Nr. M
Mfter Statt
^4- Jahrgang
Erschemt töglsch mit Ausnahme des Smmtagi.
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhejjen
Samstag. U Z»li M4
Rotationsdru6 und Verl-rg der Brühl'tchea Universiläls - Buch- r.ib ©teinbrucfecet.
R. Lange, Greben.
RedaUion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Perlag: ^48 öl. Redaktion: 112. Tel.-Ltdr.: AnzelgerGleßer^
Techniker und volkwmschaft.
Heber dreier' xhema führte, wie wir bereits de r rr tu eien. aui der Technfferragung am letzten Sonntag der Drrekwr dc-s Deucnbei, ^e chn i kr rbunoes Tr. Zivile Berlin) nn einzelnen folgendes arrs;
l. Die rerhllndr itzlerctzstellung aller Erwerbsiebrckiten hat bei dreien das orrNänolirbe Llreben aiisgelösl. ihre wirrschaitlicbe soziale nnd kulturelle Lage zu verbe„crn. Es zeig, Nid de, allen Bern« kerunqskveyen die Tendenz, irch an den Errungenschaften unserer Kultur und Na, an, einen giötzrniügluhen Anteil zu sichern. Naturgemäß bringt dieses Streben um möglichst viel Kubikmeter Licht und Luft .im Wirischafrslcben Reibungen und .dämme der verschiedenen Erwerbsgrupven mit sich. Dir Meinungen und Fordcrun aen gehen oft sogar so wen auseinander', das, oft ein Ansgiesch dcrJnierenen unmöglich, zun, inindesren äuj-ers, schwierig erscheint
ll>!an sucht ganz von selbst „ach einem Mas; st ab zur Benr- rerlung des wirlichastlichen Porwärtsstrebens. Dieser ist gegrben rn der ^Stellung, die ein Stand ,n der Volkswirrichaft einnimmt ES erschein, selbstverständlich, das; die oorwarlsstrebende Schicht die Struktur unserer Bolkrwirtschost, die Kräfte, die m ihr lebendig sind, wenigstens in ihren Gmnözüqen kennt. Bei seinem VorwaricHtreben ftoßt er eben aus diese; sic bereiten ihm unter llniftanden Widerstande und Schwierigkeiten. Diese können aber nur überwunden werden, ^wenn man ihre Etgcnarten lcnnt. Dem VorwärtSiwangen eines Standes ist eine Grenze gesetzt in dem LZesen unserer Volkswirtschaft. lieber diese Grenze kann lein! stand tnnaus. Das Geld? die Arbeit, die nach dieser Richtung Verwender wero,», bedeutet unmodukrive Arbeft. Ein Eiland kann nicht einfach ins Blaue hinein wirlschaiten. Solche Experimente können sich bitter rischen Die zu treffenden Maßnahmen zur He burig ei nes Standes können nicht künstlich und willkürlich aus gewählt werden,sondern sie müssen die logische Folge der volkswirtschaftlichen Sicllung dcs Standes sein. Die Taktik der Organlsotionen hangt glejchsalls von der Stellung ab, die eine Pcoölkeeirngsschichi im Wirtschaftsleben einnimmt. Die einzelnen Erwcrbsgruppcn »lüften sich über die Beziehungen untereinander klar sein, sie müssen orientiert sein, wie weit die berechtigten Eigenarten der verschiedenen Stände gehen. Je heftiger die A„s- einandersetzangc» im Wirtschaftsleben werden, desto wichtiger wird die Frage, wie ivcit ein Ltand bei seiner Interessenvertretung gehen dar»'. Die W i r l sch a s t s g c sch i ch I c zeigt uns, dah man die wirtschaftliche Entwicklung durch gewisse Matznabmcn z. B. durch die Gesetzgebung bis zu einem gewissen Grade bceinftnssen, vielleicht beschleunigen oder verlangsamen, aber nie grundsätzlich ändern kann. Da nun die Volkswirtschaft in ständiger Um- dildimg begrifte» ist, müssen sich die einzelnen Stäichc her der lVerbesserung ihrer Lage an die fortschreitenden Wirtschaftsvcrhält- nisje anpasjen, was aber Kenntnis der sich vollziehenden Unt- sorinuugim vorausletzt.
