enthalte des Erzherzoge' Franz Ferdinand und seiner Ole- nmhlin wurden schon seit acht Dagen die Polizciinaßnahmen sehr streng gchandbabt. Feder nur halbwegs Verdächtige und jeder, der von auswärts kam, mußte sich durch besondere Legitimationspapicre aus weisen. Vorgestern wurden 3 7 verdächtige Personen verhaftet. Die Vorkehrungen der Behörden gingen soweit, daß hinter dem Militärspalier keine Ansammlung des Publikums geduldet wurde, ebenso war esftrengvcrbotcn, daß die Fenster besetzt wurden. Sogar jeder Blumenschmuck an den Fenstern und Balkonen mußte entsernt werden. lieber 1000 Gendarmen aus dem Landesinnern waren in der Stadt zusammengezogen, um den Sicherheitsdienst zu verstärken. Wie ferner verlautet, sollen dem Erzherzog! schon vor Beginn der großen Manöver zahlreiche Warnungen zugegangen sein.
Der Erzherzog soll, als ihm die Gefahr der Teilnahme an den großen Manövern vor Äugen geführt wurde, erklärt haben, er' fei entschlossen, unter allen! Umständen an den Manövern teilzunehmcn und vorDrohungen nicht zurückzuweichen. Der Erzherzog soll dagegen seine Gemahlin zu b e st im m c n versucht haben, in Konopischt zu bleiben. Dock) war es die Herzogin, die ihren Gemahl dringend bat, die Reise mitmachen zu dürfen. Erst auf die wiederholten Bitten der Herzogin willigte der Erzherzog in ihre Teilnahme an der Reise ein. Die unglücklichen Kinder des Erzherzogpaares weilen zurzeit in Konopischt.
Wien. 28.Juni. Erzherzog Franz Ferdinand und die Herzogin Hohenberg waren von ihrem Aufenthalt in Bosnien sehr befriedigt, be sonders gut gefiel ihnen der Kurort I l i s s c. Ueberall, wo sic sich zeigten, waren sic der Gegenstand herzlicher Ovationen deS Publikums, so auch gestern bei der Promenade, welche sie ohne jede Begleitung im Kurpark von Jlissc unternahmen.
Die Verbreitung der Rachricht in Berlin.
Berlin, 29. Juni. Ta gestern nachmittag der Verkehr in der inneren Stadl nur gering war, erfuhr die Bevölkerung die Nachricht von dem furchtbaren Unglück, von dem die HabSdurgifche Monarchie betroffen worden war, erst allmählich. Ueberall gab sich die Teilnahme in lebhaftester Weise kund. In allen Lokalen, in denen Konzcrtdarbiclun- gen stattfandcn, wurden diese aufgehoben und die Kapellen intonierten unter dem stürmischen Beifall der ergriffenen Menge „Gott erhalle Franz den Kaiser". Tic österreichische Botschaft wurde zuerst durch das Auswärtige Amt von dem Attentat verständigt. UmlUhrfnhrdcr Reichskanzler vor dem Botschafterpalais vor und stattete dem Botschafter einen längeren Besuch ab. Später kamen die HanSminister und die Vertreter der auswärtigen Staaten und gaben ihre Karten ab.
Das trauernde Oesterreich.
