Ausgabe 
11.8.1914
 
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Nr. M

Zweiter Matt

164. Jahrgang

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonntags.

Tee«ietzener ZamMeuLiätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich bcigelegt, das KrelsWatt ffit den «reis Kietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschastitchen s«it- frsgen" erscheinen monatlich zweimal.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Dienstag. 11. August 1914

Rotationsdruck und Verlag der Brürhl'schen Umversikäts - Buch- und Steindruckerei,

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: &8S51. Redallian:LE112. Tel.-AdraAnzeigerGießen.

vie Rechtslage im Angeftelltenvrrhältnis.

Es erscheint zurzeit dringend notwendig, zur rechtlichen Lage des Angestclltenvcrbältnisscs Aufklärung zu schaffen, da durch die Kriegslage großes.Interesse vorliegt und vielsach irrige Anschafk- ungen herrschen inbezng auf den Dienstvertrag Ter Krieg als solcher löst kein Dertragsverdältnis zwischen Arbeitgebern und Ar­beitnehmern. In kaufmännischen Betrieben besteht nach wie vor die gesetzliche Kündigungsfrist, d. h. Angestellten können erst am 15, August gekündigt werden mir Wirkunsi ans den 1. Oktober, wenn sie ^vertragsmäßig keine kürzere Kündigungsfrist eingegangen sind. Bei pllen nicht in kaufmännischen Betrieben angcstellten Personen' richtet jub die Kündigung nach der Gehaktszählung. Ist diese wöchcutlich, «nonatkich oder viertrlsährlich, so ist die Kündigung zu den gleichen Terminen möglich (§ 621 des BGB.). Eine so­fortige Entlassung der Angestellten ist deshalb nur in den seltensten Fällen «nöglich. nämlich, wenn ein rai ch-ti<pc r Grund vorliegt. Mach « 70 des HGB könnte ein imchkiger Grund zur sofortigen Entlassung Zer Angestellten eventl. da gegeben sein, wo der Ge­schäftsinhaber gelbst zu den Fabnen eingezvgen ist imd das Ge­schäft vollständtt, geschloffen wird, in allen anderen Fifflen nicht. Ta penn in dieicr Zeit der allgemeinen Rot selbstverständlich ein­sichtige Angestellte erkennen müssen, daß es für mnnche Geschäfts­inhaber zu großen Schwierigkeiten führen ivürde, wenn sie bei vollständigem Tarntederliegeii des Geschäftes die Angestelftengebäl- ier in vollem Umfang zahlen iimßren, so ist eine gütliche Verein­barung über die Gchaltshöhe während des Krieges empfehlenswert. Ernc derartige Bereinbarung ivürde den Angestellten nach Ablauf der Kündigungsfrist nicht sofort brotlos werden lassen, und anderer- sefts den Geschäftsinhaber nickt allzusehr bclasten. Außrrdcni würde es .sich pls sehr eoertvoll erweisen, daß beide Teile bei Wieder­belebung des Geschäftes gemeinsam weiterarbe - u tonnten. Es liegt dcsdall> im Interesse der Allgemeinbeu, daß die Betriebe, die durch den Krieg leiden, auf diese Weise sich ihr Peru.gal halten. Daß im übrigen alle Arbeitgeber es als Ehrenpflicht anfehen, ihre Angc­stellten in dieser schweren Zeit nickt brotlos werte» zu lassen, sofern sie selbst es nicht sind, ist wohl selbstverständlich. Diese Anschannngen vertrstt auch ein Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe vom 2 . August 1914, der sich an die Arbeitgeber in Handel, Industrie und Gewerbe wendet und austordert, im nationalen Interesse Ent­lassungen von Arbeitern und Angestellten in den ersten Wochen nach der Mobilmachung nach Möglichkeit zu vermeiden. Gleichzeitig acht der Minister der .Hoffnung Ausdruck, daß die oft bewährte Vaterlandsliebe der Vertreter von Handel, Gewerbe und Industrie auch in diesen Fällen, selbst nnler persönlichen Opfern cs ihnen ermöglichen werde, ihre Arbeitnehmer zu halten, bis wieder ruhigere Verhältnisse in Handel und Verkehr cintreten und die Möglichkeit eines Ausgleichs zwischen Angebot und Nachfrage leichter zu er­möglichen ist als beute.

