Lr. 206 ^ Zweiter Natt Jahrgang vomwZtag. 3. September
Lrjlhestst Lgli ch ncil AlllLnahmc des Sonntags.
Die Jhit&awr $aaOkattSäm“ werden dem ^Haenger* tacaun.1 loöcbeiiJbd) heigetegt, das „KrrrtUnft Ar den Kreis Sietzen" jmeaaoI wöcheuttick. Die ,fandmjritchsstlichen Seit tragen" ajctjnuax taao&üid) jj veuual.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Lotatiousdrnck imb Verlag der Br«Hütchen U«i»ersirätS - Buch- und Seemdonckerec.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: 8ch«k- stratzc 7. Expedition und Verlag: Redaktion: e-d I 12. Tel.-Adr.tAnzelger8ieb«n.
Rriegsbriefe aus dem Osten.
S»«.LLcje-rtu z«mOP:heer e c« t f au-btcu Srie-gS t e rite 11 c t.
UttbfxcajtKuri Nachdruck, auch aus prgs weste, verboten,
Dfc-e r t o m m ä u im der Ost armee, 38. Awg.
Wir Legen vierwWWvanziq Stunden ans der Bahn, um einige sectzzig Kikaneter weiter zu kommen. Die Lokalzüge haben Lrgtst aichgetzört zu verkehren. In der kleinen Stadt, rn der wir ein paar Stunden ans einen Mnninonszng warten, der uns weiterbringen soll, hat man seit vier Dagen keine Zeitung mehr gesehen. Wir erzählen von der Gescrugen- aahme der 7000 Engländer, die wir am Morgen ersahrcn haben. M»n freut sich, aber die ernfthasten Gesichter Hellen sich nicht auf. T»au horcht zu gespannt nach der Ostgrenze, an der seit viernndzioanzig Stunden eine Schlacht entbrannt ist. Ostpreußen und der größere Teil von Westpreußen gehen durch eine schwere Zeit. Am Samstag war bekanntgegeben worden, daß man bis zur Weichsellinie räumen wolle. Alles Vieh solle in Sicherheit gebracht werden. Da ging die Angst dnrch die Ostniark, nnd diejenigen, die sie mit festem Auge hätten bannen sollen, die Reichen und Führenden, qchberi jtmi Teil das Signal znr Panik, indem sie hats über Kops ihre Wohnungen verließen, als stünden die Russen schon vor den Toren und nicht eine nicht nur nn- befiegte, sondern eine siegreiche deutsche Feldarmee zwischen ihnen und dem Feinde. In Marienwerder waren ganze Wohnungen verlassen, die noch wie erfüllt waren von dem warmen Atem ihrer Bewohner, Wohnungen, in denen die avgesangene Näharbeit mit herabhängender Nadel neben dem angebissenen Frühstücksapfel lag. Es gab natürlich Ausnahmen, aber bezeichnend ist, daß man auf der Bürger- weisterei Marienwcrder seufzend crllärte, man habe 2000 Quartierzettel schreiben müssen. Sehr viele kleinere Städte haben die dreifache Anzahl mit Freuden bewältigt, ohne Eerpzen, mit Stolz, daß sie an ihrer stelle nutarverten dursten. In dem Ort, an dem wir uns augenblicklich be- studen, hat die Kimnnandqntnr sogar in einer Bekanntmachung davanf Hinweisen müssen, daß nur uns im Kriegszustände befänden und daß die Kriegsgesetze Geltung hätten! G»ße Hotels hüben den hungernden und durstenden Truppen vielsactl die Türe vor der Nase zugemacht: Die Küche sei um kl llhr übende' geschlossen . {
Die kleinen Gewerbe treibeichen, die schon schwere Lasten tragen, nehmen die Einguartierung im Gegensatz dazu freundlich nnd freudig aus. Sie bleiben auch an dem Ort, an dem ihr Haus, ihr Glück, ihr Auskonimen steht und ihre erustcu, gefaßten, tüchtigen Gesichter entschädigeii für manches, was man in diesen Tagen sehen und hören mußte, llebrjgens, um keine falschen Schlüsse aufkonrmen zu lassen, die mestteu Guts- und Bauerngutsbesitzer hüben ihre Schrrl üigkett in aasopserndster Weise getan. Ich erfuhr ein paar Beispiele, in denen die Frauen — Mann im Feld, Inspektor im Feld, die meisten Knecht« eingezogen — stolz ablehuten, zu fliehen, obgleich da wirklich „Kampfnähe" vorhanden war. ,Slch bin hier nötig auf dieser Scholle," sagte eine Gutsdesitzerssran, „noch sind die Russen nicht da. Meine Pflicht stt es, nnsern wundervollen Truppen Qaurrtier, ^Nahrung und Pflege zu geben. Das ist das wenigste, was sie verlangen Linnen."
