Ausgabe 
15.7.1914
 
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JVtrfarfiimiijir von H. Saro. Da>s G. (letzte) Abvmn un ntS - Jfimjrrt bring« un-< einen Operetten M>e»t>.

** Eine (SV<ri<titi«cntf<beii>Tinfl über Schul vr r« f äuimtttf, tue für wate jfreife iu>» Sfrtnattiutg fein dürfte, lonrde Win ÖVrlmer tfoiianetgendM gefällt. Ern Familienvater W. Halle fernen srebeinäprrgeii >->ohn an vier Tagen nicht zur Schule ge- schickt, tr> er Mc,uäü»h infolge der vom Lehrer erlzallenen Schläge nicht sifre» konme. ^Während das Schöffengericht A. freisprach, venrrteüte itm die Straffannner ju einer Gelbstrafe, iveil W. Uubescugt seinen Sohn ans der Schule zurückbe- halten habe. Der Lehrer sei befugt, den Knaben zu züchtigen, doch dürfe die Züchtigung nie in Mißhandlung miSacleu. Diese Entscheidung focht W. durch Revision beim Kammrrgericht an und betonte, sein 'Sofm sei Dom Lecher arg nnßkzandelt morden. Das .tfannnergericht lvirs die Rechsion als nnbegrüirdet zurück. fstacb den für den Strafrichter maßgebenden Grnndsätzeu därse eine Verurteilung der Eltern wegen cschulversäununs scher Kcicdec nur erfolgen, meun chneir irachgeroiefen werde, daß sie aus Nach- läffierfeit vertämirt haben, ihre selnüpflichtigen Kinder zum Sckml- besuch anKuhakten. Daher müsse einem Vater die von ihm ausge­stellte Behauptung, daß sein Sfinti infolge von Krankheit die schule nicht besuchen konnte, im gerichtlichen Strafverfahren widerlegt Imrröen: wegen unzureichender oder nicht rechtzeitiger Entschuldi­gung der Schulversäumnis könne eine Verurteilung nicht eintreten. Vom Vater könne auch in der Regel nrchr verlangt werden, dcrl; er seine Unschuld durch ein ärztliches Attest nachUveise. Vorliegend sei aber seshrestellt worden, daß an dem Knaben keine Spuren von Mißhandlung zu finden waren. Der Vater hätte daher fernen Sohn zum Besuch der Volksschule anhalterr müssen.

** Pvstscheckverkehr. Ter baraesdlofe Zablungsaus-- glefch zwischen den Postscheckämtern in Berlin, Breslau, Köln, Frmikfurl >Marn), Hamburg, Hannover, Karlsruhe Badens, Leip zig und den Abrechnungsstellen der Reichsbank hat sich auch im 1. .Halbsahr 1914 erfreulich weiterentwickelt. In den Ahreckmungs- verkehr gelangten über 300 000 Schecks im Betrage von rund 2,6 Milliarden Mark

Landkreis Mienen.

Winnerod, 13. Juli. Gestern fand hier ein B olks sest statt, das die Ortsgruppen Gießen, Marburg, Grünberg und Nauheim des Wandervogels beschickten. Schon am illbend zuvor waren in Bersrod, Saasen, Lindenstrnth und in Winnerod das Hauvlguartier, Horden des Wandervogels jn gewohnter. an ivruchsloser Weise, auf Stroh eingnartiert. Tie Vorführungen am Sonntag batten ^hinderte von Menschen zusammengelockt Kafper- thcaler, HonS-Sachs-Sviele, Turnerei, Reigen und Singen, lauter echte dörfliche, leider rast ganz vergessene. Kurzweil ersreute sung und alt stundenlang. Bon Herzen klang beim Scheiden der Wander­vögel : Kommt nur wieder, ihr seid uns liebe Gäste.

Kreis Lauterbacb.