Um» Stadt und Cmt.

Gießen, 11. August 1914.

Gin aus Frankreich zuriickgctehrter Älcin-Lindener.

Landwirt Ludwig Lenz in Klein-Linden übermittelt uns folgetldes Schreiben seines soynes Wilhelm, der in der Reihe von Paris als Steiger beschäftigt war und infolge des Kriegsausbruchs Frankreich vertafsen mußte. Der Brief bestätigt manche Einzelheiten, die schon von anderen Deut­schen bekannt geworden sind, enthält aber sehr viel Inter-, essantes, namentlich auch über die staue Stimmung der fran­zösischen Reservisten, so daß wir das Schreiben hiermit gerne zum Abdruck bringen:

Kalk b. Cöln, den 7. August 1914.

Liebe Eltern und Geschwister!

Wie Ihr aus meiner Karte ersehen habt, bin ich glücklich aus Frankreich und Belgien herausgekommeu. Es war eine Reise, die « ich nie vergessen werde. Vergangenen Samstag wurde 'etwa um 5 Uhr nachmittags) die Mobilmachung in Frankreich bekanntge­geben. Um 6 Uhr batte ich eine ganze Menge meiner Arbeiter um mich, die am nächsten Tage cinrücken mußten und nun ihr Geld verlangten. Ta ich eine so große Kasse nicht habe, konnte ich si« nicht auSbczoblen, und vertröstete sie auf den nächsten Tag. Jedoch lagen sic drohend und schimpfend den ganzen Abend um mein Haus herum. Am nächsten Morgen fuhr ich ver Rad nach einer Nachbargrube, wo mir nach langem Zureöen der Direktor eine Summe vorschoß, mit der ich wenigstens die eiligsten bezahlen komUc.

Auf dieser Grube waren 2 deutsche Familien, die Hals über Kopf geflohen waren. Nachdem ich am Nachmittag die Leute be­zahlt hatte, packte ich meine wichtigsten Sachen "zusammen und fuhr mit noch, 2 Deutschen im Wägen nach Caen. Der D-Zng nach Paris war überfüllt, Billette haben wir gar keine gelöst. Im Zuge sprach man natürlich nur vom Kriege. Man schimpfte auf die Deutschen, besonders auf den Kaiser. Man sagte, daß ein fran­zösischer Flieger bereits einen Zeppelin durchrarmt hätte, daß fünf­zig sranzösische Flieger geschworen hätten, nach Berlin zu fllcgen und das kaiserliche Palais in die Lust zu sprengen usw. Wir kouMen nicht wagen, deutsch zu sprechen, sonst wär es uns viel­leicht schlecht gegangen. Gegen Mitternacht kamen wir in Paris an. Wir fuhren in einem Wägen nach dem Bahnhof Nord, unter­wegs sahen wir an verschiedenen Stellen ausgeräumte auf dev Straße liegen, da die sie bewohnenden Deutschen geflohen waren und die Franzosen nun alles zum Fenster rausgcschmissen hatten und z. T. noch angesteckl. Am Bahnhof Nord gab es keinen Zug mehr nach Deutschland, hunderte von Personen lagen mit ihrem Gepäck auf best Straßen herum, um bis zum nächsten Tage zu warten. Da wir kein Zimmer mehr stikden konmen, mußten wir auch auf dem Trottoir und zwar aus unseren Koffern schlafen. Am nächsten Morgen 5 Uhr wurde der ganze Bähnhrffsplatz ab­gesperrt, nach die Menge, die inzwischen aus 12000 -»gewachsen war, in die Seftenstraßcn gedrängt. So verging nun Stunde uM Stunde, ohne daß ein Zug abgefahren wäre. Endlich gegen 2Ubr mittags hieß es: ein Extrazug, aber nur für Belgier. Wir drei ichmuggelten uns durch als Belgier und gelaugten in den Bahnhof. Mehrere Züge voll von französischen Reservisten standen bereit zur Abfahrt. Keine Begeisterung, nur Traurigkeit und Furcht vor dem nahen Tode. Die Belgier schrien:Es lebe Frankreichdaß Pu­blikum antwortete, jedoch die Reservisten verhielten sich ruhig. Es schien, als wenn jeder sagen wollte, was habe ich denn getan, daß man mich nun in den Tod'schickt? Ich hatte-MiUeid mit den armen Kerls. Da die Belgier, die nril ims fuhren, fast lauter junge Leute waren, die zum Militär einrückcn mußten, so hielt man unseren Zug unterwegs für einen französischen Reservistenzug und so wurde uns überall zugewinkt und zugcruieu: Haut sie, nieder eint Dcmschland, schneidet den Kaiser in 15 Stücke, es lebe Frankreich usw. Hoch auf einer Mauer stand ein junges Mädchen, in der linken eine große Fahne und winkte mit der reclsten. Man sah es diesem Volke an, diesmal will es siege,», es feuert seine Soldaten an, diese werden ihre Schuldigkeit tun und sich opfern, aber siegen werden sie nicht. Zu der Ueberzeugung bin ich aber erst gekommen, nachdem ich nun 3 Tage in Deutschlaich bin. Welcher Unterschied dort und hier.

