans wnrden ge­troffen. Ein englisches Fort erwiderte das Feuer.Em­den" löschte die Lichter nnd verschwand nach, 15 Min.

Rentralitätsbruch Englands gegenüber Holland.

Stettin, 25.Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Ueber den Neutralitätsbruch Englands gegenüber Holland erfahren dieStettiner Neuesten Nachrichten" von durchaus zuverlässiger Seite: Die DampferBatavia" und ,,K a t- wij k", der erste der Firma Müller, der zweite der Firma Erhardt u. Deckers, beide in Rotterdam, gehörig, die mit schwedischen Eisenerzen von Narwik in Norwegen nach Rotterdam unterwegs waren, sind von englischen "Kreuzern in der Nordsee gekapert nnd beide nach Middlesborongh geschleppt worden. In Middlesborongh befinden sich die größ­ten Hochöfen Englands.

Englische Klage über Norwegen.

Kristiania, 25. Sept. (WDB. Nichtamtlich.)Mdr-> gerchladet" schreibt:

England beklagt sich über das Verhalten der norwegischen Presse, daß sie nur Woffs-Telegramme abdruckc, die Depefchai aus London aber größtenteils unterdrücke, wesbalb in England norwegische Zeitungen nicht mehr zu gelassen werden sollten. Ein Blick in di« hiesigen Zeitungen zeige, daß die Londoner Tele­gramme bei weitem den größten Matz einnähmen: ine.englische Klage ist nichts als Heuchelei nnd UnwaHrhaftigkeit.

Musikalische Rekrutenanwerbung in England.

Kopenhagen, 25. Sept. Ein englischer Komponist, Paul Rubens, hat ein Lied komponiertDein König und Dein Vaterland brauchen Di ch". Diese Komposition soll nicht allein aus allen Phonographen in den öffentlichen Lokalen gespiell werden, sondern auch über 10 000 Sänger und Sängerinnen haben sich verpflichtet, das Lied in der kommenden Woche allerorts vorzntragen.

Die Stärke des britischen Expeditionskorps.

Ueber die brifische Heeresmacht bringt das Militär- Wochenblatt nach englischen Quellen folgende Angaben:

Das Feldheer besteht aus 3 Armeekorps, jedes zu 2 Di­visionen: außerdem ist eine Kavallerie-Division unter dem Befehl des Generalmajors Edmund Allenby ausgestellt. Jedes Armeekorps ist gebildet aus 24 Infanterie-Batail­lonen, 6 Kavallerie-Regimentern, 8 Batterien reitender Ar­tillerie, jede zu 6 Geschützen, 18 Batterien Feldartillerie, die Batterie ebenfalls zu 6 Geschützen, 2 Haubitzbatterien zu je 4 Geschützen und aus Pionieren, Signallorps, Train usw. Das britische Hilfskorps würde demnach umfassen: 72 In­fanterie-Bataillone zu 1024 Mann, 18 Kavallerie-Regimen­ter zu 674 Monn, 24 Batterien reitender Artillerie mit 144 Geschützen, 54 Batterien Feldarfillerie mit 324 Ge­schützen, 6 Hanbitz-Batterien mit 24 Geschützen. Die Kriegs­stärke einer Batterie beträgt 199 Mann. Zusammen mit den Pionieren, Fliegertruppen, Signallorps usw. beträgt die Stärke des Feldheeres also etwa 100000 Mann.

Führer des 1. A.-K. ist Gen.-Lt. Sir Douglas Hig, des 3. Gen.-Maj. Wt P, Poultenay, das 2. sollte Gen.-Lt. Sir James Grierson erhalten, der plötzlich am 17. August starb. Oberbefehlshaber ist bekanntlich Feldmarschall Sir John French.

Wieder eine Falschmeldung über Italien.

(WTB.) Rom, 25. Sept, (Nichtamtlich.) Ein Mailän­der Blatt brachte die Nachricht, daß zwischen der italienischen und französischen Regierung auf Anregung der englischen Regierung Verhandlungen zum Zwecke der Interven­tion Italiens in dem qrgenwärfigeu europäischen Kriege stattfinden. Diese Nachricht ist, wie die Agencia Stefan, mil­teilt, durchaus unbegründet,

Rumänien bleibt nentrar

Bukarest, 25, Sept, (Priv,-Tel., Ctr. Bln.) Der heutige Ministerrat beschloß, daß Rumänien neutral bleiben soll.

Die Deutschen in Südserbien.

