internationale Abmachungen als gemeinschaftliches Werk aller Hyristlichen Nationen anerkannt und unter internationale,! Säpitz gestellt worden. In der Kongoakte ist ausdrücklich vereinbart, daß kriegerische Verwicklungen unter europäischen Mächten nickt auf afrikanisclies Gebiet übertragen werden dürfen, sondern Mel» mehr die Signatarmächte solidarisch für die AusrechlerhalNing der Rul>c zu sorgen haben. Nun zerreißt England Liese Solidarität, erschüttert in ihren Wurzeln die Autorität der meinen Rasse und trägt den Krieg in eine Bevölllerung hinein, welche ihm »mir völlig verständnislos gegenüberstehen kann. Bisher standen in Afrika vor den Augen der Eingeborenen die Weißen als ein« unerschütterlich.', geschlossene Einheit da und nunmehr soll den Eingeborenen ein blutiger Kamps zwischen Weiden vov- gcsührt werden, bei dem die Eingeborenen unvermeidlich Partei ergreifen müssen. Jeder Kenner der Lage weife, ivelches gefährliche spiel das bedeutet. Sehr bald werden die Eingeborenen zu dem fragenden Gedanken übergehen, ob sic nicht den Augenblick benutzen können, nm die ganze Herrschaft der Weifeen abznschüNeln. Tos kann zu Anfftönden und Kämpfen führen, welche das ganze so mühsam aufgebaute Misiionswerk zerstören müssen.
Zum Schlüsse des Aufrufs wird an alle Kolonialmächte die dringende Bille gerichtet, das ihrige dazu beizutragcn, daß wenigstens Afrika und seine einheimische Bevölkerung freigehalten wird von den Fahrnissen des Krieges, dessen Wirkungen dort noch unendlich viel verhängnisvoller sein müssen als in Europa,
Wie Sir Edvard Grey seine Ansichten ändert...
Wien, 30. Aug. Tie Wiener Wkgeineine Zeitung erzählt heute eine charakteristische Aussprache, die Sir Edward Gr eh einem Diplomaten gegenüber getan hat. Im Oktober 1913 sagte Grey zu einem »euernamiten englischen Botschafter: „Meinen Glückwunsch, daß sie nicht nach Petersburg gekommen sind. Die Russen halten in der persischen Frage nicht Wort, sie wollen die persische Unabhängigkeit zerstören, in der liberalen Partei wächst die M i tz st i m m u n g g e g e n Rußland. Ich sehe nicht ein, weshalb wir unser Verhältnis zu Rußland aufrecht erhalten!" Noch im Frühjahr 1914 sagte Gren zu einem Freunde: „Rußland ist uns völlig gleichgültig. Um Rußland werden wir nicht einen Mann und nicht einen Schuß opfern:. Frankreich wollen wir vor Vernichtung schützen." Nach dem Besuche Ssasonows sagte Grey zu einem nichtenglischen Diplomaten: „Ssasonows Absichten lassen uns an Rußlands Friedensliebe ernstlich zweifeln. Der Zar hat nicht die Kraft, einer starken nationalen Bewegung zu widerstehen. Rußland ist die größte Gefahr für den eitropäischen Frieden. Unser ganzer Einfluß wird nötig sein, damit Rußland keinen Krieg heraufbeschwört." Diese Veröffentlichung des gut informierten Blattes erregt größte Sensation.
Die deutschen Heerführer.
Der „Köln. Ztg." entnehmen wir eine kurze Uebersicht über die Lebensläufe unserer Heerführer, soweit ihre Namen bekannt geworden sind. Es sind die Generalinspektoren Generaloberst v. Heer in gen, v. Bülow, Kronprinz Rupprecht von Bayern, Herzog Albrecht von Württemberg, v. Kluck, und die Generalobersten Frhr. v. Hausen, v. Beneckendorff und v. Hinken bürg. Auch der deutsche Kronprinz gehört zu den siegreichen Feldherren, aber auf dessen Werdegang brauchen wir nicht einzugehen, den kennt jedermann.
Josias v. Heerin gen.
