Ausgabe 
4.7.1914
 
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Nr. 154

Der Eichener Anzeiger

erscheint tätlich, außer Sonntags. Beilagen: viermal .wöchentlich EichenerLamilienblätler; zweimal wöchentl.UreiL- dlatl für den Xreir Eichen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- wirlfchafiliche Zeitfrayen Ferusprech - Anschlüsse: iür die Nedaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse iür'Depeschen: Anrciqer Wichen. Annayme von Anzeigen iür die Tcigcsnumrner bis vorntittags 9 Uhr.

Erster Blatt

164. Jahrgang

ietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Zamrtag, 4- Juli 1914

VcznasvreiA:

monat!ich75M.,vierleI- jährlich 'Ult. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 6b Pf.; durch dir Post Alk. 2. viertel- jährl. ausjchl. Bestellq. Zeilenpreis! lokal löPj. auswärts 20 Bienniq. Lhciredakteur: A Goey. Verantwortlich iiir den polit. Teil! Aug. Goey: stir .Feuillclo»', .Ver­mischtes^ und. Gerichls- saal": stark Neurath: iür .Stadt und Land":

Rotationsönid und Verlag der vrühl'schen Unio.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion. Lrpedition und vruckerci: Schulstrahc 7. Anz-m-mcü:' ' ""

p. Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten.

politische Wochenschau.

Gießen, 4. Juli.

Es kann nicht mehr daran gezwciselt werden, daß die Mordtat in der Haupsiladt Bosniens aus einem aroßserbi- scheu Koniplott hervorgegangen ist. Es liegen lange Berichte über GeMirdnrfse der beiden zuerst v-erhafteten Mordbuben

^ «mach nicht nur in gegenseitigem Einvernehmen gehandelt, sondern in Belgrad Änstister und Förderer ihres schrecrirchen Planes gefunden halten. Tie Untersuchung ist noch nicht adgeschlossen und eine amtliche Tarstelhitng liegt lrio jetzt nicht vor, allein folgende Tatsachen scheinen fest Anstehen: Princip und Eabrinovic hatten sich in Belgrad ge­troffen, wo sie durch großserbischc Propaganda sanatisiert ivorden waren. Um ihr Vorhaben und ihre Tat ha! der serbische Major Pribiszevic gewußt, der früher dem östcr- rcichlschen Heere angehort hat, dann aber desertiert war und zum Sekretär des großnationaten Verbandes, derNarodna Obrana", sichausgeschwungcn" batte. Tiefer Pribiszevic soll sogar eine hohe Stellung im serbischen Generalstab begleiten. Ob die beiden Verhafteten zu ihm gekommen waren, oder ob er sic gedungen hotte, ist aus den Berichllen über die Geständnisse Princips und Cabrinovics noch nicht klar zu ersehen. Jedenfalls hat Pribiszevip die Beiden in ihrem Vor­haben bestärkt und sic an einen anderen Helfer verwiesen, den serbischen Komitatschi Ciganwvic, der ihnen die Bom­ben .und die Revolver verschaffte, wie cs heißt aus dem Arsenal von Kragujewetz. Es wurden noch lreitcrc vier Bcr- säliwörer zu der beabsichtigten Tat hcrangczogcn, die zum Teil nun in Serajcwe bereits verhaftet worden sein sollen. Zum mindesten steht fest, daß ein Belgrader Student namens Grades verhaftet worden ist, der, so heißt es, ein Gestälnd- ins abgelegt hat, das mit dem der beiden andern Mörder übereinstimmt: in einer Konditorei hatte Princip an jenem traurigen Sonntaesdic Bomben und Revolver verteilt; jeder der Verbrecher war auch mit Zyankali, zum Selbstmord nach der Tat, ausgerüstet worden.

Soweit die Geständnisse. Nach einem Bericht derWie­ner Allgcm. Ztg." soll Princip, von Todesangst gefoltert, zusammcngcbrochcn sein und weitere Bekenntnisse in Aus­sicht gestellt haben.

