Ausgabe 
1.9.1914
 
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Zweites Blatt

164- Jahrgang

Erscheint lägHch mit Ausnahme des Sonntags.

DieGietzener Za«tiie»diLtter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreis i ffatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die Landwirtschaftlichen Zeit-

fra-en" erscheinen monatlich zweimal.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Cberhejjen

Dienstag. 1. September 1914

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn Universitäts - Buch- und Steindrnckerei.

R. L an g e, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e=sg51. Redaktion: SE 112 . Tel.-Adr.:A»zeigerGießen.

3m französischen Maastale.

Wiederum ist das französische Maastal, das vor gerade 44 Jahren dem französischen Heere bei Sedan so verhöng- rriÄwll wurde, der Schauplatz gewaltiger Kämpfe, deren ungeheure Maßstäbc^ sich mit denen von 1.870 freilich nicht ^vergleichen lassen. Schon haben die deutschen Truppen bei Mezieres iu breiter Front die Maas überschritten, schon ist V e r d u n im Süden bedroht. Bei Mezieres wechselt das Maastal völlig unvermittelt seinen Charakter; hier tritt nämlich der Fluß, in das Aroennengebiet ein, von hier .Mi durchfließt er in zahlreichen, bald breiten, bald engen Windungen ein romantisches Waldgebirge, hier sind an seinen Ufern .Hüttenwerke, Fabriken, Arbeiterdörfer ohne Zahl, denn hier beginnt das Gebiet des Eisens, das fast die ganze belgisch-französische Grenze int Ardennengebiet beherrscht. Mezieres selbst ist der Mittelpunkt dieser Indu­strie. In der Vergangenheit hat der Ort eine bedeutende Rolle gespielt: mehrfach haben kämpfende Heere ihn um­stritten, und besonders heldenmütig war die Verteidigung MeziereS unter Führung Bayards gegen Karl V. im Jahre 1521. Seit zwei Jahrzehnten ziert ein Standbild Bayards die Stadt. In der deutschen Geschichte hat Mezieres zwei­mal eine Rolle gespielt: 1815 wurde es durch die Preußen längere Zeit belagert, ehe es sich ergab, und im Kriege 1820 , 71 konnte es dem deutschen Anstürme nur zwei Tage lang trotzen: es übergab sich am 2. Januar 1871 nad), zweitägiger Beschießung Seit dem dcntschl-französischen Kriege hat sich der Jndustrieort gewaltig entwickelt. Das «igentlichc Mezieres, das aus einem Isthmus des Maas- ibogens liegt, ist zu klein geworden. Man hat zwar Häuser von vielen Stockwerken Höhe gebaut, allein diese boten der Bevölkerung nicht genug Platz, und so ist die Stadt im Begriffe, mit den Nachbarorlschajten zu verschmelzen, ein Vorgang, der sich teilweise schon vollzogen hat.

.Gegenüber von Mezieres, nördlich aus dem linken Maas- user, liegt Charleville, und da wo die Vcnce in die Maas mündet, Mo hon. An den Ufern der Flüssei auch die Sermonne mündet hier ziehen sich weithin Arbeiterhäuser, Werkstätten und große Fabriken; der Städte­komplex macht einen häßlichen Eindruck und dicke Rauch-- wolken lagern hier über dem Maastale. Im weiten Um­kreise sind an den Ufern einzelne Fabriken, und jede schickt sich an, der Mittelpuukt eines neuen kleinen Vorortes zu werden, der früher oder später mit der eigentlichen <Aadt verschncilzt. Ehemals war Mezieres eine Festung, aber anstelle der alten Festungswerke sind nur noch auf dem rechten Ufer auf Hügeln einige Batterien vorhanden. Bon der Höhe hat man einen hübschen Ausblick auf das Maas- tal nach Norden, das sich allmählich, wenn es in das Ge­biet der Berge eintritt, verengt.

Ganz anders sieht die Maas oberhalb der Städte aus; wer auf der Suche noch Naturschönheiten das französische Maastal besucht, darf vou Mezieres aus nüht aufwärts fahren, beim oberhalb der Städte ist das Flußtal lang­weilig und einförmig: Wiesen, unendliche Wwsen begleiten den Fluß, das eigentliche Flusttal ist außerordentlich breit und wird von sanften, grünen .Hügeln eingefaßt. Fährt nmu von Mezieres auftvärts, sei es auf dem Ma-askanalc oder auf dem Flusse selbst, so gelangt man bald an die Stelle der Vereinigung mit dem Ardennenkanale; dann macht der Fluß einen großen Bogen nordwärts man ge­längt an Sedan vorbei, durch die berühmten Schlacht­felder hindurch; hat man diese hinter sich, so geht es an Mouzon, einem Städtchen am rechten Ufer, vorbei, das sich schlecht und recht von Tuch- und Lederfabrikation er­nährt, und das im Deutsch-französische:! Kriege auch seine Rolle gespielt hat: nach der Schlacht von Bemrnront wurde j

was sich die Franzosen über Sedan vorloge-k.

