ypf vcrlangl. Me eine monard)dcfeinMicf)e Propa-
flaiibn betrrtbon, iwu* ja im (riTflemoimni in Serbien kün flmebtlirt, itrufbaror Laibestand ist. so erfdveiS »« Fm- berung auch tu diesem Punkte it*d)t erfiffl ^
mt th"."o« CflTenl ^ ertCätt ' dast f.c jede Mit- mtriung i>on Organen der f t Rcaieruna au-
rSÄSh SL« ^n GrundstsiL, Ms Völker lirtu-ii «n ■hiiiini. V::>,ra ^If5j!' c ^ den frounbimdibar«
' ^ würde, wird baju bemerft:
iwnta ^ allgemeine Sotferr?*! ebenso-
(,rK ' U tun ' Jwe mit dem Strxrfprozeßreckü Es Angelegenheit rein stacllspolizAlickier lin^ LKqe be,anderer Vereinbarung zu losen ist.
Serbiens ist daher unverständlich und würde, .^L^^e vage, allgemeine Formel da,:, geeignet ist, zu I'^7^^cen «hivierigkciten bei Ai'schlaß des vertrag- ^)^„d"^°'"mens führen. Was die Mitwirkung delegierter f7..+?? nC t. f Regierung an der strafrechtlichen iinter- uchung anbetauLt. die als Verletzung der Verfassung und der «vtrafprozestordnung obgelehnt ivordcn ist, so bemerkt ,®L~ ’ Regierung: Unser Verlangen war ganz klar und nX ^r-^ oritzdeuten. Wir begehrten l. Einleitung einer gerichtlichen Untersuchung gegen die Teilnehmer des Äom- plotls; 2. Teilnahme von k. k Organen an den darauf oeEiglichen Erhebungen (Recherchen im Gegensatz zu Enquete ludieiaire). Es ist uns nicht eingefallen, k. k. Organe an dem serbischen Gerichtsverfahren teilnehinen zu lassen, sie sollten nur bei den polizeilichen Vorerhebungen Mitwirken. Wenn die serbische Regierung uns hier mißversteht, so lut ne dies bewustt, denn der Unterschied zwischen Enquete jüdrciaire und einfachen Recherchen must ihr geläufig sein; da sie sich jeder Kontrolle des einzulcitenden Verfahrens zu entziehen wünscht, das bei korrekter Durchführung höchst unerwünschte Ergebnisse für sie liefern würde, und da sie keine Handhabe besitzt, in plausibler Weise die Mitichrkang unserer Organe an den polizeilichen Verfahren abzulenkcn (Analogien sür solche polizeilichen Interventionen bestehen in großer Menge), hat sie sich auf einen Standpunkt begeben. der ihrer Ablehnung den 'Schein der Berechtigung geben und unserem Verlangen den Stempel der Unerfüllbarkeit aufdrücken sollte.
In Sachen des Milan Ciganovic wird konstatiert, daß. die Behauptung, dieser sei schon ain 15. resp. 28. Juni aus dem serbischen Staatsdienst geschieden, unrichtig sei. Er habe noch drei Tage nach den, Attentat, als seine Teilnahme an dem Komplott bekämet wurde, sich im Auftrag der Belgrader Polizcipräfektur nach Ribari begeben. Hierzu konrmt, daß der Polizeipräfekt von Belgrad die Abreise des Eiganovic selbst veranlaßt hatte und wußte, wo dieser sich aufhält, und in einer Unterredung erklärt habe, einen Mann dieses Ramcn? gäbe es in Belgrad nicht.
Bezüglich der Acusterungen serbischer Beamter nach dem Attentat hatte die serbische Regierung in der Erklärung zugesagt, sobalb diese Aeußerungcu näher bezeichnet und nachgewicien sei, daß diese tatsächlich gefallen seien, wird bemerkt: Der serbischen Regierung würden die diesbezüglichen Unterredungen ganz genau bekannt sein. Wenn sie, von der k. k. Regierung verlangt, daß diese ihr alle Details über diese Interviews liefere und sich eine formelle Untersuchung darüber vorbehält, so zeigt sie, daß sie auch diese Forderung nicht ernstlich erfüllen will.
