— Jaurös schreM in der „Smrmimte": Die österreichische Note ist furchtbar hart; sie scl-eint darauf berechnet, das serbische Volk aufs tiefste zu demütigen oder zu zerschrmst- lern. Die Bedingungen, die Oesterreich den Serben auf. erlegen will, sind derartig, daß man sich fragen muß, ob die llcrikale und militaristische Reaktion in Oesterreich nicht den Krieg wünscht und ihn nicht unvermeidlich machen will Das wäre das ungeheuerlichste Verbrechen. — Me radikale „Lau- ternä" sagt: So treu man auch am Friedeusgcdanken fest- halten mag, so gcht es doch Stunden, wo man sich zur Gewalt entschließen muß, um auf die Gewalt zu antworten: da wird der Krieg die heiligste aller Pflichten. — Drc radikale „Aurore" schreibt: Me Kriegserklärung an Serbien wäre das Signal einer furchtbaren europäischen Katastrophe. — Der „Rappel" sagt: Das von Oesterreich an Serbien gerichtete Ultimatum ist von einer unerbittlichen Strenge. Es stellt solche Bedingungen, daß man offen von einer regelrechten diplomatlscksen Heraussorderung sprecdcn kann. — Der „Figaro" schreibt: Es gibt noch einen allerdings schwachen Hoffnungsstrahl. Tie österreichlsch-unga- rrsck-e Regierung präzisiert weder den Cbarakter nocl» die Grenzen ihrer Intervention bei der Kontrolle und Ausffih- rung der von ihr geforderten Maßnahmen. Vielleicht wird dieser weitaus wichtigste Punkt doch Stoff zu Verhandlungen und Ausgleichungen bieten.
Englische Prcffestiinmen.
London, 25. Juli. Die Blätter beschäfffgen sich mit der Wiener Rote. Die „Times" schreibt: Alle, denen der allgemeine Fried-- am Herzen liegt, müssen ernstlich hoffen, daß Ocslerreich-Ungarn in der Rote an Serbien nickt sein letztes Wort gesprochen hat. Wenn dies doch der Fall ist. dann stehen wir am Rande des Krieges, und zivar eines Krieges, der für alle Großmächte unberechenbare Gefahren im Gefolge hoben kann. — Der „Daily Telegraphique" sogt: Keine der Großmächte, auch nicht Rußland, wollen in diesmn Augenblicke Krieg, und daher wünscht keine ein Opfer für einen brandstistcrischen Staat zu bringen, der nicht nur unentschuldbaren Verbrechen Vorschub geleistet habe, sondern auch eine beständige Bedrohung für den territorialen Stalusquo im Oriente sei. — Der Daily Tele- gvaptf" glaubt, daß Oesterreich-Ungarn in keinem Falle von einem Kriege Vorteil haben würde, denn, wenn er erfolgreich wäre, so würden seine Vorteile äußerst zweifelhaft fan. wihrend ein erfolgloser Ausgang unheilvolle Wirkungen haben würde. — Der „Daily Chronicle" sagt: Tie österreichische Rote ist tragisch, aber kaum tragischer, als die begründete Selbstverteidigung der Doppelmonarchie erfordert. Me serbischen Agitatoren und Komitatschis !>aben mit Zirftimmung der gesamten regierenden Masse in Bosnien etwa dieselbe Campagne gegen Oesterreich-Ungarn geführt. die Älc Balbanvölker bis 1912 in Mazedonien gegen die Türkei filhrten. Aber die Türkei war notorisch ein „kranker Mann", und von der Großmacht Oesterreich-Ungarn muß man Widerstand gegen ein solches Verfahren erwarten. Oesterreich könne etwas derartiges von einem Nachbar starrte nicht dulden, ohne seine Würde und seine Existenz zu ge- fährdcn. Wenn die politische Existenz Serbiens ans dem Spiele stände, so würde Rußland sicher in den Krieg gehen, aber das Blatt glaubt, daß Rußland diese Frage nicht in diesem Lichte sehen würde Serbien habe eine schlechte Sache, und Rußland noch viel weniger als die anderen Mächte der Triple-Entente könnte seinen Standpunkt vertreten. Rußland täte am besten, Serbien zum Nachgeben zu raten, ivährend es über die österreichische Berpslichtung »vacht, das Land nicht zu anckticrcn. — Me „Daily News" sogen: Oesterreichs Forderungen cnthalien nichts, was wirklich unerträglich iväre. Seine Entrüstung sei natürlich und nicht ungerecht, und Serbien täte am besten, sich prompt zu imterwcrsen. Verhandlungen könnten später erfolgen.
