Zuversicht wohl begründet, daß es binnen kur-em gelingen werde, auch die in der Umgebung von Lemberg stehenden Truppenmassen niederziuverfen.
Das ,,F r e in dc u d l a t t" steM fest, hast nunmehr durch die Erfolge der österreichisch-ungarischen Truppen und der deutschen Truppen gegen Rußland und durch die durchschlagenden Erfolge Deutschlands au der Westfront der ge- metnsonie russisch-französische Operationsplanvollständig zu nichtegemacht sei. Die in drei Linien geplante Offensive der Russen — eine gegen Ostpreußen, die zweite gegen Preußen von Russisch-Polen aus, die dritte gegen Galizien — sei gründlich gescheitert.
Tic Norddeutsche Rllgcm. Zeitung über den Lieg der Ocfterreicher.
(WTB.) Berlin, 3. Scpt. (Nichtamtlich.) Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt:
Mitten in den Jubel über den Sieg, der zwischen Reims und Verdun errungen wurde, füllt die Meldung von dem herrlichen Ersolge unserer Verbündeten gegen die Russen. Nach hartnäckigem Ringen ist cs den standhaften und tapferen Truppen Oesterreich-Ungarns gelungen, den Feind zum Weichen zu bringen und ihm schwere Ovicr zuzusügen In großen Mengen mutzten sich die Russen als Gefangene ergeben. Einen dcutlicknm Matzslab für die Größe des Sieges bietet die Anzahl der erbeuteten Geschütze. Unter außerordentlichen Schwierigkeiten lxiben^glänzende Führercigcnschastcn mit staunenswerten Leistungen der Truppen zusammcngcwirkt, um eine gewaltige 'Schlacht gegen den Feind zu führen. In Deutschland wird diese ruhmreiche Wafsentat mit Begeisterung begrüßt werden. Wir beglückwünschen aus tiefstem Herzen den Kaiser und König Franz Joseph zu diesem Tag, der ein weiteres Ruhmesblatt in die glorreiche Geschickte das öster- reichisch-unrarischcn Heeres einsügt. Mit wärmsten Empfindungen gedenken wir auch der heldenhaften Streiter und Führer, die diesen denkwürdigen Sieg erfochten haben.
Die deutsche Hilsstruppen von Skutari.
Wien, 3. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Die deutsche Skutariabteilung ist gestern nacht hier eingetroffen. Auf dem rcichgeschmückten Südbahnhos wurde es von Kriegsminister K r o b a ! i n, Landesvcrtcidigungsminister G e o r g i und anderen militärischen Würdenträgern, sowie vom Minister des Innern D e i n v l d, dem Bürgermeister Weitzkirchner und Vertretern der deutschen Vereine erwartet. Auch der deutsche Botschafter v. Tschirschky und Bögendvrft mit seiner Tochter und Botschaftsrat Prinz Stolberg-Wernigerodc waren anwesend. Aut dem Bahnsteig war eine Kompagnie Infanterie mit Rcgiments- musik ausgestellt, welche, als der Zug einsuhr, „Heil dir im Siegerkranz" onstimmtc Bürgermeister Weitzkirchner begrüßte die Vertreter der verbündeten Armee hcrzlichst, woraus Major Schneider die Offiziere der Abteilung vorstellte. Der Kriegsminister hielt daraus an die Truppe eine Ansprache, worin er die Waffenbrüderschaft der beiden Armeen bewnte. und den deutschen Soldaten für die heldenhafte Unterstützung der österreichisch-ungarischen Kämpfer im Süden dankte. Er überreichte dann den Offizieren die vom Kaiser verliehenen Anszeichmmgen und schloß mit einem Doch aus "die beiden Kaiser. Rach dem Absingen der deutschen und der österreichischen Volksbymne gab Major Schneider seinem Stolze Ausdruck, an der Seite der österreichisch-ungarischen Soldaten gekämpft zu haben, und sprach den Dank für die den Offizieren verliehenen Auszeichnungen aus. Er schloß mit einem dreimaligen Hurra aus Kaiser Franz Joses. Die Soldaten wurden hierauf bewirtet und in die Quarfiere geführt. Das zahlreiche Publikum brachte ihnen stürmische Kundgebungen dar.
Unangebrachte Neugier.
