Nr. 1?«
Der Sichrncr Anzeiger
ericheint täglich, aubcr Sonntags. - Beilagen: viermal wöcbeolllch Siehener^amiliendlätler: zweimal ivöcheiill.Aitir- blott sürden AreirSietzen iTienstag nnd Frciwgß zweimal inonail. Land« wirtschaftliche Zeitfragen siernivrcch - Anschlüsse: inr die Redallion 112, Verlag n. Expeditioir öl Adresse inr Teveichen: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen h'it die Tages, inmmer bis vorniitlags s Uhr.
Erstes Blatt U>4- Jahrgang Donnerstag,
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
kotatior.sdnick «nd Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange, vedattion, Expedition und Druckerei: Schnlstratzc 7.
25. Zttli m*
Veru g-r»retS:
monatlich75M^ vierteljährlich Mk. 2.2V' durch Abhole- \u Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausjchl. Bestellst, Zeileirpreis: lokallüPs^ aus,vär14 20 Pfenniq. Chefredakteur: 21. Goei;. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton', .Vermischtes' und^Gerichts- saal": Karl Neurath; für .Stadt und Lanü^: Kurt Bendt; für den Anzeigenteil: H. Beck-
Oesterreich und Serbien.
Tic öfterrcichlschen Forderungen.
An Berliner politischen Stellen hat man stets gewußt, daß die Verzögerung der österreichisch ungarischen Forderungen an Serbien n i ch t, wie es voreilig« Beurteiler im Auslande dargestelll haben, als der Ausdruck von nachträglich entstandenen Bedenken gelten dürfe, sondern, daß diese Ver Zögerung auf reiflicher und weitblickender Erwägung bc- ruhte. Es war nur natürlich, wenn die verantworkiichen Personen in Wien den Boden, ans dem sich ihre Aktion vollziehen sollte, zuvörderst sorgfältig auf seine Tragfähigkeit prüften und im Bewußtsein der möglichen Folgen sür die größtmögliche Sickzerung ihrer Maßnahmen Bürgschaften zu gewinnen trachteten. Als die „N, A. am Sonntag die Erwartung aussprach, daß die österreichisch-serbischen Aus- einandcrsetzungcn würden lokalisiert werden können, geschah das ersichtlich aus der Kenntnis der sehr bestimmten Wünsche heraus, die Graf B e r ch I o l d demnächst der serbischen Regierung mitteilen wird. Je ernster diese Wünsche und Forderungen zu nehmen sind, desto mehr wird es selbstver- stündlich ins Gewicht fallen müssen, ob dje Unterhaltungen znnschen Wien und Belgrad ohne die Teilnahme einer dritten Macht stattfinden werden, oder ob der immer noch zu erwartende ruhige Verlauf dieser Auseinandersetzungen durch ein irgendwie geartetes Dazwischeutreteu gestöri werden sollte. Wenn Oesterreich-Ungarn und Serbien ihren Meinungsaustausch allein zu führen haben, könnte die Lage mit der Gelassenheit beurteilt werden, die eine Abweichung der beiderseitigen Kräfteverhältnisse naturgemäß gestaltet, lieber die Möglichkeiten, die sich im anderen Falle darbieten, braucht für jetzt nicht gcsprockwn zu,werden. Es wäre denn auch verfrüht, bereits in eine Erörterung darüber einzutreten, welchen Rückhalt eine etwaige Weigerung Serbiens, ans die Diener Ansprüche einzugehen, innerhalb der europäischen Mächtegruppierungen finden würde. Immerhin kann man von der Verizlntung ausgehen, daß wesentliche Verschiedenheiten in der Stellungnahme der Mächte des Dreiverbandes zu dem möglichen österreichisch-serbischen Konflikt bestehen, und daß vor allem das Londoner Kabinett schux-rlich geneigt sein möchte, berechtigte Forderungen Oesterreich-Ungarns mit unfreundlichen Augen anzuschen und so die Momente des Widerstandes zu verstärken, für die vielleicht in Belgrad von anderer Seite her gesorgt werden dmrd, Mer was geschehen ward oder, richtiger, geschehen kann, das hat man zunächst abzuwarten, Für jetzt stehen die österreichischen Forderungen zur Erörterung, soweit sie durch die Wiener Meldungen belaunt geworden sind, und wenn diese Forderungen sür die Berliner politischen Stellen nichts Aeberraschendes haben können, so bedeuten sic gleichwohl eine neue Lage, insofern eine Tat mehr ist als ihre Ankündigung,
„Verfrühte Kombinationen".
