Nr. M2
Zweites Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag?.
Di- „Kiehener ZamilienblStter" werden dem »Anzeiger' viermal wöchentlich beigetegt, da? ..Kreisblatt für den Krtis Kietzen" zweimal wöchentlich. Tie ..randwiitschaflltchen Seit-
fragen" erscheinen monatlich zweimal.
m. Jahrgang
euer Anzeiger
-Anzeiger für Gberhefsen
Samstag, 20. Zuni >19$
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls - Buch- und Steindruckerei.
N. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e=a§)5l. 9?eöaftion:e^ll2. Tcl.-Adr.: AnzeigerG'eßen.
hessische Zweite Aammer.
rb Darmsladt, 19. Juni.
Am Regierungstischei Staatsministcr Dr. v. Ewald, Finanz» o draun, Minister des Innern v. Homberg k, «taatsrat Lorbacher.
Präsident Köhler eröffnet die Sitzung um 9t, Uhr. T Daus jetzt die Beratung des Gesetzentwurfs über die
Revision der Ordensslcsetzgcbung fort. Abg. Ulrich soz legt seinen Standpunkt zur Ordens- trage dar. Er l»bc geglaubt, daß sich doch allmählich eine sried- Itcherc Stimmung unter de» beiden Konfessionen Geltung per t^ust>e und es scheine auch, als ob die ganze Vorlage hier glatt zur Annahme kommen würde. stlber in dem Augenblick, da an . droteüant seinen Bekcnnermut zeigte, wars mir aller Ruhe Uno.liriedltchkeit vorbei. Nachdem er setzt aus dem Verlaut der Ausiprache gesehen l>abc, was mit der Vorlage angerichtet worden t^s- er doch etwas ängstlich geworden bezüglich der Stellung der beu.cn Kammern. Tie Sozialdemokraten sind durch ihren lapidaren Progranimsatz. der die Religion als Prioatsachc erklärt, in der gtage. sich in der Rolle des lachenden Dritten zu zeigen; sic könnten lid) treuen, das; sich die beiden ieindlichen Brüder sn die Darre geraten sind. Erfreue sich aber nicht darüber, sondern er bedgncr.' seden religiösen streit, der non jeher iür alle Völker ein Unglück war. Die Regierung suchte durch die Vorlage eine Verständigung herbeizuiühreii. aber die beide» Teile, die sich miteinander verständigen sollten, könne» und wollen sich aus dieser Grundlage nicht verständigen. Und wenn die Vorlage wirklich hier nach vieler Mühe mit einigen stimmen entschieden wird, dann wird sich der Kampi im Lanac selber noch viel schlimmer gestalten. Durch die jetzige Novelle wird nicht der Friede herbeigcsührt, sondern nur ein neuer Zankapsc! unter die Streitenden geworseii. Die Vorlage beseitigt ja gar nicht die Klage» der katholische» Bevölkerung, sie säht ja das Ausnahmegesetz gegen die Jesuiten wie seither bestehen. Wenn man wirklich den Frieden Herstellen will, dann muh man unseren Antrag annehmen, beim Bundcsrat dahin zu wirken, daß vom Reich das Jcsuitcngcsetz ausgehoben wird. Nur herein mit den Jesuiten! Man lasse sie arbeiten, wie die andern auch, aber man verschließe ihnen die Schule. Ter Redner steht aus dem Standpunkt, daß die Privatschulen möglichst beseitigt werden. Es müßten aber der Artikel 28 des Volksschulgesctzes und alle Bestimmungen aujgehoben werde», welche die freiheitliche Betätigung beschränken. Warum will man gerade Ossenbach eine Niederlassung gewähren? Halle man gerade Osienbach im Auge, weil man dort die Sozialdemokraten besser betämpse» zu können glaubt? Bei den Aussührungcn des Abg. Dr. Stephan habe er eine gewisse Unruhe unter dessen Partcisreunde» bemerkt, und es scheine ihm nicht, daß unter diesen eine völlige Einigkeit herrsche. Ter „Pakt mit den ganz Schwarzen" sei gerade dem altkalholischen Antragsteller gewiß nicht leicht geworden. Der Redner stellt weiter iest, Abg v. Brentano habe erklärt, daß er trotz seiner gut katholischen Erziehung sozialdemokratisch wählen würde, wenn diese Vorlage scheitern sollte. iHört, hört!' Schließlich begründet der Redner den von ihm cingebrachten Antrag, die jetzige Vorlage zurückzuziehen und die Regierung zu ersuchen, beim Bundesrat ^ibin wirken zu wollen, daß das Reichsgesetz über die Jesuiten Riigehoben werde.