Wenn alle diese Dinge auf voller Wahrheit beruhen, so muß bei jedem Kulturmenschen gegen die serbische Hetze­rei Empörung anssteigen, denn von einer Tyrannei der Wie­ner Regierung oder einer Unterdrückung der bosnischen Ser­ben kann nicht gesprochen werden. Tie Habsburgische Monar­chie l>attc ihren Rcichsland-en, Bosnien und der Herzego­wina, schon 2 Jahre nach deren Einverleibung eine Verfassung gewährt und in dem neu gebildeten Landtag hatten, wie wir einem Aussatz derVoss. Ztg." entnehmen, die Serben 31 Ab­geordnete, die Moslems 24, die Kroaten (Katholiken) 16. Bian vergleiche damit die Zusammensetzung der Nationali­täten in diesen Grenzlanden, die wir heute an anderer Stelle vcröfscnttichen, und man wird finden, daß die Serben über Unterdrückung" sich nicht beNagen konnten. Das war gerade die Eigentümlichkeit des verstorbenen Erzherzog-Thronfol­gers, daß er den österreichisch-ungarischen Staatsgedanken ho.ch halten und alle Nationalitäten innerhalb des Reiches durch Zugeständnisse mit diesem Staatsgebilde verketten ivollle. Franz Ferdinand war ein Freund der Slawen, teils wohl auch aus persönlicher Neigung durch seine Heirat mit esiicr Tschechin, hauptsächlich aber aus wohlerwogenen poli­tischen Gründen. Ter Berfall der türkischen Herrschaft aus

europäischem Boden infolge der letzten Balkankriegc schuf aber eine entgegengesetzte Tendenz: die Südslawen, heimlich von Rußland gefördert, drängen nach nationaler Einigung, womit sic der österreichisch-ungarischen Monarchie natürlich gefährlich werden. Bon Wien aus mußte namcnllich der serbischen Ausdehnung cntgegengearbeitct werden, und als Ergebnis dieser Politik'wurde ja auch dasselbständige" Albanien geboren, das, nach den neuesten Ereignissen, nun doch noch einmal aus einer neuen Grundlage geschaffen werden muß. Als neues Glied in der Kette jener slawischen und großserbischcn Bestrebungen wurde in den letzten Tagen der Plan einer Vereinigung Serbiens mit Mon­tenegro genannt, wobei der König Nikita jedoch seinen Thron behalten soll. Ter Belgrader Regierung würde eine Vereinigung besonders aus verkehrspoütischcn und strate­gischen Gründen erwünscht sein.

Der Tod des Willensstärken, zielbcwußten Thronfolgers Franz Ferdinand wird für Oesterreich Ungarn ein großes Unglück sein, wenn auch die amtlichen Nachrufe dem wider­sprechen und den Bestand des Reiches als unerschütterlich! hinstcllcn. Gewiß, der slawische Ansturm wird vielleicht zurückgewiesen werden, allein er wird doch nun in verstärk­tem Maße cinsctzen und der Welt auf die nächsten Jahre hinaus reichlich Unruhen bereiten.

Die Tat der elenden Mörder in Scrajewo läßt auch für das deutsche Reich eine Schicksalsstunde schlagen. Es ist die Sache der deutschen Regierung, mit kundigen Augen das Kommende vorauszuschcn und ein festes Ziel damit zu verbinden. Ter deutsche Einfluß in Wien muß wachsen und ausschlaggebend werden. In Belgrad und Eetinje hat

man ein Beispiel gegeben____ Auch der deutsche Gedanke

muß weiteren Fortschritten cntgcgengcsührt werden.

