Ich sah Heu Ausmarsch der Püaschmengewvhrvdttlltrng.
Fttsche Gesichter, soviel stramme frohe Jugend' Mar unter der Mannschaft, dass einenr das Herz vor Freude lachte bei dieser Blüte unseres Volles, Eine Gruppe von Bäuerinnen hatte sich an der Straße aufgestellt, wo die Mannschaften vorildcrkamcn. Mir war schon länger eine alte Frau ausgefallen in der bekannten hessischen Tracht. Ws die Mannschaft heranrüekte, sah sie forschenden Auges umher, und dann blitzte es aus in ihren Zügen, und zwischen ihr und ihrem Lohne ein Austausch herzlichen Grüßens, ein Blick des Segens von der mütterlichen, ein Leuchten der Zuversicht von seiten des Sohnes, und fest stand die alte Mutter, bis der ganze Zug vorüber und auch der letzte Soldat ihren Blicken entschwunden war. Dann glitt sie auf den Rasen, bedeckte mit der Hand die Augen, und die Dränen flössen. So recht, du tapferes Mutterherz! Festgcstanden, Zuversicht in Blick und Haltung, damit der Sohn nicht gelähmt wird durch die Erinnerung an den bitteren Mutterschmerz. Und auch hier winkten Schwestern und Bräute ihr letztes Lebewohl, und die kleinen Geschwister jauchzten dem Zuge nach und liefen hinterher, solange die Füße sie trugen.
Es ist ein eigener Stamm, unser alles Hessenvolk. Zu Friedcnszciten ost als starrköpfig verschrien, verkannt wegen seiner Verschlossenheit und seines Eigensinns. Wer es aber näher kennt, der weiß, daß hinter der scheinbaren Verschlossenheit ein tiefes, zartes Empfinden ruht, und jetzt, in diesen Tagen, offenbart sich aufs herrlichste die Seele der alten Chatten, Groß und tapfer in Gefahr, fest und entschlossen, das Aeußerste zu wagen und treu seinen Mann zu stehn.
Am Morgen desselben Tages stand ich unter der Volksmenge, die vor den Toren der Kaserne Spalier bildete, während drinnen der Feldgottesdienst abgehalten wurde. Ein Mann in der Arbeiterbluse stand neben mir. Wir gerieten in Unterhaltung, Er war soeben aus der Schweiz zurückgekehrt und schilderte mir ergreifende Szenen, die er in Basel erlebt hatte, wo eine Menge Deutscher zusammengeftoßen waren, „Alle", meinte er, „ivaren sich des Ernstes unserer Lage bewußt. Aber alle beherrschte der eine eiserne Wille: Wir müssen es zwingen und wir werden es zwingen!" Er war verlobt. Schwer, meirlle er, war ihm der Abschied von der Braut geworden und ihr wäre schier das Herz gebrochen. Da hätttz er der Qual ein Ende machen wollen, hätte eine Besorgung vorgeschützt, sei schleunigst abgcreist und hätte ihr von der nächsten Station aus noch einen Abschiedsgruß gesandt, Derselbe Mann erzählte mir von seinen Beobachtungen aus Friedrichshasen und eine freudige Zuversicht blitzte aus seinen Augen. „Die werden dem Feind zu schaffen machen, unsere Schiffe in der Lust. Männer von Eisen sind dort am Werke, die wissen, wajs sie wollen." Und weiter schilderte er mir, wie von Station zu Station Deutsche aus allen Gauen zu ihm stießen, sich einander ihre Erlebnisse mitteilten und wie durch alle nur der eine Wunsch ging, schnell drauf und dran, nicht in übereilter Hitzigkeit, sondern fest und besonnen, wie wir sonst unsere Arbeit