Wien, 22. Juli, Tcm „Neuen Wiener Tageblatt" wird von informieret: Seite mitgeteilt, daß die Meldung, nach weicher oic von oen, Grafen Bcrchto 1 d gestern dem Kaiser un.erbreileten Beschlüsse die Sanktion des Kaisers erhalten werden, zutreffcn dürste, Ministerpräsident T i s z a durfte heute im ungarischen Mgcordnetcnhause Mitteilungen darüber machen, — Die gestern kursierenden verschiedenen Versionen über den Zeitpunkt, die Form und die Art der in Belgrad zu unternehmenden Schritte, sowie die für die Antwort Serbiens zu setzende Frist, beruhen auf Kombinationen,
Aus B u d a p e st wird gemeldet, daß die Note, die der serbischen Regierung überreicht werden soll, in höflicher aber bestimmicr Form gehalten ist und Serbien Gelegenheit
vlid-Nauheim.
Hochsaison! Das sind die Tage der Rosen, welche nirgends in so wundervoll frischer Prachl die dusligen Gewänder ihrer holden Schwestern schmücken, wie gerade jetzt in Bad-Nauheim, Ist doch die Umgegend des Bades berühmt durch ihre ausgedehnten Roscnkullurcn, — Aus der Terrasse, dem abendlich stets angenehm kühlen Brennpunkt der Geselligkeit, herrscht buntes Leben. Zweifellos hat Bad-Nauhrim die schönste Terrasse der Welt, Nirgends findet man so viel künstlerische Genüsse nnd so viel Annehmlichkeiten mit gesellschaftlicher Zwangslosigkeit gepaart. Der Kurgast kann in diesem Potpourri aller Sprachen ebenso zwanglos leben wie eine Rothaut aus der Prärie, Wer an Lackstiefcln keinen besonderen Spaß findet, der trägt Strandschuhe, ohne deshalb an seinen durch die Kurkarte verbrieften Terrassenrcchtcn: etwas einzubüße». Und wer aus einen Hut keinen Wert legt, der wandelt nach der neuesten Mode ehrbar mit gemessenem Schritt, wie die Pilger im Turmhäuser, barhäuptig daher.
Dort sitzen mehrere Herren im Smoking, Der weiße Stehkragen sticht glänzend ab vom leichten Mokkoleint der Haut und den seidenen schwarzen Bärten, Es sind Landsleute von^ Ra- bindranath Tagorc: Ein indischer Nabob, der daheim über Schatz- kanKncrn von Brillanten verfügt, mit seinen Begleitern, Tic Maharadjas vom hcitigcn Ganges sind seit ^Jahren Gäste des -Bades, Auch Südamerika stellt in dieser Saison wieder ein reiches Kontingent von Planlagcnbcfitzern, welche daheim über ungezählte Rindcrhcerden kommandieren.
