Ausgabe 
14.7.1914
 
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Nr. 162

Ter Eichener Anzeiger

erscheint täglich, außer SonittagS. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehrnerFamiliendlätteri zweimal wöchenll.Wreir- blaN für den Kreis (Sieben (Dienstag und Freitag); ziveimal uwnall. Land» «irlschoftliche Seitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 61 Adresse Wie Depeschen: «uzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags S Uhr.

Erstes Blatt

164. Jahrgang

Dienstag,

Notat?on;dr><k «ni» Verlag der SrShl'schen Univ.Puch- »nd SteindruSerei R. Lange. Redaktion, Expedition und vruckerei: Schulftrahe 7.

14. Wi 1914

VezuqsvretS:

monatlich 75Vs.,vlerrel- jährlich Mt. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Att. 2.viertel- jährl. ausschl. Bestell-, Zeilenpreis: lokallbPf^ ausivärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goeq; \üz .Femlleton^, ,Ber- mischtes* und,Gerichts- faal": Karl Neurath; für .Stadt und Land-: Kurt Bendt; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Huertas polttifches Ende.

Die Telegramme der Spezialkorrespondenten in Mexiko berichteten schon vor einigen Tagen, daß Huerta nach der Neubildung des mexikanischen Kabinetts und der Besetzung des Ministeriums des Auswärtigen durch den tatkräftigen erst 38 jährigen Carbajal zu Gunsten dieses Mannes zurück- treten würde. Nun sind aus Washington Nachrichten ein- getroffen, das; Informationen dortiger Diplomaten die Ab dankung .Huertas als bevorstehend bezeichnet,-». Tatsäckilich scheint Huerta nun gewillt zu sein, der in einem Ncben- protokoll der Friedenskonferenz von Niagara Falls auf. gestellten Abdanbengssorderung nacl^ukommcw Vielleicht geht Ducrta diesen Weg gern, dem; er hat au seiner jetzt ctlra 45 Monate wahrenden Präsidentschaft wenig Freud« erlebt. Am 23, Februar wurde das tragische Schicksal seines Vor­gängers Mädero und dessen Vizepräsidenten Suarez durch ihre Füsilicruug besiegelt. Nach der wenige Tage vorher erfolgten Verhaftung Maderos wurde Huerta zum vorläusi- gen Präsidenten ernannt und begann so seine Regierung mit einer Bluttat, für die jede Entschuldigung fehlt. Er versuchte allerdings jede Ichuild von sich abzuwälzcn und gebrauchte die nichtige Ausrede, daß der Morddurch Au­sall" bei einem Defreiungsversuch der Anhänger Maderos geschah. Diese skrupellose Beseitigung eines gefährlicher, toeit klugen und energischen Gegners war Huertas Unglück, Ihm hastete der Geruch des moralischen Mörders an, der die Regierung der Union veraulasttc, Huerta die Anerken­nung zu verweigern. Sie nahnr von Anfang au eine markiert seiiidlieitz; Haltung gegen ihn ein und die Rebellion in dem, so sckuver lwimgesuchten Lande dauerte fort, unterstützt von amerikanischem Geld« und durch Waffen» und Munitions­lieferung.

