Nr. J56
Zweiter Statt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Giehener ^amilienblättec" werden dem .Anzeiger* v.ermal wöchentlich beigelcgt, das „Kr«sdlatt für -en Kreis Gietzen" zweimal
wöchentlich. Die „Londwirlschaftlichrn Zett- fragen" erscheinen inonatlich zweiinal.
m. Jahrgang
euer
General-Anzeiger für Gberhejsen
Dienstag. I.Zuli
Rotationsdruck und D-rlag der Brühpjchen UnwersitälS- Buch- > ud Elcindrnckerei. R. Lange, "Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul, strape 7. Expedition und Verlag: e=®51.
Redakckon:s^Il2.Tel.-AdruAnz-igerGießen.
v.e Arbeit de; hessischen Landtages.
cb, T a r IN st a d t, 5. Juli, Die 35, Landtagspcriode wird nun endgültig am nächsten Donnerstag mittag >2 1 /* Ufer un SJefibeniid l.ift vom Großherzog pariöntich durch eine Thronrede geichlosten werden Im Antckwup daran feai das Hoimaricballaml die sämtlichen Mitglieder beider Sländekammern NM l Ufer zu der übliche» Liottajel eingeladen — Ebicofrt die Festsetzung br-3 Landtags,'chlniies sasl genau zu derselben Feil ersolgt wie stets u >» der Anfang Juli schon viele Woche» vorfeer dafür in Aus>icku stand, wird doch eine ganze Reihe zum Teil wichtiger Beratungs- gcgenftände als unerledigt unter den Tisch lallen Da ist zunächst die Regierungsvorlage, bftr. die Förderung von Stnit» in a g e ii l i » > e n Die zweite Kam»,er halte diese Vorlage ohne ,ecc Ausivrache angenommen, die Erste Kammer beschloß aber, die wichtige und insolgc der darin enthaltenen Normen iür zukünftige dauernde Ausgaben ernc starke finanzielle Bindung in sich ickiließende Vorlage bei der Kürze der Zeit nicht mehr rn Beratung zu nehmen, sondern die Regierung zn ersuche», den Landständen au» Eirund der Eriaferungen mit den bisfeerigen staatlich unterstützten Krailivagenlinien, sowie mit den Kraitivagcntinicii in anderen Bundesstaaten eine neue Vorlage machen zu wollen. Weiter ha:, wie schon berichtet, der Finanzausschuß der Zweiten Kammer beschlossen, die beiden neuen Regierungsvorlagen, betr, den Erwerb der Solms-Braun seist che» Braun kohlengrubcn in der Wetterau und betr, den Ausbau des Kraftwerks „L u d w i g S b o i f n u n g", nicht mcbr in Beratung z» nehmen. Der Ausschuß mar ansänglich geneigt, der Vorlage zuzustimmen. Allein bei »äberer Prüfung musste doch zu» gestanden werden, daß der Ankaut die Staatskasse auf Jahrzehnte, vielleicht aui mehr als ein Jahrhundert hindurch belasten würde, oline das, Sicherd-it dafür gegeben wäre, daß eine Verwendung der Braunkohlen» lbec nötig wäre, Ter Ausschuß erkannte deshalb, ohne direkt eine Ablehnung aussprcchcn zu wollen, daß erst eine gründliche Prüfung der Sache vorgevomme» werden müsse, ivann die Felder wohl zur Verwendung komme» könnten: er beschloß deshalb, die Vorlage solange zurückzustellcn, bis die erforderliche» Berechnungen vortiegcn, ivas auf diesem Landing nick» mehr möglich iein dürste. Mit der vorläufigen Ablehwung dieses Gesetzentwurfs wird auch die Zurückstellupg des Ausbau? des KrasNvcrks „Ludwigshossnung" ausgesprochen. Nicht mehr zur Beratung gelangen soll auch die Regierungsvorlage, betr die R e v i s i o n d e S F e l d str a s g e s e tz e S, da der Gesetzgebungsausschuß der