Iragwit« ljnbeit Der Minister wies tvauiut Sin, daß
die Kredit« für die sctiwere Arlülenc btpc'tttend er-
twlst, und daß betrctrhtsiche Verdessecutpren erreicht sein» Messim» iuhr irrt: Jilr die 'Ausrüsttmg der Genietruppen gaben l»ir i» de» Jahren 1900 bis 1911 100 Millionen ans, vgenüber 400 Millionen, die Deutschland dasür ausgab, Deutschland bat »or Frankreich einen acwaltigen Vorsprung, aber seit 1912 hat Frankreich seine Ausgaben hierfür ertwlü Das gegenioärtige Pro gramm wird Frankreich zahlreiche Verbesserungen erui den Eü- bietcn der Feld und Festungsartillerie, sowie der Küstenverter dlgnng und auch der Fußbekleidung bringe». Wir.haben ztvar den Vorsprung tun unseren Naätbarn noch nicht eingeholt, wir haben aber alles getan, ivas menschenmöglich war, um die Fehler wieder gut zu machen, die in unserem Lande begangen wurden, das sich in einem Traum von einem allgcnveincn Weltfrieden wiegte, nach den Ereignissen von Agadir aber erwachte. Nach 19U wurden große Kraftanstrengungcn unternommen. Ich bitte den Senat, die verlangt«» Kredite zu bewilligen, die einen Beweis für das Er wachen der Nation mid für ihren Willen sind, die Verteidigung »es Landes zu gewährleisten,
Preffeftimmen.
Paris, 14, Juli, Die Enthüllungen des Senators Hnmbert über den Zustand des französischen Kriegsmaterials und die daran geknüpfte Aussprache haben im Parlament und in der Presse das größte Aussehen hervorgerusen. Es heißt, daß das Ministerium heute vormittag nach der Truppenschau von Longchamvs eine Beratung abholten werde, in der die Erklärungen festgesiellt werden sollen, die der Kricgsmiuister und der Ministerpräsident nachmittags im Senat abgeben werden. In Rcgierungskreisen gibt man sich der Hoffnung hin, daß die Darlegungen der beiden Minister den Senat bestimmen werden, die geforderten Kredite zu bewilligen, wenn auch mit dem Vorbehalte, daß die ganze Angelegenheit beim Diederzusammentritt des Parlaments im Herbste eingehend erörtert werde. Der Zustand des Kriegsmaterials dürfte heute auch in der Kammer zur Sprache gelangen, da der bona- partistische Deputierte Lasies beabsichtigt, an den Kriegsminister eine Anfrage über die gestrige Senatsaussprache zu richten,
Jaures schreibt in der „Humanitä": Wußte denn der Senat nicht, daß die Militärverwaltung schoblonenbast und ohne jede Voraussicht arbeitet? Hat der Skandal des Dreijabrgesehes, das nur die von den Bureaus des Kriegsministeriums begangenen Fehler verhüllen soll, nicht genügt, um dem Senate^die Augen zu öffnen? Die Enthüllungen Hnmberts haben aus die Senatoren wie die Ervlosion einer Bombe gewirkt. In der Kammer sind schon viel schlimmere Tatsachen enthüllt worden, aber man wollte nnftt hören und nicht begreifen. Diesmal sedoch scheint der Senat ausgerüttelt worden zu sein. Ein Defizit von einer MiNiarde, dos amtlich in der Kammer eingestanden wird, die Zerrüttung unseres ganzen Verteidigungsshstems, die im Senat verkündet wird, ohne daß die Minister das Land sofort beruhigen können —• dahin ist es mit uns gekommen! Soweit hat die seit einigen Fahren betätigte rückschrittliche Militär- und Kolonial- volitik Frankreich gebracht! — Der „Radical" schreibt: Zwei
