Nr. 158
Zweites Blatt
164. Jahrgang
Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Tie „Siehener .famjlicndlätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöcheulttch beigclegt, das „ilreirdlatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchcnilich. Tie „landwirlschallllchen Seil-
sragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Vberhefsen
Donnerstag» 9.Zu!i 1914
Rotationsdrrrck und Verlag der Vrübl'jchen UnwersitäkS - Buch- und Steiudruckerei.
R. Lange, Gievea
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: e^&jol. Redaktion: S^112. Tel.-Adru AnzcigerGießen.
hessische Zweite Uammer.
rb. Darmstadt, 8. Juli.
Am Regierungstischc: Staatsminister Tr. v. Ewald, Finanz- minister Dr. Braun, Minister des Innern b. Homberg k, Staotsrat Tr Becker, Ministerialrat H ö l z t n g e r.
Präsident Köhler erössnet die Sitzung um Uhr, da vorder noch wichtige Verhandlungen des FinanMisjchusies mu der Regierung stattfandcn. Als erster Punkt der Tagesordnung steht die E r s a tz w a h l eines Abgeordneten für den 2. Wahl kreis der Provinz Rheinhessen (Al,eh). Tie Wahl des Abg. Justiz rat Calman (Ntl.) wird dem Amrag dos dritten Ausschusses entsprechend für gültig erklärt Wie der Ansichußbcrichteislailer seststcllt, sind Unregelmässigkeiten von Belang he, der Wahl nicht vorgekommcn. Notar Eattnan erhielt 2735, Landivirt Knell 1829 und Stadtv. Lückel 352 Stimmen. Aus Vorschlag des Präsidenten wird die Beratung der beide» Regierungsvorlagen, bctr. den Er- welch der Solms-Braunfelsschcn Brauntohlengruben und den Ausbau des Krastwcrks „Ludwigshossnung" bis nach der Pause vertagt.
Es folgt die Beratung des Antrags Schönberger, bctr. die Erhebung der Staatssteuern.
Der Antrag verlangt bekanntlich, dass die Kammer die Grossh. Regierung ersuchen möge, die Erhebung der Staaisstcucrn aut die Gemeinden zu übertragen und die dafür seither bestehenden Bezirkskassen auszuheben. — Ter Antragsteller ist der Meinung, dass die Durchführung dieses Antrags eine Ersparnis von 548,600 Mk. jährlich erbringen würde.
Ter Finanzausschuss hat sich eingehend mit dem Antrag beschäftigt und ist — wie der Berichterstatter, Abg. Henrich, seststcllt — darüber einig, dass für die künftige Gestaltung und Entwickelung des staatlichen Kasscnwesens folgende Zielpunkte zu erstreben sind i l. Tie Erhebung aller öffentlichen Gefälle für Staat und-Gemeinde durch eine Kasse, möglichst am Wohnort des Pilrch- tigeni als gemeinsame örtliche Kasse würden in erster Linie die Gemeindekassen in Betracht zu ziehen sein. 2. Verbilligung der Kassckontrollc durch Ilebertragung der Kontrolle der örtlichen Hebestcllen an die Bezrrkskasscn und Visitation der letzteren durch Revtsionsbeamtc der Obcrrechnungskammer oder der Ministerien.
— Der Ausschuß hält diesen Weg für gangbar. Er verzichtet jedoch daraut, jetzt schon ins einzelne gehende Vorschläge z» machen, glaubt vielmehr, sich mit der Andeutung.des Weges und Zieles der angcstreblcn Reform begnügen und zunächst nur die nachstchcn- den Anregmigen geben zu.sollen, deren Konsequenzen und Ausführbarkeit sich jetzt schvii eher übersehen lassen, Ter Ausschuß beantragt daher:
1, Dje Großh. Regierung zu ersuchen, in Erwägung darüber cinzutreten, ob eine iveiterc Ausgestaltung und zugleich eine Pcr- einsachung des staatlichen Kasscnwesens zunächst in folgender Richtung zu erzielen ist: '•
a) bei ei »tretender Vakanz einer Untererhebestelle, die nicht mit einer GcmeindeftMe vereinigt ist, sind die Funktionen der Untererheber — soweit möglich — aus die Gemeinde-Einnehmer der in Betracht kommenden Orte zu übertragen.
b> mit der Koistrollierung der örtlichen Hebestcllen sind die Bczirkskassierer und mit der Visitation der letzteren Revisions- beamte der Oberrechnungskammer oder bei dem Ministerium der Finanzen zu beauftragen. — Ter Antrag Schönberger und die Vorstellung des Verbandes hessischer Bürgervcreinc in Mainz, betr, die Erhebung der Staats- und Gemeindesteuern beantragt der Ausschuß damit sür erledigt zu erklären.
