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. |93 Aweüer Blatt 164. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme d«S S»»rntagS.

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Die ,.»i«tz«««r ZoMtienblLtter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, daS lveirtzlatt f»r den Ktm Sieben" zweimal wöchentlich. Die ,,c«nbrrirtschaftlich«ri Seit­srag««" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Mittwoch, 19. August 1914

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Universität; - Buch- und Steindruckerei.

R. Lang e, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraßr 7. Expedition imd Berlag: es®>51. Redaktion: s^I12. Tel.-Adr.: AnzelgcrGießeu.

va§ Deutschtum in Rußland.

Nicht nur unsere deutschen Mtdürqer, tue iich rnr feindlichen Zarenreiche arckdalten. sind durch den Kriegszustand auis sctrvrrltc bedroht, scmdern auch iür all die gewaltigen deutschen Kräfte und Möchte, die rin Lause der Geschichte sich in da:- russische Reich ein- gegliedert und zu seiner Stärkung so unendlich oicl beigerragen baden, bedeutet der Krieg furchtbare Unterdrückung. Vergewalti­gung dessen, was ihnen nach der alten treuen Ueberliercrung ihrer Hörer das Heiligste ist Das deutsche Albe« dem Zaren­reich an Kulturwerteu gcschassen Kai. das läßt sich gar nicht Koch genng anschlagen. Nach der Volkszählung von 1897 beherbergte das «uropärstte Rußland 1719 000 Teuttcke. Das ist bei einer Gesarmbevölkeruna von 108 Millionen nur 1,6 Prozent: trotzdem aber tedemen die Deutschen, wie Robert Horniger in seinem Huch über das Deutschtum im Ausland in einer anichaulicben Zu- sanunemrellung ausgeiübrt, für die russische Kultur unendlich viel. Bis i»s letzte Drittel des 12. Jahrhunderts reicht die deutsche Auswan d er u ng in den O st s e e p r o v i n z e n zurück. Hansexde -Schisfe trugen die deutschen Kaufteute an die .vtüftc Livlands, und deutsche Missionare brachten hierber das Christentum. Deutsche Bürge,: und aochlösser blickten stolz ins Land, und die deutschen Herren wurden in Heer und Verwaltung die Hauptstützen des russischen Reicher. -So bilder dort seit Jahrhunderten ein kern- hafreS Deutschtum die Oberschicht der Bevölkerung, die selbstbewusst und stolz ihre nationale Eigenart trotz russischer Gewalttätigkeit und schroffer Unterdrückung aufrecht erhalten hat.

2Cmlj in dem unter russischer Herrschasi stehenden Teile Po­lens waren schon im Mittelalter deutsche Einsiedler die wichtigsten Träger der Kultur: ihnen verdanken dos städtische Leben und die Landwirtschaft ihren Ursprrmg. Freilich hat dann im drangvollen Laus der polnischen Geschichte die slawr'che Flut das alteingesessene deutsche Volkstum vielfach verschlungen: im 11. Jahrhundert aber sickelten sich von neuem Deutsche in Polen an, Flüchtlinge auS dem 30iShrigen Kriege: die sächsischen Kurfürsten iüdrten als pol- rsikche Könige dem Lande deutsche Kräfte zu, und seit 1820 hat eine starke Auswanderung Deutscher in die Grcnzbezirkc Russisch- Polens stattgefundcn. Die gewalttätige Politik der Russisizierung hat dann freilich in Polen! die Deutschen wieder zuiückgedrängk. Während 1897 in Warschau noch 15 000 Deutsche wohnten, ist letzt ihre Zahl aus etwa 10 000 herabgeiunken. Die Hochburg des Deutschtums in Polen ist Lodz, dasrussische »Manchester", von dessen 300 000 Einwohnern ein Drittel Deutsche sind: sic üherwieg-'n in den höheren Schichten, im Kaufmanns- und Hand­werkerstand und entfalten ein reges Kulturleben. Im Innern, dem eigemlichen Herzen Rußlands, begann die entt'chcidendr Wirkung des dentschcu Wesens imier Peter dem Großen, der als Säenräimer und Lehrmeister der Kultur eine große Anzahl von deutschen Offi­zieren, Gelehrten und Beamten nach Rußland zog.