Stunden lang hoben die Senatoren die furchtbarste Anklagerede gehört, die jemals gegen den großen Generalstab gehalten wurde: denn niemand kann hätte inehe leugnen, daß nur der große Generahstab an den Fehlern und nnglaublichen Nachlässigkeiten die Schuld trag«, welche Humbert enthüllt hat, — Der „Gaulois" sagt: Als wir Konservativen ans die Gefahren hinwicicn, hat man uns nicht glauben wollen: beute stößt einer der Führer der remiblikanischen Partei den Alarmruf aus Welche Antwort wird die Regierung daraus erteilen? Diesmal können wir uns nicht mit unbestimmten Erklärungen begnügen: wir verlangen hie Wahrheit, die ganze Wahrheit, — Der „Figaro" schreibt: „Wir sind also weder verteidigt, noch regiert," ries Elemenceau ans, Dieter Zwischenruf kennzeichnet das ganze System, Die radikale Politik, die mit ihren Mehrheitskombinanvnen und ihrem Berwaltnngssanatismns alles vernachlässigt, was nicht Partei- imd Dablangelegenheit ist, ist fn der gestrigen Senatssißung endgültig gebrandmarkt worden, — Ter „Eclair" bemerkt zu den gestrigen Senatsdebatten: „Die Enthüllungen des Herrn Humbert, die durch das Einschreiten Elemcneeaus verschärft tvurden, tragen zur Verschlimmerung der gegenwärsigen Verworrenheit wesentlich hei. Inmitten dieser Unordnung tritt der Präsident der Republik morgen seine Reise nach Rußland an. Sein Ministerpräsident, der ihn begleiten sollte, wird durch Parlamentsdebätten zurückgebalten, welche in einen wirklichen Streit über den wahren Wert der französischen Armee und ihr Rüstzeug ausartcn. Welch bedauerliches Mißgeschick und welches Vorspiel zu dem diplomatischen Akt, der sich in diesen Tagen in, Rußland vollziehen soll,"
Die große Trnppeirschan.
Paris, 14,Juli, Die anläßlich des Na ti o ncrlf e st - tag es abgelsaltene Parade war von glänzendem Wetter begünstigt Eine migehenre Menschenmenge tvobnte ikrr bei und begrüßte den Präsidenten Pvincare durch begeisterte Zurufe, besonders, als er verschiedenen Regimeuteru die ihnen bestinruiten Fahnen übergab. Das Fliegergeschwader führte über dem Paradefeld Flüge aus. Um 10,20 Uhr kehrte Präsident Poincars ins Elpsöc zurück: es ereignete sich kein Zwischenfall, der Präsident wurde lebhaft begrüßt.
fjaitfi kneift.
Kottbns, 14. Juki, Der Kalmarer Karrikfltnrist Wä l tz, genannt Hansi, der sich zum Antritt seiner Strafe bis heute abend 7 Uhr im hiesigen Zentralgefängnis stellen sollte, ist nicht erschienen. Dem Kolmcrrcr Gericht ist ein Antrag zugegangen, bei Nichtstellnng des Zeichners Waltz die Beschlagnahme des gesamten im Fnlande vorhandenen Vermögens HansiS anszusprechcn, Tire von Hansi gestellte Kantiom ist von Verehrern und Freunden Hansis znsammengcbracht Wörden und zwar znm größten Teil pfennigweise, da die Geber meist selbst vermögenslos sind. Infolgedessen erlassen die Kautions- stellcr einen Aufruf an Hansi zur freiwilligen Rückkehr ans Frankreich. Die gegen Honst noch, schwebenden Ermittelungsverfahrcn beim Kvlmarer Gericht nehmen ihren Fortgang.
Hu» Stabt unb Catid.
Gie ßen, 15, Juli 1914.
Das Luftbad.
