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Der Giehener Anzeiger

erscheint täglich, anher Sonntags. Beilagen: vierinal wöchentlich GiehenerFamilienb lütter; zioennal wöcbentl.Kreis- dlattfiir den Xreir Siehen (Tinlsrag und Freitag); zwennal urtmatl. Land- »irtlchastliche Zettfraae» ^ernirxech - Anschlüsie: iür bte Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse inr Depeschen: Anzeiger Wietzen. Annahme von Anzeigen iür die Tagesnummer bis varminaqs 9 Uhr.

Erstes Blatt

IH Zahrgang

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Mittwoch, 8. Zuli 1914

Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.

DerKorridor zur Adria".

Ueber dem Sarge Franz ,Vr*mumti3 hat sich die Gruft geschlossen, drcrußc-u geht der Lärm des Tages weiter, der nicht mehr den Toten stören kann, wohl aber den Lebenden unbehaglich *u werden beginnt Weit über die Grenzen der Aalkonftaatcn, weit über die Grenzen der vielsprachigen hadsburgrschen Monarchie Henaus beschäftigt man sich mit der schicksalsschweren Frage, welche Folgen die Bluttat von Scrajewo, dieses walmwitziqc Verbrechen großscrbischcr Fa­natiker. aus die künftige Gestaltung'derDiplomatie haben wird.

In Belgrad, dessen Konak ja mit Fürstenblut besudelt ist, verhüllt man nur sehr schlecht seine Freude über die Tat, der der Träger des Gedankens eines stach» Oesterreichs und seine ihin bis in den Tod getreue Gattin jäh zum Opfer fielen, 'Dian rechnet insgeheim auf die Unterstützung des großeii Zaren und denkt an alles eher als mitzuhclsen bei der Sühnung des Fürstcunwrdes, Aus dem anklagcndcn Oesterreich sucht man ein augeklagtes zu machen und sindet willige Helfer an der Newa, Brachte blüh dieNowoje Wrernja" ain letzten Samstag in einer Beilage aufreizende Bilder und der Leitartikel mit dem schönen Titel:Kulissen der bosnischen Metzeleien" schloß mit den Worten:An dem offenen Grabe deS unglücklichen Erzherzogs begeht die österreichische Politik jetzt eine blutige Leichenfeier", Bei solchen starken Helfern ist man kaum >ge»eigl, den berech­tigten Wünschen der Wiener Hofburg bei all ihrer Entschie­denheit irgendwie talsächlich entgegenzukommen. Schon wer- den die Karjcn dort unten von neuem gemischt, Bon Paris her tmirde vielleicht allzufrüh die Meldung von der Bereinigung Montenegros mit Serbien lan­ciert. Es folgte freilich ein schwaches Dementis aber diese bevorstehende Bereinigung Montenegros und Serbiens ist kerne bloße Ausgeburt der Sommerhitze, sie ist ernsthast ge­plant Ob sie unter dem Mantel einer engen Personalunion oder nur einer gemeinsamen Verwaltung sich vollziehen imrfc, das ist eine Frage untergeordneter Art,

Eines ist aber sicher, diese Vereinigung, ja der Gedanke dieser Vereinigung richtet sich gegen Oesterreich-Ungarn, dem man seine ausschlaggebende Stellung aus die Batkan- .Verhältnisse nehmen will Rußland, die Vormacht des Pan­slawismus hat hierbei natürlich auch im eigensten Inter­esse ferne Hand sehr geschickt im Spiele gehabt, Serbien Bedarf, um sich wkktschaftlich entfalten zu können, um seine "landwirtschaftlichen Erzeugnisse und seine Bodenschätze eini­germaßen vorteilhaft verwerten zu können, eines Hafens am Adrurtisckzcn Meer, Es hat unter der österreichischen Grenzpolitik, die oft mitunter etwas gewalttätig zu einer ausgesprochenen Unterdrückungspolitik des serbischen Ausfuhrhandels wurde, eluen ungehinderten Zugang zur gdriatischcii Küste stark entbehrt. DerKorridor zur Adria" war das Schlagwort weit- und einsichtiger Staatsmänner «Serbiens wie großserbjschcr Wirrköpfe, Bosnien und die jHerzegowina sollten zu diesemKorridor zur Adria" ver­helfen, Als diese beiden Länder endgültig von der habsbur- 'gischen Monarchie annektiert wurden, da empfand man Biese Annexion in Belgrad wie eine verlorene Schlacht Aber Herr von Hartwig, der Gesandte des Zaren am Bel­grader Hof, gab seinen slavischen Brüdern zu verstehen, daß sie noch nicht alle Hoffnung auszugeben brauchten. Und siehe ha, der ränkevolle Diplomat, der sich als Lebensziel gesteckt Itzlt, Oesterreich um seine Stellung als vorherrschende