'(WTB.) Wien, 25. Sept. (Nichtcmrtt.) Die Südslawische Korrespondenz" meldet aus Saloniki: Die serbischen Behörden in Südserbien behandeln in der unerhörtesten Weise die deutschen Landwirte, die seit Jahren in ien ehemals türkischen Gebieten augesiedelt sind, nnd die die einzigen Muster­wirtschaften errichtet haben. Die deutsche« Ansiedler, die die ser­

bische Staatsangehörigkeit nccht erwerben wollten, als diese Gebiete an Serbien fielen, und die unter der türkischen Herrschaft eins Sonderstellung cinnahmcn, werden jetzt von den serbischen Behör­den cmfgesordmü, das Land und ihre Besitzungen zu verlassen. Die Ausweisung erfolgte in der brutalsten Form und unter Drohungen. Die deutschen Ansiedler schickten zunäclfit ihre Frauen und ünider nach Saloniki, die aber ans der Ftuckst in Gewgeki von den serbischen Militärbehörden angehalten und belästigt wur­den. Aus Veranlassung des deutschen Generalkonsuls in Salo­niki begab sich ein Beamter des italienischen Konsulats nach Gewgeli, dem die Befreiung der Frauen und Kinder gelang. Die deutschen Ansiedler dürsten ihr ganzes Hab und Gut verlieren.

Die Beschießung Belgrads.

Ofenpcst, 25. Sept. Während S e m l i n durch die ser­bische Beschießung nur geringe Schäden erlitten hat, ist B e l- g r a d von den österreichischen Geschützen in großem Umfange verwüstet worden. Auch das Denkmal Karageorg, des ersten serbischen Fürsten, liegt in Trümmern.

Die Lage der Serbe«.

Wien, 25. Sept. (WTB, Nichtamtlich.) DieSüd­slawische Korrespondenz" meldet aus Sofia: Die bulgari­schen Blätter berichten aus Nisch, daß die Ereignisse aus brm österreichisch ungarisch-serbischen Kriegsschauplatz in allen ser­bischen Kreisen nn verhehlte sie Bestürzung Hervor­rufen. Der vollständige Mißerfolg der serbischen Offensive gegen die Monarchie machte alle noch gehegte Hoffnung für den Ansgang des Krieges zunichte.Kainbann" sagt: Nach der Vernichtung der Timok-Tivisivn erlitt jetzt die Schu- ma-Di Vision, die man den Oesterrcichern entgegen­warf, die furchtbarsten Verluste. Der serbische Größenwahn ertrinke in einem wahren Blutstrome.

Berlin, 25. Sept. Die ,,B. Z. a. M" meldet ans Wien: Einer Zeitung in Lfenpest wird ans Sofioter Regie- rungskreisen mitqetcllt, daß die bisherigen serbischen V e r l n st e an Verwundeten, Töten und Cholerakranken über 60 000 Mann betragen.

Die Russen in der Bukowina.

Berlin, 25. Sept. In der Bukowina haben die Rnffc» ihre Regierungstätigkeit sofort mit Plünderung begonnen. Der Bürgermeister von Ezernowiß sah sich veranlaßt, dem General N a w r o ck i von den unerhörten Schandtaten der russischen Sol­daten Mitteilung zu niachen. In Sadagura wurden zahlreiche Einwohner von den verrohten Kosaken mighandcll, beraubt und dann niedergeschosicn. Drei Soldaten, die aus frischer Tat ertappt wurden, wurden stehenden Fußes erschossen. In Czernowitz selbst mußte eine Schar russischer Soldaten, die in einem Geschäft plün­dern wollten, von der Wache abgeführt werden, da sie ihrem Of­fizier den Gehorsam verweigerten.

Fürst Radziwill nach Petersburg geschleppt.

O f e n p e st, 25. Sept Die russische Regierung hat, dem Pester Lloyd" zufolge, den Führer der Polcnpartei im deutschen Reichstage, den Fürsten Radziwill, dessen Verhaftung in Wol­hynien in den ersten Angnsttagen gemeldet worden war, nach Petersburg gebracht, wo seine Aburteilung woge» Spionage erfolgen soll.

Echt Russisch!

In einem von unseren Truppen aufgefundenen O r i g i - n a l b e s e h l des russischen Reserve-Jnsanterie-Regiments Nr. 221 steht nach der Krcuzzeitung, daß General Rennen- kampf anempsiehlt,

den weißen Flaggen nicht z» trauen und sie nicht zu beachten, da es wiederholt erwiesen ist, daß der llstigr Feind mit der weißen Flagge Mißbrauch treibt".

