Ür. lA Zweiter Statt Jahrgang
Erscheint täglich mit Aufnahme des Sonntags.
Die ZaoMenblätter" werden dem
»Anzeiger' viermal wöchentlich bcigclcgt, das ' „KrrisMfltt für den Kreis Kietzen" zweimal ( wöchentlich. Die „landwirtschaftlichen Seit-
fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Seneral-Anzeiger für Oberheffen
Montag, \Z. August \9\H
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwerfitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Verlag: eg® 51- Tel.-AdruAnzeigcrGießen.
wie die Franzosen kämpfen.
Von einem militärischen Mitarbeiter.
Das iranzösische Heer bat ieit dem sür es so unglücklich ver- laojenen Kriege von 1870 71 eine große Resormarbeit an sich vor- gemrnrmen. Es ist in der Tat ein ganz anderer Körper geworden, chat stell wesentlich vergrößert und grundstürzende Veränderungen in seinen, Gefüge, in seiner militärischen Ausbildung und auch in 'feijjwr. Anschauungen durchgesiihrt. Aus der Art, in der das ftan- zösische Heer seine Friedensübungen imd seine großen Manöver bisher bewirkte, konnte man erkennen, wie sich im Kriege das Zusammenarbeiten der verbundenen Massen gestalten wird. Hinsicht- ,1rch der Ansklärung und Sicherung unterscheidet man in Frankreich ^strategische Aufklärung sowie taktische Aufklärung und Sicherung. Diese letztere gliedert sich in die Fernausklärung und die unmittelbare Aufklärung. Die FernauiNärung ist die «Ausgabe der Kavallerie-Divisionen, die ihre Befehle unmittelbar von der obersten i Heeresleitung oder vom Armceführer erhalten. Sie finden durch die Zuteilung von Radfahrern und von Jäger Bataillonen wesentliche Unterstützung, die ihnen selbstverständlich auch eine erhöhte Gesechtskraft verleiht. Die Kavallerie-Divisionen können übrigens wich zu Kavalleriekorps vereinigt werden. Die taktische illufklärung wird durch die Masse der Korpskavallcrie bewirkt, die selbst, wenn sie noch je eine Eskadron an Infanterie-Divisionen abgibt, etwa rtrr Eskadron? stark sein wird. Ilm die «Aufklärung mit Aussicht aus Erfolg bis an die Jnsantcrielinien herantragen zu können, verlangt und erwartet das Kavallerie-Reglement der Franzosen vor allen Dingen das Zurückschlagen der feindlichen .Reiterei.
Die stkahauiklärung fällt der Korps-Kavallerie zu. Zur Sicherung werden Marsch-Sichcrungsabteilungen und Borposten aus-
g sieden, denen Telle der Korps-Kavallerie zngewiesen werden, allgemeinen ist die unmittelbare Sicherung des Marsches der Hut, der Nachhut und den Scitendeckungen üüerwiesen. Die Gliederung der Vorhut entspricht auch im französischen Heere den Grundsätzen, die in den Vorschriften säst aller Armeen in dieser Hinsicht Ausdruck finden. Vornehmlich zu polizeilichen Zwecken wird aber im französischen Heere auch beim Vormarsch eine Nachhut ansgeschiedcn, die bei einem Armeekorps gewöhnlich ein Bataillon stark ist. Beim Rückmarsch erfährt die Nachhut der Vorhut eine entsprechende Gliederung. Jede allein marschierende Kolonne sichert sich überdies noch durch Seitendekkungen.
Während der Ruhe liegt der unmittelbare Schutz der Truppe den Vorposten vb.^Sie bestehen grundsätzlich ans Infanterie und Kavallerie. Ihre Stärke ist verschieden, se nach der Kriegslage und dem Gelände, niemals aber soll der wirkliche Bedarf an Zahl der Vorposten überschritten werden. Die Vorpostenausstellung wird soweit vorgeschoben, daß die vordersten Unterknnstsorte des Trnp- pmEttpers, der gesichert werden soll, gegen das überraschende und wirksame Feuer der feiichlichen Artillerie geschützt bleiben. Bei der schwachen Beteiligung der Infanterie Divisionen mit Kavallerie wird die Infanterie den Borpostendienst auch bei Tage säst ausschließlich zu besorgen haben.
