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mit Frankreich einen Vertrag. Das Auftreten Deutschlands gegen Belgien sei völkerrechtlich berechtigt. Aal schließt: In den letzten 4t Jahren ivar kein Land so abgeneigt gegen den ttrieg mit anderen zivilisierten Nationen, so klar darüber, daß seine Eroberungen aus ' den Kulturfeldern mit geistigen Walten und nicht aus geo­graphischem Gebiet mit dem Schwert erfolgen würden oder so sich seiner Verantlvortnng in der Politik bewußt, wie Deutsch­land. Will man auf dessen Rüstungen Hinweisen, so braucht man nur zu antworten, Deutschland hat keinen Pfennig und leine Isjep zierstunde zu viel angewandt. Der Inhalt des Artikels ist, daß Deutschland in der Notwehr handelte; seine Sache sei gerecht. Jeder rechtlich Denkende müßte dies laut vor aller Welt bekennen.

Sven Hediit in Berlin

Berlin, 14, Sept. Der schwedische Forschungsreisende lind Politiker Sven tzedin ist heute hier eingetroffen. Er will sich davon überzeugen, ob die deutschen oder die auslän­dischen Berichte über den Zustand in Deutschland und be­sonders in Berlin zutreffend sind.

Präsident Wilson an seine Amerikaner.

Der Präsident der Bereinigten Staaten hat an seine Mitbürger eine Mahnung zur Wahrung der Un­parteilichkeit erlassen. Das Toimnent ist von den amerikanischen Zeitungen am 18. Alugust veröffentlicht wor­den und wir entnehmen ihm folgende Stellen, deren Inhalt wohil >auch in dem Antwortbrief des Präsidenten an den Deutschen Kaiser zum Ausdruck gekommen sein wird;

Das Volk der Vereinigten Staaten setzt sich zusammen aus vielen Rationen, und hauptsächlich aus den Rationen, die heute im Kriege liegen. Es ist natürlich und unvermeidlich, d^ unter uns die größten Unterschiede in den Sympathien und den Wünschen für den Ausgang des Kampfesbe stehen. Tie einen werden dieser, die anderen lener Ration den Sieg wünschen. Es wird leicht sein, die Leiden­schaften zu wecken, und schwer, sie zu besänftigen. Wer sie iveckt, nimmt eine schwere Verantwortung aui sich, die Llerantwortung für nichts weniger als die Zerreißung des Volkes in Lager feind­licher Gesinnungen, in Parteien, die sich in den Krieg Hineinreißen lassen und ihn mit Impulsen und Meinungen, wenn auch nicht mit Handlungen führen, während doch das Volk der Vereinigten Staaten einig sein sollte, als Amerikaner verbunden im loyalen Zusammenhalten mit der Regierung, durch Ehre und Liebe ver­pflichtet, zuerst an das eigene Land und seine Interessen zu denken.

Ich wage es daher, liebe Landsleute, ein feierliches Wort der Warnung an Euch zu richten. Ich warne vor jenem tiefsten, feinsten und so wichtigen Neutralitätsbruch, der aus Einseitig­keit und leidenschaftlichem Parteiergreisen entstehen kann. Die Vereinigten Staaten müssen in diesen Tagen, die dazu angetan sind, die menschliche Seele in Versuchung zu führen, neutral bleiben dem Namen und der Sache nach. Wir müssen un­parteiisch sein in Gedanken und Taten, müssen innere Gefühle im Zaum halten, so gut wie jede Handlung, die als die Bevorzugung irgend einer der kämpfenden Parteien aus­gelegt werden konnte."

Die ägyptische Sphinx.

