Ausgabe 
15.7.1914
 
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Nr. *63 Zweiter Blatt M- Jahrgang

Erscheint-llch mit Ausnahme des Sonntags.

TieSießener Lämlllenblätter" werden dem »Anzeiger, viermal wöchentlich beigeiegt, das »rekhiatt für den »reis «letzen" zweimal wöchentlich. Tiecandwirstchaslllchen Zett-

sraqrr," erscheinen monatlich zweimal.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Mittwoch, >5. Zu«

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts«Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^>51. Redaktion:^^112. Tcl.-Adr.:AnzcigcrGießen.

Die denlsche Nriegrmarine im )ahre fyfz

Zum 16, Male ilt in diesen Tagen derNauticus" erschienen, das bekannte Buch, das uns alljährlich gründlichste, aus amiltckcm Material berulumde Auskunft gibt über die deutsche Kriegs - »nd Handelsflotte nicht nur, sondern über die üriegsslotten aller gröbe­ren Seemächte sowohl wie über die Handelsflotten der Kaumsäch­lichsten Handclsstaaten, Auch die Politik, soweit sie mit der Macht- geltung der einzelnen Staaten zur See sich verknüpft, ist in den Kreis der Betrachtungen gezogen worden. So ist in ,reiflicher Tar stellung ein marinepolitischer Rückblick unter eingehender Würdi­gung unseres Verhältnisses zu England der deutschen Kriegsmarine rm Jahre 1913/14 gewidmet. Es wird da folgendes ausgeführt: Wenn auch in der politischen Umschau eine sortdauernde erfreu­liche Besserung der deutsch englischen Beziehungen scstgestellt wer d,m konnte, so darf doch eine wichtige politische Tatsache nicht uner­wähnt bleiben, die in starkem Gegensatz zu dem ruhigen und kor rekten Verhalten TcutschlandS steht: In England folgten aus die dort künstlich erzeugte Floticnvamk des Jahres 1909 bis in die neueste Zeit hinein Venuche. die deutsche Jlottenpolitik z» beein- slussen, Zahlcnsormeln wurden erfunden, derFeierjahrsgedankc" porgebracht, Deutschland zum Rüstungs- und Tevlacemcntstreibcr gestempelt, Verminderungen des eigenen Flottcnbaues in Aussicht gestellt dies alles, um Einfluß zu gcioinnen aus die Ausgestal­tung unserer Rüstung zur Sec, um noch in zwölfter Stunde da» FloNengeseft mit seiner sich bewährenden Miikorcchnung abzubrüi- kein und zu Fall zu bringen, damit das zurzeit am Ruder besindlitlzc Kabinett von seinen Jinanziorgcn und innerpolitiiche» Schioierig- kciten besreit und die cnglischeii Stcucr.zahlcr nicht noch schwerer belastet würden. Aber ruhig und bestimmt klang aus der deutschen Presse fast einstimmig ein Unannehmbar entgegen: und die hier sich widerspicgclnde öffentliche Meinung.lehnte eniichicden jeden wei­teren Vorstob gegen das SclbstbcstimmungSrecht der Nation ab. In gereister Erkenntnis, dast in der Wcltpolitik aus Bcrülksichtigunq seiner Bedürfnisse nur Anspritch hat, wer über entsprechende Macht­mittel verfügt, bekannte sich das deutsche Volk durch seine Vertreter im Reichstage einmüttg zum Flottcngefetz und seiner kraitoollcn Durchführung und schus damit eine wertvolle Grundlage nicht nur für die künfttgc marinepolitische, sondern auch für unsere gesamte volftiscktc EtUnntklung,Eine Entspannung zwischen England und Deutschland" so wurde von freisinniger Seite in der Budgcl- kommission (128, Sitzung vom 4. Februar 1914) ausgeführt ist nur möglich gewesen, weil Deutschland sich eine starke Flotte geschassen hat. Der wundcri'«re schnelle Wandel in der Sttmmung Englands z» Deutschland ist auf nüchterne, ruhige, klare Ucber- legung zurütkzusühren, England hat sich in dem Moment ent­schlossen, mit Teutschland zu einem angenehmen Verhältnis zu ge­langen, als es sich sagen mutzte, datz ein Konflikt mit Deutschland auch im Falle eines AegeS zu einer Gefährdung der englischen Wclttnochtftellung führen müßte," Ein Zcntrumsabgeordnetcr gab der Meinung Ausdruck,datz er es nicht für möglich halte, ein Flottenabkommen bindender Art zwischen zwei Nationen hcrbeizu- sühren: an der Formulierung säwn werde das Abkommen schein tern". Selbst von sozialdemokratischer Seite wurde hervorgchobcn, datz Deutschland nicht die Rüstungen getrieben habe", was aller­dings nicht verwunderlich ist, nachdem Sir Edward Grep im Gegen- satz zu Mr. Churchill ossen eingestandcn hatte, das;England mit dem Bau der erstenDreadnought" eine grobe Verantwortung übernommen" habe. Ml diesen Auslassungen und denen des »atio- nalliberalen Sprechers gegenüber,datz es ein besseres Mittel nicht gäbe als solche Vorschläge und Verhandlungen, um die Beziehungen zu England wieder zu verschlechtern", konnte Staatssekretär von Tirpitz nur betonen:Auch ich bin der festen Ucbcrzcugung, datz, wenn das Hohe Haus ilstd der BundeSrat nicht zu der Entschlictzung gekommen wären und sie unverzüglich durchgeführt Hütten, uns ein gewisses Matz von Seemacht zu schassen, wir wahrscheinlich niemals zu einen, guten Verhältnis zu England gekommen wären. Wir hätten notwendigerweise herabsinken müssen zu einem Vasallen­staat Die Tatsache des besseren Verständnisses zu England zeigt, datz wir, im ganzen genommen, richtig vorgegangcn sind, und des­halb werden wir auch an dem Flottcngesctz sesthaltcn,"