Der Befehl, der die Marschanordnungen enthält, heißt in Frankreich „Opcrationsbesehl". Größere Truppenkörper^ werden iür den Beginn des Marsches in der Regel nicht ans ellnin ^>ammel- pkoktz vereinigt. Die Marschgeschwindigkeit gemischter Verbände ist eiuschließluh der Rasten vier Kilometer in der Stunde. In den Bewegungen im Armeeverbande vermeiden die Franzosen den Anmarsch in Preller Front und wellausholenden Umfassungen. Sic beabsichtigen, die Armee mit einer starken Tiefengliederung und in, verhältnismäßig schmaler Front gegen ihren Feind vorznsühren, und erwarten, durch den Kampf vvrausgesandter starker Heeres- telle sichere Nachrichten über die Maßnahmen des Feindes zu erlangen. Dann erst würden sie die Hauptkrait planmäßig ernsetzcn, oder je nach den erlangten Nachrichten dem Kampfe answeichcn. Dementsprechend empfehlen die französischen Vorschriften der Armee je nach ihrer Stärke außer der Kavallerie Division ein Armeekorps oder eine Infanterie-Division als Armeevorhnt etwa einen Tageiuarsch vvranszusenden. Das Gros der Armee marschiert entweder mit den Armeekorps nebeneinander, oder es wird ein Teil hinter der Hauptmasse znrückgehaltcn, um später als R^erve einwirken zu können. Es ist auch zulässig, unr die schon erwähnte l tiefe Gliederung und schmale Front zu erhalten, mehrere Armce- ; korps dieselbe Straße benützen zu lassen. Vor die einzelnen Ko-- , tonnen aber sollen dann wieder Vorhuten für die unmittelbare | Sicherung vorgeschoben ivcrden. Im allgemeinen läßt sich sagen, »aß der Armee vielfach lleine Detachements Mer Waffen voraus
wie das Eiserne kreuz gestiftet wurde.
^-Hell'geS Kreuz, ihr dunkeln Farben, seid in jede Brust ge- s'rägt!" Sv ries Schenkcndors aus in seinem Lied vom Eisernen Kreuz; so klingt es auch nun wieder durch die Lande, da zum nittenmal dies schlicht erhabene Shmbol aller großen Seiten in llreußen den Kämpfern siirs Vaterland gestistct wird. Wie in den Sesreiungskriegen, so geht ja auch heute mit der nationalen Er- ! jeJMtng eine tief religiöse Weihe durch unser Volk, und sie findet ' oie damals ihren Ausdruck in diesem einzigarllgen Ehrenschmuck ines wahrhaft heiligen Krieges, zu dein das „vom Erlöser geadelte > Schandmal des Heidentums" erhoben wurde. Und mit der neuen I ötlftung deS Eisernen Kreuzes ist zugleich als guter Genius die I «erklärte Gestalt der Königin Luise herausbeschworen, der Hcrrsche- I in, die am schwersten unter des Feindes Ucbermut gelitten, bis ihr s as Herz brach, an deren Geburtstag, dem 10. März 1813, das 1 kreuz ans Eisen geschaffen wurde. Jeder Landwehrmann trug da- ! aals das schlichte Blechkreuz auf der Mütze; das neue Kreuz sollte ! cder, der es sich im Kampf sür Deutschlands Freiheit errungen,
' wlz auf der Brust tragen. Aus dem gleichen Urgrund der Gefühle oie damals, aus der Erhebung der Herzen zu Gott, steigt dies I öchste Zeichen des Christentums vor uns empor. Die Anschauungen er Freiheitskriege sind erfüllt von der Erinnerung an die alten | öottesstretter. „Ich möchte," schrieb z. B. General Bülow, „wie sromwell seinen roten Brüdern einem jeden Kavalleristen eine Bibel ! n den Sattclknopf hängen und bei der Schlacht ihm zurufen: „Gott ; at die Verruchten in Eure Hände gegeben!" Und neben dem Aus-- ruck eines echt soldatischen und doch frommen Patriotismus ward as Kreuz zugleich zum Sinnblld des gemeinsanien Kampfes aller,