Ain Sonntag wurde dann erllärt, daß es nicht nötig! sei, Dieh und-Ernte über die Weichsel zu bringen, da nach dar Auskunft von militärischer Seite eine Ge sah-r ui ch t «u h-r zu besürchten sei. Man braucht in dem Lesen von Ktnrdgebungen nicht besonders geübt zu sein, rrm die schwerwiegenden Ereignisse intb 1 Entschlüsse zchstchen beiden Bekanntmachungen zu ahnen. Eine Beruhi- gmrg setzte auch sofort ein, aber es ist leicht vorzustellen, was inzwischen au Werten verloren ging. Das Vieh hatte sich beim eckigen Abtrieb verlaufen, die alten Kaleschen hattest nochgegeben nnd ganze Wirtschaften lagen auf der Land strcrß Das schlimmste scheint mir aber, daß nicht nur mancher Wagen und manches Pernrögen zerbrochen wurden, fwideru auch manches Zutrauen. Freilich, der nnnberwind- liche Lreldenmnt unserer Truppen wird auch hier alt e s bald wieder Herstellen.
Immer muß man an das Bismarck-Wort denken: .Zlnfere Leute sind zuni .Küssen." Sie haben hier im Osten andere Arbeit als im Westen, der Siegesadler fliegt nicht mit so nnichttgem Rausclien vor ihren Kolonnen, die feindlichen Festungen fallen hier nicht taqeweis unter dem Eisenguß unserer Riesenmörser, aber hier wird in ernem Kampfe, in dem übermenschliche Kraft eingesetzt wird, deutsches Land vor wölfischem Feind bewahrt. Der Osten hat ofi an Glanz vor dem Westen zurückstehen müssen, er leistet auch diesmal ein Stück stilleren Heide nkampfes. Aber Preis irnd Ehre find ebenso groß wie im Westen.
Der Munitionszug fährt langsam dnrch die Nacht. Alle Augenblicke flirrt eine Sternschnuppe Wer den dunkelblauen ■'Ointnu'l. Wir denken jedesmal das Gleiche, wenn der goldene Tropfen Wer den Hümmel gleitet: „Sieg in der schlacht vor uns! Sieg der kämpfenden Ostarmee!"
_ Plötzlich geht ein Heller Schein Wer den Horizont. Ichennen brennen, die russische Erntearbeiter angezündet hoben Gestern hat man ein Dutzend erschossen Wer nach ll> Uhr das Quartier verläßt, bekommt die Kugel. Im allgemeinen sollen die Leute, namentlich die gedient haben, alles tun, was man von ilmen verlangt, wenn sie nur nicht nach Rußland koinmeu. Sie baten einen Gutsbesitzer an der Grenze, der fliehen mußte, ob sic nicht sein Bich treiben äürfteu. Jede Art zu leben in Deutschland scheint ihnen bester, als für Rußlaüd zu sterben.
Um sechs Uhr morgens waggonieren >vir unsere Wagen aus. Tie riesige Menge "der Mae schiebt sich zu langsam vorwärts. Unsere Wagen sind bespannt, es geht dem Opera- trvnsselde näher. >
Da ich diese Zeilen schreibe, ist eben die güüklichc Entscheidung der großen Schlacht gefallen. Nähere Nachrichten werde ich morgen geben.*)
Rolf Brandt, KrtegAberichterstatter.