R. Reichlos, 14. Juli Ein hiesiger Landwirt war bei den Manövern im vorigen Herbst von einem Truppenteil zum Gepäckfahren aufgesordert worden. Ans dem Heimwege vom Ma- növerielde tam sein Pferd infolge des Hufbeschlages, der unbedingt vor Beginn der Fahrt hätte erneuert werden müssen, aus der Landstraße ,u Fall und zog sich eine schwere Verletzung am Vorder­bein zu. Trotz längerer tierärztlicher Behandlung konnte das Pferd nicht mehr zur Arbeit verwendet werden und wurde schließlich geschlachtet. Der Landwirt machte alsbald nach dem Unfall die Militärverwaltung für den Schaden haftbar, da ihm keine Zeit zum Beschlagen seines Pferdes zwischen Aufforderung zur Gepäckfahrt und Abmarsch zur Verfügung stand. Tie Militär verwalning lehnte zunächst eine Entschädigung ab, da wahrscheinlich ein eigenes Verschulden des Fuhrmanns Vorgelegen habe. Ter Landwirt gab sich aber mit diesem Bescheid nicht zufrieden und so wurde die Sache dem Kriegsminrsterium zur Entscheidung vorgeleqt Nachdem setzt fast ein .Fahr feit dem Unfall verstrichen ist, erhielt der Fuhrmann nunmehr den Betrag von OOO Mark onsbezohlt. Das Pferd hatte vor dem Unfall noch einen Wert von etwa 899 Mark und wurde für 70 Mark an den Roßschlächter verkauft.

Kreis Friedbera.

t. Büdesheim, 14. Juli. Zu dem gestern berichteten Unfall beim Kirschenpflücken wird noch folgendes gemeldet: Heute fand durch das Amtsgericht Vilbel die Sektion der Leiche des verunglückten Schmidt statt. Es wurde hierbei festgestcllt, daß der Verstorbene 10 Rippen gebrochen und Bluterguß in das Gehirn stattgefunden hat. Ob den Führer des Fuhrwerks Schuldf an dem Unfall allein die Schuld trifft, konnie bis setzt noch nicht bestimmt fest­gestellt werden.

Starkenburq und Rhcinhessen.

rb. Darmstadt, 14. Juli. Für das große Krieger­fest, das vom 18.20. Juli von den sämtlichen zehn Tarmstädter Krieger- und Militärvereinen hier im Grvßh. Orangeriegarten reranstaltet wird, macht sich auch in den auswärtigen, der Krieger- kameradichaitHafsia" angehörenden Vereinen reges Interesse lund. Es haben sich bereits etwa 100 Vereine n. a. auch aus Gießen, zur Beteiligung an dem großen historifchen Festzug an qemeldet, der am Sonntag, den 19. Juli, nachmittags 2 Uhr, durch die Stadt nach dem Festplatz ziehen wird.

Hessen-Nassau.

fl Marburg, 14. Juli Einer der beiden Einbrecher, denen es kürzlich in Gladenbach, nachdem sie den Efendar- meriewachfmcister Greiling durch einen Stich unschädlich gemacht hatten, gelang, die Flucht zu ergreifen, tvurde in Koblenz ergriffen und ins hiesige Unfersuchungsgesangnis cingetiefcrt' Der Verlsaffcte nennt sich Fritz Meyer und stammt aus Witten. Nach dem dritten Gauner toird eifrig gefahndet.

X. Hanau, 14. Juli. Im benachbarten Enkheim ist in den letzten Tagen das Ist. Verbandsfest des mitteldeutschen Schützenverbandes abgehalten worden. An diesem haben sich insgesamt 228 Schützen beteiligt. Eröffnet wurde es mit dem K o n k u r r e n z s ch i c ß e n um die 20 Ehrenfterne. Für die neue Rundlcheibe war als Bedingung festgesetzt: 30 Punkte in 15 Minu­ten. Ten 1. Preis erzielte von 43 Teilnehmern PH. Rieth in Bieber, der die vorgeschriebenen 30 Pimkte in 5 Minuten 35 Sek. erreichte. An fünf weiteren Tagen wurde das Konkurrenzschießen aus alle Scheibengattungen fortgesetzt, die Leistungen waren hervor­ragend. Aus der Meiftecicheibe war erster Sieger H. Hummel aus Bad-Nauheim mit 58 Ringen, der auch die erste Vollkarte, 250 Ringe mit 15 Schuß, erringen konnte, sowie die Meister- schastskane 488 Ringe mit 30 Schutz. Aus die Festscheibe errang A. v. R i e s s e l - Offenbach a. M. den 1. Preis.

vereinsnachrtchten.