Lord Curzon, der frühere Vizeköuig von Indien, hat der Hoff­nung Ausdruck gegeben, daß die Lanzen bengalischer Reiter noch aut den Straßen Berlins funkeln werden. Run, die Invasion nach Deutschland ist ja schon in gewissem Sinne zur Tat geworden; an 300 000 Russen, Franzosen, Engländer .und Belgier haben bereits Deutschland überschwemmt, allerdings als Kriegsunsrei- willige. Im übrigen täte Lord Curzon besser daran, sich um die eigenen Sorgen zu bekümmern und die Tinge im Britenreiche und den .Kolonien inbengalischer" Beleuchtung zu betrachten. Tie Engländer erzählen denen, die cs glauben wollen, von der Be­geisterung der Inder, die angeblich gegen Deutschland zu Felde ziehen sollen Lord Curzons Nachfolger Lord Hardinge hat etwas von dieser indischen Begeisterung für England zu spüren bekommen, als er vor einundeinhalb Jahren in seiner neuen Residenz Delhi von der Bombe eines Hindufanatikers getroffen wurde. Run haben es freilick» die Briten mit einigem Geschick verstanden, in Indien Hindus und Mohammedaner gegeneinander auszuspielen, und es ist des weiteren bekannt, daß die Autorität des türkischen Sultans als des geistigen Oberhauptes aller Mohammedaner seit den jüngsten türkischen Niederlagen stark gelitten hat. Wenn also auch die vielfach vertretene Auffassung, daß man in absehbarer Zeit mit einem Aufstand in Indien zu rechnet! haben wird, von falschen Voraussetzungen ausgeht, so ist es doch unwahrscheinlich, daß die englische Regierung wagen wird, aus Indien nennenswerte Hilss- truppen herauszuziehen, und schon der angekündigte Versuch, die Sepoys zur Besetzung von Aegypten zu verwenden, muß als ein gefährliches Wagestück erscheinen.

Freilich, die Lage in Aegypten ist auch nach den spärlichen Meldungen, die von dort durchsickern, derart, daß man die Hilfe .hernehmen muß, wo man sie findet. Aegypten, wo sich beim Ausbruch dieses Krieges eine Besatzung von nur 7000 Mann einer seit langem in stärkster Gärung befindlichen Bevölkenmg von ettva 12 Millionen gegenübersah, ist der heikelste Punkt des britischen Weltreiches. Denn dieses hat in Aegypten gleichsam seine Wespen taille; hier ist das schmale Bindeglied zwilchen den Interessen Englands in Indien, Ostasien und Australien, und die etwa plötz­lich durch eine feindliche Macht erfolgende Sperrung des Snez- kanals war von jeher das Schreckgespenst der Engländer.

Als Aegypten im Jahre 1882 von dm Engländernvorüber­gehend besetzt" wurde, war die Entrüstung hierüber am stärksten in Frankreich, das den Suezkanal gebaut hat, und in Ruß­land, dessen Orientvolitik dadurch einen Stoß erhielt, während Fürst Bismarck erklärte,die Freundschaft mit England wäre für uns wichtiger als das zukünftige Schicksal Aegyptens". Jetzt ist rechter Hand, linker Hand alles vertauscht. Von Frankreich und Rußland hat England in Aegypten nichts mehr zu befürchten, ive- niger weil es seine Verbündeten sind, sondern weil beide Staaten durch diesen Weltkrieg für lange Zeit lahmgelegt nxwden dürften. Aber zu den Gegnern, die den Engländern in Aegypten selbst erwachsen sind, Ivo die arabische Presse die LosungAegypten den Aegyptern" verkündet imd jeder Fellah in den Ruflos von England" einstimmt, ist dem Britenreickw ein noch gefährliclwrcr Feind in der Türkei erwachsen, die seit dem Schwinden ihres europäischen Besitzstandes ihre Politik immer stärker nach Afrika und Asien gravitieren läßt.

