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Teutsclsland dagegen sei ein lwchcknitipiertcs Land, das in hohem Grade zur Entwickelung Europas bcigetragen habe, und dessen moralische Begriffe uird materielle Entwickesiurg im Vergleich zu Rußland rülgnenswcrt seien. Keine briti­schen Interessen zwängen England, gegen Deutschland ein- zugreifc». (Berliner Lokalanzeiger.)

Zwei englische Botschafter deutsche» Stammes.

Ein Zusammentreffen merkwürdiger Art ist es, daß die beiden Botschafter Groß Britanniens, die die Ausgabe hatten, in Berlin und in Wien die Kriegserklärung zu über­reichen, deutschen Stammes sind. Ter bisherige Berlincw Bosi schafter S i r E d w a r d G o s ch e n ist bekanntlich ein Sproß der bekannten Leipziger Buchhändler- und Verlegerfamilic Göschen. Und der bisherige Wiener Botschaster S i r M a u - r i c e d c B u n s e n ist in Wirklichkeit ein Herrv. Bunsen" und ein Enkel des preußischen Diplomaten und Staats­mannes Frhrn. Karl v. Bunsen. Und an seinem deut­schen Herkommen wird auch dadurch nichts geändert, daß er sichde" stattvon" schreibt, seinen Namen in engli­schen Nachschlagewerken unterD" in das Alphabet einrcihcn läßt, und sichBönscn" spricht. Bei dieser Gelegenheit mag daran erinnert werden, daß SirFairsaxEartwright, der Vorgänger Bunsens in Wien und ein bekannterTcut- schensrcsser", zwar von englischem Stamm ist, aber eine deutsche Mutter und eine deutsche Großmutter gehabt hat. Die Mutter war eine vormalige deutsche Gouvernante^ namens Klementine Gaul, die Großmutter eine geborene Gräfin v. Sandizell.

Merkblatt zur Erkennung der deutschen Luftschiffe.

Berlin, 20. Aug. Um deutsche Luftfahrzeuge von feindlichen unterscheiden zu können, wird folgendes bekannt gemacht:

1. Zeppclinschiffc sind zu erkennen an ihrer lang­gestreckten, röhrenförmigen Gestalt und an den beiden sichtbar unter dem Schisssrumpf hängenden Gondeln. Die Schiffe sind mit grauem Swss bekleidet und tragen hinten umfangreiche Stenerslächcn.

2. Schütte-Lanzschiffe haben schiffsförmige Gestalt, sie tragen hinten eine senkrechte und eine wagrechlc Steuerfläche. Von den fünf Gondeln hängen zwei oder drei in der Mittellinie unter dem Nnmpf, 'je eine weitere rechts 'und links etwas höher.

3. P a r s e v a l s ch i f f e haben Zigarrcnfvrni und sind be­deutend kürzer und gedrungener, als die zu 1 und 2 genannten Schisse. Sic besitzen nur eine Gondel, zu der vom Schsilskörpcr ein direkter Schlauch herabsührt. Die Steuerflächen sind quadra­tisch, die Farbe der Hülle ist gelb.

4. M i l it ä rl uf t s ck i f fe sind daran erkennbar, daß sie unterhalb des torpedoförmigen, hinten spitz zulanscndcn Körpers einen Kiel haben, in dem vorn der Führerstand, weiter hinten zwei Maschinenstände sichtbar sind. Der Kiel ist mit dem Gas- körpcr durch Swssbahncn so verbunden, daß die beiden Teile völlig ineinander übergehen. Tie Hülle ist gelb.

Die in Frankreich und Rußland vorhandenen Militärlnftschiffe sind zu weit ausholenden Unterneh­mungen nicht befähigt. Es ist deshalb kaum anzunehmen, daß Kind­liche Luftschiffe sich im Innern unseres Landes zeigen werden.

