Nr° *67
Erster Blatt
s64- Zahrgmrg
ietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Montag. 26 M lW
Der Siehener Anzeiger
erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal luodieutltci)
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monatlich 75Pf., viertel» jährlich Mt. 2.20; durch Ab hole- u. Zweigstellen m >natlich 65 Pf.; durch die Post Dir. 2.— viertel- fährt. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. BeranNvortlich für den polit. Teil: Allg. Goetz: für „Feuilleton", „Vermischtes" und„Gerichls- saal": Karl 9teuralh; für .Stadt und Land"
Rumäniens schwankende Haltung.
Unter der nicht gerade geringen Anzahl von Balkan- Problemen, die trotz aller offiziellen Anstrengungen nrrd geheimen Inkriqen der Großmächte noch rmmer den armen Staatsbürger in schrecken jagen, ist — so seltsam es auf den ersten Blick auch scheinen mag — das größte und rätselhafteste dos rumänische. Ob' Serble». 'Bulgarien Montenegro oder Griechenland sich offenkundig zu der oder ,ener Mächtegruppe schlagen, ob selbst die' Türkei ihre Kräfte an die Entente oder die Allianz bindet — das große europäische Gleichgewicht wird dadurch nicht berührt Anders aber steht es mit Rumänien. Das »stnigreich Iku bisher in engster Mtlitarehe mit Oesterreich gelebt. Alles, die ganzen Aufmarsch. Angrisss- und Bcrteidignngsplänc des Drei Hundes waren bis vor wenigen Monaten auf die M i l - Wirkung der rumänischen Armee cingestelll, die die direkte Flanke des Dreibundes gegen Rußland deckei, sollte und offenbar .zur Entlasttrng der österreichischen Äk mm zu einem Lorstos: aus Odessa bestimmt ivor Run plötzlich, nack, dem Frieden von Bukarest, l>ot sich das Bild geweht. Die rumänische Regierung hoi, nachdem die Tc- inenliermasch,ne die Welt mit der Erklärung iiberraschte, es habe sich nichts, auch nicht das geringste, an der Lage der Dinge geändert, in verschämler Form doch endlich zu geben müssen, daß sicl, alles mögliche geändert hat,
Rumänien lvill nicht gebunden sein; es will sich alle Frccheiten der Wahl selber Vorbehalten, hieß es damals zuletzt. Es kam der Zarcnbesuch und es mehrten sich die stimmen, die nicht nur von einem Mrücken von Ocstcr- rerch-Ungarn, sondern sogar von festen Abmachungen mit Rußland wissen wollten. Die Dardanellensrage, hieß es, sei für Rumänien «in Lebensbedürfnis und cs könne nicht von neuem mit Möglichkeiten rechnen, die Meerenge — wie im ersten Balkankricg — für seine Ofc'trciboausfufrr auf Wochen und vielleicht aus Monate hinaus gesperrt zu sehen. Die Dardanellen seien der einzige direkte 'Weg zur großen Handelsstraße der Völker. Die Macht nun, die von ganz den gleichen Erwägungen heraus die Oefsnung der Dardanellen fordere, sei einzig und allein Rußland. Also sei natürlich, daß Rumänien sich an die Seite des „großen Bruders" stelle, der sicherlich, ivenn auch nicht heute oder morgen, die lvtacht haben würde, seinem Wunsche (Geltung zu ve»sct>aiscn. Es kam dazu daß die durch den leichten Erfolg gegen Bulgarien erhitzten Chauvinistenkreisc ihre Blicke ncul, der Rordscite des siebenbürgischen Grenzgcbirges wandern ließe», wo unter Ungarns Adreaskronc Millionen von „unbesreiten" Brüdern wohnen. Ein enges Verhältnis zu Oesterreich verhinderte von vornherein diese Hoffnungen und Pläne, eins zu Rußland gab alle Perspektiven . .
