Ausgabe 
10.8.1914
 
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Ar. (85

Zweiter Blatt

(64. Jahrgang

Erscheint täglich nttl Ausnahme deS Sonntags.

Die«ietzeser ZauiftienblStt«" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich bcigelegt, dar llleirbiatt fiir den Kreis Stetzen" zweimal wöchentlich. Diec«odi»irtschastltch«n Zeit­frag««" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Montag, (0. August (9(4

Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schep Universität-Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: feSäjöl. Kebottiomeu^l 12. Tcl.-Adr.: AnzeigerGießen.

Ar»» Stadt und Ca«»»

Gießen, 10. August 1914.

** Empfang. Der Großherzog empfing am 8. laufenden Monats: den Oberstleutnant v. Pfeil, Komman­deur des Reserve-Jnsanlerie-Regiments Nr. 116, den Kabi- netlssekretär Pennrich: zum Vortrag: den Staatsminister Dr. v. Ewald, den Vorstand des Kabinetts Wirkt. Geh. Rat Römdeld, den Hoftheater-Jntendanten Dr. Eger.

** Ruhcstandsvcrsetzung. In den Ruhestand versetzt wurde am 11. Juli d. I. der Oberlehrer an der Volks­schule zu Pfungstadt Rektor Heinrich Wilhelm Jrkes auf sein Rachsucheu unter Anerkennung seiner 50 jährigen treuen Dienste.

** Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem Oberlehrer Rektor Heinrich Wilhelm Ickes zu Pfungstadt anläßlich feiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zum Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen verliehen.

* Aus dem Militär-Wochenblatt. Prinz Viktor zu Erbach-Schönberg, Oberleutnant » I» mute der Armee, zur Botschaft in Wien koinmandiert.

*' Großh. Polizclamt Gießen. Aui Anordnung Großh. Ministeriums des Innern ist der Großh. kkreisanuniann Lemmerde mit der Leitung der Dicnstgeschäste des Großh. Pokzeramts Gießen beauftragt worden.

** L andw. Genossenschaft. Die Zentralkaffe der hessi­schen batftüvirffchaftlichen Genossenschaften hat in den sechs ersten Mobilmachicngstaqen an die ihr angeschlossenen Genossenschaften über l MMon Mark auSgczahlt. Nachdem inzwischen durch den Bockmif von Pferden der landwirtschaftlichen Bevölkerung erheb­liche Barmittel zugesloffen sind, und in Kürze weiter zuslleßen werden, ist es selbstverständlich Pfticht der Genossenschaften, dafür zu sorgen, daß diese Barmittel nicht von den Einzelnen ausge- speichcrt, sondern ihnen und demnächst der Zentralkasje wieder zn- gesShrt werden.

** Die Tätigkeit beim Roten Kreuz. Wie wir von unterrichteter Seite hören, besteht vielfach ick irrige Meinung, die sich bei dckm Roten Kreuz meldenden Personen erhielten dort eine Tätigkeit gegen B e z a hl u n g. Es kommen manchmal Meldnngrn von Leuten, die noch in unaekünüigten Stellungen sind, sogar von auswärts, und auch von Dienstboten und Verkäufern und Ber- käusernintm, sie würden sich alsbald zur Verfügung stellen, An­fragen wegen Beköstigung, Kleidung u. dergl. Demgegenüber sei daraus hiugcwicsen, daß mit ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, die ganze Tätigkeit beim Roten Kreuz freiwillig gcstipeht, Bezahlung wird nur ffl ganz wenigen Fällen gewährt, wenn zu den betr. Stellen eine besondere berufliche BorbildUngt gehört und vorhanden ist, und die betr. wenigen Stellen sind schon! alle bejetzt. lleberbanpt liegen «freu lrchertvene soviele Meldungeir vor. dem die Meldet rsien auf einige 'Zell geschlossen werden mußten. Etz bleibe irdcr, der in ungekmidigter Stelle ist. ja dort und ver­mehre umbt von sich äus die schon nicht geringe Zahl der Arbeits­losen. > Dagegen besteht ein großer Bedarf an aller­hand Wäsch« z. Bi. Handtücher für die Wajchgelegenhcft am Baimüof. Gar mancher Soldat oder Einberufene hat das er­freuliche Bedürfnis, nach der meist recht langen Bahnfahrt sich zu reinigen, Wäger und auch Seife ist ja da, aber es fehlt an Tüchern zum Abtrocknen. Auch Küchenbandtücher und Pirtztücher

werden gewünscht, dazu für den späteren Lazarettbetrieb Bettücher, KiLenbezugc, Männerhemden und Unterzeug. Man iendc diese Sachen au dir Liebesgccheo-Sanrmelstelle des Roteu Kreuzes in der allen Klinik.