Nie, so lange im Deutschen Reiche der denkwürdige, herr­sche Tag von Sedan begangen wird, haben mir einen Sedantag wie diesen des Jähres 1914 erlebt. Vergangenheit und Gegen­wart reichen sich in diesem Angenblicke die Hand. Wieder wie damals sind die deutschen Waffen lm Nordosten Frankreichs siegreich auf dem Marsche, und wieder wie damals lügt sich das leichtsinnige Volk die Siege an, die es auf dem Schlachtfelde nicht gegen uns zu erringen vermag. So ist es heute so war es damals. Bor ewigen Jahren hat Henri Charriaut Auszüge aus Pariser Zer- tungen w der Zeit vom 31. August bis zum 4. September ver­öffentlicht, die eine geradezu unwiderstehlich beredte Sprache auch über die Ereignisse der Gegenwart führen. Nach dem Figaro" vom tzl. August halte Bazaine die Kavallerie des Prinzen Friedrich Karlüberrumpelt und fast vollständig vernichtet". Dem Marschall Mae Mahon sollte esebenso gut" gehen, und es hieß ferner:Man erwartet ewen entscheidenden Sieg und zwar schon in den nächsten Tagen." Die gingen nun hin, und es kam Her weltgeschichtliche 2. Septeinber. Am selbigen Tage veröffent­lichten die englischen Zeitungen ewe offiziöse Drahtmeldung aus Paris, nach der das Ergebnis der gestern gelieferten Schlacht allgemeinals den französischen Waffen günstig" angesehen würde: und gleichzeitig hieß es in einem Berichte desGaulois", daß Mac Mahon den Herrn v. Greffulhc in einein Prwatbrief versichert habe, alles werde weit besser gehen, als man in Paris annehmon möge. Tas war nun gute Nachricht, und mancherlei Maßregeln, die bereits von vorsichtigen Leuten im Hinblicke auf einen et­waigen Maffch der Deutschen aut Paris getroffen worden waren, wurden jetzt wieder rückgängig gemacht, lind hatte inan nicht den besten Grund dazu, ruhig und siegesgewiß zu sein? Las man nicht am 2. September im Petit Journal", daß Mac Mahon gegen das prenßisck>e Heer, das schon am Tage vorher so arg vfftgenommen worden sei (!), die Offensive ergriffen und die ganze Armee zum Rückzüge gezwungen habe, nachdem der lmke deutsche Flügel vollständig ausgerieben worden sei 80 000 Manu hätten die Preußen verloren, König und Kronprinz sich eiligst nach Cler- nrom-en-Argvmre zurückgezogen und Metz ivar bereits wieder frei. Bald, so irreldere die Zeitung, werden wir an der Spitze unseres Blattes melden können:Sieg! Großer Sieg!" Me 'amtlichen Nachrichten waren ja allerdings nicht gcmz io aus­schweifend, meldeten aber immerhin Vorteile des französischen Heeres, Mißerfolge und Verluste der Deutschen, Und nun brach der 3, September an. Ew schöner Herbstsonnenwg. Paris strahlte vor Sonne und vor Glück. DerFigaro" phantasierte von der Sonne von Austerkitz" und harte sich von ewemgut unter­richteten" Herrn veffichern lassen:Bor Ablaut von vierzehn Tagen werden wir in Frankfurt den FriedeuSvertrag unterzech- wen." Am nächsten Morgen bestätigte das Boulevard-Blatt Noch den großen Sieg. Me Preußen waren aufs Haupt geschlagen, 30 Kanonen waren Wien weggenommen, man dürste ahne Uäber-

