Ausgabe 
11.7.1914
 
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t*r mntltmtfdieu SVtDm'ii uttb um mexikanisches Petroleum kunrpfen Die .Rftichnsineß' tratzse Sck>uld daran, daß die meitkanische ReocKutirm auslbrach, und daß sie nu1)t schon langst zusammengebrochen sei. Ein MidglilK» des Repräscn taute,ihanslkS, Bertrrter fiir Kalifornien, namens Julius Kahn, hat darirnihin die folgende Interpellation eingc- bvadjt:Der Sbacttssekretär wird ersucht, sosort der Kam- n»er, falls das öffentliche Interesse e-Z gesbarlet, ,;ur In sorntatil'i, die Briefe, Dokumente und Instruktionen oorzu legen, die Mr, John Lind, dein sp>-ziellen Vertreter des Präsidenten in Mexiko, Ungeschickt imirden tmd welche die Perficherungen detresfen, die Mr Lind dein Kapitän Hop­kins (juristischer Beirat der Konftituponalistcn in Washing­ton) ober irgendeiner «ruderen Persönlichkeit gab, um, wie die Publikationen des9few York Hcrald" festste klön, Kriegs­material aus einem Hafen der Bereinigten Staaten in den Golf von Mexiko, vornehmlich nach Mobile oder Pensacola auf Kuba zu exportieren, und zwar aus Schissen, die in Kuba ihren Kurs andern und sich zur Mündung des Rio Bravo »oenden sollten, um sich den Konstitutionalisten ohne jedes Einschreiten der Bereinigten Staaten anzuschließcn," Diese Interpellation ist der Kommission für auswärtige Angelegenheiten überwiese» worden. Es ist anzunehmcn, d> sie dort einm Ruhcpunkt finden ioird.

Bedeutsam ist das Derhalten der r u s s i s ch e n P r e s s«, die sich in dem Augenblick, da die Ankunft Poincares bevor- stcht, scl>arf gegen England wendet, nacl>dem das englrsaze Geschwader kaum den Hafen von Kronstadt verlassen hat, Tie Erbitterung beruht ja wohl aus einer langst bekannten Abneigung gewisser Kreise vor England, sie beruht diesmal aber noch im besonderen ans den von England erworbenen Oelquellen, Sv schreibt z, B, die Nolvoje Wremja,Tie Er­werbung des Monopols auf russisches Naphtha gibt das Schicksal Persiens in die Hände der englischen Re­gierung, ganz wie der Ankauf der Suez-Kanal-Altien ihr die Macht über Aeqppten braelste. Das und nicht (Wie Str Edward Grch aus führte) Willkürlichkcitcn der russischen Konsuln, gebe einen gerechten Anlaß, das anglo-rujsisä-e Abkommen zu revidieren. Wir irren aber nicht in der An­nahme, daß in naher Zukunst neben dieser Naphtha- frage die Frage der trän s pe r s i s ch c n Bahn neuen Anlaß zur Entrüstung der russischen Presse geben wird. Die ersten Anläufe dazu sind uns bereits cntgegen- getreten. In England aber scheint allerdings die ilkeigung, einen direkten Weg von Teheran nach Indien zu scl>afscn, nur noch gering zu sein, was insofern nicht zu verwundern ist, als jetzt nach Erwerbung der Oelquellen für die eng­lischen Interessen nähere und dringendere Ausgaben in den Vordergrund rücken. Es ist uns jedoch im Zusammen­hang mit der Frage der transpersischcn Bahn ausgesallen, daß russischerseits jetzt mit besonderem Nachdruct aus die Notwendigkeit hingewiesen wird, von Buchara aus Ver­bindungen mit Afghanistan anzuknüpfcn, So tveitet sich da--- Gebiet derunsicher»" Nachbarschaften immer mehr, und wir glauben schon jetzt die Entwicklung vorauszusehen, die aus Äjjerbeidian und dem kaspifchc» Persien ein neues Buchara gemacht haben wird. Es ist, was Graf York in seinem berühmten Buch über das Vordringen der russischen Macht in Asien, dasSuchen nach einer Grenze"' nannte,"