* * *

Da auch die Fürstlichkeiten der anderen Großmächte der Traiierfcicr in Wien serngcbliebcn sind, ist es keine aus­fällige Merkwürdigkeil, daß Kaiser Wilhelm seine ange- kündigtc Reise nach Wien ebenfalls unterlassen hat. Es 'ist natürlich durchaus glaubhaft, daß den Kaiser ein ticines Unwohlsein getrossen hat und er auch aus diesem Grunde sich die Beschwerden einer Reise nicht aufcrlegen kann. Wir begrüßen es aber wohl alle im deutschen Bolle, daß der Besuch in Wien jetzt unterblieben ist. Der österreichische! Hof soll aus Anfragen verschiedener Höfe geantwortet haben, daß der alte Kaiser Franz Joses der Schonung bedürfe und die Traucrfeier daher in stillerem Rahmen verlaufen solle. Eine Meldung, daß für genügende Sicherheit beim Besuch der fremden Fürsten in Oesterreich nicht volle Garantie übernommen werden könne, ist dementiert worden; eine solche Ankündigung hätte ja auch eigentümlich und beun­ruhigend wirken müssen. Allein cs darf doch wohl aus­gesprochen werden: So lange noch die Untersuchung über den Fürstenmord schwebt und nicht alle Fäden bloßgclegt sind, die zu der Tat in Scrajewo geführt haVeu, ist das Unterbleiben einer Kaiserreise nach Wien dringend zu wünschen. Wer weiß es denn, ob nicht wiederum serbische Fanatiker und Mörder den Versuch gewagt hätten, auch den Freund des verstorbenen Erzherzogs mit der Mordwaffe zu treffen? Kaiser Wilhelm wird in der nächsten Zeit auch keine Gelegenheit haben, seinen greisen Freund in Ischl zu besuchen, denn er gedenkt am 6. d. M. seine Noroland­reise anzuireten. Warum sollten Monarchen nicht wie die übrigen Sterblichen in dckb Trauer um teure Verstorbene den Wunsch hegen dürfen, in ihrem Schmerz allein zu verweilen? Tie Berljn-Wiencr Beziehungen sind zu fest

gefügt, als daß sic durch einen neuen Besuch im jetzigen Zeitpunkt noch eine weitere Festigung erfahren könnten. Besser ist cs, daß in den auswärtigen Acmtcrn stille Ar­beit gcleistcl wird; Übertrieben ec Kundgebungen soll­ten sich auch die kaisertreuen Völker der l)absburgischei> Monarchie enthalten.

Die Trauerseier in Wien.

Wien , 3. Juli. Während der Vormittagsstunden vor der Trauerseier desilicrlen Tausende und Abertausende in der Hofburg-Pfarrkirche vor den geschlossenen Särgen, an deren Kopsend« zn>ei weiße Blumenkränze von den Kindern der Verblichenen, zwei Kränze der Gräfin Stefanie Lonpay und ihres Gemahls lagen. Von^8 bis 12 Uhr wurden in allen Kirchen Messen gelesen. Von 12 bis 1 Uhr läuteten in allen Kirchen die Glocken.

Wien, 3. Juli. Um 4 Uhr nachmittags fand in der Pfarrkirche der Hofburg die Leichcnseicr für den Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin, die Herzogin von Hohenberg, statt. Ter Kaiser, die Erzhcrzögc, die Erz­herzoginnen, der gesamte Hofstaat, die in Wien cingetrofsc- ncn Fainilicnangehörigcn der Verstorbenen, die gemein­samen österreichisch-ungarischen Minister, die Präsidenten der österreichischen und ungarischen Parlamente mit deren Ab­ordnungen, der päpstliche Nuntius, sämtliche Botsckiafter und Gesandten in Vertretung ihrer Souverän« und Staatsober­häupter, viele militärische Abordnuiigcn, zahlreiche StaatS- und Hofwürdenträger, die Generalität, die Bürgermeister von Wien, Oscnpcst und Agram wohnte» der Feier bei. Auf einem hohen Katafalk ruhten die zwei silbcr- und gvld- verzierten Särge. Ter vollkommen schwarz ausgeschlagene Jnncnraum der kleinen Kirche, in der nur schwackyrs Tages­licht herrschte, machte einen feierlich düsteren Eindruck. Eine doppelte Reihe brennender Kerzen umschloß das Schaugcrüst. Eine tiefe Bewegung ging durch den stillen Raum, als der Kaiser mit den Mitgliedern des .Hauses im Oratorium er­schien. Unter großer Assistenz nahm Kardinal-Fürstbischof P a f s i die feierliche Einsegnung der sterblichen Ucberreste vor. Ein dichtes Menschenspalier umsäumte die Ringstraße bis zur Hofburg. Tas Publikum bereitete dem Kaiser und dem Erzherzog Karl Franz Joseph bei der Rückfahrt nach Schönbrunn stürmische und begeisterte Kundgebungen.