hier Mac Mahon am 30. August über die Maas zurückge- worfen. Weiter geht die Fahrt, der Fluß beschreibt zwei große Bogen, verläuft dann eine Zeitlang geradlinig, am Fuße sanfter Hügel erblickt man -wtenay, eine Klein­stadt an der Ostbiahn mit einigen Eisenhütten, Mahl- und Schneidemühlen, die in dem Kriege zwischen Frankreich, Spanien und Lothringen heiß umstritten wurde. Erst Lud­wig XIV. ließ die Festung schleifen. Bald daraus erreicht man, genau von Norden kommend, Dun. Der Name des OrteS ist keltisch: Dun heißt Berg und nach den Bergen ist der Ort auch benannt. Am linken Ufer treten nämlich die Hügel, die das Maastal umsäumen, dichter an den Fluß heran und auf einem dieserBerge" liegen die Reste eines alten Schlosses. Noch immer begleiten unendliche Wiesen den Lauf der Maas und erst wenn man sich Verdun nähert, wird die Landschaft etwas anders,' heiterer, im Grün der Wiesen liegen nicht nur viele Dörfer, son­dern man sieht wieder richtige Hügel, deren Hänge mit Wein bewachsen sind und wo diese Hügel irgendeine nen­nenswerte Höhe haben, sind sie von Forts gekrönt, den letzten Forts, die zum Bereiche der Festung Verdun gehören.

ElfüssischeZranktireurr".

Ein katholischer elsässischer Pfarrer, der, wie dieKöln. Volksztg." schreibt, ob seines ruhigen, sachlichen Urteils all­gemeine Achtung genießt, schreibt diesem Blatte:

Als Schulbeispiel für die Entstehung der Franktireurlegende Einzclsällc gibt natürlich jeder bereitwillig zu, wenn sic fak­tisch nachgewiesen sind! -- möchte ich ein Vorkommnis Mitteilen, das sich in den Tagen des Aufmarsches der Truppen in eineni cl- sässischen Dorfe abgespielt hat, bei welchem nur durch eine Reihe glücklicher Umstande es verhindert wurde, daß gegen das Torf die härtesten Maßnahmen durchgeführt wurden.

Von der ersten Stunde der Mobilmachung an hatte das rund 500 Einwohner zählende Dorf außer der Last einer starken Be­satzung nebst Arbeiterkompagnie auch die vorübergehende Anwesen­heit großer Truppenteile auf deren Durchmarsch attsznhalten. Je­der tut, was er kann, und so schickte ich denn meine Schwester zur Aushilse dorthin an den väterlichen Herd. Ettoa 40 Mann täglich erwarteten von ihr Speise zu jeder Zeck" und dazu noch viele andere Dinge. Alles gab man im Dorf, so lang man hatte. Oft war man glücklich, wenn irgend ein Mann auf dem Durchzug ein Stück Pumpernickel hatte liegen lassen. Dann hatte man doch auch Brot stir sich.

Zwei Wochen gingen so glücklich vorüber. Am Hinunelsahrt- abend gegen Mitternacht suchte man denn im Dorfe seine Schlaf­stätte auf, soweit sie nicht etwa an Kriegsleute »ergeben war. Aber schon wicker was Neues. Ein Quartiermacher meldet eine größere Truppe an für 2 Uhr morgens. Für die Mannschasten die Scheunen aufm», für die Chargen Sessel, Liegrstühlc, Betten nach Möglichkeit bereithalten für kurze Rast! Gleich ist's auch geschehen: Uebung macht den Meister.

Zur angesagten Zeck trifft die Truppe ein. Bor dem Rhein­übergang erfolgte Befehl, scharf zu laden; man vermutete wohl den Feind in der Nähe. Rasch sind die Leute untergebracht, jetzt endlich darf auch der Dorfbewohner an Schlaf denken. Kaum gedacht, ist der Lust ein End' gemacht. Ein Knall und noch einer, imd dann ein Lärm von umstürzenden Stühlen und Bänken, von rufenden, lausenden Menschen und dann hilf Himmel! es kracht an allen Ecken, und unheimlich sausen die Geschosse durch die dunkle Nacht. Mein Schwesterlein hat der Fürwitz schon draußen, es will das beschossene Flugzeug loch sehen' Schnell reißt sie niein Brndec noch ins Haus' herein, und hinterher stürzen und rollen, gebückt und geduckt, fünf, zehn, zwanzig Mann und noch mehr. Denn nickt in die Höhe nach Flugzeugen, sondern flach durch die Gassen pfeifen die Kugeln. Also nur mal rein ins schützende Haus!

