Alrche und Schule.
Die Krönung Benedikts XV.
Rom, 6. Sept. (WDB. Nichtamtlich.) In der Sixtinischen Kapelle fand heute vormittag die feierliche Krönung des Papstes statt. Das beim Heiligen Stuhle beglaubigte diplomatische Korps, viele Vertreter von Souveränen, solche des Maltheserordens, des Ordens vom Heiligen Grabe sowie des römischen Patriziats und Abordnungen der Diözesen Genua, Pegli und Bologna sowie die Brüder und die Schwe- ster des Papstes wohnten der Feier bei.
Au» Stadt und (onfti
©ie&en, 7. September 1914. bi ne Bitte der Feldpost an die Zurückgebliebenen!
Bon einem höheren Feldpostbeamten wird uns geschrieben :
Die Beschwerden über die „langsam arbeitende Feldpost" sind durchaus unbegründet. Die Feldpost arbeitet in diesem grossen Kriege mit Aufbietung aller Kräfte, was sie tut, wird erst später dankbar anerkannt werden. Die Verhältnisse in diesem Kriege sind aber gegen die Feldpost. Zunächst ist das Publikum schuld, daß sich bei den Sammelstellen für die Feldpost, bei den Feldpostämtern, so viele unbestellbare Sendungen einfinden. Fast keine Fcld- poslkartc ist vorschriftsmäßig ausgefüllt. Ein Beispiel für viele: „Musketier Lehmann, wahrscheinlich 5. Division, Kriegsschauplatz Frankreich." Nun soll die Feldpost den Adressaten suchen. Teilweise sind die Adressen unleserlich, miichestens aber ungenau. — Solange die Truppen aufmarschierten, konnte die Post an das Heer nicht bestellt werden, es sammelten sich in dieser Zeit schon Hunderttausende von Sendungen an, was nur daraus zu erklären ist. daß die Angehörigen sofort und täglich schreiben. Es muß gefordert werden, daß im allgemeinen aus der Heimat nur einmal wöchentlich geschrieben wird und daß die Adressen richtig ansgefüllt werden. Sonst wächst der Feldpost die Arbeit über den Kopf. Bier- und Ulkkartcn an die Soldaten sollten ganz unterbleiben. Der Uncingeweihtemacht sich kein Bild, wie schwierig die Arbeit der Feldpost ist. Es müssen genaue Listen über Truppenbewegungen geführt werden. Ost trifft die Feldpost die Truppe nicht nrehr an, denn in diesem Feldzuge marschieren die Truppen, daß keine Feldpost folgen kann. Am Bestimmungsort erfährt die Feldpost oft nicht den neuen Unterkunftsort oder ein Teil einer Truppe begleitet einen Transport in die Heimat. Die Sendungen werden an die nächste Etappe zurückgesandt. So kommt es oft, daß Briefe wochenlang umherirrcn. Kein Krieg hat der Feldpost solche Schwierigkeiten bereitet ivie dieser. Es gibt keinen Halt vor Festungen, ohne Aufenthalt gehen die Truppen weiter. Erst kommen Munitions- und Lebcnsmittelbagagen, dann erst die Feldpost.
Schließlich noch eine Bitte: Man sende nicht zu viel Zigarren- und Schokoladenbriefe, keine zu dicken Briese, die fast schon Pakete sind. Es handelt sich draußen um M illio neu von Streitern, die Feldpost kann unmöglich ganze Eisenbahnwagen solcher Briefe bestellen Unsere Truppen leiden keine Not, im Westen erhalten sie alle Bedürfnisse geliefert, auch Zigarren und Tabak. Man tut besser, Liebesgaben den Truppenteilen zu überweisen, die die Verteilung selbst vornehmen. Die Feldpost soll in erster Linie dem Nachrichtcnverkehr dienen, ihn aufrecht zu erhalten, ist schon schwierig. Darum nicht so viele WO-Gramm-Briesc an die Feldtruppen, die diese Sendungen, wie die Dinge einmal liegen, vorläufig nicht erhalten können.