Wenn heute die Techniker vielfach nur den Fragen Beachtung schenken, die sie direkt berühren, wie die Gehaltstrage, so ist eine uftche Taktik verkehrt. Es genügt aber eine allgemeine wirtschaftliche Tatsache, die man unbeachtet läßt, um die ganzen mit direkten Mitteln erzieiten Erfolge in Frage zu stellen. To kann ttite. andauernde Lebcnsmittelstcigerung die ganze Lohnpolitik in ihren Wirkungen üllftoriich niachen. An zwei Beispielen ser daS Intereise der Techniker an den allgemeinen Wirtschastssragen gezeigt. Wir ivrechen heute so viel von der sortschreitendcn Ber- städ.tsgmn g imscrer Volkswiitichost. Heute wohnen in den«räd- ten mehr Merrschen als aus dem Lande. Ter lährliche Beoölke- rungsüberschuß von 900 000 MenschenJfommt säst ausschließlich der städtischen Bevölkerung zugute. In Städten über 100(100 Einwohner wohnen heute 10 Millionen unserer Bevölkerung, während es 1X75 nur 2,5 Millionen waren. Wir ftagen: Welches Interesft hat der Techniler an diesen Dingen? Ein sehr lebhaftes. Seine nollswirtichaitlichc Stellung ist charakterisiert durch die lokale .Konzentration. Der weitaus größte Teil der Techniker gehört zur städtischen Bevölkerung. Dadurch nehmen die Techniker wohl teil an den Porteilen, die die dadt bietet. Tic Städte sind Kulturzentren ersten Ranges — aber er wird auch nem ihren Nachteilen berührt. Wenn Steigerung der Met- und Lebensrnittclvreise, Hast und Nervosität, modernes Nomadentum, da» sich in ständigem Wohnungswechsel äußert, ivezielle Eigenarten der Städte sind, so treffen als diese Tinge den Techniken rn starkem Matze. Ei» anderes Beispiel: Das Eindringen
der Frau in da» Erwerbsleben, 9>. Millionen Frauen d. s. 30«* aller ^Frauen überbaust Auch in dre technischen Berufe dringt die Frau ein. Der Techniker sann nuht einfach nach dem Beispiel gewisser Handlungsgehilieirverbände den Polizei- knübvel »i seinem Schutz zu Hilfe rufen, indem der Gesetzgeber die Frauenarbeit verbietet, sondern er kann die Frau nur als gleich bc-rachftrgte (wllegin anerkennen, sie in seinen Organisationen aui- nehmen urid zur Solidarftai erziehen, um so d,e Grlahr der Lohndrürkerei au» der Welt zu schaffen.
2. Das sind alles ibründe, die eine Klärung der Frage; Tcch- nikcr und Volkswirtschaft wünschenswert erscheinen lassen. Bei der Betrachtung der Frage fragt man naturgemäh zunächst nach der zahlenmäßigen Stellung der Teckznikcr, weil davon bis zu einem gewissen Grade die Bedeutung eines Slandcs im Wirtschaftsleben abhängt. Die Techniker gehören zu dem sog. „Neuen Mittelstand", ein Wort. daS Prof. cchmoller geprägt hat nnd unter deni wrr^ die Privatangestelllen und öffentlichen Beamten verstehen. Die Techniker sind zum Teil Privatangrstellte, zum Teil aus Privoidientzsertrag bei Staat und Wemeiuöc laieg znm Teil öffentlickze Beamte, das heitzt etatmästig im Dienst oon Staat und Gemeinde tätig, äein anderer Stand hat ein so rasches Wachstum auszuweiscn als dieser „neue Mittelstand". Einzelne seiner .qatcgoric» wcffcn fest 1882 eine Vcnnehrung um 100°» aus. Die Gesamtzahl der Glieder des neuen Mittelstands beträgt rund vier Millionen, darunter sind 400000 Techniker. Das rasche Wachstum der Technik erklärt sich au» dem llebcrgang vom reinen Aqrarstaat zun, Industriestaat, der Konzentration des Kapitals nnd der Permehrung der Großbetriebe, besonders der unpersönlichen Gejellschaftsbetriebe. Persügen dach