„ I n einem toetaen Briest vom 31. 'August schildert unser Bernhternaller das Schlachsteld von Tannenberg. Da der Brief etwas verspätet in unsere Hände kam, und da er wesentlich
Neues enthält, scheu uirwou sexuell W WegIi de ab. DstsRedaktron,
Ist Paris gerüstet?
66000 Bewoimer 'Novd-srankreiä>s haben sich in den letzten Tagen nach Paris geflüchtet, ein unwillkommener Zuwachs für die französische Heeresverwaltung, der es nun obliegt, die Hauptstadt der fliepubliü in aller Elle belagern» gssertig zu machen. Man dachte ja wieder einmal nicht daran, daß es dahin lonrmen iverde, daß der eiserne Ring der deutschen Truppen macht Mi so rasch heranschieben könne. Ist Paris auf das nun Kommende vorbereitet?
Paris, so drückte sich neuerdings ein Facl>mann aus, ist nicht mehr eine Festung, sondern eure ganze befestigte Provinz; waS unsere Väter anno siebzig vorfanden, ist urcht mehr oder doch in sehr veränderter Form vorhanden. Die Forts der Festung Paris von 1870 erstreckten sich nur auf eine Länge von 55 Kilometern und waren nur bis mtf drei Kilometer vor die alte Stadtumwallung vorgeschoben. Jene Forts sind zwar noch da, man hat sie, so gut es ging, modernisiert und mit dem neuesten Geschützmateriat von Schneider-Crensot bespickt. - Man bezeichnet sie heute nur noch als die innere Verteidigungslinie, die manchen historischen Reiz besitzen mag, auf hie aber die frauzesischje Heeresverwaltung selbst wahrscheinlich nicht ihr vollstes Vertrauen setzt. Sie beginnt im Norden mit den Befestigungen von St. Denis und schließt im Westen mit dem Fort des Mont Valerien ab. Man zählt insgesamt 14 eigentliche Forts nebst verschiedenen Batterien und Zwlschen- werken. Eine wahre Augenweide für Feldherren früheren Stils, Wer wahrscheinlich ohne große Bedeutung für den heutigen Festungskrieg.
Worauf es ankonrmt, ist jenes große verschanzte Lager von Paris, das aus drei nach Norden, Osten und Südwesten vorgeschobenen Festungswerken besteht. 3 2 neue Forts sind es, die da in einem AbstaW von 45 Kilometern von der Verteidigungslinie des siebziger Kriegs errichtet wurden. Während die innere Befessigungslinie einen Umfang von 55 Wometern beträgt, rechiret man bei dieser äußeren Befestigung mit rund 150 Kilometern. Das Nordlager dieser äußeren Festung enthält sieben große Forts mit den dazugehörigen Zwischenabteilungen Das Ostlager erstreckt sich von Sevran bis Billenenvc an der Seine nnd besteht aus sechs großen Forts. Ebenso viel Werke umfaßt das siidwest- lager (Versailles).
