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ÄU» SiUiu iutv kuDO,

Gießen, 31. August 1914 .

Das Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm im Kampf.

Nach Befragen von etwa hundert weiteren Verwunde­ten ist die in der stkunriner vom 28. August des Gießcner Anzeigers gegebene Darstellung durchaus zutreffend. Be­treffs deS l. Bataillons, das lintzs der beiden anderen Bataillone und nicht in unmittelbarer Verbindung mit die­sen zum Angriff schritt, muß noch angesügt werden, daß es nach Wegnahme der feindlichen Stellung dem weichenden Feind ein kurzes Stück folgte. Links von ihm befanden sich noch Pioniere der eigenen Armee In diesem Augen­blick machten die Franzosen mit zurückgehaltenen frischen Kräften und in großer Ueberzahl einen energischen Gegen­stoß, die deutschen Truppen auf deren linken Flügel um­fassend. Das 1. Bataillon mit den Maschinengewehren, die fickt inzwischen verschossen hatten, sowie die Pioniere, muß­ten zurückgehen, bis sie durch die bei dem mehrfach er­mähnten Dorf aufgefahrene eigene Artillerie Aufnahme fanden. .Hier machte alles Front. Das Dorf wurde von der feindlichen Artillerie heftig beschossen, so daß eS sofort an mehreren Stellen brannte und ein Verbandplatz ail deii rückwärtigen Bach verlegt werden mußte. Der Feind kam zum Stutzen. Als in diesem Moment Truppen deS linken RachbarkorpS eintrafen und links vom 1. Bataillon und den Pionieren zum Angriff vorgingen, wich der Feind. TaS 1. Bataillon ging sofort wieder erneut init vor und muß hierbei keine oder nur geringe Verluste gehabt haben, denn eS war kein Verwundeter zu ermitteln, der anzugeben ver­mochte, wie weit daS Bataillon bei diesem letzten Angriff vorstieß. Für unS genügt es. zu wissen, daß der zeitweise Rückschlag die Tatkraft unseres braven 1. Bataillons nicht abgeschwächt hatte. Möge es sich bald weitere Lorbeeren holen! Kl.

Sie Vorschriften über die Sonntagsruhe treten wieder in Kraft. Der kommandierende General des 18. ArmeckorvS hat seine Anordnung, wonach die Vor- schristen über die Sonntagsruhe außer Kraft treten, wieder ausgehoben. Es greifen hiernach die gesetzlichen Vor- schristen über die Sonntagsruhe wieder Platz. Weiter hat der konnnandicrende General erklärt, daß er kein Bedenken dagegen hat, wenn die Erlaubnis zum Verkauf von Zeitungen an Sonntagen erteilt wird.

Personenverkehr auf der Eisenbahn. Die O-Zäge 123 und 124 der Strecke GießenEoblenz, sowie die O-Züge 52 und 53 der Strecke Gießen Frankfurt fallen bis auf weiteres aus.

** Berdein beschränktcnEiscnbahn-Personcn- Berkehr macht sich daS Fehlen von Fahrplänen über die yoch verlehrenücn Persaneitzügc recht unangenehm fühlbar. Ta iiaS BalmhoiSgebäude ohne Erlaubnis nicht betreten werden kann, sind die dar! anaebrachten Fahrpläne für das Publikum so aut wie unzugänglich. Es würde sich empfehlen, die Fahrpläne an den beiden Postämtern, an der Bürgermeisterei und an sonstigen öffentlichen Gebäuden au szn hängen und auch cintreiende Fahrplanänderungen in ähnlicher Weise tzur Kenntnis des Publikums zu bringen.

** Wackere Flugleistung eines Offiziers der 116cr. Einen wohlgelungenen Erkundignngsilna hat, wie uns non unterrichteter Seite mitqeteilt wird, ein Offizier unserer 116er in Belgien ausgesührt. Sein Fahrzeug wurde selbstverständ­lich vom Feinde beschossen, wobei der kühne Flieger einen Schuß in den linken Oberschenkel erhielt. Trotz seiner Verwun­dung hielt iich der Flieger noch über eine halbe Stunde in der Lust und ging erst zur Erde, als er wertvolle Erkun­digungen über die Stellung des Feindes eingewgen hatte.