I er Erfüllung der allgemeinen Wehrpflicht. „Ihr alle sollt mir t stiller heißen, Ich schmück' Euch mit dem Kreuz von Eisen, i>lnf, I n die blnt'ge Schlacht hinein!" läßt Friedrich Förster den König a einem seiner Gedichte ausruscn. Das Volkstümliche dieses kreuzes, das an Ossiziere wie Mannschaften gleichmäßig vertellt nnche und von dem jeder zunächst die zweite Klaise erwerben mußte, ; stuf die gewaltige Resonanz, die diese Auszeichnung in Herzen von Rillromcn fand. Ein Gedanke gewann hier Gestalt, den bereits die krformer von 1807 und 1808, Scharnhorst, Gneisenau und Grol- ! nnm, in allen Ettizelhetten erwogen hatten. Sic verlangten da- l nrls, daß auch das Belohmmgssystem des Heeres von Grund ans eändert werde. Bisher hatte es im preußischen Heer zwei Ordens^ l eichen gegeben, den Orden paar Is möchte ausschließlich für die Mziere, das Militärehrenzeichen ausschließlich sür die Mannschas-- ! at bestimmt. Für das neu zu schaffende „Volk in Waffen" durste j snur noch einen Ehrenschmuck geben, den Scharnhorst den „Ber- ienst-Orden" nannte: nicht bei Revuen und Prunksestlichketten sollte r verlieben werden, wie die früheren Orden, sondern allein sür eino usgezeichnete Tat im Kampf gegen den Feind. Nachdem nunmehr ! as Vvllsheer begründet war, säumte der König nicht, anch diesen
gehen, die in breiter Front in Form eines Schleiers vorgeschoben werden. Sie sMen die gegnerische Kavallerie hindern, ihrerseits Ansllärung vorznnehmen, sie sind dazu ansersehen, den Gegner zu täuschen und ihn zu zwingen, sich vvrzeittg zu entwickeln. Ferner siegt ihnen die Pflicht ob, wenn möglich den Sicherungsschleicr des Gegners zu durchbrechen und die ^jahl und Marschrichtung der feindlichen Kolonnen sestzustellen. Die Führer der französrschen Armee hoffen, auf diese Weise in jedem einzelnen Falle ein llares Bild vom Gegner zu gewinnen, und daß sie dadurch in der Lage sein würden, ihrerseits die notwendigen Maßnahmen zu treffen. Erst hinter diesem Schleier folgt gewöhnlich ettie gemeinschaftliche Armeevorhut und dahinter, wie schon «»gedeutet, die in die Diese gegliederte Armee. Die ganze Rechnung ist ofsenbar darauf gegründet, daß sich der Gegner der Franzosen mit seinen .hauvt- krästen znsammenballen, seine Hauplkräste im Llngriff aus diese Armeevorhut Wersen wird, und dann, in einer für ihn ungünstigen Lage, von den französischen Hauptkräften angegriffen und vernichtet werden kann. Wenn somit in einem Kriege gegen Franzosen die gegnerische Kavallerie ans Abtettungen gemischter Waffen stößt, so ist damit noch nicht gesagt, daß er dadurch schon die Hauptkräfte sestgestellt hat.
Der führende Gedanke des französischen Angrissverfahrens ist, ähnlich wie bei der Führung der Operationen, das Manövrieren. Man kann vielleicht hinzusetzcn, des künstlichen Manövrierens: denn dieses Lettmotiv durchzieht ivie ein roter Faden alle Maßnahmen im großen und kleinen, alle Absichten der obersten Heeresleitung sowie alle Einzelheiten in den Kämpfen. Man will durch das Anfassen des Gegners in einer breiten Front vor allen Dingen sichere Nachrichten über seine Absichten und Maßnahmen gewinnen. Dann erst werden die Hauvtkräfte, die inzwischen zurück- gehalten waren, planmäßig in der äußeren Form eines Massenstoßes gegen den schwachen Punkt des Feindes eingesetzt. Man hält aber auch noch nach dem entscheideirden Hauptstoß Kräfte zurück, die dazu dienen sollen, den Erfolg auszunutzen oder sich gegen Rückschläge zu sichern. Es gliedert sich demnach der Angriff der Franzosen in die Vorbereitung, in die Entscheidung und in die Vollendung.