Wie amtlich mitgetM wird, ist am 1. 'September in Frankreich ein Lastauto mit zahlreichen Postsäcken in Brand geraten. Es wird vermutet, daß der Brand durch Sendungen entstanden ist, die Zündhölzclwn enthielten. Es wird daher dringend ersucht, Zündwaren nicht zu versenden. Sie können durch Sturz, Reibung, Luftdruck usw. sich entzünden und für die im Felde stehenden Truppen Schaden anrichten.
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Die Freilichtbühne in Kricgszeiten.
Eine eigenartige Freude wurde am Sonntag den im Siechen- haus untergebrachtcn Verwundeten beredet, die einer Notiz vom vorigen Samstag zufolge „etrvas stiefmütterlich bebandclt werden". Um 2 Uhr versammelten sie sich auf der Waldbühne, wv sic in einer kurzen Ansprache als „liebe, junge Freunde" willkommen gedeihen wnrdcn, die auf dem Felde der Ehre mit dem Erp- feind die Waffen gekreuzt und dort ihr Lieben in die Schanzen geschlagen hätten. Die Begrüßungsworte schlossen mit einem drei- fadjnt Hoch auf das Vaterland, insbesondere auf das ruhmreiche deutsche Heer uird seinen obersten Kriegsherrn, S. M. den Kaiser. Dann folgten Borträge einer Reihe von Gedichten und Prosastücken ernsten und heiteren Inhalts, die zum Teil Bezug auf die Gegenwattsereigniye nahmen. Einige Damen und Herren hatten in dankenswerter Weise ihre Kunst in den Dienst der vaterländischen Sache gestellt. Der ihnen gezollte herzliche Beifall legte ein beredtes Zeugnis ab für den Widerhall, den die Darbietungen bei den andächtigen dankbaren Hörern gefunden hatten. — Herz und Gemüt kamen so auf ihre Kosten, nicht minder — der Magen: Luchen, Knchcn und nochniols Kucken, Kuchen in allen Gestatten, Farben und Abarten. Fm Nu waren alle Tische des einen Blockhauses mit leckeren Kuchen belegt, im nächsten „Nu" waren sic verschwunden, ckber — sieh da! — im dritten „Nu" waren sie wieder dutzendweis hiugezanbert usw. uiw.. ein beständiger Wcckx sel von Sein und Nichtsein, ein Schulbeispiel für die Unbeständigkeit alles Sckwnen und Guten. Ter Kaffee, den die Siechcnanstalt bereitwilligst zur Verfügung gestellt hatte, war ein würdiger Partner zu den Leckerbissen und den Zigarren, die von zarten Händen verabreicht wurden. Die vergnügten Gäste ließen es sich nicht nehmen, zwischendurch ihre Lieblingslicder zu schmettern, und einer unter ihnen, Herr SRI, der sich als beneidenswerter Gelegenhefts- rcdner cntpuovte — kein Wunder, ist er doch mit „Kölsch Wasser" getauft — dankte den Spender», insonderheit aber den Damen für dos Gebotene und bediente sich hierbei nicht unwitzig eines Wortspiels, insofern er meinte, daß heute die Damen das starke, und sie. die Verwundeten, das sckpvact>e Geschlecht seien: zum Schluß fordert? er seine Kameraden aus, möglichst ordnungsmäßig nach dem Siechenhaus zurückzugehen, damit sie „recht bald wieder ein- geladen" würden. — So etwas läßt sich die Frellicht-Bühnc nicht zweimal sagen: diese hat die Absicht, nächsten Donnerstag von 3 bis 5 Uhr eine ähnliche Veranstaltung wie die gestrige zu bieten. Die Sitzplätze sind für die Verwundeten bestimmt, das „Zivil", das den musikalisch«» und rezttatorischcn Vorträgen zuhören möchte, muß, da es in Kricgszeiten im Vergleich zum „Militär" selbstredend eine untergeordnete Rolle spielt, nrit Stehplätzen — natürlich bei freiem Eintritt — fürlieh nehmen,
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" Ernennung. Die ©roßherzoqin bat den außer- etatSmätzigen außerordentlichen Professor Dr.-Jng. Waldemar
Petersen zum ordentlichen Honorarprofessor an der Tech- iiischen Hochschule in Tarmstadt ernannt.