Ei« Brief des Kaisers Franz Joses an den Zaren.
Petersburg, 29. Juili. Die „Nowoje Wremja" will erfahren haben, daß der Zar einen Brief von Kaiser Franz Joseph erholten höbe, der zu der Lösung des Konfliktes beitragen dürste und die Zustimmung Deutschlands zu den Vorschlägen Greys gleichsam überflüssig mache.
Tie Börse«.
Wien, 28.Juli. «Wiener Korr.-Bur.) Der heulige Kassclag an der Wiener Börse verlies vollkommen glatt und ohne jeden Zwischenfall und Insolvenz. Bei dem führenden Depositen-Einlagen-Jnstitut der Monarchie, der Ersten österreichischen Sparkasse, war der Andrang des Publikums bei den Rückzahlunqsschaltcrn heute und gestern sehr bedeutend. An etwa 7000 Parteien wurden 6 Millionen Kronen zurückgezahlt, ober auch von etwa 2000 Parteien über zwei Millionen Kronen cingezahlt. Das Publikum zeigt im Gegensatz zu den Balkankriscn «ine sehr ruhige gehobene Stink- mung. Die Sparkasse ist zur Rückzahlung jeden Betrages gerüstet.
Die serbische Sknpschtina.
Rom, 29. Juli. Der ..Agenzia Stefan," wird aus Risch gemeldet, daß die serbische Skupschtina heute nicht zusammentreten konnte, da nicht genug Mitglieder anwesend waren.
Eine amtliche Mitteilung Rußlands.
Petersburg, 28. Juli. Folgende amtliche Mitteilung wird veröffentlicht: Zahlreiche patriotische Kundgebungen der letzten Tage in der Residenz und in anderen Städten des Reiches beweisen, daß die feste und ruhige Politik in den breiten Schichten der Bevölkerung sympathischen Widerhall gesunden bat. Die Regierung hofst jedoch, daß der Ausdruck der Volksgcfühle durchaus nicht die Färbung von Mißgunst gegen Mächte cinnchmen werde, mit denen Rußland sich im Frieden besindet und unveränderlich sich im Frieden zu befinden wünscht. Indem die Regierung aus dem Aufschwung des Bolksgeistes Kraft schöpst und ihre Untertanen aufforderl, Zurückhaltung und Ruhe zu bewahren, verharrt sie aus der Wacht sür die Würde und die Interessen Rußlands.
Rußland mobilisiert nicht.
Wien, 29. Juli. Die „Wiener Allgemeine Zeitung" schreibt, anscheinend nach Informationen von besonderer Seite: lieber die Haltung Rußlands ist zur Stunde hier nichts bekannt. Die Nachricht, daß die russische Regierung irgendwelche Mobilisicrungsordres erteilt habe, hat bisher noch keine Bestätigung gesunden. Wir und auch die übrigen Mischte sind durch unsere Vertreter am Petersburger Hofe über die Vorgänge in Rußland, soweit sie sich nicht überhaupt der Kenntnis entziehen, vollkommen unterrichte« Es ist aber unmöglich, irgendwelche Prognosen zu stellen Die politische Situation ist ja heute der Art, daß sich das Bild in kürzester Zeit zu verschieben vermag, weshalb es nicht angcht, auch nur für die nächsten Tage etwas bestimmtes vorauszusagen. Vorläufig bewegt sich der Verkehr zwischen Rußland und Oesterreich aus der gewohnten freundschaftlichen Basis.
Mannheim, 27.Juli. Nach einem hier vorliegenden Privatkelegramm hat der französische Finanzminister der Pariser Hochfinanz erklärt, dieGesahrseivor- über, Rußland marschiere nicht.