Die mild« Sommerluft ladet wieder zu fleißigem Gebrauch dieses natürlichsten Bades ein. Daß das lange vergeben gewesene Luftbad sich früher bei einzelnen Äerzien und Laien großer Beliebtheit erfreute, dafür einige Belege, In einem 1804 erschienenen Schriftchen „Heber den Wert des warmen Badens", von Dr, I, I, Günther, findet sich auch ein Abschnitt über das Luftbad, dessen Notwendig keit der Bersafler sehr richtig mit der damals noch wenig bekannten hantatmung und der entgifteten Tätigkeit der Haut begründet. Er bezieht sich unter anderem auf den englischen Pädagogen Locke, der geraten habe, den ganzen Körper zum Angesichte umzuscliaflen, weil es nur von uns abhange, jeden Teil unseres Körpers so an alle Berände rungen der Luft zu gewöhnen, als es das Gesicht und die Hände sind, die man von Jugend auf allen Einflüssen der .Atmosphäre, ohne die niindesten üblen Folgen, anssetze, .Günther rät daher, mau solle die Kleinen täglich einige Stunden das Luftbad genießen lassen, dt h, sie entlveder nackend oder mit einem weiten offenen und ganz kurzen Hemde, ohne Strümpfe usw, herumtragen oder laufen lasten, anfangs in einer wärincren, und nach und nmh. auch in der freieren, kälteren Luft der Atmosphäre. Das Kind siihle bald ielbtz so jphr das Behagliche einer solchen festellvssc
Wirksamkeit seiner ganzen Oberfläche, das: es nichts so sehr wnnsckse als dieses. In der übrigen Zeit sorge man daflir, daß die Kleidung dem freien Spiele der (Äieper keine Fesseln anlege. Die Knaben lasse man erst spät und imsite Hosen tragen. Zum Schluß führt G, eine Acußernng B, Franklins über dcis Luftbad an, .»Ich l»abc es —• sagt dieser — für meinen Körper immer angenelzmer gefunden, in kalter Luft zu baden. In dieser ?lbsichl stelw ich fast jeden Morgen frühe ans und setze mich ohne alle Bekleidung, je nach der Jahres zeit, eine halbe oder eine ganze Stunde, in ein Zimurcr, wobei ich lese oder schreibe. Dies Verfahren ist nicht im geringsten unangenehm, im Gegenteil für das Gcfichl sehr behaglich, und, wenn ich mich hernach, wie bisweilen geschieht, wieder zu Bette lege, ehe ich mich anklcide, so mache ich zu meiner Nachtruhe noch eine Zugabe von zwei oder drei Stunden des süßesten Schlafes, den man sicl>. denken kann,"
** Tageskalcnder für Mittwoch, 15. Juli: Gewerbe Ausstellung: Konzert der Regsineulskapelle 8—11 Uhr. Um 10 Uhr bengalische Beleuchtung.
Trinke r-Fürsorgeßelle für Stadt und Landkre>S Gießen, Wietzen Asterweg s, Sprechstunde jeden Donnerstag abend 0 bis 77, Uhr.
** Eine Zusammenstellung über die Zunahme an Wohngebäuden im Großherzogtum Hessen in dem Zeitraum von 1800—1912 ist dem Antrag Grünewald betreffs der ans dem Jmni obilienverkehr ruhenden Lasten bei- gegebcn, der bekanntlich in der verflossenen Landtagssession nicht mehr zur Verhandlung kam. Hiernach bildete das Jahr 1906 mit 2795 Neubauten, dem das Jahr 1902 mit 2784 nahezu gleich kam, den Höhepunkt der Bautätigkeit, während das Jahr 1910 nnt nur 2234 Neubauten den Tiefftand darstcklt. Im folgenden Jahre fand dann wieder ein Anwachsen um 241 statt, das jedoch im Jahre 1912 wieder einer Abnahme um 187 Platz machte^ Von diesem Rückgang sind übrigens die industriellen