5. Flugzeuge. Die deutschen Flugzeuge sind daran erkenn­bar. daß sic an der oberen und unteren Seite jeder Tragfläche, sowie zu beiden Seiten des Seitensteuers mit einem über die ganze Breite der Fläche gehenden schwarzen Kreuz in Form des Eisernen Kreuzes versehen sind.

Bei Flügen werden sich die Fahrzeuge so niedrig halten, daß die vorstehend beschriebenen Kennzeichen von unten her erkannt werden können. In der Dimkelheit werden keine Flüge ausgcführt.

Zentrale für KriegSlieferung in Tabakfabrikaten.

Berlin, 19. Ang. Die deutsche Zentrale für Krieqs- lieferung in Tabakfabrikaten ist in Minden in Verfolg von Verhandlungen, die zwischen >dcn beteiligten Dienststellen und den Interessenten sin Reichsami des Innern ab gehalten wurden, unter dem Vorsitz des Handelskammer-Stmdikus Hindenberg gebildet worben. Die Zentrale will eine mög­lichst gleichmäßige Beschäftigung aller Zigarrensabriken in allen 'Teilen Deutschlands im Interesse der beschäftigten Arbeiter wie der Betriebsinhäber während des Krieges hcrbcisühren und zugleich dafür sorgen, baß Mannschaften und Offiziere im Felde gute, preiswerte Zigarren erhalten. Die Zentrale will die ihr von den beteiligten Stellen znge- iviescnen Aufträge nach einem vereinbarten Schlüssel mif die fünf deutschen Tctbaksabrikationsbezirke verteilen. Inner­halb der Bezirke werden sie aus die einzelnen Fabriken nach der Zahl der bei der Tlabakberussgenossciischaft angemel­deten Dollarbciter im Zigarrcnfabrikationsbetrieb unter Hinzurechnung der Hansarbeiter nntcrverteilt. Die Zigarren sollen in vier Preislagen herqestellt werden und nach Be­schaffenheit und Arbeit den Normnlfriedenspreiseu durch­aus entsprechen. Rippencinlagen dürfen nicht verwandt wer­den. Für eine entsprechende einheitliche Verpackung wird Sorge getragen werden. Zahlungen erfolgen durch die Zen­trale. Kriegsliefcrungcn von Ranch-, Kau- und Schnupf­tabak sollen in ähnlicher Weise einheitlich organisiert: werden.

EineHerausgabe" Riautschaus?

Ein kokonialpolitischcr Mitarbeiter schreibt uns:

Wenn die Rede davon sein sollte, etwas gegen Kiautschau zu unternehmen, so steht das Recht dazu allein England zu", so schlich schon vorige Woche der LondonerManchester Guardian". Das Thema Kiautschau scheint also in der englischen Welt schon seit ge­raumer Zeit auf der Tagesordnung zu steilen, und man ist sich nur darüber im Zweisel, an lven denn Deutschland seine oslasiatischc Kulturpflanzunghcrauszugcben" habe. Die Herrschaften vergessen, daß Deutschland nie und nimmer etwas hcrausgibt, es werde ihm denn durch eine erdrückende Uebcrmacht vorübergehend genommen. Tic Hcrrschaiten vergessen, daß Kiautschau oder besser Tsingtau lKiantschau ist ja eigentlich nur eine Stadt im chinesiscklen Ge­biete, nordwestlich von unserem Besitz) eine Festung ist, deren Werke unter Aufwendung von etwa 12 Millionen Mark errichtet sind, um die Wegnahme des Platzes durch einen Handstreich, sei es von der See, sei es vom Lande her zu vereiteln. Die Forts sind nach der See hin so stark, daß feindliche Geschwader sich den An­griff sehr überlegen ivcrdcn. Auch bei einem schlicßlichen Erfolg verlöre der Gegner zweifellos eine Anzahl großer Panzerschlssc und wäre dann für den Seekampf außerordentlich geschwächt. Rach der Landseite bin ist für uns auch alles in bester Ordnung. Tsingtau wird in Friedcnszciten von rund 3000 Militärpcrsonen bewohnt, die im Falle der Gefahr auf 5000 Mann gebracht iverden können, eine Verteidigung, stark genug, um längeren Widerstand gegen Feld- trnppen und Feldartillerie zu leisten. Ohne die Aufstellung eines ganz gewaltigen Belagerungsparkes ist Tsingtau auch von der Land- scite her so gut wie uneinnehnibar. Eine derart starke Invasion englischer- oder japanischer Truppen würde sich China nicht gefallen lassen. An eineEroberung" Tsingtaus dürsten unsere Gegner also vorläufig nicht denken.