Seit dem illbblitzen des Dreiverbandes, der die türkische Neutralität mit der Aufhebung der Kapitulation erkaufen wollte, worauf die Pforte mit deren selbstherrlicher Aufhebung annvvrtete, blickt man im Britenreiche angstvoll und besorgt nach dem Goldenen Dorn. Ist doch der Khedive von Aegyp­ten, Abbas II. Hilmi, staatsrechtlich noch immer der Vasall der Türkei, wenn auch England durch den Oberkommissar die tat­sächliche Herrschaft über Aegypten ausübt, obwohl es vor der förmlichen Annektiertmg bisher nockt znrückgeschreckt ist. Tie Mo­hammedaner empfanden es von jeher als eine Schmach, daß ihnen! die Pilgerstraße nach Mekka durch die englischenRotröcke" verlegt morden ist, und sie blicken por allem in Aegypten, aber nicht nur dort, hoffnungsvoll aus den Kalifen in Konstantinopel.

Sir Edward Grey, der große Rechner, fürchtet unverkennbar, daß die zunehmende Gärung in Aegypten in engem Zu­sammenhang stehe mit dem Wiedererwachen, mit der umfassenden Mobilisierung der Türkei. England, das als Vorwand für diesen Krieg die von ihm selbst gevlantje Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland benutzte, hat die am 24. Oktober 1887 in London beschlossene Neutralität des Suezkanals gebrochen, aber es hat vergeblich die Neu­tralität der immer begeltrlicher nach Aegypten blickenden Türkei zu kaufen versucht. Schon diese Hrmvelise genügen, um darzutun daß sich in dem Wetterwinkel, in dem Europa, Aftika und Asien zusammenstoßen, Wandlungen vorbereiten, die auf den weiteren Verlaus dieses Weltkrieges von weittragender Bedeutung sein können. ^ >-.

Wien, 14. Sept. (WB. Nichtamtlich.) DieWiener Sonn- und Montagszeitung" meldet ans Konstantinopel: Hier verlautet, daß England beabsichtige, den Khedive, der sich gegenwärtig in Konstantinopel besuchet, während der Kwiegsdauer an der Rückkehr nach Aegypten zu verhindern.

Ministerwechsel in Athen.

(WTB.) London, 14. Sept. (Nichtamtlich.) Meldung des Renterschen Bureaus. Nach einem Telegramm aus Athen ist der griechische Minister des Aeußern Streit zurückgetreten. Minister­präsident BenizeloshatdasMinisteriumdesAcußern übernommen.

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Die Berichte des russischen Generalstabs.

Wien, 14. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Der russi-- s ch e Generalst ab hat einen ausführlichen Bericht über die Kämpfe in Galizien verbreitet, der von ununter­brochenen Siegen der russischen Truppen gegenüber den österreichisch-ungarischen und deutschen Armeen spricht. Es genügt, die kurzen erber inhaltsreichen Meldungen des' öster­reichischen Generalstabs diesen umfangreichen Berichten ent­gegenzusetzen, worin übrigens die Erfolge der Armeen Dank! und Auffenberg zugegeben werden, wenn auch die heldenmütigen Kämpfe dieser Armeen als bloße Schar­mützel bezeichnet werden. Die Tatsache, daß in diesen Schar­mützeln 20 000 Gefangene gemacht und etwa 200 Geschütze erbeutet worden sind, beweist hinreichend, welchen Anspruch auf Wahrheit die Berichte des russischen Generalstabs er­heben dürfen.

Falsche Gerüchte über den Ausbruch der Cholera.

B e rlin, 14. Sept. (W. B. Amtlich.) Gegenüber einem hier auftretenden Gerücht, daß in Königsberg und den benachbarten Gebieten Ostpreußens die Cholera ausge­brochen setz ist zuständigerseits sestgestellt worden, daß bis jetzt weder in der Stadt noch im Regierungsbezirk Königs­berg Fälle von Cholera vorgekommen sind. Auch in den an den Bezirk Memel grenzenden russischen Gebieten herrscht keine Cholera.

Ein interessanter Briefwechsel.