Nach Mitternacht trasm wir in Lüttich ein. Am Bahnhof wim­melte es von deutschen Reservisten und Landwehrmännern, die nach Hause wollten. Jedoch waren die Geleise aufgerissen und die Tun­nels gesprengt, es konnten kerne Züge mehr geben. Ich ging ruhig in ein Hotel und schlief mich erst mal aus. Am anderen Morgen, wurde allen Deutschen durch Gendarmen bekannt gegeben, innerhalb 2 Stunden Belgien zu verlassen andernfalls würden sie verhaftet. Ein unbeschreibliches Gedränge entstand bald auf den Bahnhöfen. Weinende Frauen mit 34 Kindern u. einigen rasch znsammen­gerafften Bürckeln lagen umher. Manche Männer waren noch in den Gruben und konnten nicht rasch genug oerständigt werden. So wurden die Familien auseinandergeristen. Es mögen wohl 10 Züge mit Deutschen abgegangen sein, alle über Holland. Ich batte noch Geschäfte in Lüttich zu erledigen, blies bis zum Abend und ging dann nach dem Bahnhof. Unterwegs traf ich einen Truvv Mutsche, die von 3040 bclg. Gendarmen mit aufgepflanztem Seitengewehr nach der Bahn gebracht wurden. Ich stellte mich den Gendarmen, sagte daß ich Deutscher sei und mitwollte. L-osort wurde auch ich in die Mitte genommen. Es war empörend zu sehen, wie gemein diese Gendarmen uns alle behandelten. Wir niußten noch über zwei Stunden, vor dem Bahnhof warten, aber niemand bekam auch nur ein Glas Wasser für den Durst. Wir wurden endlich in einen Zug gesteckt, in dem aber kein Licht augezündet wurde. Wir fuhren bis nachts 1 Uhr, dann mußten wir 2 Stunden lauten. Wer schweres Gepäck hatte, mußte es liegen lassen und wird es wohl nie wiederkricgen. Eine 70jährige Frau blieb im Straßengraben zurück, ein Kind starb unterwegs. Wir waren froh, als wir endlich aus holländischen Boden waren, und werden es nie vergessen, wie sreundlich und hilfreich wir ausgenommen würden. Am anderen Morgen (Mittwoch) begann der Kanonendonner, der den ganzen Tag auhielt. Lüttich brennt an mehreren Stellen, ich habe viel Gepäck dort zurückgelassen und auch einige sehr gute Bekannte. Unseren Martin (Bruder des Schreibers) wollte ich bei seinem Chef aussucheil, fand aber alles verschlossen. Schreibt mir nun s o -

