Nr. [15
Zwettez Blatt
15^. Jahrgang
Erschein! täglich mit Ausnahme de? Sonntag?.
Tie „Siehener Zaintlienblätler" werden dem »Anzeiger' viermal wöchentlich beigeleg«, das „Rrestblatt stir den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Tie „randwirtschaftlichen Sttt- sra-en" erscheinen nionallich zweimal.
Gle
General-Anzeiger für Gberhefsen
Montag, »r.ZuIi M-s
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schcn Unwerfitäts-Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: c^51. Redaktion: 112. Tel.-Adru AnzeigerGießen.
Die kommenden Landtaarwahlen.
Unter den neunzehn Landtagswahlkreisen der drei Provinzen in denen >m nächsten Herbst eine Neutvahl vorzunehmen ist befinden sich auch vier, in denen bereits eine Wahl mittelst des direkten Wahlrechts vollzogen worden ist, die Wahlkreise - Bingen Abg Svherri, Mühlheim—Bieber <Adg. Adelung-, Waldmichelboch Abg. Dr. Wunzcr) und Gernsheim—Pfungstadt tAhg. Friedrich- Wir können also blcr in ähnlicher Weise, wie bei den jünf vor drei Jahren gewählten städtischcii KammermitgliedelU eine Stichprobe für die kommenoen Landtagswahlen machen und nähere «eigleiche anftellen Im Wahlkreis Stadt Bingen war fist den im Herbst 1911 verstorbenen ZcntrumSabgeordnctcn Pennrich nickt schon gleichzeitig Mit den übrigen Ersatzwahlen zur Zweiten Kammer, sondern erst für den 19. Dez. eine Neuwahl anberaumt worden. Obwohl die Stadt Bingen eine alte, unbestrittene Domäne des Zentrums- Ilt und seit 1879 ununterbrochen vom Abg. Pennrich vertreten wurde, halten doch sowohl die fortschrittliche Bolksvartci wie die Sozialdeinokraten bei dieser ersten direkten Wahl eigene Kandidaten ausgestcllt. Das Wahlergebnis war, daß von 953 abgegebenen Stimmen Weinhändlcr Soherr mit 664 Stimmen gewählt wurde, während der fortschrittliche Kandidat, Justizrat tballus- Darmstadt 172 und der sozialdemokratische Buäidrruker Jbinq- Blngen 115 stimmen erhielt. An der glatten Wiederwahl Sohcrrs kanu also kaum cm Zweifel sein. Sehr bezeichnend ist diesen, 2U>« srinimnngsergebiils gegenüber die Tatsache, daß bei ber RcichStags- Ivodi im Jahre 1997 in der Stadt Bingen für das Zentrum 796 stimmen und für die fortschrittliche Botlspartei 535 Stimmen abgegeben Ivvrdcn sind, loährend der ücnrsch-soziale Kandidat 159 Ttinrmen erhielt. Die Wahl des Abg. 'Adelung UN Wahlkreis Mkühlhcim-Bieber nach dem Ableben des Abg. Orb erfolgte am 25. Januar 1912. Unter den 4684 zur Wahlurne gekommenen Wählern besandcnZich 1995 Toppelwählcr l übcr 50 Jahre-, so daß insgesamt 5797 Stimmen abgegeben wurden, von denen 55 uu- giltig Ivarcn. Es wurden für Mclung 3820 u,u> für den natl. Stadtverordneten Nessel 1899 Stimmen abgegeben. Wären hier auch die übrigen bürgerlichen Parteien selbständig auf dem Plane erschienen, so hatte sich vermutlich eine Sticlnvahl notwendig gemacht. Bei der Rcickfstagswahl 1907 waren in diesen! Wahlkreis 3332 sozialdemokratische, 1215 Zentrums- und 544 nalionalliberalc Stimmen abgegeben worden.
