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Armselige Hütten aus trockenem Sandhügcl sind es, die uns Zuerst begrüßen ; Hütten, denen die Vergänglichkeit alles In­dischen aus den hohlen Fcnsteraugen blickt. Holz ist, ivie viel­fach >n dem ivälüerreichen Rußland, das Material, aus dem stk erbaut .sind: allein lang, lang ist'S her, seit sie au? dem Sande dort emporwuchsen. Wir würben es nicht ris­kieren, eine der Hütten zu betreten, aus Furcht, sie möchte über uns zusammenbrechen: und doch sind sie alle bewohnt, und Linder, denen die mangelhafte Deckung ihrer Blöße noch kerne Sorge bereitet, treiben iin Sande ihr Spiel. Bei diesen Glücklichen ist die Toilettenfrage im Handunidrehcrr erledigt. Ein Hemd, das vielleicht nur bis zu den Hüften reicht, und von dem man voller Bescheidenheit nicht verlangt, daß es weiß sei, ist oft das einzige und Hauptslück. Auch ganz ist cs nicht, das darf niemand beanspruchen: tragen doch weder Vater noch Mutter, weder Freund noch Nachbar ein Klei­dungsstück auf dem Leibe, das nicht durch einige Löcher ge­ziert würde. Wie die Menschen, tragen auch die Häuser in der weiter hinausführenden Straße das Gepräge der Zer- lumptheit an sich, gepaart init der davon unzertrennlichen Unsauberkeit. Klein und unscheinbar wie in der Eingangs- straßc auch die Häuser um den weiten Marktplatz: kaum eins, das bis zu einem zweiten Stockwerk hat emporstreben mögen. Nur zur Linken steigt in blendender Weiße die ka­tholische Kirche zu beträchtlicher Höhe auf und überschaut majestätisch dgS demütig am Boden klebende Häusergewirr zu ihren Füßen.

Zum Gefecht bei Zoldau.

Einem Feldpostbriefe derHamburger Nachrichten" von der Lstgrenze über das Gefecht bei Solbau entnehmen wir folgendes:

. . . Höre denn, was uns Dragoner von Moldau erzählten: An der Grenze auf einem langgestreckten Hügel eine preußische Reckerabteilung, wenige Schwadronen, dicht hinter ihncn, durch den Hügel eben gedeckt, einige Maschinengewehre, der Kavallerie zugeteilt. Da kommen zwei russische Kaval­lerie b r i g a d e n an, sehen die paar feldgrauen Reiterchen, und gleich vergnügt aus sie ein, eine Brigade vorn, die andere als Rück­halt hinterher. Unsere Dragoner ihnen entgegen, vor dem Feind« aber, im rasendsten Galopp teilen sie sich rechts und links, den Maschinengewehren frei Schußfeld lassend. Da tat sich den Russen die Hölle auf. Was da geschah, soll unbeschreiblich gewesen sein: in zwei Minuten war die erste Brigade ein Knäuel von Menschen- und Pserdeleibern, die zweite, erschüttert, aufgelöst, lagt zurück, aber rechts und links die deutschen Reiter Iwlten auf, schwenkten ein, preßten die Linie zu einem Haufen zusammen, wo sich keiner rücken und rühren tonnte, geschweige denn Lanze und Schwert gebrauchen. So wurden zwei Bri­gaden vernichtet mit eineni Opfer von 3 Toten und 18 Verwundeten auf unserer Seite.

wieU 15" unterging.

Aus demScotsman", also aus durchaus nicht unver­dächtiger englischer Quelle, erfährt man einige Einzelheiten .über den amtlich gemeldeten Verlust des deutschen Untersee­bootesU 15":