Körrig Earol selbst ist indessen von jeher ein viel zu nüchterner Realpolitiker gewesen, um sich aus
Abenteuer und Useriosigkeiten einzulossen. Aber
auch er kann, siehe zweiter Bolkankrieg, , nicht immer wie er lvill. Er hat heute mit einer vorwärtsdrän- genden Lolksstimmung zu rechnen, der der Sinn für das wirklich Erreichbare vollständig fehlt, lhanz klar ist vor den Kulissen des großen Weltlheaters die neue Stellung Rumäniens bislier nicht geworden und cs scheint fast, als ob man selbst i» den^ Acnitern der Treibundstaateii nicht imstande wäre, den Schleier der europäischen Sphinx zu lüsten. Immerhin — mit der Möglichkeit muß gerechnet werden, daß die nicht mehr imKDrcibnndlager marschierende rumäiiischc Armee mit der Front nach Norden da-
ltehen würde Das hat dre verhängnisvolle Folge, daß nicht nur auf die Hilfe von der unteren Donau nicht mehr ge- rechnet werden kann, falls ein Konflikt mit Rußland ausbricht, sondern daß auch mindestens t österreichische Ar- meckorps in Siebenbürgen und der Bulowina gebunden ivärcn — eine unter Umständen verhängnisvolle Schwächung der Toppelmonarchie. Die Bluttat von Serajewo ist inzwischen geschehen und der österreichisch-serbische Konflikt nähert sich seinem cntscheidenden Stadium Da plötzlich beißt es wieder an Wiener diplomattschen Stellen: König und Thronfolger in Bukarest sind aufs ttefstc entrüstet. Auch die Stimmung im Volke (das erst vor kicrzem Feuer und Flamnic für Serbien roarj ändere sich rapide. Man rücke energisch von Serbien ab und man erinnere sich jetzt auch — spät genug! — des großen geliebten Franz Ferdinand, der »ein so inniger Freund der ungarischen Rumänen und des Königreichs dazu gewesen lei. Man kommt plötzlich darauf, daß nach einem Zeriall Oesterreichs auch Rumänien wehrlose Beule der panslawistischen Aasgeier sein würde Dazu kommt die Wiener Meldung, man sei in Lien fest überzeugt, daß bei dem bevorstehenden Sälritt in BelgraL :>iuinä»icn sich „streng-korrekt und neutral" verhalten würde.
Ist das nun ein Versuchsballon, den die Schachspieler am Ballhausplatz gegen den Garanten des Balkanglcich- gewichts aus eigenen Gnaden abließen, um ihn zur klaren Stellungnahme wenigstens in dieser abgetrennien Angelegenheit zu veranlassen, oder sind schon Versicherungen ergangen, denen das beruhigte Burecru in ßlicn auf diese Hirt den Weg in die Oessenklichkeit srcigibt?
Selbst wenn diese Versicherungen aber auch erfolgt sein sollten, das europäische Rätsel, ist irotzdem nicht gelöst und die Oesfentlichkeit har eigentlich ein Recht darauf, zu erfahren, wie sich Rumänien in einem zukünsttgcn Konflikt zwischen Oesterreich und Rußland, zwischen Dreibund und Dreiverband verhalten wird. Bis jetzt ist diese Frage noch ungeklärt....
Aus Albanien.
Dnrazzo, 17. Juli abends. Die Briese der Aus- ständischen an die Gesandten Italiens, Rußlands, Englands und Frankreich? sind heute Mittag überreicht worden. Sie find ehrerbietig abgesaßt. Die Aufständischen bitten darin die Minister, niorgen bei der Zusammenkunft in Schial zu vermitteln, ivo die Aufständischen ihre Wünsche kund tun, >nn unnützes Blutvergießen zn vermeiden. Tie Gesandten traten zu einer Besprechung zusammen und beschlossen, die Gesandten Oesterreich.Ungarns und Deutschlands von den Wünschen der Aufständischen in Kenntnis zu setzen, sowie den Aufständischen anheimzustellcn, auch den Vertretern der übrigen Mächte solche Briese zu senden; dann erst werde man eine Entscheidung treffen.