Es ist Theater- und Konzertpause. Am Nachmittag Iwttc Elizabeth Duncan mit ihrer Elscnschar vor dem Groß- herzogspaar, den bessischcil Prinzen und Fürstlichkeiten und einem eleganten Publikum eine Vorstellung zum Besten des Roten Kreuzes gegeben. Alle stehen noch unter dem Eindruck dieser ästhetischen Darbietung, Auf dem weichen knirschenden Kies wogt die Menge, Der grauköpfige^ Amerikaner mit dem scharsgeschnit- tenen Profil, das ivinzige Sternenbanner am Rockaufichlog befestigt: der russische Student in Akademiker-Unisorm; der Demi Elegant in zitronengelben Sfieseln, Dort hinten sitzen bekannte Größen aus der Welt der R'uiM: die Kammersängerin Lola B e c t h und der Dichter Hugo vonHofmannsthal. „wea- ncrisch" plauschend, Elegante Damen und zierliche Backfische in Hellen Toiletten geben dem Gcwoge ein futuristisch buntes Gepräge, An der Brüstung a der sitzen beleibte Mütter mit rundlichem Doppelsinn, dicke Brillanten an den Fingern, auf der Modelnd Menschenschau, Mit kril scheut Blick mustern sie. die vorbei-
bieten wird, eine entsprechende Aulwort zu erteilen, welche die Aufrcchtcrhaltung normal er und friedlicher Beziehungen ermöglicht, und rs würde keine Frist für die Erteilung der Antwort verlangt werden. Man müsse da her mit Ruhe und Geduld de» nächste» Tagen enlgcgeuschcn. Man müsse, ohne den Ernst der Situation zu verkennen, allen heuuruhigcnden Gerüchten, die über Maßnahmen bc richten, welche erst in jenem späteren Zeitpunkt nach einer unbefriedigenden Antwort Serbiens in Betracht kämen, mit aller Entschiedenheit als. stark verfrühten. Kombtnationc» cnlgegcntrcten.
Eine österreichische Note.
Wien, 22, Juli, Ter österreichisch-ungarische Gesandte Freiherr v, G i e S l übergab der serbischen Regierung, wie das „Neue Wiener Tageblatt" auS Semtin meldet, eine Note, i» welcher Beschwerde darüber erhoben wird, daß vor einigen Tagen serbische Gendarmen aus österreichische Unter- taucn, welche auf einem Kahn am Donauufcr landen wollten, geschossen haben. Nach der Note sind zehn Schüsse gegen die österreichische Grenze adgefeucrt worden: die Schüsse haben nrcht getroffen. Die serbische Regierung hat eine Untersuchung zur Bestrafung der Täter eingeleitct.
Eine Erklärung des Grafen Ltuergkh.
Wien, 22, Juli, Gegenüber einer Deputation der serbischen Nationalvartei in Bosnien nnd der Herzegowina, welche den lohalen Gefühlen der serbische» Nationalpartei des bosnlsäj-herze- gowiniichen Landtags Ausdruck gab, erklärte der Ministerpräfident Gras Stucrgkh, es sei gerade in dieser Zeit erfreulich, daß insbesondere der Landwirkschast treibende Teil der serbischen Bevölkerung von den schädlichen Einflüssen unberührt sei und seine korrekte lohalc Gesinnung und Haltung bestätige. Es wäre nicht Sache ruhig erwägender Staatsmänner, sür die Frcveltaten einzelner eine ganze Nation verantwortlich zu machen. Andererseits könne nicht geleugnet werden, daß das stuchwürdige Attentat in Serajcwo der Ausfluß einer unter mannigfachen Einflüssen stehenden äußerst staalsgesährlichen -Bewegung sei, welche für die Entwicklung Bosniens und im Rahmen der Gcsamtmonarchie einen bedrohlick«» Charakter aufweise. Wenn in Bosnien die kulMrellc Arbeit unter dem Zusammenwirken der Nasionen und Konsessioncn ausgenommen werden sollte, müßten die vorhandenen Schäden gänzlich ans Tageslicht gebracht und unnachsichtlich getilgt werden. Daran hätten in erster Linie die Vertreter jener Richtung innerhalb des serbischen Volkes in Bosnien und der Herzegowina ein Interesse, welche mit der Verwaltung Bosniens die Ueberzeugung teilten, daß Bosnien und die Herzegowina in der österreichisch- ungarischen Monarchie nichts minder endgiltig einverleibt seien als die übrigen unter dem Szcvter Seiner Majestät befindlichen Länder und daß jede nationale Bewegung, welche eine Verwirklichung ihrer Ideale außerhalb der Monarchie suche, gegen die Lebensintcrcsscn der Monarchie in strafwürdiger Weise sich vergehe.