Ebenso einseitig gehässig ist auch die Stellung der rus­sischen Presse zu dein Mord rn Sarajewo, So meint dasselbe Blatt, dast altes, was über eine serbische Agitation gesagt werde, ans Fälschungen zurückgeh«,Die verbrecherisch« Ar­beit der Falsisikatoren" tverd« jedoch niemanden irre führen, Tie fast einmütige Ueberzeugung Europas sei, deck für den Tod des Erzherzogs die moralische Verant­wortung Oesterreich zusalle, das eine Atmosphäre des Zorns, des Misses und der Erbitterung systematisch geschaffen habe. Man sicht, die russische Presse nimmt es nicht sehr genau und sieht Rußland für Europa an. Hierzu bemerkt die Kreuzztg," sehr richtige Daran, daßdie serbische» Elemente Bosniens und der Herzcgonnna von Serbien aus snstematisch in antiösterreichischem Sinn bearbeitet iverden, kann eben­falls niemand zweifeln, der die Verhältnisse verfolgt hat, wie sic sich seit 1908 gestaltet haben, und es wäre gewiß nicht zu verwundern, wenn die österreichische Politik auf Maßregeln bedacht iväre, um Serbien eine direkte Nach­bar,N,att zu Bosnien, Herzegowina und Montenegro zu ver­bauen, Auch taucht je länger je mehr der Verdacht auf, daß die Unruhe,i in Albanien in Zusammenhang mit den Zu­kunftsplänen Serbiens stehen. Das Blut, das in Sarajewo geflossen ist, und die Schatten der Ermordeten erheben Klage gegen Serbien und auch der noch immer ungesühnte Mord des Königs Alexander und seiner Gemahlin ist aus der Vcr- gessenheit, in ivclche man ihn zu begraben bemüht war, wieder lebendig in den Vordergrund unseres Empfindens ge­treten, Es ist nicht denkbar, daß dem beleidigten sittlichen Bewußtsein des Abendlandes die Sühne versagt wird, die es fordert.

fortschreitenden Modernität erhöhtes Interesse, Auch der große Saal Homburgs nimmt durch seine Geschlossenheit im Teko- ralivcn und die grofzügig-reizvolle Wirkung eine Sonderstellung umer den Schauräumrn ein. Der Charakter dieses Saales ist be­stimmt durch ein mächtiges, ganz in schwarz-weisj gehaltenes Glas- scnster von Pros, Czeschka, das durch seine ieine ornamentale Wirkung dem ganzen Saal etwas von einzigartiger, natürlicher Feststimmung gibt.

Ganz am Ende der Ausstellung breitet sich die von Metzen- do r s, dem Architekten der KruppschenMargaretenhöhe", erdachte Anlage des Neuen Nicderrheinifchen Dorfes aus. Vielleicht nicht io sehr für dieses besondere Gebiet bestimmt, bietet diese Toriiiedelung eine Fülle von fruchtbaren Anregungen tocit über den Einzeliall hinaus. Die WohncinrichMngen sind ciniach gehalten, aber solid und geschmackvoll in Farbe und Form, Tie Torskirchc, die wie etwas ganz Verwandtes mitten aus der Sied­lung herauswächst, cntwülclt ihre Form aus den gleichen Elemen­ten, wie die Häuser, die Ausstattung verrät einen persönlichen, frischen, herzhaften Sinn, Tics Dorf ist keine Thcaterkulisse, massiv in Backsteinen erbaut _ ringt cs sich aus konventioneller Altertümelei heraus, stellt eine Schöpfung von individuellem, modernem Charakter dar. Und gerade aus diesem Gebiete möchte man den Bestrebungen des Werkbundes nachhaltigsten Erfolg wün­schen In der großen Perkchrshalle von Eberhardt zeigt die starke Beteiligung unserer Verkehrs- und der anderen schweren Metall-Industrien, wieweit der Formgedanke des Werl­bundes auch in diesen Kreisen sich durchgerungen hat, wie der Qualitätsanspruch als eine Stärkung des Ansehens unserer natio­nalen Arbeit gewertet wird.