Ter Gouverneur Carranza der nördlichen Provinz Sonora scharte um sich die Anhänger der vorigen Regie­rung, nannte sein Heer dieVerfassungstreuen" und kämpfte gegen die zu Huerta übrrgegangenen Bundestruppcn. Im Süden operierte der mysteriöse Zapata, von dem niemand genau weist, welche Ziele er verfolgt. Huerta führte ein wahres Cchreckensrcgiment links und rechts ließ er unter Mtthilie gedungener Meuchelmörder seine Gepuer aus dem Wege räumen. Das ivar vielleicht das einzige Mittel, mit dem er sein gefährliches Unternehmen wagen konnte, denn er nahm eine Stellung ein, die ihm niemand angeboten Izattc, vertrauend auf die Zaghaftigkeit und die Gleichgültig­keit der Bevölkerung im Gouvernement Mexiko,, Aber trotz aller Sckmffcrigkeiten schien such Huerta auf dem Präsideuteu- stuhle wohl zu fühlen. Die angesetzten Präsidentschaftswahlen verliefen ergebnislos und Huerta blieb, nachdem sein schärf­ster Gegner Felix D i a z, der Neffe des alten schlauen Porfirio Diaz, nach Amerika geflüchtet war, Präsident, Anfänglich erzielte er einige Erfolge gegen die Rebellen; aber bald Ivairdtc sich das Kriegsglück, Huertas Truppen ivurden ge­schlagen und stetig zurückgedrängt. Entmutigt gingen viele Regimenter zu den Aufständischen über, deren Stoßkraft vermehrend. Eine Stadt nach der andern fiel in ihre Hände, Des Diktators Lage wurde immer hoffnungsloser, verscistirst durch den ewigen Geldmangel in der Staatskasse, Wohl machte die Regierung ernste Anstrengungen, die nötigen Geldmittel flüssig zu machen, und man kann ihr die An­

erkennung nicht versagen, dast es ihr trotz der Finanz- > blockade der Union bis heute gelang, sich über Wasser zu halten. Im ganzen aber waren Huerta die Hände gebunden.

Der Zwischenfall von Tampico beschleunigte Huertas I Ende, Amerikanische Marinesoldaten wollten dort ihre Wasservorrätc ergänzen, wurden aber kurzer Hand von de» mexilauischeu Bundestruppcn verhaftet. Die Proteste des amerikanischen Admirals und ein Ultimatum der Washing­toner Regierung blieben erfolglos. Die unaufhörlichen An­griffe Wilsons hotten Huertas Sinn vollständig verhärtet. Amerika griff nun aktiv ein, entsandte eine gewaltige Ar­mada nach Tampico und liest Vcracruz nach kurzem Kampf besetzen. Eine kurze Zeitspanne lang sah es aus, als würde die Union dem mexikanischen Bürgerkrieg ein Ende setzen und eine gemeinsame Front gegen die Amerikaner schassen. An Huertas Unversöhnlichkcit scknffterte dieser Plan, und nun griffen Carranzas und Villas Truppen statt der Milizsoldaten der Union Tampico an. Um weiteres Blut- vergießen zu vermeiden, und wahrscheinlich aus einem ge­wissen Argwohn gegen die Washingtoner Pläne heraus, kam es nun zu der politisch lflxchbedentsamcn Vermittlung der Republiken Argentinien, Brasilien und Chile, denen sich die kleineren südamerikanischen Staaten anschlossen. Die Vereinigten Staaten nahinen die Vermittlung an, unter der Bedingung, dast die Entfernung Huertas als erster Punkt ins Auge gefaßt werden müsse. Monatelang tagte dann die Konferenz in Niagara Falls, bald erzielte sic Erfolge, bald ivar sie dem Scheitern nahe, Huerta Ividersetzte sich zwar mit allen Mitteln, aber das Schlnßprotokoll vom '2. Juli zeigte, daß Huertas Stern im Sinken >oar. Er setzte seine Abdankung voraus. Der Verrat an Madero wurde vom Schicksal schnell gerächt,

Veracruz, 12, Juli, (Reuter,) Ter frühere Mi­ni st erdesAeustcrii General E st a ba n R u i z, der ans seiner Reise nach Nordamerika ans der Hauptstadt emgetrof- fen ist, bestätigt, dast General Huerta die Absicht habe, zu­rückzutreten, Sein Nachfolger wird Senor Carbajal sein, der später durch einen provisorischen Präsidenten ersetzt werden soll, der den Rebellen genehm ist, Ruiz sagte ivciter, dast General Huerta beabsichtige, ebenso wie der frühere sjchmsi- dent Porfirio Diaz Mexiko zu verlaffen; sowohl er, wie General Blanquet hätten erkannt, dast ein längerer Wider­stand nutzlos sei.

