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Erstes Blatt

M. Zayrgang

Der Eiehener Anzeiger

erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich ^iehenerZamil ienblätter; zweimal wöchenll.Breis- dlan für den Areir Siehen (Dienstag und Ureirag); zweimal monatl. Land« wirtschaftliche Seitsragen Fernfprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112,

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Anzeiger «icßen.

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bis vormittags 9 Uhr. KOtationsonia uno Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Freitag, (V.Zuli 19U

VezngsvreiS:

monatlich75Vs.,vlertel- jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch die Bost Mk. 2.viertel- jährl. ausschl. Bestellq. Zeilenpreis: lokal 15Ps^ auswärts 20 Pienniq. Chefredakteur: A. Goeq. Verantwortlich für den polil. Teil: Ang. Goeg; für .Feuilleton", .Ver­mischtes" und.lÄerlchts- faal": 5iarl 91euiatl); lür .Stadt und Land-:

ffedattion. Lrpedition und Druckerei: Schulftraße 7. Anz-,g-'n!nu o" «-L

Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.

hansi. der Hochverräter.

Der Reichsgerichtsprozeß gegen Pen elsässischen Kunst­maler Johann Jakob Waly, genanntHansi", aus Kalmar erregt mit Recht das stärkste Interesse der großen Lcsfent- I«hkeit. Einmal wegen der unglaublich gehässigen Kari­katuren und Witze, die man da erfährt und die einen W- gruud politischer Derhetzustg zeigen, dann aber auch wegen der unglaublich uwgcschrckten .Behandlung, die dieser Full krtminalpolitisch und prozessualisch durch die Behörden und die Gerichte erfährt. Ter Oberreichsanwalt zu Leipzig muß aus Vorhaltung des Verteidigers zugeben, daß der lieber- weisungsbcschluß des Landgerichts Kalmarrecht mangel- hast^gcsaßt ist". Und der Präsident des vereinigten 2. und 3. Strafsenats des Reichsgerichts erklärt sich selbst über­rascht und vermißt in den Kolmarer Akten jede Angabe, warum und, wieso denn der Radierer Hemsi ein Hochver­räter sein soll.

Beleidigt hat er schon oft genug. Dreimal ist er wegen seiner antideutschen Sticheleien vorbestraft. Ticsmal wurde eine Kränkung elsaß-lothringischer Gendarmen und Lehrer in Hansis BuchMan villagc" gefunden. Man war zu Kol- mar in der Verhandlung der Sache schon ziemlich weit, der Staatsanwalt hatte 6 Monate Gefängnis und 1500 Mark Geldstrafe beantragt, da findet das Landgericht ein Haar in der Suppe. Haust hat vielleicht, so keimen die Bedenken, diesmal nicht nur beleidigt, sondern auch eine vorbereitende Handlung zu einem hochverräterischen Unternehmen be­gangen. Und deshalb rst also das Reichsgericht zuständig. Hansi und sein Verteidiger beantragen, das Reichsgericht möge doch dem Eröffnungsbeschluß detaillierte Angabe» über die hochverräterischen Vorbereitungen, die in dem Witz- buch zu finden sein sollen, beifügen. Tic Männer im roten Talare lehnen ab. Mit Recht. Tas ist nicht ihre Sache. Tas hätte schon in Kalmar geschehen sollen. Schließlich bleibt dem Oberreichsanwalt nichts anderes übrig, als die Klage wegen Vorbereitung zum Hochverrat znrückzuziehen. Aber wegen der Beleidignngsbagatellen muß nun doch der ganze Apparat zweier Senate des höchsten deutschen Gerichtes weiter arbeiten.