Straßbürg, 3. Septbr. (WB.) Die amtliche „Straßburger Korrespondenz" schreibt: Es ist beobachtet worden, daß Ausflügler versucht haben, nach den im Elsaß und in Lothringen gelegenen Schlachtfeldern vorzndringen. Bor solch« Ausflügen, die überdies nur der Ausfluß einer unter den obwaltenden Umständen unangebrachten Reugrerde find, wird dringend gewarnt, da sich die Teilnehmer der Gefahr einer Festnahme und unter Umständen großen Unannehmlichkeiten aussctzrn. Erlaubnis- oder Passierscheine für Automobile und Räder, die nicht von den zuständigen Militärbehörden ausgestellt find, sind wertlos. Die betreffenden Fahrzeuge werden be, dem Versuch, irach den Schlachtfeldern zu fahren, von Polizeiorganen und militärischen Wachen zurückgewiesen, die Insassen gegebenenfalls fcstgenommen werden. Tie Aneignung von Uniformstücken, Waffen und sonstigen Ansrüstimgsgegenständen. die aus den Schlachtfeldern zurückgeblieben sind, von verschossener Munition, vou Gegenstände des Privateigentums der Gefallenen oder Verwundeten ist streng verboten. Abgesehen davon, daß Zuwiderhandelnde mit Leichenräubern verwechselt werden können und sich der Gefaln anssetzen, erschossen zu werden, bedeutet die Aneignung vou Gegenständen aus dem Schlachtfeld Diebstahl, der mit empfindlichen Strafen bedroht ist.
Ein Zcppelinluftschiff über Antwerpen.
Berlin, 3. Sept. Aus Antwerpen wird über Kopenhagen, bezw. Rotterdam, dem „Berliner Lokalanzeiger" über ein neues Erscheinen unserer braven Zeppelineüber der belgischen Hauptfestung berichtet. Ein Zeppe- linluftfchifs erschien gestern morgen gegen 3 Uhr über der Stadt und erösfnete ein heftiges Bombardement, das großen Schaden stiftete. Es gab viele Tote. DaK Luftschiff wurde mit Gewehren und Kanonen beschossen.
Siegesfeier in Stuttgart.
lW.T.B.) Stuttgart, 3. Sept. (Privattelcqramm.) Als gestern abend die neuerlichen Siege der deutschen Truppen über die Franzosen durch Extrablätter bekannt wurden und später noch die Nachricht von dem Sieg der Oestrrrcicher über die Russen cin- traf, sammelte sich in allen Stadtteilen die Bevölkerung und zog unter llbsingen vaterländischer Lieder nach dem Wilhelmspalais. Eine Musikkapelle begleitete die Menge. Der König erschien am Eingänge und hielt eine Ansprache, die in begeistert ausgenommene Hurras auf unser liebes deutsches Vaterland und die Armee ausklaug. Hoch- uich Hurra-Ruse auf Kaiser Wilhelm, Kaiser Franz Josef, unfern König und unser geliebtes Württemberg wurden noch ausgebracht. Schließlich stimmte die Menge „Großer Gott, wir loben Dich!" und „Die Wacht am Rhein" an und löste sich unter diesen Gesängen langsam auf. Zweimal kam es auch vor der österreichischen Gesandtschaft zu begeisterten Kundgebungen, wobei der Gesandte jedesmal eine Ansprache hielt. Noch spät wogte eine siegcsfteudige Menge durch die Straßen.
Die Chinesen in Deutschland.
Berlin, 3. Sept. (W. B.). Obwohl die chinesischen Staatsangehörigen in Deutschland sich durch Ab- eichen in ihren Landesfarben kenntlich machen, sind doch eider Fälle oorgekommen, daß die Chinesen Belästigungen und Beleidigungen erfuhren, weil sie für Japaner gehalten wurden. Die hiesige diplomatische Vertretung Chinas brachte Aälle dieser Art zur Kenntnis der deutschen Regierung. Wir glauben, daß dieser Hinweis genügt, um künftigsolche Mißgriffe zu verhüten und den in unserer Mitte lebenden Chinesen diejenige Rücksicht und das Entgegenkommen zu sichern, worauf sie al§ Angehörige einer neutralen befreundeten Macht Anspruch haben.
