Ausgabe 
12.8.1914
 
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itmfcn sich auf-e dort besNidLcben feindlichen Vorposten, Es entsparrn stch ein blutiges Handgemenge, bei welchem die derd-en S0 Tote und viele Verwtzrnd«tx: zurück- lteHen. Die Verluste «ns unscver Seite betrugen nur 1 Tdten Und drei Bernnonidete. Nachdem die Abteilungen, die sich durchweg a»s Leuten zusamimmsctztcn, welche sich freiwillig (^meldet hatten, mehrere Delephondrahte des Feindes zcr- fchattteu uw» mit xiemlichem Erfolg Sprengungen von Brikken rmd Stegen vovgenommen hatten, kehrten sie in das Lager zurück, wo sie mit Jubel empfangen wurden. Es ist.M bemerken, daß sich in den Reihen dieser heldciunütigen Leute viele befanden, deren Muttersprache serbisch ist.

Frauzöstfchc Beleidigungen gegen Italiener.

Wffom, 11. Aug. Einen interessanten Beitrag zu der Art der Behandlung, die die französische Kultur- n-at io n selbst den Angehörigen derjenigen Staaten, die sich neutral erklärten, zuteil werden läßt, bietet eine in einem Blakte in Trcntino veröffentlichte Zuschrift aus Brescia, worin es heißt: In Bresria sind mehrere italienische Ar­beiter eingctroffen, die gleich allen anderen italienischen Ar-j beiteru aus Frankreich ausgewiesen worden sind, Sic befan­den sich in bedauernswertem Zustand und erzählten von ge­radezu bestialischen Torturen durch französische Agenten und Soldaten, Die Italiener wurden mit Lanzen und geladenen Revolvern zum Bahnhof getrieben und mußten sich alle Be« schimpjungen, so das übliche Schimpfwortdumme Macche- roar" gefallen lassen.

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Die Tätigkeit unserer glottc.

Ber l t n, 11, An-g, lieber die Tätigkeit unserer Flotte im bisherigen Kriegsabschnitt ist bekannt geworden, daß auf den drei Kriegsschauplätzen: in der N o r d s e e, O st s e e und im Mittelmeer, Teile der Marine ihre Tätigkeit bis an die feindlichen Lüsten vorgeschoben haben. Diese Unter­nehmungen zeigen den o f f e n s i v e n militärischen Geist, wie er unsere ganz« Flotte beseelt. Die Beschießung des Kricgs- -hobens von L i b a u und sein« Sperrung, wobei von unseren Streit!rösten außer dem kleinen KreuzerAugsburg" auch der KreuzerMagdeburg" beteiligt war, ist von Erfolg begleitet gewesen: die dadurch hervorgeruscne Bestür­zung zeigt sich u. a. in der Sprengung der Hafenanlagen von Hangoe, Nicht minder wirksam war das Erscheinen . unserer im Mittelmeer befindlichen Schiffe an der Küste von Algier und die Beschießung der befestigten Plätze Phi- .lippevikke und Dorm, wodurch die französischen Truppen- lransportc in erheblichem Maße gestört wurden, en glischen Zeitungsnachrichten Hot das helden- mtttige Vorgehen der kleinenKönigin Luise" unter Führung ihres unerschrockenen Kommandanten Korvetten­kapitän Br ermann tiefen Eindruck auf ganz England gemacht und Besorgnis erregt. Trotz der schwierigen Lage, in der sich einzelstehende AuÄandsschiffc den meistens über­legenen fremden Streitkrasten gegenüber befinden, Haider Haine KreuzerDresden" nach englischen Nachrichten den DampferMauretania" der EuuarB-Lin ie b'is vor den Hafen von Halifax ge j ag t. In der Nordsee haben unsere Seestreitkräfte mehr­fach Äorstöße unternommen, ohne aus einen Gegner zu .stoheu, Die Natur des Seekrieges bringt es eben mit sich, daß auf diesem Kriegsschauplatz Zusammenstöße, die tvahr- schettttich zur Entscheidungsschlacht führen würden, unter Ärrrstäoden erst noch geraumer Zett zu erwarten sind.