Abg. Schönberger begründet seinen Antrag ausführlich, bleibt aber bei per (herrschenden Unruhe ans der Tribüne unverständlich, Zum Beweis dafür, in welcher Weise der Steuerzcttel, resp. die Steuererhebung sehr vereinfacht iverden kann, hat der Antragsteller in seiner Begründung einen Mustersteuerzcttel aufgestellt, den er eingehend erläutert. Als er die jetzige Art der Steuercinbrinqung in Hessen als einen „alten Schlendrian" bezeichnet, der von der Regierung selber großgczogen würde, rügt Vizepräsident Korell- Angenrod diesen Ausdruck. Ter Redner dankt zum Schluß dem Präsidenten dafür, daß er ihm noch vor Schluß des Landtags Gelegenheit zur Begründung seines Antrags gegeben habe.
Tie weitere Debatte über diesen Punkt wird darauf zunächst zurück gestellt.
Zur Beratung gelangen alsdann die Regierungsvorlagen, bctr, den Erwerb der Solms-Braunfclsschen Kohlen- (gruben lind betr. den Ausbau des Kraftwerks „Ludwigs- Hoffnung",
Abg, ,Ulrich (Svz.) erstattet hierüber den Ausschußbericht und begründet an Stelle der früheren Ausfchußanträge auf vorläufige (Ablclmnng die folgenden Anträge:
1. Zur Vorlage über den Erwerb der Gruben: Tic Kammer erNärt sich zu dem Erwerb der Gruben vorbehaltlich weiterer Per Handlungen grundsätzlich geneigt, der Vorlage znzustimmen und fic zum Zweck der in Aussicht genommenen Verhandlungen an Gvosch, Regierung zurückzuverweisen,
2, Die Großh, Regierung zu ersucknn, mit der Provinz Obc» shcssen nach Maßgabe der früheren Beschlüsse beider Kammern ivcgeii einer Vergesellschaftung der beiderseitigen technischen Betriebe alsbald in Bethandlungen zu treten,
' Zur Vorlage über den Ausbau des Kraftwerks beantragt der Ausschuß: Tie Kammer möge sich mit dem Ausbau des Kraftwerks „Ludnrgshosfnung" zum Zwecke der Erfüllung der vom Staate gegenüber der Provinz Oberhesscn übernommenen Ver- lpstichtungcn einverstanden erklären und hierfür der Großh, Regierung zunächst einen Betrag bis zu 135 000 Mk, zur Beifügung stellen ztvecks Aufstellung eines Rcservcoggrcgats von 1f>40 Kilowatt, — Tritt die unter Pos, 2 erwähnte Verständigung mit der Provinz ein, so beantragen wir zwecks Aufstellung der größeren Reserve Zustimmung zu der ursprünglichen Forderung von 250 000 Mark,
- In der Debatte über diese Anträge erklärt sich
. Abg, Dorsch (Bbd.) im Prinzip für den Erwerb der Gruben, wünscht aber nähere Mitteilung über die zukünftige Gestaltung der Verhältnisse in den neuen Gruben,
! Abg, Tr, Weber (Bbd.) tritt für die Annahme der Aus- scknßanträge ein. Besondere Aufmerksamkeit müsse der beabsichtigten Bildung einer Gesellschaft zwischen Staat und Provinz geschenkt werden, Tic Provinz Obcrhessen besitze ein Monopol für die Verwendung der Kohle imd der Staat würde sich eine große Last auserlegen, wenn er für sich allein Vorgehen wollte. Er habe von der Provinz Oberhessen den Auftrag, zu erklären, daß sic bereit sei, mit dem Staat -isammenzuarbeiten und den Vertrag nicht zu ungunsten des Staates zu ändern. Bet rascher Entscheidung werde sich die Bewilligung der erforderlichen 200 — 250 000 Mark wohl noch um ein bis zwei Jahre hinausschieben lassen.
Wg. Bähr (Bbd.) geht auf verschiedene Einzelheiten näher ein und verlangt, daß bei Vergebung der Jnstallationsarbeiten die guten bcssischen Firmen in erster Linie berücksichtigt werden sollten.
