Ausgabe 
25.9.1914
 
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m. 225

Sweüer Blatt

|64. Iahrgmg

fcj l l^fii i t täglich ^ßnafprie dS GouniaffS.

Die JfHttycgtt jaBiHcaUcätr" werden dem JSatntet otrcmcl wöchentlich bttgetegt, boS «SttHHatt ffir Wn Kim «letze," zweimal »ich-nMch. Dir .^«»»trtschastlicho, z«il- «jche-n«, onnnttllch zweimal.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesjen

Zreitag, 25. September ^4

Notatwosdruck und Verlag der Brüht'schrn Um»eefträ,s-Bnch- und 2«emdruckerei.

R. Lange, Kietzen.

Redaktion, Expedition und Drucker«: Echul- strahe 7. Expedition und Verlag: fca®51. Redaktione l l 12. Tcl.-AdrnAnzr»gerBietzerl.

Wie kämpft ein Unterseeboot?

Ei« «arrnetechnffcher Mitarbeiter schreibt uns:

Die Heldentat des deutschen Unterseebootes II9 hat alle Herzen höher schlagen lassen. Wie kan, das laviere kleine Schiffchen mitten hinein in die dichteste Nordsee-Schlachr- reihe der englischen Flotteninacht? Wie konnte es drei eng llsche Kreuzer hintereinander mit nur je einem Schuß in die Tief« befördern und dann, wie wir doch alle hoffen, unl bemerkt undungestraft" entkommen? lieber die technischen und taktischen Schwierigkeiten eines solchen Husarenstück- chens macht sich der Marinelaie wohl kaum einen ganz klaren Begriff. Die Fahrt des II-Bootes aus seinem Heimatshafen bis zu seinemSchlachtfeld" darf man sich vor allem nicht itroa als eine geheimnisvolle Reise unter der Oberfläche des Meeres vorsteilen. Das wäre technisch unausführbar. Das Unterseeboot muß viele Meilen sichtbar allen Feinden wie jedes andere Schrft auf der Wasseroberfläche fahren. Erst wenn die Lage allzu gefährlich wird, kommt der Befehl zum Tauchen, was sofort eine unangenehme Verlangsamung der Fahrt bedeutet. Alle Gegenstände au Deck müssen dann zul- aächst Umgele^t und festgeKurrt, die Luken und Schieber sorg­fältig geschlossen werden, nachdem der letzte Manu ins In­nere des Bootes geschlüpft ist. Die Ballasttanks längs des Schiffes werden in Verbindung mit dem Außenwasser ge­bracht, so daß sie sich füllen können. Das Bpot beginnt zu finken, aber zunächst nur bis zum sog. Flutzustand, bei dem xr kleine Turm des Bootes noch über dem Wasser hcrvav- cagt. Die Besatzung nimmt ihre Gefechtsstellung ein, und das ^jährlichste Spiel beginnt. Der Bootskommandant im druck- festen Kommandoturm versucht immer noch möglichst ohne gänzliches Untertauchen an die feindlichen Schiffe heran?» kommen, weil er mit seinen Ueberwassermotoren viel schneller fährt wie mit den elektrischen Unterwassermotoren und weil er überhaupt dcreu Kraft für den Tauchzustanü möglichst aufsparen muß. Wird aber das Boot vom Feinde entdeckt, oder besteht die allerhöchste Gesahr dazu, so geht man vom Flutzustand zum eigentlichen Tauchzustand über. Im Flutzu­stand bei glatter See ragen die Auspufföffnungen für die Mpwrenabgase noch über den Wasserspiegel hinaus. Durch nn Luftventil zwischen den Perriskopcn in der Turmdecke wird immer noch Berbrennuugsluft zugeführt. Gehen aber >ie Wellen stark, so müssen die Propeller des Bootes von der elektrischen Kraft getriehen werden. Das letzte Stadium des Tauchens ist sehr rasch überwunden. In wenigen Augen­blicken verschwindet der Turm und nnr dem außerordentlich geübten Auge wahrnehmbar ragen die beiden Perriskopspitzen noch aus dem Meere hervor, vermittels deren der Führer Xs llnterseebootes die Bewegungen seines Zieles im Auge behält und bei genügend weiterer Annäherung die Torpedos rnsstößt.