Ballanniacht zu bringen, fand bald cin übcrraschcicdes Heil­mittel für die SckMerzen der Serben, Die Länder der Kara- georgiewitsch und Pietrowitsch Njegvsch sollten sich ver­einen, Sind doch beide Dölker gleichen Stammes, gleickp.tr Sprache und stehen in alter Waffenbrüderschaft, Tos Zwerg- königtum .der Schwarzen Berge könnte durch die Bereini­gung mit Serbien nur gewinne»,

Gewinnen könnte dadurch auch und sogar ungeheuer viel das Reich des großen Zaren, denn die Bereinigung beider Staaten bedeutet den serbischen Hafen und damit zugleich den russischen Flottcustützpunll, der Triest von der Bcr binduug mit dem Mittclmecre abschließt. Das aber war das einzige, ivas Oesterreich bisher zu verhindern ver­standen hat. Wird ilym auch dieser Erfolg durch diplomatische Schiebungen nock) aus der Hand genommen, dann bleibt cs der unterlegene Teil auf der ganzen Strecke trotz aller Energie, die nutzlos oerpulvert wurde. Freilich ist Monte­negro die Bcrpffichtung auserlogt, im Adriatischcn Meere keinen Kricgshafen zu bauen. Wird Ser bien diese Verpflichtung nach der Vereinigung anerkennen und wird man nicht allerlei Ausflüchte finden, um sich dieser Verpflichtung zu entziehen?

Schon taucht ei» neues überraschendes Gerücht auf: Oesterreich-Ungarn will seine Zustimmung zur geplanten serbisch-montenegrinischen Staalenvereinigüng gebrn, wenn ihm der L o w t s ch c n abgetreten wird. Der Lowtschcn ist cin montenegrinischer Berg, 1759 Meter hoch, der die für Oesterreich unangenehme Eigenschaft hat. die Festungsstadt Cattaro an der gleichnamigen Bucht und einen Teil dieser Bucht selbst zu überragen und somit militärisch zu be­herrschen, ?lbcr bei aller Wichtigkeit des Lowtsckzen für Oesterreich er kann bei einem bewaffneten Konflikt zwi­schen Oesterreich und Italien eine sehr bedeutsame Rolle fpielen um seinetwillen wird man am Ballhausplatz nicht die gesamten Richtlinien der bisherigen auswärtigen Politik über den Hausen werfen. Außerdem wird das Projekt des größeren Serbien wohl einstweilen zurückgestcllt bleiben, bis die Tragikomödie von Durazzo ihren Abschluß ge­funden hot.

Serbien zieht Truppen zusammen.

Paris, 7, Juli, Nach einer von den hiesigen Blättern gebrachten Meldung aus Belgrad derAgencc des Balcaus" hätten zwei Armeekorps vorgestern abend den Befehl erhalten, sich in Mitrowitza und den benachbarten Dörfern zn versammeln. Die Truppcnkonzentrierungen seien lediglich als Vorsichtsmaßnahmen gegen die Rückwirkung angeordnet worden, welche ein etwaiger Anfstand der durch die jüngste» Verfolgungen und Gewalttätigkeiten aufgereiz­ten scrbo-kroatischen Bevölkerung Oesterreich-Ungarns in Serbien zur Folge haben könnten,

Reue Kundgebungen.

Agram, 7, Juli, Nach dem heutigen Requiem für den Erzherzog Franz Ferdinand und Gemahlin demonstrierte eine lleinc Gruppe von Anhängern Franks mit dem Partei­führer selbst an der Spitze, Die Demonstration richtete sich «gegen - die in den Landtag ziehenden Slbgeordneten der Majorität, denen Schmährufe zugerufen wurden. Im Land­tag, wo sich die Skandalszcnen erneuerten, wurde Frank heute für 90 und sechs andere Mitglieder bis zu 60 Sitzungen ausgeschlossen. Tie übrig gebliebenen vier Anhänger Franks verließen demonstrativ den Saal, wo nur die Äarcsevics- partei als Opposition verbleibt.

Verhaftung eines Gen« ssc» der Bltcntätcr von Sercjewo,

S c m l i n, 7, Juli, Hier wurde gestern ein Ghnrnasiast namens Svetozar Popvwitjch, cin Genosse der Scrajewoer Attentäter, als er sich ans der Reise noch Belgrad beiand, ver­haftet, Popowitsch gestand, daß er am Tage des AltentatS in Serajenw in einer Konditorei eine Bombe, einen Brow­ning und Zyankali bckvmmen habe, Ws er dann gehört l»abe, daß das 'Attentat bereits gelungen sei, habe er die Mord- wcrkzeuge ivcggeworfen, ßopowitsch wird nach Scrajeivc eskortiert,

Rücktritt des Landeschess von Bosnien.

