Ausgabe 
9.9.1914
 
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Nr. 211

Zweites Blatt

164. Jahrgang

Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSietzener Zamilienbliitter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das .»Xreirdlalt für den Ureis Stehen" zweimal rvücheirttich. DieLandwirtschaftlichen Zeit-

sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhejjen

Mittwoch. 9. September 1914

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn UniversilälS - Buch- und Steindruckerci.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: fcSgbl- 112. Tcl.-Adr.:AnzcigerGießcn.

Miegsbriefe aus dem

Von unserm Kriegsberichterstatter.

HWcherechtigtrr Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Fliegerstücklein.

Großes Hauptquartier, 3. Sept.

Whve, tollLihne Reiterstücklein, von denen die Volks- ieder tvnderklingeii, und deren jeder alte Kriegsteilnehmer io selbsterlebtes Schock zu erzählen weiß, die liebt unser Zoll. Der Ruhm des Reitcrmannes loird nicht verblassen, «stör hat der Husarenstreich auf Lüttich gesorgt und dev lebersall der englischen Kavallerie im Biwak, von dem ein irglischer Augenzeuge berichtet, die Deutschen seien cmg-e-- cmrmen wie eine Sturmflut, gegen die es kein Wehren gab. lber vonrFeldzuge 1914 wird sich auch unsere neueste Waffe, ie Zelieger, das Anrecht auf den bunten Anekdoten- rcruz mit heimbringen, den das Volk seinen Lieblingen «udet. Fliegerstücklein werden volkstümlich werden wie es nr jemals Reiterstücklcin waren, und ein paar, die ich im ,'Äde gehört habe, möchte ich jetzt schon berichten.

Weit drin in Frankreich, westwärts von Longwy, trafen >ir die Zeltschuppen einer deutschen Fliegerabteilung, die ch bei den Kämpfen, in denen vom 32. brs 25. August die lrmee des deutschen Kronprinzen die Franzosen über die lious geworfen hat, ganz hervorragend auszeichnen und ewähren konnte.

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ausleuchten sah, worauf der Apparat abstürzte wie ein Stein.

Von uns dagegen ist bisher noch kein einziger Flieger gefallen: der einzige, der mit einem Erkun- dungsflnge nach Belgien vermißt >oird, ivar noch imstande, sein Flugzeug zu verbrennen, so daß es nicht in scittdliche Hände fiel. Angekratzt durch feindliches Gewehrseuer ist schon manches unserer Flugzeuge, aber das hat seinen Flug nicht weiter ausgehalten. Mit gutem Humor verpslastern die Flieger diese Schrammen, die sie dann wie eine Scheibe auf dem Schützenplatze zum elvigcn Andenken mit dem Datum dieses freundschaftlichen Grußes versehen.

Bei Longwy wurde eine Fliegerobteilnng von einer ver­sprengten französischen Zufanterickompagnic überfallen. Die ganze Bewachung bestand aus vier Offizieren und zehn Mann. Diese nahmen gute Deckrurg und schossen so tüchtig, daß gleich daraus 35 Franzosen tot und vcrwicndet am Boden lagen. Darauf ergab sich der Rest der Kompagnie und wurde im Triumphe eingebracht.

Das ist ein Fliegerstücklein, eines von vielen. Sie haben ihre Feuertaufe 1914 glänzend bestanden, unsere jüngste Waffe, die Flieger!

W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

Ariegsbriese aus dem Osten.

Bon unserem zum Ostheerc entsandten Kriegsbmstchterstatter

Flieger waren es, die gleich in der ersten Stellung der wauzosen, in der sie von uns am 32. August in der Linie strton-Audun-le Roman angegriffen wuä>en, eine feind- che Batterie erkundeten und sie auf der Karte so genau an­eben konnten, daß die feindlichen Geschütze durch unsere lrtrllerie außer Gefecht gesetzt wurden, ehe sie noch dazu amen, einen Schuß äbzugebeu.

Flieger waren es dann, die am letzten Schlachttage seft- :elltcn, -daß die geschlagene französische Armee in regel­oser Unordnung jenseits der Maas flüchtete.