Italienische Presscstimmen.
Rom, 24. Juli Der „Popolo Romano" schreibt zu der Wiener Rote: Auf Seiten Oesterreichs ist alles Recht, auf serbischer Seite alles Unrecht. Die serbische Militär- Partei hat nach dem Balkankriege in der Tat eine Haltung Mtgenommen, die bei der Jugend ein Echo finden, zur Erregung der Vereine und Schulen führen, und die serbische Frredenba in Bosnien und anderen Grenzgebieten nlut machen mußte, alles Mnge, durch die das fürchterliche Verbrechen von Serajewo möglich wurde. Die Haltung der Monarchie Serbien gegenüber konnte nicht korrekter seur.
— Der „Corriere d'Jtalia" sagt: 'Der Zwist gehe nicht nur Wien und Belgrad an. sondern bedrohe auch den europäischen Frieden. Die Monarchie, die durch das Verbrechen von Serajewo ins Herz getroffen sei. habe alles Recht, ihrem Schmerz Ausdruck zu geben und ihre Stimme gegen diejenigen zu erheben, die es als die Ansfffter der großen politischen und dynastischen Tragödie betrachte. — Der „Messagero" erklärt, daß das Verbrechen von Serajewo die Welt mit ungeheurer Wucht darauf hingewiesen habe, welche Gefahr der inneren Sicherheit der Monarchie drohe. Allem Anscl>eiiie nach hätte die Untersuchung den unwider- leglülien Beweis erbracht, daß die Mörder von Scraiewo in Serbien Helfer hatten, und daß die serbische Regierung für die gegen. Oesterreich-Ungarn gerichtete Propaganda in Bosnien und Kroatien allzu duldsam war So hat die österreichische Militärpartei dem Kaiser endlich das Ultimatum abzwingcn können.
Serbien nnd seine Hauptstadt.
Die Blicke der ganzen Welt sind mit gespanntestem Interesse jaus Serbien und seine Hauptstadt gerichtet. Wenn Oesterreich- Ungarn mit bewaffneter Hand die serbische Grenze überschreitet, kommen seine Kampier in ein ungewöhnlich schönes Land, Serbien trägt im allgemeinen den Charakter eines Berglandcs, und cS weist die manuigsoltigflcn Bilder eines solchen aus: hier ein Hügelland mit eingebetteten fruchtbaren Ebenen, dort wildromantische Täler und Schluchten und dann wieder mascstätischc Einsamkeit des hoben Gebirges.
Zum großen Teile — vielleicht zu einem reichlichen Drittel — ist Serbien mit Wäldern bedeckt. ES vcriügt aber auch über ausgedehnte Wcidegründc, auf denen eine hervorragende Viehzucht getrieben wird. Ter Boden des Landes ist ungefähr derselbe, wie der der ungarischen Tiefebene und größtenteils überaus fruchtbar: erhebliche Strecken de» Lande» befinden sich noch ün Naturzustände und sind mit Urwald bedeckt. Aber die Ebenen des innercii Serbiens sind meistens gut angcbaut und geben reiche Ernten von Weizen, Mais, Hanf, Flachs, Tabak usw. Besonders sollen dem, der mit der Bahn durch da» Land reist, in der Ebene die Mois- sclder auf, die ück unermeßlich weit zu erstrecken scheinen. Auck rin Weinland ist Serbien, und der Wein ist sogar trinkbar. Der beste kommt aus Semendri im Tale der Jeffava Der daiwkicichtum des Landes, das die Natiir reich ausgestaltet hat, liegt gegenwärtig mahl noch in der Viehzucht: besonders ist ja die -Schweine- zucht Serbiens bekannt. In den ungeheuren Eichensorslrn loeiden gewaltige Schwcineherden, und die Ausfuhr an serbischen Schweinen ist groß. Die Bodenschätze des Landes werden vorläufig noch sehr wenig ansgenutzt: es gibt an mehreren Stellen Elsen nnd Salz, an wenigen auch Kupscr und Silber, allein zum Bergbau haben die Serben mffchcmcnd weder besonders Neigung noch Begabung.