Vorigen Sonntag," heißt es dort,kreuzte ein englisches Ge­schwader an den ihm zugelviesencn Standort, als es die Entdeckung machte, daß sich eine kleine Unterseebootslotte näherte. Der Feind fuhr unter Wasser. Aus'der Oberfläche des Meeres zeigten sich nur die Periskope. iDas Periskop ist ein sinnreiches Instrument, das den Unterwasserbooten gestattet, den Horizont über Wasser zu beobachten.) Als sie nahe genug waren, feuerte ein englischer Kreu­zer seinen ersten Schuß ab, indem er auf die »eine Linie des Periskops zielte. Das Periskop ging in Stücke, und das geblendete Unterseeboot tauchte ganz unter Wasser, Die anderen Boote er­kannten die Gefahr und entfernten sich. Das getroffene Untersee­boot aber mußte, da es unter Wasser der Möglichkeit zu sehen bc- raicht »var, bald obenauf schwimmen. Der Kreuzer brauchte nicht lange zu tvarten und feuerte, als die dunkle Masse deS Untersee­bootes aus der Meeresfläche erschien, einen zweiten Schuß ab. Tie Beobachter hatten kaum Zeit, den Buchstabe,, und die Zahl des ge­troffenen Unterseebootes zu erkennen. Die Kanonen hatten das Boot an der Basis des kleinen Turmes getrosten und es in Stücke gerissen. Der ganze Oberbau wurde zertrümmert, und daS Unter­seeboot sank sofort..

unb Papiergeld trat so gut wie Gold. Niemand wcigette sich, Papier anzunehmen, und wenn etwa ein Geschäftsmann versuchte, süh zu weigern, so wurde sein Geschäft sofort geschlossen. Aber wie gesagt: Ausländern geschah es leicht, daß sie in den Verdacht ge­rieten, Spione zu sein. Konnte man indes Nachweisen, daß man ein Norweger war, so wurde man mit ausgesuchter Höflichkeit be­handelt, beinahe höflicher als andere Skandinavier,

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KönigWilhelmsroteRose. Blumengeschmückt sind viele unserer Krieger ins Feld gezogen, Blumengrüße wurden ihnen von allen Seiten gespendet, und mancher trug als das sinnigste Svmbol dieser in leidenschaftlicher Begeisterung und Todesmut pur­purn glühenden Zeit eine rote Rose auf dem Helm, Eine solche rote Rose hot in den großen blutigen Augusttagen des Jahres 1870 auf König Wilhelm einen tiefen Eindruck gemacht.Als ich am 19. August vom Schlachtfelde über Gorze nach Pont ä Mousson zurückfuhr und in dem überfüllten Gorze einige Augenblicke an- baltcn mußte," so erzählte er seinem Vorleser Schneider,über­reichte man mir eine wunderschöne rote Rose, soviel ich in dem unglaublichen Lärm und in der Verwirrung hören konnte, von einem schwerverwundeten Offizier, welcher, in einem Hause liegend, von meinem Vorüberfahren gehört. Lüder habe ich seinen Namen nicht deutlich verstanden. Erkundigen Sie sich doch, wer mir dieses sinnige, bedeutungsvolle Geschenk gemacht." Schneider erkundigte sich nach dem Spender der Rose und erfuhr, daß der Offizier, der dem vorüberiahrenden König aus seinem Bauernstübchen die rote Rose als Siegrsgruß gesendet, ein Hauptmann von Zedtwitz war. Der Herrscher hat diese rührende Aufmerksamkeit nicht ver­gessen. Als der Frieden wieder in die deutschen Lande eingekehrt war, erinnerte sich der Kaiser zu Weihnachten dieser Gabe und schrieb am 22. Dezember 1871 dem Offizier einen eigenhändigen Brief, der also lautete:In dankbarer Erinnerung an den mir unvergeßlichen Augenblick, wo Sie, schwer verwundet im Gorze am 19, August 1870, mir eine Rose nachsendeten, als ich. Sie nicht kennend, an Ihrem Schmerzenslager vorübergesahren war, sende ich das beikommende Bild, damit noch in späteren Zeiten man wisse, wie Sie in solchem Momente Ihres Königs gedachten und wie dankbar er Ihnen bleibt!" Das Erinnerungsbild, das von I. Zeyß gemalt war, zeigte auf einem Gedenkstein mit der Inschrift:Gorze, den 19. August 1870" eine schwarz-weiß-rote Fabne, die den Stein rechts zur Hälfte bedeckt, währeich die schwarz-silberne Fabnen- troddel die linke Seite einnimmt. In der Mitte steht ein Infanterie- Helm, mit dichtem Eichenkranz umwunden, auf dessen Blättern man Tränen sieht, und an den Helm ist das Eiserne Kreuz nebst Band gelehnt. Das große Gemälde befand sich in einem orächttgcn gol­denen Rahmen, auf dem oben eine in mattem Silber getriebene Rose angebracht war.