Wien, 20. Juni. Aus der ganzen Monarchie tresfen Deoeschen ein, die den erschütternden Eindruck wiedergeben, den die Nachricht des Attentats hcrvorgcrufen hat. lieberall wurden die Festlichkeiten abgesagt. In vielen Orten fanden Kundgebungen statt, in denen die unwandelbare Treue zum Kaiser und zum Kaiserhaus ai-sgedrückt wurde. '* . *
Kaffer Zranz Joseph in 3|diL
Dien, 27. Juni. Kaiser Franz Joseph ist heute früh Jant '^ommerinifentftalt nach Ischl abgcrcist. In dem prächtig geschmückte» Stadtteil, in welche»! der Bahnhoi liegt, bildete dir Wiener Bevölkerung in großer Anzahl Spalier und bereitete dem Kaiser begeisterte Kimtqebungen. Am Bahnhof hatten sich der Bürgermeister Tr. Wcißkirchner und die Gemeindevertretung ein- gesunben. Bürgermeister Dr. Weißkirchner gab der großen Freude der Bevölkerung über die Wirdergcneiuug des Kaisers Ausdruck. Der Kaiser Iah sehr srisch aus, war sehr wohl gelaunt und dankte gerührt iür den Ansdruck der Liebe und Anhänglichkeit. Der, Ina setzte sich unter den Hochrufen der Menge in Bewegung und verließ unter den Klängen der Bolkshymnc den Bahnhoi.
Wie der Kaiser die Rachricht ausuahm,
Bad Ischl, 28. Juni. Der Kaiser, welcher sofort von dem Ableben des Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Gemahlin verständigt worden war, zog sich tief erschüttert in seine Appartements zurück und befahl, die Dispositionen sür dicRückreisenachSchöndruniizu treffen. Die Bestürzung und die Teilnahme der Bevölkerung gibt sich hier in besonderer Weise kund. Als dem Kaiser die Nachricht mitgeteilt wurde, weinte er und brach in die Worte aus: „Entsetzlich, entsetzlich! Auf dieser Welt ist mir nichts erspart geblieben." Sämtliche Veranstaltungen und Theatervorstellungen wurden sofort nach dem Dekannlwerden der Trauernachrichtcn abgesagt.
Der Eindruck in Wien.
Wien, 28 Juni. In den ersten Nachmittagsstunden verbreiteten sich die G c r ü ch t e von einem in S e r a j e w o erfolgten Attentat aus den Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Gemahlin, welche gegen 3 Uhr nachmittags ihre offizielle Bestätigung sanden. Die erschütternde Nachricht wurde alsbald durch Extrablätter in der ganzen Stadt b e k ann tg c mach t. Ueberall wo Festlichkeiten stattfanden, wurden sie sofort abgebrochen. Die Zeitungen verbreiteten die Nachricht durch Extrablätter. Auf dem Flugplätze traf die Nachricht um i/,4 Uhr ein und zwar zunächst in Form von unbestimmten Gerüchten. Sie wurde zuerst von niemand geglaubt. Die Flugkonkurrenzen wurden daher fortgesetzt. In der Hoflogc wohnte Erzherzog KarlAlbrecht den Vorführungen bei. Als ihm die offizielle Nachricht von dem Altcntat zur Kenntnis gebracht wurde, verließ er sofort das Flugfeld. Die Flüge wurden sofort eingestellt.
» „ »
Außerordentliche Sitzung des bosnischen Landtags.
Serajewo, 28. Juni. Ter Landtag ist gestern nachmittag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengetre- teu. Der Präsident drückte seine E n t r ü st u n g über die ruchlose Tat aus und gab dein tiefsten Schmerz über den tragischen Tod des Erzherzogs und seiner Gemahlin Ausdruck und betonte sodann die unwandelbare Liebe, Treue und Ergebenheit zu dem Miser und dem tzercscherhmisc. Er schloß mit einem dreimaligen Hoch ans den Kaiser, in datz die Mgeordnctcu begeistert, sichunmtcü.
Auch der G e m c i n d e r a t von Serajewo hielt eine außerordentliche Trauersitzung ab. Tie gleich nach dem ersten Altcntat geplanten militärischen &oikchrun- gen unterblieben ans Befehl des Erzherzogs, der wünschte, daß das Tagesprogramm unverändert aufrecht erhalten bliebe.