Unter Katharina d. Gr. erfolgte da»» eine umfassende Ein­wanderung der deutschen Bauern in die weiten wüsten Steoven- gckbietc Südrußlands, die man den Tartaren abgrnvmmen hatte Russische Agenten führten unter lockenden Versprechungen die deittschen Siedler an die User der Wolga, ans Sckiworze Meer, nach Bessarabien, in die Krim und den Kaukasus. Und glänzend haben diese Deutschen ihre kolonisalorischc Ausgabe gekäst, hoben hier ein lichtvolles Bauerntum cnttvickell, das noch heute in breilcm Bogen in de» Randgebieten der südlichen Hälfte Rußlands sitzt und zahlreiche Tochtersiedlungen weit ins Land hinein ausqeschickt hat Deutsche Dörfer sind sogar weit ins asiatische Rußland hinein verpflanzt, nach Transkaukanen, Sibirien und Turkestau. Urdeutsch sind diese Leute geblieben nnd haben in ihren Großvater-, Baker- und Sohnes'Kolonien. von denen eine immer der andern entstammt, das alle Volkstum mit zäher Anhänglichkeit bewahrt, sind ein in sich geschlossener Fremdkörper innerhalb des Russentums mil deut­schen Gebräuche». Sitten und Dialekten. Am iveniqsten haben dem slawischen Ansturm die deutschen Unternehmer, Kaulleule und Hand­werker widerstanden, die zerstreut oder versprengt in den russischen Städten Aufnahme fanden In Moskau sind die Deutschen seit dem 16. Jahrhundert heimisch, in Petersburg haben sre die Stadt mit begründet: doch macht sich hier seit einiger Zeit ein deutlicher Rückgang des Deuiichtunis bemerkter. In Petersburg hat die Zahl der Deutschen, die 1897 1 6 000 betrug, abgenommen, und wenn hier noch in Handel und Wissenschaft die Deutschen trotzdem eine große Rolle spielen, so ist dieVerrussung" in Mos­kau viel stärker svrtgeschriitrn.

Mit allen Mitteln sucht man in Rußland das Deutschtum zu entrechten und zu unterdrücken. Die wildesten Phantasien hoben dieechtrussischen Leute" an diesedeutsche Gefahr im eigenen Lande geknüpft und sogar in diesen sriedlichen Kolonien unmittel­bare deutsche Eroberimgsabsichten entdeckt. Der harmlosen Wcn-

wie groß waren die Heere in früherer Zeit?

Aus der alten und neuen Geschichte sind Kriegsschrlde- rungen auf uns gekommen, in denen von gewaltigen Heeres- niaffen erzählt wird, die miteinander kämviten. In den Perserkriegen wie in den Kämpfen des Mittelalters ist da von .Hundertlausenden, ja sogar von Millionen die Rede, Trotzdem kann nril Sicherheit gesagt werden, daß unsere heu­tigen Riesenheere in der Vergangenheit nirgends ihres­gleichen sindcn. daß sic vielmehr etwas ganz Neues dar­stellen. Die moderne Forschung, vor allem Hans Delbrück in seiner Geschichte der Kriegskunst, hat die Ucberichäyungen und Auiichneidcreien der alten Historiker und Chronisten aus dos richtige Maß zurückgesührt und nachgewiesen, daß die Heere früher recht klein waren. Das gilt »och mehr als vom Altertum, wo das römische Weltreich über verhältnismäßig große Armeen veriügle, vom Mittelalter. In der schlacht bei Hastings, wo angeblich viele Hunderltausende mitein­ander gekämvil haben sollen, zädlie das normannische Heer weniger als 7000 Krieger, und die Schar Haralds war noch schwächer: sie betrug 5000 bis 6000 Mann. Die größten Heere, die überhaupt im Mittelalter ausgestellt wurden, waren die Kreuzzngshecre: trotzvem kämpslen selten mehr als 1200 Reiter und 8000 Krieger um das heilige Grab. Wenn die Chronisten von dem Heere, das Friedrich Bar­barossa vor Mailand sammelte, erzählen, es sei mehrere Hun­derttausend Mann stark gewesen, so kann man von dieser Zahl sicherlich drei Nullen streichen. In einer der aller­größten Schlackten des Mittelalters, in der von Cortcnuova, standen im Höchstfälle 10 000 Kämpfer aus jeder Seile. Die größte Armee, die das Mittelalter gesehen hat, war die, die Eduard III. 1347 bei Calais ausstrllte: sic bestand aus 32000 Mann, einerfür das Mittelalter unerüörren Kriegs­macht". In der neueren Zeit sind zwar die Heere rasch on- gewachsen, aber sie lassen srch in nichts mit unfern Millionen­heeren vergleichen. Wie Svmbart in seinem Buch überKrieg und Kapitalismus" ausführt, besaß Frankreich unter Karl dem Siebenten 4500 Mann Kavallerie und 8000 Mann Jn- sanlerie. Franz I. stellte ein Heer von 15000 Reitern und 50000 Mann zu Fuß aus. Heinrich IV. verfügte über eine