Es bleibt nur die Frage, ob Deutschland durch den politischen Ueberdruck von allen Seiten veranlaßt werden könnte, seine kost- spieligste Kvlonie auszugeben. An wen wäre dann dieser Muster» slcck deutscher Arbeit auszuliescrn? Wirklich an Japan? Japan im Besitze von Tsingtau wäre für China, ebenso für die Vereinigten Staaten von Nordamerika eine so unerträgliche Be­drohung ihrer Interessen, daß der Weltkrieg sofort aus die noch nicht beteiligten Staaten überspringen müßte. Man ist sich in Amerika schon seit längerer Zeit klar darüber, daß Deutschlands

Stellung in Tsingtau den amerikanischen Interessen besser als jede andere Möglichkeit entspricht. Wenn Japan außer Port Arthur auch noch Tsingtau hätte, so bedemete das nicht mir die Wegnahme von Tsingtau, sondern auch die Proklamiernug von ganz Nordchina als Reservat der japanischen Politik. Nicht anders wäre es, wenn England die Unverschämtheit besitzen sollte, Tsingtau als neues Glied sciirer ostasiatischen Besitzungen anzusvrderu. Durch keine Kompensation iväre Iavan zu beruhigen, und die Ver­einigten Staaten von Nordamerika träten sosvrt in den Krieg ein. Und schließlich Eltzna? Entweder müßte China alle eurvpäisäien Besitzungen an seiner Küste gleichzesiig zurücksordern, wenn es nämlich die Macht dazu hätte, oder es müßte bei seiner heutigen militärischen Ohnmacht für einen Einzelgewinn zahlen. Es müßte nicht nur unsere in die Hunderte von Millionen gehenden Auf­wendungen ersetzen, sondern auch den Wert kapitalisiert erstatten, den die Kolonie für uns in den nächsten Zeiten erreiche» dürste. Ob 'China auch nur annähernd imstande iväre, die Kulturarbeit, die wir dort geleistet graben, in derselben Weise .sortzusühren, ob es das poIitii'dK Gavissen Deutschlands auch in der schwersten Zeit zulassen dürfte, die .Landsleute, die im Vertrauen aus 'deut­schen Schutz und deutsche Förderung sich dort in wcsi reichende Unternehmungen eingelassen haben, den Chinesen zu überant- worten, diese Fragen braucht man ja nur audeutend zu be­rühren, um sofort daraus die Antwort zu erhalten. Das Geld, das sür Tsingtau ausgegeben wurde, ist ja nicht etwa nach chinesischen Grundsätzen ansgegeben worden. Vielmehr haben nur Anlagen von einer Großzügigkeit geschaffen, die jahrzehntelanger Fortsetzung gleichgeartetcr Arbeit bedarf, um den gewollten Ertrag zu bringen. Auch) die neue Republik China hat nicht die Kräste, weder an Geld noch an geschultem Personal, um das in Tsingtau geschaffene so fortt-iführen, daß es sich fruchtbringend weiter entwickeln kann. Tic ganze koloniale Aufwendung wäre n>eg- geworfen, wenn man die Straßen verfallen und die öffentlichen Gebäude leer stellen ließe. Tsingtau bedeutet für uns die Em- stnßnabme aul die gegenwärtige Kultiirreiormation in China. Weil wir Tsingtau haben, rechnen die Chinesen mit uns, wurden wir ihnen von Jahr zu Jahr eine bekanntere Größe. Daß Deutsch­land dieses Gebiet, das es krast bündiaer Verträge aus 99 Jahre gepachtet und mit Aufwendung von vielen Millionen zivilisiert hat, herausgcben sollte, weil der Krieg zuhause zuviel Krast beansprucht, dieser Plan konnte nur in englischen Hirnen keimen, die uns aus Tradition und Bosheit unterschätzen. Wir werden den Weltkrieg auch in Ostasien durchhalten und durchsechtcn!

