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Der Snjrigtt
erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich OieheverFomlliendlätter; «vermal wöchenll.iikeir- blatt für 5<n Kttis riehen (TienStag und Freitag): zweimal tnonall. laxtz» «insrast!icd« öeaftageo Frrntprech - Anichlüfie: für die Redaktion HL, Bering u. Expedition 51 Adresse lür Depeschen: Anzeiger Sieben. Annahme non Anzeigen sür die Tagesnliininer bis vormittags S Uhr.
Dienstag, 4 . August H9J4
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Der Abbruch mit Frankreich.
Go groß die üngeduld und die Sparnrung des ganzen Dolles in der Erwartung neuer Nachrichten sind — es gilt, sich in «ctmtb zu fassen Nach einer Meldung aus Berlin Hat der Große Generatstab den dortigen Pressevertretern erKärt: Dorerst gebe es nur eine Forderung: Vertrauen, »»bedingtes Vertrauen in unsere oberste Armee leitnng' Der Generalstab werde mit seinen Melduugcii au s keinen Fall Schönfärberei treiben, sondern stnü Nch und offen alles sagen, was zu sagen ist; „wir sage n entweder nichts, aberwenn wir etwas sagen, ist es wahr!"
Das ist ein Bekenntnis, das weithin lebhafte Befriedigung izervorrusen wirb. Aber es müssen noch iveitere Mah- rruiigen au die erregte Bevvlkerimg ausgesprochen werden, und wir haben hier in Gießen Gelegenheit gehabt, wahrzunehmen, wie sehr cs am Platze ist, dass alle Einivohner ruhig und zurückhaltend in der Lcffentlichkcit sich benehmen. Es darf einfach nicht iviedcr Vorkommen, daß bis in die späte Nacht die Menschen, leider auch Kinder und Halbwüchsige, sich verkchrsstörcnd zusanrmenrokte» und ctiva getroffene Matznahmen des Militärs .stören. Es tvar, linv müfferl das offen aussprcchen, gestern beschämend, das; die Menge schrie und lärmte, Äs die Losung doch lautete, ails besonderen Gründen ganz ruhig süss zu verhallen. Höclfft überflüssig und widerwärtig berühren auch manche Klatschereien, lüe nichts als Beunruhigung schaffen. Wir haben schon daraus hingcwiesen, datz jetzt die falschen iffe- rüchte und Meltnrngen wie Pilze aus der Erde schresxm werden Wie im großen, so ist es auch im kleinen. Es ist Tor- heit, datz eine große Serbenschlacht geschlagen sein soll, da doch nur amtlicl>c lltachrichten hierüber verlätzliä>es bekunden können, unt> solche sind absolut nicht vorhanden. Es ist aber ferner auch Torheit, wenn die übertriebene Neugier in den lokalen Bovoängjen sich breit macht und Berivirruig, ansliftct. Natürlich müssen die Behörden bei Gefahren manche Maßnahmen treffen, die sich hinterher mitunter als unnötig Herausstellen. Vorsicht ist eben immer besser als »Idachlässs gleit ltitd zu großer Optimismus. Liber occatcht die Bevölkerung hier eiwfugreisen, braucht sie die Anfregicng künstlich »l schirren und Spektakel zu ent- fesseln? Wir hosfen und ernmrten also, daß die Gichener künftig wieder den Kopf oben behalten und daß die Eltern ihre Kinder rechtzeitig schlafen schmiert Arrderwärts sind ja ebenfalls übertriebene Neugier und Kuirdge dünge:: zu ver- zeichncu. Sv werdet, zum Beispiel auch die Berliner, die sich bisher so würdig in ihrem Benehmen gezeigt haben, ein- sehen, daß es nicht nötig war, den crbrei>enden Russen, aucl, lvcnn sie sich zum Teil Iwrau «fordernd benommen haben, ihre Pfuirufe allzu kräftig nachzuschleudern oder gar drohcmd .die Stöcke zu erheben. Wir sind ein gesittetes Volk und »vollen im großen unsere Gedanken bcivegen.