Ansicht ist, daß bei den vielfach iveit auscinandergehenden grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten eine Aussicht aui Erledigung des Ge- ietzes vor Schluß des Landtags nicht mcbr erwartet werde» kann. Weiter kann bei der Kürze der Zeit die Regierungsvorlage, betr, die neue Kreiscintciliing. nickst mehr zur Verabschiedung gelangen. Dagegen schlägt der Ausschuß vor, den Gesetzentwurf, beir, die L o s g k j e l l s cki a f t cm, an welchem die Erste Kammer verschiedene Aendcrungen vo-genommen hat,'in dieser veränderten Fassung zu genehmigen Wetter schlägt der Finanzausschuß vor, die Regieruiigsvorlage, betr, die Aussührung des Besoldungs- gksetzeS vom 21 März 1914, zu gencbmige». Es bat iich die Notwendigkeit ergeben, iür verschiedene Stellen in der Besoldung? ordnung noch nähere Bestimmungen im Sinne des Gesetzes zu t-efsen, und um die Veröstenllickmng n, Aussührung der Beioldungs-- ordnung nicht uanöna zu verzögern, bat die Regierung lei der ersten Verössentlickmng die in der Vorlage näher bezeichneten Punkte bereits mit ausgenommen, wofür ne jetzt um die nachträgliche Genehmigung nachsnckit, Ten zustimmenden Ausschußbericht wird Abg. Dr, Osann mündlich erstatten. Eine weitere Vorlage der Regferting, di" der Finanzausschuß zur Annahme empfiehlt, betr, den Staatsvertrag zwischen der badischen und der hessischen Re gicrung über den Bau einer Eisenbahn von Neckar st einach nach Smonau im Odenwäldcr Steinachtal, In diesem Vertrag ist benzerkenswert, daß in, Artikel 7 bestimmt ivird, daß im Einklang mit dem am 19, Februar 1874 wegen der Strecke Neckargemünd— Eberbach zwischen beiden Staaten abgeschlossenen Staatsvertrag der badischen Eisenbabnvcrwaltung Steuerfreiheit von Gemeindcabgabcn und Kreisumlagen eingcränmt ist, Hierzu ist die Genehmigung der Landftändc ersordcrlich, weil diese VertragSiustimmiing ebenso den Bestimmungen des neuen Gemeiiidesteuergcsetzcs, wie denen der Kreis- und Provinzialordniing widerspricht. Die Übrigen Artikel regeln che Art der Ausführung der Bahn, die normalspnrig gus,- gciührt werden soll und bei der ans die Möglichkeit der Wciter- süliruiiq bis Heiligkrenzsteinach Rücksicht genommen wird. Ein Zuschuß Hessens wirb on Baden nicht gewährt, da Hessen kein erhcb- licktcs Interesse an dein Bahnbau hat. Die badische Bahnvcrwaltung wird am nordivcstlichcn Ausgang von Neckarsteinach aui ihre Kosten eine Personenhaltcstclle einrichten und täglich mindestens njer Züge nach ieder Richtung latiien lassen. Dieser Stantsvertrag steht aus der Tagesordnung der nächsten Dienstag wieder zusammcntretenden Kammer, Jin ichrigen enthält die Tagesordnung noch säst genau soviel Beratiingsgcgenstände, wie beim Beginn der jetzigen Sommer- trgung, nämlich 44, Es sind dies jedoch zumeist nur solche Punkte, die ilire eigentliche Erledigung bereits in den Ausschußberatungeit geiunde» haben und deren Beratung im Plenum der Kammer mehr nur noch eine Formsache ist. Trotzdem aber wird der Kammerpräsident zienilich streng und summarisch verfahren müssen, wenn in den beiden letzten Beratungstagen wenigstens die allgemeineren Tinge noch erledigt und nach Möglichkeit reiner Tisch gemacht werden soll.
Aus Hessen.