Es ist, so meint dazu sehr richfig dieKöln. Ztg.", wirk­lich die Höhe von Unverfrorenheit, daß ein russischer Tages­befehl uns Mißbrauch der weißen Flagge vorwirfi. Der rit­terliche Kommandeur unseres ostpreußischcn Füsilier-Regi­ments Nr, 33, Oberst v. Fumetti, ist von einem russischen Offizier aus der Schützenlinie, die durch andauerndes Schwenken weißer Tücher und Flaggen ihre Absicht zur llebergabc nach Einstellen des Feuers kundgetan hatte, in meuchlerischer Weise über den Hausen ge­schossen worden. Sowohl diese bedauerliche Handlungs­weise wie jener verleumderische Tagesbefehl sindecht rus­sisch"!

Im übrigen sind die deutschen Truppen im Verlauf dieses Feldzuges überhaupt nicht in die Lage gekommen, weiße Flaggen zu gebrauchen. Da solche bei uns auch nur bei der Absendung von Parlamentären gezeigt werden, ist dieser Tagesbefehl Renneukampfs nichts Geringeres als eine Auf­forderung zum Schießen aus Parlamentäre, also zum Völkerrechtsbruch.

Wien, 25. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) DasWiener Korresp.-Bur." meldet: Russische Truppen drangen in das Spital von Kossow ein und rissen den Verwundeten die V e rb änd e ab.

Maxim Gorki als Freiwilliger.

Kopenhagen, 25. Sept. (WTB. Nichtamtlich.)Poli-

fiken" meldet aus London: Maxim Gorki hat als Frei­williger im russischen Heere an mehreren Kämpfen in Ga­lizien teilgenommen.

Französische Artillerie in Antivari.

(WTB.) Bordeaux, 85. Sept. Micht amtlich.) Angagnenr teilte dem Ministerrat mit, daß die Flotte in Antivari mehrere Batterien schwerer Artillerie sowie ein Artilleriekarvs ansgeschifft habe, die vom Lovern aus die Forts, die Stadt und den Hafen von Cattaro beschießen sollcn.

DaS Endergebnis der Kriegsanleihen.

Berlin, 25, Sept. (Amtlich.) Durch rechtzeitige An­meldung, aber verspätet eingegaugene Zeichnungen auf die Kriegsanleihen hat sich das Resultat um rund 70 Mill. erhöht. Es sind also gezeichnet worden: Reichsauleihe 3 121001 300 Mk. (darunter Mt Sckmldduche i n tr agung und Sperre bis zum 15. April 1915 1198 987 700 Mk.), Reicho - schatzanweisungen 1339 727 600 Mk., zusammen 4 460 728900 Mark. Unter den Zeichnungen auf die Schatzanweisungen be­finden sich 5>82.9 Millionen Wahlzeichnnngen, deren Zeichner für den Fall der lleberzeichnung der Schcchauwei- sungen ertlärt haben, daß sie bereit seien, sich statt derselben auch Reichsanleiben zuteilen zu lassen. Die Zeichnung ist nunmeyr geschlossen. Es sind daher vorstehende Ziffern als endgültig zu betrachten.

Die Waffen nnd AnSrüstnngSgegenstände von den Schlachtfeldern.

(WTB.) Berlin, 24. Sept. (Amtlich.) Die auf den Kriegsschauplätzen sich findenden Waffen und Aus­rüstungsgegenstände der eigenen und der verbünde­ten sowie der feindlichen Armeen werden durch die Militär- bchövden crusgesammelt und bestimmten, besonders einge- richteten Sammelstelten zngeführt. Sie werden dort, soweit es nur irgend möglich ist, für Zwecke der Landesverteidi­gung nutzbar gemacht. Das Unbrauchbare muß zugunsten der Reichskasse'verwertet werden. Durch Zusammenfassung

der einzelnen Bestandteile werden auch aus den unbrauch­baren Stücken erhebliche Werte au Metallen, Leder, Stoffen u. dergl. gewonnen. Das Aufsuchen und die Aneignung solcher Fundstücke durch Unbesugle wird nicht gestattet. Pri- vater Handel damit laun nicht in Frage kommen.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 26. September 1914.

"NuhestandSversetzung und Ordensverleihung. In den Ruhestand versetzt ivurde der Lehrer an der Volks, schule zu Worms Martin Lehr aus sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner mehr als 50jährigen treuen Dienste, und ihm aus diesen) Anlaß die Krone zum Ritterkreuz 2. Klasse de? Verdienstordens Philipps des Großnnitiqen verlieben.