A Mücke, 13. Juli. Die Gemeinde Merlan feierte ein Doppelfest: Ter Krieqerverein beging sein 25jähriges Stif­tung s i e st und die Gemeinde verband damit die E i n w e i h u n g des neuen Schulhau f es. Inder Weiherede gedachte Pfarrer S f c b e r t der Geschichte Merlaus, das einst der Sitz eiiws Burg- grasengeschlechts war. Kreissckmlinspektor Hufs und Kreisamt- mann Bl u m e r s sprachen als Vertreter der Kreisschulkommission Alsfeld. Die Pläne zum neuen Schulhaus hat Baurat Bert ent­worfen. Danach hielt der Präsident des Kriegervereins eine An­sprache und brachte da? Hoch aus Kaffer und Reich ans. Kreisamt- mann B l u m e r s überreichte die vom Großherzog verliebme Fahnenschlerse, Psarrer S i e b e r t toastete auf die Gemeinde Mer­lau und das schöne Hestenland. Fräulein Hörle übergab dem .Kriegerverein einen von den Jungfrauen gestifteten Fahnengürtel. Vorsitzender Baumann übergab an vier Gründer des Krieger - vererns Ehrenurkunden, nämlich an Konr. Schomber, Gg. Kratz, Johann Steinmüllcr und Wilhelm Heß.

R. Allmenrod, 13. Juli. Unter zahlreichem Fremdenbesuch wurde gestern das diesjährige Bezirksfest des Kriegervcr- einsbezrrks Lauterbach-Schlitz in unseren, Orte ab- >^halten. Als Vertreter des Kreises waren Krrisrat v. Werner

und als Bertreler des Präsidiums der Hassia, Bürgermeister Ritter von La »dach, erschienen. An dem Festzuge, der sich von 2 llhr ab durch die Ortsstraßrn nach dem Festplatze bewegte, nahmen 31 Vereine leck, darunter die OrtsgruppeJnngoeuksch- land ' aus Lauterdach mit 50 Teiluehbiern. Die Begrüßungs- aiisprache wurde von dem Freiherrlich Riedeselichen Forstwart Schnell, die Festrede durch Psarrer S ch o r 1 e m m c r - Friicb- dorir gehalten. Weitere Redner waren: Bürgermeister Rrlter- Laubach, der Bez» ksvorsitzende, Rechnungsrat Fließ -Lanterbach, Rechtsanwalt Scheer, Boriitzender des Rriegervereins Lauter- back> nnd Hauptlehrer Kinkel, Führer der Jungdeutschlanügrnvpe Lauterbach. Das Fest nahrn bei dem beißen Wetter einen recht durstigen Verlaus, so daß der Festwirt und vor allem die Brauerei ein gutes Geschält gemacht haben.

L. Friedberg, 12. Juli. Beim prächtigsten Wetter sand heute das Sommerfest des Evangelischen Arbeitervereins statt. Der Verein zählt über 400 Mitglieder. Das Fest war sehr gut besucht. Posaunenchöre des hiesigen Posaunenvereins erössneten es. Vor­standsmitglied Ungelenk begrüßte die Erschienenen. Dann fan­den Spiele usw. der Kinder statt, dazwischen Musikstücke der Musik. Psarrer Ritter hielt die Schlußrede.

A Ober-Rosbach, 12. Juli. Ein großes W e 11 e r a u e r Kriegervereinsfest, an welchem sich 40 Vereine von nah und fern beteiligten, sand heute in Ober-Rosbach statt. Zugleich feierte unser Veteranen- und Militärverein sein Fahnenwerl, f e ft. ^Die Bahnbehörde halte aus der Strecke Friedberg-Homburg zwei Sonderzüge eingelegt, um den Verkehr bewältigen zu können Der Feftplatz befand sich in der Nähe des Bahnhofs. Gestern abend ging eine Vorfeier voraus. Heute fand ein festlicher Umzug durch das geschmückte Städtchen statt. Auf dem Feftplatz begrüßte Vor­sitzender Welker die Gäste, Jungfrauen übergaben die neue Fahne und der Ortsgeistliche hielt die Weiherede, die in ein Hoch auf Kaiser und Reich ausklang. Als Vertreter des Kriegervereins- bezirks Friedberg Ivar der Bezirksvorsteher Rechnungsrat Dön­ges- Friedberg erschienen.