Wien, 28. Juli. Nach den vorliegenden Nachrichten ersvli wie dem Vertreter des W. T.-B. von maßgebender Stelle erklc wird, noch kein« Mobilisierung Rußlands. Ferner wird qeqe über verschiedenen Gerüchten daraus hingenneien, daß keine An,öig vorhanden sind, daß Serbien die österreichisch-ungarisän Note nu mehr bedingungslos annehmen loollie. Die Gerüchte von der E, stllllmg der SLoWlNerwg jSrtbiuis sind unbegründet, oictinc
liegen zahlreiche gegenteilige Metdungjen oor, ul ä. aus Salonifi über das Passieren serbischer Reservisten und die Durchreise Freiwilliger nach Serbien.
Rußland ist de« BermittlnngSvorschlägen geneigt.
London. 28. Juli. Wie das Reutrrschc Bureau erfährt, hat das Auswärtige Amt heute die Mitteilung erhallen, daß Rußland im Prinzip dem englischen Kon- serenzvorschlag zustimmt. Gleichzeitig wünscht Rußland den direkten Meinungsaustausch mit Wien sortzusetzcn.
Stimmung in Rußland.
Petersburg, 28.Juli. Bei der gestrigen Abreise serbischer Ossiziere in ihre Heimat sammelte sich eine große Menschenmenge auf dem Bahnhoi an, die den Osstzreren begeisterte Kundgebungen darbrachtc. Es erschallten Rufe: Es lebe Serbien! Nieder mit Oesterreich! Ein serbischer Offizrer hielt eine Ansprache, in der er sagte, er sei von dem freudigen Bewußtsein erfüllt, daß das erhabene Rußland seine lüngcre Schwester in dieser schweren Zeit nicht ihrem Schicksal preis- geben werde. Unter den Klängen der Nationalhymne und Ziviorufen verließ der Zug den Bahnhof.
Moskau, 28. Juli. Gestern abend um 11 Uhr versuchte eine Menge von etwa 500, zumeist den gebildeteren Ständen angehörcndcr Personen in das österreichisch-ungarische Konsulat eil,itubringen. Die Menge sang die Nationalhymne und ries: Es lebe Serbien! Durch das Einschreiten der Polizei wurde der Versuch vereitelt.
Petersburg, 28. Juli. Die Leitartikel der Blätter spiegeln den günstigen Eindruck wider, welchen die gestern von der Petersburger Telegraphenagcnlur verbrcttete Mitteilung gemacht bat, daß der Text der österreichisch-ungarischen Note der deutschen Regierung vor der Uebergabc an Serbien völlig unbekannl gewesen sei und daß die Annahme, daß Deutschland, welches vor allem eine Lokalisierung des Konfliktes wünsche, eine drohende Haltung einnehme, unbegründet sei.
Petersburg, 28. Juli. Der „Petersburgski Kujer" erfährt ans dem Auswärtigen Amt, daß der Schritt Englands dessen eigener Initiative entspringt und durchaus nicht von der russischen Regierung diktiert ist, welche vor der Hand ihre diplomatische Mission gegenüber Oesterreich-Ungarn als erfüllt ansicht.
Petersburg, 28.Juli. Die Blätter halten einmütig die serbische Antwort für genügend.
Petersburg, 28. Juli. Die „Nowoje Wremja" erfährt aus den zuständigen Kreisen, daß die getrofsenen militärischen Maßnahmen bis zur Beendigung der Krise bestehen bleiben.
Petersburg, 29. Juli. In Jalta und in dem dazu gehörigen Kreise wurde anstatt des außerordentlichen der Zustand des verstärkten Schutzes erklärt.
Vorsichtsmaßregeln an der Grenze.
Gumbinnen, 28. Juli. Russische Truppen besetzten der „Tägl. Rnndsch" zufolge den Greuzbahnhvf Wirrbal- len und die Grenzwege Eine Schwadron Ulanen ist deutscherseits aus Stallupönen nach dem Grenzbabnbos Eydtkuhnen abgegangcn. «Diese Bahnhöfe stehen auch im Frieden unter besonderer militärischer Bewachung. Die Red.)
Hoffnungen.