Paris, 18, Juli, Der „Liberlö" wird aus Durcrzzo gemeldet, daß von den für den Fürsten rckriitiectcn 800 Gcn- darmcn 600 mit Sack und Pack desertiert sind. Man habe dieser Tage in aller Eile eine ans zwölf berittenen Gendarmen bestehende Leibwache für den Fürste» zusammengestellt. Vier dieser Gendarmen seien sofort nach Enrffsang der Pferde im Galopp in das Lager der Aufständischen geritten.
Dnrazzo, 18, Juli. Die Anfftändischen haben eingewilligt, auch mit den Gesandten Deutschlands und Oester-
reich Ungarns zn verhandeln. Sie sandten ihnen Br,eie. in denen sie eine Zusammenkunft für den 22. Juli Vorschläge,, — Fürst Wilhelm besichttgl - gestern abend sämi- lrchc Geschützabteilungen, um auch g, uclzzeitrg für die ncu- angekvmmcnen Gebrrgsgcschütze entspccchcnd günstige Positionen scstzustellen. Da sich der Fürst bei dieser Gelegen Herr an de» Bildhauer Gnrschncr wandte, um dessen Meinung über die Geschützpositionen zu hören, fühlte sich der anwesende vcrantworilichc Artilleriekommandant, der holländische Hauptmann Fabius, zurückgesetzt und überreichte seine Demission.
Baiona, 18 Juli. Hauptman» Ghirardi ist mst achl- hundcrt Freiivilligcn und zwei Maschinengewehren nachts aufgebrochc», um gegen die Aufständischen zu marschieren, die jenseits des Wosictzaflusses lagern. 'Aus deni Innen, des Landes treffen beständig Flüchtlinge ein. Die Stadt ist ruhig. _' _
Aus Mexiko,
Mexiko, 18, Juli. Das diplomatische Korps ließ heute durch seinen Dopen, den spanischen Gesandten, den neuen Präsidenten Earbajal im Nationalpalast begrüßen. Der Gesandte gab in seiner Ansprache der Hoffnung Ausdruck, daß Mexiko endlich den, Frieden sich nähern möge, den das divlomatischc KvrpS ernstlich ersehne und der für Mexiko nötig sei. Der Präsident erwiderte, ec versichere das diplo- piatisch« üorps, daß er keine Muhe scheuen werde, das vatriotische Ziel zu verwirklichen, daß der Frieden in Mexiko bergcstellt und infolge davon die Bereinigung aller Mexikaner durch gesührt ivcrde. __
Die deutsche Presse in Paris.
Tic Pariser Vertreter der deutschen Presse haben aus Anlaß der gegen einzelne deutsche Vertreter gerichteten Angrissc der .Herausgeber der „Autorits" folgende Erklärung erlassen:
Die Vertreter der deutschen Presse in Paris sind gegenwärtig einer in der Geschichte des Journalismus ganz neuen Verfolgung ausgcsctzt. Ein Pariser Tagesvlatt hat die Verurteilung Hcmsis driffch das Reichsgericht zu einem persönlichen Feldzug gegen die Pariser Vertreter derjenige» deutschen Blätter benutzt, deren Haltung gegenüber Frankreich dem betreffenden französischen Blatt nicht Aejällt. Dieses Blatt, das in Opposition siebt zur sranzöjiichcii Republik und deren Regierung, droht tagtäglich, die Vertreter dieser deutschen Blätter aus Frankreich hinauszu» jagen, auf jede Weife, selbst mit gewalttätigen Mitteln. Tie Herausgeber dieses Blattes haben zunächst Ducllsordcrun- gen erlassen und wir wissen nicht., wie weit sic in der Ausführung ihrer Drohungen gehen werden.