Als Sohn tcs letzten Generalintendanten des kursürstiichen Hos- theaters in Kassel 1850 geboren, besuchte cr das Gymnasium in Kassel, kam von ihm aus in das Kadettenkorps und verliefe es im April 1867 als Portepeefähnrich. Er wurde dem hessischen Fü- silierregiment Nr. 80 überwiesen und im August 1868 zum Sekonde- leutnant befördert. Als solcher machte er den Krieg gegen Frankreich mit, wurde aber schon in der Schlacht bei Wörth schwer verwundet. Nach seiner Genesung nahm er noch teil an der Belagerung von Paris; für seine große persönliche Tapferkeit erhielt er das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Auch nach dem Feldzug blieb cr bei seinem Regiment, wuroe 1875 Premierleutnant, 1876 als Adjutant zur 62. Jnsantericbrigade befohlen, 1877 in das Infanterie-Regiment Nr. 116 versetzt. Schon 1879 auf ein Jabr zur Dienstleistung im Generalstab besohlen, wurde er 1880 tzanpl- mann im Gencralstab, kam 1882 zum Gencralstab des IX. Arinee- korps, 1884 zu dem der 22. Division; 1886 wurde er Kompagnie- chef im Jnianterie-RegimeiN Nr. 91, ein Jahr darauf Major im Kriegsministerium. Drei Jahre blieb er dort, wurde dann Ba- taillonskommandeur im Infanterie-Regiment Nr. 117, von wo aus er 1892 unter Zurückversetzung in den Generalstab der Armee Ab- teilungschef im Grossen Generalstab wurde. Juni 1892 wurde cr Oberstleutnant, 1895 Oberst und Kommandeur des Infanterie- Regiments Nr, 117. 1898 wurde cr wieder in das Kriegsministe- rrum versetzt und bald darauf zum Direktor des Militär--Ockoiwmie- depariemeuts daselbst ernannt unter Beförderung zum Generalmajor. 1901 wurde v, Heeringen Generalleutnant, zwei Jahre später Kommandeur der 22. Division. 1906 wurde er mit der Führung des II. Armeekorps in Stettin beauftragt, und gleich daraus zum General der Infanterie ernannt unter Beförderung zum kommandierenden General dieses Armeekorps. Als mit dem Rücktritt des Fürsten Bülow 1909 auch der Kriegsminisrcr v. Einem zurücktrat, fiel die Wahl des Kaisers auf v. Hceringeii' er wurde »um Nachfolger v. Einems ernannt. In dieser Stellung blieb er bis zum Sommer des vergangenen Jahres; seine größte Tal war die Einbringung der Mlliardeiivorlage. Die Annahme der gewaltigen Vorlage sollte er in diesem Amte aber nicht mehr erleben; am 4. Juli 1913 trat cr zurück, sein Nachfolger wurde, wie bekannt, d>w General v. Falkenhann. Josias v. Heeringens neues Amt wurde die 2. Generalinspektion, die er als Nachfolger des Frhrn, von der Goltz übernahm. Am letzten Geburtstag des Kaisers erfolgte seine Beförderung zum Generalobersten. In dieser Stellung und in diesem Range traf ihn der Ausbruch des grossen Krieges, für den ihn das Vertrauen seines kaiserlichen Herrn zum Heerführer einer Armee gegen Frankreich berief.
Karl v. Bülow.