Washington, 13.Jukü General Earranza hat die amerikanische Regierung in aller Form davon unter­richtet, daß er sich auf keine Vermittelung mit Huertas M- gcsandten einlasse, und nur die bedingungslose Uebergabe annehme.

N e w y o r k, 13. Juli. Die Regierungstruppen haben die Aufständischen bei San Cristobal sowie in zwei anderen Gefechten geschlagen.

Au; Albanien.

Durazzo, 13.Juli. Die Aufständischen haben gestern mittag Berat eingenommen.

Durazzo, 13. Juli In der Umgebung von Berat befinden sich gegenwärtig 50000 völlig mittellose Fluch tlinge in der größten Notlage. Die griechischen Banden sind bereits über den Bezirk Skrapar hinaus­gelangt. Sie operieren im Einvernehmen mit den Rebellen gegen Berat. .

Durazzo, 13. Juli, Die beiden aus Koritza anyckvm- menen holländischen Offiziere behaupten aus das bestimm­teste, dast man iricht allein epirotisck en Banden, sondern auch starken regulären griechischen Truppen Hegenüberstehe, deren Vormarsch in der Weise erföchte, dag die Banden vorstosten und sich, falls sie geschlagen loerden, hinter die Front der griechischen Truppen znrückziehen, nwrans diese mit ihren regulären Kräften und Gebirgsschützen Vorgehen, Bemerkenswert sei, dast bereits am 1, Juli in Koritza ein Ultimatum des griechischen Majors Vardas eintraf, welches die Forderung der Uebergabe der Stadt enthielt,

Grcueltatcn bei der Einnahme vo» Koritza.

R o m, 13, Juli Nach Meldungen hiesiger Blätter sollen von griechischen Offizieren bei der Einnahme von Koritza durch die Epiroten unerhörte Grausamkeiten begangen wor­den sein, 200 Frauen und "Mädchen sollen zusammcn- getricbcn, vergewaltigt und dalnn mit Mitraikleusen niedcr- gcmüht worden sein, "Auch die griechischen Geistlichen halten sich an den Grcucltaten beteiligt,

Optimismus Turkha» Paschas.

Berlin, 14, Juli, In einer Auslassung äußerte sich der albanische Ministerpräsident sehr optimistisch über die Lage in Albanien, ütoch seiner Ueberzengnng werde Fürst Will-elm alle Schwierigkeiten überwinden. Die Revolte gegen den Fürsten tvcrde in sich zusammenbrechen. Die Aufständi- schen würden bald zu ihren verlassenen Vätern zurückkchrcn müssen. Ter Fürst sei ein ausgezeichneter Charakter, lvual, intelligent und tapfer. Nichts von dem sei wahr, was Ge­genteiliges über den Fürsten in Europa verbreitet tvvrden sei. Zweck seiner Reise sei, so erklärte Tnrkhan Pascha, den europäischen Fürsten die wahre Lage in Albanien auscin- anderzusetzcn. Von Berlin aus werde er sich nach London und von dort ans nach Paris begeben.

Abdankung des Fürste»?

Rom, 12,Juli. Die Abdankung des Fürsten von Al­banien gilt nach dem offiziell feststehenden Mitzcrsolg der Mission Tnrkhan Paschas in Petersburg als entschieden. An seine Stelle wird die Internationale Kontrollkommission treten. Den Vorsitz wird der Engländer Lamb führen.

Malariacrkrankung der Kinder des Fürsten.

Wien, 14. Juli, Ein italienisches Blatt meldet aus Durazzo, daß beide Kinder des Fürstenpaares an Malaria erkrankt seien.

Ein neuer Thronkandidat.

(DDP) Bukarest, 14.Juli Wie ein hiesiges Blatt meldet, hat in den letzten Tagen in Brüssel ein Familienrat der Familie Bonapartc getagt, welcher beschlossen hat, für den Fall, daß Fürst Wilhelm von Albanien abdanken sollte, den Prinzen Roland Bonaparte für den albanischen Thron kandidieren zu lassen,

Tic Rcserviftcneinbrrusung in Italien.