Abg. Sen ß selber tBdb.) sübrt ans, es seien ihm von vielen Seiten aus seinem Wahlkreise Zuschriften zugegangen, die sich gegen jede Erweiterung der Rechte der Ordensniederlasjungen wenden und ihn ersuchten, gegen die Vorlage zu stimmen. Auch er halte es nicht iür nötig, den Einfluß der Kirche durch weiteret lOrdenSznlassungen noch zu verstärken; es würde damit der konfessionelle Friede nur noch mehr gestört werden.
Abg. Dr. Winzer (»all.) führt aus, er müsse sich auf Grund seiner Erfahrungen als Gegner der konfessionellen Privatschule bekennen und er halte es Nicht für wünschenswert, noch «neue schulen dieser Art ins Leben zu rusen oder die bestehenden zu erweitern. Tic koiisessionellen schulen icien viellach eine Gefährdung des Friedens, denn es werde schon in der Seele des «Kindes durch die Trennung eine gewisse Entfremdung und Verbitterung hineingctragen und in der gemischten Ehe zeigten sich die Folgen noch schlimmer. Jnsolge seiner Auffassung stber die tkonsessionctlc Schiile sei er auch gegen di.' erweiterte Zulassung von Lehrkräften für das Institut der englischen Fräulein, wenn er auch it.rc Tüchtigkeit und Lehrsähigkeit durchaus anerkennen Müsse Er sei auch kein Freund konfessionell getrennter veried- höfe wie sie aui dem Lande öster noch vorhanden seren. Die konfessionelle Schule sei zwar nicht die Ursache der unerfreulichen Verhältnisse, sondern viel eher ein Produkt derselben; aber ne bilde immerhin ein wesentliches Moment, die Ueberbilukungder Gegensätze zu erschweren. Im allgemeinen stellt ,lch Redner
aus den von Abg. Dr. Stevhan dargclegten Standpunkt Er sei auf Grund seiner langiäbrigen Erfabrungcn in konsessionell .gemischte,, Landcsteilcn den, standpunlt der Unduldiamteii vollständig srenid. Wenn ein anderer Orden zugelassen werden solle, so würde ihn, der Orden der Benediktiner am erwünschtesten sein, weil sie bisher am meisten Duldsamkeit gezeigt und die Wissenschaft gepflegt, vor allem die Schätze des klassischen Altertums überliefert hätten. Die Benennung des nach der Vorlage zuzu- lasscnden zweite,, Ordens im Gesetz halte er jedensalls sür enor- derlich. Zun, Schluß geht der Redner »och auf Ettizelheile» der Vorlage näher ein und betont, daß die auf das Schulwesen resp. den llntcrricktsocdcn bezüglichen Bestimmungen di" bevorstehende Revision t«s Volksschulgesetzes nicht erleickucrn würden.
Abg. Henrich (f. Vp erklärt, er stehe ganz auf dem Bode» der Anträge seines Parteifreundes Korcll-Jngelheim. Tie ganze Vorlage müsse vor allem vom Standpunkt des Staatsiutercfses und des allgemeinen Rechts aus betrachtet werden. Von diesem Standpunkt aus habe er auch gegen die Zulassung von Ordens- niederlassungcii nichts cinzulvenden. Er bestreite enffchieden, daß es eine Jnkonscauenz wäre, wenn die Mitglieder des Hauses, die früher für den Antrag Tr. Schmitt stimmten, sich jetzt sür die Anträge Korell-Jngelheim enttHden würden. Der Antrag Tr. Schwill sei nur eine formale Sache gewesen. Es müsse beachtet werden, daß die Orden verschiedene Vorrechte genießen, z. B. die Englischen Fräulein, indem sie dem Seminarzwang nicht unterworfen seien. Ter Evangelische Bund habe in der Ordcnsirage allerdings Anschreiben ergehen lassen. Das sei aber doch sein gutes Recht. Tic dem Redner zugegangenen Schreiben seien in jeder Hinsicht ernst begründe! und keineswegs in einem Hetzton gehalten gewesen. Zum Schluß beklagt der Redner noch die von der Anstalt zu Klein-Zimmern den lleincn Handwerkern der ganzen Umgebung bereitete Konkurrenz und ersucht die Regierung dringend um baldigste Abhilfe.