, Die Laufbahn dieses Heerführers ist nicht minder reich an rafchen Erfolgen wie die v. Hceringens. 1846 in Berlin geboren als Sohn des Oberstleutnants a. D, Paul v. Bülow, besuchte er zunächst das Gymnasium zu Hamm uich nachher das WUhclms- «ymuasium zu Berlin. 1864 trat er als Junker in das ziveile Garderegimcnt zu Fuß ein. Ten Krieg von 1866 »iachke er als Leutnant mit; er wurde, nachdem er die Gefechte bei Soor und Königinhos und die Schlacht bei Königgrätz mitgeschlagen hatte, am 12. Juli 1866 zum Sekondelculnant ernannt. Während des deutsch-französischen Krieges war er zunächst Adjutant des 1 Bataillons des Berliner 2. Landloehrregiments, dann Regimentsadjutant desselben Regiments, nahm an den Belagerungen von Straßburg, Paris und an der Schlacht am Mont Valerien mit solcher Auszeichnung teil, daß er das Eiserne Kreuz zweiter »lasse erhielt. Im Dezember 1871 wurde er Preniierleumant und im März des folgenden Jahres als Adjutant zur Inspektion der Jn- fanterieschulen kommandiert. Im Jahre 1876 auf ein Jahr zur Dienstleistung beim Großen Gencralstab kommandiert, wurde er 1877 Hauttmann im Generalstab. Zwei Jahre darauf wurde der damals 33 Jahre alte Offizier zum Generalstab des 9. Armeekorps in Altona versetzjt, bei dem er zwei Jahre lang verblieb, um 1881 zum Generalstab der 4. Division nach Brombcrg versetzt zu werden. Im Januar 1884 wurde er Komvagniechef im Infanterieregiment Nr. 96, 1885 unter Ileberwcisung zum Großen Generalstab in den Generalstab der Armee zurückversetzt, erhielt 1856 die Ernennung zum Major und die Benetzung zum Geue- ralstab des 2. Armeekorps in Stettin. 1887 kehrte er ivieder in den Großen Gencralstab nach Berlin zurück. 1886 der Kommission
zur weiteren Bearbeitung des Exerzierreglements für die Feldartillerie zugeteilt, wurde cr zwei Jahre darauf Chef des Gcneral- stabs des Gardekorps, einige Monate später Oberstleutnant, 1893 Oberst, 1894 Kommandeur des 4. Garderegiments zu Fuß. 1897 wurde v. Bülow in das Kriegsministerium versetzt und mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Direktors des Zenrraldepartements beauftragt, März 18!ktz wurde er unter Ernennung zum Direktor Generalmajor, 1960 Generalleutnant, 1901 Kommandeur der 2. Garde-Jnsanteric-Division, ein Jahr später Generalquartiermeister. Im Jahre 1903, am Geburtstag des Kaisers, mit der Führung des 3. Armeekorps beaustragt, wurde er im März desselben Jahres kommandierender General des Armeekorps und 15 Monate später General der Jusanlerie. Bis zum Jahre 1912 blieb er aus diesem Posten. Während der großen Kaisermanövcr, die 1912 in Sachsen abgehaltcn wurden, war er Armcesührer der Roten Partei. Seinen Erfolgen während Meiert Manöver hatte er es zu verdanken, daß er fchon am 13. Sep-, lcmber desselben Jahres zum Generaloberst und Gencralinspekleur der 3. ArmeeinspettioN in Hannover ernannt wurde, ivomit ihm das 7., 9. unb 1t. Korps unterstellt wurden. Außer dem Eisernen Kreuz besitzt er an hervorragenden Orden das Militärehrenzeichen erster Klasse, sowie den Schwarzen Adlerorden und das Großkreuz des Roten Adlerordens! mit Eichenlaub. Er ist Chef des Grena- dierrcgiments Nr. 12 und steht ä In suite des 2. Garderegtmcnts zu Fuß. Binnen kurzem kann er sein 50jähriges Dienstjubiläum feiern.
Kronprinz Rupprecht von Bayern.