Berlin, 13. Sept. Die Feste Botzen war bekannt­lich vor der Schlacht bei Tannenberg von den Russen um­zingelt. Der Führer der russischen Truppen erließ zu der Zeit eine Proklamation an den Kommandanten der Festung, in derer diesen zur Uebergabe der Festung aufforderte. Es wur­den dabei folgende Schriftsätze gewechselt:

August, 5.40 vorm. An den Herrn Kornmandantew von der Festung Loetzen! Loetzen ist schon von den Truppen der russischen kaiserlichen Armee ganz eingeschlossen. Unnützlich ist eine weitere Verteidigung der Festung. Mir ist befohlen, Sie zu beauftragen, die Festung freiwillig uns zu übergeben, damit kann man vermeiden unnützliche Verluste. Sie haben zu ihrer Verfügung 4 Stunden, um die unsere Bedingung zu überlegen. Wenn sie nicht wollen mit dieser Bedingung zufrieden sein, so wird man mit osjener Kraft die Festung nehmen, und in diesem Falle doch kein Stein auf Stein nicht gelassen wird.

Chef der Kolonne, gez. Konwratjew.

Das zweite Schriftstück ist datiert:

Feste Boyen, Loetzen, den 14. August, 10 Uhr vorm., und lautet: Ew. Exzellenz! Ew. Exzellenz bringe ich mein lebhaftes Bedauern zum Ausdruck, daß die von Ew. Exzellenz vorgeschickten Parlamentäre, 1 Major, 1 Adjutant, 1 Trompeter, von meinen Truppen beschossen worden sind. Ein vorgeschobener Posten hat sie von der Seite bezw. vom Rücken aus gesehen und will die Parla- menlärflagge nicht bemerkt haben. Ich werde den Vorjall peinlich unttrsuchen und stelle strenge Bestraftmg in Aussicht. Ew. Exzellenz können versichert sein, daß von meinen Truppen streng nach den Gesetzen des Völkerrechts gehandelt loird. Die Verwundeten sind in das Lazarett ausgenommen; sie erhalten dort beste Pstege und werden nicht als Gefangene behandelt, sobald es deren Zustand erlaubt, werden diese ausgeliesert werden. Was Ihre Aufforde- rung anbetrifft, die Feste zu übergeben, so weise ich dieselbe für mich und meine tapfere Besatzung als im höchsten Grade be­leidigend jurüd. Der Kommandant der Feste Bo!>en. gez. Busse.

Die Antwort des russischen Befehlshabers lautete:

Seine Exzellenz den Kommandanten der Festung Loetzen! 14. August, 1 Uhr nachm. Ihre Parlamenttcre sind augekommen und Ihr Schreiben in Empfang genommen. Der schmerzliche Vor­fall hat in unseren Herzen starken Widerhall gefunden. Ich bin davon überzeugt, daß die deutsche Nation das internationale Ab­kommen nicht verletzt und mit unfern Parlamentiers gemäß den zwischen den Mächten geschlossenen Vereinbarungen verfahren wird.

Ter Kommandant der Kolonne, gez. Konwratjew.

Einige Tage später war die Feste Boyen bereits durch deutsche Truppen entsetzt.

Tie .Hoffnung der Russen, Galizien zu gewinnen.

Wien, 14. Sept. (Nichtamtlich.) Gegenüber der Mel­dung der Petersburger Telegraphcn-Agcntur, daß der Kai­ser von Rußland den Präsidenten des Galizischen Landtages Dudykiewicz in Audienz empfangen habe, stellt das Wiener Tel.-Corr.-Bur. fest, daß Dudykiewicz ein bekannter russophiler ruthenischcr Abgeordneter, aber niemalsPrä- s i d e n t des Galizischen Landtages war. Bekanntlich bekleidet die Stelle des Präsidenten, des Galizischen Landtages seit jeher ein Pol« und nicht ein Ruthenc. Zudem war Dudykie- wicz wegen russophiler Umtriebe bereits in Untersuch­ungshaft. Im Lemberger Hochverratsprozeß war er Ver­teidiger eines der Hauptangeklagten.