Serajewo, 28. Juni. Sobald die Nachricht von dem Hinscheiden des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gcniahliil in der Stadl bekannt geworden war, wun den alle Fahnen auf .Halbmast gesetzt. Die Trauer in der Stadt ist allenthalben außerordentlich. Das Landtagspräsidium richtete sofort an die Kabinettskanzlei Seiner Majestät ein Telegramm, in dem dem S ch m c r z u n d der Entrüstung der gesamten Bevölkerung über das ruchlose Attentat Ausdruck gegeben und Seiner Majestät unerschütterliche Treue und Ergebenheit an das Herrscherhaus versichert wird. Um 4 Uhr nachmittags fand eine Trauersitzung deS Gemeinderats statt. Für 5 Uhr ist der Landtag zu einer Trauersitzung einberufen worden. Im ganzen Lande herrscht vollkommene Ruhe und Ordnung.
* . .
Der neue Thronfolger.
Durch den Tod Franz Ferdinands wird sein Neffe K a r l Franz Joses, der älteste Sohn des im Jahre 1906 verstorbenen Erzherzogs Otto, Erbtz des Throns. Der junge Erzherzog ist ein Großneffe des Kaisers und durch seine Mutter, Prinzessin Maria Josefa, ein Neffe des Königs von Sachsen. Er ist ain 17. August 1887 geboren, steht also jetzt im Alter von 27 Jahren. Seit drei Jahren ist er mit Zita, Prinzessin von Bourbon-Parma, verheiratet, und dieser Ehe ist bisher ein ikind, Franz Josef Otto, das nun anderthalb Jahre alt ist, entsprossen. Ueber das Verhältnis des jetzigen Thronfolgers zu seinem soeben ermordeten Oheim waren, so entnehmen ivir der „Franks. Ztg", allerlei G e r ü ch t c im Umlauf, die vielleicht nicht alle ans Wahrheit beruhten, aus denen aber doch soviel hervorging, daß die beiden nahen Verwandten nicht sehr gut miteinander standen. Man führte dos ans eine gewisse Eifersucht zurück, die man dem Oheim gegen seinen Messen zuschrieb, und die man mit ihrer beiderseitigen Stellung zur Thronfolge in Zusammenhang brachte. Auch militärische Verfilgungen gegen den jungen Erzherzog, die wie Maßregelungen und Entfernung aus der blähe des Hofes aussahen, wurden so ausgelegt. Diese Gerüchte sind freilich immer von der anderen Seite dementiert worden, ohne daß man damit ihre Wirkung hat ganz aufheben können.
* » *
Die Nel-erführnng der Leichen nach Wien.
S c r a j e >v o, 20. Juni. Die Leichen des Erzberzogs und seiner «tzemahlin, die im Kvnak ausgebahrr sind, werden durch einen Wiener Professor c i n b a l s a m i e r t, daher dürfte die Ucberführung nach Wien frühestens morgen erfolgen, lieber die Leichenfeier sind noch keine Bestimmungen getroffen; die Beisetzung wird kaum vor dem 10. Juli statlsinden. — Trotz des heutigen Feiertages lPeter und Pauli sind die Blätter erschienen. Mehrere Zeitungen! sprechen die Vermutung aus, daß cs sich um einen v on langer Hand vorbereiteten Mord aus politischen Gründen handele.
Ischl, 28. Juni, Kaiser Franz Joseph ist heute früh mit Gefolge nach Wien abgcreist.
Rückkehr Kaiser WilhelinS nach Berlin.
Berlin, 28. Juni. Der Kaiser wird morgen srüh von Kiel nach Berlin zurückkehren.
Kiffer Wilhelm bei den DeffkhMgsfticrlichkciten?
Ofenpesk, 29. Juni. Hier verlautet mit Bestimmtheit, daß KaiserWilhelmsich spätestens in z w e i T a - gen zu den Bcisetznngsfeierlichkciten für Erzherzog Franz Ferdinand nach Wien begeben wird.
' . *
Lin Augenzeuge über die Tat in Serajewo.