Noch interessanter als bei den beiden vorgenannten Wahlen gestaltet sich das StimmenverltältniS in den Wahlkreisen Wald- niichelback und Gernsheim-Pfungstadt. Im Wahlkreis Waldmickelbach handelte cs sich um die Ersahioabl für den Verstorbenen Abg. Dr. beibcnreich, der den Wahlkreis seit zwanzig Jahren vertreten hatte. In der Hauptwahl am 18. Dezember 1913 wurde kein positives Ergebnis crzi»ll, da vier verschiedene Parteien mit Kandidaten hervortratcn t es erhielten Oberamtsrichter Dr. Winzer 868 Stimmen, Gemcinderat Kasenzahl (Soz.j 965 Stimmen, Generalsekretär Hofmann 855 und der fortschrittliche Rechtsanwalt Carnier 434 Stimmen. Bei der Stichwahl am 2. Januar 1914 siegte dann Dr. Wunzer mit 1939 Stimmen über Hascnzahl, der 1475 Stimmen erhielt. Da die Sozialdemokraten erfahrungsgemäß vollzählich auf dem Platze sind, so kann wohl mit Sicherheit angenommen werden, dah die fortschrittlichen Stimmen sämtlich auf den sozialdemokratischen Kandidaten vereinigt worden sind, während sich alle übrigen bürgerlichen Stimmen erfolgreich aus Dr. Wünzer vereinigten. Bei der Reichstagswahl 1997 hatten die Nationalliberalen 1377, die Deutsch-Sozialen 890 und die Sozialdeinokraten 880 Stimmen aufgebracht.
Der Wahlkreis Gcrnsheim-Pfungstadtwar srüher seit langen Jahren durch den Kammerpräsidenten, Geh. Rat Haas vertreten. Nach dessen Rücktritt wurde 191 l der Bauernbündlcr Jakob Friedrich - Groß - Rohrhcim und der nationallchcrale Reallehrer Böhm-Gernsheim aufgestellt. Das Ergebnis war, dah bei der Hauptwahl ersterer 1467 und letzterer 1223 St. erhielt, während der sozialdemokratische Parteisekretär Raab-Pfungstadt 2080 und der fortschrittliche Fabrikant Prah-Psungstadt 10i0 Stimmen auf sich vereinigte. Trotz der Aufforderung an die Wähler der fortschrittlichen Volkspartef, bei der Stichwahl für den Sozialdemokraten cinzutreten, gelang es, sür Friedrich soviel Reserven heranzuziehen, daß er mit 3359 gegen 2933 Stimmen geivählt wurde. Bei der RcichstagswaKl 1907 hatten die Nationatlchcralcn hier
2138 stimmen, die Deutsch-sozialen rcsv. Bauernbündlcr 903, die ryoNschrtttlichen 5.-'8 wtb die SojtaßHmtüfrateii 1607 Stimmen auf gebracht. ES ist wohl anzunchmen, dah die Nationalliberalen alles ausbietcn werden, um diesen alten nationallcheralen Aablkreis von dem Bauernbund wieder zurückzi,gewinnen. Diese Ermattung und die Rücksicht auf die Parteikonstcllationeii in mehreren anderen Wabllrciscn waren denn auch die Beraniossunz, weshalb die nationalliberale Parteileitung das 'Angebot des Bauernbundes zu einem gemeinsamen Vorgehen ans Grund des Status guo nicht akzeptierte.