DieAugsburg" entkommen.

DieKieler Neuesten Nachrichten" bringen die erfreu- Whe Mtteilung, daß der kleine KreuzerAugsburg", der nach den letzten Meldungen Lübau beschossen hatte, und da­bei mit einem russischen Kreuzer ins Gefecht gekommen war, seinen Verfolgern glücklich enttonnen und unbeschädigt ge­blieben ist.

Das Gefecht bei Soldau.

Von dem Bruder eines Offiziers, der an dem Gefecht bei Soldau teilgcnommen hat, wird derBossischen Zeitung" folgender Brief des Bruders zugestefft:

Bei dem Gefecht bei Soldau hat unsere Batterie die ersten Lorbeeren geerMet. Unsere Arttllcrie lag ganz im Sand« vergraben grub war kaum zu sehen. Wir schickten eine Kompagnie Radfahrer aus. Ws diese von der russischen Kavallerie erblickt wurden, woll­ten die Russen sie über den Haufen reiten. Wir ließen die russische Kavallerie auf 500 bis 600 Meter herankommen und gaben dann Feuer, Die Russen ließen 800 Tote und 200 Ver­wundete zurück: 120 wurden gefangen genommen, twu denen 20 Offiziere waren. Wir selbst hatten nur «wer leicht Verletzte, Die Russen sind ein ganz feiges Volk, Täglich kommen Deserteure über die Grenze, Die russische Kavallerie hat schöne Pferde, aber die Soldaten können nicht schießen, Ich hoffe dann, im Novenibcr wieder bei Euch zu sein und grüße Euch alle herzlich usw.

Die Heimbringung der Ernte,

MeNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Me seit Beginn des Krieges vielfach hervorgetretene Befürch­tung, es werde wegen der Einberufung eines großen Teiles der lcmdwirffck^fftlichcn Bevölkerung zu den Fahnen nicht gelingen, die Ernte hereinzubringen, darf jetzt als unbegründet bezeichnet werden. Noch den aus vreußischcn Provinzen vorliegenden Berichten ist der Be- darf an Erntearbeitern in den meisten Gebieten aus den beschäftigungslos gewordenen gewerblichen Arbeitern der Umgegend gedeckt worden. Es fehlt jetzt nur noch in wenigen östlichen Bezirken, hauptsächlich in der Pro­vinz Ostpreußen, an landtvirtschaftlichen Arbeiter:,, Mit der Befördernng von Arbeitern nach dem Osten ist be- gönnen worden; da Arbeitskräfte reichlich zur Verfügung stehen, wird die Nachfrage in kurzer Zeit überall befriedigt werden können.

Tie Jesuiten zur HilfSseelsorgc zugclassen.

Getreu dem Worte des Kaisers, daß er keine Partei und keinen Konfessivnsuutcrschied mehr kenrne, hat der Reichs­kanzler, der Erzbergerschen Korrespondenz zufolge, angeord- net, daß die bekannte Bundcsratsvcrordmmg äußer 'Kraft tritt und daß die Jesuiten zur Hiffsseelsorge zugelassen sind. Me ganze deutsche Ordcnsprovinz hat sich sckfvn vor acht Tagen dem Heer und der Flotte zur Berfügung gesteM und zwar unter Angabe der Sprachenbeherrschuug der einzelnen Mitglieder, da heute Männer, die die polnische und die russische Sprache verstehen, sehr gut zu gchrauchen sind.

Freiherr v. d. Goltz an die Jugend.