War dos nötig? Muß man einem Herrn Hansi Gelegen­heit geben, sich twr den Leipziger Richtern als Märtyreü seiner nationalistischen Utopien aufzuspielcn? Muß man der franzsöischcn Presse (Gelegenheit geben, sich über man­gelhafte deutsche Gerichtsbeschlüsse und darüber zu mokie­ren, daß gegen die kleinen frechen Spatzen des Hansischen Witzes die Riese,i-Kruppgeschütze höchster deutscher Recht­sprechung ausgefahren iverdcn? Und muß man endlich dem kleinen Hetzblatt, für das der Maler Johann Jakob Waltz seine Scherze zeichnet, muß man den Hetzern und Jranzöslingen diese ungeheure kostenlose Propaganda in den Schoß werfen, die ein Hochvcrratsprozeß auf der Leip­ziger Rechtsbühnc für sie einmal bedeutet? Oder sollten doch die Zeichnungen Hansis wert sein, daß man sie auf den Begriff des Hochverrats hin prüft?

Aber man niag die Berschen und Bilderchen vonMon village" noch so gründlich durcharbeiten, man wird trotz allen Acrgers über diese nicht einmal sehr geistvollen Bos­heiten nirgends einen Anhaltspunkt für den Tatbestand des Hochverrats finden.

Wer Hansi soll javorbereitende Handlungen" zum Hochverrat begangen haben. Solche vorbereitende Handlun­

gen sind nach der bisherigen Rechtsprechung des Reichs­gerichts z. B. Verbringen von Drucksachen, ivelche die Aus- sordcrung zum Hochverrat enthalten, zur Post, Herstellung eines hochverräterischen Plakats bchuss Verbreitung; vor­bereitend ist auch eine Handlung, die zunächst niir eine andere Vorbereitungshandlung fördern will, z. B. Entrich­ten und Sammeln von Beiträgen für hochverräterische Ge sellschasten'fPatriotenliga). In der Vorbereitungshändlung muß, wie der Strafrechtslehrer v. Liszt es ausdrückt, über­hauptdas Vorhaben die Entwicklungsstufe allgemeiner Bestrebungen überschritten und die greifbare Gestalt einer bestimmten Einzelhandlung angenommen haben". Hansi, der Französling mit dem guten deutschen Namen, hat das alles ober ähnliches nicht begangen, sondern nur gestichclt und beleidigt. Mußte man, mußte die ganze Welt das erst auf dem Umwege über Leipzig erfahren?

Graf verchtolö in Ischl.

Graf Bcrchtold ist in Begleitung des Kabinettchefs, Grasen Hoyos, heute früh hier eingetrofscn und vom Kaiser in 1'/. stündiger Audienz empsangcn worden. Ter Mi­nister erstattete Vortrag über die Beschlüsse des vorgeslrigon gemeinsamen Ministcrrals sowie über die laufenden Än- geleaenhciten. Um 3'/, Uhr reiste Graf Bcrchtold nach Wien zurück.

DasNeue Wiener Tagblatt" erfährt aus Ischl: Ter Kaiser hat den von dem gemeinsamen Ministerral für die innere Lage in Bosnien In Wsstcht genommenen Kurs genehmigt. Demnach werden in Bosnien eine Reihe Ver­änderungen verwaltungsrechtlicher Natur ans dem Gebiete des Polizei-, des Schui- und des Versammlungswesens zu gewärtigen sein, womit zugleich eine straffere Handhabung der Grenzpolizei zu erwarten sei. Ein Scl>ritt bei dem ser­bischen Kabinett werde in kürzester Zeit erfolgen. Er werde, wic mit Bestimmtheit gesagt werden kann, keinen Angriff auf die staatlichen Hoheitsrechte Serbiens enthalten. Nichts lverde der serbischen Regierung zugeinutet ivcrden, lvas als ein Affront oder eine Demütigung gedeutet werden könnte. Daher sei zu crivarten, daß die serbische Regierung den österreichischen .Forderungen auf Bestrafung der an der Anstiftung des Attentats beteiligten Personen und auf Vor­kehrungen zur Wstellung jener llebclstände, deren Weiter­bestand einen korrekten Nachbarverkehr ausschließen würde, voll,und ganz Rechnung tragen werde.

