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mrngsvollc Sohn des Oberstallmeisters M) Frhr. R i e d e s e l zu Eisenbach, der Hauptmann und Kvmpagnieches Paul v Hombe r zk zu Bach (116. Jnf.-Oigt), ein Beiter unseres Ministers des Inner», der Hauptmann d. R. Obcrpostprakti- kant Karl Schuchmann, der Major und Abteilmifls- sommandeur Reinhart von Zangen, ein Schwiegersohn des Gcneralstaatsanwalts Tr. Praetorius u. a. Besonders schwer ist auch die Familie unseres Staatsministers Tr. v. Ewald getroffen worden. Nachdem bereits in den ersten Lagen der MobilmaclMNg sein Schwiegersohn, Leutnant v. Gustadt, durch einen Sturz mit dem Pferde scl/wer verletzt wurde, traf heute die Traucrmeldung ein, daß der einzige Sohn des Staatsministers Tr. v. Ewald im Fcloe gefallen ist. Ehre dem Andenken dieser Tapferen.

A u s z u g a u s d c r B e r I u st l i st e. Leutnant Hans Schäfer im Inf.-Regt. Nr. 87, Sohn des verstorbenen Seminardirektors Schäfer in Friedberg, tot. Leopold Stern, Unteroffizier d. R. im Jnf.-Regt. Nr. 81, aus Friedberg, tot. Engel, Sohn des Briefträgers Enget in Friedberg, tot.

** Feldpostb riese. Ten zahlreichen Einsendern von Briefen und Postkarten von im Felde stcheirdcn Angehörigen teilen wir mit, dag wir von Veröffentlichung solcher absehen müssen. Wir wissen, daß jeder Einzelne seine Schuldigkeit vor dem Feinde lut, wissen ferner, daß unseren Soldaten der Humor im Felde nicht ansgeht, und wissen auch, daß treue Kameradschaft in Augenblicken der Gefahr geübt wird, lieber Einzelcrlebnisse zu berichten ist nicht möglich, umsomehr, da uns gestern eine amtliche Anweisung zugegangcn ist, wonach Schilderungen von im Felde stehenden «aldaten und von Gefangenen in der Presse nicht mehr verbreitet werden dürfen.

** Erholungsaufenthalt im Botanischen Warten. Für die Genesenden unserer Lazarette und deren Begleitung ist der Botanische Garten als E r h o - lungsaufcnthalt zur Verfügung gestellt. Bänke und Stühle sind vorhanden und werden nach Be­darf noch beschosst werden. Sollten die Lazarette noch be­sondere Wünsche haben, so wird die Verwaltung solche jeder­zeit entgegcnnehmen.

** Lebens in ittelvcrkaus am, Sonntag. Der kom­mandierende General des 18. Armeekorps hat, wie bereits bekannt gegeben wurde, die Anordnung, wonach die Vorschriften über die Sonntagsruhe außer Kraft treten, wieder aufgehoben. Es greifen hicrnacb.ne gesetzlichen: Borschritten über die Sonntagsruhe wie­der Platr. Nachträglich ist jedoch der Verkauf von Lebens- Mitteln an Sonntagen bis 7 Uhr abends gestattet worden. '

"Einenpraktischen Vorschlag macht ein Leser desDiesb. Tagbl.". Er schreibt: Me diejenige», deren Angehörigen im Felde stehen, wissen, wie sehnsüchtig Le­benszeichen unserer Lieben ertvarret werden. Wer schnell AMwort hoben will, dem empfehle ich folgendes Mittel: Legt allen euren Briefen einen oder mehrere Brief­umschläge mit Adresse, mit Tinte klar geschrieben, und einen oder mehrere Briefbogen zur Antwort bei. Tie portosreie Gewichtsgrenze für Feldpostbriefe ist so wett gezogen, daß das ohne Uebergewicht möglich ist. Tie Be­sorgung von Briefbogen und Tinte macht den Soldaten sehr ost die größten Schwierigkeiten. Beherzigt man meinen Vorschlag, so wird mancher Brief eher, als es sonst ge­schieht, die Ungewißheit beseitigen, die einen quält, wenn man tagelang ohne Nachricht geblieben ist.