fort, wo die übrigen Brüder sind. Wenn Martin noch nicht ge­schrieben hat, wird er noch in Lüttich sein, denn mein Zug war der Letzte. Als er ca. 200 Meter über die Maas war, flog die Brücke in die Lust. Unser Ludwig wird wohl schon im Felde stehen. Schreibt bitte gleich. Ich habe fast nur sranzomckes Geld und bitte Euch, mir Anfang nächste Woche ca. 25 Mk. zu schickem Ihr künnt's ja von der Gcwcrbebank holen. Wir sind gestern mir ca. 50 Mann von 'Aachen hier eingetroffen, nwhnen in der Stadt und haben vorläufig nichts zu tun als uns zweimal täglich in der Kaserne zu melden. Ich habe von meiner Blinddarmentzündung her im Passe stehen:Nur garnisondienstfahig". Ich glaube nicht, daß ich ins Feld muß. Wieviel Blut neck Tränen wird das nvcki kosten? Aber Alles mit Gott!

Die herzl. Grüße Euch Allen

Euer Wilhelm.

Roch einmal zur Frage, wie kommt die-Ernte hctm?

Vom Land wird uns geschrieben:

1. Landleute seid bedacht: die Ernte eilt! Gewiß Ihr könnt nicht jeden brauchen, und müßt mit allen Helfern aus der Stadt Gedickd baden. Aber doch: nehmt dankbar die so willig g eck ollen en Kräfte an , soweit sie dazu Helsen kön­ne», die gereisten Früchte schneller zu einten.

Wir hoffen, daß unsere Brüder draußen uns den Sieg errtngeu, aber wir ivisien nicht, ob nicht der Weg zum Sieg dirrch Wechsel- sälle führt, die den Krieg auf mffere Felder kommen lassen. Was wird dann aus der Ernte? Oder wenn ungünstiges Wetter die sehleuden Kräfte doppelt fühlbar macht! Landleute, seid nicht schwer­fällig in dieser Jett, die alle» ändert, denkt daran: die E rn i a eil t!

2. Ihr Helfer aus der Stadt, seid auch nicht un­bedacht ' Es tut so wohl, daß Ihr die Hilfe bietel: Ihr zeigt uns, daß wir ein einig Volk sind. 'Aber guter Wille tuts nickt allein, unbedacht kann Eure Hilfe Aergcrnis geben!

Es ist ein Unlerschied unter den Dörfern. Wo ArbeitSleure in großer Zahl wohnen, da ist kein Mangel an Kräften, da acht's jetzt Arbeitslose. Die treten in die Lücken der Ausrückenden. Und nicht' nur sie, aiuh ihre Frauen. Gute Zeit verwöhnt, da ließ sich mancher gute Worte geben, jetzt sind sie alle willig zu Keksen, da die Not droht. DieLeuteausderGemeindcgchcnvor! Darum tragt erst, wo Ihr angreist, ob iolche da sind: helft nur, wo solche fehlen. Räumt fröhlich das Feld, wenn solchen dadurch die Möglichkeit geboten ivird, sich Unterhalt zu verschaffen, damit, es in dieser Zeit kein Aergernis gebe!

3. Doch auch Ihr Landwirte, kleine wie große, sorgt, daß es kein Aergernis gckt: sorgt, daß in dieser großen! Zeit, die offenbart, >oie alle Denlsche für ihr Vaterland zuüim- meustehen, nieumeä» ein Anlaß geboten iverdc, verbittert zu werden.

Ihr kleinen Landwirte, denkt daran, die Menschen, die Not treibt Euch zu helfen, richtig zu entlohnen, üliit' gegen di e Kost, wie dies freiwilligen Hestert, gegenüber an­gebt, i st u n r echt. Tann wird io das finanzielle Opfer nur einer Schicht auserlegt. Eure eigenen Leute, die Euch setzt fehlen, mußten ja auch cffen und trinken. Legt Euch auch ein Opfer auf an Geld, auch locnn Ihrs nicht geioohnt seid, und die drohende Not die Menschen verängstigt, daß sie's isicht fordern. Entlohnt sie freiwillig nach besten Kräften um der Gerechtigkeit, um der Gemenff- willen.