Und damit scUießl sich wieder der große Kreis, der Weltbund will die Qualitätsarbeit jördern und den Willen zur Arbeit, zur besten Arbeit wecken, so umfaßt er alle Qualitäts- industrien und reicht hinein in die freie Kunst, Ter Bund ist im besonderen der Meinung, daß das deutsche Volk heute die natio­nale Kraft besitzt, ftl allen Dingen, die es gestaltet, seine wesen- eigene Art auszudrückcn. In aUcn Dingen des Lebens das eigene na tionale Wesen zum Ausdruck zu bringen, sie künstlerisch und geistig zu durchdringen: das ist der große Gedanke, Und die neue deuttcde Form wird die Herrschaft des deutschen Gedankens in der Welt ausbreilcn und befestigen, sicherer als Politik und Hccrcsrüstirng,

An» Stadt und Land.

Gießen, ll. Juli 1914. Provinzialdirektor Geheimer«« Dr, Usingcr über die Elektrizitätsversorgung der Provinz Oberhesscn.

Der Vortrag des Proviiizialdirektvrs, von dem wir an anderer Stelle eingehend berichten, gab ein ungemein klares Bild von der Vorgeschichte und der Durchführung der Elek­trizitätsversorgung für Obrrhessen Es war eine dankens­werte Aufgabe, die sich der Vortragende gestellt hatte, denn gerade über das Elektrizitätswerk der Provinz herrschte in vielen Kreisen der Außenstehenden vöslige Unkenntnis, Die Ausführungen Geheimerat Usingers waren geeignet, die Hörer davon zu überzeugen, dag Oberhessen in der Per- sorgnng mit elektrischer Energie ein Werk besitzt, das trotz vieler Unkosten rentabel sei» und l>csonders seine ideelle Aus- gäbe, zur Förderung von Gewerbe und Landwirtsü>aft zn dienen, voll erfüllen wird.

Interessant war es, das Urteil des Redners über da» Gießener Elektrizitätswerk zu hören Er sagte, Das Gebiet, das die Stadt Gießen für ihr Werk bekommen trat, ist von derselben Güte tvie'das (Gebiet, das die Provinz hat. Das; das Werk schon in den ersten Jahren Ueberschüsse erzielen konnte, war unmöglich, denn auch die Provinz rechnet 10 Jahre lang mit Zuschuß, Ich glaube, dag das Werk der Stadt auch sehr bald rentabler wird,"

** T a g es k a l e n de r sür Sonntag, den 12,J»ki: Gewerbe- anssteilnng, 47 Uhr und abends von 811 Uhr Konzert der Kapelle der Unterosfizierschnle Wetzlar,

Freilichtbühne, »Tie versunkene Glocke',/,3 Uhr,

C e > 1 1 o n - A n s st e l l u n g im Botanische» Garten, Sonntag geöffnet vormittags von 812 Uhr und nachmittags voa 26 Uhr,

Kunstausstellung geschloffen,

OberbessischcS Museum und Gail'sche Samm­lungen. Geöffnet Sonntag vormittags 111 Uhr unentgeltlich, Lichtspielhaus, Täglich Vorstellung,

U » i o n - T h e a t e r: Täglich Vorstellung,

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** Gewcrbeausstellung. Gestern nachmittag be­sichtigte Minister v, Hvmbergk, Exzellenz mit mehreren Herren des Ministeriums die Ausstellung unter Führung von Provinzialdirektor Geheimerat Tr, U s i n g e r, Ober­bürgermeister Keller, Professor Dr. Krausmüller und Fabrikdirektor Thome, Tie Herren waren von dem Besuch außerordentlich befriedigt. Das Mittagessen wurde in der Festhalle eingenommen, Gestern abend fand ein Konzert der hiesigen Militärkapelle statt, das mit italieni- scher Nacht verbunden war, Wie uns mitgeteilt wird, haben sich für Sonntag verschiedene landwirtschaftliche und gewerbliche Vereinigungen angemeldet. Ein besonderes Interesse erregen die erst in letzter Zeit hinzugekommenen beiden Handwerker, nämlich ein Nagelschmied und ein Töpfer,

