Ausgabe 
12.9.1914
 
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Kr. 2(4 - Zweiter Blatt *64. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Ti-Gietzener Zamilieadlätter" werden dem

.Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da? rtreisblatt für den Krtis Sietzen" zweimal wöchentlich. Di-Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monattich zweimal.

Samrtag, *2. September *9*4

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universiläts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: S^51. Redaktion:L^ll2. Tel.-Adr.:AnzeigerGicßen.

Miegrgesangen in Rußland.

Der Di. L. E. geht von dem Reich s tags abqe o rd - neten Zimmermann, der gerade bei Msbruch des 'Krieges in Archangelsk eintraf utü> dort als Reichsdeutscher und, was noch verdächtiger war, alsPvlitikerinHast .genommen wurde, folgende Darstellung über seine ^Erlebnisse Ku:

Rach einer Reise durch Norwegen wollte ich über Archangelsk nach Moskau fahren, alsdann zur Messe nach Niichnyiltowgorod, 'und zuletzt St. Petersburg und Riga besuchen Aber der Mensch denkt und Gott lenkt. Wenn mich auf der letzten norwegischen Station Bardo der .Konflikt zwischen Oesterreich mid Serbien be­kannt war, so glaubte doch niemand cm ernstliche Verwicklungen Deutschlands in diesem Streit, und besonders nicht an einen Krieg zwischen Deutschland und Rußland. Ich bestellte deshalb ohne Bedenken «inen Platz auf deni russischen Dampfer, der wödient- lich einmal den Verkehr zwischen Vardö, der Murmanküste und Arcl>angelsk vermittelt, und es fanden sich auch noch weitere Passa­giere, Russen und Noriveger, mit denen ich schon die norwegische Küste entlang gefahren war.

Am 30. Juli, abends 10 Ilhr, ging der DampferLomo­nossow", Kapitän 3r- Samjagin, in Sec. Mit einem Schnelldampfer kann man die Reise von Vardö nach Archangelsk in zweieinhalb Tagen machen, aber wir legten in 15 kleinen Häfen an, um Per­sonen und Waren ein- und auszuladen, imd brauchten über fünf Tage. Der Haupthandel besteht in Fischen, besonders in Dorsch und Tran Aus allen Stationen, nw wir anlegten. dasselbe Bild: Ansiedlungen von Fischern, kleine und große Fahrzeuge, je nach der Bedeutung des Fanges und Handels. ?luf jeder Anlegestelle kamen Reservisten zu uns, so daß ioir ungefähr 400 Mann au Bord hatten, die meistens auf Deck oder im Laderaum kanipieren mußten, da die dritte Klasse von Passagieren ganz besetzt ivar. Glücklicherweise war der Ausschank von Branntivein verboten, und Lärm und Exzesse kamen nicht vor. Wir hatten immer be­wegte See und kaltes feuchtes Wetter von 5 bis 8 Grad Wärme. Äm 3. August abends 8 Uhr passierten wir den Felsen Swjatoi Roß (Heilige Rase), bei dem das Eismeer anfhürt und das Weiße Meer ansängt. Eine sehr breite Fahrstraße, Gorla lKehle) ge­mannt, führt in das beckenartig gebildete Weiße Meer, und am . 5 . Anglist früh 1'/. Uhr kamen wir mit großer Verspätung in -Archangelsk an. Als der Dampfer in Archangelsk anlegtc, tvurden wir durch die Mitteilung überrascht, daß der Krieg zwischen Deutschland, Rußland und Frankreich ausgebrochen fei. Ich habe einen Krieg zwischen Rußland und Deutschland nie für möglich gehalten, da diese Länder durch ihre Lage, wirt- ischastlicden Interessen, langjälwiqe» verwandt>chastlichen Bc- ,-iehnngen aufeinander an gewiesen sind.

