Ausgabe 
9.7.1914
 
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Nr. 158

Der Siehener Anzeiger

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Erster Blatt

M. Jahrgang

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Donnerstag. Y.Zuli 1914

Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.

Albaniens wirtschaftliche Zukunft.

So verworren auch gegenwärtig die Verhältnisse in dem neuen Fürstentum Albanien sind und so wenig man noch an ein ruhiges Aufblühen dieses vielgeprüften Landes denken kann, ist es doch von Interesse, einmal zu untersuchen, aus welchen Gebieten Albanien in dem wirtschaftlichen Be- trieben eine Rolle spielen könnte. Wie ein ausgezeichneter Kenner des Landes, der Wiener Professor I. Schiller in einem längeren Aussatz ausführt, ist den hohen Ge- birgszügen des inneren Albanien ein verschieden breiter Streiken niedrigen Berg- uud Hügellandes vorgelagert, de: geologisch aus Flysch besteht, einer Sandsteinsart, die bei der Verwitterung einen fruchtbaren, das Wasser gut l>alden- dcn Boden abgibt. Tie Gebirge im Innern bestehen haupt­sächlich aus Kalksteinen, die vielsach Karstcharakter haben; die Bedeutung dieser inneren Gebiete für die materielle Kultur des Landes läßt sich zurzeit kaum beurteilen, da ausgedehnte Strecken im Zentrum.Albaniens fast noch ebenso unbekannt sind, wie viele Teile Afrikas.

Tie erträgnisreichstcu Gebiete liegen bisher nahe an der Küste, und das ist für den Wsatz der landwirtschaftlichen Produkte bei dem Achten von Eisenbahnen und den schlech­ten Verkehrsmöglichkcitcn von großer Bedeutung. Ein Ex­port aber hat noch nicht stattgcfunden, da der Ertrag an Oel und Mais nur die eigenen Bedürfnisse befriedigt. Trotz der geringen Mühe, die' der Albanier auf die Bebauung seines Landes verwendet, steht doch die Kultur des Ock- baumcs aus hoher Stusc; die Bäume liefern schöne große Oliven, die ein vorzügliches koukurrenzjähiges Oel abgeben werden, sobald erst einmal ein sauberes und rationelles Pressen der Oliven eingeführt sein wird. Ein üppiger Pslanzennmchs bedeckt den mcterliesen fruchtbaren Boden, und wenn die weiten Hänge und Hügel, die breiten Täler einmal in Felder umgewandelt sein werden, wird das Land reichen Ertrag bieten. Vorläufig freilich sind große Ge­biete der fruchtbaren Küstcnzone kaum als Weideland aus- genützt oder sind mit niedrig;»» Buschwald bestanden. Weit und breit ist keine größere Siedlung zu beobachten; hin und wieder auf einer Anhöhe ein verwahrloster Meierhof oder ein Schafstall, das sind alle Spuren, die der Mensch hier hinterlassen. Reben dem Oelbaum wird sich besonders Gerste zum Anbau eignen, die bereits Ende Mai reif wird, so daß der Boden dann noch ein zweites Mal bestellt wer­den kann. Mais wird auch jetzt schon aus dem überaus fruchtbaren Talboden geerntet und liefert reichen Ertrag, obwohl die Bennrtschastung höchst primitiv, Tüngung un­bekannt ist und als Pflug ein Holzpflug gebraucht wird, wie er in Deutschland vor 200 Jahren üblich war. Solche Pflüge sieht man zudem nur aus den großen Gütern. An den zwei­rädrigen, mit Büffeln bespannten Wagen ist keine Spur von Eisen, auch die sonstigen landwirtschaftlichen Geräte sind durchweg aus Holz, und eine rationellere Bodenkultur ist im ganzen Lande nicht zu sinden. Verlzältnismäßig die meiste Sorgfalt wendet man noch den Tabakseldern zu; doch mangelt es an guten Sorten, die angebauten Flächen sind viel zu gering und decken nur den kleineren Teil des Bedarfs, der recht groß ist. da in Albanienalles raucht". Gute Ertragsanssichten dürften in dem Lande neben den bisher angebauten Kulturpflanzen vor allem Kar­toffeln, Reis, Gemüse und Rosen darbieten. Die