düngdeuttche Vorvvstcn", die gelegentlich iür die Volksgenossen im Auslände gebraucht wird, legte man eine militärisckie Bedeu­tung bei, und weil aus deutschen Kamen, die die etbnogravbische Besicdcluirg und Svrachoerbreitung darslellen, die deutschen Baucrn- airsiedlungen in Rußland mit derselben Farbe bezeistmel waren wie das sonstige deutsche Wohn- und Sprachgebiet, erklärte man. die Deutschen hätten diese Gebiete aus der Karte schon für dos Deuttche Reich annektiert. Was für Ausgeburten eines fanattschen Hasses werden erst setzt in diesen Kreisen herrschen!

Die Nordsee als deutscher Meer.

Nach der Nordsee sind jetzt aller -lugen gerichtet, denn hier erwartet man die große Entscheidung zur Sec, in der zwei verwandte Völker ihre Kräfte messe» werden. Wohl ist der Brite in der neueren Geschichte der ältere Seemann, der dem Deutschen in der Bel>crrschli»g der Meere um Jahr hunderte voraus ist. Aber wenn wir in eine fernere Ver­gangenheit zurückblicken, so können wir stolz behaupten, daß die uralte Seetüchtigkeit des Ciermanentums dem Be­wohner der deutschen Erde nickst minder in Ile,sch imd Blut übergegangen ist als dem Angelsachsen, daß vor allein die Nordsee ein deutsches Meer ist, weil im Miertiun und Mittel- alter deutsche Stämme hier geherrscht haben. Tie alten Germanen haben chrcn Mut und ihre Geschicklichkeit zur Sec unter langandaucrnden Kämpfen mit den Römern ausge­bildet und die Feinde mit blutigen Köpfen und lecken Scksiffen wieder hcimgeschickt. So waren die Ehauken, die in der Gegend von Hamburg und Bremen lebten, nicht nur gute Fischer, sondern selbsthalbe Fische" und von den Römern als Seeräuber sehr gefürchtet. Sachsen, Franken und Angeln suchten die Küftenprovinzc» des Rümerreiches in kecken Angriffen heim, und die Bataver stellten sich an der Maasmündnng mit ihren eigenen und eroberten römi­schen Schissen den Dreiruderern deS Weltreiches in ihrem Freiheilskampf tapfer entgegen und siegten über die Flotte des Civilis, obwohl sie die Segel ihrer Schiffe in der Not zumteil durch ausgcspannte Mäntel hatten schaffen müssen.