Nach einer längeren Pause erhält Abg Mergel (natl.) das Wort. Er erklärt, daß er nur für seine Person svreche und betont, es drehe sich hier um eine Frage, die jeder nach seinem Gemüt beurteilen müsse. Der Vorwurf des Abg. Dr. Schmitt, daß die Vorlage überstürzt sei, treffe jedenfalls sür die Regierung nicht zu. Dagegen sei allerdings wohl die Kammer nicht schuldlos zu spreck^n, insofern, als sie nicht schon srüher zu der Vorlage eine llarerc Stellung eingenommen habe. Im Zentrum brach ein sörmlicher Sturm los, selbst der Vorwurf des Verrats wurde gegen uns erhoben und der Fehler war, daß wir uns dadurch aus die Küre niederzwingen ließen. In der evangelischen Bevölkerung ist der Antrag Dr. Schmitt direkt als ein Angriff empfunden worden. Abg. Dr. Schmitt hat trotz seiner hier bekundeten Friedfertigkeit den Evangelischen Bund in unerhörter Weise angegriffen und ihn als Hetzer hingestcllt, ihn auch sür die Erregung im Laude verantwortlich machen wollen und ihm znin Vorwurf gemacht, daß er sich an die Abgeordneten gewandt habe. An wen hätte er sich ober sonst wenden sollen? Ter Evangelische Bund ist keine .Kampsorganijation, kein „weißes Zentrum", er hat nur seine Pflicht getan und sich bemüht, die drohende Gcsabr abzuwenden. ES sei beschämend für das evangelische Volk gewesen, daß sich Niemand sand, der in der Ersten Kammer dem Präsidenten des Oberkonsistoriuins beitrat. Redner stimmt dem Abg. Wünzer vollständig bei, daß mit der Konscssionsschule eine große Gefahr Heraufziehen würde. Mit der Annahme der Regierungsvorlage würde nach seiner Ueberzeugung nur eine neue Verichärjung der konsessioncllcn Gegensätze eintrete,i. Er wolle deshalb sür dieses Gesetz keine 'Verantwortung übernehmen.
Abg. v. Brentano (Ztr.) weist darauf hin, daß Preußen zwar den Anfang mit der Kulturkampfgesetzgcbung machte, aber Preußen sei auch der erste Staat gewesen, der diese Gesetze wieder abbaute, und nachdem das geschah, sei auch dort der religiöse Friede wieder eingekehrt. Und was in dem großen Preußen möglich war, wird doch auch in unsereu, kleinen Dessenlaude angängig sein. Preußen hat den Orden eine Bewegungsfreiheit cingeräumt, an die wir in Hessen überhauvt gar nicht denken können. Es ist bezeichnend, daß in Hessen heute noch fast die ganze Kulturkampsgesetzgebung vorhanden ist, unter der wir Katholiken leiden. lAbg. Korcll-Jngel- heim ruft; Baden!) Nein, auch Baden hat eine Reihe von Abänderungen eingesührt. Das Zentrum habe nach langen Jahren des Wartens endlich die Jnittattvc ergriffen, weil das katholische Volk es verlangte, und dieses habe doch bewiesen, daß eine gemeinsame Arbeitstätigkeit möglich sei. Die Einmütigkeit bei den Aus- schußbcratungen war erfreulich und gab zu der Hossnung Veranlassung, daß sich eine ruhige Erledigung der Frage vollziehen würde. Nun habe die plötzliche Wandlung einen um so unangenehmeren Eindruck gemacht. Es handle sich eigentlich nur um zwei Dinge, die Englischen Fräulein und die Zulassung eines neuen Ordens. Abg. Ulrich könne infolge seines Parteiprogramms nicht gegen die Dünsche des Zentrums austretcn und er gehe daher viel weiter, indem er die Aufhebung aller Ausnahmegesetze be-