Kartossel ist zwar von mehreren Gutsherren, die ihr« große Bedeutung als Volksnahrungsmittel erkannten, so von Essad Pascha und Prenk Bibdoda, angcbaut worden; allein nie­mand wollte sic essen, und es ist zu erwarten, daß sich di« albanische Bevölkerung so wenig wie die bosnische an die im größten Teil des Landes völlig unbekannte und ver­achtete Kartoffel gewöhnt; selbst als Viehfutter wird man sie nicht gern verwenden. Für den Reisanbau sind gut ge- eigirete Gebiete vorhanden, doch ist damit die große Gcsahr einer weiteren Ausdehnung der Malaria verbunden, so daß eine Vorbedingung für eine gute Rcisknltur erst die Sanie­rung der albanischen Fieberherde wäre. Albaniens Küsten­gebiet dürste ein ideales Gemüseland abgcben, und zwar gerade für die kühle Jahreszeit, wodurch die Möglichkeit eines Versandes bis in das .Herz Mitteleuropas geboten wird. Das Gleiche gilt von der Rosenkultur, die den ganzen Winter im Freien betrieben werden kann und sich somit wesentlich billiger stellen würde als an der Riviera. Obst bäume sind bisher fast gar nicht vorhanden, obgleich sich an die Kultur der Mandel- und Pslaumcnbäumc sowie des Weinstockes große Hoffnungen knüpfen lassen. Der Busch- »vald der Küsteirzone kommt nur als Lieferant von^Brenn- holz in Betracht; im Gebirge sind schlagbare Wälder vor­handen, doch ist ihre Ausbeutung unmöglich, solange nicht die Eisenbahn eine billigere Äbsuhr in die Häfen bietet.

Ter Albanese, zeigt als Bauer und Arbeiter großen Fleiß und Zähigkeit; daß er vor keiner Arbeit zurückschrcckt, beweist z. B., daß die Bewohner Albaniens ein großes Kon­tingent der Lastträger in den türkischen Hauptstädten stellen. Roch eifriger sind die Frauen, auf denen in manchen Teilen des Landes die ganze Last der Feldarbeit ruht. So vermöch­ten günstiges Klima, fruchtbarer Boden und Fleiß der Be­wohner wohl eine glückliche Zukunft für Albanien herauf- zubeschwüren, wenn erst einmal Friede und Ruhe her- gestellt wäre.

Tie Lage.

W i c n , 8. Juli. Durch Funkspruch wird aus D u r a z z o vom 7. Juli gemeldet: Auch heule ist in der Lage könne Acn- derung cingetreten. In der verflossenen Nacht wurde aus einem unbedeuteichen Anlaß aus der ganzen Vorpostenlinic das Feuer eröffnet, nach einer halben Stunde aber wieder gänzlich eingestellt. Sonst verlief der Tag ohne Zwischen­fall. Heute früh trafen 48 rumänische Freilvilligc mit zloei Offizieren ein; sie wurden nachniittags vom rumänischen Gesandten dem Fürsten vorgestellt. Aus Argtzro- kaslro kam heute eine aus 12 Mitgliedern, unter denen sich viele Hodschahs befanden, bestehende Abordnung an, die erklärte, daß die Bevölkerung von Epirus in höchster Not lebe und um Abhilfe bitte. Das Fürstenpaar stattete heute abend dem englischen Admiral Troubridge einen Be­such ab. Zwischen den Lagern der Auständischcn werden allabendlich Feucrsignale gewechselt. Von den Aufständi­schen in Schiak traf abends ein Parlamentär mit zwei Briefen an die Kontrollkommission und an die holländischen Offiziere ein. Bis zur Nacht war über die vermißten Fran­zosen nock> nichts zu erfahren. Die Aufständischen von Schiak sagten zu, Nachforschungen nach den Vermißten a»zu- stellen und sie, wenn säe gefunden seien, auszuliefern.

Das Fürstcnpaar hält ans.

Wien, 8. Juli. Wie dieAlbanische Korrespondenz" aus Durazzo meldet, sind die Nachrichten über die be­vorstehende oder bereits erfolgte Abreise der Fürstin unbegründet.

Berlin, 9. Juli. Wie diePoli:. Korresp." aus diplo­matischen Kreisen erfährt, denkt Fürs» Wilhelm nicht daran, seinen Gegnern durch seine Zurückziehung aus der Verlegen­heit zu Helsen. An eine llebersiedlung des sürstlicheu Paares nach Ikutari sei nie gedacht worden. *

Ter erledigte Fürst Wilhelm.