Abg. Grünewald (Vp.) sübrte aus: Er stimme mit seinen politischen Freunden den Ausschußanträgen zu und bemerke im einzelnen: in bezug auf den Ankauf der Braunscls'schen Gruben sei größte Vorsicht geboten. Gutächtliche Aeußerungen über den Wert von Bergwerken seien kritisch zn beurteilen, das zeige der Ausschußbericht, der Gutachten zitiere, die 210, 280 und solche, die 540 Millionen Hektoliter als vorhanden und abbauwürdig bezeichnen. Der derzeitige Geschäftsführer des Eigentümers der Gruben sei außerordeirttich klug und oeivandt und bei den Verhandlungen
,t-i große Umsicht am Platze. Was den zweiten Antrag betresse, so lassen die Ausschußanträgc ganz und gar die Stadt Gießen mit ihrem großen Elektrizitätswerk außer Betracht. Dasselbe sei viel größer eingertchlei als nach dem Absatzgebiet, da» ihr übrig bleibe, die Rrirtabilität sichere und cs müsse daraus Bedacht genommen werden, daß ihr eine Rente bleibe und daß das städtische Werl nicht erdrosselt werde: die Sleuertrast der Stadt Gießen müsse erhalten bleiben. Gewiß fti die Vergcscll schaitung zweckmäßig, aber in dieselbe müsse das Gicßener Werk ein bezogen werden. Er wolle nicht untersuchen, wer die Schuld trage, daß das Werk so groß gebaut sei, aber das Absatzgebiet müsse ihr, nachdem das Werk einmal da ier, in genügendem Maße bemessen werden. Tic Stadt Gießen stehe in einem Vertrags- Verhältnis mit der Provinz, das sie nötige, mit ihren Kilowaitpreisen denienigcn der Provinz zu folgen. Nunmehr wolle die Provinz einen Vertrag schließen — oder habe ihn bereits vorbehaltlich bei ministeriellen Genehmigung geschlossen — mit einem industriellen Unternehmen, der R h e i n i s ch c n 2 ch u k- k e r t - G eI e l l s ch a s t, und es entstehe die Frage, ob die Stadt Gießen gehalten sei, dieser nepen BetrrebSgcmeinsckrast, einem neuen Rechtsträger oegenüber, die Verpftichtungcn z» erfüllen, die der Vertrag mit der Provinz ihr auserlcgc. Es sei etwas ganz anderes, ob die Provinz chr als Kontrahent gegenüberstehc, oder eine mit ganz anderer Kapitalkraft und Leistungsfähigkeit ausgestattete Jnduftriegesellschaft, die gar keine Rücksicht zu nehmen habe aus die Stadt Gießen. Letztere könne einer solchen Produktionsstätte mit ihren Preisen nicht folgen. Soviel er wisse, habe die Provinz Rheinhessen mit ihrer Verbindung mit der Rheinischen Schuckcrt-Gcsellschast keine guten Ersahrungcn gemacht: er bedauere, daß die Provinz Obcrhessen in so enge Beziehungen mit derselben zu treten beabsichtige. Redner ersucht die Regierung dringend, bei Prüfung des Vertrags die Interessen der Stadt Gießen wahrzu- nchmcn und bei der Gcsellschastsbildung zwischen Staat und Provinz das Gießener Werk einzubeziehe» und nach seiner vollen Leistungsfähigkeit zu bewerten. Die Verstärkung der Zentrale Ludwigshossnung halte er sür dringlich, da ohne Rcserve- einrichtung die Provinz eines Tags ohne Licht sein könne.
Abg. Molt Han (Ztr.) wird mit seiner Fraktion für die Ausschußanträge stimmen. Mit der Stadt Gießen sei man wegen des Gesellschaitsvcrtrages noch nicht in Verbindung getreten, weil von solchen Wünschen bisher nichts bekannt war.
Abg.. I o u 8 (Wild) geht auf einzelne Punkte näher ein. Tie Ausführungen bleiben aus der Tribüne unverständlich.
Abg. Busold (Soz.) sucht darzntun, daß die geplante Vergrößerung der ganzen Anlagen keinerlei Rentabilität verspreche. Tie fürstlich Solms-Braunselssche Verwaltung habe schon lange leinen Finger mehr zur Erhaltung der Gruben gerührt und sie warte mit Schmerzen darauf, daß ihr der Staat de» Dorn aus dem Fuße ziehen solle. Man dürfe sich vor allem nicht übereilen und müsse die Gruben so billig wie möglich erwerben.