X Gladenbach, 13. Juli. Die Kriegervereine des Kreises Biedenlops, jetzt 83 an der Zahl, leierten am gestrigen Sonntag in unserem Städtchen das diesjährige B e r b a n d ssest.

wandern und Reisen. Räder und Zommersrischen.

** Vvgelsberger Höhenkl » b. Seine Juliwanderung ünterrrahm am Sonntag der V. H.-C. Gießen mit 45 Teilnehmern nach dem hohen Vogelsberg. Unter tundiger Führung durch den Vorsitzenden des Brudervereins Schotten, Apotheker e r i b a , ging es, nachdem das freundliche Kreisstädtchen passiert war, dem sogenannten Heckenweg, einem aussichtsreiehen Höhenweg, entlang zur Früdstücksrast nach Rudingshain Hinter diesem Ort begann der Ausstieg, der zuerst kräftig ansetzle, doch allmählich sich zu sanfter Steigung verringerte. Es war eine köstliche Wanderung, die teils durch den prächiigen Oberwald, teils über blumige Berg- wresen, vorbei an der Ruine Horst, einer mächtigen Basalstein- gruppe mit Spuren ehemaliger Befestigung, bis zum Bergesgipfel führte. Die liebe Sonne lachte vom blauen Himmel hernieder und friedliche Stille lagerte über der von würziger Höhenluft durch­drungenen Landschaft. Hin und lvreder ermöglichten Waldlichtungen, so z. B. am Hültenborn, reizende Ausblicke in die Täler und auf die benachbarten Berge: Gackerstein, Bilstein, Hoherodskopf mit den Klubhäusern und Taufstein. Heber den Landgrafenborn und den Taufstein, dessen Turm von den meisten der Teilnehmer bestiegen wurde, ging es zum Hoherodskopf, wo eine ausgiebige Rast ge­halten wurde. Auf der Höhe hatten die Gießener das Vergnügen, von dem wackeren Vorsitzenden des V. H. C. Frankfurt, Prof. Ben­der, begrüßt zu werden, der sich in bekannter herzlicher Weife um die müden und durstigen Wanderer bemühte. Der Abstieg erfolgte über den Gackersteür, von dessen Kamm man wiederum prächtige Ausblicke genoß mtb über Michelbach wieder zurück nach Schotten, wo man Gelegenheit nahm, den untertvegs erlittenen reichlichen. Schweißverlust durch Einnahme einiger Abschiedsschöpplein wieder zu ersetzen.

Russische 5pionage in Deutschland.

Ein Feldwebel unter der Anklage des Landesverrats.

4 Berlin, 14. Juli. Jn dem sensationellen Londes- verratsprozeß gegen den Feldwebel Pohl aus Thorn, der heute vor dem Kriegsgericht der hiesigen Königlichen Kommandan­tur seinen Anfang nahm, führte den Vorsitz Major v. T r e s k o w. Als Verhandlniigsleitei fungiert Oberkriegsgerichtsrat Tr. Welt, die Anklage vertritt Kriegsgerichesrat Tr. Coerrens. Zu Beginn der Verhandlung wurde bekannt, daß der hiesige russische Botschafter gestern aul Reisen gegangen ist, nachdem schon vor einigen Tagen der in den Prozeß verwickelte Militärattache Oberst v. B a s a r o w Berlin fluchtartig verlassen hat.