iJm Vorbereitungskampf gilt der Grundsatz, den Feind an der ganzen Frot anzufassen. Die Durchführrrng dieses Kampfes selbst soll aber keineswegs hinhaltend sein, sondern den Eindruck machen, als würde entscheidend angegriffen werden. Dies hat den Zweck, den Feind dazu zu veranlassen, daß er auch seine Reserven gleich heranziehe und in den Kampf Werse. Man will dieses Ergebnis aber mit einem Mindestnraß von Kräften erfüllen, damit man möglichst starke Kräfte zum Manövrieren und für die Entscheidung in der Hand behalte. Die Gefechtseinheften sollen in der Regel die Stützpunkte des Feindes angreifen. Äa aber in solchen Fällen die Gefahr besteht, daß dieser Kampf den Maßnahmen der höheren Führung vorgreifen könnte, so ist bestimmt, daß der Angriff nur etwa bis aus 700 Meter herangetragen werde.
Die Artttlerie wird sehr bald und in möglichster Stärke in Stellung gckracht. Denn inan sagt sich, daß ein Vorsprung in ihrer Entwicklung den Feind auch bald schon in das verteidigungsweise Verfahren hineinzwängen kann. Stets aber feuern nur so viele Batterien, als nöttg ist, die Infanterie wirksam zu unterstützen. Da die feindliche Artillerie natürlich bald antworten wird, so entwickelt sich in dieser Phase des Kampses der einleitende Artillerie- kamps von selbst. Nach der Ansicht der Franzosen wird sich dieser Kampf für sie darum günstig gestalten, weil sie aus verdeckten Stellungen heraus schießen. Eine Unterstellung von Arsillerieein- heiten unter die Führer der Kampsesgrupven dieser Detachements tritt aber nur ganz selten und nur in Ansnahmefällen ein.
Während dieses Vorbcweitnngskampfes stellt der Führer die Kräfte, die zur Entscheidung bestttnmt sind, die Manöveriertrnppe, bereit. Zn ihr gehören etwa ein Vixrftel bis ein DAittcl der Jw- fanterie, entsprechend starke Kavallerie, und meist auch mehrere« oder alle Abteilungen der Korpsartillerie. Dieses Zusammenfassen der Kräfte erfolgt gewöhnlich außerhalb der Sicht und Wirkung des Gegners, in der Regel Hutter der Mitte, seltener sedoch hinter einem Flügel. Bemerkenswert ist, daß auf ein Herausschieben weit nach seitwärts, oder ans ein Ausholen durch einen umfassenden! Anmarsch grundsätzlich verzichtet wird. Denn durch den wetteren Verlaus des Vorbereitungskampfcs will und soll der Führer erkenne», wo sich die schwache Stelle des Gegners befindet, die er dann als Einbrnchsvunkt auswählen wird. Diese schwache Stelle soll zunächst sttirnrreif gemacht werden, indeni alle Gewehre, Maschinengewehre und Geschütze, für die die Einbruchstelle erreichbar ist, ohne Rücksicht aus den gegenüber befindlichen Gegner ein überwältigendes Feuer dorthinrrchten. Ist etwa schwere Artillerie vvr-
bisher auf dem Papier gebliebenen Plan zur Wirllichkeit zu machen. Das Vorbild des schwarzen Kreuzes auf weißem Mantel, das die preußischen Ordensritter als chr heiliges Zeichen so ruhmvoll verteidigt hatten, mochte bei der Stiftung dieses neuen „deutschen Kreuzes" vorschwcben. „War das alte Kreuz von Wallen, eisern ist das neue Bild, Anzudeuten, ivas wir wcstlen, Was der Männer Herzen füllt. Denn nur Eisen kann uns retten. Uns erlösen kann Nur Blut Von der Sünde schweren Ketten. Von des Bösen Ueber- mut." So singt Schenkcndors vom Ursprung des Ordens im alten Prcußenland.