Kreise Ostenbach und Groß-Gerau verschont geblieben, da erftercr mit der Zahl von 438 Neubauten im Jahre 1912 nur um sechs hinter dem Jahre 1903 znrückbleibt, das die höchsten Ziffern der genannten Pcriode auswcist. Auch im Kreise Groß-Gerau ist die Zahl 269 für das Jahr 1912 die zweithöchste in dem erwähnten Zeitraum und nur um drei niedriger als die für 1911, In Ober Hessen finden wir die höchsten Zahlen in den Kreisen Gießen und Friedberg 11912 : 192 beziehungsweise 186 Neubauten), während die Kreise Schotten und Lauterbach in letzterem Jahre nur Zugänge von 33 hezw, 32 ausweisen. Im Kreise Darmstadt lieferte das Jahr 1905 mit 386 den größten Zugang an Wohngebäuden, während das Jahr 1912 mit 185 die geringste Zahl gebracht hat. In der Stadt Tarmstadt stellt das Jahr 1904 mit 185 Neubauten die höchste, das Jahr 1908 mit 45 die niedrigste Zister dar,
** Besuch praktischer Landwirte. Gestern besichtigte» die .Vereinigten Landwirte von Frankfurt a, M. und Umgegend' die DcrsnchSjelder de? Landwirtschaftlichen Instituts. Heute morgen traf der 13. Landwirtschaftliche Bezirks- verein des Negieriingsbezirks Wiesbaden unter Leitung des Direktors Hochrattcl, Hof Geisberg bei Wiesbaden, znn, gleiche» Zwecke ein,
" Prüfungsausschuß zur Abnahme der Meister° Prüfungen. Das Ministerium macht bekannt, daß für den Prüfiingsaiisschnß zu Gießen anstelle der bisherigen Mitglieder Wilhelm Wcißbäckcr, Bnrstennmchermeisier, Gießen, und Rudolf Rüdiger, Jnstallationsincistcr, Gießen, für das Gürtler, und Bürstenmachergewerbe Wilheli» Leichtweiß, Bürsteninachermeister, Gießen, und für das Jnstallateur- gewerbe Heinrich Bluin, Jnstallationsmeister, Gießen, neu bestellt worden sind.
" Ceylon-AuSstellung. Den Besuchern wird gegenwärtig die indische Lotus blnme, ein Heiligtum der Indier, blühend gezeigt. In den letzten Tagen waren zur BesichtigUiig von auswärts hier: das Seininar aus Wetzlar, die Schule» von Danbringen, Dorf-Gill, Henchel- hcini, Holzheini, Leihgestern, Lollar, Obbornhofen, Wetzlar und Wieseck. Die Königin der Nacht dürste im Saufe der nächste» Woche nochmals ziir Blüte koniincn.
** Stadttheater, Das vierte Operettengasstpiel brachte zwei sehr schöne Vorstellungen, Ms erstes Brüderlein fein, wohl eins der gelnirgestcn Werke Leo Falls, in dem Herr Cnrt Harden als Domkapcllmckster, Frl, Hansi Martini als seine Frau und Irl, Karola Galster als Jugend Triumphe feiern konnten. In der schönen Galathe erzielte Herr Ähnelt als Mäcen eine durchschlagende Wirkung, so daß er gleich sein Anstrittslied wiederholen nrnßte. Ganz reizend war Frl, Martini als „klassisches Kerlchen": ihr nettes Lied mußte sie ebenfalls wiederholen. Als Galathe errang Frl, Galster einen schönen Erfolg, Den Pygmalion gab Herr Harden, der wegen Jn- disposision INN Nachsicht gebeten hatte. Die Regie der beiden Stücke führte Herr Ähnelt, die Musik leitete Herr Langer,
" Die Anleihe der Provinz Oberhessen. Wie uns die Mitteldeutsche Kreditbank Gießen mitteilt, ist die gestern zur Zeichnung aufgelegte 4prozentige Anleihe der Provinz Oberhcffen im Betrage von 3 Millionen Mark überzeichnet worden, so daß eine Zuteilung auf freie Stücke übcrbanpt nicht erfolgen kann.