Zur Verhandlung sind fünf Zeugen geladen, darunter der aus der Aalt vorgesührte Kaufmann Kaul und die Braut des An­geklagten, Margarete Brenn ecke; weiter find drei Sachverstän­dige geladen. An der Verhandlung nehmen auch vier Offiziere des Großen Generalstabes sowie ein solcher des Admiralstabs teil, die gebeten haben, bei einem allensallsigeir Ausschluß der Oesfentlich- keit im Saale verbleiben zu dürfen. Auch Landgerichtsrat Bombe, der die Untersuchung in der Strafsache gegen den Kaufmann Kaul geführt hat, ist in dienstlichem Interesse anwesend und möchte der Verhandlung beiwohnen. Die Verteidigung des Angeklagten, der in Feldwebeluniform aus der Hast vorgeführt wird, führt Rechtsanwalt Tr. B a r n a u. Nach Erledigung der Formalien beginnt der Verhandlungsführer Obeikriegsgerichtsrat Tr. Welt mit der Vernehmung des Angeklagten zur Person. Verhandlungsführer: Sie heißen Artur Pohl und sind im Jahre 1888 in Kühnau geboren? Angellagter: Jaivohl. Berhandlungsl.: Ihr Vater ist Rechnungsrat in Mhslowitz? Angell.: Jawohl. Verhandlnngsf.: Bei welcher Behörde ist Ihr Vater Rechnungsrat? Angekl.: Mein Vater ist vensioniert. Perhandlungst.: Sie sind im Jahre 1906 beim Militär eingetreten? Angell.: Jawohl. Ver- handlungss.: Sie wurden hauvtsächlich bei der I. Landwchr-Jn- ivektion in Berlin beschäftigt nnd kamen im Jahre 1913 zum 1. Westvreußischen Pionier-Bataillon Nr. 17 in Thorn? Angell.: Jatvohl. Berhandlungss.: Sie sind also nicht beim .Kriegsmini­sterium tätig gewesen, sondern nur bei der Landwehrinspektion? Angekl.: Jawohl. Verbandlnngss>: Ihr Fülwungszeugnis lautet: Dienstlich und moralisch vorzüglich bis aus einen Teil von Miß­handlungen. Ich will hier hinzusügen, daß Sie vorbestraft sind und zwar vom Oberkriegsgericht Berlin im Jtahre 1909 wegen Mißhandlung eines Untergebenen mit 15 Tagen Mittelarrest. Ist das richtig? Angekl.: Jawohl. Verhandlungsf.: Ein anderes dienstliches Führungszeugnis lautet: Dienstlich vorzüglich, nur einmal wegen Schuldenmachens verwarnt. Aach Verlesung des Anklagebeschlusses erhebt sich der Vertreter der Anklage, Kriegs­gerichtsrar Tr. Coerrens und erllärt: Ich beantrage, die Oessentlichkeit während der ganzen Tauer der Verhandlung^sowohl im militärdrenstlichen Interesse wie auch im Interesse der Staals- sicherdeit auszuschließen. Zur Begründung dieses Antrages bitte ich die Oessentlichkeit ebenfalls auszuschließen. Tie Oessentlich- teit wird dann provisorisch zur Begründung des Antrages aus­geschlossen. Nach Wiederherstellung der Oeffentlichkeft verkündete der Verhandlungsleiter Oberkriegsgerrchtsrat T. Welt den Ge­richtsbeschluß dahin, daß die Oessentlichkeit während der ganzen Dauer der Verhandlung im Interesse der Staatssicherheit ausge­schlossen sei.

Noch mehrstündiger Berhandlimg wurde gegen den Bizeield- webel Walter Pohl das

Urteil

gefällt: ,Pohl wird wegen Verbrechens gegen das Spionagegesetz vom 3. Juli 4893 und we'gen Bestechung zu einer Gesamtstrafe von 15 Jahren Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust, Zu­lassung von Polizeiaufsicht und Ausstoßung aus dem Heere verurteilt. Die bei dem Verurteilten Vorgefundenen £00 Mark werden als dem Staate verfallen erklärt. Der Verhandlungssührer bemerkte, nachdem er das Urteil verkündet hatte, daß der Gerichts- hos beschlossen habe, die Urtefisgründe nicht in öffentlicher Sitzung nritzuterlen, da dadurch eine Gefährdung der Staatsjicher- hert zu befürchten sei. Die Lesfentlichkelt wurde daher sofort wieder ausgefchivssen.