Der Anstoß zur Sttstnng ging von Friedrich Wilhelm selbst aus. „Ich habe," erzählt Botzen, „den eigenhändigen ersten Ent- tvurs des Wnigs sowie die von ihm init Bleistift entworfene Zeichnung selbst in Händen, gehabt. Es war dies in jeder Hinsicht ein glücklicher Gedanke: die Eigentümlichkeit de? gewählten Zeichens, welches von allen bisherigen Dekorationen abwich, das Metall, aus dem es ibestand, und das zugleich als Shmbol der Zeit dienen konnte, die Form, die an die deutschen Ritter in Preußen erinnette, vor allem aber das gleiche Anrecht des Soldaten wie des Generals gaben diesem Schmuck einen großen Wert und erzeugten bei dem allgemeinen Wunsch, ihn zu erwerben, mehr als eine kühne Tat." Mag die erste Sftzze des .Kreuzes, die sein ungefähres Aussehen seststellie, vom König selbst oder nach seinen Llngaben von dem Kriegsrat Eim'iedel, wie andere Quellen berichten, entworfen worden sein, seine eigentliche einfach edle Gestaltung erhielt cs von Künstlerhand; der Entwurf wurde Schinkel, dem genialen Meister, in dessen Kops sich damals zugleich großartige monumentale Pläne zur Verherrlichung der Zeit formten, nach Berlin gesandt »itb von ihm in der allbekannten Form ausgeführt mit den drei Eichenblätter» in der Mitte. In der Sttstungsurkunde, die zugleich mit dem Aufruf „An mein Volk" am 20. März in den Zeitungen veröffentlicht wurde, ward ans die Bedeutung und die Einzigattigkeit dieses Ehrenzeichens hingewicsen.
„In der jetzigen großen Katastrophe," heißt es da, „von welcher für das Vaterland alles abhängt, verdient der ttäftige Sinn, der die Natton so hoch erhebt, durch ganz eigentümliche Monumente geehrt und verewigt zu werden. Wlir haben daher beschlossen, das Verdienst, welches in dem jetzt ausbrechenden Kriege entweder im wirllichen Kampfe mit dem Feinde oder außerdem im Felde oder dabeim, jedoch in Beziehung ans diesen großen Kampf nm Freihett und Selbständigkeit, erworben wird, besonders auszuzeichnen und diese eigentümliche Auszeichnung nach diesem Kriege nicht weiter zu verleihen."
Mtt der Verleihmig des Kreuzes wurden durch eine spätere Verfügung noch neue Ehrungen verbunden. Die Namen der also Ausgezeichneten, die auf dem Felde der Ehre geblieben, sollten an erster Stelle aus Gedächtnistaseln in den Kirchen eingegraben werden: bei der Totenfeier wurden sie vom Geistlichen besonders erwähnt und auxh ihre Hinterbtiebenen noch geehrt, wie cs bereits
Händen, so soll anch sic Mitwirken. Wurden noch vielleicht Batterien znrückgehaltcn, so werden auch diese eingestcht. Illiter Einsatz alle * Kräfte greisen die zum Vorbercitungskamps verwmdeten Truppen ans der ganzen Liisic an und drohen, falls ein Durchbruch ge ° Plant ist, häufig mit der Umfassung des gegnerischen Flügels, vm vom Feinde Kräfte abznziehen. Soiveit die Kavallerie nicht etwa bei der Reserve zurückgebiatien ist, soll sie den Angriff durch energisches Eingreifen auf dcni ganze:, Gciechtsseldc unterstützen. Währenddessen hat man die Entscheidnngstruppe auf Wegen, die sorgsam ausgesucht werden, bis zu der letzten Decsimg gegenüber der Einbruck)sstellc hcrangesührt. Von hier aus soll nur noch eine ganz kurze Sttecke bis zum Feinde zu nbenvinden sein, da man ja beab- sichtigt, in Massen dervorzubrechcn und die Entscheidung herbeizn- fnhrcn. Es ist selbstverständlich, daß iür die Bereitstellung ganz besonders loaldiges und uirüüersickstliches Terrain ertvünscht ist. Diese ganze Rechnung ist, wie stian sieht, fein ansgellügelt, aber derart kourpliziert und von Zufällen beeinflußt, daß sie. in di« Wirllichkeit überttagcn, kaum jemals in den einzelnen Fällen nach den Wünschen der Führer restlos ausgchcn kann.