- Mich erwartete in Archangelsk eine besondere Uebcrraschung. .Ms der Dampfer angelegt hatte, krönen lote üblich die Zoll- und sPolizeibeamten an Bord, prüften die Pässe, imtersuchten das Ge päck. Ich war der einzige deutsche Reichsangehörige an Bord, und (der Polizeimeister erklärte mir, daß er mich arretieren und als Kriegsgefangenen in ein städttsches Militärgewahr- .sam bringen mäste. Er untersuchte mein Gepäck nach Briefen, l Büchern und Drucksachen und nahm einen Teil derselben an sich, um ! dieselben genau zu prüfen. Ans meine Einrede, daß icki Reichstags- abgeordncler sei, -daß man mich in Rußland kenne, daß ich Aüszeich- : nungen vonr russischen Kaiser habe, gestattete er mir schließlich, die Nacht aut bem Schiffe zu bleiben, steUte aber eine Wache svor die Kajüte, Gegen Mittag kam er wieder an Bord in Beglei­tung eines Polrzelhauptmanns, brachte meine Papiere zurück und staate, daß der Gouverneur von Bibikow aut nreinc Bitte bereit sei, mich zu empiangxn. Wir fuhren dann m dessen Anttsgebäudc, wo ich dem Gouverneur erklärte, daß ich keine Ahnung von dem Kriege hatte, als ich nach einer Reise durch- Nonvegen den russischen Dampfer zur Fahrt nach Archangelsk benutzte, und daß ich beabsichttgt hatte, in geschäftlichen An­gelegenbeiten von hier noch Nboskau und zur Messe nach Nisctmi- Nowgorod und dann nach St Petersburg und Riga zu reisen. Wenn auch der Gouverneur liebenswürdig zu inir war, gestattete er mir doch nicht die Weiterreise und befahl, daß ich in Archangelsk bleiben müsse, wo er mir erlauben wolle, in eineni Ciasthause zu loohnen, mit der Beschränkung, daß ich nicht ausgehen urch mit niemand sprechen oder korrespondieren dürfe. Ich bat, eine Depesche an meine Familie zu senden: der Gouver­neur erklärte aber, dieselbe erst nach St. Petersburg schicken zu

müssen. Der Polizeiluiuptmann begleitete mich dann in das Gast­hausBack', wo ich für einen allerdings hohen Preis von 8,50 Mk. pro Tag ein steundliches Zimmer fand und nun allein aus mich angewiesen war. Am nächsten Tage schrieb ich an den Gouver­neur, er möchte, wenn ich nicht nach Moskau oder St. Petersburg fahren könne, mir doch die Rückreise nach Norwegen erlauben, er­hielt aber Bescheid, daß er darüber in St, Petersburg ansragen werde, Bon meiner Familie, aus meinen Geschäften hätte ich dann längere Zeit gar nichts, und meine Gemütssttmmung war nicht die beste, zumal ich aus den russischen Zeitungen immer nur unfreund­liche Nachrichten über Deutschland und über Mißerfolge und Verluste unseres Heeres, besonders bei der Be - lagerungvonLüttich, lesen konnte. Die russischen Zeitungen aus Archangelsk, St. Petersburg und Moskau bcrichtttcn täglich über Grausamkeiten von unseren Militärs und den Zivil­behörden gegen Russen, Flüchtlinge, die aus den Kurotten Deutsch­lands zurückkehren wollten, über Greucllaten gegen friedliche Be­wohner der von unfern Truppen besetzten polnischen Ottschaften, über Greuel und Schandtaten in Belgien und Elsaß-Lothringen gegen venrmndcte Soldaten und Vergewaltigungen gegen die, fried­liche Bevölkerung und Flüchtlinge, Dazu Schimvfwortc gegen'Kaiser und Reich, gegen alle Deutschen. Berunglimpsung alles deutschen Wesens; Hunnen, Turkos, Baschibozuks, Mörder, Diebe, waren die täglichen Schimvswotte gegen uns. Ich habe unter diesen Ver­hetzungen seelisch schwer gelitten, mußte aber schweigen, wollte ich nicht meine Lage noch schlimmer gestalten. Berichte über Siege und Fortschritte des deutschen Heeres wur­den als llebertreibungen und Lügen hingestellt. Die deutschen Offiziösen sollten absichtlich falsche Nachttchten über Streiks, Unordnungen in Rußland, besonders in Polen und im Kaukasus gebracht haben, Ter einzige liebe Mensch, mit dem ich etwas sprechen konnte, war der Inhaber des Gasthauses, Ptter Kosmitsch M i n a c w, der täglich einige Augenblicke in mein Zim­mer kam und gerne meine Lage verbessern wollte. Er vermittelte auch die russischen Postkarten und Briefe, die ich schrieb, an den Polizeimeister, ohne dessen Erlaubnis sie nicht befördert werden dursten. Aus und nach Deutschland gab es überhaupt keine Korre­spondenz, keine ausländischen Zeitungen,