Abg. Henri ch (F. Vp.) ist ebenfalls der Meinung, daß der Kansprcts zn hoch sei, hat ober gegen die Ausschußanträgc nichts cinznwcnden.
Abg. S t ö p l e r (Ntl.) ist im Gegensatz zu den Vorrednern der Ansicht, daß der Vertrag sehr vorsichtig abgefaßt ivvrden sei. Es dürfe doch nicht vergessen cvcrden, daß die Provinz Oberhcsscn bisher einen recht erheblichen Zuschuß zu dem Kraftwerk geleistet habe.
Mg. Brcidenbach (Bbd.) wünscht eine Verbilligung des Preises sür den elektrischen Strom. Die brüte Maschine sei dringend notwendig, damit Obcrhessen nicht eines Tages plötzlich im Dunkeln sitze.
Minister Dr. Braun führt aus, daß der Betrieb der Gruben weitcrgcsührt werden solle: auch die Knappschastskasse würde verbleiben. Ob ein Betriebs- oder Gesellschastsverhältnis zwischen Staat und Provinz geschlossen svcrde, sei eine offene Frage, ebenso der eventuelle Eintritt der Stadt Gießen. Der Minister wendet sich dann den Ausführungen der einzelnen Redner zu.
Nach weiteren Ausführungen der Abg. I o u tz, Dr. Weber und Dorsch schließt die Aussprache.
Bei der Abstimmung werden die Ausschnßanträge e i n- stimmig angenommen.
Es folgt daraus Fortsetzung der Debatte über den Antrag Schömberg er.
Staatsrat Dr. Becker geht ausführlich auf die Darlegungen des Autragstcllcrs ein. Wenn Abg. Schönberger glaube, daß durch seinen Antrag erhebliche Ersparnisse erzielt werden könnten, so sei das Nur dann zutreffend, wenn man den Gemeinden die ganze Erhebung der Staatsstenern ohne Entschädigung ausbürdc. Dafür würden sich aber wohl die Gemeinden und besonders die Gemeinde- reck.ner schön bedanken. Durch Zusammenlegung der 12 Steuerziele zu 3 Zielen würde nur Unzufriedenheit hervorgerusen und durch die oorgeschlagenc Zentralisation eine Verbilligung der Er- hebnngskosten nicht erreicht werden.
Abg. Schönberger entgegnet, daß er durch die Ansfüh- rungen vom Regierungstische in seinen Anschauungen nicht wankend gemocht wvrdenttei.
Abg. Henrich (Fvrtschr. Vp.) hält den Antrag Schönberger doch für sehr beachtenswert. Wenn er auch damit nicht durchge- drungeu sei, so bleibe es doch sein Verdienst, die Frage überhaupt in Floß gebrackft zn haben. Die volle praktische Durchführung seiner Anregungen sei bei den gegenwärtigen Vcchälkniffen nicht möglich Und deshalb empfehle er die Annahme des Ausschuß- antrages.
Bei der Abstimmung wird darauf der Ausschußantrag einstimmig angenommen.
Zur Beratung gelangt nun nach der Antrag Reh und Gen., betr. die Gewährung von Darlehen an Mitglieder Hess, landwirtschaftlicher Genossenschaften.
An der Debatte hierüber beteiligen sich die Mg. Henrich, Reh, Ministerialrat Schliephake und Staatskommissar Michel. Ta die Verhandlung hierüber der vorgerückten Zeit wegen nicht Hu Ende geführt, sondern die Fortsetzung ans morgen verschoben wurde, werden wir morgen im Zusammenhang über den Verlauf der Debatte berichten.
Die Sitzung schloß vor 2 Uhr. <
Nächste Sitzung: Tonnerstag ftüh 8 Uhr.
hessische Erste ttammer.
rb. D a r m st a d t, 8. Juli,
Am Regierungstischc: Geh, Obersinanzrai Dr, Roh de, Finanzrat B a l s e r.
Der erste Vizepräsident Fürst Solms-Hohensolms- Lich eröffnet die Sitzung um 1U/» Uhr. Er teilt zunächst mü, daß die Zweite Kammer die Rückäußerungen der Ersten Kammer genehmigt hat.