Und Ihr großen Landwirte, sorgt, daß Ihr kein Aer­gernis gebt. Jawohl, die Ernte eilt, und ungeübte Kräfte sind ein Hindernis und bedeuten eine Einbuße gegenüber eingearbeitetcm Und trotzdem: wenn Arbeitslosigkeit uirier unseren Landsleuten sichgeltcnd macht, dann ift's «ine vater- läitdische Pssicht: fort mit den Ausländern! Fort mit ihnen, auch wenn sie einem leid tun, loeil der Einzelne unschuldig ist an der heutigen Lage. Fort mit ihnen, auch wenn'» nicht anders geht, einen Teil derselben aus Staatskosten zu unterhalten. Der steht uns näher, sie oder die eigenen? Wer . geht vor bei der Arücitzuieilung, wer beim Almosen? 'Almosennehmen erniedrigt, da ist die Entscheidung nickt zweifelhaft.

Freut Euch in dieser Zeit, wenn Ihr vor aller Augen denllich machen kömir, Euch schlägt das Herz so warm fürs deutsche Volk, daß Ihr nicht zaudert, den Schritt zu tun. Hier könnt Ihr zeigen, daß Ihr bereit seid zu stärken, was diese Tage offenbaren:Wir sind ein einig Volk von Brüdern!"

** Geheim hctltu.ug der Truppen st and-orte. Verschiedene Zeitungen enlhalten Anzeigen über Eheschlie«

Das Rote Rreuz einst und jetzt.

Bel der zunehmenden Furch,barieit der modernen Kriege mit ihren Kampf- und Zerstörungsmitteln ist es kein Wunder, wenn der Wille zur Humanitär von Krieg zu Krieg stärker geworden ist. Die 'Ausgabe, die Schrecken und Leisen des Krieges am ern gewisses 'Mag zu beschränken, hot in erster Hinsicht das Rote Kreuz aus fick genommen, dessen Hauptgrundsatz der ist, daß die Krieger von zwei irch bekämpienden Heeren nach ihrer Ver- wunonng nicht mehr Feinde, sondern nur noch kranke, hilflose Menschen sind, denen aus Gründen der Menschlichkeit Hilfe zuteil werden muß. Tas Verdienst, diesen herrlichen Grundsatz in die Tat umgesetzt z» haben, gebührt dem Genfer Patrizicrsohn H e u r t D n n a n t. Ter Um>tand, daß in allen früheren Kriegen Tausende und Abertausende von Verwundeten Nur deshalb starben, weil cs ihnen an der notwendigen Hilfe und Pflege gebrach, tatie schon vor ihm den Gedanken an internationale Hilfe zur Linderung dieses Unglücks auskommen lassen. Die erste 'Anregung erhicll Dunanl von der russischen Großfürstin Helene Pawlowna und der Cmgländerin Miß Florence Nightingale. Im Krimkricge harteir diese eineGenosseuschast der Schwestern von der Krcuz- erhöhung" geschaffen und hervorragende» aut dem Gebiete der Verwundetenpflege geleistet. Der 1859 ausbrechende itaiienisebe Krieg mit der sürchterlechen Schlacht von Solserino, in der 40 000 Verwundete aus Mangel au Hilfe elend umkamcn, veranlaßte Dunant im Jahre 1862 eine <ochrift herauSzugebenSouvenirs de Sollen,w", worin er die 'Notwendigkeit betonte, daß schon rn Fricdenszellcn daraus hingearbeitet werden müsse, die Kricgs- sührung durch fine ausreichende Pflege der Verwundeten hu­maner zu gestalten. Im Jahre 1864 rmrrden bekanullich in der Genier Konvention, au der sich 16 Mächte beteiligten, die Grnnd- lagen für diese Besttebuargen festgekegt, so daß man dieses Jahr als das Gründungsjahr des Roten Kreuzes bezeichnen kann. Es fanden in der Folgezeit noch weitere Kongresse zum bes­seren Ausbau und zeitgenräßer Ümgesialtting, sowie zur Ber- vollltändigung und Vervollkommnung der dem Roten Klleuz dienst- baren Hillsmittel statt. Alle diese Kongresse schürten die heilige Flamme der Menschenliebe derart, daß die Rote-Kreuz-Bewegung einen nie geahnten Ilnffang annahm, Dmraut selbst, der inr Ok­tober 1910 starb, hatte bei seinen humanistischen Bestrebungen sein gan^s Vermögen verloren und war aus die Hille wohltätiger Fürstlichkeiten angetviesen. Wre hoch seine Arbeit aber von allen Nationen «ingeschätzt wurde, kami mau daraus ersehen, daß er bei der Verteilung des ersten Nobel-Friedens-Preises die Hälfte zu- gesvrochen erhielt. Seitdem konnte nun das Rote Kreuz in vreten Kriegen das teuäneudc Beffpiel werktätiger 'Menschenliebe seines Gründers forrjetzv^