** Gcwerbe-AuS st ellungS-Lotterie. Man schreibt uns : Di« Verlosung zu unserer so schnell abgebrochenen G e w er be- auSstellnng sieht nahe bevor. Ter Krieg ist ansgebrochen, und jeder muß Helsen, wo er Helsen kan». Wie wäre es, wenn die AnSslellungSleüung dr« Verlosung auihebt unb den Betrag für die verlausten Lose dem Roten Kreuz zur Pflege Serrowibtter und Unterstützung Hiifterbliebener überweist. Jeder, der ein Los be­sitzt, ha« di« Mark schon verschmerz! und wird gewiß gerne aus diese Weise sein Scherflein beitragen, um dein Vaterland« zu dienen. Die Lotterrekoinnusston braucht dies nur z» besürworten. Er wird sich gewiß keine Stimme dagegen erheben. Unsere braven loweren Krieger müß'en sehen, daß in der Heimat alles hinter ihnen üeht. Und es denkt auch gewiß kein Loscurhaber daran, sich in diesen schwere« Tage« durch Glückszusall zu bereichern, während seine Verteidiger ihr Blut für seine Heimat entsetzen.

** Gegen den Bettel. Die Zeit, hi der es heißt, »di« Herren und die Hände au!" zur Unterstützung aller iuiotg« des Krieges ft» Not geratenen Familien, ivird von geivisscnlosen Per­sonen beiderlei Geschlechts daz» benutzt, die Gebcsreudigkeit zu miß­brauchen. Meltz sind es noch rech: arbestssähig« Perionen, die unter der Angabe, der Manu, der Sohn »sw. seien emberusen, Mitleid zu erregen suchen. Alan sehe sich die Bettler erst genau tm, ehe man gibt, oder weise sie an deu Arbeitsnachweis, bezw. an die zuständigen Stellen für Armeiiunterslügung.

** Haltet eure Pferde gut. Daß bei brennend«Hitze die Führer von Fuhrwerken matt werden, nnd daß sie der Er- omckung an eiirem schattigen Plätzchen dringend bedürfen, ist eine mrbeftrrftbare Tatsache. Wir gönnen auch den Männern dieses vrelgepiagten Berufes eine Erholungspause. 'Aber bei der Hitze gibt es doch nicht nur durstige Kittscher, sondern auch durstige und ermattete Pferde. Wie selten findet man, daß auch kür diese lctzttreu gesorgt wird. Viel häufiger ist es der Fall, daß tue Kutscher für sich selbst ausgiebig sorgen, oh« an ihre draußen wartenden Trerc zu denken. Verspätet kommen sie dann, womöglich etwas angetrunken, heraus, und die matten, halbverdursllten Pferde müssen noch obendrein durch doppelte Eile, unter Erlei- duug drm MMandlungen, die versäumte Zell wieder etnholen.

** Wohlfahrtsausschuß für die Kriegszeit. Nachdem mau sich bereits in einer aus den vorigen Mittwoch einberusenen Versammlung über die Notwendigkeit einer ein- heillichen Organisation der Wohlsaürtsarbeft während des Krieges verständigt und eine größere Anzahl von Herren uud Damen aus allen Kreisen der Bevölkerung, die mit solcher Arbeit vertraut sind, dafür ausgewahll hatte, hat nuu Herr Oberbürgermeister Keller in einer zweiten Versammlung am vorigen Samstag diese Organisorion in die Wege geleitet. Zunächst wurde die Wvblsahrts- arbeft scharr von der des Roten Kreuzes g elrrnut . Dieses bot seine Aufgabcu an allem, was sich aut die Pflege der Truppen bezieht: Fürsorge für die Verwundeten. Verbanb- und Erswschungsstatwnen, Arbeit (Nähen und Stricke») für die mi Felde stehenden, Korrespondenz Verwundeter, Pslegekursc. Dem 'äo hlfahrtsaus schuß verbleibt die Fürsorge für die durch den Krieg daheim in Not Geratenen Diese Anfgabe gliedert sich wieder in eine doppelte: die Fürsorge .für Kuder und die allgemeine Wohlfahrtspflege. Für beide wurde je «n engerer Aus­schuß gewählt In den engeren Ausschuß für Kinder­fürsorge wurden gewählt: die Herren Amtsgerichtsrat Gros Haspüehrer Kuauß, Rcallehrer Janu, Prof. Fromme: ferner Fr, Bichlcr, Fr. Professor Koeppe, Frl. Möser, Fr. Scbwvbel, Frl. LMbrur In den engeren Ausschuß für Wohk- suhrrs vflege: die Herren D. Schlosser. LandgerichtsrrckNeuen Hagen, Dr. Ä>el, Rentner Schuecher, Nezrrksvorsteher Mebel, Karrer .Schwabe, ÄMtsgerrchtsr-t Schnittspah», Dekan Bayer,