Kronprinz Rupprecht, der die Ehre hatte, den ersten großen Sieg in offener Schlacht in dem großen eurrxäychen Kriege zu, gewinnen, wurde am 18. Mai 1869 als Sohn des Prinzen Ludwig von Bayern und der Prinzessin Maria Titretta, Erzherzogin von Oesterreich d'Este geboren. Nach einer militärischen. Erziehung studierte er in München und Berlin. Am 8. August 1886 wurde er Sckondeleutnant im bayrischen JNfanterie-Lelbregiment, wurde 1888 in das 3. Feldartillerieregüiient versetzt, ein Jahr darauf unter Stellung tz In suite des Regiments bis auf weiteres beurlaubt. Am 1. August 1891 wurde er als Oberleuttrant in den etatsmäßigen Stand des Regiments wieder eingereiht, zwei Monate später in daS 1. Schwere Reiter-Regiment versetzt, wo cr zum Rittmeister ausrückic und als solcher eine Eskadron führte. 1895 wurde cr Hcruptmcmn und Komvagniechef im Jnfanterie-Leib- regiment, 1896 daselbst Maior und -Bataillonskommandeur. Prinz Rupprecht unterbrach dann den aktiven Dienst, um eine Reise nach Indien zu machen, wurde 1899 Oberst und Kommandeur des
2. Infanterie-Regiments Kronprinz und 1900 Generalmajor und Kommandeur der 7. Infanterie-Brigade. Im Juli 1903 wurde er, nachdem er zuvor wiederum eine längere Reise nach Indien, Japan und China gemacht hatte, Generalleutnant und im Jahr daraus Kommandeur der 1. Division, 1906 kommandierender General des 1. Armeekorps und als solcher General der Infanterie. 1907 wurde er Inhaber des 20. Infanterie-Regiments. Politisch trat Krmiprinz Rupprecht im Jahre 1900 dadurch hervor, daß er am 27, Mai dieses Jahres in einer Vertreterversammlung des bayrischen Flottenvereins zu Müncheii sich krästig für die damals vorliegende Flottcnvorlagc aussprach. Tie Werbearbeit des Flottenvereins aber unter der Führung des Generals Stein wurde für den Kronprinzen Rupprecht im Dezember 1907 der Anlaß, das Protektorat über d:n bayriscken Landesverband des Flottenvereins niederzutegen. Seine letzte mititärisehe Stellung war die des Inspekteurs der vierten Armeeinspektton in München, als welcher er zum Generalobersten ernannt wurde.
Herzog Albrecht von Württemberg.
Herzog Albrecht, der Thronfolger Württembergs, ist am 23. Dezember 1865 als Sohn des Herzogs Philipp von Württemberg und der Erzherzogin Maria Theresia, einer Tochter des früheren Generalissimus der österreichisch-ungarischen Armee, des verstorbenen Erzherzogs Albrecht, in Wien geboren. 1883 wurde er in die württembergifchc Armee als Leutnant ü la suite des 19. Ulancn- Regimeitts eingestellt, bezog aber zunächst die Universität Tübingen. 1885 trat er in das Regiment selbst ein und blieb dort bis 1890. Dann wurde er als Hauptmann in das 119. Grenadier- Regiment versetzt, blieb dort ein Jahr und ging dann wieder in sein altes Regiment zurück. Späterhin stand er als Bataillonskommandeur bei jenem Grenadier-Regiment und wurde dann 1896 Kommandeur des 26. Dragoner-Regiments. Im September desselben Jahres erhielt cr ein Kommando in Preußen; er wurde an die Spitze der 4. Gorde-Kavalleriebrigade gestellt, welchen Posten er bis Herbst 1900 innehatte. In württembergischen Militärdienst trat er dann ivieder zurück als Kommandeur der 51. Jnfimterie- brigade, ein Jahr später wurde er Generalleutnant und Kommandeur der 26. Division in Stuttgart. September 1906 erhielt er das Kommando des 13. Armeekorps, das er bis zum 1. April 1913 führte, zic we!ck)cr Zeit cr zum Generalinspektor der 6. (bisher 1.) Armeeinspektion (4,, 11, und 13. Armeekorps) ernannt wurde. Im Herbst 1913 wurde er zum Generaloberst befördert.
Alexander v. Kluck.