Welcher Art ist nun diese Riesenverßchanzung von Paris? Die meisten Werke des äußeren Schutzes sind schon in der Anlage unter AuweWung vou Beton hcrgxstellt, der in Verbindung mit Panzerplatten den modernen Anforderungen genügen soll. Besatzung^ und Mwiritivn sind an den Hauptstellen in „bombensichern" Räumen nntergxbracht. Auch viele Beobachtungsstellen sind gepanzert. Zum Schutz gegen den Nahangriff sind sie mir den üblichen Gräben und DraHtlsindernissen umgeben. Die Bauten sind, wo es nur immer ging, nnterrrdrsch angelegt. Man findet da unter der Erde garrze Kasernen mit Küchen, Bäckereien, Magazinen, Lazaretten und Operattonsrünm-en, alles umgeben von viele Meter dicken Betoumändeu und Eiseubetondecken. Nur hier uW da ragt ein BecümchtungBpanzer aus dem Erdboden heraus, und man hat sich bemicht, durch Anstriche uW maskrereWe Bepflanzung chn deui llmgeländc anzupassen, so daß der niilitärrsche Laie ihn leicht fiir einen harmlosen Erdhügel hält. Durch luftbrncksichere Düren war man bestrebt, die nnterirdischen Bauten vor der zerstörenden Wirkung der Gase zerplatzender Granaten zu sichern. Einige der Räume sollen entsprecheW der modernen Festnngstechnik keine Fenster, sondern nur künstliche Beleuchtung und Drucklnftzufnhrnng besitzen. Aber nur einige. Vieles vou dem, was die französische Heeresverwaltung dem Parlament verbrochen hat, ist noch nicht fertig geworden', und es wird den Franzosen kaum gelingen, die vorhaudenen Lücken vor Heranrücken der Deutschen M schließen, womit sie nach den letzten telegraphischen WÄteilnngen jetzt in höchster Elle und Aufregung urrter Aufbietung von Dan- senden von Arbeitern beschäftigt siW. Man kann es ja glauben, bejj die Anzahl der Geschütze in den gesamten Festnngswerblli uni Paris mehr als dveitauscW beträgt. Aber alle dreitauseW siW in ihrer Wirkung jenen geheouuis- oollen Mchchinen nicht gewachsen^ die wir aus der Stille der Essener Werkstätte hervorgeholt haben uW nun wahrscheinlich per Achse bis vor -Paris bringen. Was unsere neuen 42-Zentimeter-HaWitzen leisten, ist sa vor Lüttich auspro- biert worden. Es gibt keine Beton- oder Panzerdecke, die nicht von den Geschossen dieser Geschützriesen durckßchlagen nnd.dann mit MterhörterExplosivkraftMseimruderjAsprengt wird. Was anno siebzig in mühseliger Belagerirng und schwierigster Beschießung erst nach Wochen uW Monaten erreicht war, scheint jetzt das Werk weniger Stunden zu werden. Ganz Frankreich, ja keiner unserer vielen Feinde hat etwas ähnliches au Artilleriewafse auszuiweisen. UW wurde im Feldzuge 1870/71 der deutschen Armee, nicht init Unrecht, der Vorwurf genracht, daß sie ihre Truppen für den Feftnngskrieg nicht genügend ansgcbildet HWe, so ist eS diesmal, wie jeder gediente Mann aus den Manövern weiß, etwas anderes. Wir sind gerüstet, hundertmal mehr, als der Feind ahnte. Ob Paris es ist, wird sich jetzt rasch zeigen.
Die Verproviantierung von Paris.
Kopenhagen, 1. Sept „Berlrngske TrdeWW^ erhält folgende Privatmeldung aus Pcrris: Die Stadt erwartet die Belagerung. Tie Territorial-Armee setzt das verschanzte Lager in Verteidigungszustand. Das Boulog-, n e r Wäldchen ist in einen S ch a f st a l l umgewandclt. Auf der Rennbahn von Longchamps sind 2000 Stuck Rindvieh und 10 000 Hammel, bei Suresne sind hunderte von Wlbern uWergebracht. (B. Z. a. M.)
Die Kriegsstnnmung der Franzosen.