Es ereignet sich zum ersten Mal^, daß in dieser Weise versucht wird, gegen die Bcrtreier der Presse im Ausland« persönliche Repressalien zu üben. Die Vorstände der drei Vereine ausländischer Journalisten in Paris liaben es deshalb auch für nöttg erachtet, die jetzt allein bedrohten deutschen Journalisten zn unterstützen, denn dieses Ber- sahreli tonnte morgen gegen die journalistischen Vertreter einer al,deren Nation ebenfalls angewandt werden. Die französische Press» hat sich, nue fcsigeskcllt sei, im allgemeinen neutral verhallen.
Wir selbst sind außerstande, uns gegen eine derartige individuelle Verfolgung wirksam zu verteidigen, nicht nur, weil wir als Deutsche in Paris wegen politischer 'Keie nungsvcrschiedeilheiten keinen persönlichen Zant mit der
Siejjener Zreitichtbühne.
Ter Pfarrer von Kirchseld.
Gießen, 20, Juli.
Bor bald einem halben Jahrhundett erschien Anzengrubers „Pfarrer von Kirchseld" zum ersteninal aut der Bühne und errang damals einen Erfolg, der gewiß auch den rein dichteriichcn Werte» des Stückes galt, im Grunde aber doch durch seine leidemcktzist- lichc politische ^tcllungnalnne zu erklären lvar. Man überiah zwar schon danials inchl, daß der Schwerpunkl der ganzen Handlung, die Umtriebe der orthodoxen Gegner, hinter die Bühne ckkhilcgt lvar, und man verhehlte llch auch nicht, daß der Ansgongl schließlich nur durch ein paar Klatschbasen hcrbeigcführt wird, aber die Kraft und das blulwarmc Gefühl des Dichters, der mit dreister Faust mitten in die Probleme der Zeit gegriffen hatte, überwand auch den stärksten Widerioruch und setzte sich siegreich durch.
Und wie damals, so überwältigte das Stück auch am Samstag aus der Freilichtbühne, obwohl man nicht sagen kann, daß es eine mustergültige Wiedergabe gesunden hat. Außer Frl, ^ i c t: ner errüllie in den größeren Rollen niemand völlig seine Aur- gabc und bot etwas wirklich bedeutendes, Herr Steinhoscr gab nicht den Pfarrer.Hell, wie man ihn von Anzengruber her kennt. Es war nicht der wegsichere Alaun, wie es aus seiner Unterredung mit dem Grasen Finsterberg hervvrgeht, nicht der geliebte Fübrer seiner Gemeinde, sondern ein schwärmerischer und etwas phantastischer Jüngling, der mit hilflos verschlungenen Händen seinen Gedanken nachhängt, ES war nicht der Mann, der sich unter einem inneren Zwang zur Anna gewaltsam hingedrängt sülch. sondern mehr ein Liebhaber, der ein Gcbändct sucht. Aber das ist schließlich nicht seine schuld, denn Herrn Sleinhorers Talent neigt entschieden nach einer anderen Seite als der des Pfarrers von Kirchseld, Es sei aber nicht verschwiegen, daß er auch enrige bedeutende Stellen hatte, wie z. B. die Unterredung mit dem Grasen Finsterbcrg, das zweite Zusammenttessen mü dem Wurzelsepv u, a, , ^ _