Regelung der Waffeneinfuhr in Serbien.

Belgrad, 9.Juli. Infolge des Attentats von Sera- jewo will die serbische Regierung jetzt angeblich durch! neue gesetzliche Bestimmungen den Verschleiß von Waffen und Explosivstoffen beschränken und die nationalistischen Ver­einigungen einer strengen Kontrolle unterwerfen. Auch die Schulen sollen schärfer beaufsichtigt werden.

Bevorstehende Revolution in Bosnien?

Belgrad, 9. Juli. Ein großer Teil der hiesigen Presse fährt fort, tendenziöse Alarmnachrichten aus Bosnien zu bringen. So berichtet dieTribuna" unter dem Titel Schrecken in Bosnien", daß die dortigen Behörden im ganzen Laube, eine Situation geschaffen haben, welche die Befürchtung als berechtigt erscheinen lasse, daß die Bolks- inafjen Erleichterung in einer allgemeinen Revolution suchen werden. Aus Bajian-Baschka wird sogar gemeldet, daß die österreichischen Behörden in Bosnien Christemnassakres vvr- berciten.

Reue Enthüllungen.

London, 9. Juli. Tas Wock nblattJohn Bull" vcröffenllicht eine fast unglaulniche Mitteilung, in der die hiesige serbische Gesandtschaft der Mitschuld an dein Sera- jewoer Attentat angcklagt wird. ES wird erzählt, ein Ge­heimbureau habe in der hiesigen serb>sck>cn Gesandtsckxist die Verschwörung gegen den Erzherzog Franz Ferdinand ansgeheckl. Weiter wird berichtet, daß beim Umzug der Gesandtschaft vom Valmarve Mansions-Hotel nach Queens- gatc im vergangenen April viele wichtige Tokumcnlc ver­brannt worden seien. Ein Stück eines Dokuments sei im Besitz der Redaktion. Tas Blatt veröffentlicht das Faksimile des Tokuments. Es wird darin jedem für die Beseitigung des F. F. eine Belohnung von 2000 Pfund versprochen Serbische Blätterstimmen.

Wien, 9. Juli. Das Wiener K. K.-Telegr.-Eorr.-Bur. meldet aus Belgrad: Tic fortschrittlichePrawda" be­hauptet, die Trauer um dcu Erzherzog Franz Ferdinand in Oesterreich sei nicht aufrichtig gewesen, nur die Tränen seiner Kinder seien echt gewesfn: auch die Katholiken und Mohannnedancr hätten nur politische Vorteile dadurch ge­sucht. Tas BlattBalkan" fülxrt aus, Oestcrrcich-Ungarn sei selbst an der Erniordung des Erzherzogs schuld. Wenn man ihn vor dem Unglück bewahren wollte, so mußte nian ihn abhaltcn, Sarajewo an dem serbischen Nationalfeier­tag zu besuchen. Nach allem scheine es glaublich, daß gerade diejenigen, welche Serbien für das Attentat verantwortlich machen wollten, die Todesnachricht mit der größten Freude ausnahmcn. Ter H-auptmitarbeiter des BlattesBalkan", der frühere Anarchist Cicvaric, führt aus, man trauere gar nicht um die Person des Thronfolgers, nur um seine Würde; da für den Thronfolger hier wie stets Ersatz gesunden wor­den sei, sei das sinnlos. Das BlattBalkan" klagt in einem historischen Ueberblick über die furchtbaren Qualen, die das serbische Doll in den letzten vierzig Jahren infolge der jesui­tischen Politik Oesterreich-Ungarns erduldet habe. Ter Thronfolger mußte, wie alle Söhne Loyolas, die nur im Blute der Menschen arbeiten und dem Grundsatz der Heili­gung der Mittel durch den Zweck huldigen, von dem Schick­sal ereilt und ein Opfer des Jesuitismus werden, wie Oestcr- reich-Ungarn es wird, durch dessen Untergang in der Mensch­heit Ruhe und Frieden wiederkehreu werden.