London, 28. Juli. «Obwohl man in diplomatischen .KrVisen von der Nachricht der Kriegserklärung unangenehm berührt ist, hat man doch noch nicht alle Hoffnung verloren. daß ein Terrain zum Ausgleich gefunden werden könnte. Diese Hoffnung stützt sich auf folgende Erwägungen: Oesterreichs ist keineswegs -gesonnen, alle Anregungen zur Erhaltung des Friedens abzulehnen, doch soll es für nötig erachtet haben, auf serbischem Gebiet eine militärische Demonstration durckMsühren, bevor in einen internationalen Meinungsaustausch eingetreten wird. Man glaubt, daß die Eröffnuirg der Feindseligkeiten nicht den sofortigen Abbruch der Verhandlungen zur Folg« haben werde, umsomehr als Rußland dem Anliegen Frankreichs und Englands folgend, geneigt ist, augenblicklich in Oesterreich nicht zu intervenieren.
Rom, 28. Juli. Man ist hier überzeugt, daß eine Vermittlung durchgesuhrt werden kann, sobald Oester- reicher serbisches Gebiet besetzt haben wer- dcn. was für Oesterreich erst eine genügende Genugtuung darftellen könne.
Wien, 28. Juli. Die Erklärung Sir Edward Greys im Unterhaus« findet hier, wie in unterrichteten Kreisen verlautet, eine günstige Ausnahme, wie alle bisherigen Aeußerungen dieses, Oesterreich-Ungarn sehr gut gesinnten Staatsmannes. Es sei logisch, daß in der Frage, welche Europa so stark bewege, alle Mächte daran dächten, den Weltsrieden zu erhalten. Diesen Zweck verfolge die Rede Greys. Da sein Vorschlag auch dahin auszüfassen sei, daß eine Lokalisierung der Angelegenheit zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien erreicht werden solle, so könne man diese hier nur mit Genugtuung begrüßen. Hinsichtlich des Passus in der Rede Sir Edward Greys betreffend die Einstellung aller aktiven militärffchcn Operationen bis zur Beendigung der vorgcschlagcnen Konferenz gilt als wahrscheinlich, daß der englische Vertreter mit diesem Ersuchen an die österreichisch- ungarische Regierung herantritt, doch fürchtet man, daß die Sache viel zu weit vorgcschrilten, als daß die Operationen noch eingestellt werden könnten. Greys Ueberzeugung, daß die deutsche Regierung der Idee einer Vermittlung zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland im Prinzip günstig sei, bewege sich ganz auf der Linie, welche Deutschland verfolge, nämlich die Lokalisierung des Streites zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien zu erreichen. Es sei übrigens vorläufig kein Grund vorhanden, anzunehmcn, daß die Lokalisierung nicht gelingen sollte.
Deutschlands Friedensliebe.
Köln, 28. Juli. Die ,Löln. Ztg." meldet aus Berlin: Der Wunsch der Westmächte, durch eine rechtzeitig vermittelnde Einwirkung ein Ucbergrciscn des österreichischen Streites mit Serbien auf das Verhältnis zwischen den Großmächten zu verhüten, wird von der deutschen Politik nicht nur in platonischer Weise gehegt, sondern das Berliner Kabinett ist bereits in mehr als einer Hauptstadt für die Zwecke einer den europäischen Frieden sichernden Vermittlung tätig gewesen Man begrüßt hier, daß jetzt durch die Initiative Greys der Bermittlungsgedanke amtliche Gestalt angenommen und der Oessentlichkeit zur Erörterung gestellt worden ist. Es machen sich aber Zweifel geltend, ob als Organ für die Vermittlung eine Konferenz von vier Großmächten ein geeignetes Auskunstsmittcl darstellt, und daß man die Einzelheiten des österreichisch-serbischen Streites, die lediglich beide Staaten angehen, nicht vor das Forum einer Konferenz ziehen kann, darüber herrscht wohl allgemein Ueber- einstimmung. Aber auch was die rechtzeitige Besettiguug der zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland etwa aufkeimenden Schwierigkeiten betrifft, muß die Frage aufgeworfen werden, ob die Regieruirgen dieser beiden Mächte geunlll sind, die
Konferenz der vier anderen Großmächte mit einer amtlichen Vermittelung zu betrauen. Es scheint für dar Gelingen der Vermittlung zweckmäßiger, wenn man die Mittel dafür möglichst einfach gestaltet und sich in unmittelbarem Verkehr mit den Haupistädtcn der beteiligten Reiche der fortlausenden dcplomatischen Erörterungen und Einwirkung bedient, um ein vermittelndes Vorgehen bis zu dem allseitig gewünschten Ergebnis durchzulührcn. Bei der Benutzung dieses Weges würde Deutschland es an der den Westmächlen schon bewiesenen Mitwirkung auch weiterhin nicht fehlen lasse».