Die Schußwaffe des Unterseeboots hat ihre Schwi«- cigckeiten für sich. Man rechnet theoretisch mit Schußdistanzen ois KU 9000 Metern unb mit guten Drefschoncen auf 56000 Metern. Aber dieRoutiniers" behaupten, es sei doch besser, auf 800 m, ja auf 300 m ran an den Feind z« gehen, um ihn mit der 150 Kilogramm betragenden Sprengladung so recht ins Herz zu treffen.

Das AbfeuerudesDorpedvs wurde in den ersten Fahren der V-Woots-Entwicklung als besonders bedenklich und gefährlich für die Schiffchen im Unterwasserzustande angesehen, weil man bei der plötzlichen Verschiebung der inneren Gewichte Schwankungen und Trimmungen befürch­tete, die leicht zum vollständigen vernichtenden Untersinken Xs Bootes führen könnten. Die modernen Konstruktionen aber haben auch diese Gefahr bis auf ein Minimum ver­ringert Die einzelnen Borgänge bei Abgabe der Schüsse gehen in so rascher Folge vor sich, daß das Boot infolge bei enormen Massenträgheit in der Längsrichtung kaum beirrt tvtftv Rur in dem Augenblick, in dem das Torpedo das Rohr verläßt,bückt" das Boot, v. h, es sucht sich plötzlich unter Don Einfluß des verlorenen Geschoßgewichts anfzurichteu, ein« Absicht, die aber durch die Geschicklichkeit des Mannes am vorderen Tiefensteuer sofort vereitelt werden kann. Rasch strömt das Wasser in das leere Ausstoßrohr nach. Bon dieser Waffermenge wird so viel in das Innere des Bootes aufgv- nommen, als das Gewicht des Torpedos betrug. Der Rest

wird nacb Dem Schließen der äußeren Klappe durch Druck­luft ausgeblaseu. Das Boot fft klar zum zweften Schuß.

Bisher war die Ansicht unserer Marineverwaltnnq die, daß ein Torpedotreffer des Unterseebootes ein seindliches Schlachtschiff zunächst Wohl mir kampfunsähig mache und daß zur vollständigen Vernichtung mindestens zwei Treffer not­wendig seien. Die Meistertat des ll 9 hat gezeigt, daß unsere Blaujacken noch viel tüchtiger sind, als man nach chren glän­zenden Leistungen in den letzten U-Doatsmanövern anneh­men durfte. Das Heldenstück bei Hoek van Holland eröffnet die Aus rcht daß wir uo.l die ga. g englisch.' Flotte in S.tach halten können, wenn es ihr einsamen soltte, ihren Plan einer Öftseeblockade etwa unter Verletzung der dänischen Neutra­lität ansznführen. Sollte es dem Feind gelingen, durch Sund und Belt zu sichren, so werden unsere U.-Boote ihm in ben Rücken schleusten und ihn nicht mehr aus der Mausefalle hevauslassen. Albcou. wie wird dir dauu?

Kontreadmiral z. D. S ch l i e p e r gibt imTag" u. a. folgende Erläuterungen:

Während das Torpedoboot sich zu seinen Attacken mit Vor­liebe die finstere Nacht aussucht, hören >oir hier beim Ilntersee- bootsangrifs vom11 9", daß solche bei klarer Lust und Helligkeit ausgeführt wurden. Die Stärke diesesU"-Bootcs liegt natürlich in dmUnsichtbarkcü" und der geringen Aussicht, daß man, falls cs entdeckt wird, ihm wirklich viel anhaben kann. DasU"-Boot selbst ist im Nachteil, wenn das Tageslicht dem Schatten der Nacht Platz macht. DasSehrohr" (Periskop) ist sein Auge, das ihm natürlich am Tage die größte Aussicht aus Erfolg verspricht. An anderer Stelle wurde schon kurz gestreift, wie unser Unterstcboots- bau nicht in so schnellem Tempo wie z. B. in Frankreich und Eng­land anfangs vor sich ging, daß dies aber seine guten Gründe hatte. Unbekümmert um manche eifrige Kritikerstimmc hat man bei uns einmal so lange gewartet, bis bei anderen Nationen gewisse Er­fahrungen Vorlagen, mit anderen Worten: wir ließen sic die Kosten für diese Versuche tragen, dann aber auch lagen die Dinge in un­seren Flußmündungen anders als in England und Frankreich. Ich kann natürlich über die besonderen Gründe nicht sprechen, nur das mag hervorgehoben ioerden, daß uns an dem kleinen, nur im Bereich der heimatlichen Reviere brauchbaren Unterseeboot nicht viel lag. Wenn wir weiter gingen, dann auch gleich ordentlich auf das seegehende, selbständige, über großen Aktionsradius ver­fügende Boot los. Dies ging aber seinerzeit nicht so schnell: es mußten Motoren- und sonstige technisch« Fragen erst gelöst werden. Als dies gelungen war, da erst bauten wir lebhafter und wie Figura zeigt Vollkommenes. Denn, ohne übeftAveng- lich zu sprechen, wenn einll 9" binnen zwei Stunden drei mäch­tige Panzerkreuzer, ein kleiner Davch drei Goliaths vernichtet, dann darf man schon von den WortenVollkommenheit" Gebrauch machen.