anzupacken pflegen. Aber unerschrocken und mit Gottvcrtrauen in den Feind, so muß und wird es uns glücken. Ob der einzelne zurückkommt oder nicht, unser Deutschland dürfen sie uns nicht nehmen. Bon anderer Seite nmrde uns erzählt, daß ein frecher Schwadroneur seines losen Mauls wegen gefangen gesetzt sei, „Er wird schon wieder frei kommen," sagten lachend seine Gefährten, „aber den Denkzettel gebrauchte er. Wer in so bitter ernster Zeit das Maul nicht zu zügeln weiß, verdient es nicht, das Schwert führen zu dürfen,"
Ich gestehe es, mit Kummer und Zagen habe ich in den vergangenen Jahren oft hineingesehen in mein geliebtes deutsches Volk, Die Vergnügungssucht schien überhand zu nehmen, die Kluft zwischen Gebildeten und Ungebildeten schien immer größer zu werden, der Abgrund zwischen den Ernststrebenden aller Schichten und denen, die nur dem Genuß nachzujagen schienen, klaffte schier unüberbrückbar. Da habe ich mich in, stillen oft gefragt, wird unser Volk noch imstande sein, einer großen Gefahr zu begegnen? Und siehe, jetzt in der Stunde größter Not, wo es sich um die Existenz unseres Vaterlandes handelt, zeigt es sich, daß all die Verirrungen nur rein äußerlich waren. Der goldene Kern unseres Volkes ist unberührt gehlieben. Wie Firlefanz im Mummenschanz, so hatten sie sich fremde, undeutsche Art uni die Schultern gehängt, Aber jetzt in der ernsten Stunde wird der Narrenmantel abgeworfen und geläutert und unverdorben stehen vor uns besonnene, deutsche Männer und von einer Kluft zwischen den verschiedenen Ständen von einem Sichnichtverstehen zwischen den verschiedenen Bildungsstufen ist nicht länger mehr die Rede, Vom Thron bis zur ärmsten Hütte fühlen wir uns heute als eine große Familie, als Brüder und Schwestern, die ehrlich mit Tran- qabe ihres ganzen Seins, mit Einsetzen ihrer Habe und ihres Bluts füreinander einstehen in der Stunde der Gefahr. Alles Kleine ist von uns abgefallen. Der Blick ist einzig auf das eine notwendige Ziel gerichtet, wie wir unser Bott vor den von allen Seiten anstürmeuden Feinden retten. Ernst und überlegen, tti stillem Sinne alles prüfend und erwägend, freiwillig sich unterordnend der höheren £nt> sicht, die Hand ans Schkoett gelegt, den Blick erhoben, so zieht der Deutsche hinaus ins Feld, dem Feinde entgegen, lind groß im stillen Walten, persönliche Interessen willig dem Gesamtwohl unterordnend, treu im kleinsten, ohne je das Große aus dem Auge zu verlieren, so sollten auch wir Zurückbleibenden jeder auf seinem Posten wirken. Eine schwere Zeit ist herangebrochen, so bitter schwer, wie unser Volk sie seit dem Freiheitskriegs nicht mehr erlebt hat. Jedem werden fast übermenschliche Opfer auferlegt, aber die Hausfrau am Herde, der Beamte, der Fndnsttielle, kurz alle, welche noch in der Heimat wirken, sind nicht loeniger verantwortlich für die Erlangung des Sieges als der Krieger im Felde, Je mehr dies Bewußtsein uns alle durchdringt, um so treuer helfen wir cm unserem Teile unfern opferbereiten herrlichen Kriegern, Gott helfe uns allen, p. l.
Au» Stadt und kanS«
Gießen, 11. August 1914, Rcichsdarlehnskasse.