Landtagsabgeordnetec Frieder ich + In Groß-Rohrheim starb im Alter von 53 Jahren der Landtaasabgcordiiete Oekonomierat Jakob Fricdericki, Er war Vertreter des Wahlkreises Gernsheim-Pfungstadt und gehörte der Fraktion des Bauernbundes an. Der Verstorbene war auch Mitglied der Landwirtschastskammer. Ter Zweiten Kammer gehörte er seit dem 17, November 1911 an. Bei der feierlichen Beisetzung in ist r o ß - R o h r h c i m widmete der Präsident der Zweiten Kammer, Eberbürger- mcistcr-K öhIcr (Worms), deckiPerstorbenen einen herzlichen Nachruf, Weitere Ansprachen hielten unter Kranzniederlegungen Vizepräsident Korell Angenrod) im Namen des IBauernbtindes, Oekonomierat Walter (Lengfcld) für die Landwirtschaftskammer, sowie Vertreter der Krieger-, Gesang-, Turn- und Eisenbahnvercine usw.
veuticbes ReicH.
Der Kaiser tritt die N o-r d l a „ d r e i s e a n, Ter Kaiser ist am Montag vorinittag 9 15 Uhr nach Kiel abgefahren, von ivo er die N o r dla n d r e i s c an- treten ivird. In Kiel begab sich der Kaiseraus dem Wasserwege sofort an Bord der „Hohenzoltern",
Die Kaiserin ist gestern um 10 Uhr von Wildpark nach Wilhclmshöhe abgefahren. In ihrer Begleitung be- sindcu sich Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich, die sich einige Tage in Wilhelmshöhe aufhalten iverden
Der W a s s c r st r a ß c n b c i r a t f ü r d e n R h e i n und seine Ncbcnjlüssc hrelt am Monrag in Koblenz
seine erste Sitzung ab. Bei der Erledigung der Tagcsord nung war von besonderer Bedeutung die Auskunft über die ,y rage der Vertiefungdes Rheins von St, Goar brs Mannheim, Danach ist die preußische Regierung '' at u genauer Untersuchung alter in Betracht lammenden Verhältnisse zu dem Ergebnis gekommen, daß ein sicherer und dauernder Erfolg nur durch den Ban einer schleuse am linken User zu erzielen sei. An die Sitzung schloß sick> Mn Nackimitlag eine Rheinfahri bis zur hollän- di,che» Grenze,
^ " Kornblumcnlagin Sachsen erbrachte nach Abrechnung aller Unkosten 694 0W Mt, von denen 691 00» Mark an bedürftige Bcteranv» verteilt werden sollen,
Ei n allgemeiner T o ch s c n t a g fand vom 4. bis 6. ^zuli in Dresden statt. Den Höhepunkt bildete ei» Fest zug. Es wurde einstimmig die Gründung eines Sachsen- Weltbundes beschlossen,
D e r d i e s j ä h r i g c s o z i a l d e m o k r a t i s ch e P a r- teitag ist aus Sonntag, den 18,September, nach Würz, bu r g cingeladen.
auslattO.
Die Beisetzung Joses Chamberlains fand am Montag in Birmingham in aller Einfachheit in Gegenwart seiner-Gattin und der Familienmitglieder statt. Das Königspaor und die übrigen Mitglieder der königlichen Familie hatten Vertreter entsandt.
Die Homerulebill. Das englische Eberhaus stimmte nach dreitägiger Beratung der ziveiten Lesung der Zusatzvorlagc zur vomerulevill mit 278 gegen 10 -stimmen zu. Tos Haus will die Beratung über die einzelnen Punkte der Vorlage am Mittwoch begiimen. Die Opposition bringt dann ihre Anträge zur Acuderuirg bezw, Erweiterung der Bestimmungen der Vorlage vor.
Von der s r a n z ö s i s ch e n Armee, Dem „Exceliivr" zufolge besckstiftigi sich das Äriegsministeriuni mit der Frage, auf welche Weise dein Mangel an Offizieren an der Lstgrenze sowie unter den nordafrikanischen Truppen abzu- belsen wäre. Ein Vorschlag, der als besonders wirksam angesehen wurde, geht dahin, daß nur jene Offiziere den Grad eines Obersten erhalten können, welche vier Jahre bei den Deckungstruppen und vier Jahre in Nordafrila oder in den Kolonien gedient haben, — Ter neue Lbnia.in des H e c r e s a u s s ch n s s,e s, General P e d o y a, erklärte einem Mitarbeiter der „Lanterne": der dreijährige Militärdienst übersteige weitaus die Hilfsmittel und die Ätzäste, über welche eine Nation von iaum 40 Millionen Einwohnern verfüge, Italien, das 32 Millionen Einwohner bade, besitze eine Armee von rund 450000 Mann und Oesterreich-Ungarn mit seinen 50 Millionen Einwobnern habe eine Armee von rund.550000 Mann, Tie Kraftanstrengung, die man dem französischen Volke auferlegt habe, beraube die Landwirtschaft und die Industrie der nokivenbigcn Arbeitskräfte Dian müsse die nationale Verteidigung auf ernsten Grundlagen ausgcstalten, aber sich dabei von den hergebrachten und schädlichen Methoden fcrnhalten.