Aur dem Reiche.

Verbot des Oktober-Umzugs in .Wnigsbrrg. Die-

nigsberger Hartungsche Zeitung" veröffentlicht nachfolgende Bekanntmachung: Aus Grund des ß 9d des Gesetzes vom 4. Juni 1851 über den Belagerungszustand wird folgen­des verordnet:

Für das Gebiet des Stadtkreises Königsberg wird der dies­jährig« Oktober-Umzug und jeder spätere Umzug der Strafe bis auf weiteres verboten und die zwangsweise Räumung der Miets- wohnungcn untersagt. Bon diesem Verbot finden folgende Aus­nahmen statt: l. Der Umzug ist erlaubt, wenn Vermieter und Mieter über die Räumung der Wohnung einig sind und dem Mieter eine andere Wohnung zur Verfügung steht. 2. Der llmzug dari auch ohne diese Einigung stattfinden, wenn der Mieter eine freistehende Wohnung bezieht und nachweist, daß er seine Miete vollitändi; b.tzch.t oder Stundung e.Hullen Hst. 3 Der Bexmr ter dari die Räumung der Wohnung zwangsweise herbeiführen, wenn er nachweist, daß der Mieter böswillig seine ve r trag l i chen Ver­pflichtungen nicht erfüllt, insbesondere trotz vorhandener Mittel den Mietzins nicht entrichtet Wird das Mietsverhällms über die vertragsmäßige Dauer fortgesetzt, so bleiben mangels Emi- gung die bisherigen Vertragsbestimmungen maßgebend.

Königsberg i. Pr., 20. September 1914.

Der Gouvepnench

v. Pappritz.

Berlin, 24. Sept (WTB. Amtlich.) Dem Erzbischof von Posen und Guesen, dessen feierliche Einführung heute

slallsindet, ist vom Reichskanzler aus dem Großen Haupt­quartier folgendes Telegramm zngegangen:

Euerer Erzbischöflichen Gnaden beehre ich mich, am heu­tigen Tage meine aufrichtigsten Glückwünsche auszusprrchen. Sie besteigen den Stuhl des heiligen Adalbcft in einer ernsten, ent- schttdnngsvollen Zeit, in der die gesaunte Bevölkerung der Erz­diözese, unterschiedslos dem Ruse unseres geliebten Kaisers sol- 8mb, ihre vaterländischen Pflichten in freudiger Einmütigkeit erfüllt. Gott schenke Ihrer Arbeü seinen Segen zwn Wöhle der Diözese und des Vaterlandes,"

litrdic und Schule.

rb. Darmstadt, 24. Sept. Die Ev an g elischen Geist­lichen der Provinz Starkenburg hielten beute Mittag im Sitzungssaal des Landesspnodalgebäudes eine außerordentliche Konferenz ab, die trotz der gegenwärtigen ungünstigen Verkehrs­verbindungen aus allen Teilen der Provinz stark besucht war. Den Anlaß zu der Zusammenkunft, die unter Vorsitz des Prälaten v. Dr. F l ö r i n g stattfand, bildete die jetzige Kriegslage und das Thema lautete dementsprechend:Die Aufgabe der evangelischen Kirche nnd unserer Gemeinden in der Kriegszett". Der Direktor des PrcdigeoSeminars zu Friedberg, Prof. Dr. Schöll beleuch­tete das Thema nach der kirchlich-religiösen Seite hin, während es der zweite Bottragende, Pfatter D i e b e n e r aus Büttelborn, von sozialen Gesichtspunkten aus eröttette. An beide Vorträge schloß sich eine angeregte Anssprache. Die Mttteilung des Großh. Ober- konsistonums, wonach es den dienstlich abkömmlichen Geistlichen freistehe, auch mitderWaffezu dienen und mit den Truppen ins Feld zu ziehen, wurde von der Versammlung mit großem Bei­fall ausgenommen. Von dieser Erlaubnis haben dem Vernehmen nach auch bereits mehrere Geistliche aus der Provinz Starkenburg Gebrauch gemacht.