'• Ordensverleihung. Die Grobherzogin hat dein evangelischen Pfarrer Kirchcnrat Karl Strack zu Leihgestern anläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großinütigen verliehen.
" Das Ehrenzeichen für Mitglieder frei- ivilligcr Feuerwehren wurde verliehen an Wilhelm Berg HL in Butzbach.
" Ruhestands-Versetzung. Der Grob Herzog hat den Kaffenvorslebcr in der Hessisch-Prcubischcn Eisenbahn- gemeinschaft Christian Rapp z» Betzdorf auf sein Nachsiichen in den Niiheüand versetzt und »hin das Ritterkreuz 2 . Klaffe des Verdienstordens Philipps des Grob>n>>tigen verliehen.
' Aus dem Schuldienst. lieb ertragen wurde dem Lehrer Friedrich Eberle zu Michelnau, Kreis Büdingen, eine Lehrcrstclle an der Volksschule zu Langen, Kr. Offcnbach.
** Arbeiter-Fahrkarten. Die Kgl. Eisenbahndirektion teilt uns mit: Der jetzige Gcschästsgang in zahlreickwn industriellen und gewerblichen Unternehmungen hat Betricbscinschränkungcn und Einlegung von Feierschichten zur Folge gehabt, die es den Arbeitern vielfach unmöglich machen, die Arbeitcrkartcn in der bisherigen Weise zu benutzen. Um dieser Sachlage Rechnung zu tragen, haben wir folgende Erleichterungen ungeordnet: 1. Anstelle von Arbcitccw ochc »karten, die nur an 6 auscinander- solgcnden Arbeitstagen zwischen Wohnort und Arbeitsstelle gelten, können auf Wunsch für die Dauer von Betricbscinschiäiikungcn usw. Arbeiterrückfahrkarten vcrabsolgt werden. Für die Ausgabe dieser Karten ist die Bescheinigung des Arbeitgebers cr- sorderlich, daß die Arbeit an bestimmt zu bezeichnenden Tagen der Woche ruht. 2. Für Arbeiterrückfahrkarten, die bestimmungsgemäß nur: as am Tage nach einem Sonn- oder Festtage zur Fahrt vom Wohnort nach der Arbettsstelle oder b> ani Tage vor einem Sonn- und Festtage zur Fahrt von der Arbeitsstelle nach dem Wohnort gelöst werden dürsen, kann die Lösung und Benutzung auch an anderen als den vorgenannten Tagen gestattet werden. Auch hier ist die Bescheinigung des Arbeitgebers nöttg, an welchen Tagen der Woche die Arbeit ruht. Anträge ans Zulassung der Lösung und Benutzung von Arbeiterkarten sind an das zuständige Verkehrsamt (Frankfurt, Gießen, Limburg, Fulda' zu richten.
** Für die notleidend e Bevölkerung in Ostpreußen nimmt auch die Mitteldeutsche Creditbank hier Gaben entgegen.
** D i e Beschränkungen des Postverkehrs mit der Rhein Pfalz sind aufgehoben. Demnach werden ver- ichlossenc Postsendungen jeder Art, insbesondere auch Pakete, für Orte in der Rheinpfalz bei den Reichspostanstalten zur Besörderung wieder angenommen.
** Quetschckuche". Die Gemeinde Waldgirmes hat in den letzten Tagen für die Verwundeten des Reservelazaretts in Wetzlar 100 Zwetschenkuchen geschickt. Diese Sendung hat die größte Freude hervorgerusen. Doch hat die Lazarettleitung gebeten, etwaige weitere Kuchensendnngen vorher anzumeldcn, damit nicht an einem Tage zu viel, an einem anderen unter Umständen gar nichts da ist.
Kreis Bübingen.
t. AusdemKrciseBüdingen,6. Sept. Die Gemeind« B i n d s a ch s e n sca. 500 Einwohners im Kreise Büdingen brachte durch freiwillige Gaben zusammen: 1 Zentner Schinken und Wurstwaren, 176 Liter Milch, 57 große Laib Brot, zirka 1000 gekochte Eier, eine große Portton Wecke, Würfelzucker, Aepsel, Himbeersaft und Limonade. Die Gaben wurden in 2 Wagen nach Station Salmünster gebracht, um an die dort durchfahrenden Soldaten verteilt zu werden.