Wien, 3. Juli. Die Leichen des Erzherzogpaarcs werden heule abend 10,50 Uhr in Begleitung des Hofstaates des Erzherzogs nach Groß-Pöchlarn übcrgeführl und mit der Fähre um 2V- Uhr nachts über die Donau nach A r t st e t t c n gebracht werden, um dort in der Pfarrkirche ausgebahrt zu werden.

Noch ei» Opfer der Mordanschläge.

Dic Blätter melden aus Scrajewo, daß der Flügel­adjutant des Landeschefs, Oberstleutnant Merizzi, der bei dem Bombenanschläge verwundet wurde, im Sterben liege. Infolge Infektion der Wunde sei Starrkrampf ein- gpircten.

* . *

Ei» Telegramm Kaiser Wilhelms!

Berlin, 3. Juli. Ter Kaiser hat an den Admiral der österreichisch-ungarischen Marine Haus in Pola fol­gendes Telegramm von Kiel aus gerichtet:

Nehmen Sic als Vertreter der Kaiser!. König!. Marine den Ausdruck meines ganz besonderen Beileids entgegen anläßlich des jäken Hinscheidens Ihres Erzherzog-Admirals. Ich weiß, wrc

Die Technologie auf der Gcwerbeausstellung Gietzen

Es wird uns geschrieben:

Anläßlich des am 4. und 5. Juli hier stattfindcnden Tcch- nikcrtages bietet die Gewerbeausstellung Gießen 1914 etwas be­sonderes durch die große .Zahl der auf ihr vertretenen Bcrufs- artcn.

Ueber 160 verschiedene Gewerbe liefern den Beweis für die Leistungsfähigkeit der in der Heimat gepflegten Arbeit. Sic bilden in ihrer Art eine vorzügliche Gelegenheit für alle jene, welche die Verarbeitung der heimatlichen Naturschätze und über die vorhandene Intelligenz ein praktisches Verständnis. gewin­nen wollen.

Die enge Begrenzung des Ausstclltmgsgcbictes und der vor­handene Raum ließen natürlich das Auftreten von übergroßen konkurrenzhaftcn Wiederholungen nicht zu. Aber, gerade hierzu darf gesagt werden, es ist das Geheimnis, welckzes die Besucher fesselt und was sie in Verbindung mit den vorhandenen künstleri­schen Zwecksormen, sointeressant" finden.

Ucberall sprüht die Technologie, welche die Verarbeitung von Stvsicn zu Gebrauchsgegensiändcu behandelt, dem Beschauer geist­voll entgegen.

Tie mcchouischc Technologie durch die Aenderungen der Gestalt nach den Gesetzen der Physik und der Mechanik, im Wesen der Steine, Hölzer, Metalle, Erze, Braunkohlen, Steinsalze, Haare, Borsten, Flachs und Wolle.

Tie chemische Technologie durch die Aenderungen des Stoffes nach den Gesetzen der Chemie, im Wesen von Kalk^Zement^Givs, Glas, Gummi, Leder, Pavier, Farben, Lacke, Seifen, Speise» Präparate, Likör und Beerenweinen u. a. m.

Ein jeder dieser Stoffe hat durch die Art der Aufmachung seinen Lebenslauf und Bildungsgang offenherzig dargelegt und erzählt von den Mühen und Svrgeit, dem SchaffenHdrange und den Er­fahrungen der gewerblichen Arbeit.