Berlin, 11. Aug, Generalfeldmarschall Freiherr von der Goltz erlaßt im Namen des Jungdeuffchlvndbundes folgenden Ausruf an die deutsche Jugend:

Mit inniger Freude habe ich aus allen Teilen des Reiches die Nachricht erhalten, daß die Jungmannschaflcn unseres Bundes

durch wackeres Verhalten, braves und tüchtiges Zugreifen bei den Erntoarbeiten, Hilfeleistungen jeder Art, durch Manneszucht und Ordnung firfi die höchste Anerkennung erworben haben. Ich spreche ihnen allen meinen herzlichsten Dank und meine An­erkennung dafür aus. Ihr Verhallen beweist mir, daß die durch die Lehoen des «Bundes gestreute Saat kräftig ausgegangen ist wrd in der Zukunft reiche Früchte ttagrn wird, in der, wie ich hasse, sich die gesamte deutsche Jugend ohne Ausnahme im großen JUngdcutschlandvundc zusanrmenffndcn wird. Ich glaube, nicht nöttg zu haben, unsere Jungmannschaft zum Ausharren in den begonnenen Hilfeleistungen zu mahnen, Sic wissen ja, daß es unser Grundsatz bei allen Hebungen war, niemals ein angcfangr- nes Werk unvollendet zu lasten: das wird sich jetzt bewähren. Vorwärts also, deutsche Jungmannschaft! Jeder von Euch tue seine Pstichr für das Vaterland, für unseren geliebten Kaiser und sein Reich, gleichgültig, an welchen Platz der cinzrlUc gestellt wird. Während der Dauer des Krieges tritt unser Bund vorüber­gehend in die allgemeine Neuordnung der Jugend­kräfte ein, die in nächster Zeit von höherer Stelle aus ge­trosten werden wird. In ihr sollen die älteren Klassen vom 16, Lebensjahre auswärts eine AuSbildting erhalten, durch welche sie unmittelbarer als bisher für den Krregs- dicnst vorbereitet werden, Jungbcutschland hat sich früh an den Gedanken gewöhnt, zur Verteidigung des Vaterlandes be­rufen zu sein. Jetzt sicht es dieses schneller, als wir alle dachten, erfüllt. Es freue sich dessen und setze alle Kräfte ein, sich dieser Bestimmung wert W zeigen.

Zur Nordsee!

Einer unserer Mitarbeiter schreibt uns:

Hamburg, 8, August,

Am Tage nach der Kriegserklärung Englands fuhr ich mit cinenr MUitärlokalzug von Homburg nach der Nordseeküste, Lang­sam fuhr der Zug, gestillt mit Reservisten aus ganz Deutschland, die ihren Secbätaillonen lUtgegUnstrebtcn, und mit vielen jungen Burschen, die sich in Wilhelmshaven oder Cuxl-aven als Frei­willige nielden wollten, aus der mächtigen Halle deS Hamburger Haut'tbahnhofes heraus,Fenster Müssen vorläuiig geschlossen bleiben!" lautete der strenge Befehl, Denn der Zug pastiert bald binter Hainburg kilometerlange Rampen und Sterndogen und die beiden gewaltigen Brücken über die breid.m Arnre der Elbe, die mit äußerster Ausmerstamleit bewacht werden,