Kreis Friedbcrg.
L. Friedberg, 5. Sept. Heute machten 5 Oberprimaner ihre Maturitätsprüfung und eine Oberprimanerin. Mle 6 izaben bestanden.
w. Bad-Nauheim, 6. Sept. Der Bade-Betrieb, Badekur und Trinkkur werden in der bisherigen Weise fortgesetzt, auch stehen alle anderen Kurmittel zur Verfügung. Zahlreiche Hotels und Pensionen bleiben den ganzen Winter über geöffnet. An Kurabgaben werden statt 25 Mk. nur 10 Mck, für jede weitere Person nur 5 Mk. erhoben.
Starkcnburg und Rheiuhcssen.
rm. D armstadt, 6. .Sept. Weitere französische Kriegsbeute traf gestern uird heute hier ein. Während am Samstag ein Sonderzug mit über 20 Wagen außer vier franzö- sischen Geschützen, 1 Automobil, zahlreichen Protzen auch große Mengen von Geschossen, aller Art für Infanterie und Artillerie, Schrapnells usw., ganze Wagen mit Geschirren und allem möglichen Matettal brachte, kamen heute wieder cttva 15 Geschütze mit Protzen und weiterer Munition aller Art an. Alles wurde im Artilleriedcpot untergebracht.
ch. Ans R h e i n h c s s e n , 4. Sept. Die Aussichten für den kommenden Herbst haben sich in der letzten Zeit btt günstiger Witterung gebessert. Der Stand der Wttnberge und der Reben ist, obwohl säst keine Arbeiten vorgenommen werden konnten, recht zufriedenstellend. Die Trauben sind mttst ausgewachsen. Die Frühburgundcrtraubcn sind schon schwarz, wälwend die Färbung der Portugicsertraubcn noch ttnige Zeit in Anspruch nehmen wird. In den besseren und besten Lagen, besonders aber in Weinbergen mit leichteren Böden sind die wttßen Traubensorten bereits ivcich.
Kreis Wetzlar.
w. Wetzlar, 6. Sept. Ter Bürgermeister hat den Höchstpreis für K a r t o f f e l n aus 5 Pfennig das Pfund, im Zenttrer 4,50 Mk. festgesetzt. Darüber hinausgchende Forderungen werden mit Geldstrafen bis 3000 Mk. oder mit Gefängnis bis zu >/, Jahr bestraft. Unter Umständen wird die Verkaufsstelle geschlossen, uno der Vorrat zum festgesetzten Höchstpreise übernommen. Dieser Prtts ist durch Anschlag an jedermann sichtbarer Stelle im Verkaufsräume bekannt zu geben. Die Marktpreise für das Pfund Butter sind auf 1,10 bis 1,20 Mk., für Eier auf 9 Pfg. das Stück festgesetzt. Das Publikum wird gebeten, dem Bürgermeister von jeder höheren Prcissorderung Kenntnis zu geben.
Hessen-Nassau.
A Marburg, 5. Sept. Ju einer heute unter dem Vorsitze des Kgl. Landrats von Loewenstcin im Fürstenhaus abgehaltenen dringlichen Sitzung des Kreistages für den Kreis Marburg wurde einstimmig beschlossen, zur Unterstützung der Familien der in den Militärdienst getretenen Mannschaften ttn Darlehen in Höhe von 200 000 Mark aufzunehmen,
h. Frankfurt». M., 7. Sept. Der Monumentalbau des neuen Polizeipräsidiums am Hohenzvllernplatz wurde heute sttuer Bestimmung übergeben. Der gewaltige Gebäudekomplex erhebt sich aus einer Grundftäche von Il5 000 Quadratmeter und ist das rnnfangrttchste Bauwerk Frankftirts. Er umschließ! bei einer Straßenfront von 105 Metern und inner Tiefe von 90 Metern drei große Lichthöie. Die gewaltige Länge des aus dem Erdgeschoß und drtt Stocttoecken bestehenden Baus wird durch die Dachkonstruktion und den 45 Meter Hohen Turn: in geschickter Werse ausgeglichen. Außer verschiedenen Wohnuugcn für Beamte, Nebenräumen und Sitzungssälen enthält da« neue Präsidium etwa 900 Räume für Bureauzwecke. Die Ausführung der Gebäude gruppe ettorderte etwa zwei Jahre und lag in den Händen des Regierungsbaumeisters P l i n k e.