Ucber die Regierungsvorlage, betr. den Staatsvertrag zwischen der Badischen und Hessischest Regierung über den Ban einer Eisenbahn von Ncckarsteinach nach Schönau im Odenwäldcr Stcin- achtal -erstattet Bankdircktvr P a r c u s Bericht, woraui die Vorlage genehmigt wird. Ueber die Regierungsvorlage, bctr die Ausführung des Besoldungsgesetzes vom 21.,März 1914 berichtet der Ausschußbcrichterstatter Geh, Rat Koch. Er gibt eine Begründung der Vorlage und beantragt Zustimmung dazu. Dagegen kann sich der Ausschuß mit den gestern von der Zweiten Kammer angenommenen Anträgen Tr. Weber und Henrich, betr. die Milderung der Brcmsvorschriftcn (Art. 27) nicht ein
verstanden erklären, da sic eine starke finanzielle Mehrbelastung, sowie einen Fluß von unabsehbaren weiteren Anjordcruugen aus Beaintenkreisen zur Folge haben würden. Ter Ausschuß beantragt deshalb die Mlchuung dieser Anträge.
Das Haus stimm: daraus der Regierungsvorlage zu und beschließt die Ablehnung der Anträge Tr. Weber und Henrich. Tie Beratung der Regierungsvorlagen, betr. den Erivcrb der Solms-: Braunscls'schen Braunkohlcngruben in der Wetterau und den Ausbau des Krastwcrks „Ludwigshossnung" wird vorläufig zurückgestellt. lieber den Antrag Singer, betr. einen Staatszuschuß von 5000 Mark zwecks Renovation deS Steinhciwer Torturmes in Seligenstadt erstattet
Gras Erbach-Fürstenau C rl .V beantragt^Bcwil- liguug der auch von der Zweiten Kammer genehmigten Summe.
Das Haus stimmt dem Antrag ohne Debatte zu. Es tritt daraus eine Pause ein.
Um r»2 Uhr nahm die Kammer die Sitzung Wiederaus über die beiden Regierungsvorlagen, bctr. den Erwerb der Solms- Braun s e l s'schen Kohlengruben und bctr. den 'Ausbau des Krastwcrks „L u d:vi g s h o s s n u n g". Namens des Finanzausschusses erstattet Bankoircktor P a r c u s Bericht über die soeben darüber gefaßten Beschlüsse der Zwesten Kammer. Der Berichterstatter legte dar, daß zwischen den Anträgen des Finanzausschusses und den Bcschlülsen des anderen Hauses nur unwesentliche Unterschiede vorhanden seien und daß daher der Ausschuß emvsehlc, diesen Beschlüssen bcizutreten. Das Haus beschließt darnach einstimmig den Beitritt zu den Beschlüssen der Zweiten Kammer. Damit ist die Tagesordnung erledigt und der Präsident schließt die Sitzung um s /»2 Uhr.
Deutsche» Ucicd.
Die „H o h e n z o l l e r n" ist nach sehr schöner Fahrt durch den Fjord am Mittwoch abend 6 Uhr vor O d d c cingctrosscn. Die Weiterreise nach Bergen erfolgt am Donnerstag mittag.
Keine Verstärkung des Schutzes der Ärbeits-» -willigen. Von einer Seite war gemeldet worden, daß die Maßnahmen zum Schutze der Arbeitswilligen aus dem Vcrord- nungstvege revidiert und die Schutzvvrschrtslen verstärkt werden sollten. An unterrichteter Stelle wird diese Nachricht als unbegründet bezeichnet. An eine Verstärkung des Schutzes der Arbeitswilligen sei nicht zu denken.
Aus Zabern. Nach der „Straßburger Post" .spricht das Sachvcrständigen-Gutachten in der Klage des Arbeiters Fritsch aus Zahlung von 300 Mark Entschädigung die teilweise Berechtigung seines Ansprüche» aus, Fritsch hatte geklagt, weil er sich tu dem ZabernerKa s e r n e n k c l l c r ein Leiden zugczogcn hatte, DieSittlichkcitinElsaß-Lothringcn. AuS einer Eingabe _ des Vereins für Sittlichkeit hat das elsaß-lothringische Ministerium Erhebungen über-den Umfang des Konkubinats gemacht, Die Eraehniffe waren derart, daß zum 1, Januar eine Vorlage über Aufhebung des Konkubinats zu erwarten sein wird.
R ei chst a g s er sa tz wa h l im Kreise Heidelberg- Eberbach. Durch die Neubesetzung deS Postens deS Vorstandes der badischen Landesvcrsichcrungsanstalt durch den Amtsvorstand von Lahr, Geh. Oberregierungsrat Beck, wird in dem von ihm seit 1891 vertretenen Reichstagswahlkreis Heidclberg-Eberbach eine Neuwahl erforderlich.