Beim Verb and sschießenin Mannheim errang H, Schmidt-Gießen den neunten Platz auf der Jagdscheibe mit 32 Ringen,
** Steine Mitteilungen, Ein Frankfurter Morgenblatt brachte am Samstag eine Notiz über einen von einer jungen Modistin angeblich ausgesührten Schuhdiebstahl und knüpfte daran einige Vermutungen, Diese Mitteilung versetzte das Mädcklen, das darin genannt war, in eine solche Auflegung, daß es noch am gleichen Tage den Tod im Main suchte. Die Leiche wurde am Dienstag vormittag bei Griesheim aus dem Main geländct, — Der Arbeiter Kastner aus Nied stürzte am Dicmstag von der im Umbau begrisfcnen Schleuse in die 9 .Meter tiese Schleusenkammer, Er trug dabei lebensgefährliche Verletzungen davon, — Aus der Mainzer Landstraße zu Griesheim a, M, wurde ein kleines Mädchen von einem Automobil überfahren und schwer verletzt. — Aus Liebeskummer erschoß sich in B a d tz o m b u r g v, d, Höhe Dienstag abend der Gärttrcrbnrsche Schmidt, — Bon dem am Montag abend 8,45 Uhr nach D a r m st a d t abgehenden Zug wurde auf dem östlichen Geleise bei dem Kilometerstein 969 der 31 Jahre alte Arbeiter Philipp Mink aus Eberstadt übersah r e n und getötet. Jedenfalls liegt Selbstmord vor, da Mink nur einen Arm hat und seit einiger Zcft beschäftigungslos war. Er ist noch ledig,
Lanvkreis Gießen.
(;) Leihgestern, 15, Juli, In der gestrigen Ge- meinderatssitznng, der Baurcrt Hechler und Kreistechniker Müller beiwohnten, wurde zunächst der Ser« läng er ung des Kanalnetzes nach dem vom Großh, Krcisbanamt Gießen ausgearbeiteten Kostenvoranschlag zu- gestirmnt. Die Arbeiten sollen gleichzeitig mit der Herstellung des zitm Bahnhof führenden Fußsteigs ausgcsillhrt und alsbald in Angriff genommen werden. Dem Feldschützen Held wurde eine Gehaltszulage von 50 Mk, bewilligt, unter der Bedingung, daß er noch leichtere in Verbindung mit seinem Berns anszuführende Arbeiten für die iGemeinde nsitverrichtet. Die Vergütung für Reinigung der Gemeindeplätze wurde ans 50 Mk, festgesetzt Außerdem wurden ver- jchiedene Kostenrechnungen genehmigt und die Kvhlenliefe- rnng vergeben.
Z Lich, 14. Juli, Das gestrige Gewitter in den Mittagsstunden lsiit in einigen Teilen unserer töeinarkwp; stark gehaust, besonders in den an der Hattcnröder S>traßp gelegenen Feldern, Dort ging starker Ha ge l nieder, der den Kariosscln und dem Getreide, das sich gänzlich gelegt l>at, beträchtlichen Sdjnixit zugcfügt hat Auch die städtischen Obstanlagen cm Rotenberg an der Hattenröder Straße lvnr- ven von dem heftigen Sturm, der mit dem Wetter verbunden war, sehr mitgenommen, Zahlreick>c Aeste wurden gebrochen. Ebenfalls wurden im Hattcnröder Wald viele Bäume beschädigt. In der Stadt selbst und in anderen itzemarkungs- teilen trat das Gewitter weniger stark auf, während benachbarte Gemarkungen kaum davon berührt wurden.
Kreis Büdingen.
8 Blofeld, 15,Juli, In npchstcr Zeit wird unsere Gemeinde eine Qnellwas se r lei t u n g erhallen. Die Quellen liegen in unmittelbarer Whc des Dorfes und werden zurzeit anfgcgraben. Es wird ein etwa 6 Meter tiefer Brunnen ausgeschachtet und betoniert, Ta das Wasser von hier aus nicht das erforderliche Gefälle lyat, wirb der Hochbehälter ans den nicht iveit entfernt liegenden sogenannten „Eichelberg" erbaut und ein elektrisches Pumpwerk errichtet werden, was die Wasserversorgung ettvas teurer gestaltet. Auch elektrisches Licht soll in nächster Zeit angelegt werden.