Paris, 2 . Sept. (W. B. Nichtmntlicb.) Der „Matin" verössentlicbl den Brief eines iranzösi scheu Soldaten, wahrscheinlich eines Angedörigen des befestigten Lagers von Paris, welcher interessante Schlaglichter auf die Geistesversassnng des französischen Volkes wirst. Der Schreibei sagt: Den Soldaten wird Zuversicht für die Z ukunft eingcslößt, aber es gibt zwei Umstände, welche ^nns mißfallen Als uuser Bataillon Ms Märschen unter Strapazen dnrch Ortschasten kam, zeigten die Leute immer ernste Gesichter nW traurige Blicke, finstere Sarnen unb führten die Tascbentücher an die Augen. Es geht doä» kein .SsdHrätts vorbei, sa-tzeu dazu die Soltzcchm. Mr hüllen mit
Stolz nW Freud« in den Krieg ziehen können, mll Lächeln selbst in den Tod. Aber dieses Lächeln wollen wll auch bei anderen; sehen. Wer iveim, soll drinnen ble:hen. Die Druvvcn brauchen eine freudige und zuversichtliche Begrüßung beim Durchzug. Zweitens bedrückt die Soldaten der Anblick der ichmächtcgen uW blassen Kinder, welche wie hungrige Hunde nach den Resten der Mahlzeiten haschen. In den QuaNieren sallen Reiheir von imglück- lichen Frauen aus, welche die llebcrrestc der Suppen uW der weggcworsenen Brotrationen zusammensuchen in einer Weise, welche das Herz zerreißt. Der Brieischreiber fragt: Gibt es denn keine öffentliche Ärmenunterstützung mehr in Frankreich, keine Liebesgaben, kein Geld? Wir marschieren srohgeniut, verlangen aber, daß es nicht mehr vor uns Frauen gebe, welche wernm, hinter uns.Kinder, welche hungern
Zürich, 2. Sept. ,WTB. Nichtcmitlich.s Die „Neue Züricher Zeitung" meldet: seit dem Eintreffen der Nachaicht von Chcrrlcroi herrscht in Paris nnverkennbar Eu t m »H- gung. Man sah irur noch inassenhaft mit den Zügen au- lommeude Flüchtlinge aus Belgien uW Nordsrankreich, die sich in einem elenden Zustande besauden, in langen traurigen Zügen die Boulevards belebten uW Hilfe und Ansualpne begehrten. Die Presse sieht ein, daß. größere Zuriickhaltung nöüg ist. Der Bericht des Senators Gervais im „Maiiu" über eine Meuterei des 15 Armeekorps bei Lärms- ville hat einen Entrüstnngssturm hervorgerufen. Die armen Teufel mußten Ws erste ins Feuer und wurden furchtbar dezimiert. Den französischen Berichterstattern verbot die Arnreeleilung, den Operationen zu folgen. Zugunsteu der EngtäWer ivurde eine Ausnahme geniacht, was dos zeit- wellige Verbot der „Dimes" für Frankreich zur Folge hatte.
Die erste Beichte der französischen Heeresleitung.
Rotterd-am, 2. Sept. Eine gestern WeW erschienene Mitteilung des französischen Kriegsministerinms ergeht sich sehr ofsenhcrzig Wer den Rückzug der französischen Armeekorps nW gesteht mehrere Schlappen uW Niederlagen ein.
Aus dem Reiche.
WDB.Magdeburg, 2. ^,ept. ,Amtlich,. Am Dienstag nockwrttürg resite eine vmi der Elienbahndirektion Magdeburg zu- samniengestellte, ans Epenbabnbcamtc»/nnd Arbeitern bestehende Ersenbahnban-nnd BetriebSkolonnc ntzh Brüssel ab. Die Kolonne,ist 420 Mann stark imd fühl unter der Leitung des Regierungsban- meisters Goldschmidt (Magdeburg . Sic begrbt sich in besckileunigter siahrl am 'Anordnung des Ehess des Felüeisenbahiuorsens nach dem belgischen Krregsschauplapc, um die zerstörten Eiscnbrhnlinisn int Rücken mrseves Heeres wicderhcrznstcllcn imd in Berrreb zu nehnnn.
B r c s l au, 2. Sept. Das „Schles. Btorgenbl." meldet: Als Beitrag zu dem .Hiksswerk für O st p r c u ß c n H<U der M a gißt r a t 50 000 Mark käoüligt.
Kirdjc und Schule.
Die Papstwahl.
(WTB.) Rom, 1. Sept. lNichkamtlich.) lim 11.36 Uhr vormittags stieg aus dem Schornstein der Sixtinischen.Kapelle des BWikans der erste Ranch anls, ein Zeichen dafnü, daß die erste Abstimmung für die Pavstwahl zu keinem Ergebwis geführt hatte. Biele tausend Personen waren auf dem St. Petersplatze versammelt uW zerstreWen I tch, als der Ranch verschwand. Um 11.45 Uhr stieg zum zwetten Male Ranch aus dem Schornsteine der Sixtinsichen KWelle ans. Dieses läßt vermuten, daß am Bormittage zwei Abstimmungen stattscmden, die ergebnislos blieben. —^>eme vormittag begaben sich die Gesandten Preußens, Bayerns und RußlaWs sowie der argentinische Geschäftsträger nnd andere Diplomaten bmn Heiligen Stuhle in den Batikan.