Aus Stadt «nd Land.

Gießen, 2b. September 1914.

Auf dem Felde der Ehre gefalle«. \

(Aus Hessen und den Nachbargebitten.)

Eins -fteiw. Unteroff. und Revierbausührtt Max Hoktntan» ans Mainz. Res. Hermann Endemann, 6. See.-Bat., aus Weisenau. Hoboist-Sergt. Ernst Grabmann, Fuß-Art.- Regt. 3, aus Mainz. Unteroff. d. Landw. Konrad Eis mayer aus Mainz. Gest. d. Landw. Philipp Mähr aus Mainz. Feldwebel Albert Riebt, Fuß-Art.-Reqt. 3 in Mainz. Oberst. Säriba, Jnf.-Regt. 168 in Offenbacy a. M. Hauptm. und Komp.-Ches Hans Fromm, Jnf.-Regt. 118 in Worms. St. d. Res. Dr.-Jng. Karl Mulench in Darmstadt. 1> St. d. Res. u. Fvrstassessor Wilh. Scheele Inf.,-Regt. 118. St. d. Res. u. Regierungsassessor Dr. Herm. Fitting, Feldart.-Regt, 25 in Darmstadt. Kvmpagniesührer und Großh. Kammerherr Hugo Frttherr von Nordeck zur Rabenau, Res.-Jns.-Negt. 81 in Darmstadt, Vizefeldwebel d Res. Fritz Hartig, Jnf.-Regt. 171 in Frankfutt a. M. Res. Josef Kämmerer, Füs--Regt. 80 in Frankfutt a. M. Landwehrmann Joh. Rob. M e t h ans Frankfutt a, M, Sandwehrm. Wilh. Ritz, Jnf.-Regt. 81 in Frankfutt a. M. Sandwehrm. Karl Mühl, Jnf.-Regt. 81 dl Frankfutt a M. Einj.-Frttw. Httnr. Becker, Jnf.-Regt. 118, aus Gimbsheim. Res. Äng. Hamel ans Wetzlar. .liunonrer Franz Dreher, Fekd.-Art-Regt. 25, ans Hanau, Tambour Georg Euler, Jnf.-Regt. 88, aus Ravolzhausen. Sandwehrm. gerb. Dreyfürst aus Wiesbaden. Mnsk. Hch. Trapp aus Wiesbaden. Sandwehrm. Kvnr. Becker aus Ober-Ofleiden. Oberstlt. v. Ktoesser, Eftatz-Feld-Art.-Wt. 25, aus Wiesbaden.

.«

* Ordensverleihung. Die Großherzogin hat dem Steuerauffeher Klemens Zimmer mann zu Darmstadt aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

Ernennung. Die Groß Herz ogin hat den Bezirks­kassier Wtthelm Wämser zu Beerfelden zum Buchhalter bei der HauptstaatSkosse ernannt.

* Charakter-Erteilung. Die Großherzogin hat dem Kreisamtmann bei dem Kreisamt Heppenheim Sudw. Haberkorn und dem Feldbereinigungskommissär KreiS- amtmann Otto Schnittspahn in Kriedberg den Charakter als .Regierungsrat', dem Finanzamtsbureauvorsteher bei dem Finanzamt Schotten Johannes Zinser in Schotten aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand den Charakter als .Kanzleirat' efteilt.

** Liebesgaben für die 116er. Der Aufruf zur Sftftung von Liebesgaben für unsere im Felde kämvstnden

verschollene Eoethe-Lrinnerungen.