EssadPascha erklärte einem Mitarbeiter desPellt Parisicn", daß er die Lage des Prinzen zu Wied als durch­aus verloren ansehe. Der Prinz habe keine einzige jener Eigenschaften gezeigt, welche der Führer eines Volkes be­sitzen müsse. Sein Zaudern und seine ungeschickten Maß­nahmen hätten ihn jo unpopulär gemacht, daß er früher oder später gezwungen sein »vcrde, zu flüchten oder abzu­danken. Auf die Frage, ob vielleicht er selber dem Prinzen Nachfolgen könnte, antwortete Essad Pascha, er habe nie­mals eine solche Würde angestrebt. Die Großmächte wür­den übrigens nicht in Verlegenheit geraten, um einen mit allen erforderlichen Eigenschaften ausgerüsteten Thronbe­werber zu sinden. Er selbst sei nicht Kandidat und habe mir ein Ziel vor Augen, nach Kräften zum Glücke Albaniens beizutragen.

Durazzo, 8. Juli. Selbst zwei von den drei Vcr^ tretcrn des Dreibundes Hallen den Fürsten Wilhelm sur verloren. Der englische Gesandte verbirgt sein ablehnendes Urteil nicht im mindesten. Rumänien arbeitet für den Fürsten- aber zugleich bemüht es sich, Essad Pascha zu rechtfertigen und ihn nur als sahrlässig erscheinen zu lassen.

Tic vpirotcn gegen de» Fürsten Wilhelm.

Mailand, 8. Juli. Nach Blättermeldungen aus Al­banien haben die Epiroten mit den Mohammedanern Alba­niens ein Wkommen zur Beseitigung der Herrschaft des Fürsten Wilhelm abgeschlossen. Der Epirus soll Unabhän­gigkeit unter dem Protektorat Griechenlands erhalten.

Kein Protest der fremde» Mächte.

Berlin, 8. Juli. Tie von verschiedenen Zeitungen ver­breitete Behauptung, auswärtige Regierungen häticu wegen des Berliner Werbebureaus zkvecks Bildung eines albani­schen Freiwilligenkorps, aus fremden Staatsangehörigen in Berlin reklamiert, und das Verbot des Werbebureaus sei auf diese Reklamationen zurückzuführeu, ist unzutreffend. Die Reichsregierung hat von sich aus die weitere Tätigkeit des Bureaus untersagt.

Neuer Freiwilligentrupp nach Albanien.

Bukarest, 8. Juli. Nächste Woche wird unter dem Kommando des rumänischen Kapitäns des Ruhestandes Ser- banescu ein neuer Frciwilligentrupp nach Albanien ab- gchen. _ _

Gefterreich und Serbien.

Wien, 8. Juli. DieZeit" meldet: Erzherzog Friedrich begibt sich heute in Privatangelegenheiten nach Deutschland und kehrt erst um die Monatsmitte zurück. Die Entscheidung, ob er zum Generalinspektor des Heeres er­nannt werden wird, wird erst einige Zeit nach seiner Rück­kehr getroffen werden.

Die erzherzogliche Familie reist nach Potsdam zum Besuche der Erbprinzessin Maria Christina von Salm-Salm.

Lcsterrcichischc Miniftcrkonsercnz.

Wien, 8. Juli. Die Blätter erfahren über die gestrige gemeinsame Minislcrkonsercnz: Man habe in ihr eingehend die Maßnahmen in der inneren Verwaltung Bosniens und der Herze-

Spaziergänge durch die Gewerbeausstellung.

VII.

Im Anschluß an unsere früheren Besprechungen über die Gie- ßenerGewerbe-Ausstellung" wollen wir uns heule den Ausstel­lungen der Gail'schän Zamvlzirgelci und Tonwarcnjabril, sowie der Werkzeugiuaschinenjabrik und Eisengießerei Aklicngesellschaft Hey- ligenstaedt u. Cie. zuwcndcn.

Ein TransparentGail" zeigt schon von weitem den Eingang in die Ausstellung der Gail'schcn Tampsziegelci und Tonwarcn- sabrik, der reä-ts und links von zwei mit goldgelben Löwen be­krönten starken Backsteinpfeilcrn flankiert ist.

An einer Gartenmauer mit Eingangspsorte wird die Verwen­dungsmöglichkeit der Gailschcn Erzeugnisse amAcußcrcn Bau", in einem Gardcrobcnraum und dem sogenannten Chcszimmcr die­jenige für denInneren Ausbau" vor Augen geführt. Eine Gartenbank betont die Wctterbeständigkcit der glasierten Steine und Planen und ein hygienischer Trinkorunncn die Brauchbarkeit der Produkte genannter Firma nach dieser Richtung hin.

In einem besonderen Zimmer Ivird der Gang der Fabrikation dargestellt. Betrachten wir uns zunächst dieses eingehender. Wir sehen hier in Gläferu die Rohmateralien, ivelchc zur Verarbeitung kommen: Hochfcnerscsten Ton, Rohton sür Klinker und sür weiße Verblcndsteine, gebrannten Rohton sür Chamottesteinc in Stücken und gemahlen in grober sowie seiner Körnung; Quarz sür feuer­feste Steine, Chamotiemörtel usw.