Seine Betätigung im Felde ist außerdem außerordentlich segensreich auch für kommende Kriege. Die Erfahrungen, die man z. B. auf dem Gebiete der Mundpflege und der Kriegs- chirtirgie macht, sind eben nur auf dem Schlachtfeld« möglich. Aus der Tätigkeit des Roten Kreuzes in den neueren Kriegen liegen von verschiedmen Teilnehmern hochinteressante Berichte vor. So erzählt z. B. der Chirurg Küttner, der im Aufträge des Roten Kreuzes den Burenkrieg 1899.1900 mitmachte, über eigentüm­liche Erfahrungen, die nian mit verwundeten Kriegern machte. So soll z. B. die Anspannung aller Kräfte und des gesamten NervensvstemS cnnes Menscksen während eines Gefechtes so groß sein, daß die darauf folgende Erschlaffung selbst die ^ochwerver- wundeten in tiefsten Schlaf versenkt. Auch die Taffache, daß durch die modernen Geschosse die Gefährlichkeit von Bauch- und Lungenschüssen gegen früher bedeutend gemindert «t, verdanken svir den Erfahrungen des Roten Kreuzes. Mit wie primitiven Äiittcln im Kriege häufig gearbeitet werden muß. davon kann man sich kaum eine Vorstellung machen. Es ist vorgekommen, daß man, um die zu einer Operation notwendige gme Beleuchtung zu haben, die Motoren und Dynamos von Röntgenapparchen zur elektrischen Bclenrlstung verwenden mußte. Es ivar besonders im Burenttiege keine Seltenheit, daß das Rote Kreuz seine Tättg- kcit aus primitive Wagen verlegen mußte, von denen etlülse zum Ttzphushospital dientem Wied erlzoll, so erzählt Professor Küttner, mußte ,die ganze Kolonne einen umgestürzteu Wagen unter großen Müheir anfheben, was selbstverständlich für die Verwundeten nicht nur, sondern auch für das mitgeführte Ver­bands- und sonsttge Material von ungeheurenk Schadm war. Der große Walkanbrand gab dem Roten Kreuze in neuester Zell reich­lich Gelegenheit, das Werk der Menschenliebe, die keinen Unter­schied zwischen Freund und Feind kennt, zu volleirdem So stellte das Deutsche Rote Kreuz z. B. lln November 1912 in Skutari dem ügyvtffcheuRoten Halbmond" ein Lazarett mit 200 Betten zur Verfügung. Gerade das Deutsche Rote Kreuz betätigte sich im Balkaukriegc ganz hervorragend, zumal da man bedenken musz, mit wie unendlicher Mühe der Aufbau emes Krllgskrankew- lazaretts verknüpft ist. Eine Vorstellung, wie'gewialng die Arbell der leitenden Aerzte ist, kann mau sch aus der einen Angabe machen, das während der Balkankriege an eurem Tage ucht weniger als 25 bis 30 Operallonen von einem einzelnen Arzt ausgeführt werden mußten. Und ivenn noch die Arbell des Roten Kreuzes immer lli Ruhe vor sch gehen könnte! Das ist aber keineswegs der Fall. Me starken Verluste, die auch unter dem Sanitätspersonal in den modernen Kriegen gemeldet wurden, be­weisen, daß der Kampf auch vor der Flagge des Roten Kreuzes zuweilen recht Halt macht. Das lleine rote Kreuz, daß die Mit­glieder am Arme traewn, ist auf größere Entfernung schwer zu erkennen und auch die gewaltige Flugkraft unserer modernen