Öossen wir im Interesse der deutsch-engiischen Beziehungen, daß damit die unfruchtbaren und den Frieden nicht fördernden, sondern geradezu gefährdenden Erörterungen über Fcierjahr und Verständigungsformeln ihr Ende gesunden haben, datz der eng­lische Marineminister in Zukunst auch für das deutsche Volk als Recht gelten läßt, was er für die englische Natton als Recht er­kennt, wenn er in seiner Oftoberrede sagte:Die Gesahr einer Gegnerschast droht einer Nation viel mehr von einer Panik als von der ruhigen Sicherung der eigenen Stärke,"

Sichern auch wir ruhig unsere Stärke, erkennen wir aus der Gestaltung der Tinge in Wcltpolitik und Weltwirtschaft, wie not uns die starke Flotte tut, wie unter ihrer segensreichen Entfaltung die Schiffahrt und alle Zweige des Handels, vor allem der Sec­handel, erblühten und reise Frucht brachten, wie sich die Industrie hob und der allgemeine Wohlstand sich mehrte. So oft das Wort Vaterland" genannt wird, möge man sich dessen erinnern, datz der stolze Träger dieses Namens,das grüßte Schiss der Welt, erbaut a»i der größten Werst und unter dem größten Kran", entstanden ist, und nur entstehen konnte dank der kraftvollen, ruhigen Ent­wicklung des Vaterlandes: möge man nicht vergessen, was der Käuf- mann und Reeder den das stolze Schiss bewundernden Mitgliedern des Bundesrats »nd Reichstages zuries:Geben Sie uns eine starke Flotte, das ist die einzige Subvention, die wir erbitten," Nicht ungchört wird der Ruf verhallen, da der Flottengcdanke festgewurzelt steht im deutschen Volk, da die Erkenntnis Allgemein­gut geworden ist, daß nur der Starke bündnisfähig ist und Achtung genießt im Rate der Völker und daß daher jeder Versuch, mittel­bar rcher unmittelbar Einfluß auf die Gestaltung unserer See­rüstung zu gewinnen, zurückgcwicscn werden muß.