Serajewo, 29. Juni. Ueber die Festnahme des ersten Attentäters gibt ein Augenzeuge folgend« Darstellung: Als ich bemerkte, daß ein Mann gegen den Wagen des Erzherzogs schleuderte, eilte ich auf den Manu zu. Er mutz mich aber bemerkt haben, und sprang über die Kaimauer in den Fluß. Sogleich war auch ein 5drek- tiv bei mir, der den Mann mit vorgehaltenen Revolver erschießen wollte. Ich rief ihm jedoch, zu: Schießen Sie nicht, wirmüssendcnMannlebendig haben. Wir rückten nun gegen ihn vor und er setzte seiner Verhaftung leinen Widerstand entgegen.
Antiserbische Kundgebungen in Serajewo.
Scrajewo, 29. Juni. Gegen 9>/> Uhr abends jnnd in Sera- jewo eine Kundgebung der katholischen und der muhammcdanischen Jugend statt. Die Studenten zogen mit tzochrusen auf den Kaiser von Oesterreich und die Nationalhymne singend, durch die Straßen. Vor dem Hotel Zentral knieten die Studenten nieder und verrichteten ein Gebet für die Ermordeten. Im Lause des Abends nahmen die Kundgebungen immer größeren Umsang an und richteten sich auch gegen die serbischen Führer.
Serajewo, 29. Juni. Anläßlich des Attentates auf den Erzherzog kam es an einzelnen Orten der Stadt ,u einer Panik Die ungeheuren Menschenmasscn wogten hin und her und cs kam zu einem fürchterlichen Gedränge. Viele Personen wurden verlest. Die Rettungsgesellschasten sind überlastet.
Ahnung«» de» Ermordeten?
Serajewo, 29. Juni. Wie jetzt bekannt wird, hat der Thronfolger Franz Ferdinand in der letzten Zeit Ahnungen gehabt und sich zu seiner Umgebung dahin geäußert, er wisse ganz genau, daß er keines natürlichen T^pdes sterben werde. Er hatte bereits Verfügungen getroffen, daß seine Beisetzung nicht in der Kapuzmergrust, sondern in An stet ten, wo seine Familie ein Erbbegräbnis besitzt, erfolgen solle.
Franz Ferdinads Leben.
Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich-Este das Ov von Serajewo, ist am 18. Dezember 1863 als ältester Sobn ! Herzogs Karl Ludwig <30.7.1833—19.5.1896) und seiner C mahtm Ainrunciata gcb. Prinzessin von Bourbon-Sizilien <24 1843—4.5.1871) geboren. Er erhielt die in seinem Hause h lönnnlichc, vorwiegend mclitärcichc Erziehung Noch nicht a Jahre Mt, verlor er seine Biutder, an deren Stelle zwer Ja! spater Maria Theresia, Infantin von Portugal, als dritte Gat seines Vaters ttat. Als Franz V., Herzog von Modena, Erzher? von Oesterrchtz-Me. am 20. tzöevember 1875 genau ein Jahr n,
dem Tode seines einzigen Bruders starb, ohne einen tnänitttei'en Lcibeserbcn zu burterloisc», erbte Franz Ferdinand das Vermögen und nahm den Namen Oesterreich-Este an. Ausgang der zwanziger LcbtMsjahre erkrankt« der- schmächtige, hochauigeschvsienc Erzherzog an einem Lungen leiden, das zu ernstlichen Besorgnisse» Anlaß gab, und uutcrnabm 1892—93 zu seiner itzenesung eine Wettteite, von der er nüllommen wiedcrlurgriicllt heimtchrte. Die mit dieser Reise gesamnielten naturwissenschotUichen und ethno- grarltischen Gegenstände sind Nt einem Museum .zurommengestellt und in einem Werke des Erzherzogs besprachen, in dem sich auch die leidenschaftliche Vorliebe für die Jagd wtderipiegelt.