Berlin, 21. Aug. Aus Anlaß der diesjährigen Großen Berliner Kunstausstellung ist iolgenden Künstlern die Gol­dene Medaille für Kunst verliehen worden : Dem Maler Karl Mbrecht-Königsberg: dem Maler E. Chicharro-Rom : dem 'Maler Willi Der Hell-Berlin: dem Büdhauer Map Eiter, dem Maler und Radierer Willi Herrmairn-Berlin: dem Maler Hans Hertig-Berlin: dein Bildhauer Albert Hußmann-Berlin; dem Maler Franz Stassen-Bcrlin.

Au» Staöt und Land»

Gießen, 22. August 1914.

Die Darlehenskassenscheine.

Die Darlehenskassenscheiue zu 20Mark sind 14 Zentimeter breit und 9 Zentimeter hoch. Sie bestehen aus Hanspapier mit einem fortlaufenden natürlichen Wasser­zeichen, das aus verschlungenen Linien gebildete, abwech­selnd offene und mit der Zahl 20 gefüllte Felder zeigt. Auf der Rückseite besindel sich rechts ein aus orangeroten und grünen Pslanzensascrn bestehender Streifen, Der Unter­grund der Vorderseite ist in gelb, blaugrau, rotbraun und grauviolett gedruckt und besteht aus einem dreiteilig an­gelegten. ornamentierten Muster, dessen einzelne rechteckige Felder, soweit sie nicht verdeckt sind, eine mosaikartige Ein>- sassung haben, die nach außen durch ein blaugraues Pal- mettenmuster abgeschlossen wird. Inmitten des Scheins be- finbet sich in brauner Farbe auf gelbem Grunde eine Tare- stellung der Kaiserkrone, darunter der von zwei gekreuzten Zeptern getragene Reichsapfel, sowie ein Lorbeer- und ein Eichenzweig. Tie Reichsabzeichen lind ans einem mit einer hellgelben und zarlen blaugrauen Guilloche versehenen Hin­tergründe angeordnel, der sich bis zu einer breit gelagerten rautensörmigen Umrahmung erstreckt. Tie Leisten dieser Um­rahmung sind von Rosetten gebildet und tragen außen auf dunklerem Grunde die sich wiederholenden Worte ZWANZIG MARK. Die beiden seitlichen Ecken sind von großen Ro­setten ausgefüllt, die in der Mitte die Zahl 20 gelb auf grauviolettem Grunde und um diesen herum viermal das Wort ZWANZIG tragen. Beide Rosetten enthalten je vier paarweise einander gegenüberstehende helle kleinere Rosetten, in deren Milte violette stcrnartige Kreuze angebracht sind. Auf dem sreien Papierrande erscheint ein gelblicher Schutz­druck aus feinen mit dem Rande parallel laufenden Linien. Außerdem^enthält die Vorderseite in brauner Farbe und in deutscher Schrift folgenden Textaufdruck:

Darlehenskassen schein.

Zwanzig Mark,

Berlin, den 5. August 1914.

Reichsschuldenver Wallung.

v. Bischojsshausen. Warnecke. Bieregge. Müller. Noelle.

Dickhuth. Springer,

** Von der Universität. Ter Privatdozcnt der Zoologie Tr, Siegfried Becher hat einen Ruf als ordentl. Professor der Zoologie nach Rostock angenoinntn.