Wie das zurückliegende Jahr dem Iveiteren Ausbau unserer Seemacht gewidmet war, so wird auch das nächste die Kräfte an- spanncn, um in dem Ausbau weiter zu schreiten. Denn noch stehen große Aufgaben bis zur Vollendung des Wittes bevor. Die Jn- diensthaltungen sind noch weit entfernt von dem Ziele, das das Flottcngesctz gesteckt hat, d, i, von den, Maße, das ftir eine achtung­gebietende Stellung unserer Natton in der Welt und für den Schutz mannigfacher UYbcrsecbctätigung ersorderlich ist, Das Zutammcn- drängen der europäischen Interessen im östlichen Mittelmeer, die Probleme des Stillen Ozeans und an anderen Stellen machen eine kräftigere Auslandsvertretung nöttg, aber ohne daß dadurch der Ausbau der gesetzlich vorgesehenen heimischen Schlachtslotte gestört wird, Tenn die Entscheidung über alle 'groben Fragenwird für uns immer in der Heimat fallen und, wo die Mittel sricdlichcr Polittk erschöpft sind, durch Heer und Flotte crzsmingen werden. Die Stärkung, die unsere Armee durch Bewilligung der Milli- ardenvorlage im letzten Jahre erfahren hat, ist für die kontinentale Piachtstellung des Reiches von weittragender Bedeutung, Aber die Grenzen des Vaterlandes reichen heute bis jenseits des Ozeans, wohin Tausende von Fäden wirtschaftlicher Betätigung führen, wo die Hauptabsatzgebiete fruchtbringender Arbeit unserer wachsenden Bevölkerung liegen und von wo auch imi Kriegsfälle die unbedingt nötige Zufuhr von Rohstoffen kommt. Zum Schutze und zur Ven tttdigung dieser Uebersceintercssen reichen kontinentale Machtmittet nicht aus, hier wird zur Lebensbedingung die starke Flotte, die wtttschauender Blick uns geschassen hat und die ziclbewußte Arbeit vollenden wird. Dann tuird sich erfüllen, was vor Jahrzehnten deutsche Männer empsundcn haben, unter ihnen schon der groyc Heerführer, Prinz Friedrich Karl von Preußen, wenn er tagte: «3fr der künftigen Marine liegt die Zukunst des Reiches, unsere

volittsche Bedeutung, Die Marine mutz uns die Stellung scstbalten, die die Armee dem neuen Deutsche» Reiche geschaffen hat. Wer im Wcltkonzert mitspielen will, der muß die Instrumente dazu haben,"

Oesterreich unö Me deutsche presse.

Wien, 14, Juli, DasJrcmdcnblatt" erinnert an die Kundgebungen des Abscheus und an die schärfste Berurtei- lung, welche das Serajewoer Attentat in der gesamten gesitteten Welt hcrvorgerriscn hat. Es betont, daß die all­gemeine Trauer des Auslandes ein Trost für die Monarchie, für den Hcrrfrlzcr derselben und für die Bevölkerung war. Weiter schreibt das Blatt: (stanz besonderen Eindruck mußte aber in OesterreichUngarn die Entschiedenheit machen, mit der sich die Oefscntlichkcit des verbündeten deutschen Reiches an unsere Seite gestellt hat Tic dentsckze Presse ermangelte nicht, mit aller Klarheit ans die Bcdenlnng der Mordtat in Scrajewo hinzuweiscii und die grundlegenden Momente politischer und allgemein menschliclfer Moral aufzuzeigcn In der gesamten Presse des Teutsckfen Reiches gibt sich die gleiche Auffassung kund im sllppell an die europäische Kul- turgemcinschaft und in der Einmütigkeit des Urteils. Zu­gleich gibt die deutsche Presse auch dem Bekenntnis der treuen Freundschaft zur Donanmouarchic beredten Ausdruck. Andere Blätter sprechen davon, daß die Kulturgcmeinjchaft auch die pollttsckien Interessen Deutschlands und Ocster- rcichllngarns ncbcneinanderftclle; dabei wird die volle moralische Unterstützung der Monarchie zugcsagt, In Oesterreich-Ungarn wird man diese Kundgebungen der deut­schen Presse, in denen sich ein volles Verständnis fiir unsere Sache und unsere bündnistreue Gesinnung ausspricht, mit herzlicher Genugtuung begrüßen. Bezeugen sic dock) neuer­lich die Festigkeit der Freundschaft, welche beide Mächte eint, und die Unerschütterlichkeit des erprobten Bündnisses, das auch in diesen ernsten Tagen seine Kraft vor aller Welt erkennen läßt.

vcutschc» Ueicy.

Die drei Kinder des verstorbenen Erzher­zogs Franz Ferdinand sind auf der Wechselburg bei Chemnitz eingetroffen, lvv sie längeren Aufenthalt nehmen.

Der Gemcinderat von Zabern hat mit 17 von 23 abgegebenen Stimmen den bisherigen Bürgermeister Knöpsler der Regierung zur Ernennung vorgeschlagen.