Wie aus den amtlichen Bekanntmachungen in diesem Blatt hervorgeht, ist aus Grund des Reichsgesetzes über die Errichtung von Tarlehnskassen auch in Gießen, im Anschluß an die Rcichs- bankstelle und für deren Bezirk, also auch für den Geschäftsbereich der Reichsbankncbenüellen Friedberg, Marburg und Wetzlar eine ^.arlehnskasse eröffn« worden, um für das Publikum und insbesondere die Geschäftswelt die Möglichkeit zu schaffen, gegen Verpfändung von Wertpapieren und Waren Geldvvrschüsse zu «hatten vic <sinrrchtu:ig, die sich ivohrend.früherer Kriege, insbesoud«e auw im Jahre 1870 bewahrt hat, folf dem Kreditbebürfnis ent- gegenlommm und dazu beitragen, die Schwierhfkttten und Störungen, die durch den Ktteg im Kreditsystem und Geldzirkulations- Vrozeß henwrgerufen loerdm, zu mildern und namentlich im Handel und Gewerbe die Möglichkeit geben, sich die zur Forrsetzung des BetrjtLL criorderlicheg Barmittel zu verschaffen.
Wenn die Darlehnslasjen hiernach auch in erster Linie zur Förderung des Handels- und Gewerbebetriebs bestimmt sind, so sollen sie doch auch dem Kreditbedürfnis von Privaten entgegen - kommen und ihnen Gelegenheit geben, gegen Verpfändung von Wertpapieren, sich bares Geld zu einem nicht allzu hohen Zinsfuß zu verschaffen.
Nach den bisher vvrlieg«tdcn Instruktionen können bis auf weiteres an zuberlässige Inländer Darlehn von mindestens 100 Mk, und auf'die Tauer von Z—6 Monaten gegeben werden: 1, gegen Verpfändung von W«tpavieren auf Grund der amtlich notierten Börsenkurse, wobei die Notierungen der Berliner Börse vom 25. Juli d, I,, eventuell des letztvorhngehenden Notterungstages, ausschlaggebend sind,
Werte d« Klasse 1 des Bankgesetzes (inländische Effekten) w«den bis zu 60 Proz., Klaffe 2 (ausländische Efsekteio bis zu 40 Proz. icnd russische Wette bis zu 25 Proz, belieben, Ron bish« bei d« Reichsbank zur Lombardierung nicht zugclasfenen Effesten w«den festverzinsliche inländische an deutschen Börsen notierte Werte bis zu 50 Proz., Aktien bis zu 40 Proz, des KurSwettes, jedoch nicht üb« 75 Proz, des Nennwertes belieben.
Die Beleihung von ausländischen Effekten, dre an deutschen Börsen keine Kursnotierung haben, sowie Wechsel, Hypotheken, Sparkassen- und ähnliche Einlagebüchern ist ansgeschlossen,
2 . Gegen Verpfändung von bish« bei der Rttchsbank beleihbaren Waren bis zu 50 Proz, und mit Genehmigung d« Haupt- v«waltung auch sonstig« Waren bis zu 40 Proz. vorsichtig« Schätzung ihres marktgängigen Wertes,
Es steht zu ermatten, das; d« Kreis d« ohne bcsondett Genehmigung der Hauptverwaltung belcihbarm Warm in Kürze eine Erweiterung erfahrm wird. Der Zinsfuß ist zunächst auf 6Hz Proz, festgesetzt.
Tie Darlehnskasse Gießen hat ihrm Sitz im Reichsbank- gebäude. Ter Borstand besteht aus dm in dm Bekanntmachungen bezeichnten Personm. Die Kassenstunden sind auj 9—12 Ühr vormittags festgesetzt, und es wird während d« Gcschäftsstundm jede weitere Auskunft erteilt,
Beleihimgsanttäge sind schriftlich einzureichen, unt« gmauer Angabe der zu verpfändeten Gegenstände und Beifügung d« auf diese bezüglichen Urkimdm (z. B, amtliche Wage-'Meßzeug- nisse, NiedttlagS-Fmervm'ichnungsscheine und dergleichen),
" Ernennung. Ter Groß Herzog hell den Frnanz» aspiranten Heinrich H e d r i ch aus 'Appenrod zmn Mnisterial- reviloc bei der Buchhaltung der Ministerien des Innern und der Justiz «nannt.