** Beamten und Lehrer für das Rote Kreuz, Der Aufruf der Vereinsvorstände bat in Beamten- und Lehrer­kreisen erfreulichen Anklang gefunden. Inzwischen sind acht weitere Vereine mit mehreren Hundert Mitgliedern dem 'Aufruf beige­treten Es sind dies der Hessische Landeslehrerinnenverein. der Verein hessischer Bauaspiranten, der Verein hessischer Kulturtech­niker, die Ortsgruppen Mainz, Rheinhessen und Starkenburg des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen, der Verband hessischer Assessoren der Finanzverwaltung, die Vereinigung der Kontroll- beamten für die Lokalkasse und der Verein der Kreisvcterinär- ärzte. Zur Vermeidung von Mißverständnissen sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß der Wirkungskreis de- Roten Kreuzes sich nicht auf die Fürsorge für Verwundete und fiir_ die Hinter­bliebenen im Kriege gefallener und verwundeter Soldaten be­schränkt^ sondern auch die Unterstützung bedürftiger Angehöriger im Felde stehender Soldaten umfaßt.

Schenk u n g. Zur Beschaffung außeretatsmäßiger In­strumente und Geräle iür die hiesieen Reservelazarette sind von den» Frauenbund der Deutschst» K o l o n i n 1 g e i e 11- s cd a s t, Ortsgrnvve Gießen, 600 Mark, sowie von» Obe» hessischei» Geschichtsverein 300 Mark aeivendet worden, für ivclche hiermit herzlichst gedankt wird. Ferner werden noch 1000 Mk. aus den» Erlös der Engelanssnhrnng, I. Juni, die bereits nach Berlin an die Zentrale, des Frauenbundes der Tenlschen Kolonial- gesellschast iür den Fonds der Mädcheaausreise gesandt ivaren, dort zu Verpflegniigszwccken iür Misere Verwundeten verivandt iverdcn.

** Bürgc.r verein. Ta die wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse d«S Volkes, besonders des Mittelstandes, durch den gegenwärtigen Kriegszustand in einschneidender Weise beeinflußt werden, wird der Bllrgerverein im Laufe der nächsten Woche eine Versammlung veranstalten, in der von sachkundiger Seite über Krieg und Wirtschaftsleben "referiert werden soll. Ohne Zweijel bringen weite Kreise diesem Thema großes Interesse entgegen- so daß auf rege Beteiligung seitens der Bürgerschaft zu rechnen ist. Näheres über Ort, Zeit ustv. wird in den nächsten Tagen am Anzeigenteil dieses Blattes bekannt gegeben.

Landkreis Gienen.

l. Allendorfa. Lda., 21. Aug. Außer den bereits von uns angegebenen Beiträgen für das Rote Kreuz aus unserem Ort ha» auch die evang.-lutherische Zionsgemeinde demselben 59,50 Mark Kirchenkollekte zugewendet.

Kreis Lautcrbach.

h. Bannerod, 21. Aug. Im Mter von 86 Jahren ver­starb hier der Kriegsveteran Peter G ö tz, einer der Feldzugs- teilnehmer aus den Jerhren 1848/49. Er hatte als Einsteher eine Gesamtdienstzeit von 10 Jahren abgeleistet, tvar im Besitze des Felddienstzeichens, der Großh. Badischen Gedächtnismedaille ,und des Militärdienstalterszeichens für 10 Tienstjahre.

Kreis Schotten.

B. Lanbach, 20. Aug. Heute hat am hiesigen Gymnasiunk der Unterricht in sämtlichen Klassen wieder begonnen. 16 Schüler sind mit der Kriegsrcifeprüfung abgegangen, einig« mtt Primn- berechtigung. Sie sind sänttliät als Freiwillige in Heeresdienste getreten. Unter den» Protektorat der Gräfin-Mutter wird in Raumen des hiesigen Schlosses und im Johann-Friedrich-Stift ein Lazarett errichtet werden, das 40 bis 50 Betten enthalten soll. Betten und Einrichtungsgegenstände werden teilweise von den Be­wohnern der Stadt freiwillig gestellt. In einem Sanitätskursus unter Leitung von Sanitätsrat Dr. Dietz werden 32 Mädchen ansgebildet, die unter Aufticht der Stistsschwestern die Pslege der Verwundeten übernehmen wollen. Das gräfliche Hans hat 1000 Mark zur Unterhaltung des Lazaretts gestiftet. An freiwilligen Speirden von den Vereinen und Bewohnern der Stadt gingen .dis jetzt 1500 Ms. ein,, die teilweise für das Lazarett, das Rote Kreuz und die im Felde stehenden Krieger verwendet Werdens sollen. Eine Haussammlung zum Besten des Roten Kreuzes ergab 238 Mk.