Der Kaiser.
Berlin, 29. Juli Der Kaiser wird sich e r st nach der Krisis nach Wilhelmshöhe begeben. — Der Kronprinz trifft progrommäßig morgen von seinem Urlaub in Potsdam ein.
Berlin, 28.Juli. Der Reichskanzler empsing heute nachmittag den britischen Botschafter.
Falsche Gerüchte.
Berlin, 29. Juli. Nach einer angeblichen Meldung der „Franks. Ztg." wird heule in verschiedenen Blättern des Reiches die Nachricht verbreitet, die deutsche Regierung habe in Paris eine beiristcie Note überreicht, in welcher sie anfragt, wie die französische Regierung sich im Falle eines Krieges mit Rußland zu verhalten gedenke. Die „Franks. Ztg." legt Wert darauf, sestzustellen, daß sie weder diese noch eine ähnliche Meldung verbreitet habe.
Borfichtsmaßregel« der englischen Flotte.
London, 28. Juli. Wie die Blätter melden, sind im Hafen von Portlomd zurzett 29 Schlachtschiffe, vier Schlachtkreuzer und neun andere Kreuzer der ersten Flotte. Sie nahmen die Nacht über Kohlen ein. Kriegsmaterial und Proviant, das für mehrere Wochen ausreicht, wird ebenfalls eingenommen werden. Bis die internatümale Lage sich geklart hat, wird auf den Schissen der ersten Flotte kern Urlaub ertellt werden. Wie es in kritischer internationaler SiNcation üblich ist, hat die Admiralität gestern die übliche Liste der Schiffsbewegungen nicht.ausgegeben.
London, 28. Juli. Offiziös wird erklärt, datz die Ein- fteHung der Beurlaubungen in der englischen Flotte in keiner Beziehung beunruhigen dürfe. Es handle sich lediglich um eine Vorsichtsmaßregel. Die dritte Flotte, die wir aus den ältesten Scksiffen besteht und bei der Mobilisierung um 15 000 Reservisten verstärkt worden war, hat diese bereits entlassen. i
Friedenskundgebungen in Paris.
Paris, 28. Juli. Nachdem der Verband der Arbeitersyndikate seine Mitglieder für gestern abend zu einer Kundgebung für den Frieden auf den Boulevards zusammengerufen hatte, herrschte gegen 9 Uhr ein sehr lebhaftes Treiben. Als in der Nähe der Faubonrg Poissonicre einige Rufe: „Nieder mit dem Kriege" laut wurden, erfolgten Geaenkundaebungen. Man rief: „Es lebe die Armee!" Die Polizei stellte die Ruhe wieder her und nahm mehrere Verhaftungen vor. Etwas später sammelten sich von neuem Leute in der Nähe der Foubvurg Poiffvniere, welche „Nieder mit dem Krieg" riefen und die Internationale sangen. Die Polizei zerstreute sie ebenfalls.