Aus Albanien.
D u r a z z o, 22. Juli, Ter albanische Gesandte in Wien, Sureya Ben, ist gestern früh- aus Lalona hier eingetroffen und vom Fürsten in längerer Audienz empfangen worden. Der Gesandte setzte sodann seine Reise nach Wien fori, — Der Fürst stattete gestern an Bord des französischen Panzerkreuzers „Edgar Quinst" und des russischen ungeschützten Kreuzers „Terez" Besuche ab, — Tie Haupt sichrer der Rebellen sind Tschafer Tajar, der früher unter dem jungtürkischen Regime militärischer Gouverneur von Fpek und später unter Torgut Pascha bet dessen albanischer Expedition' Oberstleutnant w-ar, sowie Gjenach Beh, gleichfalls früherer Generalstabsofftzicr unter Torgut Pascha, und Selim Tema, früherer Gendarmcriekapitän Essad Paschas, — Die Vertreter der sechs Großmächte teilten gestern den Aufständischen mit, daß es' die diplomatischen Gebräuche nicht gestatteten, sich zu den Aufständischen nach Schiak zu begeben, doch
defilierenden Paare. Auch fehlt cs nicht an wohlbeleibten Männern mit „glatten Köpfen", wie sie Cäsar liebte. Sie geben dem Ganzen einen etwas böhmischen Kureinschlag, Die „Fülle" dieser Besucher in des Bortes körperlicher Bedeutung nimmt von Jahr zu Jahr zu. Sie sind die Pioniere und Schrittmacher sür die Nauheimer Trinkkur, welche sich in den letzten Jahren so lebhaft entwickelt hat und jetzt nach Fertigstellung der neuen Trinkkuranlagcn in weiterem Aufschwung bcgrificn ist. Es handelt sich um die beiden salinischcn Trinkguellen Kurbrunnen und Ka r l s b rnn n e n. Der elftere ist eine sehr stark kohlensäure- haltige- Kochsalzquellc, welche auf Magen und Darm wirkt. Der letztere wird bei Erkrankungen der Stimmorgane, sowie bei Luftröhren-, Kchlkops- und Rackwncrkrankungcn mit großem Erfolge getrunken. Dazu kommt noch der Ludwigsbrunnen, der bei Stoffwcchsclersiankungcn und Blutarmut sowie als Tafelwasser für Herzkranke genossen wird. Ein besonders erfrischendes Getränk sind auch der Schwalhcimer Säuerling und die Löwen quelle. Ein bekannter Norddeutscher Parlamentarier und ein noch bekannterer Berliner Bühnenkünstler kommen schon seit Jahren lediglich als leidenschaftliche „Genießer" der Trinkquellen nach Bad-Nauheim, Ter letztere verabschiedete sich triumphierend kürzlich nach beendeter Kur mit den Worten, daß er sich wiederum 10 Pfund in Nauheim „fortgcschminkt" habe,
Ter Wert des Bades läßt sich ani leichtesten folgendermaßen ermessen: Aerzte in Sanatorien, Krankenhäusern, Lazaretten rechnen nicht nach Kürzesten und Kuren, sondern nach „Vervslegungstagen", wie die fachmännische Bezeichnung lautet. So sollte cs auch bei Bädern sein! Eine „Nauheimer Kur" besteht durchschnittlich aus 5—6 Wochen, also aus etwa 40 Berpflegungs- tagen. Andere Bäder haben durchichnsttlich Kuren von nur drei Wochen, also von etwa 20 Derpstcgungstagen, Bei einer Fre- auenz von 35 000 Kurgästen ergibt dies eine Gesamtziffer von 1 400 000 Berpstegungstagen für Bad-Nauheim, Bei der gleichen Frequenz von Kurorten mit nur etwa 20 Berpstegungstagen ergibt die Gesamtzifier derselben nur die Hälfte, also 700 000 Vervstegungstage! Hiernach kann man nach ärztlicher Bewertung die wirtschaftliche Bckeukung Bad-Nauheims ziffernmäßig erkennen.