Das vermehrte Jneinandergreisen der Arbeitsvorgänge beider Technologiearieir ist eine Errungenschaft unserer heutigen Kultur imd liegt nicht zum geringsten -icilc in dem günitigcn ,rort- schritte der Chemie begründet. Das Erkennen der natürlichen E:gen- fdVaften der Stoffe hat der allgemeinen Technologie dieselben Vorteile erbracht, wie das Studiumm der sinnlichen Natur, der Pftan'.en- und Tierwelt dem Kumtgewerbe neue Gcistesbahncn anwies. Ter Künstler erkennt in der Natur die Schönheit der Linien, Formen und Farben, der Gewerbler dahingegen die Eigenart des Baues, durch die Wirkungen von Konstrnklion, Siärko-und Bewegung. Tie Kcößc der Mturschöpfung stellt der Technologie |tets neue

Rätsel vor, deren Lösung nur durch ein vertieftes Naturwissen geschehen kann.

Aut dieser Grundlage gehören der Konstrukteur wie der Kunst­gewerbler gemeinsam zu der großen Familie der Techniker. Sic sind beide gleichbcdeutsam aus da- Wesen der Technologie ange­wiesen. wie diese aus das praktische Erkennen der Vorgänge in der Natur.

Tie Gewerbeaussiellung Gießen 1914 ist als ein Werk der Leimatpstege aufzusassen. Jener Liebcstätigkeit, welche den hci- maklichcn Gewerben nicht nur verbesserte Absatzgebiete, sondern aucki ajs ein Weck der gelverblichcn Erzichirng, dem dauernden Fort- schriit zu dienen bcrusen ist.

Tie Einteilmlg der Ausstellungsgegenstände ist nach den drei großen GruppenanschouungenArbeit"Leben" undGeistes- psleac" geschehen. In der GruppeArbeit" kommen das Hand­werk und die Industrie zulc Schau, iu der GruppeLeben" die Gewerbe für Wohnungskunst, die Bekleidung und die Nahrungs­mittel und in der GruppeGcistcspslege" Erziehungswescn, Lite­ratur Und Kunst.

Tic Steinbruchindustrie ist in Basalten durch einen Ausbau in Tcnkmalsbau des Steinbruches Treihanscn-Marburg und des Steinbruchsbctricbes der Stadt Gießen in sehr schöner, verständ­licher Form zur Schau gestellt. Die Bau- und Werksteine haben durch die Hess. Stcrnbrüchc Londorfs und in den Gestcinsarten Basaltlava und in ihrem jüngsten modernen Baumrttel, in Basalt­lavatuff, eine vorzügliche Vertretung gefunden. Tie Wirkung zwischen gestockter, scharicrter und geschlissener Bearbertungsweisc sind in meisterhaftem Geschick zur Durchführung gelangt. Der Basalilagertuff dieser Firma ist eine der seltensten Werksteinarten, die existieren, und hat eine vorzügliche Farbenwirlung für die Acsthetik derArchitekliirsvrachc Sandsteine, Muschelkalke und Knnsti- steinattcn haben ebenfalls die Erhöhung ihrer Werte den Fort­schritten der- Technologie zu verdanken. In der Grabmalkunst sind ans diese Weise die Firmen Scholl und Cohn (Tarmstadi>, Atzbach (Gießen!, Bläser (Kestrich), Gebr. Reinhardt lOlacht) und die Hess. Slcinbrüche mit hervorragend schönen Stücken der Fried­hofskunst ausgcbaut und ergeben ein malerisches Bild.