** Besuch praktischer Landwirte, Nachdem in letzter Zeit eine Reihe landwirtschaftlicher Vereine aus nah und fern, z, B, gestern -das Landiv, Kränzchen zn Worms, wie bereits mitgeteilt, die Versuchsfelder des Landwirt­schaftlichen^ Instituts besichtigt haben, werden auch am morgigen Sonntag wieder einige Vereine hier zum gleichen Zwecke eintrefsen. Je ein Verein kommt ans dem Wester­wald, Taunus und Bvgclsberg, zwei aus der Wetterau,

** Erledigt ist die Stelle eines Brandvcrsicherungs- inspektors mit dem Wohnsitz in Mainz, Schluß der Melde­frist, 1, August 1914, Ferner die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende dritte Lehrerstelle an der Volksschule zu Düdelsheim, Kreis Büdingen,

** Akademischer Wartburgbund. Am nächsten Dienstag, 14, d, M,, abends 8'/ s Uhr, wird Professor D. Dr. Schian in Steins Garten einen Vortrag halten über das ThemaDie gegenwärtige Kirchen austritts- bewegung und die Gebildeten". Ein Thema, das so unmittelbar in die aktuellen Tagessragen unserer Zeit hineingreift, darf wohl allgemeinstes Interesse beanspruchen, ** Das Museum sürBölkerkunde ist am Sonn­tag, den 12, d, Mts, geschlossen,

»»Der Hessische Landesgewerbeverein hält seine diesjährige Hauptversammlung am 13, September zu Erbach i, O, ab, Ten Hauptpunkt der Tagesordnung bildet die Beratung und Beschlußfassung über Einrichtung von Schiedsgerichten in den Ortsgcwerbevcreinen,

** Das Großh. Hessische Regierungsblatt Nr, 16 vom 9, Juli hat folgenden Inhalt, 1, Gesetz, die reli­giösen Orden und ordcnsähnlichen Kongregationen bctr. 2. Statuten des Großh, Hess, OrdensStern von Brabant".

** Lohnaufbesserungen für Eisenbahn­arbeiter. Die neue Lohnordnung der preußisch-hessischen Eisenbahnverwaltung hat, obwohl sie nur eine Zusammen- fassung und Vereinheitlichung der Lohnsystcme darstcllen soll, einer großen Anzahl von Eiscnbahnarbeitern zugleich auch ziemlich bedeutende Lohnerhöhungen gebracht. Beach­tenswert ist, daß ein alter Arbeitervertreter, der Vorsitzende des großen Berliner Eisenbahnhandwcrker- und Arbeiter- Verbandes, Eisenbahnschlosser Gustav I ck l e r, Mitglied des Reichstags, dem Eisenbahnminister von Breitenbach anläß­lich der diesjährigen Reichsciscnbahnetatsberatungen den Dank für die Zusammenberufung der Lohnkommission mit dem Bemerken aussprach: die neue Lohnordnung sei ge­wissermaßen eine Krönung der bisherigen Reformen und bringe den Arbeitern ganz erhebliche Vorteile, Interessant ist auch eine vom Generalsekretär Riedel des genannten Verbandes angefertigte Statistik über die Eisenbähnarbeiter­löhne und über die ortsüblichen Tagelöhne, die dem Reichs­tage übermittelt wurde. Aus ihr gehl hervor, daß in einer großen Anzahl von Orten die Eisenbahnarbeiterlöhne bereits höher stehen als die ortsüblichen Tagelöhne, Angesichts solch günstiger Lohnverhältnisje ist es zu verstehen, wenn der An­drang der Privatarbeiter zu den Eisenbahnwerk- und Be­triebsstätten von Jahr zu Jahr größer wird,