Paris, 28. Juli. Da gestern abend die Zahl der Leute, die auf den großen Boulevards Kundgebungen veranstalteten, anwuchs, wurde die Polizei durch die republikanische Garde verstärkt. Gegen 1l fllhr waren die Manifestanten ziemlich zahlreich. Sie sangen die Internationale und sammelten sich bei Porte Saint Denis. Polizeibcamte drängten sic nach der Place Republique zurück und nahmen zahlreiche Verhaftungen vor. Mspcrrungen wurden vor- gcnommen und sehr strenge Weisungen zur Aufrechterhaltung der Ordnung ertellt. Der Durchgangsverkehr auf den Boulevards ist fast zum Stillstand gekommen. Die Cafs's halben ihre draußen stehenden Tische in ihr Lokal zurück- genommcn. Die Lichtspieltheater verschlossen Ihre Türen. Auf der Straße kam es zu Zusammenstößen zwischen Manifestanten, die entgegengesetzte AnsckMiungen vertraten. Die Polizei drängte die Manifestanten zurück. Tie Kundgebungen waren ziemlich ernster lltaiur, doch wurde niemand schivcr verletzt. Einige Polizeibeamte wurden leicht verwundet.
Pariser Meldungen.
Paris, 28.Juli. Der Belgrader Korrespondent des „Matin" hatte eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Pasitsch, der ebenso wie der Kronprinz die vorige Nacht noch in Belgrad zugebracht hat. Pasitsch habe u. a. gesagt, die Mächte der Triple-Entente haben uns durch ihre wohlwollende Haltung und warme Unterstützung, insbesondere während des letzten Krieges hinreichend gezeigt, daß unsere Existenz ihnen teuer ist, daß wir mit ihrem Schicksal eng verknüpst und «inen Teil ihrer Interessen darstellen. Rußland, Frankreich und England werden uns nicht im Stiche lassen gegenüber der großen Nachbarmachk, welche sich durch ihre Note erlaubt hat, unsere politische Existenz und unsere Souveränitätsrechte zu gesährdcn. Rumänien hat uns erklärt, daß es alles aufbicten werde, um die Schwicrigketten, in denen sich Serbien besindet, zu ebnen. Im Falle eines Krieges wird Rumänien seine Entscheidung treffen, aber es hofft, daß er wird vermieden werden können.
P a r i s, 28. Juli. Dem „Matin" wird aus Malta gemeldet, daß das englische Mittelmeergeschwader, dessen Schiffe in der Levante zerstreut sind, sich in Malta versammeln werde.
P a r i s, 28. Juli. Nach einer Havasmeldung aus Toulon hat gestern an Bord des Panzerschiffes „Courbet" eine Konferenz des Oberbefehlshabers der Flotte Admiral Bouc de Lepeyrere mit den Befehlshabern der verschiedenen Geschwader stattgefunden.
P a r i s, 28. Juli. Wie verlautet, wird Präsident Poin- care morgen nachmittag sofort nach seiner Ankunft einem Ministerrat Vorsitzen.
Paris, 28. Juli. Ein Berichterstatter des „Echo de Paris" meldet, mehrere Minister hätten ihm erklärt, bis morgen werde sich die Lage in dem einen oder dem anderen Sinne präzisiert haben. Augenblicklich gestatteten die von Bienvenuc Martin gemachten Mitteilungen die Lage in einem etwas günstigeren Licht zu sehen.
Paris, 28.Juli. Aus Nancy wird gemeldet: Die Bevölkerung sei zwar beunruhigt, aber keineswegs von Schrecken erfüllt. Aus den Banken seien zahlreiche Einlagen zurückgezogen worden, aber ohne daß eine Panik vorgckom- men wäre.
Paris, 28. Juli. Der „Figaro" schreibt: Wenn die militärische Aktion Oesterreich-Ungarns sich auf die Besetzung Belgrads beschränken würde, die wohl ohne Blutvergießen erfolgen wird, dann wird noch nichts Unheilbares geschehen sein und die Verhandlungen werden fortdaucrn können. Wir hoffen fest darauf, welches Mißtrauen auch das Vorgehen Oesterreichs einzuflößen vermag.
Paris, 29. Juli. Der stellvertretende Minister des Aeußern Bienvenue Martin hatte heute nachmittag eine Besprechung mit dem englischen Botschafter,