die deutschen Akiiengesellschoften über ein Kavital »on 18 Milliarden Mark. Tic zahlenmästige Entwnllung der Techniker lzat einen so raschen Pcrlaus genomnien, datz heute eine Ueberfüllung in den technische» Berufen vorlwndcn ist. Tic Folge davon ist zunackfft scharfer Wettbewerb unter den Technikern. Dieser' führt zur Steigerung der sachlichen ?lusbildu»g. Daher werden die Organisationen der Techniker in überwiegender Iahl der Weiterbildung ihrer Mitglieder grotzc Auftncrliamkeit Das Ueberangebvt an Arbeilstiästen bringt aber auch die Geiahr schlechter Bezohluug mit. Leider ist die Standesehre und das Tolidariiäts- gefübl der Techniler nicht immer so eniwiliclt, daß sie >vrc Ar- beitrkrast auch richtig bewerten. Bo» dem privaten Ärbcftgeber lann rnan cs verstehen, ivenn et von dcn> Angebot technischer Arbeitskräfte nnter Tagespreis Gebrauch macht, von den staatlichen und gemeindlichen Behörden dürfte inan allerdings das nicht erwarten. Aber cs geschieht gar oft. Infolge der Ucbersüllung entstehen den Organisationen Ausgaben aus dem Gebiete der Berufsberatung, indem sie die Oeffentlichkeit über die Ueber- ftillung im technischen Berns ausklärcn. Durch die llebcrsüllung wächst außerdem die Gefahr der Stellenlosigkeit, die als ständiger Begleiter dem Techniler folgt, und der Gcictzgeber wird vor das schwierige Problem der Arbeitslosenversicherung gestellt.
8. Ausschlaggebend tür die volkswirtschaftliche Steilung des Technikers bleibt aber die Eigenart der 1v l r t s ch a s t l i che n Unselbständigkeit. Der weitaus gi'ützte Teil der Techniker tat nicht mehr die Möglichkeit, die Ruft zwiläzen Kapital und Arbeit zu überspringen und selbständiger Unternehmer zu werden. Er gehört dauernd zum grasten Heer der Arbeitnehmer aus Grund eines Anstellungs. und Dienswcrtrages. Daraus entsteht der s o z i a l w i r t s ch a s t l l ch e G e g c n s a tz zwischen Arbeitgeber lund ?Irbeitnehmer. Wenn auch nach der technisch-wirtschaftlichen Seite die Interessen beider Gruvpen sich decken, indeni an dein Blühen und Gedeihen der deutschen Bolkswirtschaft beide das gleiche Interesse haben, so ergeben sich nach der sozialen Seite umerschiedliche Auffassungen der Arbeitgeber deutet das die Bolkswirtschast beherrschende Prsnziv; „Mit ivenig Mitteln möglichst viel Bedürsnisse befriedigen" in dem Sinne, bei möglichst wenig Aufwendungen möglichst viel zu verdienen. Für den Arbeitnchnier bedeutet das gleiche Prinzip, seine Arbeitskraft zu möglichst günstigen Bedingunqeii an den Mann zu bringen. Darum ergeben sich die Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich Gehalt, Dsenstvcrtrag, Arbeitszeit, Urlaub etc. •
Tie ivirtichaftlichc Unselbständigkeit zeitigt zwei weitere Folgen. Sie bringt für den Arbeitnehmer einmal eine Unsicherheit seiner wirtslbostlichen Lage mit sich. Krankheit, Stellenlosigkeit »im. bedrohen seine Existenz. Eine Woche Krankheit bedeutet für