Die Abreise des Fürsten von Albanien.
Rom, 3. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Agenzia Stefani" meldet aus Durazzo: Prinz WilhelmzuWied ist heute morgen 8 Uhr an Bord deS italienischen Kriegsschiffes „Misurata" nach Venedig abgereist.
Die Haltung Kanada».
Kopenhagen, 3.Sept. (WTB. Nichtamtlich.) „National Tidende" meldet aus Ottawa: Die deutsche Bevölkerung Westkanadas bekundet offen, daß sic auf seiten Deutschlands steht. Dies erweckt großen Un- willen bei der übrigen Bevölkerung; man befürchtet Unruhen.
Löwens Knnftschätze erhalten geblieben.
Rotterdam, 3. Sept. Holländische Berichterstatter melden, daß das herrliche Löwener Rathaus unversehrt ist. Die Sankt Peterslirche ist teilweise zerstört, dürfte aber wieder erneuert werden können. Die Kunstschätze sind intakt. Sämtliche Gemälde sind erhalten.
Cin „Bluff echt englischer Art".
(WTB.) Wien, 3. Sept. (Nichtamtlich.) Die „Süd- siavische Korrespondenz" meldet aus Konstantinopel: Die türkischen Blätter besprechen die Ankündigung der englischen Regierung, Truppen aus Indien ans den europäischen Kriegsschauplatz zu werfen, und sagen, eS sei erstaunlich, welches Uebermaß von Selbstvertrauen die englischen Staatsmänner erfülle, wenn sie angesichts der Stimmung im mohammedanischen Indien ernstlich an solche Experimente denken. Da man aber annehmen müsse, daß die Engländer wohl wissen, wie sie in Indien geliebt werden, werde man recht tun, wenn man die pompöse Ankündigung der englischen Heeresexpedition nach Europa für einen Bluff echt englischer Art halte, der nur dem Bundesgenossen eine schöne Geste zeigen soU. Unter den Mohammedanern Indiens herrsche infolge der türkenfeindlichen Haltung Englands dauernde Erregung. Wenn die englische Flotte im Verein mit russischen Schiffen versuchen sollten, die Dardanellen zu forcieren, würde die Empörung der Mohammedaner Indien» auf dem Fuße folgen.
Die Minen vor London.
London, 3. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einer hier eingetrofsenen Meldung stieß ein Dampfer auf eine Unterwassermine und sank. Bon den 11 Mann der Besatzung sind 6 ertrunken und die übrigen 5 gerettet. Es handelt sich um dasselbe Schiff, welches kürzlich die Mannschaft eines dänischen Dampfers rettete, der in derselben Gegend auf eine Mine auflies und sank.
Die russische Ostseeflotte in Helsingfors.
Stockholm, 1. Scpt. Bon einem aus Helsingfors zurückgekehrten Herrn wird berichtet: „Nach 7 Uhr abends darf niemand sich mehr auf der Straße zeigen. Es ist eine allgeineine Unruhe undBeklenrnrung in der Stadt. Jeder Ausländer wird sofort in Verhör genommen. Die ganze Stadt wimmelt von Militär. Es sind bis jetzt 86 Militärzüge eingclaufen; die meisten Truppen bleiben in der Stadt, aber ein Teil ging nordwärts Nach Tornev. Am Sonnabend gingen fünf Militärzüge dahin ab. Kein Licht darf abends oder nachts angezündet werden. In der ganzen großen Stadt brennt auch auf den Straßen nach Einbruch der Dunkelheit kein Licht, nur von der Feste Svea- borg wirst nachts der Scheinwerfer sein bleiches Licht in die Runde und wirst geheimnisvollen Schein über die Festungsanlagen. Außerhalb der Stadt im Hafen liegt die russische Ostseeflotte, mit Ausnahme des Admtralschisses „Rnrtk", welches auf den Klippen gescheitert ist. Das ist das .Fahrzeug, welches schon früher aufgelaufen war, dessen Namen man erst jetzt erfahren hat.
Eine Auszeichnung des russischen General» Rennenkampf.
(WTB.) Petersburg, 2. Sept. (Nichtamtlich., Mel- düng der Petersburger Telegraphen-Agentur. Der Kaiser hat dem General Rennen kampf für Tapferkeit den St. Wladimir-Orden mit Schwertern verliehen.