(DTP) Rom, 14,Juli, Die Einberufung der Reser­visten des Jahrganges 1891 mit Ausnahme der Kavallerie und der reitenden Artillerie erklärt sich ans der Notwendig­keit des durch die Besetzung von Lybien geschwächten Fric- densstandes, um diesen angesichts der (süßeren Lage ivieder auf die normale Höhe zu bringen.

Lin Lag de; Kaifcrs an Borö derHohenzollern"

Den kühlen Fjorden Norwegens steuert das Schiss des Kaisers tzin Deutschlands Hernchcr hält seine Sommcrscrien an Bord der Hohenzollcrn", und an Stelle seines tonstigen streng eingetcilten Arbeitstages tritt eine ganz andere Arbeitseinteilung, Wie ein solcher Tag des Koffers aus der Nordlandrcisc verläuft, erzählt, der Marinemaler Pros, Hans B o h r d t, als Teilnehmer der kaiser­lichen Nordlandrcisc gewiß einer der bcruscnstcn Schildcrer, in dem BucheTer Tag des Kaisers", das als einer der ersten Bände der ReiheBerliner Bilder" erschienen ist, mit deren Herausgabe der Berliner Verlag Conrad Haber soeben begonnen hat:

Morgens zwischen 7 und 8 Uhr crtcheint der Kaiser an Teck und wechselt kurzen Gruß und Händedruck mit seinem Gefolge und seinen Gästen, Er sordert von diesen nur das Zcrcmonicil, das man einer Dame oder einem älteren Herrn gegenüber beobachtet. Alsdann geht er zur Besichtigung der in der Nacht mittels Netze gefangenen Fische, oftmals ein hoher naturwisscnschaitlicher Ge­nuß, da die merkwürdigsten Mecrestiere in den Bütten zappeln. Bei trockenem Wetter Ivird danach oben aus dem Sonnendeck den Leibesübungen gefrönt, wobei Seine Majestät die Stelle des Vor­turners übernimmt, Tie ältesten Generale und Admirale streben dabei den Rekruten nach, freilich oftmals vergebens. Es wird dabei schändlich gemogclt, bei der Kniebeuge und hundertmaligem Steigen aut die Bänke des Skylights kommen Unterschlagungen bis zu 50 Prozent vor, so daß der gütige Landesherr, welcher es für sich selbst sehr streng nimmt, beide Augen zudrückcn muß. um die Ver­schlungen gegen sein Kommando nicht zu bemerken. Nach dem Turnen läßt sich der Kaiser oftmals wiegen und stellt auch höchst eigenhändig das Gewicht seiner Fahrtgcnvssen scst, wobei leider wiederum rcjpekllvse Täuschungen Vorkommen, Manchem harm­los aussehendcn Gaste sind schon schwere Eisen- und Bleimassen aus der Tasche hervorgeholt worden, wodurch dann sein aus un­regelmäßigen, Wege erworbenes Mehrgewicht von schwindelnder Höhe herabsinkt. Nach dieser gewichtigen Tätigkeit geht cs zum Frühstück, Gefolge und Gäste setzen sich ohne Rangordnung, Die Plätze rechts und links vom Kaiser wechseln bei jeder Mahlzeit, so daß die Fahrige,wssen während der Reise mehrmals die Ehre genießen, neben dem Monarchen z» sitzen, Zum Frühttück wer­den Teend Kassce, dazu Gebäck und Äuischnitt, sowie die herr­lichen, srischgeiangencn Schollen gereicht. Den Küchen schneidet der Kaiser selbst an, ihm werden die Tcllär gereicht, auf die er dann jedem Tischgäste sein Stück eigenhändig legt.