Budapest,?, Juli. Der Landeschef von Bosnien, Feld­zeugmeister von Potiorek, crllärte entgegen hiesigen Blälicr- nachrichtcn, daß anläßlich des Besuches des Thronfolger, paares olle mißlichen Vorsichtsmaßregeln von der Militär­behörde brschlosien wurden und daß zur Durchführung dieser 'Maßnahmen auch sämtliche Zivilbchörden in Anspruch gc- uommen ivorde» seien,

Scrajewo, 7, Juli, In politischen Kreisen verlautet mit großer Bestimmtheit, daß der Landeschef von Bosnien, Fcldzeugmeister Potiorek, bereits ausgesordert worden sei, sein Demissionsgesuch cinzurcichen Die Stellung des Lan- dcschcss gilt bekanntlich seit dem Altentat in Scrajewo als ernstlich erschüttert,

Tieiistvcrzicht eines serbische» Generalkonsuls in Deutschland,

Der serbische Generalkonsul Anspitzer in München, cin österreichischer Staatsangehöriger, hat wegen des Attentats in Scrajewo.seine Demission gegeben. In der vorigen Nacht wurde das serbische Konsnlatsßchild an der Wohnung des Gcnerallonsuls hernntcrgeriffen, Serbische Studenten hatte» in den letzten Tagen das Attentat verherr­licht und dadurch großes Aergcruis bei de» Einwohnern kMünchcns erregt,

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Wien, 7, Juli. DieNeue Freie Presse" meldet: Erzherzog Friedrich wurde gestern vom Kaiser in einsrüudigcr Audienz empfangen. Am 15. Juli erfolgt die ossizicllc Verlautbarung der Erucunung des Erzherzogs zum Generalinspektor der Armee, Das (tzeneralinfpektorat der Marine übernimmt der Marinekommandant Haus, Erz­herzog Friedrich wird bereits die Oberleitung über die dies­jährigen großen Manöver führen und sich vermutlich noch vorher nach Deutschland begeben, um sich Kaiser Wilhelm in seiner neuen Eigenschaft vorzustellen,

Kaiser Franz Joseph ist heute früh noch Bad Ischl abgereist.

Die Lage in Albanien.

Mailand, 7, Juli, DerSccolo" melde! aus Du. razzo: Die Lage des Fürsten ist äußerst kritisch geworden. Die Nationalisten l>aben den Fürsten ersucht, sich zu einer energischen Aktion gegen die Ausständischeu aufzurassen oder Albanien zu verlassen. Die Rcgierungstrupprn g-horchcn nicht mehr. Die Gendarmen' halten cs bereits sämt­lich mit den Insurgenten und erklären, daß sie nie­mals den Insurgenten feindlich gesinnt gewesen seien, die sic als Brüder betrachteten. Die europäischen Freiwilligen sind sehr unzufrieden; mehrere haben Durazzo schon wieder verlassen, Aus Balöna kommt die Nachpicht, daß die Epi­roten mit den Aufständischen aus die Stadt marschieren, - In Durazzo soll cs vor einigen Tagen zwischen den hier

Die Schöpferin des 5chauerromans.

kZnm 150, Geburtstage von Anne Radcliffe, 9, Juli.)