Wien, 9. Juli. Tas Wiener K. K. Telegr.-Corr-Bur. meldet aus Belgrad: DieTribuna" rät, aus Oesterreich- Ungarn nichts zu beziehen, auch österreichisch-ungarisäw Bäder nicht zu besuchen und keine Aerzte aus Oesterreich, Ungarn zu berufen. Private Initiative könne in dieser Richtung viel ausrichteu Der Staat und die Behörden hätten sich nicht darein zu mischen.

Aus Albanien.

Koritza gefalle».

Haag, 9. Juli. Ter Kriegsminister erhielt eine De­pesche, wonach am 6. Juli gegen Abend Koritza in die.Hände der aufständischen Epirotcn gefallen sei. Tie holländischen Offiziere befänden sich wohl und seien auf dem Wege nach Balona.

Tie Abdankung des Fürste» vo» Wied unvermeidlich!

Rom, 9. Huli. Die Wdankung des Fürsten ist, wie hier erklärt wird, unvermeidlich geworden. Sie soll nur da­durch verzögert worden sein, daß die Fürsttn den König von Runtänicn dringend ersucht hat, ein Expedittonskorps

wie man Pflanzen bestimmt.

Unermeßlich reich an Blumen ist unsere deutsche Landschast, und besonders unsere Gegend ist gesegnet mit den mannigfaltigsten Kindern Floras. Vom cfften lauen Hauch des Frühlings bis tict in den Herbst hinein blüht's auf den Wiesen und in den Wäldern, suchen Bachuser und Raine in Farbenfülle und Dust, und sogar die steinigen Wege sind eingefaßt von blühenden Pslanzen aller Art. Im Buscckertal blüht der blaue Enzian, das sünffternige Wundcr- blümlein, im Vogelsberg finden wir neben vielen anderen selieiteren Pflanzen die prächtige Küchenschelle, die früher in zahllosen Scharen den Mainzer Kieiernwald bevölkerte und durch gedankenloseNa­turfreunde" jetzt fast auSgcrottcl ist und durch Polizeivcrordnung besonders geschützt werden muß. An der Lahn wächst die wunder­volle schwarze Königskerze mit ihren leuchtend gelben Blütcn- kcgeln, das prächtig rote Weidenröslein, die struvvigc Nattcrn- zungr, der duftende Honigklee und manche andere, die sich hier in verborgener Scheönheit üvpig entfaltet. Tic brennende Karthäuscr- nclke, Fingerhut und Nachtschatten, Wasserlilie und Stechapfel beleben im nächsten Umkreis der Stadt unsere Natur, aber die meisten Menschen gehen anteillos an ihnen vorüber, weil fje die geringen botanischen Kenntnisse, die ilfncn die Schule vermittelt hat, bis auf ein geringes Rcstchcn wieder vergessen haben, und weil sic doch, keine Möglichkeit sehen, sich ohne bedeutenden Zeit­aufwand mit dem Namen und der Eigenart der vielerlei Pslanzen bekannt zu niachen, die ihnen aus Schritt uud Ttttt brgegneu.

Tatsächlich gab cs auch bisher kein Werk, das es dem Natur­freund ermöglicht hätte, sich ohne Vorkenntnisse und ohne große Gcld- ausgabc mühelos über die heimische Pslänzenwelt zu unterrichten. Nun hat aber der von uns schoti häufig erwähnte Verlag von Otto Maier in Ravensburg ein Wert vollendet, das wirllich einem Bedürfnis abhilst und in zwei handliäien Bändchen alle Blumen in gutem Farbendruck widergibt uud kurz und sachlich erläutert. Es handelt sich um die Bilderatlanlcn der Frühlings­blumen, sowie der Sommer- und Herbstblumen, die H. Schuh­macher in, Verlag von Otto Maier in Ravensburg zum Preise von je 3 Mk. herausgegeben hat.