Das Moratorium in Norwegen.
WTB. Kristiania, 3. Sept. (Nichtamtlich). Da» Moratorium ist verlängert worden für ausländische Schulden, die am 6. September fällig werden, um zwei Monate von dem ursprünglichen Verfalltage ab. Bei Fälligkeiten vom 7. September bis zum 6. Oktober ttftt eine Verlängerung der ZahlungSpfticht um einen Kalendermonat ein. Für inländische Schulden wird nur die Zahlungspflicht von Wcchselschulden um einen Monat bezw. vierzehn Tage verlängert.
Die Interesse« Rumäniens,
Bukarest, 2. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Heute ist eine Broschüre zur Aufklärung der Lage „Worte an die Rumänen" erschienen, deren Verfasser, ein ehemaliger Abgeordneter, unter dem Pseudonym John Franza schreibt, und der ein liberaler Politiker ist. Der erste Teil der Schrift besaßt sich mit den Beziehungen Rumäniens zu Deutschland. Der Veriafier führt aus, daß seit 1878 Rumänien nur Gutes von Deutschland erfahren habe, wofür noch das vorige Jahr ein Beweis gewesen sei. Woher also plötzlich dieser Ausbruch des Hasses gegen Deutschland, der einige von uns dazu verführt, zu verlangen, daß wir unsere Interessen vergessen und uns in den Abgrund der Vernichtung stürzen. Dieser Haß ist kein rumänischer Haß und wird nicht durch rumänische Interessen und Schmerzen veranlaßt. Es ist der Hatz der Franzosen gegen Deutschland, und von denen bei uns eingesützrt, die ganz sranzösisiert sind und glauben, datz unsere Gegenwart und Zukunft gegen Frankreich in Gefahr gebracht werden könnte. Ein solcher Ausbruch der Gefühle ist 1870 noch verständlich gewesen, weil damals der Kamps Deutschlands keine Folgen für uns hatte. Heute aber, wo der Krieg wider die Herrschast Rußlands über die Länder geführt wird, zu denen auch Rumänien gehört, ist dieser Ausbruch ein Beweis gänzlichen Mangels der Gefühle sür die Interessen des rumänischen Volkes.
Der verwundete Krieger.
Feldgrauer Mantel deckt den Arm,
Den welsche Granate zerschmettert,
'Das Antlitz ist bleich, daß Gott erbarm.
Doch in den Augen es wettert:
„O Herrgott, laß wieder erstarken mich,
Links händig lern ich dann seihten!
Nicht mag ich warten sein säuberlich So lang mit dem Russen sie rechten!
Kann ich nur sassen des Schwertes Knauf,
Gleich rück' in die Front ich wieder.
Und sang ich auch nur die Kugel auf Die bestimmt für einen der Brüder!"
Zur Hand nicht ist cin Eichenkranz Darf ich Dr die Rose reichen?!
In Deinen Augen der strahlende Glanz Ist mir schönster Hoffnung Zeichen:
Kein Millionemrusgebot
Schreckt Dich, du deutscher Krieger!
Nach Franzen, Russen auch — über den Tod Begrüß ich Dich noch als Sieger!
Hermann Steingoetter.
ver neue Papst.
(WTB.) Rom. 3. Sept. Die „Agenzia Stefani" meldet: .Kardinal della Chiesa. bisher Bischof von Bologna, wurde zum Papste gewählt. Er hat den Namen Benedict XV. angenommen.
Der neue Papst Benedikt XV. wurde am 21. November 1854 , in Genua geboren. Unter Leo XIII. ist er Substitut im Staats»' sekretariat in Rom geworden, wo er die rechte Hand RampollaS war. Seit dem 16. Dezember 1907 war er Erzbischof von Bo»- logna. Im Mai 1914, im letzten Konsistordmr» das Papst Pins X. hielt, war Benedikt zum Kardinal gewählt worden. — Der neue Papst gilt, wie die „Germania" schreibt, als ein hervorragend«, Politiker und Gelehrter. — Die Presse beurteilt ihn so, daß er vielleicht nach dem „diplomatischen" Leo nick dem „religiösen" Pins als diplömottsch-religiöser" Papst bezeichnet wachen könne, der die guten Eigenschaften beider vereinigt und ihre Fehler vermeidet.