** Stadtverordneter Friedrich Helm f. Wieder ist einer unserer in weiten Kreisen bekannten Mit­bürger aus dem Leben geschieden, Herr Stadtverordneter Friedrich Helm. Der Verstorbene hat ein Alter von 64 Jahren erreicht. Er wurde in Lich als Sohn des damaligen Bürgermeisters Helm geboren und siedelte mit seinem Vater nach dessen Ausscheiden aus dem Amt nach Gießen über. Obwohl schon vor längerer Zeit sein leidender Zustand ihn veranlaßte, sein Geschäft aufzugeben, wirkte er noch mit den ihm zu Gebote stehenden Kräften in einer Reihe von Ehren­ämtern. Neben seiner zwölsjährigen Tätigkeit als eifriges Mitglied unserer Stadtverordneten-Ber samm­ln ng und mehrerer Ausschüsse in der städtischen Verwal­tung beNeidete Helm seit langen Fahren das Amt eines Aussichtsrates unserer Ge werbe bank. Die Gießener Turnerschaft nicht nur, sondern der Kreis Mittelrheiu und der Gau .Hessen verlieren in dem Dahin geschiedenen einen eifrigen Förderer der Turnsache. Auf diesem Ge­biete wurden ihm mannigfache Ehrungen zuteil, noch vor 2 Jahren durch Ernennung zum Cchrentnrnwvrt des Gaues Hessen. Sein Talent, vaterstädtische Feste auszugestalten, ist allgemein bekannt, einerlei ob es sich um Türner-, Sänger-, Schutzen-, Feuerwehr- oder sonssige Feierlichkeiten lfandelte. Die Geschäfte des Vereins Krcditreform versah er lange Jahre hindurch mit Umsicht und Gewissenhaftigkeit. Auch der Humor kam bei ihm zu seinem Rechte, aber er wuW auch, wenn es galt, ein krüfsiges ernstes Wort zu reden. Ehre seinem Andenken!

** Technische Hochschule in Darmstadt. Unsere Leser machen wir auf die im Anzeigenteil unseres Blattes enthal­tene Bekanntmachung der Technischen Hochschule zu Darmstaöt aufmerksam. In besonderen Abteilungen werden Architekten, Ban- Jngcnicnre, Kultur-Ingenieure, Maschiuen-Jnoenieure, Papier- Ingenieure, Elektra-Ingenieure, Chemiker, .Eleltro-Chemiker und Apotheker ausgcbildet: desgleichen in der allgemeinen Abteilung Lcbra für Mathcmasik und Naturwiffenichastcn, sowie Geometer. Auch Frauen werden zum Studrum zugclaffen. Akademisch gebildete Personen und selbständige Männer, tnc ihrer äußeren Lebensstel­lung noch nicht als Studierende oder Hörer erntreten können, ebenso Frauen können als Gäste zum Besuch einzelner Vorlesung« und Hebungen zugelasien werden. Die Technische Hochschule hat das Recht, aus Grund besonderer Prüfungen den Grad eines Divlom- Jnacnieurs und die Würde eines Doktor-Ingenieurs zu erteilen. Infolge Vertrags zwischen der Großh. Hessischen und Köni«>l. Preußischen Landesregierung besteht Gleichstellung und gegenseitige, Anerkennung für die Vorprüfung und erste Hauptprüfung für bat Staatsdienst im Hochbau-, Ingenieurbau- und Maschinenbansache sowohl hinsichtlich der seitherigen vor dem Technischen Prüftmgs- amte abgelegten Staatsvrüsiing als auch hinsichtlich der an der« Stelle getretenen auf Grund neuer Tiplomprüfungsvorschriftca abzn haltenden Tivlomprüsirngen. Feiner werden an der Technisch« Hochschule Fackvrüsungcn almehalten. Für die Rcichsprüsung der Apoldeka ist der Besuch der Technisckren Hochschule dem einer llw- vcrsität gleichgestellt: auch ist der vdarmazenttschen Pruftingsko». Mission zu Darmstadt durch BundeSratsbeschluß bst Bererytrqnng- zur Erteilung für daS ganze Reich gültiger Approbationen gegeben worden Die Vorbereitung zum höheren Staatsdienst des Groß- Herzogtums Hessen im Forstsach kann teilweise ans der Technisch« Hochschule erlangt werden: für die Vorbereitung zum Gymuafial- und Real-Lehramt, soweit dieselbe Mathematik und Raturwipa» schasten betrifft, wird das Studium an der Technischen Hochschick dem Studium an Universitäten bis zu drei Halbjahren gleich- gereckmet. Besonders ist noch hervorzuhekcn, daß durch die ein­gerichteten Herbst- und Ostcrkurse es möglich ist, zu Ostern oder i» Herbst mit dem Studium zu beginnen und samt! ohne Zeitveo- säumnis nach je vier Semestern die Vorprüfung und nach je acht Semestern die Hauptprüfung abzulegen.