Das herrschende Seesahrcrvolk in der Nordsee wurden aber auf lange Zeit hin, wie Dr. Conrad Müller in seinem WerkAUgermanische Meeresherrschast" ausgesiihrt l>at, die Friesen, ein altes Sec- nnd Fischervolk, echte Ger­manen in ihrer zähen Beharrlichkeit nnd kaltblütigen Ent­schlossenheit. Von keinem andern Volk der Erde siird sie an Zuverlässigkeit aus dem Meere übertrosfen ivorden. Wie stark ihre Phaittasie von Schisfswesen und Wvgenprall er­füllt ist, zeigt schon ihre Sagen»- nnd Mytßenwell: aitf dem Großen Wagen reiste nun am Himmel Gott Wodan voran, am Polarsterit sich festhaltend, der ihnen als nächt­licher Wegweiser galt, und in den Geschichten vom Ricsen- schifs Mannigsual spiegelt sich ihre gcurze Welt und Heimat ab, denn Friesland ist das Verdeck, die Berge die -Rasten, die Wolken die Segel des ungeheuren Fahr.zeuges, das so groß ist, daß der Kapitän Uald, der Alte, auf eineni schnellen Pferde hernmqclloppieren muß, um seine Befehle auszu- teilen. Voll markiger straft erzählt die alte Friesensage vom König Karl, der dies Volk znstnaen wollte, zwischen Knecht­schaft oder Aussetzung in einem segellosen Schiss auf offenem Meer zu wählen. Doch die Friesen wählten in chrem Frei­heitsdrange den sicheren Tod aus den wüsten Wellen und ivurden nur durch ein Wunder gerettet, da Gott ihr (hebet erhörte und sie glücklich nneder an ihr Land brachte. Im 8. Jahrhundert hatten die Friesen die ganze Nordseeküste bis an den Rhein in ihrer Harrd nnd trieben einen blühenden Handel, indem sie den Verkehr zwischen den Mederlanden und England sowie nach Dänemark verniittellen. Ihr ivich- tigster Hasen, wohl der größte des fränkischen Reiches im Norden, war Dorcswd, jetzt Wyk bij Duurstede in der Pro­vinz Utrecht. Hier liefen die drei wichtigsten Handelswege tnU Zeit zusammen: der Rheinschrffahrtsweg, der von Marnz an zwei große Handelsstraßen vereinigte, nämlich die levan- tinische, die von der Donau heraufkam, und die lombardische, dann der englische Handelsweg und als dritter der skandi­navische und baltische. So beförderten die Friesen die oricn-

Armee von 51 000 Mann und im 30jährigen Kriege brachte Frankreich gegen 100000 Mann auf die Beine. Die Heere Ludwigs XIV. sind dann zeitweilig sogar bis auf 400 000 Mann ongcwachscn, doch war das eine Ausnahme, die all gemeines Erstaunen erregte. Noch großartiger vollzog sich die Entwicklung des preußischen Heeres, dessen Zahl sich in den ersten Regierungsjahren des Kurfürsten Georg Wilhelm auf 1200 Mann belief und dann auf 4650 anwuchs. Beim Tode des Großen Kurfürsten bestand das Heer aus 29 000 Mann, und beim Tode Friedrichs des Großen stellte cs die für damalige Zeiten gewaltige Ziffer von 200000 Mann dar, wovon 120000 Mann Infanterie, 40000 Mann Ka­vallerie, 10000 Mann Artillerie und 30 000 Mann Gar nisontruppen waren. Das Land, das 1688 bei einer Mil­lion Einwohner 30000 Soldaten, 1740 bei 2 200000 Ein wohnern 80000 Soldaten besessen hatte, stellte mm bei 5 400000 Einwohnern 200000 Mann auf. Unter den euro päischcn Staaten besaß in der zweiten Hälfte des 18, Jahr huttderts Oesterreich das größte Heer mit 297 000 Mann im Frieden und 363 000 im Kriege; Rußland besaß 224 000 Mann regulärer Truppen: nach Preußen kam an vierter Stelle Frankreich mrt 182000 Mann, dann kam Spanien mii 85000 Mann. Dänemark und Norwegen mit 74 000 Mann, Schweden verfügte über 47 000 Mann, die vereinig len Niederlande über 36000, Großbritannien über 21000 Mann.

Al b. Xiirer als Begründer der modernen Befcstigungskunst. Die Festungen spielen auch diesmal eine große Rolle im Kriege: sie leisten vermöge ihrer imnreiften Anlage starken Widerstand. Dir haben heute das Gefühl dafür verloren, daß diese Formen des Kriegsbaues etwas inst Kunst zu nm haben: das Beiesti gungsweien erscheint uns vielmehr als eine technische Difienschast. Und doch ist der Begründer des neuen Bö­sest,gungswefcns em großer Künstler gewesen, dessen Bedeutung als Kriegsbaumeistcr garnstbt unterschätzk werveu kann. Wie Lio- nardo da Brncr war ia auch Dürer em llnioersalgenik: er be- schästtgte sich mst allerlei wosenichaftticheir Untersuchungen und bar so als der erste Schriftsteller, der nach denen des Altertums über den Festungsbau geschrieben hat, 1527 zu Nürnberg ein Werk ^Etlicher Unterricht zur Befestigung der Städte, Schloß und Flecken" erscheinen lassen. Wie Major Reuleaux in feiner Gchchichie

talischen Geirüirze und Lnxusstosfe. Rlzeinwein nnd andere Artikel nad) England hinüber und holten von dort die eng­lische Rohwolle, aus der sic dann die berühmten weißen, grauen imd saphirsarbcnen Fricsenmäntel woben, llnbe- schränkt herrschten sic in der »Nordsee in der Zeit Misck>cn Chlodwig und Kärl dem Großen; erst im 9. Jahrhundert trat dann ein »mdercs Element in der Nordsee ans, das ihnen rn erbitterten Mmpsen den »Alleinbesip streitig machte; cs waren die skandinavischen Wikinger.