Eines Tages beobachtete ein deutscher Flieger einen Älnzöfischen, der sich jenseits der Maas den deutschen Stet» engen zu nähern suchte. Gleich darauf tauchte ein zweiter nf. Unser Flieger nahm sofort die Richtung nach den beiden egnerischen Flugzeugen -auf, um vielleicht eines abzu- hnekden und zum Niedergehen zwingen zu können. Aber rum hatten die Franzosen den kühnen Gegner gesichtet, als e eilig Kehrt machten und nach dem Innern "Frankreichs r Verschtvanden, so schnell sie die Leinewand-Flügel trugen.

Was haben nicht die Franzosen für ein Aufhebens von :r Ueberlegcnheit ihrer Fliegerei gemacht. Auf keinem der evanche-Hetzbilder, die in den letzten Rtonaten vor dem riege in Frankreich und von dort in Elsaß-Lothringen ver­teilet wurden, fehlte deroiseau de France", der sran-> »fische Flieger, der Tod und- Verderben über deutsche Heere ad Festungen ansschüttete. Der berüchtigteHansi" zeich- ?te keine französische Parade, ohne die in der Luft Purzel- llune schlagenden Flieger zu vergessen. Auf einer mitstaat- cher Unterstützung von Frankreich ans irrt Elsaß verbrei­ten Hetzposttarte sieht man deirFranzeesch Döjl", derr anzösischen Vogel, die Forts von Straßbnrg bedrohen, ährend ihm die elsässischen Bauern zujauchzen.

Was ist aus all diesen Träumen urrd dieser Ruhmredig- it geworden! Die Bombenwürfe der französischen Flieger iben uns nirgends Schaden getan. Dagegen hat die Anf- ärnngsarbeit unserer Flieger die Franzosen in schwerere öte gebracht, als sie selbst ahnen. Die französischen Flieger I Uten ans Angst vor unseren Geschossen ihren Kurs 2000 | teter hoch und höher, von wo es unmöglich ist, sichere I eobachtungen zu machen. Dennoch sind bisher auf dem in I rage kommenden Teile des Kriegsschauplatzes schon fünf I anzösische Flieger abgeschossen worden, darunter der be- ! chmte Carros, der einen Schuß mitten in den Motor be- | ut, so daß man im Nu ein Flammenmeer irt den Lüften

Lin unbekannter vekenntnisbrief Alexander von Humboldt?.

Im Besitz eines angesehenen Deutsch-Amerikaners Har- 4 F. Bollman befand sich ein umfangreicher und bedeut- mer Brief, den Alexander v. Humboldt 1799 an seinen heim Ludwig Bollmann geschrieben hat. Nach Bollmans ode kam dieses ivichlige Schreiben in das Carnegie-Museum, rd dessen Direktor W. I. Holland veröffentlicht es nun im niesten Heft der bei der Dentscherr Verlags-Anstalt in tuttgart erscheinenden Deutschen Revue. Aus Cumana in üdamerika berichtet Humboldt vom 15. Oktober 1799 dem üherrn Hamburger Stndiengenossen Genaueres über seine chicksale und seine großen wissenschaftlichen Reisen:

Ich habe bald des Bergbaus wegen, balb einem Gesandten politischen Geschäften folgend, den gröberen Teil von Europa ehrmals durchstreift: Frankreich, England. Holland, Italien, ufat, Ungarn Im Besitz eines ansehnlichen Vermögens nach dem ade meiner Mutter habe ich meine Stelle in preußischen Diensten ^gegeben, um als Privatmann und als Bürger eines Staates, m besten Freibcit Nur damals träumten, halb wachend oft iroch I öuml, ein menschliches, freies, hllfreich, nützliches Leben zu führen, ch brachte das letzte Jahr in Frankreich zu, wo ick aus das Lieb- > :chstc ausgenommen, im Begriff meinem Freunde, dem General cssair, nach Oberägvvten zu folgen, von dem Direktorium zu re Reise um die Welt unter dem Eavtain Baudin berufen rrd. Mit dm Zurüstungm zu einer fünsjährigen Reise bcschäi- rt, stöttc ein durch die gleiche Unmoralität der republikanischen id monarchischen Verfassungen erregter, blutiger Krieg alle meine i iäoe. Ich blieb 2 Atonale in Marseille, um mich nach Algier rzuschissen uird von dott mit dm Karawanm nach Aegypten zu istn. Sie roisseu, welche Greuel unter englischem Einfluß tn_ Al- I er «usgeübt mürben. Mein Genius Hot nnch von der berberischen ästc^hgehalten. Die schwedische Fregatte, die mich abholen sollte, ug unter. Entschlossen, meine Jugenbjaüre tätig zuzubttngm und . gierig, Europa auf viele Jahre zu verlassm, begab ich mich mit ! m großen Vorrat gesammelter Instrumente nach Madrid, wo ich | uh perKntichc Zuueignnq des Königs, durch Bekanntschaft mit ! m dort herrschenden 27iährigeu Mnister eine Erlaubnis sonder i Erspiel erlangt habe - alle erstunlichm physikalstchen, natur- ! storijchm Untersuchungen in dm svantschm Kolonien anzustei- I n. Mein Plan ist die hiesige Küste, die Kavuziuer-Mistionm I n Guarapiche und rm Paria (von wo ich eben zurückkomme:, I n Orinocv, Kuba. Mexiko, Quito und dann eutweder Phi- iwm und Cap de buon esperanca oder Buenos Aires. Dieses \ weruehmm ist für einen Privatmann etwas groß, aber einem

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

In dem wicdergenwnnenen Allenstcin.

Allen sie in, 3. Sept.

Ueber die militärische Lage ist zunächst nichts zu sagen. Die Narew-Armee ist v>-ereichtet, bei Neidenburg ein unkluger letzter Widerstand der Rüsten völlig gebrochen, unsere Truppen sind bereit, die noch bleibenden russischen Korps anzrrgreifen, sobald sie zu faffey sind.

Der moralstche Eindruck des Sieges wird dem militäri­schen nicht nachstehen. Ostpreußen atmet auf, und es war ein rührender Anblick, in den kleinen, halbvrrlast-cnen ost- preußischen Städten die Lichter aufflammen zu sehen in den Fenstern und in den ernsten Augen der Bewohner.

Immer werden noch Gefangene aus den Wäldern bei Neidenburg, aber auch sonst aus fast -allen Teilen des rie­sigen, unübersichtlichen und- stark welligen Schlachtfeldes gebracht. Man wird mit der Säuberung jetzt sehr energisth und schnell Vorgehen, da von den versprengten Trupps auf unsere Offiziers-Autos geschossen wurde. Die letzten eürge- brachten russischen Wrnufchaftcn befinden sich allmähilich in der Lage der russischen Wagenparks), von denen die amtliche Meldung erklärte, daß er in heillosem Zustande erbeutet worden wäre. Was ich an Beutewagen sah, hätte allerdings selten ein ganzes Stück, immer hm, sie fuhren noch. Air ihrem Aussehen waren die Russen kaum Schuld, die deutschen Granaten hatten garrze -Arbeit gemacht. An­ders war es mit den Beutepferden, die ich auf den hiesigen Kasernenhöfen zu Hunderten besichtigte. Eine Kavallerie, die dcrarttg mit ihren Pferden umgeht, kann nichts wert sein. Die Kosakengäule, die ja weder Pflege noch besonderes Futter verlangen, sahen noch am erträglichsten aus. Die Pferde der Heereskavallerie aber waren sichtlich weder gefüttert noch irgendwie gepflegt worden. Es waren Bilder zum Erbarmen, wie das teilweste vorzügliche Ma­terial in der gemeinsten Weise zugrunde ^gerichtet worden war. Selbstverständlich, Pferde nach der Schlacht sind mei­stens kein erffeulicher Anblick, wie viel weniger noch nach der Vernichtung einer -Armee, aber derartig geschwollene Widerriste, wie man sie hier ausnahmslos sehen konnte, zeigen, daß die Mannschaften^vom Satteln nur soviel zu verstehen scheinen, daß der Sattel aus dem Rücken und nicht auf dem Bauch zu befestigen ist. Das lebendige Ver­hältnis zwischen Pferd und Mann, wie es jeder deutsche