Die Zicgclmaschinen, welche diese Materalicn zerkleinern, mi­schen, bieten und schließlich formen', sind in schönen, sauber gear­beiteten Modellen dargestellt. (». a. Konstruktionen von L. Schmel­zer-Magdeburg, Ed. Laeis-Trier und H. Belze-Brannschweig).

Man kann lange Tvnsträngc sehen, wie sie durch die Maschinen gepreßt und dann mittelst Drähten in einzelne Steine zerteilt wer­ben. Dieselben Steine versolgi man dann in ihrem Werdegang wei­ter, gebrannt und manche auch noch in mannigfacher Weise glasiert.

Man sicht ferner auch die Herstellung der hydraulisch gepreßten Wandolaltkn ans lrockncm Tonvulver zu einem fest zuiämmenge- sügten Plättchen, wie dieses, einmal gebrannt, an der An- sichtssläche mit Glasur überzogen wird und alsdann nach dem zwei­ten Brande eine glatte, glänzende Glasur trägt. Hierbei fällt be­sonders auf, daß die grüne Glasurmassc vor dem Brennen eine ganz andere, nämlich rötliche Farbe zeigt, als im fertigen Zustand.

Terrakotten und arößerr keramische Formstückc werden von Hand in Gipssormen hergestellt. Auch dieses Verfahren ist veran­schaulicht; man steht das Gipsinodell, dann die in mehrere Teile zerlegbare Form, schon teilweise mit Ton ausgcfüllt, scrner ein trockenes fertiges Tonstück, wie es aus der Forni kommt, und schließ­lich den weitere» Verlaus bis zum glasierten Stück.

Zeichnerisch ist auch eine moderne Tampszicgelcianlage dar­gestellt, cs ist die Bauart Rieter, Konstanz, bei welcher die Fabri­kation so viel als möglich automatisch vor sich geht.

An Bruchslächen von Dachziegeln kann man die Tichttgkeit des Scherbens und damit die durch die vollständige Sinterung des Scherbens erzielte erstklassige Qualität dieser Dachziegel erkennen. Auch die Bruchslächen der Klinker zeigen gesinterte Scherben. Ver­blender in natursarbigem weißem Ton oder durch die ganze Masse hindurch gefärbt von roter und schwarzer Farbe sind cbcnsalls ausgestellt.

Von Chamottesteinen ist nur ein Formstein und je ein Nor- mal-Chomottestein basischer und saurer Zusammensetzung ausgc- legt. Daran reihen sich die vielen übrigen Fabrikate der ausstellen­den Firma, die ja, man möchte sagen, säst alles znm Bauen Er­forderliche bringen: Drainröhren, Kanalsteine, Brunnenstcine, Rin- ncnsteine, Pflastersteine, Mosaikstcine, Klinker, Normalvcrblender und alle möglichen anderen Formate.

Sehr schöne große Terrakotten und Stücke von moderner Bau­keramik, welchen man die Wetterbeständigkeit ohne weiteres ansieht, beweisen die Vorzüglichkeit des zur Verarbeitung kommenden Roh­materials. Maßgebend sür die Qualität ist aber nicht allein das Rohmaterial, sondern auch der Scharfbrand. Tie meisten Waren werden daher bei Segerkegcl 10 gebrannt. Solche Scgerkegel, welche zur Kontrolle des Garbrandes dienen, kann man hier ebenfalls in verschiedenen Stadien studieren.

Die vielseitige Anwendung der Fabrikate der Firma werden an einer großen Anzahl Photographien gezeigt. Man sinket Bauten von der einfachen Billa bis zum großen össcntlichcn Gebäude: dem Rathaus, der Klinik, der Fabrik usw. Aber auch der Jnnenraum ist im Bilde vertreten durch Wandvlatten und Keramiken in Ma- schincnräumen, Schulhaussluren, Bahnhoishallcn uiw.

In dem arideren gegenüberliegenden Raum ist nun die An­wendung der Fabrikate in Wirklichkeit zu sehen. Die Eingangs- psortc mit einem kleinen mit grünen Biberschwänzen eingedccktcn Vordach wirkt bereits außerordentlich vorteilhaft. Tie eigenartig gelärmten beiden Blumenvasen tragen eine prachtvolle blaugraue Glasur. Geschickt ist ferner die Anwendung der verschiedenen Stein- sormate an der Gartenmauer gezeigt und durch die Blumen ist alles zu einem einheitlichen Ganzen glücklich verschmolzen. Hier sieht man bas deutsche Normaliormat, das belgische und holländische Format in verschiedenen Verbänden, in der vom Werk als Spezia­lität behandelten weißen Naturfarbe, aber auch gelbrotc und dunkle Steine. Das sogenannte Klostersormat ist in vier verschiedenen Arten und Farben vertreten.