Rom, 3. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Um UV, Uhr zewtz sich der Papst auf dem inneren Balkon der Petrrsbcrsklika, dessen Brüstung mit einem Behang von rotem Sammet und goldenen Fransen geschmückt war. Die die Basilika füllende Menge begrüßte den Papst mit lebhaftem Beifall. Nach den hergebrachten Zeremonien erteilte der Papst den knieenden Gläubige» den apostolischen Segen und begab sich dann unter den Jnbelrufen der Menge in die Gemächer zurück.
Rom, 3. Sept. (W. B. Nichtamtlich.) Fürst Chigi cv^ffing um 11,15 Uhr die Nachricht, daß Kardinal della C-Hiesa zum. Papste gewählt sei. Um 11,20 Uhr empfing Msgr. Mischatelli, der Gouverneur des Konklaves, die Benachrichtigung seitens des neugewählten Papstes und wurde ersucht, die Gfttrr der PeterS- kirche zu öffnen, denn in kurzer Zeit erfolge die Bekanntgabe der Wahl. Um 11,25 Uhr erschien der Zeremoinenmeistcr Msgr. Respigh, aus dem Mcktclbalkon der Außenseite der Petcrsfirche und ließ einen roten Teppich ausbreiten. Die vielen Tausende auf dem Platze vor der Kirche spendeten lebhaften Beifall. Um 11 Uhr 35 Min. ersthien Kardinal della Bolpe, der älteste dxr Kar- dinaldiakonc, aus dem Balkon, ihm zur Rechten Msgr. Capostt mit dem päpstlichen Kreuz und sprach die übliche Formel: Habeinus pspam. Er fügte hinzu: Der Papst hat den Namen Benedikt XV angenommen. Die Menge brach in begeisterte Zurufe aus und begab sich in das Innere der Peterskirche zur ersten Segenscrteilung des neuen Papstes.
Au» Stadt und Land.
Gießen, 4. September 1414.
Die hessische Handwerkskammer
hat an sämtliche Reichs-, Staats^ ,Militär-, Eisenbahn-, Post-, Kirchen- und Kommunalbehörden das folgenöc Rund» schreiben gerichtet:
Durch die in den Tagen vor der Mobilmachung und den Tagen der kriegerischen Ereignisse eingctretene Stockung im Handels und Verkehr sind besonders dem Handwerker- und Gewerbcstmidc. schwere, kaum wieder cinzuholendc Verluste entstanden. Allmählich tritt aber die so notwendige Beruhigung im Erlwerbslcben wieder; ein. Unter dem Eindruck der lEreignisse der letzten Tage, der großartigen Ersolge unserer tapseren Truppen tritt eine Enlspanmurgf ein und man bemüht sich in allen Schichten des erwerbstätigen Volkes mit aller Kraft, die in der HeiMajt so zahlreich fehlenden Hilsskrästc durch unermüdliche Tätigkeit zu ersetzen. Der Hand- wcrkcrstand, dem man gerade in den letzten Monaten mehr denn >c Vertrauen entgegengebracht hat, war wohl teilweise durch den. plötzlich auftretenden Bedarf an Ausrüstungsgegenständen für das. Heer beschäftigt. Weite Schichten dieses Standes sahen sich abery gezwungen, ihren Betrieb wesentlich einznsehränkcn, in zahlreichen Fällen sogar fast vollkommen sfillziüegen.
Mit den fortgesetzt gemeldeten glänzende« Erfolgen der deutschen Waffen kehrt Ruhe und Vertrauen zurück, auch der Handwerker will sich seiner Bcrussarbeft wieder eifrig widmen und damit in der Hemat zur Erhaltung des nationalen Gutes sein Möglichstes beitragen. Er will und mutz dafür sorgen, daß die Familienangehörigen daheim ihr Auskommen finden, daß aber auch den siegreich Zurückkehrenden der Boden zur auskömmlichen, wirtschaftlichen Tätigkeit erhalten bleibt.