den Arbeitnehmer viel schtunmcies als für den Ardeitgcber, deijen Betrieb schiietzlich auch kurze Zeit ohne ihn auftecht erhalten werden kann. Die Gefahr der Stellenlosigkeit ist sür den Techniker eine ziemlich große. Daher die bedeutende» slluftvcn- dnngen der Organisationen der Techniker riir StcUcnvermittlung und StcUenlosenunicrstützung. Dazu tritt tyie „gefährliche Alte r", indem iich immer nicht die Gew »Hubert herausbildet, den Tcchnikei' mit 88 Jahren und medr bereits als alten Angestellten zu behandeln, denen Leistung» ährgleit iäwn in der Abnahme bLgriften sei. Selbst staatliche and gemeindliche Verwaltungen mndeln nach dieiem Grundsatz Wie vcrlehrt eine solche Handlungsweise ist, geht daarus hervor, daß der Teckmiker gerade in dem angegcbcnen Alter in der Polllraii seiner Jahre ist und daß er, was ihm eventuell an körverlicher Beweglichkeit abgcdcn iollte —i was noch sehr zu bczweiscln ist — längs durch seine höheren Er- sahrungcn wieder gut macht. Ten Arbeitgebern tällt es auch gar nicht em, sich zivischen 30 und 40 Iadreii vom Gcichäit zu- räckzuzlehcn. Bicliacki sängt er in dielen Jahren erst richtig an. Die ; locitc Folge der ivirlichaftlichcn Unielbständigkeit ist die S ch lv ä ch c dem Arbeitgeber gegenüber. Wen» ncullch rin deutsches Amtsgericht in einem bestimmten FaU zum Rciultate kam, daß der Arbeitnehmer als der wirlichaitlich stärkere anzu- lehen sei, so redet die Praxis doch eine andere Tvrachc. Das geht schon aus der Tatsache hervor, daß der Arbeitnehmer nur eine einzige Einnahnieguclle hat. eben den Verlaus seiner Ware Ar- teitskrast. Gar oft zwingt ihn die Not, seine Arbcitskrast nnter angemessritem Preis aus den Wirtich ostsmarkt zu werscn. Wenn auch der Staat durch seine soziale Versicherung und leinen Ar- benerschutz insoweit in das Arbeilsverhäjrnis eingcgritien dat, als die Arbeitskraft mit der Person des Inhabers verbunden ist, so ist dock' im übrigen der Arbcitsvcrtrag dem sreicn Erniesien zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer überlaiien. Bei Staat und Gemeinde sehen wir gar oft, datz sie sür ihre Betriebe nicht einmal die Pflichten als sittliche Mindestleistung anerkennen, die der (Gesetzgeber dem vrivaten Arbeitgeber auserlegt hat. Ein Beispiel; Das Handelsgeietzbuch bestimmt, daß eine militärische llebung bis zu acht Wochen kein Entlaffungsgrnnd ist. Aus^ereärnet die de»tiä;c Heeresverwaltung hat Vertrage, lronach eine Urbung, die über 14 Tage hinausgeht. als Kündigungsgrund alrzuieden ist. Die wirlichaftlichc Unielbständigkeit mit dem Arbdftsvertrag ichaiit sodann das Problem der Persönlichkeit und ist tne Haupttriebscdcr für den O r g a n i s a t i o n S g e d a n k e n. Der Arbeitsvcrtrag wird leicht so autgetaßt als sei sür die Festsetzung der Bedingungen allein nur der Arbeitgeber maßgebend. Gar oft wird aus dem wirtschaillichen Abhängigleitsmrbaltn,» das Recht abgeleitet, auch nach der allgemeinen, besonders staatsbürgerlichen Seite dem Arbeitnehmer Vorschriften zu machen., Wie Ivenig die Persönlichkeit geachtet wird, zeigt lich in dem Verlangen de,' S t r e i k a r b e i t. Be, Ausbruch von Differenzen ,-wiichen Arbeitgeber und Arbeitern verlangt der crsterc vom Techniker ohne weiteres, daß er die Frage; „wer ist an den Differenzen schuld?", im Sinne des Arbeitgebers zu beantworten und ans seine Seite zu treten dat, während der Techniker die Leistung der Ttreikarkeii vom Standvunkt der Persönlichkeit unter allen Umstönden ablehnen nnd sich aut den Standounli der strengsten Neutralität stellen muß. Der (tzedanle der Schwache dem Arbeitgeber gegenüber iördert das Organffgiionsprinzip. Iniolge der Dergusdildung des sozialwirtschaftlichen Gegeniatzes wird das va- ritätische Prinzip, das in der örganffalorrichen Iniammensasinng van Arbeitgeber und Arbeitnehme,' das Ideal sieht, immer verdrängt. An seine Stelle