ß Höchst a d, Nidder, 14, Juli, Zum Bürgermeister unserer Gemeinde wurde Heinrich Altvater l, mit 69 Stimmen gewählt. Der bisherig« Bürgermeister Sell- heim erhielt 47 Stimmen, In dem benachbarten Rommelhausen wurde der Rechner Wolf znm Bürgermeister gewählt.
Kreis Alsfeld.
o, Alsfeld, 13, Juli, Die Nachbargenreinden irnserer Stadt wurden von einem schweren Gewitter, das von wo l ke nbr ucharti ge m Regen begleitet war, heim- gesucht, In den nahen Heidelbach und Ruhlkirchen stand das Wasser bis zu s/t Meter Hohe in den L-traßeu und Wegen, Tie Leute mußten durch die Seen gleichenden Wassermengen waten, um das bedrohte Vieh in Sicherheit -u bringen. In den Fluren lzal das Unwetter schweren Schaden angerichtet. Die Kartoffeln und Rüben sind teilweise lveggeschwemmt und die Halmfrüchte geknickt rmd auf den Boden gedrückt. In dem benachbarten Münchleusel schlug der Blitz in die erst seit einigen Jahren erbaute Feld- scheuer des Landwirts Heinrich Die hl und äscherte sie vollständig ein. Mit den Borräten ist außerdem die der Dreschgenossenschast gehörend«, in der Scheuer untergebrachte Dreschgarnitur und verschiedene andere landwirtschastliche Maschinen mitverbrannt. In Seibelsdorf schlug der Blitz ebenfalls in eine scheuer, glücklicherlverse ohne zu zünden,
Kreis Lauterbach.
Ä Lauterbach, 14,Juli, Direktor Hoos von der Bezirkssparkasse, eine in der gesamten Umgegend geachtete Persönlichkeit, feierte seinen 70, Geburtstag, Nahezu, 30 Jahre ist er an der Kasse tätig. Die Errichtung ernes^ neuen Sparkassengebäudes ist sein Verdienst, Von der Bezirkskasse wurde ihm ein Geschenk übergeben,
Kreis Frieüberg.
= Aus der Wctterau, 15. Juli, Durch die heißen Tage ist die Frucht rasch herangereift und dürfte der Kvrnschnitt nicht mehr lange^auf sich warten lassen. Die schweren Gewütcr- regen haben die «vnnncrfruckü in macnhen Gemarkungen stark gelagert, In Weflen- und Gerstenfeldern scheiM die Rostkrankheit eine ziemlich starke Verbreitung anzmiehmen, ebenso der Brandpilz, Starkenburg unü Rbcitchessen. rb, Darmstadt, 14, Juli, Der^21, Ortskrankenkasse n t a g erteilte in seiner heutigen Sitzung aus Antrag der Rcchnungsrevisoren zunächst dem Vorstand Entlastung, Dann sprach Justizrat Dr, Mayer- Frankentlml über „Die Entwickelung des Kassenbeamtenrechts seit dem Jnflasttrcten der Reichsveriicherungs- ordnung". Ten wichtigsten und interessantesten Vortrag der ganzen Tagung bildete das Referat des Prof, Dr, Herxheimer - Frankfurt a, Main über „Salvarsanbehandlungbei Syphi- I i s". Der RÄmer stellte fest, daß im städsischen Krankenhaus zu Frankfurt innerhalb der letzten vier Jahre etwa 11 500 Shphüis- kranke unter seiner Leitung mit Salvarsan behandelt worden sind, linier diesen 11500 Fällen seien nur einige vorübergehende Lähmungen vorgekommen, Todesfälle oder Erblindungen wurden nicht bekannt. Nach seiner Ueberzeugung habe der Arzt das volle Recht, die Kranken mit Salvarsan zu behandeln. Es fragt sich nur, ob der Arzt auch die P s l i ch t l)at, es zu tun. Im Frankfurter Krankcn- hause sei man zu einer kombinierten Salvarsan-Quccksilber-Methodc übergegangen und dabe damit sehr gute Erfolge erzielt. Von den' Erkrankungen im ersten StMum wurde in 