Der Tod des Kronpriirzcn Rudolf ain 30. Januar 1889 wies die Thronfolge zunächst dem Erzherzog Karl Ludwig zu, der indessen kaum drei Jahre jünger als Kaiser Franz Josef war und schon deslmlb als Erbe der Krone tocnig in Frage kam. Als er ,m Jahre 1896 starb, konnte sein ältester Sohn Franz Ferdüiand niitliin als inntmaßlicher Tlwonerbe gelten.
Zur Elze entschloß sich Franz Ferdinand erst in späteren Jahren. Seine Wahl fiel aus die am 1. März 1868 in Stuttgart geborene Gräfin Sophie Ebatek von Chotkvwa und Wognin, eine Dame des böhmischen Hochadels, und wurde allgemein als die ciitschlossenc Tat eines ivillensstarken Charakters gedeutet. Am 28. Juni 1900 leistete der- Erzherzog in Wien in Gegenwart des Kaisers Franc Josef einen Eid, daß er die Ehe mit der Gräfin Ebotek als eine morganatische anerkenne imd etwaige Kinder aus dieser Ehe als nicht ebenbürtig und nicht berechtigt zur Thronfolge in Oesterreich wie auch in Ungarn ansehe. Am l. Juli fand, nachdem die Slräfin vorher den Titel Fürstin von Hohenberg mit dem Titel Fürstliche Gnaden erhalten hatte, die Hochzeit statt.
Am 13. Februar 1902 machte Franz Ferdinand in Vertretung des Kaisers eine Reise nach Petersburg zuni Besuche des Zaren und hatte als ungarischen Begleiter den Grasen Johann Zichh, den Präsidcnten der klerilalcn Volkspartci, auserschcn, sah aber aufs Einsvrnch des ungarischen Mrnistcrvräsiderrten Szcll davou ab, den Grasen IN das Reffcaesolgc auizunehmen, um eine varteipolitisch« Mißdeutung dieser Persvnenwahl z» Verbindern. Die Dorwürjg klerikaler Gesinnung wiederholten sich später noch öfter.
In Vertretung des Kaisers verlas der Thronholger am 29. Dezember 1910 in Budapest bei der Erösiniing der Delegationen die Thronrede in der ungarischen Delegation. Am 5. September 1911 nahm er in Kiel an der Flottenvarade vor dem Deutschen Kaiser! teil. Im nächsten Jahre — am 22. November — hatte der Erzherzog eine Zusammenkuiist mit dem Deutschen Kaiser in S v r i n g c , wo ec an der Hosiagd teilnahmt Am 18. August 1913 wurde Erzherzog Franz Ferdinand durch kaiserliches Handschreiben zum Gencralinsvcktcur der gesamten bewaffneten Macht ernannt.
Tic Kinder der Ermordete«.
Die Kinder des ermordeten Thronsolgervaares, die 13 jährige Fürstin Sophie, der 12 jährige Fürst Maximilian und der 10 jährige Fürst Ernst sind aus Befehl des Kaisers Franz Joses von Konopischt nach Wien geleitet worden, wo sic in der Hofburg Wohnung nehmen sollen.
Serajewo.
Serajewo, türkisch Bosna Seraj, ist die Hauptstadt von Bosiiie», jener türkischen Provinz, die voin Berliner Kongreß 1878 den Oesterreichern zur Besetzung und Kultivierung überlassen wurde, und die Oesterreich dann im Jnbiläums- jahre des Kaisers Franz Joses gleichzeitig mit der Herzegowina annektierte. Der Kreis >perajewv lzat etwa eine Dicrtel- millivn Einwohner, die Stadt etwa 50000; sie liegt in einem engen Tale des Flüßchens Milfack crm Fuß und Abhang von Höhen, die bis zu 1603 Mstcr aufsteigen, an der Bosnisch-Herzegowinischen Staatsbalm, ist Sitz der Landesregierung, eines katholischen Erzbischofs, eines griechischen Rdetropoiiten und des mohammedanischen Reis cl Ulema. Es ist Sitz des 15. Armeekorps und zahlreicher Truppenteile. Unter den Kirchen der Stadt befinden sich ettoa neunzig Moscheen, das neue Rathaus hat maurischen Stil. ttnrer österreichischer Herrschaft wurden neue Hotels großen Stils gebaut. Die Wohnungen der Türken und Serben lehnen sich an die Bergabhänge an, während der vordere Teil sich an den Ufern der Miljacka ausbreitet. Die Stadt hat -in katholisches und ein griechisch orientalisches Seminar, zahlreiche höhere Schulen, ein Landesmuseum, elektrische Beleuchtung, Straßenbahn und vielseitige Industrie.