In den 15 weiteren ländlichen Wahlkreisen, in denen Ersatz, wählen zu erfolgen haben, fällt mangels einer Unterlage durch direkte Abstimmung eine genaue Beurteilung der Aahlchancen sehr schwer. In der Provinz Stärkend,>rg dürste vor allem daS Mandat des Abg. tzauck lBbd.s für Groß-Umstadt in Frage gestellt sein, wo bei der Abgcordnetcntwahl durch die Wahlmänucr vor sechs Jalfrei, svnwh! Lauck, wie Rechtsanwalt Lust je neunzehn Stimmen erhielten: beim zweiten Wahlgang entschieden dann die vier für Ockvnomicrat Waltcr-Lengscld abgegebenen Stimmen für Saurf. Im zweiten ftarkenburgifchen Wahlkreis (Michclstadts wurde der Wcinhändler Lang < natl.) mit 24 von 37 Stimmen gewählt, die übrigen stelcn auf Rechtsanwalt Windisch. Die übrigen Wahlen durch die Wahlmänner erfolgten in Starlenburg meist einstimmig oder mit einigen Stimmen Tiffcrenz. In R b e i n h c s s e n , wo neben den fünf städtischen Mandaten in Mainz und Worms nur noch vier weitere Mandate erneriert werden, dünste der umstrittenste ländliche Bezirk der 10. Wahlkreis, Ingelheim, sein. Dort loar bei der Wahlmänncrwahl am 7. November 1908 Bürgermeister Dr. Frcnay (Ztr.) mit 31 Stimmen gewählt worden, während der Gegenkandidat Dr. mcd. Wolf-Gonsenheim lsortschr. Pp.) 19 Stimmen erhielt. Infolge nachgewicsener Unregelmäßigkeiten bei der Wahlmännerwahl in Mombach wurde die Gültigkeit der ganzen Wahl angefochtcn und zwar mst dem Erfolg, dah die Wahl der elf Wahlmänner in Mombach für ungültig erklärt wurde, desgleichen auch die Wahl Tr, Frenap, da im Falle einer anderen 'Abstimmung der elf Mombachcr Dr. Wolf 30 und Dr. Frena» imr 23 Stimmen hätte erhalten können. Nach der Neuwahl der Mom- bachcr wurde dann am 26. April 1909 Tr Wolf mit 29 Stimmen zum Landtagsabgeordnetcn gewühlt, während Tr. Frenay nur 22 Stimmen erhielt. In, fechstcn rhcinheffischen Wahlkreis, Oppenheim, siegte Rechtsanwalt Tr. Winkler (natl.') mit 20 Stimmen gegen Bürgermeister Braun-Alsheim, der 14 Stimmen erhielt. In Oberhesscn erschein! am meisten umstritten der zehnte Wahlkreis, Hcrbsiciu-Ulrichstcin, wo 1908 mst 25 Stimmen Bürgermeister Schmalbach -gegen 11 Stimmen stir Gcmeindcrcchner Mciski) gewählt wurde. Nach Schmalbachs Ableben im Jahre 1909 erhielten Bürgermeister Jost-BcrmutSheim und Mciski fe 16 Stimmen, ein Zettel war unbeschrieben. Bei der zweiten 'Abstimmung kam statt dessen eine Stimme stir Mciski hinzu, der somit als gewählt galt. Glcichsalls stark umstritten ist auch der sechste ober- hessische Wahlkreis, Grünberg, wo Landwirt Lutz-Elpenrod (Bbd.) mit 22 Sttmmen gewählt wurde, während Bürgermeister Lang- Odenhausen 9 und zwei weitere Kandidaten 5, resp. 1 Stimme erhielten.
Im Anschluß an diese, sich meist aus den Wahlakten ergebenden Details mag cs vielleicht noch interessieren, auck, sür die ländlichen Wahlkreile das Abstimninngsvcrhältnis kennen zu lernen, wie eS sich bei der Reichstagswahl unter genauer Berechnung der einzelnen Abstimmungsbezirke für die Landtagswahlkreijc dorstellt. Im Wahlkreis Starlenburg wurden abgegeben:
Einw.
Ztr.
Eoz.
Frs.
T.-S.
Nil,
Michelstadt.....
18 949
1162
7 9
15 0
Waldiiiichclbach....
16 210
880
690
137 7
Ober-Ramstadt-Reinbeim
20 963
71
1267
74 7
Babenhausen-Gr.-Umstadt
22 561
373
944
27 0
Lampertheim ....
26 765
2096
1177
85
582
147,
Groß-Sierau.....
24 241
—
1585
1203
—
719
Oberhessen: Gründern......
20 819
865
5
1933
127"
Lauterbach.....
16 995
—
505
424
568
169
Herbstein-Ulrichstein . .