Dr. Sand«, Dr. .Hrrschseld; ferner Fr. Wrnn, Fr. Frey, Frl. Will, Frl. Julie Juchs. Den Vorsitz in beiden Ausschüssen führt der Herr Oberbürgermeister, wobei ihn gewählt« Stellver­treter (Amtsgerichtsrat Goos in der Kinderfürsvrge. D. Schlosser in der Wohlfahrtspflege) unterstützen. Die Organisation der Arbeit ttn einzelnen wird noch beraten. Eine Volksküche wird morgen in den Räumen der Ebelschcn Wirtschaft. dir Herr Bichlcr dazu freuudlichst zur Verfügung gestellt hat, eröffnet. Jedoch wird dort auch nach genauer Prüfung der Bedürftigkeit Kost abgegeben.

** Hhgienehelfer. Wie schon crngekündiigt war, hat sich Herr Prof. Schmidt, DireLor des Hychen. Instituts, bereit erklärt, eine Anzahl Herren altz .Zkhrxienehelfer" auszubilden. Beabsichtigt ist, in einigen Borträgen mit De­monstrationen einen U eb er blick Mi geben über die wichtigsten Krie^ssenchen, ihre Entstehung lurd Bekämpfung. Fm An­schluß daran sollen praktische Uebnngen vorgenommen wer­den. Der erste Bortrag mit anschließender Aussprach« findet heute (Montag) abend 6 Uhr im Hygienischen Institut statt.

** Bücher für Verwundete. Wer Bücher oder Zeit­schriften umerhaltender Art entbehren kami, wolle sic uns zur Begründung einer Bücherei für verwundete und kranke Soldaten überlassen: rwtürlich nur Bücher, die nicht in den Händen von Kranken gewesen find. Abzngeben in der Universität vormittags von 111 Uhr (außer Sonntags).

Dr. Eck, Dr. Behaghel, Dr. Geppert,

Elisabeth B e h a g h el.

Starkenburg und Rhrinhesscn.

rm Darmstadt, 8. Aug. Aul originelle Art haben die Unterosfiziere »md Mannschaften der Reserve des L e i l> d r a g o n e» RegimenlS Nr. 24, desien Inhaber bekanntlich Zar Nikolaus ist, dies« ihnen jetzt peinliche Bezeichnung beseitigt, indem sie die Achselklappen, aui welchen das X. II. ausgenäht, resp. gestickt ist, einiach umdrehten, d. h. di« Achselklappen herauS- trenMen und dem Namenszug nach innen wieder a»- nähten, so daß der Buchstabe von außen nicht mehr zu sehen ist. ES wird wohl nicht mehr lange dauern, bis das Regiment einen neuen Inhaber erhalten wird.

ch. Bingen, 7. Ang. Von einem Posten erschossen wurden unwcft von St. Ingbert in der Rheinpfalz der Kraft- Wagenführer des Herrn S t ö r k e l - Bingerbrück und der Brauerei- Vertreter Adols Ritz- Bingerbrück. Sie sollten für mllttärische Zwecke bestimmte Krastwagen an ihre Bestmrmungsplätzc bringen, hatten wohl deu Anrm des Postens überhört und wurden erschossen. Währeird der Ehanssem auf der Stelle wt war, starb Herr Ritz nach kurzer Zell. Die Nachricht erregte, als sie beim Bürger- meisteraint in Bingerbrück eintvaf, allgemeines Aufsehen.