tjccv und Flotte.

Berlin, 20. August. Zu Generalen der In­fanterie wurden befördert: die Generalleutnants v. Quast, kommandierender General des 9. Armeekorps, v. Eberhardt, Gouverneur von Straßburg i. E., v. Oertzcn, bisher General ä la suite, Generalinspckteur des Militär- Erziehungs- und BildungswcscnS, Stellvertreter des Präsi­denten des Reichsmilitärgerichts, Tuelff v. Tschepe und Weidenbach, kommandierender General des 8. Armeekorps, v. Stcuben, Direktor der Kriegsakademie, v. Franpois, kom­mandierender General des 1. Armeekorps, ferner der Herzog von Sachscn-Mtenburg. Zum General der Kavallerie be­fördert wurde Generalleutnant v. d. Märwitz, Gencral- inspekteur der Kavallerie. Den Charakter als General der Infanterie erhält Generalleutnant Frhr. v. Süßkind, In­spekteur der Landwehrinspektion Berlin. Zu Generalleut­nants befördert wurden die Generalmajore v. Unger, Kom­mandeur der 20. Kavalleriebrigade, v. Morgen, Komman­deur der 81. Jnfanteriebriga.de, Fleck, Kommandeur der 27. Jnfanteriebrigade, v. Storch, Führer der Gardekavalle- riedivision, Frhr. v. Seebach, Vorsitzender der Obermilitär- priifnngskommission. Den Charakter als Generalleutnant erhielten die Generalmajore v. Mühlenfels, Inspekteur der Landwehrinspektion Erfurt, v. Lochnow, Kommandant von Diedenhofen.

Zu Generalmajoren wurden befördert unter Be­lastung in ihren jetzigen Dienststellungen: die Obersten Briese, Kommandeur des Inf.-Regt. Nr. 64; Paschen, Kom­mandeur des Gren.-Reg. Nr. 1; Fricmel, Inspekteur der 1. Ingen.-Inspektion; v. Olzewski, Kommandeur des Jnf.-> Reg. Nr. 112; v. Oven, Kommandeur des In saute rie-- Neg. Nr. 165; v. Helldorf, Kommandeur des Inf.-Reg. Nr. 115; Fouquet, Kommandeur der 2 . Feldartillerie-Grit gäbe; v. Glasenapp, Kommandeur der 1. Kavallerie-Brig-ade; v. Pochhammer, Kommandeur des Ins.-Reg. Nr. 68; v. Be- low, Kommandeur des Königin-Augusta-Garde-Gren.-Regt. Nr. 4; v. Jacobi, Kommandeur des 52. Jnf.-Reg.; v. L'Estocg, Kommandeur des 164. Jnf.-Reg.; v. Petersdorsf, Komman­deur des Garde-Gren.-Meg. Nr. 5; Nagel, Kommandeur des Inf.-Regt. Nr. 171; Seydel, Kommandeur des Jnf.-Reg. Nr. 23; Schrötter, Kommandeur des Jnf.-iReg. Nr. 19; v. Barfus, Inspekteur der Luftsch-isfertruppen; Hesse, Kom­mandeur des Jnf.-iReg. Nr. 42; v. Zaborowski, Kommani dcur des Kadettenkorps; Stenger, Kommandeur des Jnf.- Reg. Nr. 49; Klipfel, Kommandeur der 42. Feldartillerie­brigade; v. Dresler und Scharsenstein, Kommandeur des Jnf.-Reg. Nr. 66; v. Bernuth, Kommandeur des Jnf.^steg. Nr. 161; v. Gollwitz, gen. Drehling, Kommandeur des Gren.-Reg. Nr. 6; Rößler, Kommandeur des Jnf.-Reg. Nr. 79; Bett, Kommandeur des Jnf.-Reg. Nr. 141; v. Le­winski, Kommandeur des 3. Garderegiments zu Fuß. Den Charakter als Generalmajor haben erhalten die Obersten: Hausse, Abteilungschef im Ingenieur-Komitee; Rausch, In­spizient des Truppen- und Train-Fcldgeräts, sowie Freiherr Scutter v. Lötzen, Flügeladjutant des Großherzogs von Baden.