** Untcrstützung der zurückgebliebenen Fa­milien. Da es nunmehr nrit ziemlicher Sicherheit fest­steht. wer von unseren Mitarbeitern für den Dienst des Vaterlandes als Soldat einzutreten hat, werden auch von der Brühlsche» Druckerei den Familien der Eingezogenem bis auf weiteres entsprechende Beihilfen getvährt vom Tage de? Einzuges an.

** Oesfentliche Bücherhalle. In der nächsten Zeit werden genesende Krieger in Wohnungen unserer Mit­bürger Aufnahme sinden. Bei dieser Gelegenheit möchten wir auf die öffentliche Bücherhalle Hinweisen, wo UnterhaltungSlcktüre in reicher Auswahl zur Verfügung steht.

Kreis Büdingen.

ä. B l o l e I d, 31. Aug. Bei der 2. PlcrdeauShebiing in Nidda wurde dar Pferd de? hiesigen Landwirt? K. von der ArmeeverwaUung angekaukt. Tie Pferd« kamen nach Tarmstadt zur Bespannung der Erlatz-steldartillerie-Regimentr. Der bei diesem Regiment «mgezoqene Sohn de» K. erkannte das Tier »nd wurde ihm dasselbe zngewiesen. So ziehen mm Mann und Pscrd einer Hauses gemeinsam in den Kamps.

Starkrnburg und Rheinhcsscn,

rb. Darmstadt, 30. Aug. Die KriegSfürsorgetätigkest ist setzt iu Tarmstadt in einheitlicher Weise geregelt woroen. Fm Rat- bauSsaal fand gestern Mittag unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Tr. G l ä f s i n g eine sehr zahlreich besuchte Versammlung der Vorstände aller Note-Kreuz- und sonstiger Wohlsahrtsvereinc statt, in welchen der Oberbürgermeister eine umsaffende Uebersicht über die gesamte Fürsorgetätigkeit gab. Hinsichtlich der städti­schen Beamten und der Stadtdienstanwärter ist die Weiterzahlung des vollen GehaltS wie beim Staate garantiert: den Trenstan- wärtern etc. im unmittelbaren Stadtdienst und den in ständiger Verwendung beiindlichen Arbeiten und den gegen Lohnzahlung beschäftigten Bediensteten bleibt während des Kriegsdienstes die Dienststelle erhalten, den gegen Taglohn beschäftigten, in den Kriegs- oder Sanitätsdienst Eintretenden wird der Lohn 14 Tage weiter bezahlt. Darnach wird den Angehörigen der Be­

diensteten und Arbeiter neben der Reichsunterstützung die Halste des seitherigen Lohnes »nd die Familienzulage gewährt. Tie Gesaintuntcrsiützung soll in keinem Falle weniger, als den dov- Vcltcn Betrag der RcichSun ie.stützung betragen. Hierzu tritt voraus­sichtlich eine weitere Unterstützung aus der in großem Umfang geplanten Kriegsversicherung. Weiter sind umsaffcnde Maßnah­men zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit, auch für stellen- siichende Frauen, ferner für die Verpflegung dürftiger Kinder und ganzer Familien getroffen worden. Zur Sicherstellung cuici vrciswerlen Ernährung hat die Stadt in einer Eberstädter Mühl« aus angckauftem Roggen für 100000 Mark Mehl Herstellen lassen.