** General von Emmich. Zu unserer Mitteilung in gestriger Nummer ivird -uns von einem ehemaligen Ossizier des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm ergänzend mitgeteilt, daß General Emmich am 18. Noveinber 1890 als Bataillonskomma»de»r in das Jnsanterie-Regiment Kaiser Wilhelm versetzt und am 17. Februar 1894 zum Kounnandenr des II. Jägerbataillons ernannt wurde. Während seiner Ticnstzeit im Jnsanterie-Regiment Nr, 116 beiebligte v. Einmich erst das dann das 4. Bataillon.
" Stiftung aus Anlaß dc§ Krieges. Herr Bankier Albert Heichelheim hat dem Oberbürgermeister sür die Au!- nahine und Bervstegnng Berivnndeler und zur Unterstützung be- düritiaer Zurückgebliebenen von Jeldzugsteilnehmern 10000 Mark zur Beriiiqung gestellt.
** Salzverkauf, Tie Badedircktion Bad-Nauheim wurde durch Ministeriai-Verftigring beauftragt 1, iu Bad-Nau- heim eine Stelle für Klcinverkauf von Salz einznrichtm: 2, deir Städteverwaltungen der größeren und mfttlerm hessischen und benachbarten preußischen Städte tind Orte mitzuteilm, daß von ihnen Salz zur Versorgung des laufenden Bedarfs bei der Großh, Sa- linmverwaitung Bad-Nauheim bezogen werden kann. In beiden Fällm muß die Gewähr gegeben sein, daß das Salz zur Befriedi- gung des laufenden Bedarfs, d, h, unknittelbar an die Konsumenten und zu entl'vrechend normalen Preisen abgegeben wird, daß also die Svekulation dabei ausgeschlossen bleibt. Zu diesem Zweck wird das Salz von der Kleinverkaufsstelle Bad-Nauheim und den kommunalen Verkaufsstellen nur in kleineren Mengen, höchstens e t w a 3 Psund an die einzelnm Haushaltungen, abgegeben wer- dm dürfen,
** Bank-Spende, Die Mitteldeutsche Credit- b a n k hat dem Zentralkomitee der Deutschen B«eine des Rotm Kreuzes 20 000 Mark und für Unterstützung der zurückgclassenm Familien d« in den Dienst eingetretenen Personm 40 000 Mark überwiesen. Die Bank zahlt ferner ihren sämtlichm zur Fahne einbemfenm Beamten den vollen Gehalt weit«,
** Auch eine Mahnung, Ein erheblicher Teil unserer Justizvcrsonm steht im Felde. Der Gerichtsbeirieb ist auf ein Minimum beschränkt. Da ist es zu begrüßen, daß in vielen Städten zahlreiche Beleidigungsklagen zurückgmommen worden sind. Das Berspiel sollte überall Nachahmung finden. Die Zeiten sind zu «nst, als daß man die Gerichte Bagatellen halber belästigen sollte. Viele Verhandlungen würden ja sowieso wegen Verhindemng der Parteien und der Zeugen aus unbestimmte Zeit vertagt werden müssen, — Darum auch hier: Vorsicht in seinen Aeußerungen und auch nicht gleich Prozessen, wenn einmal eine unbedachte Aeußerung fallt, ** Altcrsgenossen-Stiftung, Die Vereinigung der 1848 geborenen Bürger Gießens hat beschlossen, dm größten Teil ihrer Vereinskasse den Mitgliedern resp, Witwm, deren Söhne oder Schwiegersöhne ins Feld ziehen, als Beihilfe zu überweisen,
** Vereins-Spende, Der Technische Verein Gießen hat gestern abend beschlossen, dem Rotm Krmz 150 Mark, dem Wohlfahrtsausschuß der Stadt 100 Mark ans der Vereins- kasse zu überweisen. Eine Tellersammlung sür das Rote Krmz ergab 22 Mark, welche diesem auch überwiesen werden,
** Ein Raupen fahr in Sicht! Gegen die Raupen des Kohlweißlings, der in diesem Jahre in ungchmr« Menge fliegt, muß alsbald vorgcgangm werden, wenn unser Gemüse nicht verderben soll. Es geschieht dies in der Weise, daß alle 2—3 Tage die Felder mit Kohlpflanzen durchgegangen und die abgelegten Eier des Schädlings zerdrückt werden, Es sind dies hellgelbe kleine Häufchen, die aus der Ober- oder Unterseite des Kvhtgemüses sitzen. Versäumt man diese Arbeit, dann machr dos Abstichen der bald ausschlüpfenden Raupen die dreifache Mühe, geschieht ab« nichts, dann ist die Emte von Weißkraut, Wirsing, Blumenkohl und Grünkohl gänzlich in Frage gestellt und was das, nachdem Holland seine Grenzen geschlossm hat, sür die meisten Haushal- mngen zu bedmtm hat, kann jede selbst «messen. Hier ist nützliche Arbeit für Kinderhände!