Ceric^tifaal.

w. Tokio, 14. Juli. Die Angeklagten tm Marine-Be­st echungs-Prozeß lourden zu folgende» Strafen verurteilt: Pool eh zu zloei Jahren Gesängnis und einer erhcchlichcm Eield- ftrafe. Hermann zu einem Jahr Gesängnis, Blundell zu zehn Monaten und K a g a zu vier Mp na len Gesängnis. Tie Straf- votlstreckuiig wurde für fämtlickze ?lngeklagte außer Pvole» auf drei Jahre hinausgefchoben. P o o l e y und H e r m fl n n legten gegen das gegen sie erlassene Urteil in dem Marine-Pestechimgs- Prozeß Berufung ein.

Universitäts-Nachricht«».

Berufung an die Universität Frankfurt.

Proiessor Dr. Rudolf Kautzsch in Breslau ist aus den kunst- geschichtlichen Lehrstuhl a» der Universitär Frankfurt berufen. Pwj. Kautzsch 'ist am 5. Tezember 1868 zn Leipzig geboren ?luf das Ordinariat für öffentliches Recht an der llniversität Frankfurt a. M. ist Professor Dr. jur. Friedrich Grese von der Kgl. Akademie zu Posen berufen worden. Tr. Giese ist 1882 zu Eitors a. d. Sieg geboren. Der Prioatdvzem Professor Tr. Fritz Kern in Kiel hat einen Rut als Orbfnarius für mitUere und neuere Geschichte nach F r a n ks u l t erhalten.

Vermischtes.

* 8 Personen von einem Wahnsinnigen ge­tötet. Ein furchtbares Blutbad richtete ein Wahnsinniger von 15 Jahren namens Simon Pianetti im Dorfe San Gio­vanni Bianco (Provinz Bergamo) an. Mit einer Wetterly- flinte bewaffnet erschotz er zunächst den Gemeindearzt Dr. Morali, der sich gerade an seinem Vogelherd befanb und sofort, tödlich getroffen, umsank. Dann ging der Wahnsinnige ins Pfarrhaus und erschoß^dort den Pfarrer Don Paleni, der bei seiner kranken Mutter war. Die alte Frau wurde vor Schreck ohnmächtig und befindet sich in Lebensgefahr. Dann ging der Wahnsinnige in das Haus des Gemeindeschreibers Guidici und erschoß ihn sowie seine Tochter Valero. Dann ging Pianetti von neuem auf die Straße, tötete dort den Gemeindeboten, einen Schuhmacher, dessen Bruder und einen Bauer, der auf einem Grundstück in der Nähe arbeitete. Nachdem Pianetti auf diese Weise acht Personen getötet hatte, wurde er flüchrig in die Berge und konnte bisher nocki nicht fest- genommen werden. Während dieser Bluttat wagte niemand, sich dem Wahnsinnigen zu nähern, vielmehr floh die Bevölkerung er­schreckt in die Häuser und schloß die Türen. Die Aerzte, die man herbeiries, konnten nur den Tod der acht Opfer konstatieren.

* Wo denn? Eine lustige Geschichte von einem Expeditions- gcnossen erzählte dieser Tage Shackleton. Als die Nachricht von Pearys ^Entdeckung hes Nordpols bekannt wrirde, stürzte Shackletons Freund ansgeregt nach Hause und rief schon im Türrahmen: Peary hat den Nordpol entdeckt". Mit mildem Interesse blickts seine Tante, die am Fenster mit einer Handarbeit beschäftigt war, auf imb meinte ban.it mit freundlicher Teilnahme:Äch, wirk­lich? Und wo hat er ihn denn gefunden?"

Märkte.

ch. Rieder-Fngclheim, 14. Juli. Ob st markt. Kirschen 10 25 Mk., Johannisbeeren 1014 Mk., Stachelbeeren 610 Mk., Erdbeeren 15 Mk., Frühbirnen 814 Mk., Pfirsiche 1525 Mk., Aprikosen 2030 Mk., Mirabellen 22 Mk. der Zentner.

te. Frankfurt a. M. Schwei nemarktberi tr nom 15. Juli. Ausgetrieben waren 1811 Schweine. Bollsteischige Schweine von 80 bis 100 Lebendgewicht 45.0047.50 Mt.. Schlachtgewicht