h. D a r m sta d l, 30. Aug. In 22 Wagen eines Sonderzuges kamen am Samstag mittag vier in der Lothringer Schlacht erbeutete sranzösische Geschütze, zwei W aschinenge­weh rc, eine Partie Munirionswagen, Gewehre und zahlreiche Geschosse aller Art hier an und ivurden im Güter­bahnhot ausgeladen. Die Stadtgärtnerei hatte eine Parti- Blumen gechickt, mit welchen die Beute wie auch die Pferde der hiesigen Artillerie, welche iie ab holten, geschmückt wurden. Schon der Güier- bahnbol war dickt umlagert und unter dem Jubel, der die ganzen Straßen besetzt ljollenden Bevölkerung ging eS durch die Ltadt am Denkmal des Großherzogs Ludwig IV. vorbei, wo die Großhcrzogin mit den beiden Prinzen Aufftellung genommen hatte. Auch hier folgten begeisterte Hochruse. Zwei Maschinengewehre, sowie ein Feitungsgeschütz wurden am Paradeplatz ausgestellt, lvährend die anderen Wagen mit Munition usw. nach dem Ariillcriedeovt gc- brackü wurden. Tie Beule wurde durch das Infanterie-Regiment Nr. 115 nach heiligem Kampfe erobert.

Hkijeu-Rajiau.

F ran kfu r t a. M.. 30. Aug Nach einem dreitägigen Auf­enthalt irn Hamburger Schloß hat die Kaiserin am SamStag Nach­mittag vom hiesigen Hauvtbahnhos« die Rückreise nach Berlin angetreten. Schon ans der Fahrt nach den, Bahnhof, die ini offenen Automobil erfolgte, wurden der Kaiserin von der Menge stürmische Huldigungen bereitet. Der Bahnhos war an, ausdriicklichen Bciehl der hohen Frau nicht abgcsperrt. Demzufolge hatte sich in der Bahn­hofshalle ein überaus zahlreickws Publikum zur Verabschiedung eingciunden. Ms die Kaiserin den Wartsaal betrat, ivurde ihr vom BahnliosSvorstcber die Kunde von dem Siege gegen die Ruffen mitgeteilt, worüber sie in beivegten Worten ihrer Freude Ausdruck gab. Dann besuchte sie die aus dem Bahnsteig eingetroffencn Ver­wundeten und beglückte leben einzelnen nrit einem Händedruck und ircundiichen Warten. Hocherfreut ivar sie über die gute Behand­lung und Verpflegung, die allen Kriegern zuteil wird. ..Die ivacke- rcn Jungen l»ben e» auch nicht anders verdient", äußerte die Kaiserin zu ihrer Umgebung Unter begeisterten Hochrufen der Menge rollte kurz von 1 Uhr der Zug aus dem Bahnhof.

h. Griesheim a. M., 30. Aug. Einen eigenartigen Weg zur Bekämpfung der Feld- und Gartendicbstählc hat die Polizei­verwaltung beschnitten. Sie bringt jeden ertappten Dieb, seinen Stand und seine genaue Wohnung durch öffentliche Bekanntmachung zur Kenntnis der Einwohnerschaft. Neben dieser Prangerstrase erfolgt auch noch die gerichtliche Ahndung de» Vergehens. Die erste derartige Bekanntmachung enthält den Namen eines Fabrik­arbeitersnd eines Schuljungen. Ob diese Methode der Polizeiverwaltung pädagogisch heilsam ist, dürste zu bezweifeln sein.

FC. Wiesbaden, 28. Aug. Wie einschneidend manche durch den Kriegsausbruch gefaßten Maßnahmen wirken, zeigt folgendes: Wiesbaden, die Wettkurstadt, die bekanntlich zum FestungSbcreich Mainz gehört, hat durch den starken Fremden zuzug, der dar ganze Jahr hindurch herrscht, allein einen Umsatz von 2 0 Millionen. Am 1. August weilten in Wiesbaden noch 8000 Angehörige der neutralen Staaten Holland und Amerika, die sämtlich von dem AnsweisunASverbot des Gouverneurs von Mainz betroffen wurden. Aus den Stadtsäckel wirkt dieses AnSweiS- wcisvcrbot und andere Maßnahmen auf die Art, daß wäbrend vom 1. bis 17. August 1913 an Kurtargeldern ,0000 Mk. eingingen, für die gleiche Zeit in diesem Jahre nur 5000 Mk. zu verzeich­nen sind.