Die Wiederkehr des 150, Geburtstages der Anne Radclisir ruft die Persönlichkeit einer merlivürdigcn Frau in die Erinnerung, die in der englischen Lüeratur einen bedeutsamen Platz einnimmt, deren Wirkungen sich aber über die ganze Welt verbreiteten und noch heute nicht erloschen sind. Was wir dem wenig ehrenvollen Namen Schauerroman bezeichnen, das ist eine Gattung der Er­zählung, die sic recht augenscheinlich geschossen, aber in dieser Verfasserin gruseliger Geschichten sehen die bedeutendsten englischen Literarhistoriker, so Wolter Raleigh in seiner Geschichte des eng­lischen Romans, zugleicheinen der frühesten Apostel der Roman­tik", eine Schriststellerin,die die Poesie der romantischen Wieder­geburt vooausnahm und cintcitcte". Die dämonische Phantastik Evleridges, die Stimmungslandschaft Scotts, das weltschmcrzlühe Heldentum Burons, sic nehmen alle ii\ Ivichtigen Punkten ihren Aüsgang von den Schristen dieses hochbegabten Blaustrumples, ,und dieMaschinerie des Grauens", die Poe zuerst so meisterhaft gchandhnbt und die heute so beliebt ist, ist von ihr erfunden, ?luch WildesDvrian Grcy" ist letzte» Endes nur ein Ableger ihrer Romane, Wer war diese Frau, die die Ahnherrin aller Sensations- gcschichten und die Acltermutter aller Blaustrümpfe geworden? Anne Ward so lautete ihr Mädchenname heiratete mit 23 Jahern den Rechtsanwalt William Radcliffe und schrieb ihre Romane hintereinander mit erstaunlicher Schnelligkeit während der ersten Jahre ihrer Ehe, als ihr vielbeschäftigter Mann sic des Abends allein ließ, um die Langweile einsamer Stunden zu überwinden. Sie erwarb Ruhm uich Vermögen durch ihre Bücher, und als gefeierte Autorin zog sic sich ebenso plötzlich in das Stillschweigen ihres Privatlebens wieder zurück, wie sic daraus emvvrgetaucht ivor: sic sab cs ruhig mit an, wie andere Schrift­steller der von ihr geschossenenSchule des Schreckens", die sic nachahintcn, Lorbeeren ernteten, wie die Romantiker das aus­bildeten, was sie zuerst geahnt. Völlig imbekannt mit der Welt und dem Leben begann sie ihre Schriitstellcrci, und diese Ahnungs­losigkeit der Wirklichlcü gegenüber, die sie ihre Zuflucht zu ge­heimnisvollen Phantasien nehmen ließ, trägt cin gut Teil zu der seltiam unheimlichen Stimmung ihrer Werke bei. Jene düster» Landschaitcn voll Schrecken und Grauen, deren sinnliche An­schaulichkeit mit dem klagenden Geheul des Windes, dem ächzenden Gcseusz der Bäume, dem dunsten Schattengewimmel der Wolken so berühmt war, hat sic nie gesehen: die stets wicdcrkchrenden

Charastere ihrer Bücher hat sie nicht beobachtet, sondern sie sind ihr nur im Traum erschienen: die schöne Lady voll zarter Melancholie, die von einem ungelösten Geheimnis umwittert ist, den edelmütig ungestümen Liebhaber, den dämonisch wilden

Schurken, Sie schus alles aus ihrer Einbildungskraft heraus und doch war, Ivas ihre Phantasie geboren, so lebendig, daß cs in den Helden Bprons wirstiches Leben gewann, daß cs auch bei uns in Deutschland zur Nachahmung reizte, wie etwa im Leben und Schassen des jungen Tieck, Die geheimnisvollen Korridore, die sich öffnenden Wände, die Fall- und Geheimtüren, die unter­irdischen Gewölbe und Verließe, all diese Requisiten, die Mrs, Radcliffe in ihren Romanen geschaffen, sind uns heute aus jeder Tctcltivgeschichte geläufig. Zu Ende des 18, Jahrhunderts wirltc das alles wie eine neue Offenbarung, und in atemloser Spannung verfolgte man die Jagd nach irgend welchen vcrsäwlleNen Manu­skripten, die dann des nachts irgendwo beim Flackerschein einer Kerze gelesen werden und stets da, wo cs sich um die entscheidende Stelle handelt, unleserlich sind. Die Radcliffe ist eine Meisterin in der Erregung von Spannung und gruseligen Ahnungen, in dem Aussuggcricrcn der wildesten Vermutungen, die sich dann bei ihr zumeist ans eine höchst nüchterne und natürliche Art erklären. So bildet z, B, den Höhepunkt in ihrem BuchDie Geheimnisse des Udolpho" eine Szene, in der die Heldin Emilie ein verschleiertes Bild enthüllt; sie sieht, daß es kein Gemälde ist, wie sie ver­mutet und fällt in Ohnmacht, Der Leser glaubt nun an die grausigsten Dinge, bis er schließlich aus dpr letzten Seite erfährt, daß es sich um ein Wachsbild gehandelt. Auch das historische Kolorit ist ihre schwache Seile. In diesem Roman, der im Jahre 1584 spielt, «oird z, B, ungeniert von den neuesten fran­zösischen Moden und der französische- Over gesprochen Trotzdem geschah dieser packenden Erzählerin ein bitteres Unrecht, als der Vielschreiber Götsche in seinem Pseudonym Sir John Radcliffe an sie erinnerte.