Tic Rückwand der Gartenbank ist aus eigenarttg gerauhten Platten hcrgestellt und mit allerlei ornamentierten Zierplatten versehen.

Auch der für Schulen bestimmte Trinkbrunncn trägt verschie­dene solcher Zierplattcn, u. a. recht schön modellierte Tierbilder.

Das in de» Wand angebrachte Löwenrelies stammt von Pro­fessor Rudolf Bosselt, während einige kleine Tierreliess und die beiden großen Löwen sowie die Brunnenfigur nach Entwürscn von

Architekt Meyer, Gießen vom Bildhauer Gicvers, Darmstadt mo­delliert sind.

Der Brunnen steht auf einem roten Pflaster, welches aus klei­nen Würfeln ausgesührt ist, die, »sie aus einem angehestcten Bunt­druck hcrvorgcht, die mannigfachsten Anwendungen zulasten.

Der Garderobcraum ist in grünglasierten quadratischen Platten ausgcfilhri. Ein Spiegel mit einer keramischen Einfassung ist eben­falls beachtenswert.

Im sogenannten Warteraum hat der Versertiger des Entwurfs der Gailschcn Ausstellung, Herr Architekt Meyer, seine eigenen Ar­beiten in Zeichnungen und Bildern vorqcsührt. Auch das anschlie­ßende Cheszimmer, welches in dem erweiterten Verwaltungsgebäude des ausstellcnden Werkes nach Schluß der Ausstellung eingebaut werden wird, ist von Architekt Meyer entworicn. Die herrlichen, ernst- gestimmten Möbel sind von der Mübclsabrik Rinkshauscn- Nidda angcjertigt.

Der Glanzpunkt dieses Zimmers ist der Kamin, ein Stück, welches wieder die großartige Viclseittgkeit deS Materials der Gail­schcn Dampsziegeleicn beweist. Tie in der Kaminecke zur Ver­wendung gekommenen Wandplatten sind in Technik und Farbe etwas kühn, sie geben aber in der Gesamiwirkung ein prachtvolles Bild.

Ter in der Mitte des Zimmers hängende keramische Beleuch- tungskörver in Majolikaglasur, grün und weiß gehalten, ist nach dein Modelle des Bildhauers F. Penzoldt, Cassel, ausgesührt. Tie aus der Teckenrosette herausiretcndcn Perlen sind auch aus Ton gebrannt, eine sür die Fabrikation besonders schwierige Ausgabe.

An der Wand zeigt das von Pro». Lüdkemener, Koburg, stam­mende Oclgemälde den Umfang der Gailschcn Werke kurz nach der Gründung im Jahre 1892, und das im gegenüberliegenden Zimmer angebrachte große Bild die Werke in ihrer jetzigen bedeutenden Aus­dehnung.

Ter im vorstehenden beschriebene Teil der Geiverbeausstellung ist, wie »vir sehen, äußerst vielseitig, interessant und nutzt »mr für den Fachmann, sondern auch für den Laien sehr lehrreich und würdig des weit über Hessens, ja über Tentschlands Grenzen hinaus- gehcnden großen Ansehens und Vorv-Hmen Rufes der ausstellcnden Firma, der Gailt'chen Damviziegelei und Tonwarensabrik in Gießen.

Im ersten Obergeschoß des Haiwtgcbändes der Ausstellung hat die Werkzeugmaschinenfabrik und Eisengießerei, Aktiengesell- schast Hevligenftoedt & Cie., einen besonderen Raum innc, in dem eine große Anzahl von Maschinen Aufflellnng gefunden hat, die von allgemeinem Interesse sind und d-shalb etwas ein­gehender bcsprvck^n werden sollen, naihdem uns an Ort nn!» Stelle in zuvorkommender Weise Auskunft erteilt nnirde.

Tie heutzutage überall gestellte Ausgabe: schnell . sauber und aus den Millimeter genau zu arbeiten kann nur die Maschine lösen: Zeit ist Geld! Und der geübteste Handwerker, kann mit dem besten Willen niemals mit der Maslhinr in eine; lWcttbetvcrb eintreten. 7 Dies ivird ohne weiteres auch dem'