ES gilt »vciterlsin durch die Tat helfend einzugreifcn. Die Jugendtvehr hat sich bei der Verpflegung der durchreisenden Truppen zur Verfügung gestellt, aber e?> scheint ^erforderlich zu sei», daß sich geeignete Erivachscne mclbat, die an der L rgaiiisation dieses Dienstes teilnehmen können.
Aus der großen Welt sind heute nur spurlic!>c Nachrichten eiliges daß angei.
Grenzübe, ' ' "
Krieg
daß in Paris kein Kraftomnibus mehr und nur wenige Züge verkehren. Seit sechs Uhr vormittags werden keine Fahrkarten mehr auSgegeben. Viele deutsche Männer, Frauen und Kinder ivartetcn im Nordbahn- hos auf die Zusammenstellung des Zuges, der sie zur Grenze dringen soll.
Tie französische Kammer.
ist zum Dienstag einberufen. — Der Furcmzminister verfügte ein Moratorium für Kdiitokorrent-Üombcrrd. Darlehen bis 31. August. Die Depositcngläubiger sollen höchstens 250 Franks zuzüglich fünf Prozent von dein Rest iches Guthabens erheben dürfen.
Ein sranzöfischer Brunnenvergifter in Metz erschossen-
Metz, 3. Aug. Ein französischer Arzt versuchte mit Hilfe zweier verkleideter französischer Offiziere einen Brunnen mit Choker ad azillen zu insizicren. Der Arzt »vurde standrechtlich erschossen.
Sie Haltung Italiens.
Rom. 3. klug. Tie „Dribüim" meldet: G e st e r n mittag begal> sich der deutsche Botschafter i» die Consnlta und teilte dem Minister des Aeußcrn amtlich mit, dcrtz Deutschland und Rußland sicl) im »briegszustaud befänden. Di San G iu- liano nahm von der Mitteilung Keicutnis und erklärte, daß Italien gemäß dem Geiste und de in Wortlaute des Dreidundvertragcs Neutralität beobachten werde. Er drückte dabei die freundlichsten Gefühle für Deutschland und Oesterreich cru-s. Der Botschafter machte keine Mitteilung über die gegenwärtigen deutsch-französischen Beziehungen.
Daß Ztalien bei dem .Kriege mit Rußland Neutralität beobachtet, ist nact) dem Vertrag erklärlich. Nun hat inzwischen Frankreich aber seine- A::gri s fs kri eg gegen Deutschtand begonnen. Hiernach' tft Italien verpflichtet, uns helfend an die Seite zu treten, und wir werden ivvhl bald enffprcchcnde Nachrichten bekommen.
Die amtliche Darlegung -er Vorgänge im Reichstag.
Berlin, 3. Aug. Dem Reichstage gingen von der Regierung eine Denkschrift und die A k t e n st ü ck c zum Kriegsausbruch zu. Einleitend wird anschließend an die Serajewocr Mordtat die serbische Politik mit ihrem auf die Rcvolulionierung und Losreißung oft err e id>i»eher Landes teile gerechteten Ziel dargelegt. Zum dritten Male in sechs Jahren führt Serbien Europa an den Rand eines Weltkrieges, »vril es »ich bei feinen Bestrebungen durch Rußland gestützt glaubte. Der Ballanbund brach über der Frage der Beutevcrtcilung zusanimen, und ein netter Balkanbund unter russischem Patronat sollte seine Spitze gegen den Bestand Oesterreich-Ungarns rchtcn. Dem konnte Oellerreich nicht noch länger tatenlos zu- schen. Aus vollent Herzen konnten »vir die bezügliüxm Mit- s. Bundesgenossen mit dem Einverständnis seiner schlage beantworten und untere Billigung zu notwendig Inelt, um der gung ein Ende zu machen, weder zur Nachgiebigkeit raten, noch da auch unsere Interessen durch die it empfindlichst bedroht waren, uird rch das Vordringen des Pansla- enerreict» wäre für uns lein bc- sen. Wir ließen daher Oesterion gegen Serbien. l jt die Enttmcklung der öster- und sagl: Von Anfang des vimkt, daß es fch um eine die es allein mit Serbien . daher, den Krieg zu loka- si der berechtigten Not - zu überzeugen. Oesterreich ^iglich defensive Maßregeln lange aber Garantien sür cn Serbiens. Es liege Oe- bung der »Pachtverhältnisse