tritt der reine Angestelltenverband, dcr zwar den Wodliahrts- und Geietzeszweck noch vftegt, indem er Wvhliahrtseinrichtungen schafft und die Gcietzgebung zu beern- slussen sucht, aber als Hauvtausgabe die Interessenvertretung de in Arbeitgeber gegenüber, die Berbeije- rung dcr Anstellungs- und Dienstverhältnisse, der Gehälter uiw. gnsieht. Solche gewerkschaftliche Arbeit dcr Streik hat tür den Techniler nur untergeordnete Bedeutung, iür den rtaat? und Ole- Mcintetechniker Hot er vollkommen auszuscheiden — können die Techniker gut gebrauchen. Ter Staats- nnd Gemeindetechniker Kat eine lraitvollc Organisation besonders nötig, weil iür ihn die Ttaatshilsc, der Akt der Gesetzgebung die Hauvtiache ist und aus diese nur äußerst schwer Einfluß zu gewinnen ist. Außerdem tragt doMheutigc Bcamtenrecht dcr Persönlichlcit nicht genügend Rechnung, lvic aus dcr Geheimhaltung der Personalakten, dem Mangel
— P r l v a t l c h rcr i >l und Krankenversicherung. Die Einbeziehung der Privatledrer und -Lehrerinnen in die Kronkenoenicheiung bat sür die beteiligten Kleise sehr unerfteu- liche Begleiterscheinnngen. Das Mißverhältnis zwischen Emkom- men und sozialer Steilung, das die Lage der meisten Privai- lehrerinnen kennzeichnet, bringt es mit sich, daß selbst von denjenigen Beruisangebörigen, deren Einkommen weit unter dcr Höchstgrenze der Venichrrirngsoftscht 2800 Mk. bleibt, die Einrichtungen der öffentlichen Krankenkaisen, die aut Gewohnlnnten und Lebenshaltung anderer Volksschichten zuqeichniticn sind, als un- augemejjen emvsundcn werden. Das wird umsomehr der F-all sem, wenn jetzt durch eine neue Bundesratsversügung die Er- .zieherinnen und Hauslehrerinnen auf dem Land den Landkrankenkaffen mit ihren geringeren Leistungen zugewicien werden. Außerdem werden die Stunden gebenden Lehrerinnen Musik- lehrerinncn, Svrachlehrcrinncn usw.1 insosern gefährdet, als die schon durch die Angcstelltenvcrsichcrung belasteten Arbeitgeber die neue Vcroftftt'tunq als unbeguem empffnden und ihre Kinder lieber von nicht verlichcrungsvilichligen Kräitcn, in Musikinstituten oder von Lehrkräften öffentlicher Schulen, unterrichten lassen. Die neuerliche Unterstellung imter die Krankenversicherung ist eine narürliche Kvnsegucnz der trüberen Einbeziehung der Lehrerinnen in die Invalidenveriicherung, gegen die sich schon damals ein lebhafter Widerspruch aus Lchrerrnnenkreiien erhob, aus denselben Gründen, die heute gegen die Krankenversicherung geltend gemacht werden. To sehr die Angcstelltenversicherung de» Ver- hälmiiscn der Privotlchrerinnen in realer Hinsicht angevaßt ist,
' nachdein auf Antrag »es Allg. Deutsch- Lchrcrinnenvereins tür die Stunden gebende» Lehrcrinnew ein vrakiijcher Beirragsmodus eingerüirt ist. so durchaus sind Kranken und InvanditätS- vcisickerung aut andere Schichten dereebnei. besteht deshalb 'IN den "reisen der Lehrerinnen vcr'Töbhnste Wunsch, daß die deutsche Pensümsanstatt sür Lehrer und Lehrerinnen, die bereits als Eriatz- institut iür die Reichsangestelltenversichernng anerkannt ist, auch die Kiankenveriichernnq der Lehrerinnen übernimmt. Der Verwirklichung dieses Plans stellen sich vorerst allerdings »och grotzc Schwicrigkeiten. vornehmlich vcrnchcrungstechnischer Art, entgegen. Es >it jedoch eine Kommission eingesetzt, die unter Zuziehung der in Betracht tommendcn Persich»crungsbehördcn die Frage weiter prüst.