17 771
—
63
86
1606
1667
Schotten ......
—
345
129
13)2
117:
Friedberg......
8 852
—
500
269
112
778
Als'eld.......
4 022
—
159
356
145
180
R l, e i n h « f f e n : Ei„w. Ztr. Eoz, Frf. D.-S. Nil.
PleddeiSheim .... 18325 811 183 143 — 3914
Ovvenheiiii..... 17 308 704 339 62 — 2493
Ingelheim...... 19 825 1807 903 973 — 503
Bing«,,....... 9953 796 150 535 — —
Ucberblickt man das Gesamtergebnis der ersten direkten Landtagswahl im Jahre 1911, so läßt sich nicht verkennen, daß die Sozialdemokratie, namentlich in den größeren Städten und in den Landgemeinden, die zugleich Vororte sind oder größere Industrie haben, einen nicht unerheblichen Stimmenzuwachs hatte, daß aber andererseits in den Wahlbezirken mehr ländlickfen Eharakiers es! der Sozialdemokratie trotz ihrer größten jahrelangen Anstrengungen nicht gelungen ist, irgendwelche Erfolg zu erzielen; ja in Rheinhcssen, mit Ausnahme zweier Voror sgemeindcn, und in einigen Gemeinden Oberbeisens zeigt sich ein st st lläglicki zu nennendes Ergebnis der sozialdcmokratifchcn Agitation. In mehreren Wahlkreisen Rhcinhcsscns stellte sich die sozialdemokratische Stim- menzahl nur aus 1,5 bis 3»/o, in Wörrstadt aus 3°,o, in Nierstein auf 4"o, kn Al zell und Bingen-Land aus 6°» und de» höchst erreichbaren Prozentsatz hat sie in Osthofen mit I I»,». DaS gesamte Abstimmungsergebnis bei der Landtaqswabl vor drei Jahren ergab 29 078 nationalliberalc. 30 130 forifchrittliche, 24 858 bauern - bündlerifche resp. deutsch-soziale, 22 874 Zcntrumsstimnien, und 54 452 sozialdemokratische Stimme». Es sichen also den letzteren wohl über 100000 Stimmen der bürgerlichen Parteien gegenüber. Ta kann man doch wirklich nicht mehr die besonders auswärts viel verbreitete Mär von der „roten Flut" in dessen oder dem „starken Ruck nach links" aufrecht crlfalten.
Arbeiterbewegung i» Rutzland.
Nikolajew, 25. Juli. Ein Driltcl der seit dem 23. Juli streikenden Arbeiter der Schiffswerft der Nikolajewcr Aktiengesellschaft hat die Arbeit wieder ausgenommen.
Petersburg, 25. Fult. In mehreren Fabriken ist die Arbeit wieder ausgenommen worden. Auch in der Mehrzahl Druckereien wird gearbeitet. I» den Arbeiterviertel» ist Beruhigung eingetrctcn. Weitere Ausschreitungen sind nicht vorgekommcn. Man nimmt an, daß an allen Betrieben die Arbeit wieder aufgenommen werden wird.
Orel, 25. Juli. In den Brjanskwerken sind 7000 Arbeiter in den Ausstand getreten. Tie Ruhe ivurdc nirgends gestört.
Petersburg, 26. Juli. Am 25. Juli vormittags betrug die Zahl der 'Ausständigen 130 500, von denen 8000 im Laufe des Tages zur Arbeit zurückkehrten.
Au; Albanien.
Rom, 25. Juki. De „Ageneia Stefani" meldet ans Durazzo vom 24. Juki, abends 10»/, Uhr: Der Fürst, der gestern abend beschlossen hatte, sich nrorgen nach Valona zu begeben, verschob seine Reise. Abends näherte sich eine Ueine Abteilung Aufständischer den «crfchanzungen. Des rief ein lebhosles, über 15 Minuten dauerndes viewehrfeuer hervor; auch Kanonenschüsse wurden von den Berleidigern abgegeben. Dc Panik in der Stadt nimmt beständig zu.