Wenn es sich um einen Angriff aus einen teindlickien Flügel handelt, so müssen die Trnvveii ineist von ihrem Ausstellungs- Platz hinter der Mitte der Gescchtsfront aus, hinter den vorderen Truppen vorbcimarschieren, so daß es mehr zu einer Verlängerung der Front als zu einer Umfassung kommt. In de»c Regel wählen nach den Erfahrungen der französischen Manöver die Führer die Einbruchsstelle in der seindliäien Front so, daß sich der Durcl>- bruch ergibt. Den Befehl znm Beginn des entscheidenden Angriffs erteilt der oberste Führer: die französischen Vorschristcn bezcichncii cs als die schwierigste Aufgabe, den Zeitpunkt richtig zu wählen. Man sucht bei diesem Angriff den Erfolg nicht in mühsamen Heranarbeiten durch bas Feuer, sondern in der Wucht iind im moralischen Eindruck der Massen. Hierin unterscheidet sich die französische Auffassung vom Wesen uiid von der Durchfühning des Kampses sehr erheblich von den Grustdsätzen, die in andern großen Armeen, offenbar gelten.
Der französische Vetteidiger gliedert sich stark nach der Tiefe. Er will den Angreifer diirch vorgeschobene Teile häusig zur Entwicklung zwingen, und ihn aushalten, so daß er schon erschüttert vor der Hmiptstellung ankommt. In dieser Stellung soll dann der Kainps vornehmlich offensiv gcsühtt werden, iiidem man den Feind mit den Mschnittsreserven imd mit der Hauptreserve entweder aus der Betteidigungsstellung herwis oder nach seinem Eindringen in die Stellung mit Erfolg angreift.
Au» StaSt ttitid (and«
Gießen, 17. August 1914.
Wohlfahrtspflege während des Krieges.
Man schreibt uns: Das Zentralkomitee voni Roten Kreuz hat dem „Reichs-Anz." mitgetettt: „Das deutsche Volk, zu einem Ktteg mit drei Fronten gezwungen, sendet seine wehrfähigen Männer hinaus in das Feld zur Verteidiinng des Vaterlandes. Die Zurück bleibeichen rüsten sich, um den verwundeten und kranken Kriegern Pflege und Heilung zu bringen. Unter diesen schönen Kriegswerken dürfen aber die Friedenstverkc, welche die Gesundheit unseres Volkes erhalten und fördern wollen, nicht lechen. Die Tuberkulose, die schwerste Geißel für die Volksgesundheit, darf nicht ivährend des Krieges aufs neue ihr Haupt erheben. Die Lungcnhettstätten, die sich in dankenswerter Weise per Pflege unserer Krieger öffnen, dürfen nicht solche Tuberkulöse entlassen, welche durch den Zustand ihrer Lechen ihre Umgebwig gefährden. Die Anssirnfts- und Für- sorgcstcllcn, die sür die schwerkraitten Tuberkulösen sorgen solle:,, müssen weiter ihre segensreiche Tättgkcit entsMen. Fast noch losch tiger ist für die Familien, die von ihren zur Fahne berufenen Ernährern verlassen sind, die Säuglingspflege.
Säuglingsheime und Säuglingsfürsorgestellen sollen unter
allen Umständen ihre Arbeit ausrecht erhalten. Es ist
dringend zu empfehlen, die vorbczcichnelen Anstalten zwar für die Verwendung im Kriege pvrzuberciten, aber nicht eher zu räumen, als bis sie von der Kriegskrankenpslegc ongesordert werden. Die Zentralstelle des Roten Kreuzes für Kriegswohlfahrtspflcge, der Präsident des Kaiserlichen Gesundheitsamtes Dr. Bnmm, der Ministerialdirektor im preußischen.Ministerium des Innern, Dr. Kirchner, der Präsident des Rcichsversicherungsamts Dr. Kans- mami und der Präsident der Reichsversicheriingsanstalt für Angestellte, Koch, haben sich zusammengcschlossen, um die Werke der Wohlfahrtspflege auch während des Krieges aufrecht zu erhalten."