Hefttgc Kriege entbrannten damals zwischen den frem­den Seebcherrschern, die auf ihren geschnieidigen, slinkcn Sckiissen hcranschossen, und den Friesen, die ihrer schwereren wuchtigeren Art ihren besonderen Schissstnp, die kurze, ge drungenc, mächtigeKogge" anpaßlcn. So haben die Friesen auch^als Schisfsbaumcifter Bedeutendes für die Ennvicklmig des Seewesens geleistet, denn diese in der zweiten Hälfte de-s 9. Jabrhunderts bei den Friesen aiislauchcndcn Koggen haben sich später zu einem der wichtigsten Schisse enlivickell, das noch bei den Seefahrten der Hanse und der Niederländer- eine große Rolle spielte. Die Geschwader, die damals in der Nordsee gegeneinander standen, waren schon gut gerüstet und genau gegliedert. Vielfach wurde gleichzeitig zu Lande und zu Wasser gekämpft: denn der Streit aus den Schiffen wurde aus dem Straitdc unmittelbar svrtgesctzl und erforderte die gleichen Eigenschaften wie der Landlampf. Man strikt Schiss gegen Schiss, Mann gegen Mann: das Ziel war immer das Rammen, Entern und zuletzt Versenken der Feindesschifse, die Gefangennahme oder iNiederiuctzelung der Besatzung. Da ging es wild her;die Lust >var von Pfeilen und Wurs>- ivecren verdunkelt, der Tamps aus den Wunden bedeckte den Himmel wie eine Wolke". Nun mußte» die Friesen darauf achten, ihre heimische Küste gnl zu schützen. Ein Strandwacht- dienst w»rrd eingerichtet: aus Wachttürmen auf hohen Meo- rcsklippcn spähten die Krieger, ob am Horizont ein feind­liches Segel sich zeige. Auch Leuchtfeuer, Lotsendienst, See­zeichen fehlten schon d,rmals nicht. So dielten sich die Friesen in der Nordsee noch das ganze Mittelalter hinourch neben den Wikingern: in den Kreuzzügen waren ihre Pilgerflolteit berühmt und von den Sarazenen besonders gefürchtet. Die Ostfriese» galten als die wildesten und kantpilustigsten Ge­sellen aus dem Meer: sic ließen sich auch von dt'r inrnnnl mächtiger auiblühenden Hanse nicht ganz unterdrücken, und nach deni ^Niedergang der Hanse im 16. Jahrhundert blieb der friesische Arm der einzige, der sich noch ivehrhaft und kraftvoll von der deun'clxn Küste über die Nordsee reckte. Der Dreißigjährige Kbneg ist dann freilich aus Jahrhunderte hin das Grab aller deutschen Seegcllung gewesen, und erst die preußische Marine, die deutsche Flotte machte die NoMec wieder zu einem deutschen Meer.

Hu» Stavt und (and

Gießen, 19. August 1914. Besteht für Deutschland eine Tenchcngcfahr?