Noch ein paar Mal kracht's, dann ist's still. Man hört wieder Menschenstimmen und tsagt sich hinaus. Der Bürgermeister steht schon da auf der Brücke. bedauere sehr," sagt gerade ein- -herer Offizier zu ihm.aber in dem Falle muß die Strenge des Kriegsrechtes walten!" Und jetzt tritt er ins Haus zurück.Ja, l sehen Sie. Fräulein, da hat man nun den Euipsang. Kaum sind wir

treibung von einem Massacrc des deuffchen Heeres sprechen. Ja es karu noch schlimmer oder, so mochten die Pariser damals denken, bester: der arme alte König Wilhelm war, so wußte derGanlois" zu erzählen, nach der furchtbaren Niederlage seiner Truppen in Wahnsinn verfallen und hatte von Barennes nach Berlin geschafft werden müssen!

Das war am Vormittage^des 4. Septembers des Jahres.»'870. Schon längst war in diesen stunden das Schicksal des französischen Feldheeres entschieden. Nur eine kurze Spanne Zeit später, und die vernichtende Nachricht raste durch Paris bis in b.ta letzten Winkel der Riesenstadt. Wut und Verzweiflung waren die Folge, das Kaiserreich stürzte, die Republik ward ansgerufen. So ging es 1870 in den Tagen von Sedan. Und heute? Wie sagen doch unsere geistreichen Nachbarn im Westen? Tont revient . . . Alles kehrt wieder, alles wiederholt sich. . .

*

R.B. Darmstadt, 31. Aug. Das Darmstädter Hof­theater wird am Donnerstag, den 17. September (Geburtstag der Großherzogin) seine neue Spielzeit für das kommende Winlcr- halbjahr eröffnen. Die Wiedereröffnung war schon für Anfang September vorgesehen, in Rücksicht aus die schwere Kriegszeit aber verschoben worden. Ta jedoch durch eine noch längere Verschiebung des Theateranfangs den nach Hunderten zählenden Mitgliedern des Hoftheaters und der Hoskapclle ein großer pekuniärer Schaden zugefügt werden würde und auch in weilen Kreisen der Wunsch nach Erbauung an ernsten, vaterländischen Thealerdarbietungen besteht, auch andenvärts Frankfurt, Mannheim usw. trotz oer Kriegs­zeit die Thealervorstellungen wieder ausgenommen ivurden, so hat man sich mit Recht auch in Darmstadt zu diesem Schritt ent­schlossen.

Die Jahrhundcrtausstellung deutscher Kunst von 16501800 im Residcnzschloß zu Darmstadt wird am 1. September wieder eröffnet. Die Ausstellungsleitung weist daraus hin, daß die Jahrhundertschau gerade in der gegen­wärtigen Zeit durch die nationale künstlerische Vergangenheit doppelt zu den Herzen der Besucher sprechen wird.

Das Preisausschreiben des Goethebundes. Der Vorsitzende des Württ. Goeth.'-Bundcs, Baron zu Putli'tz, Abt bekannt: In Bezug aut'dis Preisausschreiben:Was hat zur Milderung der Klassengegensätze zu ge­schehen, welche heute die aufeinander angewiese- nenKreiseunseres Volkes weitmehr trennen, als in den natürlichen Verhältnissen zu begründen i ft, sind uns seit Ausbruch des Krieges eine größere Anzahl von Briefen zugegangen, in denen Verschiebung des Zeitvunktcs der Einlieferung der Arbeiten, zum Teil Fallenlassen der Preisaus- schreibung angeregt wird. Wir anerkennen mit großer Freude, daß Dank dem gesunden Sinne unseres Volkes der ihm mitgedrun- gene Krieg alle Gegensätze hat zurücktreten lasten gegenüber der großen Ausgabe, die dieser jedem Deutschen stellt. Einmütig Aehen «Le Äolksgenoffen; ins Md zur Siche rupg jab Ehre des

int Elsaß, da schießen die Leute schon auf uns!"Also Frank­tireurs? .hier in unserem Torfe? Unser Naächar? Ausgeschlossen, Herr Hallpnnann!"Ja gewiß, der Posten unten am Fenster hat ganz deutlich den Schuß aus dem Fenster da vorne heraus ge­sehen!" Unterdessen geht das besagte Fenster auf und heraus schreit eine Stimme: Hier Landwehr! Ein Feldwebel und ein Unteroffizier der Besatzung, allerdings in Hemdsärmeln, aber immerhin gute deutsche Soldaten waren die Zimmerbewohner.