Hierzu wird bemerft: Der Vorstand der Landcsver- sicherungsanstalt Großh. Hessen sowohl, als auch der
Grolmann mit mächsigen Wotten in seinem Vorschlag von 1807 gefordert hatte. So war im Eisernen Kreuz den Kriegern des Be- srciungsheeres das Zeichen gegeben, in dem sie siegen sollten, ,v gleich eine höchste Verdienstkrone geschaffen, heilig über irdisches Maß hinaus.
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— Moltkes „S chni t t". In demselben Zuge, in dem König Wilhelm 1870 seine von nicht enden wollendem Jubel begleitete Reise ins Feld machte, befand sich auch der Große Ge- ncralstab, und General von Moltke hatte besonderen Wert daraus gelegt, daß ihn sogleich alle seine Offiziere begleiieten. Dem Generalstab war ein großer Salonwagen zur Verfügung gestellt worden: zum Arbeiten aber blieb den Herren wenig Sammlung, denn in unaufhörlicher Folge umbrauste sic an allen Stasionen die „Wacht am Rhein" und das Hurrarufen der Scharen, die von allen Seiten herbeiströmten, um den geliebten Landesvater noch einmal zu sehen. Da vertrieb man sich denn schon auf dieser Fahrt, wie General I. von Verdn du Veriioss in seinen persönlichen Erinnerungen an den Knieg 1870 erzählt, die Zeit mit einer W h i st p a r t i e, sür die Moltke eine besondere Neigung hatte. Ter große Feldherr hat während des Krieges so manche Stunde mit diesem harmlosen Zeitvertreib zugebracht. „Es gibt wirklich kaum ein besseres Mittel, im Drange der Geschäfte dann und wann eine Ruhepause auszufüllen, als eine „Partie", erzählt Verdn du Vernois, „und wir hielten fest daran während des ganzen Feldzuges, wo die Verhältnisse irgend gestatteten, dem General aus ein Stündchen diese Zerstreinrng zu verschaffen. Das ununterbrochene Denken und Ve- schästtgen mit den ernstesten Fragen selbst da, wo dies nicht mehr nötig ist. kostet viele geistige Krail und spanut ab. Wollte man die Pausen der Ruhe auch mit anderweitigen Eicsprächen anssüllcn, jo kehren doch immer die Gedanken aut das betreffende Gebiet sehr bald wieder zurück. Dagegen wirkt cs erfrischend auf den Geist, wenn er sich auf eimge Zeit von dem aufregenden Getriebe deS Tages loslösen kann, und es ist gut. dann eine Zerstreuung zu suchen, wo dies überhaupt statthaft ist. Damals war unser hoher Chef noch ein recht mäßiger Kartcnspieler. Einen allerliebsten Eindruck machte er dabei, tvenn es ihm daraus ankam, ob er einen „Schnitt" wagen sollte oder nicht. Alsdann legte er die Karlen aus den Tisch, beugte sein Haupt vor und sah den in Hinterband Sitzenden eine Zeitlang mit den großen Augen aus nächster Nähe in das Gesicht, inden: er sagte: „Ich muß ihn studieren, ob er wob! die Karte bat." Es geschah dies stets so komisch, daß nicht bloß der Bettefferidc, sondern auch die anderen schließlich in ein lautes Lachen ansbrachen. Wenn darauf der General seinen Entschluß faßte und seine Katte ausspielte, ereignete cs sich doch oft, daß seine Php. iiognomicn-Kenntnis ihn getäuscht hatte u. der „Sel nitt" mißglückte. Dann legte er sofott die Karten wieder nieder, hob beide Hände empor und rief: „Nein, was der Mensch sich aber verstellen kann!" Im übrigen ivaren bei diesen Partien wahrlich keine Schätze »u gewinnen oder zu verlieret^" -