** Liebesgaben, Schon bei Beginn der Mobilmachung hat die Firma C, Klingspor dem 116, Regiment als Liebesgabe größere Posten Zigarren .überwiesen, die dm Truppen auf dem Marsche und im Lager sebr willkommen sein w«den. Weitere Gaben sollen den einzelnm.Bataillonen noch nachgeschickt werden,
** Unentgeltliche Rechtshilfe, Unserer gestrigen Notiz, betressend unentgeltliche R e ch t s h i l f e sür die Personen des Heeres und der Marine, können wir nach Mitteilung des lyesigen ?lnwaltsv«eins dahin «gänzm, daß auch den Angehörigen der einberufcnm Soldatm unentgeltlich Rechtshilfe zuteil ivird,
"Deutscher Soldatcnhumor, Es werden uns heute weitere Aufschriften mitgctcilt, ivie sie auf Gießm passierenden Militärzügen zu lesen warm: Rußland wird wcimirsch oder badisch, — Republik, du gehst in Stück, — Wir wollen Ihn schon kriegen: nur immer langsam aber sicher, — Ich habe Angst vor diesem Dings, aber ich werde wobl dran glauben iftüssen, lMit dem Bilde eines Kerls vor einem Galgen. > — Arbeitslose Ulanen suchen dauemd« Beschäftigung in Frankreich, Rache ist süß! — Paris wird preußisch, --- Franzolmhackfleisch Pfund 25 Pfg,, dto, Russen 20 Pfg,, Schurken 5Ö Pfg, — Wenn ihr Franzosen auch lacht, ihr werdet alle tot gemacht, — Wir fangen den Zaren mit Hank und Haarm, — In 14 Tagen früh-stücken wir in Patts, — Ankunst in Patts laut Fahrplan, — Sieg oder Tod! — Gott mit uns, — Par combat au siege. — AU«, marcher, toujours travailler, — Lebe wohl, liebe Httmat. — Es lebe Kaiser Franz! — Lieb Vaterland, magst ruhig fein. — Allons enfams de la Partie, le jour de
gloire est arrive: — Russische Wick»c a Schachtel 10 Pfg, — Wir' Deutsche fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt, — Hier wirb' alles angenommen, bloß keine Schwiegermütter, — Auf froheS' Wiedersehen! — Nächsten Sonntag Maskenball in Paris, Entree frei, — Franzosen unser Rationalftitter, — Die Serben sind alle Verbrecher, ihr Land ist ein schwarzes Loch. Die Russen sind auch nicht viel besser, aber Keile kttegm sie doch. — Jede Lanz ein Franz. — Und droht es im Osten, und droht cs in West, wip schlachten dm Bären, den Hahn uns zum Fest.