Sv eifftg die Forschung auch das ltterarssche Erdreich all­überall nach Gotthe4§riitnrrungen dnrchlvühtt hat, so gelingt es doch immer noch von Zeü zu Zeit, vmgilbte Handschftstimblätter oder Ztttschttstenbände zu entdecken, die Neues von dem Meister ,z» erzählen haben. So hat Erich Ebstein die von Theodor von Kobbe zu Oldenburg in den Fahren 1839 bis 1846 herausgegebene Zettschrist .FDumoftstssche Blätter", hrnttt deren Täte! man wohl nicht leicht Gvtthe-Erinuerungen vermuten würde, aul solche mtt ^solg durchgearbeittt. Im jüngsten Hefte do bei E. A. Seemann in Leipzig erscheinenden bekanntenZettschftst für Wchcrsteunde" gibt er von den Früchten seiner Arbeit in anziehender Wttse Bericht. Die Kobbeschc Zeitichttft war den Forschern, z. B. Leitzmann, auch srühtt nicht völlig nttgangen, aber erst Ebstein hat sie für die Gvtthesvftchnog systematisch ausgeschöpst. So hat tt z. B. in ihr die Erzählung eines hübschen Erlebnisses und Wiedergabe eines Stammbuchblattes des Dichters gesunden. Gotthe bttuchte ttnmal, so wird erzähl, sttnen alten Freund, den Gehttmrat und Professor SB., dessen liebreizende Tochter ein würdiger Apfel snnes Stammes und dabtt sehr gelehft war, daß sie sich wohl in Herrenkleidung für euren schwachen Kandidaten der^ Philologie in allen toten Sprachen mtt sicherem Erfolge des osten Charakters hätte exanu- nieren lassen können. Nachdem Goethe die Tochto gehäng be wurchert. diese abo ihm wie do Schüler im Jaust, ein Stamm- blatt überreicht hatte, schrieb o ihr mrnschticho, d. h Humor isst scher als sttn Meichisto die folgenden Bose ein:Do Griechen Mythrntum nnd Fabel, Und was Dich sonst Dein Vater lehrt. Das bleibt für Dich do Turm zu Babel, Bis o die Siebe ^ Dir erklärt." Ein hübsches kleines Schozwvtt Gotthes wird tu einem anderen Bande do Humoftstischen Blätto mttgetcill. Do Schau- spiclo Mvltke, do on Sohn des bekannten Kammeftängers in Weimar war, hatte als solcher das Glück, oft in Goethes Nähe zu kommen. Einst führte o ihm im Namen^ des ^Vatos einen Tenoristen Busch zu, welcher Gotthe nnigr Sieder singen mußte, die dem alteu Heon sehr wohl gesitten. Unto anderem wurde ttns vorgetragen, das von Noah, dem Weinerfrnder, nnd von der Sint­flut handelte es war offenbar das bekanme vrächttge Gedicht von KopischAls Noah aus dem Kasten war". Do junge Mvllke glarrbte aber in dem Gedichte rin Erzeugnis Goethes zu eftemren und befragte deshalb in kindllchem Tone den Tüchto.Du irrst dich, kleiner Woltke," versetzte Goethe:ich habe glich frestich immo

gern mtt Noahs Gttränken abgegeben, allein die Sintflut habe ich mtt zu jedo Zftt vom Selbe gehalten.

Eine auch sonst schon bekannte Geschichte, die auch in den Kvbbeschen Blättern ozählt wird, vodient in do dott voftttgenden Form Beachtung, wnl sttbbe ihre Wahrhett vobürgeu zu können oklärt. Es ist die lustige Geschichte von Gotthe und seino Bo- ehroin, die hier in des Dichters letztt Jahre volegt wird. Ms o goade in sttuem Gaften spazieren.ging, wurde ihm eine Dam« gemeldet, dtt ihn sehr angelegentlich zu sprechen wünschte. Schon war Gotthe im Begriffe, sich, wie in solchen Fällen üblich, vo- leugnen zu lassen, als dtt Dame, den Fußspuren des Bedienten ttn Sande folgend, olötzlich vor dem Herrn Gehttmrat stand. Dichter do Dichto!" Hub sie an,endlich erblicke ich den hohen Seho, do st> oft in mttnen Träumen mtt lorbeobedecktem Hauche vor mtt stund." Bodfteßsich suchte Goethe abzuwehren. JD wende dich nicht von mir, edlo Gotthe!" such dtt Enchusichttn, zu sttneu Füßen siukeud sott.Ich kann nicht von dir lassnr, nicht von dieso Stelle, es geht mtt wtt do Glocke in dttnqm wundervollen LiedeFestqemauett in do Erdor, Steht die Form aus Lehm gebrannt." Kvbbe fügt zu dttso Erzählung hinM: Gotthe hat sich fortwährend übo dieses qniproquo gefreut und es zu den komischsten Erlebnissen seines Lebens gerechnet."

*

(Ein Schauspiel aus der Zeit der Mobllmachmg.