DieReichspost" bemerkt zu der. Meldung der Peters­burger Telcgraphen-Agentur:

Mag der Zar den einen oder anderen Verräter huldvoll ernpiangen und mit schmutziger Gesinnung mich hier gemeinsame Sache machen. Die österreichischen Slawen wollen mit Verrätern nichts zu tun haben. Sic kämpfen desto erbitterter gegen jene, die in den stawischen Völkern solche Individuen emvorhebcn Uebrigens dämmert langsam auch in Petersburg die Erkenntnis, wie falsch eine der hauptsächlichsten Voraussetzungen der russischen Bercchnrmg, nämlich die Zuversicht aus einen Zerfall des Reiches infolge der Betörung der Slawen durch die verlogene südslawische Hetze sich nun erweist. So spricht der PetersburgerRusskoje Slowo", daß unter den gegen Rußland so tapser kämpfenden Truppen neben Deutschen und Magyaren auch Serben, Polen, Tschechen und Kroaten stehen, die gegen die slawischen Brüder in erster Linie kämpfen.

Die Serben.

Essegg, 14. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Die slavo- nische Presse bringt folgende Mitteilung aus Ruma vom 9. September: Die serbischen Truppen haben gestern nrittag in Stärke von einer Division die S a v e üb erschri t t e i< und sind in lmser Gebiet eingedrungcn. Unsere Trup­pen waren sofort zur Stelle, um den Kampf aufzuuehinen.

Preissteigerung in England.

Das englische FinanzblattEeorwmist" bringt in seinem Warenverzeichnis den einwandfreien Nachweis, daß infolge des Kriegsausbruchs eine plötzliche und heftige Preis­steigerung in England eingetreten ist. Sie betrug für alle Waren nicht weniger als 6 v. H. Die größte Steigerung zeigten E ß w a r e n , Korn und Fleisch, was als eine Folge des Aus­fuhrverbots fast aller europäischer Länder und der damit im Zusammenhang stehenden Preiserhöhung in Amerika angesehen wird. Tie Punktzahl für diese Gruppe imEeoiwmist" stteg von Ende Juli bis Ende August von 579. auf 641, also um 62 Punkte.

Was den Z u ck e r betrifft, so rief der Krieg in England eine wahre Panik hervor, und die Preise gingen bedeutend höher, bis cs be­kannt wurde, daß die Regierung durch ihr Eingreifen den Markt regeln würde. Der Kasse cp re iS blieb dagegen, säst unberührt, und der Preis verschiedener Lebensrnittel ist gefallen, nachdem die dänischen Ausfuhrlinien wieder regelmäßig im Gang sind In der Textilgruppe ist die Punktzahl von 616,5 auf 628 gestiegen. Gleichzeitig kam ungefähr die Hälfte aller Wehstühle Großbritanniens zum Stillstand. Auch die E i s c n - u n d S t a h l - preise sind größtenteils infolge der Stockung der Ausfuhr aus Deutschland gestiegen. Tie Kohlenp reise sind dagegen aufs neue gesunken, da die Ausfuhr bedeutend abgenonttnen hat und die Verbraucher wenig geneigt sind, große Vorräte zu schassyn.

Au* Stadt und Land.

Gießen, 15. September 1914.

Kapitalisten und Vermögensverwaltungen lombardiert s Wertpapiere und zeichnet damit Kriegsanleihe!