** Ersparnis an Beleucht ungsko st en. In der jetzigen Zeit, in der alles teurer wird, ist es wohl angebracht, daraus hinzuweisen, daß der clektrisckfe Strom zu denselben Preisen wie srüher zur Abgabe gelangt, zum Unterschiede von Petroleum, für welches gerade in den letzten Tagen die Preise teilweise in die .höhe gegangen sind und bei langer Dauer des Krieges, wenn die Zufuhr abgeschnitien ist, vermutlich noch iveiler steigen werden. Es ergibt sich hieraus für jeden, der zu rechnen gewohnt und gezwun­gen ist, die Frage, ob es nicht besser ist, jetzt zur elektrischen Beleuch­tung liberzugehen. Abgesehen von den Vorteilen, die für den ein­zelnen hieraus erwachsen, ist es auch volkswirtschaftlich besser, im Jnlandc erzeugten Strom zu verbrauchen, als ans dem Ausland importiertes Petroleum zu verwenden und so das Geld ins Aus­land zu schicken. Da cs vielen nicht bekannt sein dürste, daß auch in normalen Zeitläusen, also bei den früheren billigen Petrolcnm- vreisen die Beleuchtung mit Petroleumlamvcn ungefähr doppelt so teuer ist als die elektr. durch Wotanlampen, sei hier besonders daraus aufmerksam gemacht. Das Liter Petroleum lostete vor Beginn des Krieges in Deutschland wohl durchweg ca. 20 Pfg., die Kilowatt­stunde für Beleuchtung ca. 3050 Pfg. Ein ca. 25-kerziger Pe­troleumbrenner verbraucht 1 Liter Petroleum in 10 Slunden, es kostet somit die Brcnnstunde 2 Pfg. Die gleichwertige 25-kcrzige Wotanlamve verbraucht eine Kilowattstunde in ca. 40 Stunden, was pro Brennslundc bei 10 Pfg. Kilowaltsiundcnvreis etwa für 1 Pfg. Elektrizität ausmacht. Da jetzt fast sämtliche Gewerbe, so auch das der Installateure, zu einem unfreiwilligen Stillstand ge­zwungen sind, so bietet sich augenblicklich wohl eine gute Gelegen­heit, die Installation von elektrischer Beleuchtung zu niedrigen Preisen vornehmen zu lassen, da jeder Installateur zufrieden sein wird, jetzt Aufträge zur Ausführung bringen zu können. Die ge­ringen Kosten, die die Installation erforderlich macht, machen sich in kurzer Zeit durch Ersparnis bei dem Lichtvcrbrauch bezahlt. Zu berücksichrigen ist auch, daß das elektrische Licht eine viel größere Beauemlichkcit der Bedienung gewährleistet und eine viel größere Gewähr gegen Fcucrsgesahr bietet, was namentlich dort berück- sichttgt werden sollte, wo Kinder im Hause sind.

Landkreis Gießen.

-n. Lang-Göns, 1. Sept. Daß auch in unserer Gemeinde batriolische Begeisterung und großer Opfersinn herrscht, zeigte sich schon bald nach Bekaiiiitwerden der Mobilmachung. Es wurde ein h i l s s v e r e i n gebildet, der durch seine rege Tätigkeit einen großen Erfolg batte. An zwei Tonnlagen wurden durch Mitglieder des Ausschusses zum Besten desRoten Kreuzes" und zur Unterstützung der durch den Krieg in Nor geratenen hiesigen Einwohner 1536 Mt. gesammelt. Zn den Betstunden, die jeden Mittwoch abgchaltcn werden, wird jedesmal eine Kollekte erhoben, die obigem Zwecke dienen soll, und schon setzt eine schöne Summe ergeben hat. Auch