— Drahtloser Betrug. Auf eine Gefahr, die in der drahtlosen Telegraphie schlummert, macht ein Mitarbetter der in London erscheinenden „Electrica! Review" aufincrsiam. Als die „Titanic" umerging urrd ähnlich bei späteren Unglücksjällcn dieser Art, .gingen an verschiedenen Ausnahmestcllcn sür drahtlose Tclc-
scicn sie gerne bereit, die Wünsche der Aufständischen anzuhören, weshalb sie es für praktisch hielten, wenn die Aufständischen ihre Wünsche schriftlich mitteilen würden.
Tschechische Ausschreitungen.
Wien, 22, Juli, Dos „Neue Wiener Abendblatt" meldet aus M ü h r i s ch-O st r a u: Nach voilwrgegangcnen De- inonstrationeu versammelten sich gestern abend die Tschechen in Maricnberg nnd zogen nach Mährisch-Ostrau, Auf dem Wege zertrümmerten sie die Fensterscheiben der Friedhofs- lzallen und verwüsteten den deutschen Sportplatz, Auch im Roseggergarten in Marienberg ivurden sämtliche Fensterscheiben zertrümmert, Gendarmerie und Polizei waren sofort zur Stelle und trieben die Menge auseinander, die sich versammelte, aber immer wieder zusammenrottete,
Wien, 22, Juli, Eine Lokalkorrcspoudenz meldet aus W i i k o w i tz: Gestern abend kam es zu einem neuerlichen Zusammenstoß zwischen Tschechen und Deutschen, Polizei und Gendarmerie mußte die Streikenden trennen. Ein Teil der tsckzechisckcn Demonstranten versuchte die deutsche Schule ln Lberfranzental zu stürmen, wurde jedoch von berittener Polizei daran gehindert. Einige Demonstranten wurden dabei verletzt, mehrere verhaftet.
Ausstände in Ausland.
Petersburg, 22, Juli, Auf der Strandbahn hielten heute über 800 Streikende vier Werst von Petersburg entfernt einen Personenzug an und zwangen den Maschinisten unter Drohungen, ihn zu erschießen, die Lokomotive zu verlassen. Alsdann forderten sie die Passagiere auf, auszu- stcigcn, stürzten dann die Telegraphenstangen uni und versperrten das Gleis, Aus Petersburg ging sofort Gendarmerie und ein Truppcnkoinmando zum Tatorte ab. Ter Bahnoerlehr ist wieder hcrgesteslt. Jedem Zuge folgt eine Lokomotive mit einer Schutzwache,
R t g a, 22. Juli, Die Zahl der Streikenden ist auf 40 000 gestiegen -, darunter -befinden sich über 1000 Hafenarbeiter.
M o s k a u, 22. Juli, Der Straßenbahnverkehr ist wieder hergestellt.
Tiflis, 22.Juli, Ter Straßcnbahnverkehr ist infolge des Ausstandes des Personals eingestellt.
poincare in Petersburg.
Petersburg, 22, Juli, Präsident PoincarK hat in Kraßnoje Sselo an einer Truppenschau teilgeuommen. Der Kaiser ritt die Front ab, der Präsident folgte mit der Kaiserin und den Großfürststruen-Töchtern im Wagen, Später fand im Palast des Großfürsten Nicolai Mcolatowiksch ein Diner statt, an dem die Majestäten, der Präsident und die Minister teilnahmen. Darauf wohnte Präsident Poincgrö einer Ätr- stellung tm Theater von Kraßnoje bei.
Vcutidf» 75cid».