Hessen-Nassau.

m. Neustadt, 7. Ana. Im nahen Wahlen (Gwßh. Hessens ist ein schon bereits 67 Jahre alter pensionierte« Förster namens Simon nttt hinaus aeg^ den Feind gezogen.

m. Bad Wilbungen, 7. Aug. Die bei der Eddertal- sperre zu Herzhcmsen fest Frühjahr d. I. beschäftigten russi­schen Arbeiter, &0 Mann, wurden unter eimm polizei­lichen Aufgebot noch Frankenberg gebracht, dem Kgl. Lan»rar­amt vvrgesührt und vorerst sestgekmlten.

Standes<»MtsnaÄ>richt<n.

Hrmgen.

Ehefchffietzungen: Augüst 3. Adolf Dernvmn Flick. Bäcker, Ukft Anna Elifabekha Freihöser, Schnecheriu, beide (irt Gießen

Geborene: Full 31. Dem Wetriebsführer Karl Wilhelm Christian Seck «ne Toihter, Marie.

Sterbefäll«: Fnli 7. Christian Hrrfchmann, Schreiner- geßlle. August 3. Karl Philipp Falk, Metzg«. 5. Fchann Hermich Zrmrncr, Schuhmacher:

Büdingen.

Ehenschließuugen: Aug. L Johann Heim. Lerch, Brief­träger in Oberrab, mit Katharine Appel in Büdingen. Karl Koirrad Hüter. Chauffeur, mit Anna Herzinger. beide in Büdin­gen. Otto Ernst Karl Ludwig Clemm. Opernsänger, mit Frieda Asche, beste in Königsberg. 3. Georg Schiegel, Wagner, mit Elise Lapp, beide in Bübingeu. Willtelm Lapp, Landwirt, mit Marie Röd«, beide in Büdingeu. Wilhelm Kraft, Gerichts­schreiber-Aspirant, mit Marie Schön, beide in Büdingen. 4. Georg Hildner, SchreibgehLse, mit Elisabeth Schmück, beide in BLnngen.

Geborene: Juki 27. Dem Kaufmann Johann Friedrich Brraharbt Appel eni Mädchen, Lina Minim Luise. Aug. 5. Dem Metzgermeisier August Lein eine Tochter, Emilie.

Sterbefälle: Aug. 1. Heinrich Fairst. Arbeiter, 55 Jahre

alt.

Grünberg.

Eheschließungen: Aug. 1. Heinrich Reinhardt IV., Bäcker, mit Anna Jüngel in Lekmheim. 3. Leonhard Großhaus, Schuhmacher, mft Anna Katharina Faulstich in Allendorf a. Lda. Aug. Friedr. Wilst Brockmöll«, Bahnmeister, mit Katharine Sophie Margarethe Schmal in Fulda. 4. Heinrich Ritt«, Buchdruck«, mit Elisabetha Petri in Gießen.- Friedrich Dünken b«g«. Lehr« in Kirtorf, mft Minna Louise Schloß« in Grünberg.

Geborene: Juli 25. Dem Glas« Konrad Feldmann II. eure Tochter, Bertha. Aug. 3. Dem Taglöhn« Eduard Rieb eine Tackst«, Lina.

Sich.

Eheschließungen: Ludwig SvnrM«, Lagerarbeitn in Lich, Trat Wklhelnrinc Fritz nt Züttüngen.- Georg Philipp Jakob Sou«, Schleis«, mft Margarete Bechtel.

Geborene: Dem Mam« Joh. Pewr Paul Schrei« eine Tochwr, Katharine. Dem Landwirt Georg Christ. Schäf« ein Sohn, Heinrich. Dem Heizer Konrad Schöne eine Tocht«, Marie Elisabeth Dem Feldarbeit« Joseph Schwad ein« Toch- t«, Josepha.

Gestorbene: Henriette Forst«, geb. Lchlörb, 64 Jahre all. * Juliane Sommer, geb. M«le, 57 Jahre all:.

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Gesetz, betreffend Höchstpreise. Vom 4. Angnst 1914.

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaff«, König von Preußen usw.. vmordncn im Namen des Reichs, nach «- folgt« Zustimmung des Buudesrats und des Reichstags, was wftgt: § 1. Für die Dan« des gegenwärttgen Krieges können ftir Gegenstände des täglichen Bedarfs, insbesondere für Nahrungs- und Futlermitiel aller Art sowie ftir rohe Naturrrzeugnisse, Herz- und Leuchtstoffe Höchstpreise festgesetzt nerden.