andere Spenden ginge» ein. So wurde» allein ca. 18 Zentner Bohnen geliefert und annähernd 2200 Eier gesammelt. Diese Gaben

werden in den nächsten Tagen der Zentralleitung vomRoten Kreuz" zugesandt. Bon Frauen und Jungfrauen werden Socken für die tapferen Krieger gestrickt, Hemden genäht und viele andere Gegenstände, wie Bettücher, Armtücher, Handtücher, Pulswärmer usw. hergestcllt.

Kreis Friedberg.

Friedberg, 31. Aue. Eine Anzahl hiesiger Ladengcschästc ist überein gekommen, an Werktagen jetzt, der Lichlersparnis halber, um 7 11 6v abends zi, schließen. Eie solgeu damit dem guten Beispiel der Stadtverwaltung, welche die Laternen ein« Stunde srüher ivie sonst ausmachen läßt.

Hessen-Nassau.

h. Frankfurt a.M., 31. Aug. Der Erste Staats­anwalt Dr. B l u h m e wurde zur Mitwirkung in der deut­schen Zivilvcrwaltung Belgiens berufen.

h. Frankfurt a. M., 31. Aug. Biele Frankfurter, die Inhaber russischer, englischer, sapanischer und belgischer Or­den sind, haben, dem guten Beispiel andererRitter" fol-- gend, diese Auszeichnungen jetzt veräußert und den dafür erhaltenen Betrag dem stioten Kreuz überwiesen. Verschie­dentlich wurden die Orden in amerikanischer Versteigerung losgeschlagcn, eine Methode, die sich als recht lohnend und allseitig jubelcrregend erwies und darum zur Nachahmung empfohlen werden kann.

Quittung.

Für die D e r m u n d e t e n der Marine gingen weitere Beiträge ein von i Oberlehrer Weber 4 Alk., Frau Bender 3 Mk., Frau Schlcuke l0 Mk., llugenaimt 3 Mk., deSgb 2 Mk., Fräulein Schneider 3 Mk., Ilugenaunt 10) Mk., Prost Dr. Trapp 10 Mk., Lehrer Habicht 10 Mk., ziilammen 145 Mk.; tut aanjen mit de» srüderen Spenden von 108 Mk.: 253 Mark. Mi! aufrichtigem Dank sür diese hochherzigen Svenden bittet um weitere Beiträge Prost Pötzing, Gocthestratze 19.

Gerkchtrsaal.

b F r a n k! n r t a. M., 31. Ang. Urner dem Vorsitz des Land» gericdtSdirrktors Dr. Heldmanu beganu l>eule der Prozeß gegen den früheren Leiter der Frankfurter Sittenpolizei, Kriminalkommissar Robert - ehmidt. Deo Angeklagten wird zur Last gelegt, in Kiel, wo c srüher tätig war, in beirügcrischer Weise Rennwetten abgesch!o>i?n und hier in Frankfurt der Inhaberin eines verrufenen Hauses >i etzwidrige und u»erlaubte Beo »siigungen verschafft zu haben. Von den zur Perhandlunq geladenen Zeugcu sind die Kieler nicht erlchienen. Der Kieler Betrugsfall kommt deshalb erst später zur Verhandlung. Auf Antrag des SlaatSanwalls beschloß da? Gericht den vollständigen Ausschluß der Oesseutlichkeit, auch der Presse.