Der Kongreß des sozialistischen Verbandes des Seinedepartements hat mit 364 gegen 68 Stimmen beschlossen, daß dem nächsten Internationalen sozialistischen Kongreß ein Bcschlußantcag vorgelegt werde, in dem der allgemeine Streit und namentlich der Streik in den für die Armee tätigen Industrien als das wirksamste Mittel gegen den Krieg empfohlen wird.
In Sofia soll eine französisch-bulgarische Hypothekenbank mit einem Kapital von 20 Millionen Francs gegründet werden,
Turkhan Pascha empfing <im Samstag in Wien den Besuch des italienischen Botschafters, mit dem ex eine einstündigc Besprechung hatte, Turkhan Pascha besuchte alsdann die rumänische Gesandtschaft und die türkische Bot- fd>aft und hatte je eine einstündige llnlcrredung mit dem österreichisch ungarischen Minister des Aeußercn Grafen Berchtold und dem Sektionschef Freihcrrn v. Macchio, Am Sonnlag hatte Turkhan Pascha stundenlange Besprechungen mit dem rumänische» Gesandten und empfing den Besuch des Generalkonsuls Rappoport, der die Abteilung für Bai tanangelegenhcitcn int Auswärtigen Amte leitet. Heute mit tag war Turkhan Pascha zum Frühstück beim Grasen Bcrch- lotd geladen,
6) fab Pascha ist aus Rom in Paris eingetrofsen.
Die deutschen Uaisermanöver 19H.
in.
Es ist bereits aus die Schwierigkeiten hingewiesen worden, die durch die Vereinigung großer Truppeiimassen im diesjährigen Kaisermauover für die Verpflegung entstehen. Gerade dadurch aber wird das Kaiscrmanöver in diesem Jahre zu einer außerordentlich lehrreichen Uobung für Generalstab und Intendantur in der Verpflegung unter Verhältnissen, die denen des Krieges nahekommen, Zum Studium der .Hecresvcrpslegung iverden zwar alljährlich Plan aufgabcn in größerer Zahl bearbeitet und Verwaltungs- generalstabsreisen unternommen, sic weroen aber in ihrer Bedeutung durch die bevorstehende praktische Ucbung erheblich übertrosfen.
Auf eine völlig kriegsmäßig durchgeführtc Verpflegung muß allerdings auch in diesem Kaiscrmanöver verzichtet werden. Die Aufstellung sämtlicher Kriegsvcrpsiegungsko- lonnen würde ungeheure Kosten verursachen und der Bevölkerung der bctresfcnden Gebiete zuviele Fahrzeuge ent ziehen. Ans diesem Grunde muß auch die Aufstellung der Etappen-Verpflegüngskolonnen unterbleiben.
An sich wäre ein Manöver mit Ausstellung aller Vcr- pslegungs- und Munitionskolonnen sehr erwünscht, die Ausführung wird aber wohl immer an den Kosten und an der Kürze der zur Verfilzung stehenden Zeit scheitern.
Im bevorstehenden Kecksermanöver werden immerhin, toie sck>ou erwähnt, für die Verpflegung Verhältnisse geschaffen, die denen des Krieges möglichst nahe kommen. Die Verpflegung wird sich wie folgt gestalten:
Tie Fußtruppen entnehmen ihren Bedarf den unmittel dar bei ihnen befindlichen Feldküchen, Diese ergänzen sich aus den Lebensmittelwagen, welche sich bei der großen Bagage lejmücn.