Ans Bremen wird uns gesthrttben:

Die heilige Not", ttn Schanspttl ans dor Tagen do deutsche» Mobilrnachirug ch 3 Wien von Jo Hannes Wie g and nnd Wilhelm Scharrelmann, gelangte ans Anlatz do Eröffnung do Winteftchttzett im Bremo Schauspielhaus zur Uraufführung. Dtt beidtti bckmmtrn Bremo Drnmatiko habe» mtt kühneni ibttff in das stürmisch bewegte Leben do Gegouvatt ge-

C 'ffen und dtt Handlung in den Augenblick veftegt, wo dtt Well- astrophe herttnbricht, so daß das Stück zeitlich von der Bekannt­gabe der deutschen Mobilmachung einer-, dem Fall von Lüttich androfttts begrenzt wird. In diesem llttneu Krttse rollt sich in Gestalt eines Ausschnitt- aus dem Leben zwtto brsveundtto Fa- müien die Handlung ab. flln dramatischo Kern ist do Zusam­menstoß zwischen do matcrialiMchen, wenn auch dtt geschäsüichc Ehre hochhaltendoi Lebttlsanffaffung des im langen Frttden zu Wohlstand gelangten Industriellen (KommerJttnrat N eumttsteri nnd der Ä r alt stijch e n , vom Feuer der Äugend und ihrer S ehnsucht

mich ttnem höheren und reineren Dvsttnsinhalt genährten Gesrw- nung seines Sohnes (Rudvlff. Um diesor Mittelpunkt kftstalllsttft in natürlichem Zusammenhang die Schilderung des inneren Er­lebens und neuen Werdens, das Rudolfs Bäint, deren Vater, einen srtthtttlich gesinnten Zeittrngslttto von schroffer Ehrlichkeit, und rasch auch ihre Mutter und ihre Geschwister ogrttft, die dank der Verschttdenhttt ihrer gesellschafllichen nnd bernflichen Stel­lung, ihrem Lebensalter und Posänlichkttt alle in ihrer beson­deren Art vom großen Begostonngssturm do Zot eftaßt woben, llnd endlich findet do Streit zwischen Bater und Sohn, deren große AnSttnandersctzung im zweiten Akt dtt ergenttiche Bedeu­tung des ausgerollten Problems in einem dramatisch sehr wttffim zngttpitzten nnd gesteigerten Wortwechsel enthüllt, ttnen veftöh- nendcn Abschluß: Do Sohn hat zwar ttgenmächtig durch ttnen waghalsigen Gmmltstrttch die in Fttndesland befindüche Fabrtt vernichtet, dtt Noimttsters von do belgischen Regierung erworbe­nen Luftfahrzeuge enthüll, entnnnt abo nnr mtt emo schweren Bowundung, so daß in do Sorge um das einzige Kind der Starr­sinn des Vaters nnd auch sttn Widerstreben gegen die Verbmdung Rudolfs mit seiner vermögenslosen Braut schmilzt. Der Reiz und die starke Wirkung dieser dramatischen Skizze beruht ttnmal ans der dttlrdnischen Kraft und der Farben stille, do die verscknedcTir» Ztttstimmnngen schildernden Szenen, sodann aut do geickicktcn Erhöhung do Spannung und do klaroi und schäften Zttchnung do Charaktere: nicht nnr die kriegoischc Begeisterung do Män­ner, sondern auch das stille Helden- und Dnlderttim do Franor konrmor zu ihrem Rechte. Das in den Hanptwllen oo^ü-chch besetzte Stück war von den Lcftasscru sellüi mtt stcherem knume- ftschen Mick in Szene gftetzt und errang trotz cm zttmn ^uckM und Längen rauschenden Bttsall. Dtt anwesenXu Dichter wutt>r» nach den beiden letzten Akten vicle Male gerustn. W. K.

Max Linder gefallen. Do bekamtte Kmosthan- spielrr Mar Lindo. di- Stütze do Paftser Filmfttma ?Ltdv freres, ist, wie der Pftttr Lloyd zu melden können glaubt, btt den Kämpfen in Belgien gefallen. Lmdo ist in Deutschland geboren, erwarb sich jedoch dtt sranzo,ciche <otaatsbürgeftchast und wurde ttnem stirgimenl ttngertthr. das zusammen intt euiem belgi­schen kämmre. Lindo war der böck>stbezahltttlr Schanspicleydo Welt.

Leipzig, 24. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Al-xaudo Win­terberg, Prosftsor der Mnjik, ist im Alter von 81 Jahvcn gestorben.