Kapitalisten und Vcrmöriensverwaltungen, die augenblicklich nicht über flüssige Mittel ver­fügen, können trotzdem größere Beträge auf die Kriegsanleihe des Reichs zeichnen. Die Besitzer von Wertpapieren können sich nämlich die Mittel zur Zeich­nung auf die neue Anleihe durch Verpfändung eines Teiles dieser Papiere bei den Kriegsdarlchenstässen lReichsbankanstaltör, beschaffen. Der Lombard-Zinssatz ist sür diesen Zweck auf 6 Proz. ermäßigt worden. Die neuen Tchatzanweifungen und dir neue Reick,sanlciho rentieren nach Berechnungen der Fachpresse durch­schnittlich etwa zu bp? Proz. Die Zeichner müßten also vorläufig einen Zftisverlust von etwa V 2 Proz. auf sich nehmen. Dem steht aber die Möglichkeit eines erheblichen Kurs­gewinns bei günstigem Ansgang des Kriegs gegenüber.

Aber selbst wenn die lombardierten Effekten demnächst mit einem erheblichen Kursverlust verkauft werden müßten, so würde dieser Verlust voraussichtlich dadurch ausgeglichen, daß an Stelle von 3Vzproz. oder 4proz. Papieren 5moz. Reichsanleihe eventuell mit Rückzahlungsgewinn treten würde. Wenn z. B. 100000 Mk.

4 proz. Papiere, die zuletzt 9 6 Protz, notiert waren, zu 90 Proz. verkauft werden nrüßten, so wäre der Erlös 90000 Mark und es würden jährlich 4000 Mk. Zinsen wegfallen. Es ist dabei also mit einem sehr erheblichen Kursrückgang gerechnet. Wenn für diese baren 90 M0 Mk. 5 Proz. Reichsanleihe z-u 97,50 gezeichnet würden, dann könnten nom. 92 300 Mk. bezogen werden, die sich jährlich mit 4,615 M k. verzinsen würden. Es würde also ein jährlicher Zinsgewinn von 615 Mk. zur VerfügunA stehen.

Die Frist zur Zeichnung läuft mit dem 19. September ab.

Zur Zeichnung der Kriegsanleihe wird uns noch geschrieben: Es ist schon wieder­

holt darauf hingewiesen worden, daß jeder Ka- I pitalist, der Kriegsanleihen erwerben möchte, augenblick­lich aber über flüssige Gelder nicht verfügt, sich diese zu besonders günstigen Bedingungen gegen Verpfändung seiner Wertpapiere bei den Darlehenskassen verschossen kann. Hier­gegen scheinen vereinzelt Bedenken entstanden zu sein, n>eil aus 8 3 des Darlchnskassengesetzes gefolgert wird, daß, die I Darlehen nicht auf längere Zeit als 6 Monate gewährt wer- 1 den könnten. Die Besorgnisse sind indessen unbegründet und beruhen ans einer mißverständlichen Auffassung dieser Be­stimmung, die eine Prolongation gewahrter Darlehen auch über 6 Monate hinaus selbstverständlich nicht ausschließt Die Darlehenskassen sind eine Einrichtung^dcs Deutschen Reichs und an die Reichsbank angegliedert. Sie werden von einer Hauptverwaltung geleitet, die aus dem Reichsbanh Präsidenten als Vorsitzendem, einem Miigliede des Reichs­bank-Direktoriums, einem Vertreter des Reichsschatzamts und hervorragenden Mitgliedern des Handels- und Ge- werbestandes besteht. Diese Organisation bürgt dafür, daß die Darlehnsnehmer und besonders die Zeichner der anleihen lief) auf volle Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse bei der Prolongation der Darlehen verlassen können und daß eine Rückforderung der Darlehen zur Unzeit ganz aus­geschlossen ist. Es ist auch die Frage nach der Mündelsichcr- heil der Kriegsanleihen aufgeworfen worden. Die Kriegs­anleihen stehen den übrigen Anleihen des Reichs in jekwr Beziehung gleich und genießen wie diese auch) das Privileg der MünDclsichcrheil. Es ist dies so selbstverständlich, daß man es bisher nicht sür nötig gehalten hat, in den Ver­öffentlichungen etwas darüber zu erwähnen.