Rom, 2 . Sept. (WB.) Nach der „Tribuna" vereinigte bei der ersten Abstimmung des Konklaves Kardinal Pietro Masse ungefähr 30 Sttmmen aus sich, die anderen sollen zwsichen den Kardrnälen Pietro G a s p a r r i und Basil Pompilj geteilt gewesen sein, doch hatte crsterer mehr Stimmen. Die zweite Abstimmung ergab ungefähr dasselbe Bild.
-I-
Eine .KriegSdenkich-risi an das Kardinalkollrgium.
Köln, 2 . Sept. (SB. 8. Nichtamtlich.) Die „Kölnische Volks- zellung" oerösiemlicht eine Krügsdenkschrist an das Kardinal- kollegium in Rom, die von einer Anzahl hervorragender Führer der deutschen Katholiken veranlaßt wurde! wird darin die lleberzeugnng dargelegt, daß Recht nnb Gerechtigkeit auk seiten Deutschlands smd, wobei betont wird, daß in dem deutschen Weißbuche von keiner Teste auch mir die geringste llnrichtigkest nachgewiesen werden konnte, daß auch pon keiner Seite eine Ergänzung versucht lonrde, welche dem Bilde eine andere Farbe hätte geben kimnen. Ferner pnrd auf die Frömmigkeit der deutschcic Katholiken hingcwiesen. Ancb hier gehe der KNrscr mit dem er- baulichsten Beispiel voran. Jede Depesche aus dem kaiserlichen Hauptquarüer enthalte den Beisatz, daß der Sieg dem Herrn der Heerscharen zu danken sei. Die Denkschrift verteidigt die deutsche Armee gegen die SMlemndiiNgcn und hebt hervor, daß sie die bestdisziplinierte Slrmee ist. Der schwerste Slngriff in dem jetzigen Weltkriege komme von dem orthodoren Moskowitcrlum, denen Sieg die schwerste Schädigung des Katholizismus darstellen würde. Zum Schluß werden in der Denkschrift die Kardinale gebeten, sie möchten nur die lleberzeugung gewinnen, daß das Deutsche Sl/i, um seine Existenz kämpft, in diesem Kampse aber scstin große Siege errungen habe. Das deutsche Volk vertraut aus Gott und sein« gerechte Sache nnd wird den Sieg an seine Fahnen heften.
Quittung.
Für die Verwundeten unserer Marine svendeten weiter iolgende Beträge: Frl. Emilie Fegbeitel 10 Mk,, Frl Marie Fegbeitel 10 Mk., Ingenieur Weimar, Stausenberg, 5 Mk., Ungenannt 2 Mk.. desgl. 25 Mk., Lederfabrikant Karl Becker II. 25 Mk., (tzeh. Hoirat Pros. Dr. Netto 20 Mk.. Obersteiger Becker 10 Mk., Dr. Mayer 20 Mk., Ungenannt 5 Mk., Reallehrer Ja,in 5 Mk., Frl. E. E. 5 Mk„ Frl. Bi. E. 5 M., zusamnien 147 Mk.; im ganzen mit den srüheren Spenden von 470 Mk.: 617 Mark. Den edlen Spendern austichtigen Dank. Pros. Bölzing.
Gericbt»saal.
F rcrm ttfiert a. M.. 1 Sept Heute nachmittag iällle das Gericht nach zweitägiger Ster Handlung gegen den Leiter der hiesigen Sitteiepolrzei, Konnistpar Schmidt, das Urteil. Der Angeklagte wurde wegen Slerqekens gegen S 132 des -str.G.B. zu zwei Jahren Zuchthaus und iüist Jahren El)rverlust veruttellt. Die Mstangellaglr Berta Bohnert erhielt neun 'Monate Ge fäugnis und drei Jahre Ehrverlust. Schmidt wurden drei, der Bobneri estr-Mmat llllieqüchuitgshap augereämer.