Inzwischen hatten meine Angehörigen erfahren, daß ich in Archangelsk scstgehalten wurde: ich erhielt aus St, Petersburg und Moskau kurze telegraphische Anfragen über meine Gesundheit, die ich sofort mitgesund" beantwortete. Eine telegraphische Anfrage meines Schwagers in Moskau, ob er mich besuchen dürfe, wurde abgelehnt, auch der Besuch der cvang. Kirche in Archangelsk an einem Sonntag tonrde mir nicht erlaubt. So ver­ging ein Tag nach dem andern. Um die nötige Bewegung zu haben und gesund zu bleiben, machte ich täglich einige Male Zimmer- gymnastik, sehr mäßig, trank weder Bier noch Wein, nuv Kaffee und Tee. Die Speisen im Gasthause waren sauber und schmackhaft zubereitet und nicht zu teuer. Ich las die rzissischen Zeitungen nnd Depeschen, schrieb einige Artikel, die mir gerade aus dem Herzen kamen, bis es abends 10 Uhr schlug und ich mich schlafen legte. Ta ich nach 2 Wochen noch keinen Bescheid hatte, ob ich über Norwegen zurückreisen könnte, schrieb ich an den ameri­kanischen Botschafter in St, Petersburg, er möchte das Auswärtige Amt in Berlin über meine Lage benachrichtigen und mir möglichst behilflich sein. Dieser Brief mußte ebenfalls durch die Zensur gehen, und ich weiß nicht, ob und wann er an den Botschafter ge­langt ist. Wohl aber teilte der Polizeimeisier mir am 17, 8. mit, daß ich, wie auch die anderen Gefangenen in Archangelsk, in den nächsten Tagen wahrscheinlich nach Wjatka, einer Stadt in Ost- Rußland, verschickt werden würde. Meine Sttmmnng wurde da­durch natürlich nicht besser. Am 23. 8. abends 10 Uhr wurde ich ans Telephon gerufen und der Gehilfe deS Polizeimeisters teilte mir mit, daß ich auf Verfügung des Gouverneurs abreisen könne, nicht nach Moskau oder St, Petersburg, sondern zurück nach Norwegen. Dies war wohl die .Antwort aus meine Bittschrift vom 6. 8., die also 17 Tage gedauert hatte. Wer war froher als ich, aber leider ging der nächste Tampser erst am 28. 8, imd mußte ich dann noch 5 Tage nutzlos in Archangelsk verbttngcn.

Am 24, 8, hatte ich eine neue Freude, ein Neffe, der Prokurist meines Moskauer Geschäftes ist, kam auf gut Glück, um sich nach mir umzusehen und wichtige Sachen über meine Geschäfte, die inzwischen sehr gelitten hatten, zu besprechen. Aus seine dringende Bitte erlaubte der Polizeimeister ihni, mich zu besuchen, kam aber selbst mit ins Gasthaus, um bei der Unterhaltung zugegen.zu sein. Der Beamte überzeugte sich bald, daß nichts Staats­gefährliches, sondern nur Geschäftliches und Persön-

ver Hunne pocht ans Tor".

In derTimes" findet man die nachstehenden Reime von Rudyard Kipling:

For all we have and are,

For all our childrens fate,

Stand Up and meet the war. The Hun is at the gate!

Our world has passed away In wantonness oerthrown.

Theres nothing leckt to-dav But steel and fire and stone.

Thongh all we knew depart. The old commandments stand: In courage keep your heart, In strength liftupyourhand.

Once more we hear the Word That sickened earfh of old: No law except the sword llnshcafhed and uncontroUed." Onoe more it knits man Kind, Once more the nations go To meet and break and bind 'A crazed and driyen foe.

*

Comfort, content, delight - The ages slow-bcught gain Tbev shrivetled in a night, Only ourselves remain To face the naked days In silent fortitnde Through perils and dismays Renewed and re-renewed.

Thoogh ah we made depart, The old commandmenlsstand: In patience keep yoar heart.

In strength Hitup your hand."

No easy bopes or Ties Shall bring us to our goal,

But iron sacrifice Of body, will, and scmL Theres btrt one task for all, For each one licke to grve.

Who Stands if freedorn fall? Mio dies it England live?

J Um all das, was ihr seid.