Nach der Tasel folgt ein kurzer Aufenthalt aus Deck, Zigarren werden gereicht. Die ältesten Offiziere und Staatsmänner greiien zu den leichtesten Sorten, die jüngeren, die noch mit unverdorbenem Magen beglückten, zu den schweren. Die bläulichen Rauchschwaden schweben himmelwärts. Am Firmament lacht die Sonne, die Berge und Gletscher locken, die herrlichen Tannen duffen herüber nun hinaus ins Freie! Doch nein!< Tückischerweise ist gerade an

diesem einzig schönen Sommcrmorgcn der Feldjäger gekommen. Die Taschen strotzen von Briefen, Verfügungen, Erlassen und an­derem Arbeitsmaicrial eines Kaisers. Die Chefs der Kabinette und die Adjutanten sind zum Vortrage bereit. Der Kaiser blickt ent­sagend auf die herrliche Gottcsnatur, dann begibt er sich in seinem Arlnntsraum auf dem Sonnendeck, Für nicht Bctcüigtc ist dieses Deck nun tabu, nur der Schiffskoch Hai 12 llhr mittags für die Kostproben des Mannschastsefsens Zutritt, Da gibt es Erbsen mit Snuten und Polen, Linsensuppe mit Speck, Bohnen und Hammcl- sleisch und dergleichen Herrlichkeiten mehr. Mit stillem Neide muß der Chef der kaiserlichen Küche aus seinen simplen Kollegen blicken angesichts des Wohlbehagens, mit dem Seine Majestät den vollen Teller, oftmals deren auch zwei, leert.

Wenn es die Staatsgeschäfte gestatten, fährt der Kaiser vor der Mittagstafel noch etwa aus eine Stunde an Land, um einen kurzen Spaziergang zu machen. Um ein Uhr wird zu Mittag gespeist. Unter den Klängen der Matrosenkapelle setzt man sich zu Tisch Die Speisenfolge weist nur zwei bis drei Gänge auf. Hin und wieder prangt muh aus der Karle nur das Wort:Mann- schastscsscn". Diese schlichte Kost ffndet auch hier begeisterte Lieb­haber, Einfacher Weist- und Rotwein wird gereich;, oazn Sett, Manchmal ericheinen auch einige Flaschen altehrwürdigen Rot- vdcr Rheinweins für die Kranken, Dann ist cs eine Lust, krank zu sein. So viel Tischgäste, so viel Simulanten. Dasi Getränk ferner Majestät ist Staatsgeheimnis. Der Laie rät ans das edelste Gewächs der Erde in dem silbernen Brchcr, Böse Spione sollen aber die Abwesenheit jedes Tranbensaftes, ja sogar jedes Alkohols sestgcstcllt haben. Der Kaiser liebt cs nicht, lange zn tafeln. Etwa nach einer halben Stunde erhebt man sich, an Deck werden Kaffee und Zigarren gereicht, während die Matrosenkapelle spielt. Auch ergreift wohl hm urrd wieder der Kaiser, halb im Scherz, halb im Ernst, den Taktstock, Um bäckst eigenhändig ein ihn besonders be­geisterndes Musikstück zn dirigieren. Dann hält der Monarch einen kurzen Mittagsschas, worauf wiederum die Erledigung der Staats- gcschästc folgt.

Oftmals werden auch in der Gefolgemenge interessante kricgs- geschichtlichc Vorträge gehalten, zu denen jeder Fahrtgcnossc ge­laden ist. Gesputet es das Arbeitsprogramm und ist das Wetter gut, so fährt der Kaiser mit alten Teilnehmern an Land, Er ist cm rüstiger Fußgänger, anck) jüngere Herren haben zn tun, um mit ihm Schritt zu halten, tiamenttich bergan. Oben ans Bergeshöhen wird gelagert und die herrliche norwegische Landschaff in vollen Zügen genossen. An inanchcn Plätzen nimm; der Kaffer auch die Maltfretindschaft eines Privatmannes an und kehrt in dessen Hans und Familie ein wie ein alter lieber Bekannter, Das Gespräch ist ganz zwanglos, ernste Unterhaltung wechselt mit Humor, wöbe; anck> mancher Kalauer, vorausgesetzt, daß er gut und nicht zu alt ist, herzlich belach; wird. In diesen ivcnigcn genußreichen Stundci; fühlt sich der Kaiser als ffeier Mann. Frau Sorge ist an Bord geblieben oder humpelt teffnahmslos hinterher.