** In dem ChristI, Jahresfeste in Basel, das vom Sonntag bis Donnerstag sdattfand, sprach Dekan Guß­mann von Kirchberg im Namen von 200 hessischen Ge­meinden und konnte berichten, daß es dort vorwärts gehe in Missionsfragen, Wie in Wiesbaden sollte man sich auf die Unterstützung einzelner Missionare verlegen, aus die sich das allgemeine Missionsinteresse konzentrieren könne, Redner dankte auch für die freundliche Aufnahme der 17 Studenten der Gießener theologischen Fakultät.

** Beerenobst Verwertungs-Kursus. Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß der dies­jährige Beerenobstverwertungs-Kursus an der Großh, Obst­bau- und Landw Winterschnle zu Fri menden Dienstag, den 14, d M,, vormitt ** Silberne Hochzeit feierten gestt Siesel und Ehefrau, Herr Siesel ist Schmucker aus der Marktstraße,

" Ein merkwürdiger Reisender, Aus dem Frank- tuttcr Hauptbahnhos wurde am Dvimerstag der 29,ührige Büchcr-

edverg am kom- ags 9 Uhr, beginnt, irn Kaufmann Julius Inhaber der Firma

revuor Waldemar Neblung aus Thüringen dabei abgesaßt, als er sich ohne Fahrkarte durch die Sperre drängen Ivolllc, Ber seiner Polizei!ickn'ii Vernehmung erklärte der Mann unnmimmbc», daß er bereits seit Monaten Deutschland in I>-Z ügcm durchiabrc, ohne je im Besitze einer Fahrkarte gewesen zu sein, stets ßn cs ihm gelungen, unbehelligt von Bahnsteigichasstiern, Wogenschafsnern und Auftichtsbeamten ohne Karte ans die Bahn­steige zu kommen, in die Züge zu gelangen, in diesen zu fahren und am Ende der Reise die Bahnhöie wieder frank und trei zu verlassen, Neblnng erklärte ferner, daß tlm ein uuwidcrstehlick)es Verlangen in die v-Zügc treibe. Als er am Donnerstag in Frankstirt sestgehalten wrade, hatte er bereits die Reise von Köln über Cassel nach FrankiuN zurückgelegt. Das Geld zu seinem Lebensunterhalt Ivill er von seinen Angehörigen erhalten haben. Anscheinend bandelt es sich bei Neblung um einen nicht ganz iwrmalen Menschen,

"Pastschcckverkehr, Im Reichsvostgcbict ist die Zahl der Kontoinhaber im Postsäieckverkchr Ende Juni 1914 aus 9b 831 gestiegen, (Zugang im Monat Juni 4309, > Aui diesen Postscku-ck- konten wurden im Juni gebucht 1592 Millionen Mar! Gutschrif­ten und 1606 Millionen Mark Lastichriitcn, Bargeldlos wurden 1725 Millionen Mark des Umsatzes beglichen Das G-samtgnt- haben der Kontoinhaber betrug im Juni durchichnittlich 228,8 Mil­lionen Mark, Im internationalen Postübcrwcisungsverkehr wur­den 8,7 Millionen Mark umgcsetzt,