Fe st-Aufführung der Elisabeth-Duncan- Schule, Tie Nachricht, saß die Elisabetä-Tuncan-Schulc aus Tarmstadt am 15, Juli lnachmittags 5 Uhr) eine Fest-Ausführung im Großh. Kurhaus zu Bad-Nauheim veranstalten wird, begegnet unter den Kurgästen, wie unter dem einheimischen Publikum allge­meinem und sehr lebhaftem Interesse. Ist doch der Ruf der Schule Elisabeth Tuncans international und in der ganzen Welt begründet. Man weiß heute allgemein, daß aus der herrlich gelegenen Marien höhe bei Tarmstadt, unter dem persönlichen Schutze des Großherzogs von dessen Elisabeth Duncan (die Sckvester der berühmten Tanzküns in Jsadora Duncan) eine Schule für edelste Körper­kultur ge urdct hat. Hier sollen keine Tänzerinnen ausgebildet werden , s gilt lediglich den Körper des sungcn Menschen zu seiner e, ..endetsten Ausbildung zu führen. Daß sich die Grenze von Gymnastik und Kunst yicrbci allmählich verwischt und, ganz wie von selbst, aus diesen Kindern und jungen Mädchen Künstle­rinnen der Bewegung werden, das ist das Wunderbare und Schöne

bei der Sache, Neuerdings hat cs sich die Schule zur Ausgabe ge. macht, auch Lehrerinnen auszubilden, die den Geist der Sclyilc in die Welt hinuustragen. Ebenso solle» Zöglinge der Schule von ihrem Wirken und ihren Erfolgen aus der Olympiade 1916 zu Ber« lin Zeugnis ablegen,

D i c Desinfektion der Mundhöhle durch ultraviolette Strahlen, Die keimtötende Wirkung des Sonnenlichtes ist seit geraumer Zeit bekannt. Wie sich die höheren Organismen unter seinem Einflüsse entwickeln und cs zur Erhal­tung ihrer Lcbcnssunktioncn dringend bedürfen, so übt eS im Gegensatz dazu eine vernichtende Wirkung auf die niedrigsten Lebewesen, die Bakterien, aus, ES ist aber nicht das strahlende Licht im ganzen, dem diese Eigenschaft zukommt, sondern der Teil, der unsichtbar ist und die lurzwclligcn, chemischen Strahlen, das sog. Ultraviolett enthält, Baktcricnkulturcn, die mit ultra­violettem Lichte bestrahlt wurden, büßten bald ihre Forlpslan- zungssähigkeit ein und starben ab. Noch stärker war der Effekt, Ivcnn zu den zu bestrahlenden Objekten fluorcsziercndc Substanzen hinzugesctzt wurden. Als Lichtquelle dienen diesem Zwecke be­sonders konstriiierlc elektrische Quarzlampen, die sehr viel ultraviolette Strahlen aussenden. Es lag nahe, zu untersuchen, ob man diese Kräfte nicht zur Sterilisierung und Desinfektion ausnülicn könnte. Diese Vermutung hat sich bestätigt: so gibt es eine Methode, Trinkwasscr durch ultraviolettes Licht keimfrei zu machen, die sür Heercsgcsundheitspslege im Felde von größter Bedeutung ist. Neuerdings ist man dazu übergegangcn, auch den menschlichen Körper von Bakterien auf diese Weise zu befreien. So haben Prof, Friedbcrger undDr, S hi o s i im pharmakv. logischcn Institut der Berliner Universität, wie sie in der Deut­schen medizinischen Wochenschrift berichten, Divhtericbazillen in der Mundhöhle eines Kaninchens durch Bestrahlung zum Ver­schwinden gebracht. Dazu muß allerdings die Quarzlampe mit einem Ansatzstück versehen und in den Mund eingebracht werden. Die Dauer der Bestrahlung mußte 30 Minuten tvährcn, wenn Sterilität erzielt werden soiltc. Vielleicht eröffnen sich hier Wegö zur Bekämpfung mancher Infektionen, Leider sind die ultra- violetten Strahlen nicht sehr durchdringend, sondern werden von der Oberfläche absorbiert, so daß sie keine Tiesenwirkung entfalten können. Bakterielle Herde im Innern des Körpers bleiben daher unbehelligt. Eine weitere Nutzanwendung der ultravioletten Strah­len ist »an den beiden Autoren, wie wir schon vor einiger Zeit mitgeteilt haben, bei der Kuhpockenlymphe gemacht worden. Es kommt bei dieser alles darauf an, sic keimfrei zu machen. Duvch die üblichen Sterilisierungsverfahren, wie starkes Erhitzen, Icrnn sic in ihrer Wirksamkeit stark beeinträchtigt werden, durch ultra­violette Strahlen aber werden allein die Bakterien zerstör^

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