Die berittenen Truppen, die nicht über Feldküchen ver- sägen, verpflegen sich unmittelbar aus den Lebensmittel- und Fntterwagcn,
Tie Wiedcrsüllung dieser geschieht aus den Kolonnen, welche den Armeekorps oder Divisionen mit kriegsmäßigen Abständen folgen. Auch von freihändigem Ankauf der Vcr- pflegmig-vorrate zur Wiederfüllung der Lebensmittel» und Futterwagen ivird weitgehender OK brauch gemacht werden, nne es aucki im Kriege, soweit es i ie ini Lande vorgefun-, denen Vorräte erlauben, der Fall sein imrd.
Die Vcrpslcgiiiigskoivniieii ergänzen ihren Bestand aus Vcrpslegungszügcn der Eisenbahn,' die von der Intendantur nach Bedarf vorgezogen iverden.
In diesem Rahmen finde» die Verpslcgungsossizierc bei den Truppen, und im Rücken der Truppen die Inten- dantur, dura, den sich entwickelnden Pendelverkehr der Ler- pslegnngSkolonnen und Fahrzeuge sowie den frciltzindigen Antaus von Lebensmitteln und Futter, reichlich Gelegenheit, flir ihre Ausgaben im KLiegc zu lernen.
Es erhellt hieraus aber auch die dringende Notwendigkeit, aus den Straßen des gesamten Manövergcländes, auch im Rücken der Armeen, strenge Ordnung zu halte» und die Manövcrlciiung i» der Turchfiihrung ihrer "Absichten zu unterstütze».
Die de» Armeen vorausgehcnde Heereskavallerie kauft ihren Haserbrdars in, allgemeinen freihändig auf, für den Notfall werden ihr Lastkraftkotvnnen für den Hasercrsatz zur Verfügung stehen, während sämtliche Truppen, wie im Kriege, für den Notfall eiserne Portionen mit sich führen.
ver Wettbewerb um die alte Hlinif.
In Nr, 145 unseres Blattes hatte einer der b<!i>n Wettbewerb um die alte Klinik beteiligten Architekten an den Entscheidungsgrüiiden Kritik geübt, woraus in Nr, 153 die bausachverständigen Mitglieder des Preisgerichts die Beanstandungen des. Architekten zu entkräften suchten. Auf diese allerdings wenig stichhaltig anmutende Erwiderung übergibt uns der Einsender der ersten Zuschrift solgende Entgegnung, aus der deutlich hervorzugehen scheint, daß das Preisgericht seinen Standpunkt mehrfach geändert hat. Die Zuschrift lautet:
In seiner Erwideninl, im Gicsencr Anzeiger Nr. 153 bezeichnet das Preisgericktt die Abtragung der Türme durch Unterzöge als eine architekl mische Lüge und bringt im weitern eine Er- ßänzung seines über den Entwurf „Provisorium" gesällte» llrieils.
Pan diesen Ansfiibrungen ist aber in dem ilrteilsprakololl keine -Silbe zu leien. Deshalb bot das Preisgericht auch lein Rockit, sie als Beweisgründe anzuziehen, umsaweniger, als sie in vor- liegeudeni Falle Iveiter nichts als die Ansicht van nur drei Mtt- giiedcrn — den Bausachverständigen — des Nglicdrigen Preisgerichts darstellen. Solche Ausführungen sind deshalb wertlos.
Aber trol-dem muß doch gesagt werden, daß diese architcktonnche Lüge zu ertragen wäre, da es sich um einen Umbau uno nick» um einen Neubau handelt, und zumal die Turniauffätze in ih.cm jetzigen -Bestand auch schon eine architektonische Lüge bc-deuten f denn eine logische Entwicklung aus dem Grundriss« stellen sie nicht dar. Diese Ueberzeugrmg haben auch fast alle Bewerber — ich glaube bis aut drei — bekundet und an Stelle der Türme den logischen Gicbclaufbou vorgesclilagon.
Wenn donn'bem Preisgericht so viel an architektonischer Wahr- heit lag, warum hm es dann dies« Vorschläge wenigstens nickt zur Annahme empfohlen!