8 2. Weigert sich trotz Aufforderung d« zuständigen Behötbe «» Besitzer te in § 1 genannten Gegenstände, sie zu den scst- aesetzten Höchstpreisen M verkaufen, so kann die zuständige Behörde sie äbaaüjatai upd <nq Rechmmg und Kosten des Besitzers :

den festgesetzten Höchstpreisen verlausen, soweit sie nicht für dessen eigenen Bedarf nötig sind.

83. Die Landeszentralbehörden oder die von ihnen besttmm- ten Behörden erlassen die erforderlichen Anordnungen und Llus- führungsbestimmungen.

8 4. Wer die nach 8 1 festgesetzten Höchstpreise überschreitet oder den nach 8 3 erlassenen Aussührungsbesttmmungen zuwidtt- handelt oder Vorräte an d«artigen Gegenstäirden verheimlicht oder der A uffvrlwrung der zuständigen Behörde nach 8 2 nicht nackt kommt, wird mft Geldstrafe bis zu dreitausend Mark oder im Unvcrmögensfalle mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft.

8 5. D« Bundesrat wird ermächtigt, den Zeitvunft zu be­stimmen, zu welchem dieses Gesetz wieder außer Kraft tritt.

8 6. Dieses Gesetz tritt mit dem Tage sein« V«kündiqung in Kraft.

Urkundlich unter Unserer Höchsteigen händigen Unterkchrist und beigeürmllem Kaisttlichen Jnsiegcl.

Gegeben B«lin im Schloß, den 4. 'August 1914.

(ll. 8.) Wilhelm. Delbrück.

Bekanntmachung

betreffeud die Ausführung des Gesetzes übe: Höchstpreise,vom4. August 1914.

Vom 7: August 1914.

Zur Ausführrmg des Gesetzes, betreffend Höchstpreise, vor 4. August 1914 wird folgendes bestimmt:

8 l. Zur Festsetzung von Höchstpreisen sind die Gr. Kreisämtn in den Städten von über 20 000 Einwohnern die Oberbürg« meist«, zuständig. Die Festsetzung erfolgt nach Anhörung Sach verständig«.

8 2 Die Höchstpreise sind den örtlichen Verhältnissen an.zupassen. Bei ihrer Festsetzung ist iftcht nur das Jnt«esse d« twrbrauchen- den Bevölkerung an solchen Preffcn zu beriieksichtigen, welche ihr den Ankauf des täglichen Bedarfs erniüglichen, sondern es ist auch d« infolge d« besond«en Umstände schwierigen Lage d« Prvtm- zenten und Händler gebührend Rechnung zu tragen.

8 3. Aenbern sich die Voraussetzungen, unter denen die Höchst­preise festgesetzt loorden sind, so können sie durch die zuständige Be­hörde (§1) abgemüwrt od« aufgehoben werden.

8 4. Die festgesetzten Höchstpreise, deren Veränderung oder Auf­hebung sind durch die zuständige Behörde 1 im Amtsverlündi- gungSblatt nnd ortsüblich bekannt zu machen.

Die Verkäufer von Waren, ftir die Höchstpreise festgesetzt sind, haben diese Preise mft Angabe der Menge iZahl, Maß, Gewicht), auf die sich die Preise beziehen, durch einen sichtbaren Anschlag an d« Verkaufsstelle zur Kenntnis zu bringen.

Dies« Anschlag ist kostenfrei igit dem volizellichen Stempel zu versehen und täglich ivährend der Verkaufszeit auszuhängen.

Bei d« Verkaufsstelle ist, ivenu sich die seftgesetzten Höchstpreise auf das Gewicht d« Waren beziehen, eine Wage mit geeichten Ge­wichten aufzustellen und ihre Benutzung zum Nachwiegen der v«- kauften Waren zu gestatten.

8 5. Die Polizsbehördcn lmben darüb« zu wachen, daß die fest­gesetzten Höchstpreise nicht überschritten wttden.

8 6. Zuständige Behörde im Sinne von 8 2 des Gesetzes sind in Städten von üb« 20 000 Einwohnern die Oberbürgermeister, in den übrigen Städten die Bürgermeister, in den Landgemeinden die Bürgerrueiftereien.

Darmstadt, den 7. .August 1914.