Eine feine und gute Lkiltung gab ,rrl. Ltcttner als Anna Birkmeier. Das zarte 2lustcimen ihrer liebenden Vercbrunq iür den Geistlichen, die ganze Skala eines reichen EmvnndnngslehenS brachte sie sehr glücklich zun, sllu-Liruck. Dabei itand sie mit ihrer robusten Gestalt so krästig und selbstverständlich im Raum, daß nran sich kaum eine bessere Darstellung de.iken kann, denn was man sanft an Bauernmädchen aus der Bühne sieht, dar imd meistens dünnhäutige, nervenschwache Geichövse, die mit Uwrr Blutarmut jede Illusion zerstören. Der W u r » c l s e v v des Herrn Dworkowski war eine prächnge Figur, aber mir dem eigentlichen Wurzelier-V Anzengrubers hatte sie wenig zu tuu^Er loll ein stiller, verbitterter Mensch sein, der mit kauernder ^-emut dem Pfarrer gegenüber tritt, denn io heißt es metz nach . ^Herr Dworkowstr hat dar Gegenteil daraus gemacht, einen beweglichen
etwas toniödiantenhast agierenden Mann, der dem Pfarrer mit imoerschamter Frechheit gegcnüberltand. Auch die Art, lvic er der Anna bei seinem ersten Zusammentreffen den Becher bot, ober wie er gleich darnach um den Disch sprang, paßte nicht zu dem Charakter deS Sevv. Tic Schilderung dagegen, die er de>n Witt gibt, und die endliche Zerknirschung, mit der er vor dem Geist- iirben mchüttert in die Knie bricht, lvar ganz wundervoll und von Sackender Gttvalt. An sich nebenlächllch, aber doch störend war es, daß dieser csepv, der seit Jahrzehnten im Gebirge herumläuit, so blendend weiße Kniec hatte. Bescheiden und schlicht isrn der Pfarrer von St. Jakob, den Herr Schubert spielte: ein lieber guter Mann. Sein Finsterberg hatte meiner Ansicht nach einen scharfen Stich ins Ostelbiiche. Eine liebe dabei stattliche Haushälterin verkörperte Frl. Frenzel. Voll übcrjchüumcndcr »rast steckte der Michel des Hemn Höcker, Eül putziger Lehrer lvar Herr Ulrich, mur sehe üb keinen Grund, aus diesem obzwar sanattschen aber doch ehrlich überzeugten Mann eine Kaspar Hänncsckien- st-igur zu mmhen. Auch die Dilettanteu hielten sich recht wacker. lBesonders zu erwähnen wären die Herren Branda» als Wirt und Lotz als Loisl. Unangenehm berühtte die Teilnahmlosiglcit der Statisten bei der Bekanntgabe der obrigkeitlichen Verfügung: sic standen da, als ob sie die ganze Sach.' gar nichts «»ginge.. Die Musik wurde von den Herren Fr. Bauer jr„ Frey, Hanau und v, Grolman ausgesührt. Frl. Suey Tunbar erwies sich als eine tüchtige Harmonlkaspieleein und Herr Ger- hart als ein angehender Meister des Harmoniums. Wenn man allerdings die Kürze der Zeit überlegt, die für die Proben zur Bcr- iügung stand und die nick» unbedeutenden Schwierlgieiteu, die sich einer Freilichtaufführung des Pfarrers von Kirchseld emgegen- stcllen, dann muß man die Aufführung, die von Herrn D w o r - ko WS kn geleitet wurde, immerhin als recht tüchtig anerkennen, und die Zuschauer kargten am Schlüsse auch keineswegs mit ihrcnl
Bestall,
Störend wirkte es aus mich ein, daß nicht das geringste getan war, um die Szenerie ein wenig zn verändern, beispielsweise durch einen .ßaun oder dergl. So wurde man beständig an die versunkene Glocke erinnett, auf die nun einmal die Bühne zu- geschnitten ist, ^ ■
Neue Funde auf dem Römerlasteg Nhemgönheim.