Ter VoNvurt der In ko ns e a n c n z wird aufrecht erhalten. (Denn das Preisgericht fern, wie schon ausgeführt, die Möglichkeit der Verlegung des im Entwurt Prooiiorium im Älittelban ange- ordnetcn Raumes in dem Protokoll nicht erwähnt. Diese Möglichkeit kann somit auch kein Gegenstand der Bewertung gewesen! sein. Das Preisgericht hat die in den Entwun eingetragene tstaum- anordnung gebilligt, ohne die geringsten Bedenken gegen die iHerausnahme der Jnneninauer zu mißern. Damit hat cs sich der Jnkonseouenz schrckdig gemacht.
Im übrigen will nunmehr dos Preisgericht als 1. Eber» geschah auch dasiemge im Anbau verstanden wissen und sagt, das: demzusalge die Unterbringung drs Sitzungssaales im l. Obergeschoß des Anbaues keineswegs ausgesckiloi'sen und somit seine Entt'chcidung kein Verstoß gegen das Programm sei.
Nun mag sich das Preisgericht einmal die prämiierten Entwürfe genau ansehen. Dort liegt ja der Sitzungssaal gar nicht im l, Obergeschoß, sondern im 2, Obergeschoß, so daß das Preisgericht selbst bei seiner Auslegung der Bestimmungen gegen das Programm verstoße» hat. Aber gerade dieser Irrtum des Preisgerichts, sowie auch icine llrteilsbegrüitdung ielbst und die in allen cingereick'lcn Entwürfen hcroortretenda Uobcrcinstimmung der Lage der im Zusammenhang mit dem Sitzuiigsiaal gesorderten Räume löst gar keinen Zweitel zu, daß das I. Obergeschoß, in den, diese Räume und der Sitzungssaal und zwar niöglkchst zusammenlicgend unterqebracht werden sollten, nur dasjenige im Hauptbau und nirgends anderswo fern konnte.
Die diesseits anigestellte Behauptung: „Das Programm haba klipp und klar die Lage des Sitzungsiaales im l, Obergeschoß gefordert und das Preisgericht liobe mit seiner Entlcheidung gegen! das Programm verstoßen", muß soniil im vollen llmsange «nirecht erhalten werden, unisomebr, als die Erwadcning des Preisgerichts selbst eine Bestätigung hierfür bedeutet.
Mit Bezug aus die Bedenken, die das Preisgericht durch die Aussührungen in Nr, 145 dS, Bl, nicht als beseitigt ansehen will, weil die Frommouer der Mittelvartic oui 8 Meter wirklich nur-7 Mcter — freigestellt und durch die zu brechenden Fenster geschwächt würde, wird daraus hingewicsen, daß diese Frontmauer im l, Obcrgeicktvß 75 Zentimeter und im 2. Obergeschoß 65 llenti- metcr stark ist, und daß alle Proielie, di," den Sitzungssaal vorn ldurch zwei Etagen anordnelen, an den Stellen der herausgenom- lmenen Innenwände Pieiloroorlagen zeigten, die in hinlänglicher Weise die Fronttnauer ventärkteu und deren Stabilität in mehr als ausreichendem Maße erhöhten. Zur Ausnahme der durckt di- Unlcrzügc übertragenen Lasten war mehr als das Dreliache des ersorderlütien Pteilguerichnitts vorbanden. Es hätte auch sicher- lick nicht eine so große Zahl von Bcwerbem, dix doch ohne Zweitel nicht minder über das nötige Verständnis für Konstruktionen verfügen, einr Anordnung oes Saales gelrotien, wodurch Bedenken, trie sie das Preisgericht äußert, hervorgcruien worden wären. Die Herren baufackverstän igen Preisrichter bälten aber doch auch wissen sollen, daß. bei dein, heutigen Stand der Technik und bei den so vielen zur Verfügung stehenden Konstnirlion-snnlteln ein Umbau, wie er hier eriordeilich gcwor- den wäre mit Leichtigkeit zu bewerkstellige» gewesen sei. Es minien deshalb nach wie vor die vom Preisgericht erhobenen und zur Hauptgrunblage seiner Entscheidung gemachten Bedenken als unbegründet und das Urteil als ein Fehlurteil bezeichnet werden.
Aber angenommen, diele Bedenken seien berechtigt, dann neun insbefonüevc den daujachverjtändigen PreisrichlLui der Vorhalt