(WTB.) Straßburg, 31. Aug. (Nichtamtlich.) Wie die Straßburger Post" aus Basel berichtet, hat das Baseler Straf­gericht am 26. August den Agenten Adolf Reißer aus Senn- Heim im Ober-Elsaß, der als Mitglied eines französischen Spionage­bureaus sestgestellt wurde und elnräumtc, daß er seit Jahren zu­gunsten Frankreichs Spionagcgeschäste betrieben und dafür reich­liche Geldunterstübungen aus Belsort erhalten habe, auf Grund des schweizerischen Sprcngstofsgesetzes zu drei Jahren Zucht­haus und lebenslänglicher Ausweisung aus der Schweiz verurteilt. Reißer bewahrte in seinem Keller feit vier Jahren eine mit Ben­zinsäure gefüllte Bombe, welche zur Sprengung der Eiscirbahu- brücke bei Waldshut wahrend der Fahrt eines deutschen Militär­zuges bestimmt war.

vermischter.

* D i e Krankheit im Kriege, Wenn er bet den un­erhört schweren Opfern, die diele: gewaltige Krieg fordert und for­dern wird, noch einen leisen Trost gibst so ist es der, daß die VicuschenVerluste schließlich doch im Verhältnis zu früheren Zeiten geringer sein werden. Einmal, weil die modernen Waffen .humaner' wirken und das Sanitatsweseu unvergleichlich bester organisiert und leislimgS'ähiger ist als in vergaugeucu Kriegen, dann aber, weil Krankheiten, eben wegen der Vervollkommnung desselben, nicht im cutieruleslen mehr so schädlich wirken al; einstmals. Bis 1806 raffle» sie mehr Menschenleben dahin als die Waffen. Folgende Tabelle tut den Fottscbritt unwiderleglich dar. Es verhielt sich die Zahl der au Krankheiten Gestorbenen zu der durch die Waffen Gclölelen >m

Rnsülch-Türklichen Kriege 1828/29 . auf russischer Seite wie 4:1

Krimkrlege 18ö4tt>6........englischer , , 3,7:1

Krnnkriege ]s54'66. . . ..... französischer. 3,9:1

Preubiich-Oesterrei,bischen Kriege 1806 , preußischer , 1,4:1

Preubiich-O'csterreichischen Kriege 1866 öste, reich. , 3,1:1

Teutich-Frauzösischeu Kriege 1870/71 , deutscher , , 0,5 : 1

Eine Ausnahme später machte wegen der jammervollen Zu- stände, dir ini russischen Heere bei der Intendantur und tm Sani- tätSivejeu herrschten, der Russisch-Türkische Krieg von 1877/78. Da war das Verhältnis bei der russischen Donan-Armee 2,5: 1 und bei der Kaukasus-Armee 18,8: I.

* Frankreich als Apollo. Bismarck liebte bekanntlich drastische Vergleiche. Nicht bloß in seinen ossizicllen Reden, sondern auch im Drivatgefpröch. So hatten seine Unterhaltungen stets einen besonderen Reiz, und dieser ist cs, der den Auszeichnungen von Moritz Busch über die Ilnterbalkungen zwischen dem Bundes­kanzler und seinem Stabe im Felde bauerndes Interesse bewahrt hat. Gelegentlich solcher Gespräche erwähnt Bismarck lerne Ab­neigung gegen den Führer der Musen, den Gott der Dichtkunst, Apollo. Er behauptet, er hätte ihn nie leiden können, und fügt hinzu:Er ist '»er echte Tvvus eines Franzosen, einer, der es nicht ertragen kann, daß jemand bester oder ebcniogut wie er die Flöte spielt." An diese Charakteristik der Franzosen muß man unwill­kürlich denken, wenn man den Brief liest, den der Kaborcttkünstlcr und Conicreneier Marc Hcnrlf, der seineBerühmtheit" in Deutsch­land mehr oder weniger der anniutigcn Gesangskunst seiner Frau verdankt, veröffentlich: hat. In diesem Briese stehen die klastischen Worte:Als Schriftsteller, als Künstler habe ich tatkräftig bei der intellektuellen Entwicklung dieses großen Landes mitgewirkl." Wäre diese Bekniiptung nicht so maßlos unverschämt, man könnte darüber lachen. Aber Bismarck hat recht: daß einer bester die Flöte spielt als er, kann sich kein Franzose denken. Nun, jetzt wird man ihnen wohl die Flötentöne beibringcn.

yiichertisch.