So herrlich dir Ratirr des Landes ist, so wenig gilt das von den wenigen größeren Städten Ihre Straßen sind zwar drei«, aber ohne eigemliches Leben: alles drängt sich in ein paar Kaffee- Häusern zusammen. Die geatzte und bedeutendste Stadt des Landes ist Belgrad, t'ür die Landbevölkerung, die ffch hck-ff., gegen Ende der Woche dorthin begibt, „d>c stad:" schlecküwca. Wenn noch vor n-cn,gen Jahrzehnten die Reucschriststeller Belgrad als eine seit same Mischung von Orient und Okzident schildcrlen, so haben sich die Verhältnisse heute völlig geändert, Belgrad hu, ffch moderni fielt- Ter Eindruck, den cs mach!, erinnert ein wenig an Pars dam: eine Residenz"odt, die trmf kleuffiadrisches beide vollen Hai Belgrad hat, wie alle serbischen Städte, breite Straßen und nirtwiac Gebäude: darum ist es im Verhältnis zu seiner Eimovhncrzahk unverhältnismäßig weit ausgedehnt.
Wer die Belgrader Geskllickait kennen lernen will, der »raucht nur des Nachmittags den berrltchen Kalimealan Park anizuluchen Dort trifft sich bei den Klängen der Mffitarmusik van, Bckgrab Hoch über der Save gelegen, qrskotiet er einen köstlichen Blick au> den Zwammen-tutz vou Save und Donau, die sich unter einem rechten Winkel vereinen. Zu seinen Füßen sieh, man von der Höhe, die etwa 75 Meter über dem Fluß liegt, die breiie Save und die mächiige Donau, ,n der emige Inseln, die große nnd die kleine Kr,egs>nscl liegen und bei gulcm Weller erblick: man die Türme der ungarischen Festung Semlin, die vielleicht I I Kilometer enttarnt ist und mit der Eisenbahn in einer Viertelstunde beenem erreich! werden kann. Die Lebensweise der D-lirader zeigt lierests dent lich den starken Einfluß deS österreichischen Naiitbarn: man speist österreichische Küche, man trink! Pilsener Bier, man nimmt die Jause und man spricht sogar häufig deutsch, allerdings öfter reichliches Deutsch. Belgrad als Festung betrackitet — da» ist ein G feiet, über das die Meinungen >vrii auseinander geben In seiner langen, kriegerischen Vergangenheit ist die Festung mebrsack berannt und erobert nwrden: im Jahre 1521 baden die Türken sie erstürmt, Marimilian von Bavern eroberte sie im Jahre 1688 mit einer Truvpc von über 50000 Mann, 1690 eroberten die Türken sie zurück, 1717 siel sic in die Hände des berühmten Prinzen Eugen, 1789 eroberten die Oestcrreicher sie, 1806 versagten die Serben die Muselmänner ans Belgrad, und vor beinahe einem halben Jahrhundert, 1862. bombardierten die Türken sie vergeh lich. Daraus, daß die Türken sic damals nicht entnahmen, darf man beileibe keine Schlüsse aut die Güte der Festung ziehen Tie Festung liegt zwar von Natur einigermaßen günstig, ist aber alles andere, als eine Festung im modernen Sinne und die Serben würden sic wohl kaum verteidigen.
Au» Stadt und Can®,
Gießen. 27. Juli 1914.
Das Großherzogspaar in Gießen.
Am Samstag nachmittag weilte das Großherzogspaar einige Stunden lang in der Provinzialhanptstadt, die sich in ein festliches Gewand gehüllt hatte. Um >,5 Uhr trafen die hohen Gäste im Auto vor dem Schlosse in Gießen ein. Dann ging cs kurz nach 5 Uhr nach der Gewcrbeaus- stellu n g.
Am Portal wurde das Großherzogspaar durch den Ehrenvorsitzenden des Ausstellumpsvorsdondes, Oberbürgermeister K e l l e r und den Vorsitzenden der Ausstellung, Prof. Dr. Krausmüller, empfangen. Mit stürmischer Begeisterung begrüßte das trotz des ungünstigen Wetters zahlreich erschienene Publikum die hohen Gäste. Am Eingang zum Hauptgebäude überreichte Frl. Elisabeth K r o u s m ü l- I e v mit einigen Worten der Großherzogin einen Nelkenstrauß. Sodann ivurden durch den Vorsitzenden die Mitglieder des Gcschäftsführcnden Ausschusses den hohen Herrschaften vorgcstcllt Hierauf erfolgte der Rundgang durch die einzelnen Ausstellungsräume unter Führung der beiden Vorsitzenden und der Herren des Geschäftsführenden Ausschlusses. Me Herrschaften besichtigten eingehend die ausgestellten Arbeiten und gaben wiederholt ihrer Freude über die Reichhaltigkeit und Gediegenheit der Ausstellung Ausdruck. Insbesondere bekundeten sie lebhaftes Interesse für die verschiedenen Arbeiten des Klemhandwerkes im Vogelsberg.