*

* Ordensauszeichnungen. Der König von Preußen hat dem Eisenbahnschaffner a. D. Hofmann in Großen« Linden, Kreis Gießen, dem Eisenbahnweichensteller a. D. Kronenberger in Dietesheim, Kreis Offenbach, und dem bisherigen Eisenbahngepäckträger Langsdorf in Bad-Nau­heim das Allgemeine Ehrenzeichen, sowie dem bisherigen Eisenbahnschloffer Bauer in Friedberg-Fauerbach das All­gemeine Ehrenzeichen in Bronze verliehen.

** 10 000 Franzosen kommen nach Gießen. Der vordere Trieb wird jetzt mit einem hohen Bretterzaun um­hegt. Innerhalb der Einfriedigung werden IM Holzbaracken imd dce nötigen Wirtschaitsräume erbaut, um 100M g efa n g e ne Fran­zos e n unterzubringen. Die ganze Einrichtung erhält den Cha­rakter eines militärischen Lagers. Im Innern derHolzimrfviediguug wird ein Weg im bleiben, der nach dem Lager zu mit Stachelzaun­draht einen Schutz erhält. Auf diesem Wege wird die Bewachungs­mannschaft ihres Amtes zu walten haben. Die Baracken ,verteil, soweit die Umfassungswände in Frage kommen, innen und außen wetterdicht verschalt und heizbar angelegt. Interessant dürste es jedenfalls sein, daß aus dem! Trieb im Jahve 1759, also wahrend des siebenjährigen Krieges, schon einmal Franzosen gelegen haben.

** ® c ft o 6 [ c n e 3 i c g e. In der verflossenen Nacht wurde aus einem in dem Allenfeld dahier gelegenen Stall eine Schwei- zerziege, ein halbes Jahr alt, gestohlen. Sachdienliche Mit­teilungen über den Verbleib des Tieres und deck Täters nimmt die Kriminalpolizei des Großh. Polizeiamts entgegen.

Landkreis Gießen, n. Langsdorf, 15. Sept. Der jüdischeSynagogen- ch o r stiftete sein Barvcrmögen von 56 Mk. dem Roten Kreuz.

Kreis Wetzlar.

= Wißmar, 15. Sept. In unserer Gemeinde wurden 32 Zwetschenkuchen, zwei Körbe Eier sowie ein Korb Trau­ben an die Gietzener Lazarette geliefert. Weitere Gaben folgen.

Hessen-Nassau.

m. Neustadt, 14, Sept. Eine stark besuchte Versammlung fand am Sonntag nachmittag statt, um darüber zu beraten, in wcl

eher Weise auch unsere Stadt für unsere Verwundeten und dere» Angehörige gesorgt werden kann, Bürgermeister Linker eröst- nete die Versammlung mit einleitenden Worten und brachte ein Hoch aus unseren Kaiser aus. Amtsrichter Siebert entrollte ew

getreues Bild von der gesamten Kriegslage und sorderte alle aus, ihre Kräfte in den Dienst der guten Sache zu stellen. Der seitens

lyt'i Kriegsausschusses vom Kreise Kirchhain entsandte Amtsgerichts rat v, Klencke-Ämöneburg sprach über die Bestrebungen des Roten Kreuzes und gab beherzigenswerte Winke und Ratschläge auch m tresss der Feldpost, Nachdem Psarrer Ebel für die gute Saw! eingetreten, nmrde eine Kommission gewählt, die allwöchentlich Ü' sammentreten und das Weitere veranlassen sott, . .

F. C, Wiesbaden, 13, Sept. Landwirtschaft uno Krieg. Ter 13, landwirtsthaftlichc Bez ir I s ve rert> (Wiesbaden-Stadt und -Land) beschloß in seiner heutigen stark besuchten Generalversammlung, 600 Mk,, m«

der Bezirksverein alljährlich vom Hanptverein, dem Bern» nassauischcr Land- und Forstwirte als Zuschuß erhält« den

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