— Tie Frau a u s d e „ olympischen s v i e l c n. Bes den olympischen Spielen, zu deren Feier in Berlin iich bereits letzt ganz Deuffchland rüstet, dan mo» auch dcr Beteiligung dcr Frauen nicht vergessen. <-lc sind längst schon Mitstrcftcrinncn geworden, die iich Schritt iür Schritt einen immer stärkeren 'Anteil an den Kämmen erringen. ,iw 0 i steht aut der Tagesordnung des Pariser Sportiongrcsscs ein Punkt, der sich mit der prinzipiellen Zulassung von Frauen zu den olympischen Spielen beschält,gt; tatsächlich aber in dieie Zulassung, wie Tr Martin Berner in einem Aussatz der „Dame" aussührt. in der Praxis berefts criolgt. Schon 1006 har Encchcnlanü 'ühn dan Anfang gewacht, indem es
als erstes Land unter die Wettbewerbe auch Law» Tennis iür Damen, die alte Domäne des Tamensports, einreihtc. England lölgtc 1908 und rügte dem Tennis noch ein Bogenschießen sür Damen hinzu. Schweden ist dann >912 auf dcr begonnenen Bahn weitergeschrittcn. Wie ja übcrhauvt in den skandinavischen Län der» die Frau mehr an sportliche Ucbungen gewöhnt ist als bei uns, so wilrden auch in dem Programm der Stockholmer Spiele wieder neue Wettbewerbe den Damen einqcräumt, nämlich zum ersten Male auch Schwimmen und Wasserspringen. Beim Wasscr- svringcn machten den tapicren -Schwedinnen nur einige Engländerinnen den Sieg streitig; am Damenschwimmcn aber nahmen auch 4 dcr besten deutschen Schwimmerinnen teil, und während die iich im oiienen l00 Meter-Rennen dcr überlcgeiien Krait der Australierinnen beugen mußten, eroberten sich die deutsche» Damen in der 400-Meter-Stasette einen sehr cdrenvolken zweiten Platz hinter dcr englischen Mannschaft. Tic olympischen Spiele in Berlin 101« sehen nun auch ein Eisläufen für Damen vor, und die turnerischen Porsührungen von Frauen, die schon in Stockholm io viel Beifall erregten, bleiben bestehen.
— D i e abnehmende Kriminalität der Frau geht aus einer Statistik hervor, die Geh. Iustizrat Aschrott im neuesten Hcst der Deutschen Ttrasrcchtszeitung mitteilt. Obgleich die Frau in neuester Zeit immer mehr im öffentlichen und Erwerbsleben hervortritt und man deshalb eine Zunahme der wechlichcn Kriminalität erwarten müßte, ist dock, eine Verringerung zu lynstatieren. Aul 100 000 Personen der tveiblichen straimündigen Bevölkerung wurden 1882, dem Ansangsjahr der deutschen Kriminalstatistik, wegen Verbrechen nnd Vergehen verurteilt; 379, 1911 dagegen nur 374. Diese erhebliche Abnahme erscheint erst ini rechten Licht, wenn man sic mit dcr starken Zunahme der Kriminalität beim männlichen Geschlecht vergleicht. Aul 100 000 männliche Personen cntnelen 1882; 1667 Verurteilte, 1912 aber 2049. Tic Krimi- nalitätszisfcr hat also beim männlichen Geschlecht um 22,9 Proz. zugenommen, während sic in dcr gleiche» Zeit beim weiblichen zurückgegangen ist. Während 1882 aus 100 männliche Verurteilte 24,7 weibliche Verurteilte kamen, waren cs 1911 nur noch 19,5. Dabei lind die wegen Verletzung dcr Wehrvilicht Verurteilten natürlich nicht mitgezählt, da ein solches Vergehen bei dcr Frau wrliällt. An dcr Gejamtlriniinalität war die Frau 1911 mit >6,1 Prozent beteiligt, und zwar waren weiblichen Geschlechts unter allen wegen Kuppelei Verurteilten 96,4 Prozent, unter allen wegen Meineides Verurteilten 44,5 Prozent, unter allen ivegen Hehlerei Verurteilten 40,6 Prozent, wegen Beleidigung 39,3 Prozent, wegen eintachen Diebstahls 30,7 Prozent, wegen Unterschlagung 20,5 Prozent, Erpressung 18,2 Prozent, wegen Todschlag 16,8 Prozent. Als vorzugsweise weibliche Straftaten erscheinen »lw vor allem die Kuppelei, dann amb Meineid, Hehlerei und Beleidigung. Eine typisch männliche Straftat ist dagegen Raub und räubcrffchc Erpressung; ans je 100 aller wegen dieses Verbrechens Verurteilten kamen nur 3 weiblichen.Geschlechts.