Ter Bölkerkrie g". In diesen» Tagen, wo Deutschland seine ganze nationale Existenz einsetzt, fühlt jeder den Wunsch,

sich von dem großen einzigartiqen Weltvorgang, in dessen Schoß« vielleicht eine völlig neue, ungeahnte Zukunft ruht, nichts ver­loren gehen zu lassen. Diesem Verlangen kommt die Zeitichriit Der Völkerkrieg" (Verlag Jnl. Hoffman», Stuttgart, ent­gegen. Die einzelnen Hefte, die im Abstand von 814 Tagen aus­einander folgen, bilden eine sorgfältig gegliederte, lückenlose Chro­nik der Ereignisse seit der Ermordung des österreichischen Thron­folgers,, an den Höhepunkten durch Stimmungsbilder uno^packcndc Schilderungen von Augenzeugen lebendig veranschaulicht. Sie brin­gen die wichtigsten Dokumente im Wortlaut, ferner Aussätze und Briese aus der Feder bedeutender Persönlichkeiten, die im Feld stehen oder »vn der Heimat aus den Gang der Tinge verfolgen.. Tie Zeitschrift, die später ein abgeschlostcnes Ganzes bilden soll, wird für jeden, der die Geschichte dieses Krieges studieren will, ein unenkbehrltches Qnellenwerk sein. Zunächst werden zwanzig Heste znm Preise von je 30 Pfennig erscheinen.

Handel.

§ Ein Rückzug der englischen Regierung... Vor zirka acht Tagen ist aus New A o r k gemeldet worden, daß die englisckie Regierung ein Verbot sür alle englischen Firmen erlassen habe, Geschäfte mit solchen ausländischen Firmen ab­zuschließen, an denen Deutsche beteiligt sind, sei es auch nur durch einen einzigen deutschen Teilhaber. Entgegen dieser Meldung wird jetzt von der englisckfen Regierung folgendes veröffentlicht: 1. Um zu bestimmen, welche Geschälte mit ausländischen Firmen zngelassen sind, ist es von Belang, zu wissen, nw der ausländische Händler wohnt und seine Geschäfte betreibt, nicht aber, welcher Ralionalität er angchört. 2. Als Regel ist anzngcben, daß keinerlei Schwierigkciteir gegen geschäftliche Beziehungen zu erheben sind, die zwischen britischen Firmen einerseits und deutschen sowie österreichischen Firmen andererseits besteb<m, die in neutralen Staaten ihren Wohnsitz haben. Dagegen ist der Abschluß von Ge­schäften mit solchen Firmen im Feindesland verboten. 3. Wenn eine Firma ihre Hauptniederlassung im Feindesland, aber eine Zweigniederlassung in einem neutralen Land hat, sind Geschäfte mit der Zweigniederlassung, abgesehen von gewissen Sondervcrboten, zngelassen, soweit dieselbe Kons kicks da­hingehend getroffen sind, daß die Hauptniederlassung dadurch un­berührt bleibt. 4. Handelskontrakie, die vor Ausbruch des Krieges mit Firmen in Feindesland abgeschlossen sind, können während des Krieges nicht ausgeführl lvcrden, und Zahlungen an solche Firmen dürfen während des Krieges nicht geleistet iverden. Wenn es sich aber nur darum handelt, Waren gegen Bezahlung zu empfangen, so ist dagegen nichts einzuwenden. Bei Geschäften, die vv; dem Kriege abgeschlossen, aber dann aufgehoben sind, hängt alles von der besonderen Rechtslage ab. 5. Tic Regierung behält sich etlvaige weitere Maßnahmen vor. Wie sich aus diesen Bestimmungen ergibt, bat die englische Regierung doch ivohl eingesehen, daß allzu scharf schartig macht. Sie hat durch den leidenschaftlichen Kamps, den sie aus wirtschaftlichem Gebiet gegen das verhaßte, wirtschaft­lich den Engländern weit überlegene Deutschland führt, England in der ganzen Geschäftswelt in argen Mißkredit gebracht und schon jetzt bewirkt, daß man auch sür alle kommenden Jahre ein Geschäft mit englischen Firmen nur mit äußerstem Mißtrauen und äußerster Zurückhaltung herantreten wird. Wenn England jetzt einige Er­leichterungen der früher.getroffenen Maßnahmen eiiifühcl, so sind diese nicht geeignet, den schlechten Eindruck, den das englische Vor­gehen in der ganzen Welt hervorgerusen hat, wieder zu verwischen.