^ Unterdes sinnt nachdenklich der Hauptmann über der Karte: Ja. Herr Stabsarzt, wo sind wir denn nun eigentlich?!"Sie ge­statten, daß ich Ihnen helse," sagt jetzt cntschiedcn^meine Schtvester, Ivo schon von Kriegsrecht »sw. die Rede war,Sie sind vor zehn Minuten Weges scher den Rhein gekommen und sind jetzt in . . . Wir haben seit 14 Tagen eine Menge Soldaten hier. Sie sollen diese fragen, ob wir nicht alles Menschenmögliche getan haben, um alle zufrieden zu stellen. Wenn wir hätten schießen tvollen, hätten wir wohl anders angesangen. Ich sage Ihnen, daß kein Mensch im Dorfe zu so was fähig ist. Und nun gar erst unser, Nachbar Wirt! Beruhigen Sie sich völlig. Sie sind noch gute 40 Kilometer von der französischen Grenze, und wir tun unsere Pflicht!"Aber der Posten hat ganz bestimmt den Schuß aus dem Fenster fallen sehen. Da hat er Alarm geschossen und der Leutnant eilte gleich zur Kompagnie, ließ das Haus umstellen und sofort mehrere Salven auf dasselbe abgebcn!" Unterdessen erfährt man drin, daß das Haus durchsucht wordeu und im fraglichen Zimmer die beiden Militär sich gefunden hätten, die entschieden jeden Schliß aus dem Zimmer in Abrede stellten. Der Hausherr und dessen Sohn sei soeben abgeführt worden.

Ja, wenn es min wstht da ivar, so doch! smrstwo; denn effr Schuß war gefallen, am Ende doäi von einem Franktireur?! Dann bliebe der Makel doch am Torfe hängen? Ein güttges Geschick brachte die ganze reinigende Aufklärung.

Während man noch mutmaßend zusammenstand, bringen Sa­nitätsleute einen Schwerverletzten. In der Scheune des "Wirtes, die nach der andern Seite liegt, haben sre ihn erst jetzt gefunden. Und einige andere, die in der Schleime lagen, melden sich mit leichten Wundeil im Gesicht. So war der Schuß, eben chr der Sckzeune, behaupten einige der Soldaten, die mit in der Scheune lagen, und andere sahen es genau, daß er von oben her kam. Und ein Schrotschuß war es gewesen, daher die vielen kleines Verletzungen im Gesicht.

Kratzwrnrden!" enffcheidet jetzt der Stabsarzt,welche, sich die Leute beim Warm gegenseitig oder selbst beigebracht haben." Und der Schwerverletzte? Dem war ein faustgroßes Stück Fleisch ans denr Oberschenkel gerffsen, und das Blut floß: unaufhaltsam. Schrotschuß?" Während die Aerzte noch mutmaßen und meine Schwester dem offenbar dem Tode ltzewnhten Gebete vorspricht, meldet sich ein Unteroffizier, der auch in der Scheune neben dem Schwerverletzten lag^ein Schuß ging ihm durch den Oberarm, und zwar, wie meine Schwester dem Arzte gleich beweisen konnte, in eine'- Richtung, die einen Schuß von oben aus den liegenden Mann direkt M'.chchloß, vielmehr einen horizontalen über die Erde hin »erlangte Der Unteroffizier erklärte auch sofott auss 'Bestimmteste, daß der Schuß aus einem Gewehr der Mannschaften selbst gekommen sein mußte, von denen einzelne das Gewehr bei sich behalten hatten. Eine durchschossene Feldflasche fand sich weiterhin noch btt -iffrem Mann, so daß die schwere Wunde ge­nügend dah'N erklärt wurde, daß. nach dem Durchschlagen des Arms die Kugel beffn Pastieren, der Feldflasche oder sonst zum Quer­schläger wurde und so die schreckliche Wurche gerissen hat.

Am Morgen wurde der Wirt nebst seinem Sohn entlasten, um einiges grauer, als am Tatze vorher. Die beteiligten Mannschaften wiesen die Leute darauf hin, daß sie aus dem Grunde sofort so scharf borgegangen wären, weil man ihnen tags zuvor im Badischen das Schlimmste angekündigt hätte in bezug auf die Elsässer.