Zum Code des Papstes.

Berlin, 20. Ang. Der Kaiser hat an den Kardinal Serafino Bann u teilt folgendes Telegramm gerichtet: Euere Eminenz bitte ich, dem hohen Kardinalkollegium den Ausdruck meiner aufrichtigsten Anteilnahme an der tiefen Trauer zu übermitteln, in loelche die katholische Kirche durch den Heimgang ihres Oberhauptes versetzt wor­den ist.

Die amtlicheNorddeutsche Allg. Ztg." schreibt:

Seine .Heiligkeit der Papst ist einer schweren Krankheit erlegen. Heute nacht gegen 1 Uhr 20 Min. trat der Tod ein, der die katho­lische Christenheit ihres ehnvürdigen Oberhauptes beraubt und unsere katholischen Mitbürger in Trauer versetzt hat. Als Pius X. zum Nachfolger Leos XIII. erwählt wurde, kam ihm selbst, wie damals übereinstimmend berichtet wurde, die Entscheidung des Kon­klaves überraschend. Seinem bescheidenen Sinn, den er während seiner ganzen Lausbabn bis zur Höhe des Patriarchen von Venedig betätigte, war der Gedanke, dereinst den Stuhl Petri einzunehmen, fremd geblieben, obwohl sein Vorgänger Leo XIII. ihn mehrfach als seinen würdigsten Nachfolger bezeichnet haben soll. Nach wieder­holtem Wahlgang siel die Entscheidung am 4. Aitgnst 1903 ans den damaligen Kardinal Giuseppe Sarto, der als Papst den Namen Pius X. annahm. Die oberste Leittmg der katholischen Kirche lag über elf Jabrc in seinen Häirdeir. Während dieser Zeit hat Papst Pius X. mit unserem Kaiser persönlich ein freundschaftliches Ver­hältnis gepflegt und kein Hehl gemacht, daß er über die Lage der katholischen Kirche in Deutschland Befriedigung emp­fand. In seinem menschlichen Wesen vereinigte der entschlafene Papst Fröimnigkcit, Reinheit der Sitten, Wohltättgkeit und eine fromme Sinnesart. Mit Pius X. ist in der Reihe der Päpste eine vcrehrungswürdige Persönlichkeit dahingegangc», an der die Erinnerungen der Gläubigen mit Liebe hängen werden. Seine Abberufung sii eure höhere Welt stxllt die katholische Wetz!

vor die Notwendigkeit, sich ein neues Oberhaupt zu zechen. Möge die Wahl auf einen Kirchrnsürsten fasien, der den inneren Berus hat, die Ausgaben seines hohen Amtes znm Segen der ihm air- vertrauten großen Kirchrnaemeinschast zu erfüllen.