59.00 61.00 Mk., vollfleischige Schweine unter 80 Lebendgewicht

45.00- 47.00 21L, Schlachtgewicht 57.00-60.00 Mk.: vollsteischige Schweine von 100120 k% Lebendgewicht 45.0047.00 Mk., Schlachtgewicht 57.0060 Alk.: vollsteischige Schweine von 120 bis 150 LZ- Lebendgewicht 45.0047.00 ML, Schlachtgewicht 5658.00 Mk. Geschäft langsam, bleibt Ueberstand.

le. Frankfurt a. M., 15. Juli. (Orig.-Telegr. des ^Gtez. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreiie. Weizen (hiesiger) Mk. 21.0031.25, Kurhesstscher Mt. 21.00 21.25, Wetterauer Mk. 00.00 - 00.00. Roggen (hiesiger) Mk, 18.25-00.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 16.7518.00, Gerste. Franken, Pfälzer, Ried Mk. 16.50-17.50. Haler Mk. 17.0018.50, Mais Mk. 15.50-16.00, Weizenmehl 0 Mk. 00.0000.00, Weizenmehl I Mk. 00.0000.00, Weizenmehl III Mk. 00 00 - 00 00. Rogqenmehl 0 Mk. 00.0000.00, Roggenmehl 0/1 Mk. 00.0000.00, Rpggenmehl I Mk. 00.0000.00, Weizenkleie Mk. 0.000.00, Weizenschalen Mk. 0.000.00, Roggen- fleie Mk. 00.00-00.00, Malzkeime Alk. 00.0000.00, Biertreber 00.00-00.00, Futtergerste Mk. 00.00 - 00.00. Alles per 100 k*r ab hier.

fc. Frankfurt a. M., 15. Juli. (Orig.-Telegr. des .Gießener Anzeigers") Kartoffelmarkt. Man notierte: Kartoffeln in Wag­ons Mk. 8.50-9.00, im Kleinhandel Mk. 9.0010.00 st'ir se 100 h»

Briefkasten Ser Bedaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben nnbcrücksichttgt.^

K. 2. in Ofsenbach. Wenn der Betreffende, der steh s. Zt. der

Wehrpstichl entzogen hat, amerikanischer Staatsbürger geworden ist und jetzt, 44 Jahre alt, nach Deutschland zu Besuch komint, so kann er zur Absolvierung seiner Milltärpsticht nicht ntehr heran- gezogen werden. Wohl muß er aber furchten, daß die s. Zt. iir seiner Abwesenheit gegen ihn verhängte Strafe wegen Verletzung der Wehrpflicht gewöhnlich 300 Mark Geldstrafe vollslreckt wird. Für rechtzeitige Unterbrechung der Verjährung dieser Strafen wird stets gesorgt. Er muß also diese Geldstrafe zahlen oder im Falle der Zahlungsunfähigkeit die an die Stelle der Geldstrafe tretende Freiheitsstrafe verbüßen.

Pflicht". Die Aussicht über die Pstichtieuerwehr einer Land­gemeinde steht dem Kreisamt zu. Dasselbe übt sie aus durch einen Kreisseuerwehrinspektor, der vom Kreisausschuß ernannt toird. Seine Bezüge tverden durch den Kreistag festaesetzt. Tie Ober­aufsicht steht dem Ministerium des Jttuern zu. Befehligt ivird die Pstichtfeuerwehr durch ihren Koinmandanten, dessen Anordnungen Folge zu leisten ist. Eventuell erfolgt Bestrafung nach § 368, Ziff. 8, des Strafgesetzbuchs. Fretwillige Feuerivehr und Pflichtfeuerwehr sind von einander nicht abhängig. Die Gemeinde ist verpflichtet, eine Pstichtfeuerivehr zu beschaffen, alle Männer von 18 bis 50 Jahren, ivenn eine ausreichende Freiivillige Feuerwehr nicht besteht. Die Einrichtungen von einzelneit Fimktionen sind ver­schieden, je nach den erlassenen Orts- oder Kreisfeuerlöschordnungen. Von allqemetner Bedeutung ist das Gesetz vom 29. Aiärz 1890, die Laudesseuerlöschordnung betr., sowie die Ausführungsverordnung hierzu vom 11. Oktober 1890.

Müllersche Badeanstalt.

Wasi erwärme der Lahn am 15. Juli 19" R.

Verantwortlich für den politischen Teil i. V.: R. L a n g e.

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