Amtlicher Wetterbericht.

Oessentliche Wetterdien st st ekle Gießen.

Wetteranssichten in Hessen am Mittwoch, den 2. Sept. 1914: Fortdauer der besieheudeu Witterung: Heiter und trocken, nord östliche Winde, nachts kühl.

Letzte Nachrichten.

Nicht 60000, sondern 70000 Gefangene!

W.T.B. Berlin, 1. Sept. Nach weiteren Mittei­lungen des Hauptauartiers ist die Zahl der Gefangenen in den Schlachten von Gilgenburg und Ortelsburg noch größer als bisher bekannt. Sie beträgt 70 000 Mann. darunter 300 Offiziere. Das gesamte Artilleriematerial der Russen ist vernichtet.

Die Franzosen in Angst.

Frankfurt, 1- September. DieFranks. Ztg." meldetaus Paris: Deutsche Truppen sind am Sonntag in Compisgne (80 Kilometer von Paris) angekommen. Die französische Militär­behörde kündigte an, daß, da die Militärtransporte nunmehr be­endet seien, die Zivilbevölkerung genügende (Gelegenheit habe, in Zügen, die mit doppelter und dreifacher Wagenzahl ausgeflattet werden sollen, Paris zu verlassen. In Paris Ijatte man bis zuletzt gehofft, daß der deutsche Vormarsch durch die verschanzten Lager von La F«re und Laon sowie durch die imtürlichen Hindernisse der Bodengeftaltnng aufgehalten werden würde. Nmimehr tröstet man sich damft, daß das deutsche Heer infolge der riesigen Anstrengungen und Verluste erschöpft sei, während die Franzosen noch über starke und frische Reserven verfügten.

Die erste Kunde von den nahenden Deutschen brachte ein deutsches Flugzeug, das in einer Höhe von 2000 Meter um Mittag eine ganze Stunde über Paris schwebte und drei Bom­ben herabwarf. Die erste Bombe fiel auf eine Druckerei. Die zweite explodierte vor einem Bäckereibesitzcr, der an der Kasse saß: der Mann ivnrde durch Splitter leicht verwundet. Die dritte siel in die Rue Recolette: zwei Frauen wurden hier schwer verwundet. Tie Bevölkerung glaubte zuerst, daß eine Gasexplosion oorliege, und lief an den Stellen zusammen, wo die Detonationen gehört wurden. Bald erschienen Feuerwehr, Polizei und Bürgermeister und sperrten ab An drei Stellen lies, der Aeroplan mit Semd beschwerte Säcke fallen: diese enthielten B/r Meter lange Banner in deir deutschen Farben sowie Schreiben des Wortlauts:Das deut-> s ch e Heer steht vor den Toren von Paris: es bleibt Euch nichts übrig, als Euch zu ergeben!"

P i ch o n erörtert imPetit Journal" den Plan, mehrere hunderttausend Japaner (!) zur Unterstützung des Dreiver­bandes nach Europa kommen zu lassen, was seiner Ansicht nach bei der voraussichtlich langen Dauer des Krieges wohl mög­lich wäre.

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