K'urz vor Harburg überschreitet die Bahn die letzte große Elbbrückc, Weile Schilgmesen steigen bis zum Wasser hinunter. Zahlreiche Arbeiter und Bauern, oft bis zu den Hüften inr Wasser stehend, schlagen mit Sensen und Sicheln Schilf imd Ried und mit Aorten das Weidengestrüpp nieder, um etwaigen Spionen jede Möglichkeit zu nehmen, sich der Brücke unbemerkt zu nähern. Hinter Harburg dürfen die Fenster wieder geöffnet werden, Lang­sam rollt der Zug den Schienenweg entlang, über den in Frie­denszeit allwöchentlich Tausende nach Cuxbavcn fahren, um von dort aus mit irgend einem der großen Ozoandainpfer nach Amerika zu reisen. Das ist nun alles vorbei, Feder Blick, jeder Gedanke fängt sich wie in einem Netz in dem einen Wort Krieg! Au den Ucbergängen und Brücken der Bahnstrecke stehen mit geschultertem Gewehr die Vosteu, lauter brave Lcmdwchrmäirner, di« noch vor einer Woche friedlich ihrer Arbeit nachgingcm, Zahlreiche Militär­züge fahren an uns vorbei Aus den Fenstern schauen Reser­visten, bartlose Marschbauern, Heilster oder Torfstecher mit zu- sammengeknistenen Lippen und schiveigsamw Stirn, hinter der ein eiserner Wille sitzt, und viele junge Burschen, blond, mit hellen Augen und frischen Gesichtern, singend und frohen Mutes. Es ist, als sei jeder Zug einqehüllt in eine herrlick/e Atmosphäre hoher vaterländischer Entschlossenttit,

Nack» fast siobenstündiger Fahrt kamen nur gegen neun Uhr abends in Enxhckven an. An den durch Posten geiverrtcn Bahn­steigausgängen müssen wir uns legitimieren und dürfen passieren. In einem Hotel in der Nähe des Bahnhofes die Hotels nach der Secseite zu sind sämtlich geschlossen finden wir Unterkunft, jedoch auch nur nach scharfer Legitimierung, Man ist äußerst vor­sichtig, rund sünsziq Personen sino in den letzten Tagen in Cux­haven als spionageverdächtig ergriffen, viele erschossen worden. Um zehn Uhr werden alle Lichter gelöscht. Ich sitze am Fenster im dunsten Zimmer und schaue über die Stadt und empfinde wie nie vorher den schweren Atem des Krieges, Auf der Straße wird kein Zivilist gäduldet, Posten marschieren, Mititärautomvbile rattern unter den dickten Schatten der Nacht, Der Mond steht hinter den Wolken, Kein Lichtlein glimmt von der Elbe her. Weit, schwarz und schweigsam liegt die Nordsee, Ein kleiner Kellner kommt blaß und bebend herein:Es wird ein Nachtangriff 'der englischen Flotte befürchtet!" Aber es war wohl melw eine Bofftellung seiner verwirrten Phantasie , , , Die Nacht blieb schwer, düster und still.

Früh am Morgen meldete ich mich auf der Kommandantur beim Polizcimeister zur Erlangung eines Ansenthaltsschcines, Er­hielt aber weiter nichts als den Rat, schleunigst abzureisen, _ So blieb nichts anderes übrig, als beim Magistrat der Stadt einen Erlaubnisschein zirr Abreise ju holen. Mit dieser starken Legi­timation in der Tasche war ,ch noch einen halben Tag, bis, zur Msahrt des Zuges, in Cuxhaven, Die Atmosphäre der kleinen Stadt ist Volk von der Abnung des fernen Feindes, Man ist völlig von der Außenwelt abgeschlossen, es kommen keine Zeitungen, keine Briefe, Die Zeitungsredastionen sind ohne Telegramme und Dcvcschenbricse und müssen ibre Blätter mstalten Ladenhütern" füllen, weil sie nichts erfahren. Die Befestignngswerke sind in weitem Umkreis durch Postenketten abgesperrt. Im Gestänge neben der Seewartc geben die Flaggenzeichen aus und nieder. Auf dem Uhrturm am Hafen weht, breit und ruhig, die Flagge des Roten Kreuzes, Die letzten deutschen Heringslvggcr, KolKcnschoner nnd Fischcwer werden von Schlcvpern aus der Nordsee herausgeholt. Und auf dem grünen Dämm, der breit nnd wichtig zum Sand- strcrnd hinuulerläust, rennt ein kleines Mädelchen, 5 Jahre alt, lachend nnd mit ausgcstreckten Armen zwei taumelnden Schmetter­lingen nach. , .