Welche bedeutsame Rolle die Seuchen, besonders Typhus und Ruhr, in allen Kriegen bisher gespielt haben, braucht liier uicht erst äusgesührt zu werden. Tic Opfer im südwesmsiikanischar und im Chinaseldzug sind noch in frischer Erinnerung. Es fragt sich, ob mittlerweile die Wissenschaft nicht Mittel und Wege ge­funden hat, einem Umsichgreifen der Kriegsseuchen mit Erfolg zu begegnen. Denn daß es in dieseni Kriege genügend Ernzelsällc an Typhus und Ruhr geben wird, darüber kann kein Ziveifel be­stehen. Diese Mittel und Wege zur Vcrbücung von Massenerkran­kungen sind Gott sei Dank durch beuticte Forschungsarbeit gefunden. Gerade bei uns in Deutschland ist in. Lause der letzten 10 Jahre durch Robert Kochs Ideen ein Wandel der Dinge eingrlreten, der »ns jetzt mit vollstem Vettraue» in die Zukunft blickerr lässt. Unter Robert Kochs Aegide hat das Reich vor ettva I l Jahren eine ver­stärkte Seuchen-, besonders Tnvhusbekämvsnng ins Leben gerufen, die eine Fülle von neuen wisienicbastlicben Erkenntnissen zutage gefördert hat. Erkenntnisse, die für die Seuchenbekämtrsung von allergrößter Bedeutung geworden sind: neue, sicher arbeitende Methoden des Krankdeitsnachweises sind gesunden worden, das Vorhandensein der sogenannunr geiundeii Bazillenträger ist sest- gestellt worden. Gerade diese Personen und die ganz leicht vcr-

deS modernen Bescstigungsweiens ausiühn, ist der Meister da­durch zmu Begrimder der wnieniäxiitlichen Besesttgungskunst ge­worden, in dessen Arbeiten sich die Keime und Wurzeln fast aller späteren großen Gedanken über de» Festungsbau linden. Dürer gestalrete die aus den Türmen entttandene» Rundellc zu Slosteien inn, den Vorläufern der modernen Bastionen, brachte sic in Zusammrnliang mit den Wollinien und sonderte sie doch gleich­zeitig von ihnen ob, woduväi sie selbständige G bilde von großer Verteidigungskraft wurden. SeineJrrkularbefesligung" zeigt schon in großer Vollendung dieausirettndrn Streichwehren", von denen ein besonders wirksames Massenfeuer möglich war. Diese Schöpfung ist dann später bcnmßt oder unbewußt von dem fran­zösischen Beiesttgungstechniker Mvntalembrrt übernommen und ihm zuni besonderen Ruhnie und Verdienst angerechnet morden. Bor dem Hauptgroben ordnete Dürer einen zweiten niedrigeren Wall an. der deni Mauerwerk des Hauvtwnlles als»Mantel" größeren Schutz verleihen sollte. Diese Einrichtting taucht iväter in den Beirsttgungen Friedrichs des Großen wieder auf, und ebenso sind die Grundsätze der Dürerschen Viereckbescstigung von der neu- preus,-richen Polygonalbeiesttgung ausgenommen worden, llebcr- raschend modern muten besonders die qewalttgen bombensichern Hohlramne an, die der große Maler mil vorahnendem Blut zur Unterbringung und Deckung von »Mensckzen und »Material schm. Die baulichen Einzelheiten seiner Mauern und jinuen. seiner Gewölbe imd Schorlen, vor «allem die Entlasrmtgsüögen des Maucr- wcrks und die LüftungSernrrchttmgen seiner Kasematten sind be- wunüernswett geistvoll und kühn erdacht, All dies gestaltete Dürer ohne rrgenowelche KrrsgSerfabrungcn und ohne daß ihm >e Ge- legrnheit geboten wurde, diricErftndrmgrii inner »Phantasie" in die Wirklichkeit umzusetzen. Gerade die Großartigkeit seiner Entwürfr, die Mächttgkeit der ».AMierbautni, die dasstcinbamrote Gemüt des »Meisters" ersann, waren so nenartig und ibrer JeU so vormlS, daß niemand ihren Wert beqrin. Zudem schreckte di« KoKfoicligkerl seiner Pläne lange Zeit von einer 'lu sftrhru ng ab. und so konnte «S geschehen, daß «eine Vorschläge und Eickwürre fast drei Jahrhundene hindurch unbenutzt liegen blieben, bis endlich die Zeit für sic reif geworden war.

Wie Zaren sich amüsieren. Vom Zaren Niko­laus I. erzählt ein englisches Blatt eine charakteristische Anekvote. die zeigt, wie russische Selbstherrscher das Leben ilrrcr Untertanen bewerteten. Am einer Reise ^eriuhr der, Zar au' d»r »Loststation, daß der Weg zur nächsten Station infolge schlechter Bcschasfen- beit der Sttaße sehr anstrengend sei und mehrere Stunden er­fordere: es führe jedoch ein Fußweg durch den Wald, durch den man schneller und bequemer das Ziel erreiche. Der Zar beschloß.