Im Hauvrausstcllungsgebäude beginnt das Handwerk mit dem einsackfftcn technologischen Begriffe des Biegens, Falzens und der Verflechtungen, durch die Vorführung der kunstgewerblichen Korb­möbel von Elsesser (Hamm i. Rhcinh. . Dem schließen sich die Holz- konstrukiioncn der Bauschreinerei in Treppen, Geländer, Waud- vertäselung und einer kunstgerechten Hausemgangstüre des Nleisters Zciß (Griedel) an. Eine weitere Steigerung handwerNrcher Ar­beitsweisen zeigen svdami die zahlreichen Türenarbeiten und Wand- veriäselungeu von E. H. Müller (Gießcnb sodann in weiterer Emwicklunli die Ülrbeiten der Sct»--»-«:meljtcr Hahn, W. Beil,

Haubach lind Lenz durch interessant gegebene Bau- und Möbelstücke. Alle Verbindungen dieser Holz-Berussarten haben ihre techni­schen Arbeitsweisen mit dem Geschicke dcS Kunstgewerblers zum Ausdruck gebracht. Interessant hierbei sind die Beobachtungen über die Arbeiten des .Hand- und Maschinenhobclns, der Holz­schliffe, der Hojzpolituren und des Holzsärbens.

Tic Borführung der Metallverarbeitung, deren Konstruktionen und Gcbruchsgegenständc, ist ein Werk der Schloffcrvercinigung- Gicßcn, den Meistern Stumps (Homberg), Amcnd (ffirünberg i. H.), ©taefe u. Burger (Gießen) u. a. m. Sic zeigen durch die ausgestell­ten Gegenstände das Biegen, Bohren und Schweißen, die Arbeit des Behämmcrns, des Streckens, des Mctallreibcns, die kunst- nciocrt licficii Weisen ornamentaler und figürlicher Mctallarbeiten, der Ziselier- und Meiallbildhaucrkunst, den Oelcinbrand und das Färbm von Metallen.

Tic Maler- und Weißbindervereinigung Gießen bringt in ihren Räumen das Wesen der Mörtclputzarten, der Mörtel- und Holz- anslriche und der Balldekorationsmalerei anschaulich zur Tarstcllung.

Das Gewerbe der Glaser ist durch vielerlei Konstruktionen von Fcnsterarlen mcisterhait vertreten.

Tie Friseure und Perückenmacher haben es verstanden, ihr Gewerbe mit der Note eines Kunstgewerbcs auszustellen. Abgesehen von der Sammlung der verschiedensten Haarartcn sind die seinen Knüps« und Flechtarbeiten, das Maßnehmcn von Kahlslächen schwie­rigerer Schädelbildungcn u. v. m. von technologischer Bedeutung. Hieran reihen sich die Gewerbe der Litogravhie des Platten- und Rotationsdruckes sowie der Setzmaschinen, durch viele Mustcrartcn erläutert. Die Beteiligung der Industrie bringt im Geldschrank­bau, Krogmann (Gießen), in gcsundheitstcchnischen Anlagen, Schasf- stacdt (Gießen), Krankenwagen, Petri u. Lehr (Offenbach), großen Bohrmaschinen, Heyligcnstacdt (Gießen), kleinen Bohrmaschinen.Reit sGicßcni, hervorragende Leistungen technologischer Art. In gleicher Weise ist die Wollweberei durch Erberer (Georgenhammcr) und die Leinweberci durch List (Lauterbach! vertreten. In besonderer Weise treten die Eisentverke Budcrus (Wetzlar) mit großen Gußröhren, Heizkesseln und Gladiatoren hervor. Die chem. Industrie ist in Putzsanden (Terra-Budera) durch Fabrikationsqänge der Zement- hcrstcllung, Eisenwerke Buderus (Wetzlar), sowie die Herstcllungs» rtcn von Gipssorten durch George (Alt-Morschen), für das Ge- iet der Mörtelhindemittel angesehen vertreten. Die Seifensabri- kation durch Sternberg (Gießen), die Glasbläserei durch Kobe lMar- burg), das Brennen von Tövferglasuren und -Farben durch Keßler (Wicscck), Joh. Schneider lMarburg), Bauer (Lauterbach) und Seitz (Homberg) geben ein lebhaftes Bild von der TcchnolvckÜ! drejcp Gcwcrbcarteii,