F. C. Wiesbaden, 31. Aug. Als gestern abend kurz nach 8 Uhr die 38iährige MonatSirau Ww. Grat aus der Steingassc hier in dem Kurz- und Weißwarengeschäit A. u. B. Diehl, Ecke RömerbergRöderstraßc, den Laden reinigen ivollte, brach durch die mit dem Rolladen halb geschlossene Ladentür der Kutscher Bolz und gal» 4 Schüsse aus die Frau ab. Die Graß lies in den Hausflur und brach dort bewußtlos zusammen. Die Schüsse waren weithin hörbar, infolgedessen die Nachbarschaft und zwei Aerztc deS nahen .Krankenhauses berlieieilicii und sich der Unglücklichen annahmen. die jedoch »ach 10 Minuten verstarb. Der Täter hatte sich inzwischen entiernt, stellte sich aus die Straße vor daS Haus und schrie: ,.die hot ihr Sach!". Tarant suchte er sei» Heil in der Flucht nach dem Römerberg, wo ihn ein Architekt mit Hilfe zweier Landsturmleute der Polizei zuführten. Bei seiner Durchsuchung fand man noch 24 scharte Patronen. Potz sollte morgen zum Land- fhintt einrücken. Der Grund zur Tat ist. daß die Ww. Graf ver­schiedene HeiratSanträge deS Täters abwieS und ihm kürzlich die Wohnnng gekündigt.

Quittung.

Für die D e r w » >i d e t c » unserer Marine ginge» kolgciibe Gabe» ein von: I. Oberlehrer Boeck 5 Alk., 2. Frau

Tr. Sliilil Ist Mk., 3. Fränlein Piqelins 5 Mk., 4. Geiverberat Tr. Gerhard 3 Mk., 5. Schornsteinfegernieisier Keil 10 Mk., 6. Pros. Fuchs 19 Mk., 7. Kaufmann Karl vorn 20 Mk., 8. GeV. vosrat Pro!. Dr. Hanien 10 Mk, 9. Theodor Baiiiuann 10 Mk.. 10. Stadl» verordiicten kirimiiil 20. 'Mk., II. Plärrer Neck>tol»heinier 5 Mk. Zusammen 108 Mk. Mit nusrichtigem Dank für diese hochherzigen Spenden bittet »m weitere Beitrage

Pros. Völzing, Goelhestratze 19.

Luftschiffahrt.

Johannisthal, 30. Aug. (W.B. Nichtamtlich.) Auf dem hiesigen Flugplatz ereignete sich heute morgen ein schwerer Flu gun fall. Der Flieger Post von dem freiwilligen Fliegerkorps war ans seiner Taube mit dem Begleiter Sil der Horn von dem freiwilligen Fliegerkorps gestartet, um die Bedingungen sür die Fcldfliegerprüsung ju erfüllen. In der Nähe von Altglienicke stürzte der Llppa rat aus größerer Höhe aus unbekannter Ursache ab. Beide Flieger waren sofort t o t. Der Apparat wurde total zer­trümmert.

Amtlicher Wetterbericht.

Oesfentliche Wetterdienststelle Gießen. WelterauSsichten in Heilen am Dienstag, den 1. Sept. 1914: Fortdauer der beflcheiiden Witterung.

Letzte Nachrichten.

Aus der Rcichshauptstadt.

Berlin, 31. August. Trotz der Gluthitze des gestrigen letzten Augustsonntages zogen immer neue Scharen nach den Linden, in der Erwartung, dort am ehesten neue Nach­richten zu erfahren. Man war nicht enttäuscht, als bis zu den Abendstunden nichts wesentliches gemeldet wurde. Das Eintreffen der Nachricht von derUmfassungdesritssi- schen Heeres wurde mit Jubel begrüßt. Mit seinen fiinf Armeekorps und drei Kavalleriedivifionen hat der Feind den deutschen Truppen in gewaltiger Uebermacht gcgenübergestanden.

lleber die russische Niederlage schreibt derLo - kal-Anzeiger" u. a.:

Ueber die russischen Eindringlinge ist also ein furchtbare- Strafgericht hcreingcbrocben. ToS war voranSzusehcn. Tie Seen und Sümpfe im masurischen Distrikt lassen nur schmale Wege offen, auf denen das Militär sich durch dichten Wald oft nur reihenweise sorlbewegcn kamr. Der Feldherr, der in diese! Ge­lände einzubrechen wagte. rtußke mit Weg und Steg ver­trant sein oder gute Führer besitzen. Als die Schlacht ausbrach. baden die Ruffen sicherlich mit dem Mute der Verzweiflung sich geschlagen. Man kann es wobl begreifen, daß ein verzweifelte» Heer, den Tod der Kameraden in Sümpfen und Seen vor sich und die Lanzen der Verfolger hinter sich ichenü, zu Taufenden dic Waffen streckt, so daß die Zahl der Gefangenen 30 000 überstieg.

ImBerliner Tageblatt" berichtet Paul Lin- denberg von einer Fahrt über das Schlachtfeld:

Ueberall haben die Russen furchtbar gehaust. Alles liegt zertrümmert, aber Misere schwere Artrllerie heizt ihnen de- Abzug gehörig ein.

DieDeutsche Tageszeitung" schreibt u. a.:

Nun hat unser Generaloberst v. Hindcnburg seinen Namen für alle Zeiten in die Denktafeln der Deutschen Geschichte, und vor allem unserer alten Krön- und KönigSlandc Ostvreußen. unvergänglichen Lettern eingeschrieben. Tausende und Abertausende von Deutschen werde» seinen Namen fortan mit Stolz und Dank­barkeit nennen.

In derPo fl" yettzc es:

Unserem Strategen stellt die Massengeiangennahme ein glLv- zendeS Zeugnis aus. Man tragt sich, warum dre Russen daS mo>

surische Gebiet nicht gemieden haben, dessen Gesährlichkeü sie hoch berechnen konnten.

DieTägliche Rundschau" sagt:

Mit diesen« glänzenden Sieg ist die russische Osiensive gebrochen unb_ ber_ russische Zusammeiübruch cbenso^besiegelt. >vie der fran­zösische seit einigen Tagen. Von diesem Schlage wird sich die rui- sische HeereSmacht nicht mehr erholen.

Kaiser Wilhelm an den Großherzog von Baden.

Karlsruhe, 30. August. Kaiser Wilhelm telegra­phierte an den Großherzog von Baden auf ein von diesem gestern abgesandtcs Glücktvunschtelegramm:

Nimm Meinen herzlichsten Tank sür Deine warmen Glück­wünsche. Mit Gottes Hilfe ist es unseren unvergleichlich braven Truppen gelungen, allen Anstürmen der Feind« zum Trotz durch Sieg ans Sieg planmäßig vorziidringrn. Deinen tapferen Ba­de n c r n gebührt der volle Anteil deS Ruhmes. Wiü alle bleiben vereint in denr Gebet, daß Gott untere gerechte Sach« weiter segnen möge."

Ein wackerer Infanterist.

München, 31. Aug. Der Infanterist Fritz Lange aus Fürth hat, nachdem sein Leutnant in einem Geiecht schwer verwun­det worden war, bas Kommando über einen Zug von 50 Mann übernomnien »nd hat in einem heftigen Gciechte den Franzosen vier Geschütze und zwei Maschinen ge w ehre abge­nommen. 300 Franzosen wurden bei diesen: Kamps- von den Bayern erschlagen. Ter tapfere Führer Lange erhielt daS Eiserne Kreuz.

Eine Bodcnscefahrt verwundeter Krieger.

lDDP.i Konstanz, 31. A»g. lieber dreihimdert Leichtver­wundete aus den Konstanzer Lazaretten machten gestern bei herr­lichem Wetter auf eineni ihnen zur Verfügung gestellten Extra- bamvscr eine Erholungssahrl auf dem Bodensee. Mit grenzen­losem Jubel wurden die Tapferen in allen Ortschaften begrüßt.

Die Abreise von Angehörigen feindlicher Staaten.