**FürdieLazarette. Die Firma GotthilfRöhrle, Biergroßhandlnng und Mineralwassersabrik (Inhaber Leonhard Kaiser) hat dem Oberbürgermeister für verwundete Krieger cm größeres Quantum stärkender und erfrischender Getränke «Wein, Kognak, Bier, Minerallvaffer, Limonade nnd Limetta) zur Be» fügnng gestellt. Der Herr Oberbürgermeister hat diese Getränke nach Möglichkeit an die verschiedenen Lazarette in der Stadt zur zweckmäßigen Verwendung überwiesen.

"Vaterländische Konzerte. Wie wir erfahren, findet demnächst ans der Liebigshöhe unter Leitung unseres bekannten Sxrrn Musikdirektors Krauße eine Reihe von Konzerten statt, der» gesamter Erlös deni Herrn Oberbürgermeister zwecks Verteilung ar bedürftige vom Kriege betroffene Gießener ungekürzt überwies« wird. Das Konzert mit durchaus erirstem, großenteils patriotischem Charakter nfird ausgcführt von ehemaligen, jetzt im Zivilleben stehenden Mitgliedern der Regimentskapelle, die von einer Reih« in Musikkrciscn bekannter Kräfte aller Stände unterstützt werden. In dieser ernsten Zeit wird für jeden der Genuß gediegener Musik ein Bedürfnis sein, abgesehen davon, daß der wohltätig« Zweck jeden veranlaffen sollte, die Veranstaltung zu unterstütz».

" Tie Universität veranstaltet in den Monaten Okiober und November in ihrer neaen Aula eine Reihe von Bo rt ragr­abenden. Eine Anzabl Dozenten verlchiedener wlfsenschastlnher Fächer haben sich zu diesem Zweck zulammengetan. Die Ilebersutl im Anzeigenteil wird de,, Eindruck reicher Manntgialtigkcit bieten. Durchweg wollen die Vortragenden sich aus die Gegenwart, den Krieg mit seinen gelchtchllichen Dorausschrmgen, seinen technischen und aeistigen Bedingungen, beziehen. Zum Besuche wird um so dringender eingeladcn, als die EinlrittSvrelle möglichst niedrig ge­stellt find »nd der Ertrag für einen Zweck bestimmt ist, der unS allen am berzen liegt: den pinlcrblicbenen der im Felde gciallener Gießener das Leben, soweit es » möglich ist, zu erleichtern.

" Gießener Freilicht-Bühne. Aus die morgen (Lonnlag) um S Uhr anlangende vaterländische Feier der Frcilnbb Bühne sei >wchmal§ ausnierkfam gemacht. Die Beteiligung >w" seit«» der Derwundeten wird voraussichllich sehr groß, denn au­sast allen Lazaretten werden unsere lieben Feldgrauen, soweit s>e gehen können, daran teilnehinen.

** Sammelt Eicheln! In dftsem Jahre ist ewc große Ernte von E i ch e l n zu verzeichnen. Es dürfte sich nun für die Lehrer in den Dörfern, ivelche in der Nähe der Wälder liegen, empfehlen, für die Schüler Erlaubnisscheine zuw Sammeln der Eicheln von den betr. Forstämtern zu beschaf­fen und dafür zu sorgen, daß die Sr&üfei an freien Nackd Mittagen die als Futtermittel sehr »«schätzten Früchte sam­meln. Bei dem Ernst der Zeiten und in Anbetracht des Um­standes, daß der Winter vor der Türe steht, wäre es schade- wenn man nicht in ausgiebigem Maße die Eicheln samrnlln und das geschätzte Futtermittel unnötig verderben ließe '

Hessen-Nassau. .

X Hanau, 25. Seat. Für lapiereS Verhalten vor dem S** 1 *

hgt Obermusikmeiner Urbach vom hiesigen Ulanciiregfinent olr.

das Eiserne Kreuz erhallen.