WTB. Eronberg, 5. Sevt. 'Nichtamtlich.) Prinz Friedrich von Helsen, der ältebe Sohn des Prinzen Friedrich Karl von Helsen, der mit de» H n » a u e r U l a n c n als Leutnant in de» Krieg zog, ist in Frankreich durch eine» Brustschutz verwundet worden. Sein Beftuden ist den Umständen »ach gut.
! Hanau, 4. Sept. Zur Unterstützung von Hanauer Familien der zum Heeresdienst ttngettetenen Mannschaften hat Fa
brikant Dr. Heracus 10 000 Mk. gestiftet. Wtttere ansehnliche Beiträge sind in großer Zahl ttngcgangen. Der Opiersinn ist auch hier in Hanau erhebend.
Amtlicher Wette rberiäuV
Wctteraussichten in Hessen am Dienstag, den 3. Sept. 1914: Zunehmende Bewölkung, doch »och meist heiter uuv trocken, südwestliche Winde.
Letzte Nachrichten.
Dir Einmütigkeit des Reichstags.
WTB. Berlin, 6. Sept. (Amtlich.) Zu unserer gestrigen Meldung von einer Besprechung zwischen Bertreteril verschiedener Parteien des Reichstages über die Ergänzung unserer Seerüstungen ist folgendes zu bemerken:
Die über diese Besprechung gemachten Mitteilungen lassen in erftculicher Teutlichkttt tteu festen Willen erkennen, mit der Deutschen Regierung in diesem Kriege aus- z u h a l t e n bis zum letzten und ihr alle, zu einer erfolgreichen Beendigung des Kampfes erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Angesichts der erhebenden Einmütigkeit, mit welcher der Reichstag am 4. August alle sttne Beschlüsse gefaßt bot. muß aber angenommen werden, daß es sich hier uni ttue Besprechung gehandelt hat, welche eine gemeinschaftliche Attion aller Parttten vorbereiten soll. Selbstverständlich werden die Verbündeten Regierungen, sowttt sic zur Fortführung des Krieges etwa noch weiterer gesetzlicher Vollmachten bedürfen sollten, was sich beute noch nicht übettelten läßt, es nicht unterlassen, dem Rttck)s- tag die erforderlichen Vorlagen zu machen.
Der Angriff auf Nancy.
Berlin, 7. Sept. Im „Lokalanzeiger" heißt es zu den neuen Meldungen vom westlichen Kriegsschauplatz: Der Angriff der deutschen Truppen auf Nancy ist die beste Antwort auf die Prahlerei Clcmcnceaus, daß es dem General Josfre gelungen sei, die Deutsche Armee zwischen Nancy und Paris einzuklemmen. Die „Krcuzzcitung" hält den Fall von Nancy für wichtiger, als den von Maubcuge. Nancy habe cine sehr bevorzugte Lage an der Meurthe und am Rhein— Marne-Kanal. Die Anwesenheit des obersten Kriegsherrn der Deutschen lasse darauf schließen, daß man auf die Eroberung der Festung großen Wert lege.
15 englische Fischerboote wcggenommcn.
(WTB.) London, 6. Sept. (Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Das Pressebureau der Admiralität meldet: Ein deutsches Geschwader, bestehend aus zwei Kreuzern und vier Torpedobooten, hat 15 englische Fischerboote mit einer Ladung von Fischen in der Nordsee weggenommen und die Mannschaften und Fischer gefangen nach Wilhelmshaven gebracht.
Der Kampf vor Paris.
Berlin, 7. Sept. Wie das „Berliner Tageblatt" über Genf erfährt, sollen im Norden von Paris kleinere Kavallerie scharmützel stattgeftinden haben. Der Auszug der Pariser nimmt seinen Fortgang.