Nackt dem Rundgang im Hauptgebäude nahmen die hohen Gäste in dem zum ersten Preis angekanften Speisezimmer de» .Hoflieferanten Brück den Tee ein. Die Tafel war prachtvoll geschinückt mit Blumen der Firma Metz, mit Porzellan und Kristall der Firma Mettcnheimer und mit Silbergerät der Firma Brück Nachf. (Inh. Hommer- mami). Me Getränke und Speisen reichte der Ausstcllnngs- wirt Kemper. An dem Tee nahmen außer den .Hoheiten nebst (befolge die Herren Oberbürgermeister Keller, Pros. Dr. Krausmüller, Stadtverordneter d. Petri und (sieh. Kommerzienrat Dr. Gail teil. Trotzdem die vorgesehene Zeit weit überschritten loar, ließ es sich das Großherzogspaar nicht nehmen, auch durch verschiedene andere Ausstellungsräume außerhalb des Gebäude» zu gehen, wobei sie der Abteilung „Althandwerk" reges Interesse ent- gegenbrachten. Leider lvar es unmöglich, alle Aussteller anszusnchcn, da die Gäste zu der Ausführung der Freilichtbühne kurz vor 7 Uhr absiihren. Beim Verlaffen der Ausstellung brachte man ihnen wieder begeisterte Kundgebungen dar. Ihrer Anerkennung für die schonen Leistungen des Handwerk» verliehen die Herrschaften noch dadurch Ausdruck, daß sie von verschiedenen Ausstellern Ausstellungsgegenstände erwarben, darunter auch einen Leuchter nach dem Entwurf des Bildhauers Ernst Penzoldt Eassel aus dem Ausstellniigsraum der Firma Gail.
Mit großem Interesse wohnten der Großherzog und die Großherzogin nebst Gefolge der ganzen Vorstellung der Versunkenen Glocke in unserem Freilichttheater bei. Nach Schluß der Vorstellung ließen sie sich die Schauspieler vorstellen und haben sich insbesondere mit Herrn Oberregisseur Dworkowski nebst Frau, Frl. Dagny und Herrn Hök- ker unterhalten, wobei sie die Darstellung und die ganze Anlage der Freilichtbühne sehr lobten.
Im alten Schloß fand um > -10 Uhr ein Essen statt, an dem außer dem Großherzog und der G-roßherzogin der Ober- hoffnarschall, eine Hofdame und der Ädsiitant des Großherzog» tcilnahmen. Das Essen >var vom Hotel Großherzog geliefert worden. Um 10 Uhr suhrcn die hohen Gäste im Automobil nach L i ch.
** Ta g c S ka l c n de r sür Montan. 27. Juli: Gewerbe- Ausstillung: Konzert der NeginentSkavelle 7—Id Uhr abends. Künstler - Waldhorn-Quartett des Hotlheaters Kassel und beS Plston-Buttnoien Karl Iah ». 6—11 Uhr abends.
** Gewerbe-Aus st ellung. Die dem Roten Kreuz schon vor der Eröffnung der Ausstellung gegebene Zusage wegen Abhaltung eines Rvtcn-Kreuz-Tages sand am Sanrstag seine Verwirklichung. Trotchcm das Wetter ungünstig war, batten sich viele auswärtige Besucher eingefnnden, so daß die hiesige Ortsgruppe des Roten Kreuzes eine ihr zu gönnende schöne Einnahme erzielte. Ansehnliche Beiträge stifteten auch der Ausstclluitgswirt Kemper und der Humorist Pesch Mario, der sich auch in den Dienst der guten Sache stellte. — Am Sonntag war der Besuch der Ausstellung sehr gut: schon am Bormütag strömten die Besucher von auswärts ihr in Scharen zu. Unter anderem besichtigten die Ausstellung geschloffen: die Bergleute der Grube Lust: die Orts- gewerbevereine Butzbach und Umgegend, Hcldenbcrgen, Breitcnboch mü> Lautcrbach: die Kriegervereine Münzenbcrg, Wisselsheim und Londorf: die Turnvereine Grünrngen nnd Oberbiel, der Gefangz- verrni Inheiden und die Gewerbeschule Frrcüberg. — Vielfachen
Anfragen zufolge wird nochmals daraus hingcwiesen. baß dir Ausstellung bestimmt Montag, den 3. August, geschloffen wird.