Kreis Frievberg.

X Friedberg, 21. Allg. Das Krcisamt tnacht bekam»!, daß die Polizeistunde allgemein auf 10 U h r festgesetzt ist. Auch die Veranstaltungen von Vereinen utiterlicgen dieser Anordnung.

r. Butzbach, 21. August. Hier wurden von den aus Metz entfernten Familien 73 Personen Ddänner, Frauen : darunter eine von 81 Jahren! und Kinder bei Familien untergebracht.

Vilbel, 20. ^Aug. Beigeordneter H e r g e t, 63 Jahre alt, der den Feldzug 1870/71 freiwillig mitgemäcktt hat, »st als Kriegs- fteiwilliger ins Heer cingetreten und ttit als Feldwebel-Leutnant beim Infanterie-Regiment Nr, 116 in Gießen Dienst,

Slarkenburg und Ntieiuhkssen.

Darmstadt, 21. 'Aaigust. lieber vierhundert fran­zösische Gefangene von verschiedenen Regimentern und

von allen Waffengattungen wurden heute hier ein­

gebracht. Es waren auch zahlreiche Verwundete darunter, von denen viele sofort ,in dar Lazarett gebracht werden mußten. Sie tnachen, wie auch schon die irüheren Transporte, keinen sehr gün­stigen Eindruck. Einzelne Inben den Begleitmannschaften erzählt, daß sic Haufen von französische Leichen gesehen haben, besonders bei

Scktirmeck, über die sie hintoeysteigei» nrußtei». Deutsch« Tote lzaben sie wenig gesehen Eine Santiirlung des Lehrkörpers der hiesigen Technischen Hochschule zunächst zirm Zwecke der Ab­haltung von Ausbilduugskursen für freiwillige Krantenpjlege ergab die hübsche Summe von 1280 Mk. Der größte Teil des Betrags soll zur Allgemeinen Kriegssürsorge zur Bersügung gestelli werden.

m. Ossenbach a. M,, 21. Aug. In der gestrigen zweiten Kriegs sitzung der Ossenbacher Stadtverordneten gab Ober­bürgermeister Dr. D u l l o ein Bild von den Einwirkungen und Begleiterscheinungen, die der Krieg für die Stadt Ottenbach, ihre Verwaltung sowie die um die Hälfte verringerte Beamtenschaft im Gefolge gehabt hat. Der Oberbürgermeister mabttte in Anbetracht dessen, daß durch den Krleg die Steuerkraft sowie die Einnahmen aus den Betrieben erheblich geschwächt werden, zur Vorsicht und riet, die in Angriff genommenen größeren Bauten, die Ueberland- zentrale, sowie die Kanalbauten, vorerst einzustellen, um die vor­handenen Mittel für die Bedürfnisse sowie die Notstandsuntcr- stützungen mehr verwenden zu können, zumal die Stadt in der Hauvtlache aus die Mittel der in, Frühjahr aufgenommenen 14- Mtllionen-Anleihe angewiesen ist, wovon aber schon ein großer Teil verausgabt worden ist. Die Stadtverordneten waren jedoch der 'Ansicht, daß diese Arbeiten zur Beisleuerung der großen 'Ar­beitslosigkeit nach Möglichkeit sorlgesührt werden. Zur Beilegung von Mietsstreittgkeiten wird ein E i n i g u n g S a m t, bestehend aus 12 Hausbesitzern und einer Anzahl Stadtverordneten, geblldet, dem bereits 100 Fälle zur Bearbeitung vorlicaen. Bei dieser Gelegen­heit wurde der Standpunkt des Ofsenbacher Gcwerbegerichts, das nach den Aussührungen des Stadtv. Heilmann in Streitfällen über Entlassungen ahne Einhaltung der Kündigungssrist entgegen den gesetzlichen Bestimmungen einen einseitigen Standvunkt zugunsten der Arbeitgeber eingenommen habe, einer Krittk unterzogen und dabei an die Arbeitgeber das dringende Ersuchen gerichtet, die Ar­beiter so weit als möglich weiter zu beschäftigen. In der Porte- seuillebrauche wurden beispielsweise über 1100 Arbeiter sofort ent­lassen, obwohl viele Geschäfte ihre Arbeiter Wecker beschäfttgen konnten.