Man schreibt uns: Die inr Jahre 1912 im Aufträge des Historischen MuseumS der Pialz begonnenen A-usgrabungen im K a st e l l der Römer st adl Rheingönheim de i L n d w igs- Hasen waren in letzter Zeit von großen Ersolgen gekrönt. In erster Linie erstreckten sich die Schürfungen auf das inr Jahre 1911 entdeckte römische Erdkaslell. Nacki Mrtteckungell des Schriftführers vom historischen Museum der Pfitlz bildete dieses Festungswerk, das etwa vom Jahre 40 n. Ehr. an dis 74 ständig emc Besatzung
gehabt hat, ein wichtiges Glied in der Reihe der von den Römern längs des linken Rheinufers von Straßburg bis Mainz errichteten Kastelle, einer Grenzbefestigung, welcher die Aufgabe zufiel, die römische Provinz links des Rheines gegen Angriffe vom rechten Rheinuser her zn schützen. Die ganze Anlage ward allsgegeben, nachdem es im Jahre 74 den Römern gelungen war, die Angriffe vom Ueberrhcin zlirückzuweiseil und daraufhin sogar auf dem rechten Rhcnmser festen Fuß zu fassen. Eine älmlicbe Reihe von Kastellen entstanden nun im eroberten Gebiete rechts des Rheins. Den Zweck des Kastells bei Rheingönheim halte von da an drüben das Kastell bei Ladenburg zll erfüllen: das e>llfprcche,lde lillks» rheinische Werk dagegen ward dem Verfall überantwortet. In- dessen scheint diese Verschieblnlg der Grenze und der Vertcidtglmgs- (uitc die Niederlassung beim heutigen Rhemgönheim durchaus nicht nachteilig berührt zu haben: die Ausiedlung blühte lveiter, ver- größerle sich und bestand sicher noch einige Jahrhunderte nach Ausgabe des Kastells, vielleicht ebenso lang, als sich überhaupt Römer aal germanischem Boden befanden. Jedenfalls war der Ort stark bevölkert; denn man konnte außer dem jetzt in der Turchforschnnq begriffenen großen Friedhof schon ein z,veiles Gräberfeld fest- stellen. Der Leiter der Ausgrabungen, Dr^ S p ra ter,
glaubt sogar, die von Ptolemäus erivähnte ctadl Rufiana gelinden zn haben. Tie Ausbeute im vauptsriedhof der
Römerstadt bestand hauptsächlich in Bromegeraten, Waffen und Rüstnngsteilen. Schmllck, Kinderspiclzeug. Lämpchen, Glas- und Tongefäßen. Tie Zahl der gefundenen römischen Urnen verschiedener Form und Größe gehl über 200. Allerdings waren bte Tongcfäße sämtlich durch die Last der Erde zerdrückt; doch konnten die Scherben vollzählig gesammelt und in der Alnseumswerkstätte ivieder zu Urnen und Amvhoren zusammengesetzt werden. Zu den bemerkenswertesten Entdeckungen nn Friedhof der Römerkolonie gehören drei vorgeschichtliche Grabstätten, die zerstreut zwischen den Reihen der röntijchen Bestattungen in envas tieferer Lage angetroffen wurden. Tie Knochengefäße verweisen ja in die La Tene-Zeit, in die Hallstatkzeit und sogar zurück bis in die jüngere Steinzeit; es sind also da nicht weniger als drei verschiedene vorgeschichtliche Kulturstufen vertreten. Durch einen Wohllstätteniund, ein Geiäß der reinen Bronzezeit, ist noch eine vierte Stufe bei Rheingönheim sestgestellt worden. Das größere Gesäß bat Keffeliorin und außen in halber Höhe der Leibung vier gleichmäßig verteilte Ansätze; das kleinere Gesäß ist durch seine eigenartigen vertieften Zierate und ein im Zickzack ringsum lausende.' Bandmuster bemerkenswert. Das Borkoninren dieser Verzierungsweise an Gesäßen ans Stein» zeitgräbern Süddemschlands gehört zn den größten Seltenheiten. X
— Kurze Nachrichten auS Kunst und Bisse»- s ch a s t. Nach langem Leiden verstarb der Professor für Volkswrri- schafr an der Technischen Hochschule zu Dresden, Professor Robert Wuttke, in einer 2>reSdener Klinik.