Die Ahmmgcn der drei stindlichcn Mächte.
Berlin, 7. Sept. Zu der Meldung über die Unterzeichnung einer Erklärung der Mächte des Dreiverbandes, keinen Ernzelfrieden im Laufe dieses Krieges abzusch ließen, sagt die „Vossische Zeitung": Das läßt erkennen,, welch tiefen Eindruck die bisherigen Kriegsereignisse bei allen drei Regierungen hervorgernfen haben, besonders natürlich bei der französischen, von der zweifellos die Anregung zur Errichtung der Friedensbedingungen ausgeigangen ist. — Die „Berliner Neuesten Nachrichten" sagen: England und Rußland scheinen zu befürchten, daß Frankreich unter der Wucht der Niederlagen sich bemüßigt fühlen könnte, so viel von seiner eigenen Haut zu retten, als noch übrig ist. — J>in „Vorwärts" heißt es: Der Beschluß bedeutet die Notwendigkeit, den militärischen Zwang gegen die drei Verbündeten gleichzeitig so ün- ividerstchlich zu gestalten, daß jeder Einzelne zum Frie- densschluß geneigt wird. Daß dadurch der Krieg länger werden kann, als wenn etwa Frankreich allein den Frieden schließen könnte, ist klar. Aber damit mußte von Anfang an gerechnet werden.
WTB. London, 6. Sept. (Nichtamtl.) Der Minister des Aeußcrn und die Botschafter Frankreichs und Rußlands Unterzeichneten heute vormittag im Foreign Office eine Erklärung, welche besagt: Die Unterzeichneten, die von ihren Regierungen regelrecht autorisiert siiHi, geben folgende Erklärung ab: Die Regierungen Großbritanniens, Frankreichs und Rußlands verpflichten sich wechselseitig, keinen Einzelfrieden im Laufe dieses Krieges zu schließen. Die drei Regierungen kommen dahin überein, daß, falls es angebracht sei, den Friedenswortlaut zu diskutieren, keine der verbündeten Mächte Friedensbedingungen festsetzen kann, ohne vorheriges Uebcreinkommen mit jedem der beiden anderen Verbündeten. (Deni Inhalt nach schon durch eine Privatmeldung bekannt.)
Keine Japaner gehen nach Europa.
Berlin, 7. Sept. Laut „Lokalanzeiger" erklärte der japanische Gesandte in Swckholm die Meldung für durchaus salsch, daß Japan Trrwpcn nach Europa senden wolle. Japan habe nicht die Absicht, sttn Heer einer anderen Regierung zur Verfügimg zu stellen, weder in Europa noch anderswo.
Aus Albanien.
(WTB0 Bari, 6. Sept. (Nichtamtlich.) Im Sinne der mit der Stadtvettretung getroffenen Abmachungen sind am Samstag Mn 7*1 Uhr die Rebellen in Dnrazzo eingezogen. Bei der Brücke an der Straße nach Schiak fanden berttls gestern große Ansammlungen aus heu bcidetttttigen, vorher einander feindseligen Lagern statt, welche ^mte vorinittag noch lebhafter wurden. Gegen Mittag setzte sich ein Zug von mehreren tausend Bewaffneten unter Vorantragung der türkischen Fahne von der Brücke gegen die Stadt in Bewegung, wo der Zug um 7-1 Uhr eintraf. Aus dem Konak, wo sich der Mufti von Tirana befand, wurde unter großem Jubel der Anwesenden die türkisch« Flagge herausgehängt und sodann mehrere Ansprachen gehalten. Schließlich erklärte der Mufti von Tirana, der Konak werde nun geschlossen und in diesem Zustande verblttben, bis ein anderer Fürst komme.
Bekanntmachung.
B e t r.: Die Krttskasse Gießen.
Für die Krttskasse Gießen ist bei dem Kaiserliche» Postscheck- amt Frankfurt a. M. das Postscheckkonto Nr. 9377 er- öffnet worden.
Gießen, den 7. September 1914.
Großherzogliches Krttsamt Gießen.
Dr. Usiuger.