ks. Frauenmaler und Mode. Wer ein Frauenbildnis von dcr Hapü ernes großen Meisters üer,-Vergangvth« brrrachkel.
kann davon die Trachten vergangener Jahrhunderte ablesen. Werden unsere Nachfahren cs ebenso machen können? Richten iich die Franennialcr dcr Gegenwart nach der herrschenden Modi? Eine sranzüsischc Schriftstellerin Louise Faure-Favricr hat sich diese Frage vorgelegt, als sie die Bilder im Pariser Salon betrachtete und über die Ergebnisse ihrer Untersuchungen berichtet iic im „Mer- eure de France"; Albert Besnard zeigt keine Vorliebe für dieMode, die „Toilette" existiert für ihn nicht, er belleidet seine Figuren mir langen ialtigen Gewändern aus Seide oder aus Tüll. Dagegen betont er in allen seinen Frauenbildnissen sorgfältig die Konturen des Kopses, er kämmt und irisiert seine Schövmngcn wie ein geschickter Haarkünstler. Boldini, der nervöse, aristolralischc Boldini. kleidet seine schönen, edlen und melancholischen Frauengestallen in strenger Weise: er liebt die ungewissen Farben und eine gewisse bizarre Art der Formen- und Farbengebung, was die „Toaues" von Reihericdcrn anbetrifft; Gcrvcx l)at keine Symvathicn für den Schnitt oder die Form des Gewandes; er will nur, daß die Frauen, die ihm sitzen, sich den Hals, die Brust, die Hände mit vieleik Juwelen ichmücken; cr zieht die Perlen vor, die er mit wenigen Pinsclstrichcn prachtvoll wiedergibt. Ter Künstler, der iich der Mode sasr^sklavisch hingibt, ist La Candara; „Dieser Maler der clegänte» Schlankheit und der nächtlichen Blässe", so bemerkt Frau Fanre, „hat Fräulein Jane Rcnhonardt mit einem kleinen Helm aus rosa Musselin mit langen Falte» nach de» Bildern in den neuesten Modeblättern gemalt. Ungeheure, in nilbcr gefaßte Perlen schmücken die Ohren, die halb von der gewellten Haarslut bedeckt sind. Bon den zarten Fingern svringt ein Glanz in den Farben des Regenbogen» auf, dcr von einigen Perle» von außcrord-pt- lichcr Größe und Schönheit misgeht. La Gandära hält daraus, wie alk' wissen, den modernsten Schövtungcn dcr Mode reinlich genau zu solae». Deswegen wollte er auch das Bildnis dcr Ida Rubin- stein nicht ausftcllcn, obgleich sie sehr schön und elegant war, weil — die Tänzerin noch naeh der Mode von 1913 gekleidet war. .."
— Wie prüft man Eiernndeln aui ihren Ei- geholt? In ein Weinglas nnrd hochvrozcntigcr Svirirus lcotl. guter Brennspiritus) gegeben« in ein anderes Schweicläther tür 5 Pig. Vorher bat man eine Handvoll qelauiter Eicrnudcln in einer geiänbertcn Gewürz- oder Kaffeemühle sein gemahlen. In jedes der Weingläser wird nun ein Teelöffel voll von den sein gemahlenen Nudeln getan, unigerührt und eine Stunde langl mit Tcllerchen bedeckt, sichengclasscn. Färbt sich die Spirituslösung gelb, während die Aetherlösung farblos bleibt, so waren die Nudeln gesärbt und enthielten überhaupt kein Eigelb. War die Aetherlösung allein ge« färbt, so ist Eigelb nachgewiesen ohne künstlichen Farbitosizujotz. Waren beide Lösungen gesärbt, so enthielten die Nudeln Eigelb, waren aber glcichzeiftg auch gesärbt. Diese Erscheinung beruht daraus, daß dcr natürliche Farbstois des Eigelbs iich >n Aetder, aber nicht in Alkohol löst, während die künstlich zugesctzlen Farbstoffe sich leicht in stllkohol und weniger in Aether löse». Dieser Versuch ist, so lesen wir im „Naturarzt", unbedingt zuverläsftg und dient dem Chemiker stets als Vorprüfung, bevor cr zur eingehenden Untersuchung schreüet.