A»»»IanS

Die Stimmung in Italien. Die Sttmmung in ganz Italien ist ruhig, doch entschieden antigttechisch. Die Blätter veröffentlichen unkoutrollierbare Meldungen über verschiedene Druppcnbetoegungem,

Das englische Oberhaus hat in dritter Lesung die Abänderungsbill zu der Homerule-Bill in ihrer veränder­ten Form angenommen, nachdem verschiedene Redner von beiden Seiten maßvoll im Tone gesprochen Istttten, Es trat jedoch keine endgültige Aendernwg in der Lage ein.

Die feierliche Bestattung des verstorbe­nen Gesandten v, Hartwig fand in Belgrad unter großem militärischen Gepränge statt. Auf dem'Wege von der russischen Gesandtschaft bis zur Kathedrale bildeten Truppen Spalier und hinter ihnen eine vieltausendköpfige Menschenmenge, Von den Häusern wehten Trauerfahnen, Sämtliche Geschäfte tvaren geschlossen,

Russische Rache an dem Tode Hartwigs, Ein Ofenpester Blatt meldet aus Belgrad, die Polizei habe eine Meldung erhalten, wonach ztvei mit Bomben aus­gerüstete russische Anarchisten nach Belgrad abgcgangen seren, um für den Tod des russischen Gesandten v, Hartwig, an dem österreichisch-ungarischen Gesandten Baron v, Giesl Blutrache zu nehmen, Baron v, Giesl sei daraufliin geraten worden, das Gesaudtschaftspalais zu verlassen, da dieses in die Luft gesprengt werden könnte, Baron v, Giesl erklärte, er werde unter allen Umständen auf seinem Posten bleiben.

Die türkisch-griechische »Bezieh ungen. Aus Bern, 14, Juli, wird gemeldet: Der türkische Generalkonsul in Genf und die griechische Gesandtschaft in Patts haben die Bundesregierung ersucht, ttnen Schiedsrichter zu ernen­nen, falls die griechisch-türttsche Kommission zur Unter­suchung der Ursachen der Auswanderung in Smyrna sich nicht in Uebereinsttmmung setzen kann. Der Bundesrat hat bisher noch kernen Beschluß gefaßt, doch glauben einige Blätter melden zu können, daß der Bundcsrat gewillt ist, diese Mission zu übernehmen.

DieStandard Oil Company" ist nach einem Abkommen mit der chinesischen Regierung berechtigt, die Oelländereien in Scheust >auszubeuten; aber ein Bericht, wonach der Generaldirektor des Trusts auch über Schaust und andere Provinzen verhandelt hat, hat den britischen Gesandten veranlaßt, wegen Verletzung des britischen Rech­tes in Schansi und anderwätts zu protestieren.

vom 5tudium der Technik in Deutschland im 8ommer 1914

Wie nach den Ergebnissen des letzten Wintersemesters voraus zuschen war, ist die Zahl der Besucher der ll Technischen Hockf- sckiulen des Reichs diesen Sommer weiter in die Höhe gegangen. Die Gesamtzahl beläuft sich aus 12 232 gegenüber 11541 im Vorjahr, 14 000 um 1900 und cttt 4200 vor 25 Jahren. Davon sind derzeit 11228 im Besitz eines RttsezeugniffeS und demnach vollberechtigte Studierende uiü> 1004 geringer oorgebildtte Fach- hörer (Hospitanten). Die Zahl der inbegttffcnen Frauen bettägt 82 und die der Ausländer etwa 2300, Mit 1647 Gästen <1263 Männer und 384 Frauen-, die zn einzelnen Vorlesungen zuge­lassen sind, ergibt sich in diesem Svminer ttn Gcsamtbesuch von 13 879 gegen 13 721 vor sechs Jahren, An der neuesten Ver­teilung der Studentenschaft auf die ttnzclnen Studienfächer ist be­merkenswert ein weiteres starkes Anwachsen der Maschinen ingcnieure, der Elektrotechniker, der Chemiker und der Schiffsbau und SchiNSmaschinenbauingenicure und anderefteils ein relativer Rückgang der Architekten uird Bauingeiricure,

Im einzelnen studieren: Maschincningcnieurlvescn 3118 gegen 2836 in, Vorjahr, Bauingenieurwesen cinschl, Geodäsie 2767 gegen 2725, Architektur 2lk>3 gegen 2154, Chemie und Pharmazie 1544 gegen 1446, Elektrotechnik 1307 gegen 1164, Bergbau- undHüttcn- wtten 576 gegen 495, Schiffsbau- und DchifsSmaschinenban 234 gegen 218 und sonstige (überwiegend allgemein bildende) Sttldien- fächcr 493 gegen 503,