Für die Reichstagsersatzwahl im 12. badischen Wahlkreis Heidelberg-Eberbach haben die Nationalliberalen den Karlsruher Landgerichtsdirektor Tr. O b k i r ch e r aufgestellt, Ter Kandidat war von 1898 bis 1909 Mitglied der Zweiten badischen.Kammer und von 1908 bis 1910 erster Vorsitzender der nationalliberalen Partei Badens.
JndemBerichidessozialdemokratischenPar« teivorstandes an den Parteitag in Würzburg heißt es über die -Organisation: Tie schleck,te wirtschastlickü: Koniunktur der letzten Jahre hat ans unseren Mitglicdcrzuwachs hemmend gewirsi, Dre Steigerung, welck>e 1910 13 6, 1911 16,1, 1912 15,9 Prozent betragen hat, beziffert sich 1913 nur aut 1,3 Prozent. Wesentlich günstiger, wenn auch nicht beftiedigend ist der Mstgliederstanü
grathie Meldungen ein, die sich später als falsch herMisstellten. Ganz kürzlich hat sich ein Fall dieser Art ereignet: es wurde drahtlos geiticldct, der amerikanische Dampfer „Siberia" sei im Sinken in der Nähe der Küste von Formosa. Diese Nachricht wurde geglaubt. Bald darauf aber meldete der Dampfer selbst auS Manila, er fei vollkommen unbeschädigt nnd setze seinen Weg fort: außcrdeni sei er nicht näher als 160 Klm. an die Küste von Formosa herangckonrmen. Man forschte näher nach und es stellte sich heraus, daß der Dampfer für acht Äiillionen Mark versichert war. Die drahtlose Meldung, an der der Dampftr völlig nnbcteiligt war. war eine Fälschung, und die „drahtlosen Fälscher" Hallen durch ihren Betrug eine für sic günsttge Konjunktur auf dem Versichciungsmarktc hervorgeruscn. Es war ihnen wirllich gelungen, dabei Geschäfte zu nmchen. Ganz abgesehen davon, daß Dampfer nach der angeblichen Unglücksstclle zur Hilfe geeilt nnd die Angehörigen der Schiffsbemannung und der Fahrgäste ganz unnüsig in Sorgen versetzt worden sind, haben cs die drahtlosen Betrüger also verstanden, eine Menge Geld zu ergaunern, und die Wiederholung dieses „Geschäftes" ist nach der durchaus richtigen Ansicht des englischen Fachmannes ziemlich leicht für einen Verbrecher, der über die genügende Vorbildung versügi. Wenn er sich unter dem Schutze der Nacht etwa mit Hilfe eines Drachens eine genügend lange Scnde-Antcnne herstellt, kann er nach Herzenslust falsche drahtlose Meldungen in die Welt senden, die ihm Vorteil verschaffen, wenn sie als echte hingcnom- men werden, Nachzuweisen ist ihm der Betrug nicht, denn man kann höchstens durch eine Umftagc bei allen bekannten drahtlosen Sendcstcllen erfahren, daß sic die ftagliche Meldung nicht abgc- sandt haben. Noch verhängnisvoller können solche drahlwse Meldungen zu politisch gespannten Zeiten werden, die Leute, die im Trüben fischen wollen, geschickt auszunutzen. Sofern man nicht eine dralfilose Chiffreielegraplne einsühri, Hai dies modernste aller Vcrständtgimgsmittel neben dem Vorzug, daß seine Meldungen nicht an der Erreichung ihres Zieles gehindert werden können, den Nachteil, daß die Wsendnng falscher Meldungen durch Unberufene kaum zu verhindern ist,
— Kurze Nachrichten ans Kunst und Wissen- schalt. In W i l m e r s d o r s ist Wirll, Geh, Oberbaurot V o i a- t e l, der frühere Chef des Militärbawvesens. im 81, Lebensjahr gestorben, — In Wien ist der Lehrer des römischen Rechts und Mitglied des Herrenhauses Karl Czyklerz gestorben.
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