großen Plane unterliegen ist nicht Schande. Welch glückliche Tage habe ich in Teneriffa, wo ich den Pir bestieg, welche in den tau­sendjährigen Wäldern dieser Gebirgskette zugebracht! Und doch bin ich erst seit dem Juli in diesem Weltteil. Eine größere, üppigere, wunderbarere Natur ist kaum denkbar, aber die Menschen . . . Ein sehr geschickter Naturalist, auch zur verfehlten Reise um die Welt bestimmt, begleitet mich. Dieser Umstand und die gute Auf­nahme, welche mir die königlichen Empsehlungen vestchasieu, machen manches erträglich. Wer so geläufig ich auch spanisch rede, so sehr ich auch die Biederkeit des spanischen Charakters zu schätzen weiß, so ist ein freidenkendes deutsches Gemüt auf spanischem Boden doch in sich eingeengt und vergraben."

In einem Nachwort spricht sich dann Humboldt noch in interessanter Weise über die durch die Revolution in Frankreich geschaffenen Zustände aus:Der Zustand, ich meine der sittliche Zustand von Europa, war, als ich es verließ (ich verließ Frankreich im Dezember 98, Coruna den 4. Juni) fürchterlich. Ein fühlender Mensch wußte nicht, ob er die mehr verachten sollte, die dem menschlichen Geiste Fesseln anlegen, oder den Haufen derer, welche im Besitz der Freiheit sie mit Gleichgültigkeit von sich stoßen. Ich unter­scheide Individuen von den Massen, aber als Masse betrach­tet, ist republikanische Denkart jetzt in Frankreich ebenso viel als in China oder Jndostan. Wer dies Land 4789 sah und der Geschichte der Revolution gefolgt ist, hat davon kaum einen Begriff, und bei einem Pollsfeste, wo das Volk die Sinnbilder der Freiheit zu verhöhnen zusammengckommen scheint, sagte Sieyss mit Recht die fürchterlichen Worte: Freiheit diesem Volke, nein, ein goldnes Kalb! So ist es jetzt, aber es wird nicht immer so sein und die Abschaffung dös Feudalsystems, das geheiligte Recht der Gleichheit wird die Menschen glücklicher und besser machen."

Die Erhaltung des schiefen Turms von Pisa. Die Untersuchungen, hie infolge der Befürchtungen für das Schicksal des berühnrteu schieren Turms in Pisa m letzter Zell vorgeuommen worden sind, haben zu einem gewisse:: Ab­schluß und zu .Maßregeln gesühtt, durch die die ^Haltung des Bauwerkes gesichert scheüll. Man weiß bekanntlich nicht genau, ob der Turm, den ber Pisaner Architekt Bonnano errichtete, im Jahre 1174 so geplant worden ist, wie er im 14. Jahrhundert von Tomaso oollendet wurde. Es ist jedoch im höckstteu Grade wahstchemlich, daß er wie alle Türme ursprünglich sich senk­recht vom Erdboden erheben sollte und daß eine unvorhecgeselrene Serrhrng des Erdbebens eintrat, di« ihm di« jchiesc Haltung gab.

Kavallerist als selbstverständlich auffaßt, tann hier niemals bestanden haben. Eine Kavallerie, die mit solchen Schin­dern reitet, ist, :mc es sich ja auch überall gezeigt hat, unfähig. Sie weiß nichts vom Rcitcrgcist und weiß des halb auch nichts vom Feinde.