Umettncht man den Studienott, so findet man an den fünf preußischen Hochschulen 5139 Studierende 42 v. H, der Gesamt­zahl eingeschrieben gegen 4872 stii Aorpahr upd an oen übrigen

icchs einzelstaaflichen 7093 57,9 v, H, gegen 6664, Der neueste ZuivacbS ist demnach den nichkvreufrischen Hochschulen stärker zu- geslosicn als den preußiichen. Wie die einzelne Hochschule besucht ist und wie sich die einzeln« Hochschule auä> im Verhältnis r» den Tchfr-esteramialten im letzten Jahr cnMnckclt har, zeigt nachfolgende Gegenüberstell>mg: Obenan slebt die Hochschule der ReichSIfaupt- stadt mit 2205 Sdidierenden mein gegenüber dem Borjabr 40', Mlrndx - » steht au zn-eiier Stelle inst 2189 «79:, sodann folgen Dresden nttf >328 l107>, Darmstadt mit 1301 (74), Hannover mit 1066 ,75, Karlsruhe mit 1067 (97), Aackzen mit 799 (42), Dauaig mit 767 (301, Stuttgart mit 731 62 , Braunichweig mit 477 (10' und Breslau mit 298 -67l. Tornack haben am stärstten zugenomnien Dresden, .(larlSrube, Münckaen und Hamiovcr, am geringsten Braunsckawttg, Danzig und Aachen.

Der Wettbewerb um die alte Klittif.

Ter Architekt, der an den Entwürfen zum Umbau der Mten Klinik scharfe Krstik yeitbt hat, bittet uns. die folgen­den Ausführungen als Efttgcgiiung auf die letzte Erwtdc- rung der Baujachverständigeu aufzunehmcn.

Der springende Punkt der ganzen Austtnandersctzung ist die Bebauvtung:Das Preisgericht habe gegen das Pro­gramm vctttoßen," Diese Behauptung nnrd aber nicht durch einen, sondern durch m c h r e r c am Wettbewerb Betnligtcn vcr- trttcn und auch seitens Fachkundiger, die unpatteiisch dem Wett­bewerb gegenüber stehen, ftir richtig gehalten, Tic Erwiderung der Preisrichter in Nr, 159 d. Bl, enthält aber so gut wie nichts, was eine Widerlegung bedeuten könnte. Wenn auch die Preisrichter den geführten Nachweis, daß ihreKonstruktionsbcdenken" leine Berechtigung haben, als ttnc technische Belehrung ausiassen und deren Entgegennahme ablehncn, und wenn sie auch die Auffassung bezüglich der Lage des Sitzungssaales anWortklauberei" binden wollen, dann sind das Redewendungen, mit denen man den für obige Behauptung angcfühttcn Gründen ihre Beweiskraft nicht neh­men kann,, Diesen Mangel sachlicher W i d e r l e g u n g s - gründe suchen deshalb auch die Preisrichter zu verschleiern da­durch, daß sie als Ursache der Kritik nicht ihren Ver- st o ß gegen das Programm, sondern die Nichtvrämiierung ttnes Entwurfes erscheinen lassen möchten. Auch die übrigen nuan­cierten Ausführungen, deren Hintergrund deutlich durchleuchtet, ver- solgen den gleichen Zweck, Obgleich sie weit neben dem Kern der Sache vvrbcschicßcn, so charakterisieren sie jedoch genügend den guten Ton, den die Preisrichter in der Art und Weise, wie die Kritik geübt wurde, glauben zu vermissen.

Tie zstietten Sätze über das Weitbewerbswescn sind ganz rich­tig, Sie erlangen aber nur Geltung unter der Voraussetzung, daß auch die Preisrichter die dem Wettbewerb zu Grunde liegenden Besttmmungen resvektteren. Denn sonst erwächst die Gesahr, daß ein Urteil nicht allttn reiner Willkür, sondern sogar ttn- mal persönlicher Rücksicht entlvringcn kann. Solchen Er­scheinungen gegenüber die Bewerber aber mundtot zu halten, hieße, den Boden solclier Mißstände nähren und das Wcttbewerbsioescn zu einem Unwesen degradieren Solche Verjähren aber könnten gar nicht stttens der Beteiligten schatt genug gegeißelt werden. Ein Vorhalt, die Att und Weise ttnes soläfen Kamvtes wttche wttt von dem ab, was man sonst guten Ton zu nennen pslege, braucht deshalb nicht tragisch genommen zu werden, denn dieses alt abgedroschene Mittel muß immer dann her- haltcn, wenn die Weisheit sachlicher Beweisführung vettagt. Daran mögen auch die bestklingencn Namen nichts ändern. Da, wo aber die Sache spricht, sind Namen überslüssig. Und da­mit Schluß,

Au» StciSt u»S Land«.