3V>jähsiger Beobachtung bei 97 Prozent Heilung ohne Rückfälle festgestellt, während dicke letzteren bck der früheren Quecksüberbehandlung 70 Prozent betrugen. Auch bck den Fällen im sekundären Stadium seien die Erfolge sehr gnnssig gewesen. Auch bck syphüitischer Rückenmarkschwindsucht wurden mit der Salvackan-Quecksilber-Methode verschiedene Krankhcktsshmptome zum Sckuvinden gebracht und besiere Erfolge erzielt, als mit Quecksilber allckn: dasselbe ivar bei Gehirn- erkrankungen der Fall, Besondere Aufmerksamkeit verdiene die Herzsyphilis, beim es beruhten V 4 der Erkrankungen der großen Schlagader auf svphilittschen llckachen. Der Einsluß des Salvar- sans habe sich auch bckmchers günstig bck der ererbten Syvhüiz erwiesen, namentlich bck den Frauen und deren Fruchtbarkeit, Durch die kombinierte Mckhode wurde auch die Ansteckungsgefahr- sehr verckngert und es bestehe die Hoffnung, die gcsäbrllche Ktankhckt immer mehr zu bescktränken. Es komme daneben auch der tockentliche Umstand in Bckracht, daß bei der Salvackanbehanülung bedeutende Eckparmsse für die Krankenkassen erzickt werden könnten, da die Kuren nur ckne kurze Zeitdauer erforderten. Der Redner empjahl schließlich folgende Lcktsätze:
„Bck jedem syvhilisisch erkrankten Menschen ist, se srüh^ zcktiger, desto besser, ckne kombiniecke Salvarsan-Quecksilbcr-Be- ltandlung cknzuleiten. Das Salvackan soll nach genauer Untersuchung des Patienten im Krankenhaus angewendet werden, w» der Patient mindestens die nächste» 24 Stunden verbleiben soll. Durch dicke Kür Ivird der Ansteckungsgefahr anderen Menschen und speziell der Familie gegenüber nach dem heutigen Stande der Wissensck>aft am besten entgegengcwirkt. Da durch die genannte Behandlung die Svphilis gehcklt wird oder doch die Rückfälle außerordentlich ckngeschränkt werden, so erwächst, neben den Vorteilen für die Pasienten und für die Allgemeinhckt, auch für die Krankenkassen ein sehr wesentlicher finanzieller Vorteil," l In der hieran angeknäviten Aussvrache betonte der Verbands- Vorsitzende Fräßdorf -Dresden, daß die Wirkung des Vortrags sehr günstig sckn werde, da sie die gegen die Animndung der Methode iwch gehegten Besornissc beseitigen werde. Hier sei der Standpunkt der Wissensck)aft maßgebend und dieser müsse auch bei Bekämpfung der Krankheit sestgehalten werden. Äassenvorsitzender G r ä f - Frankfurt teilte mit, daß Altmeister Ehrlich bedauere, an der Tagung wegen Kranflcit nicht tcilnehmcn zu küninn. Das Sal- vackan fei allerdings sehr teuer und die Behandlung damit köni« in den Krankenhäusern nicht zu dem gewöhnlichen Verpflegungssatz eckolgen. Es sck deshalb mit den Höchster Farbwerken ckn Wkommen gckroffen worden, daß den Krankenlassen bei allen ihren Rechnungen über Salvarsanbelpindlung 10 Prozent zurück- vcrgütck werden. Endlich stimmte die Versammlung gegen zwei Stimmen den Lcktsätze» zu,
m, Heusenstamm, 15, Juli, In der Genossen- schastskrisis der Spar- und Darlehenskassel ist zwischen dem ehemaligen Direkwr der Kasse, dem Landwirt Georg Winter, und der Genossenscl-ast vor dem Ofsenbacher Amtsgericht unter dem Vockitz des Landgerichtsrats H o o s - Darmstadt ein Vergleich zu Stande gekommen, nach dem Winter gegen