'* Freilichtbühne. Da vielmals der Wunsch ausgesprochen wurde, eine Vorstellung an einem Freitag statt- ftnbcn zu lasicn. ist die zweite und letzte Aufsührung vom .Pfarrer von Kuchstld' aus Freitag, den 3l. Juii, abend«
6 Uhr, verlegt worden.
** Gleibergvercin Am ärmsteg fand im Kaisersaal aus der Burg Gleiberg die diesjährige Hauptversammlung statt. Professor König erosfnete, in Verhinderung des l Vorsitzenden Geheimerat Dr Usinger, die Versammlung und begrüßte die Aufsichtsbehörde, Ivelcke durch den Laudrat de» Kreises Wetzlar. Dr. Sartorius, vertreten war. die erschienenen Mitglieder und deren zahlreich anwesenden Damen. Er gedachte der im vergangenen Jahre durch den Tod abgeschiedenen Mitglieder Fabrikant Schuchhord und Dr. Di e t t e n h e r m c r. Die Versammlung ehrte ihr Andenken durch Erheben von den Plätzen. Aus dem vom Prof. König crslattcten Jahresbericht ging hervor, daß der Verein aus 125 ordentliche» uud 6 außer- ordentlichen Mitgliedern besteht, doch haben sich bereits für 1914 15 4 weitere ordentliche Mitglieder, darunter Oberbürgermeister Keller- Gießen und Bürgermeister K ü h n - Wetzlar, angemeldet Me Einnahmen und Ansgaben des Vereins beliefen sich im abgelaufem n Jahre auf ründ 1000 Mk. Unter den Einnahmen befristen sich die Beihilfen au» der Kreiskasse Wetzlar und aus der Kreistassc Gießen mit je 200 Ml., sowie von der Stadt Gießen 100 Mk. Ferner zahlte der Burgwirt Nieberqall eine Abgabe von 600 Mk., an Bcikrittsgeldcrn und Beiträgen gingen 478 Mark ein. Die Hauptposten der Ausgabe bestehen in Hqpo- thekenzinsen an die Kreissparkasse Wetzlar 4.55 Mk., Bauten usw 844 Mk. und .Hypothekentilgung 110 Mk, sowie Ge- schästslintostcn mit 142 Mk. Für das neue Geschäftsjahr ist die Herstellung einer Blipableileranlage und eine gründliche Herstellung des Burgsricddaches in Aussicht genommen, die in Form eine» niedrig gehaltenen Kogels >» Rnbcrit durchgefilhrt werden soll, so daß die Bedachung aus dem Tal nicht sichtbar wird. Me Versammlung gab hierzu die Genehmigung, und ist nur noch die Zustimmung de» Provin- zial-Konscrvalor» erforderlich, um endlich den alten Rundturm gegen die Zerstörung durch Wind und Wetter schützen zu können. Me Kosten für die dringend uolwendigei, Aufwendungen für die Bedachung und Blitzableiter sind auf 1900 Mt. veranschlagt, zu deren Deckung eine Kapitalaus- nahme von 1000 Mk. crsordcrlich ist. Tic Versammlung genehmigte die Richtigkeit der durch Bankdircklor Heichelheim geprüstcn Rechnung, genehmigte den Voranschlag und beschloß die Hauptversammlung durch einen Rundgang durch die gesamte Burg, wobei man sich überzeugte, daß an der Ruine die vorgenommenen SlchcrimgSarbeltcn des Vorjahres gut und praktisch hergestellt sind.
'• ZirkuL Barum, der durch die unsreiwillige Löwen- jagd in Leipzig da? Tagesgespräch der ganzen Welt wurde, wird auf seiner Rundreise nach Holland auch zu einem kurzen Gastspiel „ach Gießen kommen. Zurzeit gastiert das Unternehmen in Mühlhausen in Thüringen; sein Eintreffen dürste Ende August crsolgen.