Gießen, 15. Juli 1914.

** Tie Waldungen Hessens, Nach den Ermitte­lungen, die im Jahre 1913 durch die Großh, Obcrfürstercieu vorgcnommcn wurden, hatten die Waldungen des Grdst- Herzogtums eine Fläche von 239 916 Hektar, von denen 126 337 aus die Provinz Starkenburg, 107 775 aus Obcrhesscn und nur 5804 aus Rheinhesseu entfielen, 74 553 Hektar 31,1 Proz, der Gesamtfläche sind Staatssorsten, 86 510 Hektar 36 Prozent Gcmttitdesorsteu, 75954 Hektar = 31,7 Proz, Pttvatsorsteu und 2899 Hektar 1,2 Proz, Stiftuugs- uud Genossenforsten, Laub- und Nadelholz ist fast gleich stark vorhanden, letzteres mit >19 508, crsteres mit 120 408 Hektar, Beim Laubholz übcrwiegt der Buchen-Hochwald mit 77 579 Hektar, während Eichen-Hochwald nur mit 25 714 Hektar vertreten ist. Die nicht bedeutende übrige Fläche ver- teilt sich ans den sotftttgen Hvch- und Medcnoald: unter letzterem befinden sich 13 252 Hektar Eichenschälwald, Von der Nadclholzfläche kommen 82 501 Hektar auf Kiefern, 35 457 .Hektar aus Fichten und 1 502 Hektar auf Lärchen und Weißtannen, In den letzten 30 Jahren hat sich ein bedeutender Umschwuirg vollzogen. Das Lanbholz ist von 60 Proz, der Gesamtfläche auf 50 Proz. zuttickgcgangen, während das Nadelholz von 10 auf 50 Proz, gesttegen ist. Der Rückgang der Lanbholzsläche geschah aus Kosten der Eichcnschälwaldnngen und der Buchcnbcslände, während der Eichen-Hochwald an Fläche gewachsen ist. Die Zunahme der Nadclholzfläche ist aiif verstärkte Anpflanzung von Fichtcn- beständen zurüekzuführen. Man hat im allgemeinen die Anpslanznng von Nutzholz auf Kosten des Brennbol^s begünsttgt, Ties zeigt sihil auch, wenn inan den Holzcrtrag des Wirtschaftsjahres 1912 mit dem des Jahres 1899 ver­gleicht, Er stellte sich im Jahre 1912 auf 494 845 Fcstmetcr Nutzholz (gegen 291 757 im Jahre 1899), auf 543 258 Fesp- melcr Brennholz (gegen 525511), ans 365675 Festmek-r Stock- und Rcisholz (gegen 381232) und ans 3428 Fcst- meter Eichenschälritttre (gegen-13 751), Aber auch der holz­ertrag iin ganzen hat zngcnommcn. Er berechnete sich für dos Jahr 1912 auf rund 1,4 gegen rund 1,2 Mfllionen Fcsttneter im Jahre 1899, Ueber 100 Jahre alte Fvrst- beständc wurden, wie die Darmst, Ztg, erfährt, 1913 er­mittelt: 5815 Hektar Eichenwald, 25 427 Hettar Buchen­wald, 4109 Hektar Kiefernwald und 119 Hektar Jichien- Wald,

** Abonnementskonzerte, Für das fünfte Abonnementskonzert unserer Regimentskapefle am Donners­tag, den 16, Juli 1914, abends 8 V 4 Uhr, in Steins fficiiten hat Obermnstttneister L ö b e r wieder ein sehr schönes Pro­gramm znjanitneiigesteflt: n. a,: Vorspiel zn Tristmi und Isolde, R, Wagner: Ouvertüre zur OperDas goldene Kreuz", I, Bttill; Souvenir de Bayreuth (Chronologische Fantajic über R. Wagners Bühnenwerke), zum erstenmal; Fantasie ans der OperMignon", A, 'Thomas; zwei Wald­horn-Quartette, außerdem einige der tilleruenesttm Schlager- Piecen und zum Schluß das große militättsche Tougemälde: Deutjchlaitds Erinnerungen cm die Kriegsprhre 1870/71 mit