Rom, 20. Äug. Die L e i ch c des Papstes liegt noch auf dem Bett wie im Augenblicke des Todes, das Antlitz ist heiter, die Lippen scheinen zu lächeln, man rührte die Leiche noch nicht an, sondern erwartet den Kardinal Camver- lengo della Bolpe, der nach dem Zeremoniell das 1 SIMebett des Papstes seststellen muß. Der Papst liegt mit über der Brust gekreuzten Armen, ein kleines Kruzifix in den Händen. Am Bette brennen vier große Kerzen und zwei Nobelgarden halten die Totenwacht. Auch im Borzimmer befindet sich eine Abteilung Nobelgarde. Die ersten Seelen­messen wurden um 3-V- Uhr früh in der päpstlichen Privat­kapelle von den Mitgliedern der päpstlichen Anticamcra: Monsignori Pescini Bianchi, Respighi und Marzolini ge­lesen: um 5Vr Uhr läuteten alle Glocken Roms. Das Toten­gelaute dauerte eine halbe Stunde. Gegen sechs Uhr wurde, im Zimmer des Papstes ei» kleiner Altar errichtet, woran Messen gelesen werden. Die Schwester und Nichte des Papstes verließen den Vatikan nach 3hö Uhr. Uni 5 Uhr ivurde die diensthabende Palastwachc zum Handküsse zugelassen. Nach demMcssaggero" sandte Merry del Bai noch in der Nacht eine Zirkulardepesche mit der Todesnachricht an alle Kardinale und auswärtigen Vertreter des Papstes.

LLirche und Sctiuls.

Ter J-fuitengeneral Franz Xaver Wernz -st.

Rom, 2o. Aug. Wie die Blätter melden, ist in der ver- ganaencn Nacht der Jesuiiengeueral Franz Xaver Wernz gestorben.

Aus dem Reiche.

Berlin, 20. Ang. Zur Unterstützung der durch den Krieg in Not geratenen Familien haben Geheimrat Fried- länder-Fuld dem Berliner Magistrat 30000 Mark, die Brauerei Psefferberg 10000 Mr. überwiesen, diese mit der Bestimmung, daß in erster Linie die Berliner Gastwirte berücksichtigt werden, die durch den Krieg in Schwierigkeiten wegen der Mietzahlung geraten.

Essen (Ruhr), 19. Aug. .Die gesamte Arbeiterschaft der Firma Krupp hat beschlossen, während der Dauer des Krieges einen bestimmten Prozentsatz ihres Arbeitsver­dienstes als Beitrag zur Kriegsfürsorge zur Ver­fügung zu stellen.

Hamburg, 20. Aug. Der hiesige städtische Ober- pfarrcr Küken thal, ein bedeutender Botaniker, der sich seit Anfang Juli mit zwei anderen Gelehrten cruf der Insel Korsika befindet, ist seit dem 14. August verschollen. Ver­mutlich ist er in französische Kriegsgefangenschaft geraten.

Au» Staöt unv £an&

Gießen, 21. August 1914 .

Keine Polemik und Quertreiberei!

Es gibt auch in dieser ernsten Zeit immer noch, auch unter den sogenmintenGebildeten", Menschen, die >rus« einem engen Horizont nicht heraus können und die kleinen unbedeutenden Angelegenheiten, die sie zu ihrer Kritik aus- erschcn haben, zu Staatsaktionen anfbanschen möchten. Sie ' sehen nur sich und ihre Begehrnisse; beharrlich und eifer­süchtig wachen sie darüber, ob die zerbrechlichen Eier ihrer literarischen Wünsche auch ausgebrütet werden. An Zeitlage, veränderte Umstände denken sie nicht. Dahin gehört es, daß vor einigen Tagen das Ansinnen an unser Blatt gestellt ivurde, eine Einsendung ansznnehmen, die in ihrer Verall­gemeinerung eines Vorkommnisses einen ganzen Volks teil jchwer beleidigt haben würde. Wir lehnten ab und erhielten darauf einen Brief, in dem der Verfasser nicht nur jedes Augenmaß verlor, sondern auch zu Schmähungen überging. Wir finden in derDeutsch-evangelischen Korrespondenz" folgende Mahnung, die wir hiermit zur Erweckung einigen Nachdenkens weitergeben:

In dem allgemeinen Gottcsfrieden, den die Blätter aller Par­teien mileinander l«lten, mag hier und da einmal ein Rücksall in die leidige Gewohnhesi des Haderns und Streitens Vorkommen. Dann ist cs besser, die Lust zum Drcinschlagen zu zügeln, als gleich Epempel zu statuieren. Der Kamvl hat jetzt einzig »nd aUein dem äußeren Feind zu gelten. Jede Preßstimme, die draußen als Zeug­nis innerer Streitigkeiten aufgesaßt iverden kann, lwt sür unsere vkegncr doppeltes Gewicht. Fallen in solcher Prcßpolcmik sägirsc Worte, so nimmt das feindliche Ausland das znm Ausgang von neuen Lügen über deutsche Uneinigkeit. Es ist doch aber ganz selbst­verständlich, daß kein Blatt in ganz Deutschland jetzt solche Waffen dem Feinde liefern will.

Immer gleich nitterstcllcn, daß einer etwaigen Entgleisung böser Wille zugrunde liegt, und dann die schlimme Sitte der Verallgemeinerung üben, mit all den Kraft aus­drück c n und Knnststückcheil parteipolitischer Auf- und Abrech­nung, das sollte jetzt besser unterbleiben. Der Dienst im Zcitungs- bctrieb ist jetzt sowieso kein leichter, da kann schon einmal dem nachprüfenden Auge des Verantnwrtlichen eine Entgleisung ent­gehen. Einem treuen, deutschen Blatt, dessen vaterkändisches Pflicht- gesübl über jeden Zweisel erhaben ist, passierte das jüngst; es hätte sicher, aufmerksam gemacht durch einen Brici, in den eigrnen Spalten ausreichende Genugttlung gegeben, aber nein, derSchand- artikcl" mußte von einem anderen Blattans Schennentvr genagelt werden" und ein Dutzend Schimvsworte mußten in breiter Oesjentlichkcit verschossen werden. Solch Schauspiel ist in jetziger Zeit wenig erbaulich, cs regt das Volk unnütz aus und entspricht nicht dem großen Zuge unserer Zeit.

Eine Kluge über die Post.

lieber die Handhabuug der Postverbindung mit unseren Söhnen im Felde muß bittere Klage geführt werden. Die Briese der Soldaten nach Hause kommen püuklich an, aber. überdicBeförderungdcrBriefederAngehöri- gcn nach dem Kriegsschauplatz sind zahlreiche Be­schwerden laut geworden. Eine Mutter, deren Sohn im Felde steht und der seit 14 Tagen keinen ihrer Briefe erhalten hatte, ging resolut zum Generalkommando, um sich zu be­schweren. Wie nicht anders zu crwarlcn, ivurde die Frau dort mit der größten Liebenswürdigkeit empfangen, doch mußte ihr mit Bedauern gesagt werden, daß die Militärbehörde machtlos sei. Sie mache der Bricsbefördcrung nicht die ge­ringsten Schwierigkeiten, die Schuld müsse also an der Post liegen. Die Soldatcnmutter begab sich zur Post, wo der Emp­fang schon bedeutend unfreundlicher war. Schließlich wurde ihr gesagt, die Post habe zu wenig Personal, die Briefe! u a ch d e m F c l d e l ä g e n s e i t 14 T a g e n d a. Es handelt; sich hier nicht um Einzelfälle, sondern die Klage ist allge­mein. Jeder Soldatenbrief ans dem Felde enthält die bange Frage, warum von daheim kein Lebenszeichen komme. Man muß die geradezu verzwciseltcn Briefe der Familicuvätev und Söhne von draußen im Felde gelesen haben, um zu ver- stehen, was es heißt, daß unsere Soldaten seit 14 Tagen ohne Nachricht von daheim gelassen werden. Und in Frankfurt in der Post liegen die Briese ausgcstapelt. Dabei ertönt allent­halben der Ruf und die Butte, den Arbeitslosen (Lelegenlzeit,