Nachträglich erfuhr man dann noch ein anderes stück der tra­gischen Handlung. Einen. Teil seiner Leute hatte mein Bruder in einem zweiten Hause jenseits jener Scheune einquartiert, Arbttter ohne Waffen und einige acht Pioniere mit Gewehr. Als die Schüsse krachten, lief ein Arbeiter in der Richtung derselben. Die Schießen­den merkten ihn, und gleich ging's drauf: Da haben wir den Franktireur! Der mttnte, es wären die Franzosen und verkroch sich. Unterdesten hatten die Pioniere das Licht angedreht, sähest draußen Waffen blitzen; schnell das Licht ab. Auf den Boden! schreit einer. Wollen wir uns denn so ergeben? der andere. Halt, ich habe ja einen Helm gesehen, sii4d ja Deutsche, , . . zigcr!

geliebten Vaterlandes. Wir müssen aber darauf Hinweisen, daß schon aus rechttichen Gründen die Preisausschrechung aufrcchtzuer- halten ist; ganz abgesehen davon, daß wir darauf Bedacht zu neh­men haben, nach Friedensschluß die Gegensätze nicht mehr in der alten Schärfe wieder aufleben zu lassen. Da mancher, der an der Lösung der Preisausschrechung gearbeitet hat, zu den Fahnen ein- berusm ist, und überdies die Lösung an den Wirkungen nicht vorübergehen kann, die der gewaltige Kampf gezeitigt hat, und noch werter iM Gewlgr habeir dürfte, so wird der Zeitpunkt derEinlieferungderArbeitenhiermrtvom 31. De­zember 1914 hinausgeschoben und seine Festsetzung einer späteren Bekanntmachung Vorbehalten.

ks. H e l d e n m u s i k. Der bekannte musiktzeschichtliche Samm­ler Ern st Challier chGießcn veröffentlicht im Bnchhändler- Börsenblalle ttne gegenwärtig besonders interessante Zusammen­stellung der Tonschöpsungen, die sich mit den Kttegshelden aller Zttten beschäftigen. Sie lehrt, daß die Helden des Krieges auch die musikalische Phantasie und Schaffenskraft von jeher reich an­geregt haben. So sind z. B. Kaiser Wilhelm I. durch nicht weniger als 20 einstimmige Lieder, 15 Männerchöre und 3 gemischte Chöre verherrlicht worden, aber sein Sohn, der Kronprinz, den ja be­sonders die süddeutschen Truppen während des Feldzuges 70 ge­radezu vergötterten, steht ihm in der musikalischen Literatur nicht viel nach: 11 ttnstimmige Lieder, 14 Männerchöre, 1 gemischter Chor und 10 Jnstrumentalstücke sind ihm zu Ehren geschaffen wor­den. Moltke bildtt den Gegenstand von 8 ttnstimmigcn Liedern, 6 Mannerchören und 5 Jnstrumeiitalstücken; Friedrich Karl, dem roten Pttnzen, gelten 5 einsttmmige Lieder, 3 Mannerchöre,

1 gemischter Chor und drtt Jnstrumentalstücke. Auch Oesterreichs Kriegshelden sind in Tonwerken gefttert worden, so der lapsere Freiherr von GMenz in 7 Jnstrumentalstückcn und der helden- hafe Adtmiral Tegetthosf in 5 Jnstrumcntalstücken. Der fleißige Sammler hat sttne Stattsttk bis auf die ältesten Zttten zurück­verfolgt, und wir ersehen daraus, daß Achilles der Held von 22 Opern ist, ooch steht er weit hinter dem listigen Odysseus zu­rück, dessen sich nicht weniger als 85 Opern angenommen haben. Alexander der Große aber schlägt auch auf dem Gebiete der Ton­kunst jeden Rekord: mehr als 90 Opern sind auf chn geschaffe» worden, und damit kann weder Julius Cäsar mit sttncn 29 Opern, noch der König David wettttfern, dem aber immerhin 16 Opern,

2 Chöre und 6 ttnstimmige Lieder gelten. Grttten wir noch ein paar andere intereffante Zahlen heraus, so ist Prinz Eugen, der edle Mtter, durch 6 Licker, 16 Chöre, 2 Opern und 3 Jnuruncental­stücke verherrlicht worden. Den, alten Tcffaucr gelten 5 Lieder, je 1 Oper und 1 Chor und 2 Jnstrumentalstücke, während sich aus den alten Fritz 13 Licker, 17 Chöre, 4 Opern und 1 Jnsirumental- stück beziehen. Napoleon gelten 32 Licker, aber dazu treten nur noch 2 Chöre und 8 Jnstrumentalstücke, und Blüchm tritt aus dem Gebiete der Tonkunst kaum hinter seinen Erzjcnch zurück: sie hat ihm 13 Licker, 22 Chöre und 4 Jnstrumentalstücke gewtdmat.