Alexander Kluck wurde am 20. Mai 1846 zu Münster i. W. geboren und ttat am 13. Oktober 1865 als Avantageur beim Jnsauterie-Regimeut Nr. 55 ein. 1866 machte er den Feldzug bei der Main-Armee mit und niinlde am 16. August desselben Jahres zum Leutnant befördert. 1870/71, im Kriege gegen Frankreich, nahm cr an der Einschließung von Metz und bei den Schlachten von Colombay, Nouilly, Bionville und Gravelotte teil; in der erstgenannten Schlacht wurde er durch einen Strefis- schnß am rechten Unterarm Und einen Prellschuß aus den Leib verwundet. Mit dem Eisernen Kreuz Weiter Klasse ausgezeichnet, kehrte er aus dem Fell« zurück, wurde 1872 zum 73. FüsilieiM Regiment kommandiert, nachdem er zuvor noch einige Zeit der Okkupationsarmee angehürt hatte. Im Oktober 1873 wurde er Prcmierleulnant, am 27. Januar 1876 Wjutant der 28. Infanterie-Brigade in Wesel. Er blieb bis 1879 in dieser Stellung, wo cr als .Hauptmann und Kompagniechef in das Infanterie- Regiment Nr. 53 versetzt wurde. Am 30. Juli 1881 ivurde er Kompagnicsührer au der Untcvoffizierschule in Jülich und nicht ganz ein ^ahr später Kommandeur der Unterofsihicr-Borschulz des Militär-.ünaben-Erziehungsinstituts in Annaberg. 1887 rückte er zum Major auf und wurde am 1. Juli 1888 Kommandeur der Unteroffizier-Vorschule in Neubreisach. 1889 kam cr als Baiaitlons- kommandcur in das Infanterie-Regiment Nr. 66, wurde 1893 Oberstleutnant und 1896 am Geburtstag deS Kaisers Kommandeur des Landwehrbezirks Berlin 1. In dieser Stellung erfolgte im April desselben Jabres seine Beförderung zum Obersten. Im Juni 1898 wurde Oberst Kluck dann Kommandeur des Füsilier- Regiments Nr. 34, erhielt am 22. Mai 1899 als Generalmajor die 23. Infanterie-Brigade und am 3. April 1902 unter Beförderung zum Generalleutnant die 37. Division. 1906 wurde er am 13. September mit der Führung des 5. Armeekorps beauftragt; einen Monat später initejr Beförderung zum General dev Jnsauterie zum kommandierenden General dieses Armeekorps ernannt, das er am 11. September 1907 mit dem l. Armeekorps vertauschte. 1909 am Geburtstage des Kaisers wurde cr in den erblichen Adelstand erlwben. Am 10. September 1910 wurde er ä !a suite des Grenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm I. Nr. 3 gestellt und am 1. Oktober 1913 zum General- inspekteiir der neuerrichteten 8. Armeeinspektton in Berlin ernannt, die sich aus dem 2 ., 5. und 6. Armeekorps zusammensetzt.
Max Freiherr v, Hausen.
Max Frhr. v. Hausen, Ritter des Hausordcns der Rautenkrone »nd des Schwarzen Adlerordens, entstammt einem alten fränkischen Geschlecht und wurde am 17. Dezember 1846 in Dresden geboren. 1863 trat er als Portepeefähnrich beim damaligen
3. Jägerbataillon, dem heutigen 2. Jägerbataillon Nr, 13, in Me akttvc Armee ein und wurde ein Jabr später zum Leutnant befördert. Z866 zog er mit seinem Bataillon ins Feld und nahm cm der Schlacht von Königgrätz ruhmreichen Anteil; noch während des Feldzugs wurde er zum Premierleutnaut ernannt. Seit 1867 Adjutant^ des Jägerbataillons Nr. 13, machte er mit ihm den Krieg 1870/71 mit und zeichnete sich besonders in den Schlachten bei St. Privat, Beaumont, Sedan und währeird der Belagerung von Paris aus. Für seine Tapferkeit erhielt er das Eiserne Kreuz 2. Klasse und das Ritterkreuz 1. Klasse des Albrechtordens
mit Schwertern. Am 1. Ocktobcr 1871 wurde cr in das Schlitzen- regiment Nr. 108 versetzt und gleickzzeitig für drei Jahre zur Kriegsakademie in Berlin kommandiert. Zu Begürn 1872 erfolgte seine Beförderung zum Hauptmami. Am 19. März 1874 kehrte er als Komvagniechef in das Jägerbattiilloir Nr. 13 ziurück und blieb reichlich em Jahr in dieser Stellung. Bon 1875 an war er teils beim preußischen Großen Gencralstab, teils beim sächsischen Generalstab in verschiedenen Stellungen tätig. 1881 Maior, wurde Frhr. v. Hausen 1887 unter Beförderung zum Oberstleutnant zum Kommandeur des 1. Jägerbataillons Nr. 12 und 1890 zum Obersten und Kommandeur des 2. Grenadier-Regiments Nr. 101 ernannt. Am 9. März 1892 wurde er Zinn Chef des sächsischen Gcneral- stabes ernannt, wurde im März 1893 Generalmajor. Am 1. März 1895 wurde er wieder in den 6)roßen Generalstab kommandiert imd war dort zwei Jahre tätig. 1897 zum Generalleutnant befördert, übernahm er das Kommando der 32, Division Mid ani 23. März 1900, nach dem Rücktritt des Prinzen Georg, des nachmaligen Königs, das Kommando des 12, Armeekorps, als welcher er am 12. Mai 1901 General der Infanterie wurde. Am 26. August 1902 wurde er jedoch von dieser Stellung enthoben und drei Tage darauf als Nachsolger des Generals v. der Planitz zum sächsischen Kriegsminister ernannt. An seinem 64. Geburtstag, dem 17. Dezember 1910, wurde er vom König von Sachsen zum Generalobersten befördert, am 1, September 1912 crtfielt er nach dem Tode des Justtzministers Dr. v. Otto als dienställester Staatsminister den Vorsitz im Gesamtministerium. Am 20. Mai 1914 trat er von seinem Amt zurück und wurde mit Genehmigung seines Abschiedsgesuches zur Disposition gestellt, unter Ernennung zum GeneralaMutanten des Königs und Belassung im Verhältnis als Chef des Infanterie-Regiments Nr, 182 und ü I» suite des. Jägerbataillons Nr. 12.