Ein deutscher Tamvfer kommt von London mit letzten deutschen Flüchtlingen und Milllärpflichtigen, Durch schweren Nebel hindurch sitck sie den englischen Sbähschifsen entwischt. Er wird angeholten rcnd fährt weiter nach Hamburg, Passagiere erzählen den Offi­zieren, daß durch ganz London eine ungeheure Be­wegung gegenden Krieg geht. Alle Autodroschken sind mit Plakaten beklebt:We want no war with Germ anv!"Wir wallen keinen Krieg mit Deritschland!" Aber der Krieg ist da. Und kein Protest wirst die Ereignisse ins Un­geschehene zurück.

Es ist natürlich im Interesse der Verteidigung streng ver­boten, irgend welche Beobachtungen über Befestigungen und Schiffs­verkehr mitzutellen. Man kann nur sagen, daß die Eingangs­pforte zur Elbe und zur deutschen HandelSmetrovole sich in einer imponierenden Kriegsbereitschaft befindet, Osstziere und Mann­schaften sind von bewundernswetter Ruhe und Zuvefficht, Alles ist freundlich miteinander. Man svütt es freudig bis ins ttefste Herz: Bruder steht neben Bruder, Aber gleichwohl liegt eine schwere Spaimung in der Lust, Vielleicht die Ruhe vor dem Sturm, Tak­tiker der Theorie vermuten dieses, vermuten jenes aber was wirklich geschehen nnrd, weiß natürlich niemand. Aus jeden Fall dar! die deutsche Nation das große Vettrauen haben, daß sich die feindlichen Panzer an den mächtigen Stützpunsten der Nordsee die stählernen Köpfe einrennen können.

Spät in der Nacht kam ich nach Hamburg zurück. Zusammen mit vielen Freiwilligen, die man in den Garnisonen der Nordseestiste als überzählig hatte zurückweisen müssen. Manche waren schon viele Tage untenoegs, um irgendwo unterzukommcn. Aber sie ver­lieren Mut und Begeisterung nicht. Sie schmücken ihre Eisenbahn­wagen mit srischem Laub und bunten Feldblumen, die sie mit ihren Taschenmessern eilig von den Bahndämmen herunterschneiden, wenn der Zug eine Minute hält, und singen unermüdlich ihre tavseren Vaterlandslieder, Man kann hinkvmmen, wohin man will, immer steht man auis neue ergriffen unter dem gewaltigen Ein­druck: das deutsche Volk steht aus! Kurt Küchler.

hinter den Uulissen der sranzöjijchen

heerer.

Grimmiger Humor der Geschickte! Für diesen Herbst hatte die sranzösische Heeresleitung Manöver des 1. nnd 2, Korps unter der Leitung des Generals Eastelnau in Aussicht gen»,umen, die an der belgischen Grenze stattfindcn iolUni. Es ist der Kriegsschau­platz von heute uud jetzt jind die deuticheil Truppen dabei, den Franzosen vor der Zeit zu zeigen, welche Fehler sie bei diesen Manövern nicht lzntten nräckzcn dürfen. Zu dem kleinen, beleibten General Jofsre, jetzt dem Generalissimus der fianzösischen Armee, hal>cn dieicnigei, 6>eneräle, die sich mehr mit müitärü'chen Fragen, als mit Polittk befassen, von jeder wenig Vertrauen be­sessen, Ec ist alspolitischer Eicneral" verschtteen, wie sein Freund 6Venera! Faurie, der im Herbst vorigen Jahres großem Lärm der radikalen Parteien zur Dispositiou gestelll. wuibe, Joffrc war es, der im August des vergangenen Jahres nacht Petersburg fiihr, um angesichts derdrolxmden Rüsttingen Deutsch­lands" das mllitärischc Bündnis mit Rußland zu erweitern und' neue Abmachuirgen mit dem russischen Generalstab filr ein gemein­sames Zusammenarbeiten für den jetzt ja eingetretenen Kriegssaklzu treffen. DieSeele" der französischen Armee ist dagegeii General Eastelnau, der nur durch seine Bekanntschaft mit eirrrr Reihe: rohalistischer Führer daran verhindert wurde, auch wirllich die> Leitung des aus 12 Alitgliederu bestehenden obersten Kriegsrates« zu übernehmen. Die letzten Monate vor dem Kriege l>abm wieder-: lzolt schwere Meinungsverschiedenheiten zwischen^ Castclnau und Joffie ergeben, der sich vielfach darauf beschränkte, vom grünen Tisch aus einander übcfftürzende Anweisungen zu: erlassen nnd dadurch mit den einzelnen Korpskommandeurrn in, Konflikte geriet. Der vielgenannte einarmige General Pan: FrankreichsGraf Haeseler" dürfte als taktischer Führer kaum in Frage komincn: er ist ein alter Haudegen, aber kern Stratege.