An den Tagen der Abreise des Feldjägers, loenn der letzte Brief oder Erlaß versiegelt von Bord geht, können wohl tlcine Festlichkeiten stattsinden, Ein Tanzvergnügen an Land im Freien oder ein Wcttrudcrn im Fjord, Bei letzterem steuert der Kaiser eigenhändig seine schlanke Gig und ist herzlich erfreut, wem; seine Mannschaft nach Izartem Ringen den Preis erhält. Zum Schluß kommt dann wohl ein Damemvettrndcrn in den leichten norwegi­schen Booten, Die weiblichen Nachkommen der alten Wikinger verstehen noch heute das Schiffcrl-anvwerk ihrer Vorfahren ans- grzcichnet. Dem Kaiser macht cs sichtlich Freude, znzuschcn und die frischen, fföhlichen Mädel mit den prächtigen Germanen­köpfen an Bord z;i empfangen und ihnen die schwer errungenen Preise zn überreichen. Hin und wieder findet dann ein Ball an Bord statt. Um 8 Uhr ruft der Gong zur Abendtasel, an der meist Gäste vom Land oder eingekoinmcncn Dampfern tcilnehmem Nach Aufhckning der Tasel hält der Kaiser zwanglosen Cercle, Tic Musik spielt, Hunderte von Booten umgeben dieHvhenzollcrn", ein un­gemein reizvolles Bild in der herrlichen lichten norwegischen Som­mernacht, Dann tritt Ruhe ein. Ist cs nicht zn spät geworden, so ersck)eint der Kaiser in der Gesolgemesic, Um mit seinen Fahrt­genossen bei fröhlichem Gespräch und Karten- oder Tominojpicl ohne Gewinn und Verlust den Rest des Tages zu Lcrlcben. Die kurze, dänrmrige, nordische Pacht bricht herein. Im magischen Halblicht hebt sch dieHvlzenzollern" von den dunkel en Bergen ab. Deutschlands mächtiger Herrscher und zugleich gütiger und getreue« Mensch ruht ans, um neue Kraft für seinen hohen Berul zu sammeln."

Natrium gegen Hitzschlag, Wohl jeder kennt das alte Hausmittel Natron bicarbonicum, das bei allerlei Störungen des Appetits und der Verdauung gute Dienste leistet. Neu dürfte dagegen seine Verwendung gegen Hitzschlag sein, Tie jüngsten schweren Fälle von Hitzschlag, z, B, in Berlin und bei den Mar- burgcr Jägern, veranlassen uns deshalb aus Grund der Erfahrungen dcS bayerischen Hauptmanns Storch, die imMilitär-Wochenblatt^ veröffentlicht sind, auf diese Vcrwendunqsart des Natron bi, wie es abgekürzt meist genannt wird, hinzuweijen, Herr Hauvtmann Storch ließ bei Märschen seiner Kompagnie täglich 1000 Natron- Tabletten durch die Korporalschastsführer mitnchmen. Leute, die als unsichere Marschierer bekannt waren, erhielten direkt solche Tabletten ausgehändigt. Unterwegs wurden die Leute dann beob­achtet, und wer Schwächczeichen zu erkennen gab, bekam sofort eine Tablette, die er einfach aus der Zunge zergehen ließ. Einzelne nahmen bis zu zehn Tabletten, Das Ergebnis war, daß kein Mann der Storchschen Kompagnie je wegen Erschöpfung austrat, oder gar hitzschlagähnliche Erscheinungen aufwics, während dies bei an­deren Abteilungen unter gleichen Verhältnissen an vielen Tagen der Fall war.