Kreis Frievberg,
** Reichelsheim-Wetterau, 10. August. Ti« Frauen und Jungfrauen unserer Gemeinde beschlossen gest«n, dem Ruse des Ortspsarrers folgend, dic Errichtung eines Lazaretts für uus«e verwuudeten Ktteg« im Psarrhaus und d« 'Apotheke, Hierzu wurden 80 Betten zur Verfügung gestellt. 30 Fraum und Mädchen habm sich zu stet« Hilseleistnng dahi« bereit «klärt. Es fehlt uns freilich nock» «ne geeignete Verba n d sschwe st er, Tr. Eich e n b e r g zu Echzell hat an Stelle des ins Feld gehendm Tr. Leue die Leitung des Lazaretts üher- nommm. An Gaben gingm bereite 300 Mk, ein, Ter hiesige Männcrgesangverein fpcnfcetc seinen heim Gesangswettstreit zu Hörnsheim errungenen Preis im Wnte von 50 Mk,
Kreis Wetzlar.
d Wetzlar, 10. A»g. Eine außerordentliche Stadtverord neten-Bersammlung bewilligte einstimmig 5 0000 Mark zur Unterstützung hilfsbedürftiger Familien, deren Ernährer zu de» Fahnen berufen wurden,
Hessen-Nassau.
rn, Bad Wildungen, 10, Aug, Die hiesige Verwaltung d« Königsguette hat 20 000 Flaschen Mineralwasser zur Verladung gebracht, die als Liebesgaben für Soldaten verwendet werden sollen.
vermischte».
, * Mtt 72 Jahren in den Krieg, Ein 72jähttgcr
Kriegssreilvillig« ist eingeriickt, Es ist d« tzausvcrwaltn Ludwig Ohl melier ans Neukölln. Ohlmeher machte die Feldzüge von 1866 rmd 1870 71 mit und enoarb sich anß« and«en Auszeichnungen anck» das eiserne Krmz, Der alte Kttegsmann war aus Smnmerirrlaub nach Lelflesim gefahren. Dort hörte « von dem bmorstehmden Ansbttich d« Feindseligkeiten gegen das deutsche Reich, Als er in Berlin die lodernde Begeisterung nach der Verkündigung der 'Mobilmachung sah, heftete er sofort seine Kriegsauszeichnungen aus dic Brust, eilte zmn Bezittskommando und meldete sich ftttwillig zur Fahne, Man machte Einwendungen imgen seines hohen Alters, d« Veteran aber wies auf seine Rüstigkeit hin und erklärte, daß er hinter innen drei Löhnen nicht znrückbleibm ivolie. Diese, zwei verheiratete und ein noch lediger .Handwerker, hatten ihre Einberufung «halten, Endlrch «- klärte der begcistette Mann, daß « es nicht überlcbm werde, jetzt untätig zusehm zu müssen. Zu sein« Freude bekam d« Veteran die Nachricht, daß man sttne Dimste als Markcbmd« bei seinem a!tm Regiment in Anspruch nehmm wolle, Leine Frau, die schon 73 Jahre alt ist, «klärte, daß sie sich ihrem Manne und ihrm dtti Söhnm angeschlossm hätte, wenn sie nicht schon zu gebrechlich wäre,
* Eine Geschichte von Moltke erzählt Frau von Hegcrmann-Lindmerone, die Gattin des früh«en dänischm Gesandten in Berlin, in ihren Erinnerungen, die sie in .harvers Magazine verösseutlicht Der Kaiser zog sie btt Empfängen und Festen öfters ins Gespräch und nnt«bielt sich gern mit ihr. Bei einer dieser Gelegenhttten erzählte Frau von Hegermann dem Herrscher eine hübsche, wenig bekannte Anekdote von Moltke, übe« die dieser herzlich lachte. Btt dem Besuch des Königs von Spamen 1905 wurde König Alfons auch das diplomatische Korps vorgestellt: auch d« Kaiser sprach mit den Gesandten und ihrm Damen und erzählte Frau von Kegermann, daß er soeben die Lebms«innerungen Moltkes gelesm habe, in dmen auch von dm Elt«n und Großeltern ihres Gattm