r. Mainz, 21. Aug. Gin 16jahriger Freiwil­liger, der Kausmannslehrling Fröhlich, ivurde gestern an seinem Geburtstag bei der Maschinengentehr-'Abteilung eingelleidet.

r. Mainz, 21. Aug. Die Großhcrzogin kam gestern nachmittag um 4 Uhr hier an, um die Einrichtungen des Roten Kreuzes, die .Krankentransvortsahrzeugc und das Ali- cenhcim zu besichtigen. Am Hauplbahnhot 'hatten 'sämtliche Fahr­zeuge Ausstellung genommen. Tie Herren vom Roten Kreuz, Kom­merzienrat Harth rmd Geh. Justizrat Dr. Oppenheim, sonne Oberbürgermeister Dr. G ö t t e l m an n begleiteten in Anlos die Großhcrzogin nach dem Hauptbahnhof. Auch die S a n i t ä t s - k o l o n n e war unter ihrem Führer W a l l a u angetreten. Die Großherzogin war von der Besichtigung sehr zufrieden und sprach den Herren ihre Anerkenirung aus. Gegen 6 Uhr fuhr die Grob­herzogin ins Alicenheim und von dort nach Tarmstadt zurück.

Hessen-Nassau.

in. Neustadt, 21. Aug 'Nach Mitteilung des Königlichen Landratsamtes werden in Kirchhain, Neustadt und Holzhrrusen Kriegslazarette errichtet.

st- Eschwege a. d. Werra, 20. Aug. Der Arbeiter Hesse aus dem benachbarten Niederhone, der als Zivilposten bei dem Hochbehälter der Gemeindewasserleitung stand, erschoß gestern ein 12jähriges Mädchen aus dem genannten Dorfe. Das Mädchen spielte mit noch anderen Kindern an der Wasser- leinmg. Ter Posten forderte die Kinder zum Fortgehen au) und als diese keine Folge leisteten, wpllte er sie mit dem Gewehr in der Hand vertreiben. Dabei kam er zum Falk, wober'sich das Gewehr entlud und. die Ladung das Kind traf.

h. Vom Main, 21. Aug Der Landrat des Kreises Höchst gibt bekannt, daß zahlreiche Müller und Landwirte ohne zwingen­den Grund die Preise für ihre Artikel seit der MobihnacArng hinaufgeschraubt ^iben. Um dieser Bewucherung des Volkes steuern zu können, will der Land rat von heute ab jeden Verkäuser, der im Kreise Höchst derartige Preissteigerungen vornimmt, öffentlich durch die Zeitungen bekannt geben.

lliautschciu.

Kiautschau oder Tsingtau, diegrüne Insel" im gelben Bölkenneer des Ostens, dies Lieblingskind und der Stolz unserer jungen Kolonialpolitik, ist nun durch, die seindliche Haltung Ja­pans schwer bedroht und all die zukunstsreichen Hoffnungen, die wir aut dieses kleine Stück Land an der Küste des chinesischen Riescn- reiches setzen dursten, werden erschüttert. Dies unser ostasia- tisches Gebiet an der Südseite der Shantunghalbinsel vrr- dankt nicht seiner Ausdehnung oder seiner Fruchtbarkeck seine gewaltige Bedeutung, sondern seiner außerordentlich günstigen Lage, durch die es ein idealer Stützpunkt für unsere Flotte und ein Eingangstor für unsern Handel geworden ist. Der ausgezeichnete Kenner Chinas, der Geograph votr Richthosen toar der erste, der daraus hinwies, daß es an der gesamien Küste des nörd­lichen China keinen Ort gäbe, der für eine deutsche Festsetzung wichtiger sei wie die Bucht von Kiautschau, Ein gewaltiges Ab­satzgebiet für den derckschen Handel eickfaltete sich in dem riesigen Hinterland, nicht nur in der Provitrz Schantmrg nrit seinen 33 Millionen Einwohnern, zu der Kiautschau gehört, sondern in dem chinesischen Mtklionenreich überhaupt, u»»d da die Bucht gerade an der Stelle von Süden her in das Land einschneidet, an welcher die den Osten der Provinz Schantmrg erfüllendon Gebirge vollständig voneinander getrennt sind, so ist hier der Ucbcrgang vom Gelben Meer nach dem Golf von Tschili so außer­ordentlich erleichtert, daß von K»a»Zchau aus eine Verbindung dieser beiden Meere möglich ist.