Um Hab' und Kind emvor! Empor zum blut'gen Sttcit!

I Der Hunne pocht ans Tor!

> Dabin ist uns're Wett Bon Ueppigkeit und Schein;

Was heut' allein uns hält,

| Ist Stahl und Feu'r und Stein.

Sinkt unser Wissen hin.

Der alte Rui hält stand:

Mit Mut stählt cuern Sinn, Mit Krast hebt auf die Hand,"

I Das freche Greuelwort, j Hört, wie es wiederkehrt:

Uns ist Gesetz und Hort Das nackte, sreie Schwert," Drum aus. und unverzagt,

Ihr Völker rings vereint.

Jagt, packt, in Fesseln schlagt Den wahnsinnstollen Feind.

Wohlstand. Behagen, Pracht. Müh'voll erworb'nes Glück Verlauf in einer Nacht,

Wir blieben arm zurück, Trostloser Tage Not In stummer Tapferkeit Ertragend, stets umdroht Bon Angst, Gefahr und Leid,

Schwand uns're Habe hin.

Das alte Wort hält stand: Geduld stähl' euern Sinn, Mit Kimst hebt auf die Hand."

Nicht Hoffnungswahn, nicht Quark Don Lügen beut Verbleib;

Nur Opfer eisenstark An Willen, Seel' und Leib, Euch alle führ' e i n Ziel,

Ein Leben alle gebt.

Wer stebt, wenn Freiheit siel? Wer stirbt, so England lebt?

DieTimes" setzt hinzu:Auf Herrn Kiplings Wunsch haben wir in seinem Namen der belgischen Unterstützungs- ka'sse 50 Pf, St, übersandt." Reime und Schillinge in ein entsprechendes Verhältnis zu bringen, so bemerkt dazu die Köln, Ztg.", der wir dieDichtung" Kiplings entnehmen, ist schwierig: jedenfalls hat der Dichter seine diesmal recht minderwertige Ware mit 50 Pfund sehr hoch cingeschätzt. Aber dieTimes" darf schon aus Eigenem zu den klapperw- den Versen klingende Münze hinznlegen; dazu scheint sie nach ihrer langjährigen Kriegshetze, die jetzt ihre bittern Früchte zu tragen beginnt, vollauf berechtigt. Eine der anspruchs­vollsten Stellen des Gedichtes mit ihremStahl, Feuer und Stein" erinnert gar sehr an Steinschloßslinten seligen An­gedenkens, und die Schlußfrage erweckt naturnotwendig den Gedanken an die Millionen und aber Millionen der mit Hilfe der Freiheit, wie man sie in England versteht, geknechteten Indier und Aegypter, Daß der schon ein wenig abgehetzte Hunne nicht fehlen darf, versteht sich von selbst; auch ist Kiplings Deutschenhaß eine fast ebenso bekannte Tatsache, wie Sir Edward Greys und seiner englischen Einkreisungs­genossen mit Trug und Heuchelei übel verbrämter nationaler Brotneid.

DasDarmstädterHoftheaterhatam Donnerstag abend zunächst mit einem patriotischen Konzert für Wobl- tätigkcitszwecke seine Tätigkeit wicher begonnen und wird am Ge­burtstag der Gros-Herzogin, 17, Sepck., die eigentliche Spielzeit für das kommende Winterhalbjahr mit Kleist'»Prinz von Homburg" eröffnen. Das heutige Konzert fand vor ausverkausteni Hause statt man bemerkte auch die Großherzogin und eine lleine Anzahl leicht verwundeter Krieger dartti, ivar natürlich ganz dem Ernst der Zeit nnd der vaterländischen Begeisterung angepaßt. Nach C, M, v. Webers Iubel-Ouverturr sprach Regisseur Georg Heinrich Hacker in zündender Weise Ferdinand Freiligratbs .Hurra Gemania" und dann folgten Sologesänge von ersten Kräften des Hvftheaters, den Damen Baumeister-Jacob», Klein. Feislle, Marg. Schieber und des Herrn L. Schützendorf, und vaterländische Maffen- chöre, die unter Leitung des Hofc^rdirekwrs Robert P r e u ß vom Hoftheaterchor nnd etwa 600 -Sängern der Darmstädter Ge­sangvereine sehr gut und wirkungsvoll zum Vortrag gebracht wurden. Me Orchesterwerke des verstärkter Hoftheaterovhesters kettete Hvttat Pani Ottenheim« r. Die vaterländische Stim- nrung des Auditoriums kam schon bei der Nationalhymne am Schluß der Jubel-Ouvertüre zum Msdruck und steigerte sich zur Hellen Begeisterung bei der zum «Schluß von Chören, Orchester und Publikum gememsam intonierten Volkshymne Joseph Haydn's: Deutschland, Deutschland über alles".