umgariscle Regierung aber- lstcr erklären, Oestcrrciä»-
ngspläne. indes bereits ernste Mel- m a ch u n g an. Noch am schaiter in Petersburg an- crklärcn: Vorbereitende Minden uns Geienmaßregeln der Armee bestellen müssen, biens nicht anlasten toill, abuxrrtende Stellung Bestand Serbiens stützen können, als Frage stelll. ister dem deut- .noch keine Mo- Mobitmcchung Kriegsminister ivlomatcn. An r die russische
r e n z e, n o, der Db- ig der Alexan-
Am 27. Juli trafen die ersten Meldungen über vorbereitende
Maßnahmen Frankreichs ein. Am 26. Juli Imtte Sir Edivard G r e y den Friedenskonferenz-Vorschlag gemacht. Dazu crlläricn wir. wir Tonnten uns au einer derartigen Konferenz nicht beteiligen, so sehr mir ihre Tendenz billigten, da wir Oesterreich in seiner Auseinandersetzung nrit Serbien nicht vor ein euro- vätsckes Gericht zitieren köntilen. ÜÄr fanden uns bereit, auch eüirn weiteren Vorschlag Sir Edivard G r c n s Wien zu über- mittekn. in welchem angeregt wird, Oesterreich-Ungarn möchte sich entschließen, enlwcdcr die serbische AnNvvrt als genügend zu betrachten oder als 0»rundlage sür toeilere Besprechnngrn. Oester- reich-Ungarn bemerkte zu dem Vorschlag, daß er nacli der Eröffnung der Feindseligkeiten zu spät komme. S'&r setzten die Vermittlungsversuche bis zum äußersten fort uird rieten Wien, jedes mit der Würde der Monarchie vereinbare Entgegenkommen zu zeigen. Alle Berm it tl u n gs- a f t i o n c n wurden von den militärischen Vorbereitungen Rußlands und Frankreichs überholt. Am 29. Juli hatte der deutsche Rotschasler eine Unterredung mit dem russischen Minister des Aeußern, in »velcher er erklärte, Oefter- rfirh Ungarn habe versprochen, durch die Erkläning seines territorialen Desinteressements Rücksicht auf russische Interessen zu nehmen: dieses sei ein großes Zugeständiris scüens eines krieg- Nihrenden Staates, man sollte deshalb Oesterreich-Ungarn seine Angelegenheit mit Serbien allein regeln lassen. Der Botschafter fügte sehr ernst hinzu, daß augenblicklich die ganze österreichische Angelegenheit gegenüber der Gefahr einer curopäischcir Konslagration in den Hintergrund trete, und gab sich alle Mühe dem Minister die Größe dieser Gefahr darzu- legen.
Ebenfalls am 29. Juli berichtete der Militärattackn in Petersburg telegraphisch über jene Unterredung mit dem russischen tz)e- neralstabschef folgendes: Der russische GeneralstabSckef bot mir eine »diriftlüfje Bestätigung an, und gab mir fein Ehrenwort in feierlichster Form, das; nirgends eine Mobilmachung erfolgt sei. Er (der Militärattacin müsse das Gespräch m Anbetracht der positiven zahlreichen Nachrübteii Der erfolgte Einziehungen alS einen Versuch betrachten, Dentfchhnrd über ken Umfang der biS- hengen »Maßnahmen irre zu führen." Deutschland arbeitete Schulter an Schulter mit England unausgesetzt an der Vermiltluugsaktivn ivciter. Sic imterstützlen den Vorschlag in Wien, von dem Dentsch- lmid die Möglichkeit einer friedlichen Lösung erhoffte. Unterdessen kamen immererneuteundstchhäuseudeMekdungen über russische Mobikisicrungsmaßregeln und Truppenansammkungen an der o st preußischen Grenze, die Verhängung des Kriegszustandes über säintliche wichtigcm Plätze der rirsfischen Westgrenze, die keinen Zweifel daran ließen, daß die russische Mobilisierung auch gegen Deutschland in vollem lliange loar, »oährend gleichzeitig unserem Petersburger Vertreter gegenüber alle derartigen Maßregeln erneut ehrenwörtlich abgeleugnet ivurden.