** Der Maulbeerbaum, Während vor mehreren Jahr­zehnten der Maulbeerbaum n«nh ziemlich häutig in unseren Gärten und Häsen zu linden Ivar, ist er jetzt eine Seltenheit geworden: man findet ihn nur noch in grätzerrn Obstgärten, wo er der Voll­ständigkeit halber nicht fehlen darf. Sollte man nnrklich nup noch pflanzen, was den höchsten Ertrag bringt und sollte aller Garten- und Obstbau nur einzig dem Nützlichen und Gnträg- lichen, nicht aber uuch daneben dem Schönen siü> mehr zuwenden? Znmr munden ia die Beeren nur und sind gesund, wenn sic die völlige Reise haben, und dann müssen sie alsbald verzehrt oder verwendet werden, weil der Saft bald i» Gärung gerät und zu Essig wird. Man vstückt sic daher in der Frühe des Morgens und kaust und genießt sie aus den Obstmärktcn südlicher Städte, ehe die Litze des Tages sie verdorben lzat. Tic Maulbeeren haben daher leine Verloendung als Handelsartikel, die Früchte werden roh versoeist, eingemacht oder zu einem wohlschmeckenden Sirup verarbeitet. Obgleich der Maulbeerbaum, der eine Höhe von 6 12 Metern erreicht und ein dauerhaftes, icstes Nutzholz liefert, mit seinen blutroten, weißen, gelblichen oder schniarzen Früchten und seinem dunklen Laube einen herrlichen Anblick bietet, so hat er dennoch in Tcntschland niemals als Obsllmum beiondere» Wert erlangt, dagegen wird er in südlichen Ländern mehr kultimert, besmidcrs der spcißc Maulbeerbaum, weil seine Blätter zum Füt­tern der Seidenraupe dienen. Der Maulbeerbaum stammt aus Per­sien uich Zentralasien u, fand schon früh Verbreitung nach Westen. Sehr empsindlich ist er nicht, denn er hat bald die Alpen überstiegen u. er gedeiht niäü bloß in Frankreich, sondern auch in England und Deutschland, selbst in Skandinavien, obgleich es vorkommt, daß er in härteren Wintern erfriert. Da sein Laub im Frühling erst spät hcrvorbricht, nannten ihn die Griechen den vorsichtigen Baum (sapienftlstma arborums, der sich erst mit seinem Laube hcrvor- wagt, wenn kein Frühlingssrost mehr zu besürcksten ist. Und den­noch gehören seine Früchte zu den ersten Sommersrüchtcn, die bei den Kindern sehr beliebt sind, obgleich sie zum Schrecken der Mütter sich mit dem Saite leicht die Kleider verderben. Man unterscheidet den schwarzen Maulbeerbaum mit derben, grobgefügtcn Blättern und schwarzen Früchten und den weißen Maulbeerbaum mit zär- terem Laub und gelblichen Früchten, mit welchen vielsach oas Haus­geflügel gefüttert wird . Wichtiger als durch seine Früchte wurde der Maulbeerbaum später durch sein Laub, er machte die Einführung der Seidenraupe aus Osttndieu möglich. Als in den 30er und 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Seidenraupenzucht auch in deutschen Landen einen größeren Umfang, besonders durch Lehrer, die dem Naturstudium große Aufmerksamkeit schenkten, zu nehmen begann, da wurden auch vielfach die weißen Maulbeerbäume angv- pstanzt. Da bei uns die Seidenraupe nur im Zimmer und unter sehr erschwerten ilmständen gezüchtet werden kann, so gab man diese Kultur bald Ivieder gänzlich auf, und so ftndct man nur selten einen Abhang, der mit weißen Maulbeerbäumen in zwerghasten Exem­plaren bestanden ist. Immerhin verdient aber der Maulbeerbaum, besonders der schwarzfrüchtige, wegen seiner zum Ansetzen von Branntwein vorzüglich geeigneten Früchte, wegen seines herrlichen Lanbdaches und seines gut verwendbaren Holzes eine angemeffenr Verbreitung und Pflege, zumal sic sich durch Wurzelschößlinge leicht iortpslanzen lassen,