Man hatte uns gesagt, daß sich die Russen in Mlen- stein gut bcnonrmcn hätten. Man kann sich leicht davon überzeugen. Es scheint in der Tat keinerlei Plünderung vorgekommen zu sein. Die meisten Läden sind geschlossen, aber stündlich kommet die Inhaber zurück urrd finden alles beim Alten. Die Rüsten haben alle Lebensmittel bezahlt. Eine der wenigen Spuren von Zerstörung sah ich arn Marktplatz. An einem Geschäft dort war eine Gewehr- kugcl durch die Scheiben gegangen urtb hatte ein Loch ge­schlagen, ohne die übrige Scherbe zn zerstören. Es kann aber auch einer der Schüsse gewesen sein, mit denen die einziehenden Deutschen die letzten ans dern Markt ver­sprengten Ruffen erledigten.

Nun ziehen unaufhörlich deutsche Truppen durch die Stadt. Allenstein ist ein Heerlager. Die Geschäfte, die Lebensmittel führen, werden völlig ausgekaust. Alle .Häu­ser sind voll von Offizieren und Soldaten. Die Kolonnen stauben auf allen Wegen in unabsehbaren Reihen, dazwischen kreischen die Generalskabsantos, und Kavallerie drückt sich durch.

Viele, die durch den Krieg bisher schwer gelitten haben, werden jetzt schmr enffch-ädigt, wenrr sie die Ruhe hatten, nicht zu fliehen. Demi die Läden, die geöffnet sind, ver kaufen rasend. Ein letzter pl>vtographischer Ilpparat wurde zum Beispiel schließlich meistbietend versteigert. Und es gibt noch allerlei andere Gegenstände, die marr in den rus­sisch-polnischen Dörfern wahrscheinlich nicht wird kaufen können. Allenftein ist vermutlich, natürlich- nur vermut­lich, die letzte größere Stadt für die meisten Offiziere.

Insektenpulver ist aber nicht mehr zn haben.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Die Bekämpfung der Typhus im Unege.

Dank der Mustergültigen Sanitätseimichkungen unseres Heeres sind die deutschar Truppen von der fmchtbarsten aller Kriegs- scnchen, dem Typhus, bisher verschont geblieben, und sie werben es auch in Zukunft bleiben -daraus kann man mit der größte. Zuversicht bauen. Bei unserem Gegner wird es in dieser Be­ziehung nicht so günstig ansschen, denn in Frankreich wie in Rußland ist schon zu Friedenszeiten der -Typhus nenn- bis zwölf­mal so häufig wie bei uns, -rrsahrnngsgemäß begümtigt der Kticg seim lAnsbreitung, und die Art, tmc man ihn irrt Frieden be­kämpft, ist im Kriege nicht durchführbar. Wie man den Typhus bekriegt, teilt dieJirternationale Alonatsschrist für Wissenschaft, Krmsr und Techmß' durch die Wiedergabe eines Bottragcs von W. Foruet. Man kann zwei Arten der Typhusbckämpsu-ng unterscheiden: die eine, in Friedenszeiten übliche, sucht alle mit Typh-usbazillen behastetm Menschen eines Krankheitsgebretes aus sindig zu machen, um die Gesunden vor der Ansteckung zu schützen: die andere Art, die für die Heeressäulen und die »triegszeit in Frage kommt, beruht auf einer Immunisierung. Der Typhus gehört nämlich zu den Krankheiten, deren einmaliges Ueberstchcn den Wiedergenesenen vor einer zweiten Erkrankung am Typhus schützt. Durch Impfung mit Schntzstosferr läßt sich diese Jmmu- jierung künsllich erzeugen. Zuerst haben Pfeiserkolle und Wrigth abgetötete Typhusbazillcn zum schütze bei Gesundeu eingsipritzt, und zum erstenmale ist dieses Verfahren bei uns in Lüdwcst- asrika in großenr Maßstabc zur Anwendung gelangt.