Ausland.
Im englischen Oberhaus hat die Einzelberatung der Besttmmungen ,i>es Zusatzantrages zur Homerulebill begonnen. Dabei wurde die Besttmmung, die Ulstergraffchastcu sür sechs Jahre auszuschliehen, wenn die Mehrheit der Wähler einer Gras- schost für den Ausschluß ist, mit 18 gegen 38 Stimmen abgelehni. Mac D o n n e l l scklug vor, einen Plan für die lokale Autonomie Ulsters unter dem Homernleparlament anszuarbciten. Ter Plan.wurde mit 196 gegen 20 Stimmen abgelehnt. Lord Lans- downe brachte einen Znsatzantrag ein, in dem er sich sür best ?lusschlnß der ganzen Provinz Ulster ans unbestimmte Zeit aussprach. .Earl »f Erewc erklärte, eine Beilegung könnte nur erreicht .werden, wenn man nicht nur daran däckste, >oas die Unionisten, sondern auch, was die Nationalisten annehmen würden. Er könne nicht sagen, ob die Nationalisten in Ulster diesen Vorschlag annchmen ivürden. Er müsse gegen ihn stimmen. Ter Znsatzantrag wurde daraus mit 138 gegen 39 Stimmen angenommen. ,
Einer ,Blättermcldung ans Budapest zufolge ist der frühere Sekretär des Königs von Bulgarien, Rudolf Pol Yak, als russischer Spion verhaftet worden. .
Das französische Finanzmini st eri um gibt bekannt, daß die 'Anleihe von 805 MiUioncn Franks etwa vicrzigmal überzeichnet worden ist.
Frankreich und die Weltausstellung in San Franziska. Paris, 8. Juli. Der Deputierte Gerald erklärte in seinem im Namen des Handels- und Jndustricaus- schusses der Kammer erstatteten Bericht überdicBcteiligung FiankreichsanderWeltausstellnnginSanFran- z i s k o, das Vorgehen der nordamerikanischen Zollbehörden bilde eine dreiste Herausforderung der „Welt der Arbeit". Tie Regierungen von Washington und 'Paris hätten gegen diesen Skandal fast nichts getan, und es sei begreiflich, daß dieses Verhalten die französischen Aussteller entmutigt und schwer verstimmt habe. Gleichwohl müsse Frankreich aus wirtschaftlichen Interessen und aus Gründen der allgemeinen Politik die Weltansstetlung beschicken. Er drücke aber das tiefe Bedauern über die skandalösen amtlichen Mißbräuche aus, deren Opser die sranzösischcn Erpvr- icurc in ihren Beziehungen zu den amerikanischen Zollbehörden seien und fordere die Regierung mif, mit allem Nachdruck dafür cinzutreten, daß diesem unerträglichen Zustand ein Ende bereitet werde.
Der albanische Ministerpräsident Turkhan Pascha ist von Wien nach Petersburg abgereist.
Au» StaSt und Land»
Gießen, 9. Juli 1914.
** Lehrkräfte für Prrvatschulcn. Tie Leiter hessischer Privatschulen haben in letzter Zeit häufig die Bestätigung nichthcssischer Lehrkräfte beantragt mit der Angabe, daß hessische Anwärter nicht zur Verfügung ständen. Solche Gesuche werden insdesondere von den Leitern der sogenannten Reformschnlen an die Mlnisterialschulabterln.ng gerichtet. Bei der großen Anzahl unbeschäftigter hessischer Anwärter sür das Höhere Lehramt glaubt die genmintc Behörde solchen Anträgen nur dann entsprechen zu sollen, wenn geeignete inländische Lehrer zur Ilcbernahmc nicht bereit sind. Zurzeit sucht dse Leitung der Mainzer Fraucn- Arbeitsschnle für ihre Reform-Vorschule (Knaben und Mädchen) einen Lehramtsassessor, der sich den besonderen Aus- gaben dieser Schule hingeben will. Auch die Dürerschra« in Hochwaldhansen sucht einen wissenschaftlichen Lehrer.
** 4. Soinmer-Abonnements-Konzert. Für das heute, Donnerstag, abend 81,4 tlhr in Steins Garten stattfindende Konzert unserer Regimentskapelle, bei toelchew