Ein besseres Badcmceum für den Blumenfreund und den an­gehenden Botaniker als diese beiden Bilderallanten läßt sich kaum denken. Eine originelle und sehr zweckinäßigc Idee ist es, die Blu­men nach den Farben ihrer Blüten zu ordnen. Rot- blütlcr, Gelbblütler, Weitzbliitler, luiw. sind jeweils auf einen Tafel beisammen, wodurch ein äußerst übersichtliches Bild entsteht, das sofott unterrichtet und keinen Augenblick >m Ziveiscl läßt, welche Pflanze man vor sich hat. Tie wundervoll naturge­treuen Wbildungen, die einem den lackwndcn Lenz, öot farbenfrohen Sommer und Herbst vor Augen zaubern, sind bei beiden Büäiern aus 40 farbigen Tafeln verteilt, der deutsche, soivic der lateinische

Name jedes Etemolares ist als Fußnote vermerkt. Jedem der .Atlanten ist außerdem ein kleines Tex tbu ch beigegeben, das den Standort, die -Blütezeit und Angabe der Pflanzensamilien ent­hält. Von einer stteng wissenschaftlichen Gruppierung der Bilder wurde absichtlich abgesehen, das bringt alles der Text. Der prak- tifdie Gedanke, die Pflanzen nach Blüiensarben zusammenzustellen, wüd jeden! Naturfreund beim Bestimmen der Blumen außerordent­lich lvillkommen sein, denn efft dadurch wird es ihin möglich, die heimische Flora genau kennen zu lernen, was selbst unsere jungen -Botaniker sehr entbehren.

Eine wertvolle Ergänzung zu diesen Atlanten ist die zweite Auflage der Dr. K. G. Lubschcn Anleitung zum Sam­meln und Bestimmen sowie zur Beobachtung der Pslanzen und Mr Einrichtung eines Herbariums, die im gleichen Berlage in stark vermehrter zweiter Auslage bearbeitet von M. Köhler zun? Preis von 1,20 Mk. erschienen ist.

Textlich und illustrativ in gleich.vorzüglicher Weise ausgestattct, bietet dieses Werlchcn eine willkommene Handhabe für den jungen Botaniker, der sich nirgends besser über die richtige Art, Pflanzen zu sammeln, orientieren kann, als hier. Was diese Neuauflage besonders wertvoll macht, sind die praktischen und llaren Anwei­sungen zur Beobachtung der Pflanzen mit phäiwlogisäfer Tabelle und kurzem Abriß der Psyologic und Biologie der Pflanzen.

An Hand dieser Bücher, die als durchaus zuverlässig zu emp­fehlen sind, wird cs dem Naturffeuud ein leichtes seit,, in das an­regende und vielseitige Gebiet der Pstanzenwelt einzudringen und aus dem Erkennen und Bestimmen der Pflanzen neue und innige Beziehungen zur Natur zu gewinnen. di.

Hessische Volksbücher. Herausgegeben von W i l - helmDiehl. 20. Band. Aus der guten alten Zeit. Von Wil­helm Tichl, Friedberg, Selbstverlag des Verfassers, 1914. Für den Buchbandel H. C. Schlavo, Hof-Buchhandlung in Tarmstadt. Tiefe hübschenkulturgeschichtlichen Bilder aus Hessens Ver­gangenheit", teils ernsten, teils humoristischen Inhalts, hat mir die Post heute auf den Frühstückstisch gelegt. Ich empsehle ihre Lektüre jedem Leser dieses Blattes, besonders aber den geborenen Hessen, aus 'das dringlichste. Aber nicht deshalb allein schreibe ich diese Zeilen. Hauptsächlich das Vorwort zu diesem 20. Bändchen derHessischen Volksbücher" gibt mir dazu Anlaß. Ter Heraus­geber führt darin bewegliche Klage über die geringe Unterstützung, die er sür sein wahrhaft vaterländisches Unternehmen bei seinen Landsleuten findet. Trotzdem lvcder er noch seine Mitarbeiter auch nur einet Pfennig Entgelt sür ihre große Mühe und Arbeit er­halten, ist der Absatz nicht ausreichend, um auch nur das bedeu­tende Tczizit zu decken, das der Herausgeber als Sclbstoerleger zu tragen lz,t. Ich kenne Dr. Tichl gut genug, um zu wissen, daß er