Die Erkrankung am Typhus ging bei den Truppen

erheblich zurück, allein das Verfahren ist nicht frei

von unangenehmen Nebenerscheinungen. Einen Fortschritt bedeut-ete es, als Besradka sind andere fanden, daß man) anch lebende Typhusbazillen als Schutzstoff einsptttzen könne, wenn man ihre Wirksamkeit durch Zusatz von Typhusserum vorher abgeschwächt hat. Mit dies-em -Äesradkaschen Typhusimpsitoffe sind in den letzten Jahren viele Tausende geimpft worden, bisher ist davon keiner am Typhus erkrankt, und in keinem Falle ist es zu Entzündungen, Eiterungen oder ähnlichen unangenehmen Nebenerscheinungen ge­kommen. Bei Massenimpfungen wäre es aber zu gefährlich, le-

dnrch die er dann zu einer Weltberühmtheit gewordeir ist. Der Winkel, den die Ächst des Turmes nüt denr Horizonte bildet, ist in den Jahren 1817, 1859 und letzthin im Jahre 1911 durch eine von der üalienischen Regierung ernannte wissenschaftliche Kommission genau artsgemessen tvorden. Dabei ergab sich, daß der Ueberhang seines siebenten Gesimses über dem ersten im Jahre 1817 bereits 2,868 Meter betrug: 1859 war er auf

3,063 Meter vergrößett, aber seitdem hat er bis 1911 nur um 7 Zentimeter zugcnommen. Die üalienischc Kommission hat da­mals zahlreiche Maßpunkte angebracht, dnrck: die es möglich war, sestzustellcn, daß die Neigung des Turmes in der ganzen letzten Zeit nur ganz wenig größer geworden ist. Nach zahlreichen Unter­suchungen kannte man seststellen, daß die Neigung einer stän­digen Bodensenkung, die die Folge einer unterirdischen Wasser­ader ist, zugeschrieben werdm nuiß, und so schickt man sich an, die Gefahr zn .beseitigen, indem man diese:: Wasserlauf durch Zement ausfüllt. Alles berechtigt daher zu der Hoffnung, daß in der Zukunft der Turm von Pisa sich nicht mehr stärker neigen wird, als es gegenwärtig der Fall ist.

Neue Ingen da rbeiten Albrecht Dürers, lieber die Jugend- und Wanderzeü Dürers sind wir noch immer so lückenhaft unterrichtet, daß jede neue Tatsache die größte Auf­merksamkeit verdient, um die Entwicklung unseres deutsche:: Groß­meisters wetter zn erhellen. In einem Wfsatz der von Prof. Georg Biermann herausgegebenen Monatshefte für Kunstwissenschast macht nun Engelbert Baumeister auf ein amMittwoch vor St. Lucien Tag", den l l. Dezember l 493 im Verlage von Niederer in Freiburg i. B. mchienencs Werk über Rhewnk aufmerksam. Treies Buch ist mit einigen Holzschrttttcn geziert, von denen zwei die Eigenart des jungen Dürer deutlich erkennen lassen. Schon das Ver- legcrzeichen weüt in der Gestalt der Wavvenlmltern, cm: eine Studie Dürers aus dem Jahre 1494 hin. Die Figur ist eine freie Verarbeitung derFrau im Schlevvkleid". Tie beid>m Engel dieses Blattes stimmen säst völlig mit der Zeichnung im Lorivre Madonna imterm Zelt" überein. Der andere HolzschnittDer Sturz des Dädalus" ist so außerordenllick: irisch und lebensvoll gehalten, daß man nur in Dürer den Itrh ber erblulen kann. Technisch stehen die Holzschnitte denen der Wukallivsc nube. aicic beiden Arbeiten, die wenn auch als kerne großen Krmitleytungen, so doch immerhin als Zeugnisse von Dürers ^ngend>a>a:ien wichtig sind, setzen cmen A u f e n t b a I t Dürers r n r e r - burgi.B. voraus. Der funae Künstler war au: >emer Wander­schaft 1492 nach Basel gegangen und br-gab sich 1494 von Straß- burg nach Hause. Es -ist wahri'chemlich, dch; er auf der Reise von Basel nach Straßburg eine kurze Zeit in Freiburg blieb urrd die günstige Gelegeirbint zum Geldverdienen, die sich durch den Verlag von Niederer bol, gern ausnutzte.