Großherzoqkichcs Ministerium des Innern. _ I. B.: Süffcrt. _

Betr.: Die Bersehimy des Bürgermeisteramtes.

An dir Großh. Bürgernicistrrcien der Landgemcmdrn des Krrises.

Falls d« Gaoßheizoglickw Bürgenneist« und d« Grvß- herzoglielie Beigeordnete zu den Fahnen ernzurücken haben, so ist zur Verseyung des Bürgermeiitmamtcs ein Vertrtt« zu bestellen. Seine Ernenmmg ersvjgt durch uns nach Anlwrung des Ge- meiniwrats. Da in den dermaligen Kriegszeiten die Gemeinde unter keinen Umständen ohne bürg«rneist«Iiehe V«tr«ung sein darf, so wollen Sie gegebenen Falles schon jetzt eine Beschluß- sussung des Gemeinderats über die Person des Vertreters des Bürg«meffters und zweckmäßigerweise auch üb« die Person eines weiteren Vertteters für den Beigeordneten herbeiz,iführen und uns vorlegen.

Falls d« Großberzogliche Bürgermeiii« oder d« (Ä'- herMgliche Beigeordnete M den Fahnen einzurücken haben, ist ebenfaW schon setzt effi Berttet« für den Einrückenden zu wählen und uns namhaft zu mache».

Gieße«, den 9. August 1914.

Gvoßherzogliches Llreisamt Gießen. _ Dr. H f i n fl e r.

Bckanntmachuuq.

Im April 1913 sind in Sandwri« im GrosherzogtumBaden noch dem Geuuffe von frisch iwreitMem Fleisckftüclste, «nem aus paniertem Hackfleffch durch Braten h«gestellwn Gericht (Frikan- dellen), ll Personen an Par'atnphus «krantt, zwei davon ge­storben (twrgl. Deutsche medizrnisciw Wochenschrift von 1914Nr.l0 . Die Untersuchung hat ergeben, daß! das 'Lmiiernrehl mft Para- tbphus 8-Bazillen infiziert war und daß der Händl«, der das Akehl geliefert hatte, in seinen Lagerrämnen MänsetyphuSknl- turen auszulegen pflegte. Ist d« ursächliche Zusanrmenhang zwi­schen den Mchffevertiigungsarbeiten und den Erkrankungen auch nicht mft Sicherheft nachgewiesen, so mahitt doch das Vorkonim- nis zur Vorsicht. Wir warnen vor den, 'Iluslegen von Mäuse- thphusbirzillen in Räumen, die zur Aufbewahrung od« V«packung von Ncchrungs- und Gemrßmffteln dienen.

Gießen, den 7. August >914.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. _ I. V.: Welcher. _

Bekanntmachung.

Betr.: Freiwillige Fortsetzung d« Krankenversschcrunqsvflicht ge­mäß 8 313 RBO.

Die zu Kriegs-, Sanitäts- oder ähnlichen Diensten einberusenen Mitglieder von Kranken­kassen können die Versicherung noch 8 313 Rcichsvcrs. - Ordg. freiwillig sortsenen, um ihren Angehöri­gen die Wohltaten der Versicherung zu erhalten.

Alle Frauen, deren Mann« einer K'rankenkasse ange­boren und einberusen sind, mögen, wenn das nicht schon durch ihre Ehemänner geschehen, bei der zuständigen .Krankenkasse die Mel­dung d« Fortsetzung alrbold nnbringen Die zuständigen Kranken < kaffen werden in jedem Falle die gewünschte sachentsprechende Aus­kunft geben.

Die Anträge sind bei der Kasse, bei d« zuletzt die Versicherung bestand, od« deren örtlichen Meldestellen anzubringen.

Gießen, den 9. August 1911 Großherzoglliches Krrisami tVcrsicherungsamtt Gießen. _ I B : H c in m e r d c. __

Dienstnachrichten des Großh. .'sircisamts Gießen.

Dem OKft.eelziichtv«rm ft« Bingen und Umgegend zu Bingen ist in Verbindung mft d« vom 27. Febr. bis l. März 191- dorkselbst stattfitckienden VII. Hess. Landes M'llügcl Ausstellung die Ausgabe ein« Lotterie von 10000 Losen h 30 Pfennig und ihr Vertrieb im Grvßhcrzoqtum gestattet Worten. Es werden v«. lost: lebendes Geflügel, Geräffchaftev und andere Sachgewinne.