Lin Atterta» auf den llhedive in Uonstafftinopel.
Konstantinopel, 36. Juli. Eine erste Feststellung ergab, daß Mahmud Mazhar, der Urheber des Attentates auf den Khedive, der Sohn von Mehmed Mazhar Paschfa ist. Mahmud Mazhar ist Handelsschüler. Er feuerte zwei Schüsse auf den Khedive ab. Zwei Personen wurden durch die Schüsse verletzt. Nähere Untersuchung ist eingeleitet.
veutjcke» Heid»,
Z u Bass er manns 60. Geburtstag fand am Samstag abend im Friedrichspark in Mannheim ein großes Festbankett statt, dem eine Reihe hervorragender ALgeord-
r
Mawsons Bericht über feine tragische Südpolarexpeüition.
Sir Douglas Mawson, der Führer der australischen Südpolar- expedition, bei der bekanntlich zwei seiner Gefährten den Tod fänden und er selbst nur unter den surchtbarsten Gefahren wie durch ein Wunder dem sichern Tode entging, veröffentlicht im Strand Magazine den ersten ausführlichen Berscht über seine Entdeckungen Nild Abenteuer. 2>Z Jahr hat die Expeditton in den Eisgebieten südlich von Australien gearbeitet und Bedeutendes sür die Wissenschaft geleistet. Am 2. D^ember 1911 verließ das Expeditionsschiff „Aurora" Hobart und wählte als erstes Ziel der Reise die Mac- guaric-Insel, tvv eine Station für drahtlose Telegraphie eingerichtet wurde. Von dort aus fuhr man weiter durch das Packeis, und am 6. Januar 1912 entdeckte Mawson ein neues Land, dem er den Namen Adelic-Land gab. An einem felsigen Punkt, der Kap Denison getauft wurde, blieben 18 Mitglieder du: Expedition in den Winterquartieren zurück, während ein kleinerer Teil der Expedition mit dem Schiff weiter nach Westen suhv und auch dort unbekannte Gebiete austand. Von dem Haupt- auarlier aus wurden Expeditionen unternommen, die sich bei einer Kälte von 33 Grad Celsius und furchtbarem Wind sehr schwierig gestalteten. „Der Schnee, init großer Schnelligkeit ins Gesicht getrieben und von den Ausdünstungen der Haut erwärmt, bildete rasch eine E i s m a s k e über dem Gesicht. Diese Eis- massc, die sich an Bart und Augenbrauen anklcbte und fest über daS Fleisch legte, war dadurch von Nutzen, daß sie gegen den eisigen Wind schützte. Sic mußte häustg zerbrochen iocrden, damit man nicht ersttcktc, und das höchst sorgfältig vollzogene Abnehmen der Kruste Ivar eine ebenso mühsame wie schmerzvolle Arbeit, da manchmal Stücke der Haut mit abgeriiscn wurden."