— Buchstabcnmarder. In den letzten 14 Tagen ist der alte Unfug wiederholt geübt worden, nachts die Glasfirmcn an den Erkerschelben zu zerstören. .In der Rockst zum sonntag gelang es dem Wackynaiiii st r a f t von der Wach- und Schlicßgesellschaft, zwei junge Akademiker aus frischer Tat zu ertappen. Es soll sich »m etwa SO Buchstaben handeln, die so nach und nack, zerstört wurden. Sie haben einen Wert von etwa 40 Mk, die von den Ucbel- tätern bezahlt werden müffen.
” Kleine Mitteilungen. Bei der Einfahrt in die Frankilirter Bahnhofehallc entgleiste gestern nachmitiag die Maschine des von Darmstadt kommenden D.-Zuges 85. Es entstand eine längere Vcrkebrsstörimg. Die auf den gesperrten Gleisen eiü- und ansjahrenden Züge nnißtcn umgesctzi werden. — In der Wcst- endstraßc übeffnhr ein kluwmobil die Arbeiterin Eva Diefenbach nnd verletzte sic in legcnsgrfährlicher Waffe. Der Strast- wagen entkam rmcrkannt. — In Na » born im Steinbnich am Vogelfang wurde der Steinbruchsarbciter Karl L i ch von einem Steinwagen, der sich von der Sbcttc losgcrissen hatte, üdcrfatwen und getötet. — Auf der Laurcnburger Zeche geriet der 22jäbriee Arbeiter Albert R i n f unter abstürzende Fclsmassen. Er war nach wenigen Augenblicken eine Leiche.
Landkreis Gießen.
-m. Hungen, 26. Juli. Hier hat vor einiger Zeit eine Wollweberei mit vier Websffihlen ihren Betrieb eröffnet.
Kreis Lautcrbach.
ß Greben harn, 25.Juli. Als Nachfolger des nach Büdingen versetzten Forftniristers Krug übernimmt der Forstasjistent Schwieder, der bisher in Ortenderg tvohn- haft iwu, die hiesige Oberförsterci.
Kreis Frievberg.
L. Friedberg, 26. Juli. Gestern ist die Obcrllasfe unseres Lehrerseminars von ihrer Nordlandrcise tvie- dcr zurückgckehrt. Sic besuchte unter Führung des Seminarlehrers Gatzert Dänemark, Schweden und Norwegen.
h. Nreder-Mockstadt, 26. Juli. Die Vrandstis- tungsafsäre. die den Ort seit Monaten in Austcgung hielt, hat nunmehr ihren Abschluß grstindcn. Der seit Avril in Untcrsuchungsbast sitzende Ackerknrcht Wilhelm Schoubach Imwdc out freien Fuß gesetzt, da sich seine Unschuld erwiesen hat. Ein Landwirt, der in der gleichen Angelegenheit vertröstet war, erhängte sich vor kurzem im Gefängnis.
Amtlicher Wetterbericht.
O e f s c n t l > ch e r Wetterdienst, Gießen.
WctierauSffchtcn in Hessen am Dienstag, dea 26. Juli 1014: Veränderlich, wechselnde Bewöllung, Regenschauer, kühl, zeitweilig auffrischende westliche Winde.
Letzte r7acl,richte«.
Vertagung des Caillaux-Prozesses?
Paris, 26. Juli. Frau Eaillaux ist infolge der Aufregungen an den letzten Bcrhandlungstagen erkrankt imo muß da» Belt hüten. Wan hofft, daß cs möglich sein tvird, daß sie den Verhandlungen morgen und übermorgen wird beiwohnen können, damit der Pwzeß nicht unterbrochen werden muß.
llnglücksfall in einer Prozession.
Paris, 27. Juli. In Mal-Henry bei Saint Eti- enne löste sich von einem Berge ein Felsblock ab Er stürzte auf einen Pfad, auf dem sich eine Prozession von 2000 jungen Mädchen bewegte. Zwei Mädchen wurden getötet, drei lebensgefährlich verletzt nnd zehn schwer verletzt.
Rulle a. Erliolunir .Tna-cnheim an <S«-r Bevestra«»!» ... , „, . Xorbaos e . Pension Gieiaaldteia. Latt-
mittoa im Walde &Ma.-a.X«r-M.SmtsKlch«.EU.Pr3ise.