In ziemlich gleicher Entfernung von Peking )me ^von den Endtwnkten der ungeheuren Kulturebene im Westen und Süden ist dieser herrliche Hafen tvirllich so etwas wie die Eingangspforte zu dem ungeheuren Reich der Mitte. Und diesem Stück Land an lernet Küste, der Stadt Tsingtau und ihrem Schutzgebiet, hat deutsche Arbeit »lud deutsches Wesett den Stenrpel ihrer Eigenart und Kraft ausgeprägt: schon wenn der Damvftr an der Mole von Tsingtau Halt macht, bietet das Bild dieses mächtigeil Hasen­baues einen imponierenden Eindruck von dem, >vas loir da in Olt- i asien geleistet. An der günstigsten Stelle der Bucht, in der Nähe des südlichen Ausganges und zwar an der Innenseite der östlichen lleinen Halbinsel breitet sich das trefflich geschützte Hafenbecken mit seiner Wassertiefe von mehr als 10 Meter. Mehrere über 100 Meter breite und gegen 700 Meter lange Molen ragen hier au» unzähligen Pfählen ins Wasser, und in weitem Bogen um­schließt eine 5 Kilometer lange Uimassungsmole das 293 Hektar große Becken. Und dahinter das große Werftgebiet mit den rauchen­den Essen und dem gewaltigen Schwimmdock, dessen gigantisch in die Luit ragender großer Kran Riesenlasten bis zu 150 000 Kilogramm bebt. In der zweirädrigen Rickscha. von einem Kuli gezogen, rollt man auf breiter wohlgevilegter Chaussee der Stadt zu, zunächst durch ein Gelände, dar die Gebäude des Hafenvcr- kchrs und der Bauvenoalttmg trägt. Wenn man die stattlichen Häuser sieht und die hohen Scktornsteinc der Ziegeleien, glaubt man einer deutschen Fabrikstadt entgegen zu fahren.

Aber tvas läuft uns da für bezopftes Volk entgegen, was leuchten da für bunte Kittel und seltsame Zeichen'? Mitten unter denSöhnen des Himmels" sind wir, in der Chinesenstadt Ta- vautau, wo sich gegen 30 00.) Bewohner des Landes angcsiedelt haben »»nd hier völlig ungestört ihr gewohntes Leben führen. Leibst ein chinesisches Theater sehlt in Tapautan nicht. Die Chinesen, die früher iit der heutigen Europäerstadt Tsingtau toohnten, sind in der nächsten Umgebung des Ortes in demMusterdorf" Tai- tungschen angesiedclt worden, wo die Zopilräger sich einem durch­aus deutschen Rahmen einsügen müssen. Die Schanttttigstraße von Tapautau geht ohne weiterer in die F r i e d r i ch st r a st e über: . wir sind mitten in dem europäischen Mittelpunkt KiautschauS. Hier erheben sich lauter teste, zum Teck sehr stattliche Bauten, von denen keiner älter ist als 20 Jahre. Tsingtau weist zwei detttlich gc- sttiiedene StaCtteüe out, die eigentliche Geschäslsstadr, in der alle Läden und Lagerhäuser per euroväiichen Kausleutc liegen, und die idyllisch aut sanften Hügeln ansteigende, durch einen Bergrücken