Paul von Beneckendorff und von Hindertburg.
Am 2. Okwber 1847 in Posen geboren, besuchte er das Gymnasium in Grofe-Glogau, kam zum Kadettenkorps und von dort aus am 7. April 1866 als Sekondeleutncmt in das 3. Gardercgi- ment zu Fuß. Er nahm in dem Kriege gegen Oesterreich teil an den Gefechten bei Soor und Königinhof sowie an der Schlacht bet Königgrätz, wo er leicht verwundet wurde, 1870/71 naMn er an den Schlachten Gravelotte, St. Privat und Sedan, weiter Mi der Belagerung von Paris und der Erstürmung von Le Boirrget teil und erwarb sich das Eiserrre Kreuz zweiter Klasse. 1872 wurde er PremierleiUnant, besuchte drei Jahre lang die Kriegsakademie und wurde am 1. Mai 1877 zur Dienstleistung beim (tzrvßen Generalstabe kommandiert und am 14. April 1878 unter Beförderung zum Hauptmann und unter Belassung beim Großen Gcneral- stabc in den Generalstab der Armee versetzt. Er kam zum 2. Armeekorps, 1880 zum Generalstab der ersten Division und trat im April 1884 als Komvagniechef im Jnsanterieregiment Nr. 58 wieder in den Frontdienst. Schon ein Jahr darauf aber wurde cr wieder in den Großen Generalstab berufen, wo er bald zum Major aufrückte, 1888 kam er zum Generalstab des 3. Armeekorps, 1889 wurde er in das Kriegsmirttstcrium versetzt. Zunächst war cr dort mit der Wahrnehmung der Geschäfte eines Abteilungschefs beauftragt; 1890 wurde ihm die damalige Abteilung für Fußtruppeu unterstellt. 1891 wurde er Oberstleutnant, 1893 Kommandeur des Infanterieregiments Nr. 91. 1894 erfolgte seine Beförderung zum Oberst, zwei Jahre daraus wurde cr zum Chef des Gencralstabes des 8. Armeekorps ernannt. Noch im selben Jahre wurde er Brigadelomniandeur, 1897 Gcneralnrajvr, 1900 als Generalleutnant Kommandeur der 28. Division. 1903 erhielt er die Führung des 4. Armeekorps,, wurde zum.kommanMerenden General dieses Korps ernannt, 1904 wurde er zum General der Jnsanterie befördert. März 1911 wurde er auf sein Abschiedsgesuch hin zur Disposition gestellt. Die Siegesnachricht des Gcneralquarttcr- meisters bezeichnete unfern General heute als Generalobersten. Es ist anzunehancn, daß er jetzt zu Beginn des Krieges bei 'der Ucbernahmc seines Amtes als .Heerführer in diesen.Rang erhöht worden ist. Ueber seine Tapferkeit berichtet die Regimentsgeschichtc des 3. Garde-Regiments zu Fuß aus der.Schlacht bei Königgrätz folgendes: „Plötzlich erhielten die Schützen des Leutnants v. Hin- denburg Kartätschenseuer. Bon Rosberitz aus war eine Batterie herbeigecilt und hatte aus nächste Entferiruna das Feuer gegen diese Abteilungen eröffnet. Nach kurzem Schnellfeuer warf' sich Leutnant v. Hindenburg im „Marsch! Marsch!" auf die Geschütze".