** Kleine Mitteilungen, Wie uns aus A tz b a ch mft- geteilt wird, wurde am Freitag nachmittag der Landwirt W, Ä c u z aus seinem Heimwege von 810 Burschen übcriallen und so zu­gerichtet, daß er.sich in ärztliche Behandlung begeben mußte, Ein Soldat der Leibkompagnie des Jns,-Regts, Nr, 117 aus Pforzheim, der im zweiten Jahre dient, versuchte sich am Donnerstag das Leben durch Erhängen zu nehmen. Er wurde noch rechtzeitig abgeschnittcn. Der Unglückliche war mit einem Leiden behaltet. In der Wohra ertrank gestern beim Baden de, 8jährige Sohn des Gerichtsvollziehers Runge aus Kirchhain, Landkreis Gießen, ck, W ic scck , 11, Juli, In der heutigen Gcm ei n d e r a ts» s i tz n n g wurden die Schreiner-, Spengler- und Weißbindcr- arbeiten in den beiden Schulhäusern der Gießener und Schul- sttaße genehmigt. Die Arbeiten sollen aus dem Submissionswegc vergeben werden. Zur Förderung der Bewegungsspiele soll ein für jedermann zugänglicher Spielplatz am Schreier errichtet wer­den, Die Anschaffung von Turngeräten usw, sür die Schulen wurde genehmigt. Der Verkaufspreis sür Baugelände am Lichtenaucr Weg, Turn- tmd Karlsstroße wird aus 4 Wk. pro Quadratmeter festgesetzt. Dem Gesuch des PH, Walther um Erhöhung des Pslegc- geldes sür Louise Döringer wird insoweit stattgegebcn, daß der Preis rwn 120 ans 150 Mk, erhöht wird. Die Reparaturen des Bvckhauses in der Gießener Straße werden für erforderlich erachtet Und genehmigt, Ueber die Berpackftung der Schafweide für 1915 wurde beschlossen, zwei Hcerden bcizubehalten, und die Verpachtung aus Submission zu vergebcu. Me Ueberdeckung der Friedhofswege soll erst durch Schlacken erfolgen, Tie 2lnpflan,ung von Bäu­men an den Hauptwegen entlang wurde genehmigt.

Kreis Büdingen,

A 9 ü b i n g t n , 10, Juli, Krcisamtmann H i c m c n , wurde nach Mainz versetzt, an seine Stelle kam Kreisamtmann Tr, Wehn er hierher,

Kreis Alsfeld.

A Alsfeld, 10. Juli, Ter Kriegsveteran Justus Jung aus Angenrod ist im Alter von fast 70 Jahrsn gestorben, er hat die Feldzüge 1866 und 1870/71 als Infanterist mitgemacht,

Kreis Friedberg,

Bad-Naubeini, 10, Juli, Die Fcst-Aussührung der Eliza- bcth-Duncan-Schule am Nachmittag des 15, Juli im Großh, Kur­haus zu Bad-Nauheim steht bekanntlich unter dem ProtekiorateJhrer Königlichen Hoheit der Großherzogin Eleonore von Hessen, deren persönliche Teilnahme an der Veranstaltung, ebenso wie die des Großherzogs und der großhcrzoglichen Prinzen, lt, Mitteilung aus dem Hoflager in Jagdschloß Woljsgarten zugesagt worden ist. Wenn Elizabeth Duncan mit ihrer Schule an diesem Tage vor die Oessent- lichkeit tritt und einem größeren Publikum Einblick in ihre Wirk­samkeit gestattet, so geschieht dies nur um der hoben Protektorin und der guten Sache wüten, zu deren Besten die Aufführung ge­plant ist. Es ist eine ganz einzigartige Darbietung, b,e hier ,m Rahmen einer iestlichen Veranstaltung geboten wird, und sie »u sehen, darf als eine seltene Gelegenheit bezeichnet werden. Denn Elizabeth Duncan liebt es nicht, mit ihren Kindern öffentlich auszu- treten, Sic hat eine ähnliche Vorführung der Schule bisher unseres Wissens nur in Essen und bei Osthaus in .Hagen gestattet. Die außergewöhnlichen Erfolge an beiden Orten sind bekannt. Erinnern dürste man sich auch des begeisterten Urteils des deutschen Kron­prinzen über die Leistungen der Schule, Sic wurde ihm im Januar dieses Jahres auf seinen Wunsch in einer geschlossenen Slussührung im Berliner Lessing-Theater vorgeführt, und,unter dem unmittel­baren Eindruck dieser Ausführung beglückwünschte der Kronprinz