Geschosse kann sich mir allzillecht zu der Stätte, wo 'Menschen­liebe ihrer Pflicht waltet, verirren.

löorte der alten 5ntz.

Den Neid ganz Europas haben wir aus uns ge­zogen und alle unsere Nachbarn rchrig gemacht. Wenn aber die Ehre des Staates Euch zwingt, zmn Degen zu greifen, dann falle er auf Eure Feinde als der Blitz und der Donner in einem." (Politisches Testa­ment des alten Fritz.)

Man hat in diesen Stunden, da ringsum die Masken fallen und die Neider im Haß gegen uns sich sinden, an die eisernen und die glorreichen Jahre des siebenjährigen Krieges erinnert, da alle Großmächte Europas über das junge Preußen herffelcn und schließ­lich, nach langem schwerem Strauß, dock bluttg heimgeschickt wur­den. Wie überraschend viel an diesem Vergleiche zutriift, zeigen nachstehende 'Aussprüche des großen Friedrich. Sie enistammen den Tagen des siebenjährigen Krieges, der Zeit, da er mit seiner Arme« unerschrocken einer ganzen Welt von Feinden emgegentrar. Der Geist, der ihn und seine Tapferen durch Mut und Leid zum Triumph und zum Siege führte, führe uns auch heute!

Seit der Liga von Cambrai sah man keine Berfchwörungs gleich der dieses iusemren Dreibundes gegen mich: es ist rnchlos, es ist ein Schandfleck der Menschheit. Sah man je, daß drei Staats­oberhäupter sich zusammentaten, um ein viertes, das ibnen nichts zusügtc, zu vernichten? Ich hatte keine Händel mit Frankreich, keine mit Rußland. Wenn in der bürgerlichen Gesellschaft drei Leute, ihren Nachbarn überfallen, werden sie mit Richtersprnch gerädert. Wie! Fürsten, die in ihren Reichen diese Geietze achten, geben ihren Völkern so schnödes Beisviel? O Zeiten!, o Sitten ! Wahrsich, bester wäre es, chmitten von Tigern und Leoparden zu leben, als in einem Zeitalter, das sich gesittet, inmitten von Heuchlern, Räubern und Treubrechern . , , Echwer ist die Arznei, allein große Uebel hei­schen harte Kuren," (An seine Schwester Wsthelmine.)

Wird man einen Wanderer anflagen, gegen den drei Sttaßen- iäuber sich mit ihren Helsershellern verschworen haben und der im Wllikel eines Forstes, durch den seine Geschäfte ihn rührten, hinterrücks überfallen wird? Wird alle Well nicht lieber oufstehcn und die Verbrecher gefangen nehmen? Arme Sterbliche, die wir sind! Die Welt bewertet unser Tun nicht nach unseren Gründen, sondere, nach dem Erfolge. Was bleckt uns also? Wir müssen erfolgreich sein!"

(Apologie meines polllstchen Verhaltens".)

In diesen harten Zettel, heißt es, sich mit Eingcwciden von Eisere wappnen ured mit einen. Herze:, von Stahl, um alles Gefühl zu vergefsen. Die arenen SchLer des Epikur köruueu jetzt nicht