.....Bon einer Kartätschkugel am Kopf gesttcift, sinkt Leutnant
v. Hindenburg «inen Augenblick betäubt zu Boden. Als er schnell wieder ausspringt, sieht er bereits drei Geschütze in Händen seiner Leute, während zwei andere Geschütze, das eine von drei, das zweite nur von einem Pferde gezogen, in Richtung auf Wsestar zu entkommen suchen. Auch diese beiden Geschütze werden von der 5. Kompagnie erobert, als sie in einem Hohlweg zwischen Rosberitz und Sweti stecken bleiben. Es war aber leider nicht möglich, die Kanonen zurückzuschafsen; man mußte sie stehen lassen." v. Hinden- burg erhielt für sein tapferes Verhalten den Roten Äldler-Orden
4. Klasse mit Schwertern.
Wie man sielst, ist das Leben unserer Heerführer reich an Erfolgen und reich an persönlichen Berdiensten. Sie sind die bewährtesten Generale unseres deutschen Heeres) und die vielen Erfolge, die wir jetzt zu Beginn deS großen Krieges unter ihrer Leitung schon zu verzeichnen haben, bärgen uns dafür, daß der Kaiser mit ihrer Ernenmrwg die richtigen Männer an den richtigen Platz gesetzt hat.
Au» Stadt und Lauv»
Gießen, 1. September 1914.
Ein Brief unseres Großherzogs von« Kriegsschauplatz.
Die Großherzogin hat einen vom Kriegsschauplatz geschriebenen Bri es des Großherzogs erhalten, aus dem wir einiges mittcilen können. Der Großhcrzog berichtet laut „Darmst. Ztg.":
„Die Hauptsache ist, daß wir den Sieg haben. Bei uns sing die Schlacht in dichtem Waldgestrüpp an. Es war ein furchtbarer Kampf. Ich erinnere mich, daß mein Vater sagte, das Schlimmste sei ein Waldgesccht, wobei keiner den andern sieht.
Die folgende Nacht schliefen wir alle in einem Haus aus Stroh, hoffend auf den nächsten Tag. Dieser brachte uns eine siegreiche Verfolgung.
Gestern stand der Feind uns mit neuen Kräften gegenüber. Unsere Leute mußten nach der am vorherigen Tag geschlagenen Schlacht Tag und Nacht laufen, um zur Stelle zu kommen. Unsere Regimenter haben sich so großartig geschlagen, daß alles davon sprach.
Friedrich (Prinz Friedrich Karl von Hessen) ist ein Held, seine Leute begeisternd, immer voran.
Man erlebt zuviel. Der Tod wird Nebensache. Man sitzt zwischen Toten, Verwundeten, Pferden usw. Es ist, als ob es so sein müßte. Mer dann überkommt einen« doch das Gefühl, wäe das alles so unnatürlich ist."
*
** Aus dem Militär Wochenblatt. Schmitz, Vize- feldwcbel (Gießen), zum Leutnant der Reserve des 5. Großh. Hess. Jns.-Regts. Nr. 168 befördert.
** Den Heldentod fürs Vaterland haben in den letzten acht Tagen neben den zahlreichen Mannschaften und Unteroffizieren der hessischen RegimMter in den gewaltigen Kämpfe» an der Westgrenze auMviele Offiziere aus bekannten hessischen Familien erlitten. So wurde das Ableben des Leutnants Grafen zu D o h » a-Schlodieu und des Leutnants d. R. Dr. Ludtvig Becker aus Fricdbrrg gemeldet. Die heutigen Tagesblätter cnthkEen ferner Bekanntmachungen über den Heldentoo des Leutnants Ernst v. d e n Bä n ck e n (115. Jnf.-Rgt., dessen zukünftiger «Schwiegervater, Generalmajor v. Hartman», die Leiche zuerst ans dem Schlachtfeld bemerkte, ferner starb im Felde dar hoff-