viel die Robe sei, „Er spricht oft in seinen Briefen von dem Heim der Großeltem Ihres Gattm in Kopenhagen," sagte der Kaiser, „wie wohl er sich bei Ihnen fühlte und wie glücklich er war, dort immer ttnen reizenden Kreis von interessanten und gebildeten Menschen zu ftndm," Daran knüpfte die Dame ihre Geschichte, indem sic sagte: „Haben Euro Majestär schon von dem Besuch gehört, den Moltke einmal am Hofe eines Großherzogs machte? Ich glaube, mein Lchwieg«vater war es, d« sie mir erzählte, Moltke dachte natürlich, da er all« großen Ordm und Ehrenzeicheir der deutschen Staatm hatte, er besäße auch den Hauptorden dieses Hofes, Als er sich daher zu seinem Besuch bei dem Großhcrzoq rüstete, sagte er zu seinem Diener: „V«giß mir nur nicht, den ttchtigm Orden anzusteckm," Der Dien« sah sämtliche Orden seines Herrn durch, konnte ab« diesen nicht finden, uird da er annahm, er müßte ihn loohl verlegt haben, kaufte er einfach den großherzoglichen Ordm und legte ihn sorgsam in den Koffer, Als Moltke seine Unifonn anzog, blickt« er auf die Brust und war befriedigt, dm Orden an Ort und Stelle zu finden. Der Augenblick der 'Audienz war gekommen, Moltke betrat den Audimzsaal und zu seiner höchstm Verwunderung sah er den Großhcrzog cintreten mit einem Etui in der Hand, in dem sich der Orden befand, den « schon an der Brust trug, T« Fürst hatte sich Vorwürfe gemacht, daß er dein großen Fe!dhe«n die Dekoration nicht bereits fttiher verliehen habe, und wollte sie ihm nun sogleich an dm Rock heften. Man stelle sich seine Ueber- raschung vor, da « ihn schon an Ort und Stelle fand!"
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Mittwoch, den 12. Aug. 1914: Meist heiter und trocken, warm, Gewitterneigung. _
Letzte Nachrichten.
Russischer Rückzug an der türkischen Grenze.
Konstantinopel, 11. Aug, Ter „Tanin" meldet: Die Russen räumen seit einigen Tagen in Eile die Nachbargebiete der russisch-türkischen Grenze, indem sie Lebensmittel-Depots verbrennen. Eine Division Kavallerie hat sich nach Kars zurückgezogen. DieBevölkcrungflüchtet nach der Türkei, ebenso viele russische Deserteure. In Baku sind Unruhen ausgebrochcn: Reser
visten haben den Polizeidircktor getötet.
Bulgarische Gefahr für die Serben.
Sofia, 1 l, Aug, Die 2l!gence Bulgare hat die Mitteilung erhalten, daß zahlreiche Banden versammelt sind, angeblich um sogenannte bulgarische Kvmitatschis in Mazedonien zu verfolgen und einen Einmarsch in das serbische Gebiet vorzubereiten. Die mazedonische Bevölke- rung ist sehr erregt,
Sofia, 11, Aug, Agmce Bulgare meldet: Ter Minist«- präsidmt «klärte in d« Sobranje, Bulgarim sei entschlossen, strenge Neutralität zu beobachten, Angesichts der inter- nationalm Lage »«lange die Regierung doch die Erklärung des BelagemngSzustandes für das ganze Land, Wenn ungeachttt ftcr Erklärung d« Neutralität die Grenzen des Königsrttckfs verletzt würden, müßte die Regiemng b«ttr sein, jeder Eventualuät dm Spitze zu bittm.
* . *
Stuttgart, 11. Aug, Das mit der Ausstellung fü« Gesundheitspflege v«bunbenc Stadion auf dem Cannstatt« Waim ist beute teilwttse n r e d e r g c b r a n n l, Tie Haupb- tribüne wurde vollständig zerstört..