uns das nicht erzählt, um zu betteln. Lediglickt um der Sache willen hat er das Vorwott zu einem Bittruf um weitere Monncntcn ausgcstaltet. Mit hundert mehr wäre schon gcholsen. Diese Zeilen sollen jenen Bittruf nachdrücklich mffetttützen. Ich sage es ohne jede Uebertrcibung, daß dieseHessischen Volksbücher" jedem, der an Hessens und der Hessen Schicksalen irgend tvelches Interesse nimmt, etwas oder vieles bringen. SogenannteBildung" setzt die Lektüre kaum voraus: der Arbeiter kann sich daran genau so er­freuen wie die Gelehrte, die Knaben und die Mädchen so gut wie die Erwachsenen. Es ist vermutlich nur Beguemlichkeit, was den Einzelnen daran hindert, eine Postkarte zu nehmen und dem Her­ausgeber, Professor am Predigerscminar in Friedbcrg, zu schreiben,- daß manm Zuscichung derVolksbücher" bitte. Für drei Mark testen Jahresbeitrag erhält man drei oder vier hübsch und dauerhaft gebundene Bändchen, im lausenden Jahrgang außer dem oben ge­nannten Beitrag Diehls <70 Seiten) folgende:Der Nordpolar- forscher Carl Wctzprccht" von E. Ihne <17. und 18. Band: 182 Seiten) undWandervögel von ehedem. Reisen junger Hessen aus den Jahren 1787, 1788, 1839, 1840 und 1853", herausgegeben von Karl Esselborn <19. Band: 163 Seiten). Nicht einmal das Porto für die Zusendung hat man zu bezahlen.Helst mit," so schreibt Tichl am Schluß seines Vorworts,daß wir sie <d>e Abon-* ncnten) noch im Jahre 1914 gctvinnen, damit ein Werk, das Zu­kunft haben muß, nicht an dem leidigen Mammon, nämlich dem Mangel an ihm, zu Gnrnde geht." Ich gebe diese Bitte an alle Leser desAnzeigers" in Stadt und Land weiter. Tr. Krüger.

Kun st schmuck für dcnReichstagssaal. Der Ber­liner Professor Kl im sch ist vertraglich^ verpslichtet worden, für den Sitzungssaal des Reickrstagcs vicr^allegorische Figuren zu schassen, deren Bedeutung auch der großen Masse des Publikums verständlich sein muß. spach dem Wicdcrzusammentritt des Parla­mentes soll eine Figur in Originalgröße, die drei andern in Mo­dellen von einem Drittel der Originalgröße im Saale ausgestellt werden. Sechs Monate nach der Annahme durch die Aus- schmückungskommission müssen die Kunstwerke geliefert werden.

D i e Direktoren der Großen Oper in Paris M e ssay er und B ro usson, deren Konzession am 31. Dezem­ber d. Js. abläust, haben dem Minister des Unterrichts und der schönen Künste Augagnenr mitgeteiit, daß sie infolge des s ch l e ch­ic n Geschäftsganges sich genötigt sehen dürften, die Direk­tion noch vor Ende dieses Jahres nieder, ulegcn. Es heißt, Minister Augagnenr Ivürde in diesem Falle den künsttgen Qperndirektor Rauche effuchcn, die Leitung der Over sofort zu übernehmen.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Dem Intendanten des bosthcatcrs in K a r l s r n h e, Hof­rat Tr. B a s s e r m a n n, ist vom Großhcrzvg der Titel General­intendant verliehen worden.