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liches besprochen wurde, und ließ uns dann allein. Am Freilag, den 28, 8., sollte der russische DampferLomonossow", mit dem ich am 5, 8, gekommen war, nach Vardö in Noavegen abgchen. aber durch die freundliche Vermittlung des norwegischen Gencrallonjuls, Herrn Fallen, fand ich aus einem norwegischen DampferRöskva" Aufnahme der ohne Aufenthalt an der Mur- manküste nur in Norwegen anlausen und dann seine Holzladung nach Ipswich in England bringen sollte. Abends 7 Uhr wurde ich mit einem Motorboot zur Anlegestelle derRöskva" nach einem Vororte von Arck-ongelsk gebracht, und Sonnabend gtng der Tampser in -See Aus dem DampferRöskva" fand ich nun die liebenswürdigste Ausnahme, der Kapitän, Herr Coldiwin, und seine Frau waren zu mir wie Verwandte. Außer mir war nur noch ein Passagier au Bord, ein junger, holländischer Kaufmann, der in seine Heimat znrückkehren wollte, Menstag früh sahen >mr die ersten Felsen von Norwegen und abends gingen wir vor Honings- oaak vor Anker, um einen Lotsen an Bord zu nehmen. Von hier kamen wir am Nordkap, am 2. 9. morgens 9 Uhr bei .Hammer- fest vorbei -und gingen am 2 . 9. abends 11 Uhr im Hasen von Tromsö vor Anker. Bei Tromsö liegen 17 deutsche Dampfer, die in diesem neutralen Hafen Schutz fanden. Mittags bestieg ich den norwegischen SchnelldampferMidnatiol", mit dem wir am

5. 9. nachmittags in Trändhjem ankamen Bon hier fuhr ici> dann 4 Stunden später Mit der Bahn nad> Cbristtania, wo ich Sonntag,

6. 9., nachmittags ankam und sogleich za unserem Generalkonsul Herrn Freiherrn von Speßhardt, fuhr, von dem ich zu meiner Freude neue Nachrichten über die Erfolge unseres Heeres in Emp­fang nehmen konnte, Abends 6 Uhr fuhr icki über Göteborg. Malmö, Trcllcborg der Heimat zu, und als ich in Saßnitz wieder deutsdien Boden betrat und an alle Leiden zurückdachte, konnte ich mich einer seelischen Rührung iricht ettoehren. Abends 7 Uhr kam ich in Berlin an und dankte Gott, daß alle Lieben zu Hause und im Felde rwch am Leben waren."

DerZigaro" gegen Björnson.

Der Sohn Björnstjerne Björnsons, der Deutsch wie' seine Muttersprache spricht und aus seiner Verehrung für deutsches Wesen nie ein Hehl gemacht hat, ließ es sich be­kanntlich nicht nehmen, gleich bei Ausbruch des Krieges! den Lügenmeldungen de» Bureau Reuter und der Agentur Ha»as entgegenzutreten. Ilm in Skandinavien die Wahr­heit verbreiten zn Helsen, Hat er sich vorübergehend m Ber­lin angesiedelt, wo er einen Nachrichtendienst nach Däne­mark, Norwegen und Schweden gegründet hat. Nim wendet! sich derFigaro" mit folgenden Ausführungen gegen ihn:

Es ist schwer, ein Sohn eines großen Manne» zu sein, und Björn Björnson scheint nicht das Gegenteil zu beweisen. Ohne Rücksicht auf den großen Nanreir, den er trägt, hat Björnson die wenig feine Idee, den Krieg auszunntzeic, um sici) tu den Menst der Deutschen zu stellen. Und er läßt sich nicht nur Uebertteibungen und Berdrehimgen zuschulden kommen, die ans deullchen Quellor kommen, sondern zur Schande für sich selbst fügt er noch die Nie­drigkeit dazu. Er will denk d-eullcknm Koloß schmeicheln und wirst sich zu Boden und leckt seine Stiefel spitzen. Björn­son will versuchen, eine öffentliche Meinung in Skandinavien bei Benutzung der Quellen, die aus der Dvrothcenstraße in Berlin stammen, lrervorzurufen. Diese öfsentlichc Meinung, man kann e» sich^ leicht denken, muß dock» außerordentlich deiitt'chsrcnndlich > sein. Sein berühmter Vater, der alte Björnson, war der Tvv eines Mannes, der von Rttterlichkeit durchdräirgt tvar. Er ist durchs Feuer gegangen, um Schwäche mid Gerechtigkeit zu verteidigen.^ Er war immer immer von Bewunderung erfüllt für alles, was edel und gut war. Er hat seinem Vaterland, Norwegen, mtt seiner Feder, seinem Talent und seinem Leben gedient. Es ist wahr, ivenn der alte Björnson Frankreich geliebt lyttte, so würde er, so frei und unabhängig er immer war, sich anck) nicht gefürchtet haben, die volle Wahrheit selbst dem Deutschen Kaiser zu sagen. Sein Sohn aber bettägt sich ans eine ganz andere Weise, und es ist gut, daß man es in Baris zu wissen bekommt, da eo vom Zeit zu Zeit hierher kam und immer gut empfangen wurde. Es ist gut, daß man von ihm sieiwerden kann und daß man erfährt, loa» er eigentlich ist und wie er den Namen seine» Vaters und Frankreichs Ehre schändet.

Me Sckckriftleitting der Kopenhagener ZeitungPoli­tiken" hat Björnson von diesem Angriff de»Figaro" so­fort in K'enntttts gesetzt. Me scharfen Ausfälle des Pariser Blattes scheinen sie ein wenig aus der Fassung gebracht zu haben, denn mit dieser Mitteilung verband das Blatt die Bitte an Herrn Björnson, er möge doch in Zukunst keinedeutschgefärbten Stimmungsbilder" mehr an die skandinavische Preise senden, sondern sich auf rein obsektive Angaben über kriegerische Ereignisse beschränke». Damit ist nun diePolitiken" an den Unrechten gekommen. Björn­son ist, gleich seinem verewigten Vater, ein Mann von Charakter, der nicht heute abschwört, was er gestern an­gebetet hat. Er beeilte sich, dem Blatte eine Antwort zu geben, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Herr Björnson drahtete zurück;

Dänische Freunde erzählen mir, daß man in Dänemark und viclleiclll and) in Norwegen meine Depeschen für gefärbt gehalten hat. Tu lieber Gott, es sind ja lediglich die Stimmungen hier, für die ich die passenden Worte wählte. Falls das Volk tu Sorgen und Schmerzen über verlorene Schlachten gewesen lvärc, io Kälten meine Telegramme auch dieses in gleicher Weise zuin Ausdruck gebracht. Ich kann doch nicht zu jedem Telegramm hinzusügen: Das sind die sstimmungcn und Meinnngen ander c.c, die ich letzt depeschiere." Rein menschlich gesehen, menn ich z. B. depe­schieren kann von Mitgefühl für Frankrcid) oder von einem Fehlen des Chauvinismus, dann sreut es mid) besonders und ich glaube, ich nie eine gute Tat sowohl an den Deutschen, iowre an denen, die meine Depesdien erhalten. Und ich lüge hinzu, daß cs mick> ergreift, wenn ein Volk mit so viele:, Feinden rttrgsum in diesen Tagen sich jo betragen kann, >oie Deutidiland es tut. Jeder, der hierher kommt, muß die Ruhe und das Sicherheitsgefühl des Volkes anerkennen nnd wird sich über den Mangel an Prahlerei und Pa­thos wundern, etwas, wovon die Deutsche,, sonst genug gezeigt Haben, Me diese Auswüchse sind jetzt wie weggeblasen. Das ist nicht nur meine M-eimmg, sondern auck> die der eingesteisch- testen Gegner Deutschlands werden mir recht geben. Das Volk führt einen Verteidigungskrieg. Es ist lies dankbar für all die Freundschail neuttaler Mächte, die ihm jetzt bewiesen wird. Alle sehen imd) Dänemark hin und alle sind dankbar silr dir Haltung Dänemarks. Demi alle srcidenkende» Deutschen verstehen, daß Dänemark Grund zur Bitterkeit hat, wenn man daran denkt,