Und wie steht es mit der Armee? Mau wird sie als toll­kühn, aber wenig organisiert bezeichnen können. Viel­leicht sind die Anllagcn, die Senator Humbett noch kurz vor Aus- ^ bruch des Krieges gegen die Militärvcrivaltung erhob, zum Teil. übertrieben, da er als militärischer Mitarbeiter der ZeitungLe Journal" unwillkürlich die Interessen seines Brotherrn vertreten haben wird, der jetzt der Wasfenfabrikant Schneider in Creuzot als Inhaber dieser Zeitung ist. Immerhin ging zu Friedenszeiten schon > vieles darunter und darüber und jetzt wird es noch schlimmer sein., Eiirige Beispiele werden das am besten beleuchten, Zuefft die Toll- ' kühnheit. Ein französischer Fliegerosiizier bemerkte in 2000 Me­tern Höhe, wie sich eine Schraube seines Kattentisches gelockett hatte uud jetzt von der unteren Tragilächc seines Dovvcldeckers ^egeir den Propeller zu fallen drohte. Dies wäre sein sicherer uod gewesen, da der kleinste harte Gegenstand den aus vielen hundett dünnen Holzscheiben acarüciletcn Propeller zersplittert. Was tun? Er stellt das Steuer test, verläßt in schwindelnder Höhe seinen Sitz und stößt mit dem Ilbsatz ein Lock» in die Tragfläche, durch das nach einigem Balancieren die Schraube lstndurchiällt. Er ift_ gerettet. Aus den viel einfacheren Weg, den Motor abzustellcn und im Glcit- slug niederzugehen, ist er nicht gekommen, Tie Tollkühnheit raubt« ihm die lleberlegung. Denkt man dazu an die mannigfachen Klagen, die selbst von französischen Ossizieren über den Schlendrian aut den Flugplätzen gefühtt worden sind, >vo oft Dutzende fettiger Flugzecige ohne die dazu gehörigen Avvarate lagen, dann wird man erkennen, warum einzelne sranzösische Flieger zwar Helden­haftes vollbringen, die Lösung größerer Ausgaben aber an Mangel an Organisation scheitern muß.