V-' - - ----------------- 1 ------1-11- — '
Die Lage in Durazzo.
Turazzo, 28. Juni. (Nachmittags .) Die sttacht und der Vormittag verliefen ruhig; der geplante Artillerie» angriff ist auf Wunsch des Fürsten unterblieben, nur die bereits vorher mit Ingenieur Häßler in der Richtung aus Kowaja ausgelaufene „Herzegowina" hat einen Schuß aus die dortigen Stellungen des Feindes abgegeben, worauf der Kapitän im Aufträge seiner Gesellschaft gegen diese Verwendung des Schisses Einspruch erhob, weil es nicht dazu gechartert worden sei. Infolgedessen kehrte der Dampfer riach Durazzo zurück. In der Morgenstunde trafen zwei Boote aus dem Rebellenlager von Schiak mit einem Briese ein, in toelchem der Wunsch nach Fortsetzung der Verhandlungen und das Ersuchen enthalten ist, Parlamentäre nach Schiak zu entsenden. Maior Kr von erklärte, wenn die Rebellen Verhandlungen wünschten, sollten sie eine Abordnung nach Durazzo schicken; Turk» han Pascha erklärte sich jedoch dagegen.
Rach einer anderen Meldung hat sich Oberst Philipps mit einem Dragmnan ins Lager der Rebellen bei Schiak begeben, um im Auftrag des Fürsten mit ihnen zu verhandeln.
D u r a z z o, 28. Juni. Oberst Philipps kehrte gestern nachmittag von seinen Verhandlungen mit den Ausständischen zurück und erstattete dem Fürsten und sodann dem Kontrollausschnß Bericht. Danach haben die Aufständischen die Erklärungen wiederholt, daß sie über die Fragen zweiten Ranges verhandeln wollten, aber nicht über die Frage, ob der gegenwärtige Fürst die Herrschaft behalten solle oder nicht. Sie fügten hinzu, sie würden zwar Durazzo mit Rücksicht auf die vielen dort anwesenden Fremden nicht an greifen, aber die Waffen nicht niederlegen, bis sie ihre Absichten durchgesetzt hätten. Sie forderte,, außerdem albanesische Mitglieder in einer internationale, Regierung.
Die österreichischen Freiwilligen.
Wien, 27. Juni. Das Geschästszinimer des Komitees für Freiwillige nach AlLanien war schon in srüher Morgenstunde stark umlagert. In der Nacht ivaren viele Telegramme aus der Provinz und ans dem Auslande eingelaufen, besonders aus Deutschland. Ani Bormittag meldeten sich 500 Leute, darunter viele Straßenbahner. Die Gesamtzahl der Angeworbenen beträgt etwa 2000 Mann. Die Aktion entspringt einer spontanen Handlung des Bildhauers Gursch- ner, welcher laut einer Meldung Her „Albanischen Korrespondenz" von frülzcr her in privaten Beziehungen zu dem Fürsten von Albanien steht. Die Kosten der Expedition werden lediglich aus privaten Spenden bestritten.
Die Wertung «on Freiwilligen in Wien untersngt!
Wien, 27. Juni. Heute nachmittag wurde die Werbung Freiwilliger für Albanien durch das von dem Bildhauer Gurschner gebildete Komitee polizeilich untcr- tagt.