Einen romantischen Unterschlups hotte die Expedition in einer arohen Höhle gefunden, die in einer Höh« von 1500 Fuß aus dem blauen Eis hcransgehaucn wurde. Sie machte mit ihrer Grabesstille und dent geheimnisvollen -Schimmer der Lichter darin einen so zauberischen Eindruck, daß sie den Namen „Aladdins-Döhlc" erhielt. Durch ein schmales Loch erfolgte die Luftzufuhr, und als diese eines Tages fehlte, wären um ein Haar drei der Reisenden in der Höhle erstickt. Trotz des ungewöhnlich schlechten Wetters gelang es in fünf verschiedenen Exoeditionen einen großen Teil des neuen Landes zu cerforschen und geographisch auszunehmen. S(nt tragischsten verlies von diesen Reisen die, die Mawson selbst mit dem Leutnant Ninnis und dem Dr. Mcrtz, der auf den Universitäten Leipzig und Bern seine Studien gemacht hatte, unternahm. Mit 17 Hunden und einer Ladung von 1700 Pfund brachen sie auf, um das Hochland des neuen Gebietes zu untersuchen und die Küstenlin.e aus eine große Entsernung nach Osten hin sestzustcllen. Nach l arkem SchneesaU und Wind trat am 17. November 1912, ein: Wvchc nach ihrer Wreisc aus dem kdauvtgnartier, prachtvvUe- Wetter ein; Tr. Mertz, der ein vorzüglicher Schiläufer war, bildete auf Schneeschuhen die Vorhut dcs Zuges; /^nn folgte Mawson, dessen Hundegespann zuuääiit
zwei Schlitten stihrte, und zuletzt Ninnis. Im Süd-Süd-Oskcn erhob sich ein schroffer Gipfel, den man Aurora-Spitze nannte, mit gewaltigen bis zu 2000 Fuß hohen Gletickfcrn, die die Namen Mcrtz- und Ninnis-Gletschcr erlficlten. Die Fahrt über diese Gletscher gestaltete sich außerordentlich schwierig, da man immer- sort verborgene und gcsährlühe Spalten zu überwinden hatte. Ninnis entging am 21. November einmal mit knapvcr Not dem Tode: am 26. November mußten sic den sehr steilen Abstieg von dem Ninnis-Gletscher beginnen, den sie nach einer Woche schwieriger und gefahrvoller Arbeit überschritten. „Wie froh waren wir, als wir diese Totenfalle hinter uns hatten und wieder solides Eis auf dem Plateau vor uns sahen. Unsere Nahrungsmittel waren stark zusammengeschrumpst. und wir beschloiscn, mit zwei Schlitten weiterzusahrcn, der dritte wurde zurückgclassen. Ninnis litt seit einigen Tagen an einem eitrigen Fingergeschwür, das ihm viel Schmerzen machte unp den Schlaf raubte. Am 13. Dezember konnte ich ihm Erleichterung verschaffen, indem ich daS Geschwür ausstack. Unser Lager war 1900 Fuß über dem Meeresspiegel, und wir l-attcn noch gegen fünfhundert Kilometer bis zur Schutzhütte zurückzulegen. Am 14. Dezember machten wir Halt: es war ein strahlend schöner Tag, der beste, den wir auf der ganzen Reise harten. Als Mertz auf seinen Skis her der Weiterfahrt die Spitze nahm, sang er die ganze Zeit Studentenlieder."
Es war der letzte Lichtsttahl, bevor der erste Todesfall aus diese tragricke Reise seine schweren Schotten warf. Ninnis saß auf dem Schlitten, der hinter dem Maivsons kam; er trug die Hand in einer Binde. „Als ich den Boden beobachtete, sah ich vor meinem Schlitten die scharfe Linie einer Spalte. Es ivar nur eine gewöhnliche, und da wir Dutzende viel gefährlichere überwunden !>atten, so rief ich Ninnis eine Warnung zu^und suhr in der Diagonale darüber hin. Ich dachte an nichts Schlimmes, als ich einen angstvollen Blick von Dr. Mcrtz auffing, der vorn in einer beunruhigenden Stellung Halt gemaäst hatte. Ich sah mich um und erblickte nichts als eine einzige Schlittenspur. Ich war allein! Wo war Ninnis mit seinen Hunden und seinem Sckstitten? Ich eilte zurück, aber wie entsetzt war ich, als ich statt des schmalen Spaltes ein llaffcndcs Loch von etwa elf Fuß Durchmesser in der Obcrstäche bcnierkte. Der Rand des Spaltes war cingebrochcn. Wie war cs möglich, daß ich glücklich hinüber kam? De einzige ErNäuung war, daß Ninnis neben seinem Schlitten gegangen war, während ich vor dem Spalt auf den meinen gesprungen. Die Last eines Menschen, der mit seinem Fuß austritt, ist sehr beträchtlich, und sp war Ninnis zweifellos eingebrochen. De beiden Zurückgebliebenen lehnten sich nun über den Spalt und riefen in die ! dunklen Tiefen hinab, aber kein Laut antwortete, als das winselnde I Stöhnen eines Hundes, das auch allmählich verstummte. Drei Stunden schrieen sie hinunter und suchten oergel>ens einen Rettungsweg. lllußer dem Kameraden hatten sic mit dem Schlitten AusrüsviNg und Proviant verloren, den sie schmerzlich entbehren mußten. Nachdem sie an den Spalt einen kurzen Totendienst gehalten hatten, traten sie den Rückweg an. „Lang und furchtbar mußte diese Reise für uns werden, aber ich ahnte damals noch nichts
von dem unendlichen Grauen dieser Tage, die meinem andern Gefährten das Leben kosten und mir das meine nur durch ein Wunder lassen sollten."