Noch ein Beispiel aus der Marine, Tie französischen U u- tersceboote führen zum Teil deutsche Dieselmotoren, die früher auch aus Deutschland bezogen wurden. Als eines Tages der; Motor eines Unterseebootes in Toulon versagte, wandte man sich, an die Zentralstelle in Paris und diese schrieb wiederum an die ^ deutsche Firma, Darauf erhielt die Mattneverwalttmg eine An-' ahl von Broschüren mit einer Anleitung über die ^Handlung:: es Motors, In Toulon ninktc man, daß diese Anweisungen in deutscher Sprache abgcfaßt waren. Da keiner der Offiziere di«' deutsche Sprache so beherrschte, um die technischen Anweisungen zu übersetzen, ging man zu einem deutschen Dolmetscher, Diestt umr bereit, die Ueberseyung rwrzunchmen, erklärte aber, man müsse ' ihm auf einem Unteffeebovt einen in Tättgkeit befindlichen Motor vvrführen, damit er sich mit bessert .Einzelhesten zureckitfinde. Das war aber nach Ansicht des kommandierenden fAdmirals un­möglich, Alle Einwände, der Motor.selbst stamme ja aus Deutsch­land, infolgedessen sei auch seine Konstruktion dort bekannt, halsen ihm nichts,Wenn ich einen Deutschen auf ein französisches llnttt« seeboot lasse, bin ich morgen pensionittt," entgegnete der Wmiral., Man nahm also den Motor heraus und ersetzte ihn durch ement vollständig neuen, der hoffen wir es vielleicht nach einiger Zeit auch nicht mehr funkttonierte, iveil man ihn mcht zu be­handeln vmtand. Daß die französische Pulvcrsabrikation auf die chemische Industrie Deutschlands angewiesen ist, dürfte wohl allgemein bekannt sein. Als man eine Zeitlang nur iranzösisches Material verwendete, waren die Explosionen des berüchtigten L-Pulvers an der Tagesordnung,

Aus dem Reiche.

Berlin, 10. August, Von großen Spenden sind bei dem Zentralkomitee des Rote» Kreuzes eingegangen: 60 000 Mk, von der Commerz- und Tiskontobänk, 50 000 Mk. von der Bank für Handel und Industrie,

Berlin, 1l. August, In einer amtlichen Bekcrmit- machung irnrd darMkf hiiigewiesen, daß Vergnügungen, leichterArt (tolle Possen, Tanzlokale, Tingeltangel usm.)' dem Ernste der Zett nicht-entspräckfen. Auch könnte das da­für ansbegebene Geld besser verwendet werden. Der patrio­tische Sann des deutschen Volkes würde schon dos richtig« Maßhalten lehren,

Essen, 10, August, Herr und Fran Krupp von Bohlen und Halbach stellten für sich und die Firnra Krupp für die verschiedenen Zentralen der örtlichen Organi­sationen für Kriegsliebesdienste eine Million Mark zur Verfügung,

München, ll. Aug, Der Fabrikbesitzer Hugo von M as fei stellte die Kartoffelernte seines Gutes, etwa 10000 Zentner, den Familienangehörigen von Kriegsteil­nehmern zur Vcrfiigung. Zum gleichen Ziveck sttsteten die Münchener Rückversicherungsgesellschaft 10000 Mk. und die Kommerzienräte Hermann und Theobald Heine,nann je 5000 Mark.

Leipzig, 11. Aug, Der hiesige Oberpostdirektor Do- mizlofs ist zum Fe ld o b e rp ostmc ist e r der deut­schen Armee ernannt worden.

Deutscl-e Koldtiicit.

Die Besetzung von Lome.

DieNorddeutsche AIlg, Ztg," schreibt: Tie Besetzung von Lome, der Hauvtstadt unseres Schutzgebietes Togo, durch eine aus der benachbarten Goldküste eingedrungene englische Truppenexpedition hat, wie wir hören, im Reichskolo- nialamt nicht imgcringstcn überrascht. Bei der geographisch außerordentlich schwierigen Lage der lang- geftrecktcn schmalen, zwischen französisches und englisches Gc- b,et eingekeilten Kolonie mußte mit einem derariigen Hand­streich gerechnet werden. Wir müssen uns deshalb mit einer vorübergehenden englischen Verwaltung in unserer kleinen Mu,terkolonie abfindcn. und sind überzeugt, daß unsere zuc Verteidigung aus natürlichen Gründen wirksamer vorbercitc- ten großen afrikanischen Kolonien das Schicksal Togos nicht >o leicht teilen dürften, namentlich unsere wackeren Süd-