Lisch ehe die 'Wiener Antwort auf den letzten eugllfch-deut- fchen VermiNlungSvorfchlag emtreffen konnte, oümete Rußland die allgemeine Mobilmachung an. Am 31. Juli richtete der Zar au den Kaiser folgendes Telegramm:
„Ich danke Dir von Herzen für die Verntittlung, die die (Hoffnung aufleuchten läßt, daß noch alles friedlich enden könnte. Es ist technisch unmöglich, unsere müitärisckicn Vorbereitungen eiiiziisiellcn, die durch Oesterreichs Mobilisierung notwendig geworden sind. Wir sind weit davon entfernt, Krieg zu »wünschen,. Solange die Verhandlungen mit Oesterreich über Serbien andauern, »verden meine Truppen keine heraussordernde Aktion unternehmen. Ich gebe Dir mein feierliches Wort darauf. Ich vertraue mit aller Kraft auf Gottes sstnade und hoffe auf den Erfolg Deiner Vermittelung in Wien für die Wohlfahrt uw'erer Länder und den Frieden Europc-s. Dein Dir herzlich ergebener Nikolaus,"
Der Äaifer antwortete:
„Auf Deinen Appell an meine Freundschaft und Deinec Bitte uin meine Hilfe habe ich eine Vermittlungsaktion zwischen Deiner und der österreichisch ungarischen »stegir- rung gufgenomnien. Während diese Aktton im Gange war, find Deine Truppen gegen das mir verbündete Oesterreich Nrigarn mobilisiert »vorden, wodurch, wie ich Dir schon »ntt- teilte, meine Vermittelung beinahe illusorisch gemacht wurde. Trotzdem habe ich sie fortgesetzt. Nunmehr erhalte ich zuverlässige Nachrichten über ernste Kriegsvordercitungen auch an mriuer Ostgrrnze. Tie Verantwortung für die Sicherheit meines Reiches zivingl mich zu defensiven Gegenmaßregrln. Ich bin mit den Bemühungen. den Weltfticdcn zu erhalten bis an die äußerste Grenze des Möglirtien gegangen. Nicht ich trage die Verant- uwrtung für das Unheil, das jetzt der ganzen zivilisierten Welt droht. Noch in diesem Augenblick liegt eS inTeiner.Hgnd.esabzuwenden. Niemand bedroht die Ehre und. dir Niacht RntzlaitdS, das nwhl auf den Erfolg »nciner Vrrmikteluilg hätte warten können. Dir mir u>ii meinem Großvater auf dem Totenbette übcrkom mene Freundschaft für Dich und Dein »strich ist mir immcrheiliggcwesen. Ich habe trni zu Rußland gestanden. wenn eS in schwerer Bedrängnis war, besonders in seinem letzten Kriege. Der Friede Europas kann von Dir noch jetzt erhalten werden, »venn Rußland sich entschließt. die militärffchen Btaßnahmen einzustellen, die Deutschland und Leitcrrrich-llngarn bedrohen."
Noch ehe dieses Telegramm seine Bestimmung erreichte, war die bereils am vormittag desselben Tages angeordnete, offensichtlich gegen Deutschland geächtete Mobilisierung der gesamten russischen Slrcitkräfte im vollen Gange. Das Telegramm des Zaren aber war um 2 Uhr nachmittags ausgegeben worden. Die russische Regierung hat durch ihre, die Sicherhät des Reiches gefährdende Mo- bilmachung die mühsame Bernntllungsarbeit der europäischen Staotskonzleien kurz vor ihrem Ersolge zerschlagen. Die Mobili- sierungsmaßregcln, über deren Ernst der russischen »Regierung von Ansang an keine Zweifel gelassen wurden, in Verbindung mit ihrer »ortgeseylen Ableugnung , zeigen hier, daß Rußland den Krieg wollte. Die deuttche Botschaft in Petersburg hatte in- zwkitheti den Auftrag erhalten, falls die russische Regierung inner-