— Ein wertvoller Münzen in nd in Hessen. Ans Melsungen wird uns geschrieben: Einen Schatz von bedeutendem Werte hatte der Landwirt Enzcroth im benachbarten Spangenbcrg im Acker, ohne daß er bisher etwas davon wußte. Als er dieser Tage auf seinein Grundstück Ausschachtungen zur Anlage eines Fischteiches vornehmen ließ, stieß der Spaten in etwa anderthalber Meter Tiefe aus eine große Anzahl gut erhaltener Silbermünzen verschiedener Größe, die säst dreihundert Jahre in der Erde gelegen haben dürsten. Insgesamt konnten über 130 Münzen gesammelt werden, die zum Teil fest aneinander hingen, woraus man schließt, daß das Geld einst in Rollen verpackt der Erde übergeben worden ist. Die Stücke zeigen sämtlich aus der einen Seite den hessischen Löwen und aus der anderen das Spanqenbergcr Schloßwavpcn. 2iui den meisten sind ferner die Jahreszahlen 1622 und 1623 deutlich zu entziffern. Zu dieser Zeit regierte Landgraf Moritz der Gelehrte in Hessen. Die Wirren des dreißigjährigen Krieges, der bekanntlich das Hejsen- land besonders schtver hcinisuchte, sind augenscheinlich der Anlaß zur Vergrabung des öseldcs gewesen. Einen Teil der Münzen lmt der glückliche Finder dem Kasseler Museum zur Untersuchung übergeben.
— Sonderbare Wundnadeln. Man weiß, mit wie primittvem Nähmaterial die Naturvölker sich oft begnügen müssen, und wie sie daher gern alles hergcben, um europäische Stahl- nadeln in ihren Besitz zu bekommen^ Als Nadel diente früher die Fischgräte, als Faden die tterische Selfne. Noch vor 100 Jahren, als Chamisso seine Weltumsegelung machte, mußten die Aleuten- mädchcn von den ihnen geschenkten europäischen Nadeln das Lehr abbrechen und ihren dicken Faden an diese sonst freudig gcnom- menen Nadeln aullebcn. Aber es gibt lzcute inxlf Stämme, denen selbst primitives Nähzeug fehlt und die doch sogar Wunden nähen können! Wie machen sie es? Sie lassen große Ameisen in die einander genäherten Wundränder beißen und schneiden ibnen dann schnell die Köpfe ab! De so vom Runivi gettennten Kövse ver- lfarren in der Bißstellung und werden aus der Wunde belassen, bis deren Ränder zusammengewachsen sind. Dese Art der Wundnaht hat man neuerdings einerseits bei den Eingeborenen Süd- kameruns, andererseits bei denen von Atjeh und Sumatra sest- gestetlt. Herr Seidel spricht im neuesten Heft der Mittest, z. G. d. Med. die Ansicht aus, daß diese Sstte nach beiden Orten von Arabien aus gekommen sei, wo fic schon im Altertum im -ochwange war. Interessant ist, daß französische Aerzte, ohne ossenbar das iöorbild aus der Tierwelt zu kennen, eine ganz ähnliche Vorrichtung zum Wundverschluß, dkc sog. ierres sincs, aus Metall ge- scrtigt haben. Ob die Aaneiscnkopinaht auch in anderen wie den genannten Gegenden vorkommt, bedarf noch der Feststellung.
_