(WTB.) Berlin, 31. Aug. (DiidUnmtlid).) DicNord­deutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Nachdem die Eisen­bahnen in weiterem Umfange für den allgemeinen Verkehr wieder frei geworden sind, wird den in Deutschland sich aus­haltenden Angehörigen der feindlichen Staaten das Ver­lassen des Reichsgebietes gestattet, soweit in ihrem Heiinatlandc den Deutschen gleichfalls dic Erlaubnis zur Ab­reise erteilt wird. Diese Verfügung tritt teilweise sür die Deutschen in Rußland in Kraft, da nach einer Erklärung des hiesigen spanischen Botschafters, die nicht im wehrpflich­tigen Alter stehenden Deutschen Rußland verlassen dürfen. Mit der gleichen Einschränkung Kursen daher die in Deutsch­land lebenden Russen abreisen. Die Reise erfolgt wahr­scheinlich über Schweden und wird von der schwedischen Re­gierung tunlichst erleichtert werden.

Flucht französischer Kriegsgefangener.

Halle (Saale), 31. August. Nach einer Mitteilung vom Truppenübungsplatz Ohrdruf in Thüringen, wo 8000 Gefangene untergebracht sind, ist von dort cme An­zahl französischer Franktireure entflohen.

Dic Verbindung Frankreichs mit England.

Berlin, 31. Ang. Nach einer Pariser Meldung de? Ainster- damer , Telegrnas" scheint der französische (tzeneralstab dic völlige Abschließnng von Paris in den nächsten Tagen zu erwarten. Dre Verbindung mit England wäre gegenwärtig nur noch über Bon log ne zu erreichen. Sobald die deutschen Truvven sicki Amiens genähert baben würden, würde die Abspcrnin- von Paris ans der Nordseite eine vollzogene Tatsache sein.

Belgische Geiseln.

Amsterdam, 31. August. Da der Bürgerinerster von Brüssel die Gemeindekasse mik nach Antwerpen ge­nommen, und die Kriegsrate nicht bezahlt hat, so wer­den morgen der bekannte Großindustrielle Solvap und Baron Rothschild als Geisel n gefangen genommen werden.

Völkerrechtsverletzung durch die Franzosen.

(WTB.) Berlin, 30. August. (Amtlich.) In Longwh ist eine maschinelle Vorrichtung vvrgefunden worden, lvxlche dazu diente, ctzewehr- und Karabinergeschosse oben abzu- platten und mit einer von der Spitze ausgehenden trichter­förmigen Ausbohrung zu versehen. Iu den Taschen fran- zösischer und englischer Soldaten fand man zahlreiche D u m» D u m-<3e sch o s s c , d. h. Hohl- oder Bleispitzcngeschvffe. Durch die Entfernung eines Teiles der aus Hartmetall be­stehende» Geschoßniantelspitze tritt bet dem Auffchlagen der weichere Geschoßkcrn nach vorne heraus, schlägt sich breit und verursacht besonders grausarnc, mit unnötigen Leiden verbundene Verwundungen. Deutschlmid sieht sich genötigt, mit den allerschärfsten Maßregeln vvrzugehen, wenn diese durch Völkerrecht (vergl. inSb. Art. 23 Abs. 1 e der Haager Landkriegsordnung) verbotenen Geschosse von unseren Fein- den noch weiter verwendet werden sollten.

Unerhörter Bruch deS NcutralitäkSrechtS.

(WTB.) Berlin, 31. Aug. Nach einer Meldung aus Las-Palmas ist der als Hilfskreuzer ausgerüstete Schnell- damvfer des Norddeutschen LloydKaiser Wilhelm der Große" von dem englischen KreuzerHighslyer" zum Sinken gebracht als er in den neutralen Gewässern der spanischen Kolonie Rio de Lro zu Anker lag. Gegen diese, jedem Böller- recht widersprechende Verletzung der Neutralitätsgcsetze muß Protest erhoben werden. Großbritannien hat durch die Miß­achtung der stets von allen Nationen theoretisch und praktisch anerkannten Unverletztheit neutraler Hoheitsgewässer gezeigt, daß es sich nicht scheut, über die Hoheitsrcchle neutraler Staa- ten hinauszugehen.

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