Man hat in diesen schweren Tagen in allen Bcrufskreisen mit den verschiedensten Mitteln versucht, die Lage der Zurückbleibendon und Wiederkehrendeu zu ordnen. Manch gute Einrichtung wurde getroffen, es darf aber gerade bei unserer Interessenvertretung nicht vergesseo werden, daß es sich nm tausende von kleineren Betrieben handelt. Sv segensreich z. B. die Bestrebungen aus 'Förderung des Kredits sind, so stptzcn diese doch bei der praktischen Durchführung im Handwerk aus recht empfindliche Schwierigkeiten,
Demgegenüber sind wir der Ansicht, datz dem Handwerk wirksam nur oder doch in erster Linie durch Zuweisung vou Arbeit gedient werden kann. Die' Arbeitszuweisung bringt Beschäftigung in wecke Kreise, sie vcr- mcktelt in dieser schweren Zeck für Meister und Gesellen und viele andere Personen Verdienst und sichert die Erhaltung selbständiger Betriebe. Bekanntlich wurden unter dem Druck der Kriegserklärungen ans säst allen Gebielen die weniger eckigen Arbeiten ganz eingestellt, viele bereits geplante größere Arbeiten, insbesonder« im Bauhandioerk, ivurden zurückgestellt, auch die Arbeiten für Private hörten mit einem Schlage auf. Ersreickicherweffe ist irunolu- stelle des großen Pessimismus wieder Vertrauen und Zuversicht cingekehrt und wenden wir uns deshalb im Jackerclsse des Hand» Werks an alle Behörden ohne Ausnahme mit der dringenden Bitw, wieder ausgiebige Arbeitsgelegenheit zu schassen, damit auch dem Handwerksmeister die schwersten Sorgen abgenommen werden. Das Vorgehen der Behörden wird zweifellos auch bei Privaten günstige Wirkung Hervorrufen, wofür das Handwerk doppelt dan^ar sein wird.
In anerkennenswerter Weise haben die Behörden die Bestrebungen der Interessenvertretungen des Handwerks in der letzte»! Zeit wesentlich unterstützt und hierbei zweifellos gute Erfahrung« gemacht. Der Kriegszustand stellt auf allen Gebieten unseres handwerklichen Lebens die höchsten Anforderungen: riesige Liefe-l rungen sind insbesondere erforderlich, um die notwendigsten AuS- stattungsgegenstände zu beschaffen. Da bieten die Handwerkervo- rationen, die Innungen und Vereinigungen die beste Gewähr sür richtige Lieferung. Die Berücksichtigung dieser K o r v o- rationen bürgt aber auch dafür, datz die in schwerer Zeit so notwendige Erhaltung selbständiger Betriebe unterstützt und die Verteilung! deswirtschaftlichcnGewinnssüreinegrotzeZahl der verschiedenen B«russangehörfigrn gesichert
Kürzlich hat sich ein „Kriegsausschutz für die Deutsche Industrie" gebildet, der sich u. a. auch die Vcrmüttelmrg von Arbeite« und Lieicrungcn an die Industrie zur Ausgabe gestellt hat. Der preutzische Minister für Handel und Gewerbe wies die amtliche» Handelsvertretungen auf die wohlwollende Berücksichtigung dieser Einrichtung hin. Auch die Generalvertretung des deutschen Handwerks wandte sich in gleichem! Sinne an bfic gleiche Stelle, um für seine Berussangehökigen tatkräftig cinzutreten.
Wir richten das ergebenste Ersuchen an Sie, die in Betracht kommenden Stellen anweisen zu wollen, daß unter Berücksichtigung vorstehender Ausführungen bei den cki Betracht hnnmenden Arbeiten und Lieferungen in erster Linie die Innungen und Bereinigungen berücksichtigt werden. Ein solches Entgegenkommen würde al§ nationale Tat von dem gesamten Handiverkersla»» freudig und dankbar anerkannt werden.
** Sch afft Arbeit für den Handwerker. Der Krieg hat Sen wirtschaftlichen Verkehr ins Stocken gebracht und — einzelne Handwerke, die für den .Kriegsbedarf arbeiten, ausgenommen — eine Arbeitslosigkeit verursacht, die bei einigermaßen gutem Willen gemindert werden könnte. So gut es Pflicht aller, die über etwas niehr als einen Nvt- groschen verfügen, ist, dem Vatcrlandc und der zum Schutze