aulragt. Aber die Sozialdemokratie will uns damit gleichzeitig zwinge», daß wir von der Regierung fordern sollen, sie möge d,e Errichtung der »attonalen Eindeilsschule „unter Perbinderung icder Einwirkung irgendwelcher religiöser Einwirkungen" bei der Reichsregierung erstreben. Das heißt doch nur: Wasch mir den Pelz, aber mach mich uicku naß. Heiterkeit > Aber die Sache ist doch so durchsichtig, daß selbst im Kreise Mühlheim dabei nichts verschleiert werden kann. -Heilerkett - Man wollte sich anscheinend nur den Rücken decken in der Weise; Wollt ihr nicht für uns. dann sind wir gegen euch! Die Aussithrungc» des Abg. Dr. Wünzer waren von sittlichem Ernst getragen, aber wenn er sich die Tatsache vor Augen hält, daß die schulen doch jo lange gesetzlich bestehen, und daß nicht der geringste Borwurj gegen dietc oder gegen ihre sittliche Erziehung erhoben tvcrdcn kann, jo möchte ich ihn sowohl, wie auch den Abg. Bach bitten, ihre Stellungnahme zu korrigieren. Zustimmung.)
Da nach Konstatjeruiig des Prätidenten die Rednerliste noch immer nicht crschöpji ist, so wird dir Beralung um l> , llhr abgebrochen und die Fortsetzung der Verhandlungen auj Dienstag vormittag 10 Uhr anberaumt.
Der im vorstehenden Kammerbericht mehrfach erwähnte Antrag Ulrich und Genossen hat folgenden Wortlaut;
„Wir beantragen, die Zweite Kammer wolle die Großb Regierung ersuchen;
1. >m BundeSrat dahin zu wirke», daß alle noch vorhandenen Küllurlamvigcjctze, insbesondere auch das Jesuitengesetz, auf- gehoben und gleichzeitig reich-gesetzliche Bestimmungen zur Errichtung der nationalen Eiiiheilsschute unter Verhinderung jeder Einwirkung irgendwelcher religiöser Richtungen erlaßen loerdcn;
2. eine Acnderung des Volksschulgesetzes vom 16. Juni 1874 derart iit die Woge zu leiten, daß Einwirkungen religiöser Gemeinschaften unmöglich gemacht und Privatschulen gänzlich beseitigt werden, sofern sich dieselbe» nicht den veränderten Bestimmungen des neuen Volksschulgejetzcs unterordnen."
Hlchpflcge sür Zerienwandcrilnoen.
Plauderest von M. Kncschke lSchönau Wer in den Ferien eine große Fußtour zu unternehmen beabsichtigt, der sorge vor allem dafür, daß auch die wichttgsten Bedingungen dafür erfüllt, daß nämlich seine Gehwerkzeuge in guter Verfassung sind. Die meisten Leute glauben, wenn sic sich mit vorsck.riitsmäsigcn Tauristenstie'cin, sür Bergtouren mit genagelten Bergschuhen ausrüstcn, nun auch munter drauslos marschieren zu können. Aber wie bald sehen sie sich in dieser 'Annahme getäuscht und seufzen schon nach wenigen Tagen und verhältnismäßig kleinen Märschen über schmerzende Füße utid drückende Stiefel, die ihnen das ganze Vergnügen an den Touren nehmen. Ganz besonders bei älteren Leuten pflegt dies der Fall zu fein und um jo mehr i» Verwunderung zu setzen, als diese über die Jugenütor- hcit des zierlichen, knappen Schuhwerks hinaus sind und der Größe des- Fußes entsprechendes tragen oder wenigstens zu tragen glauben. Oft liegt der Fehler durcktaus nicht an zu kleine» oder engen Schuhen, sondern daran, daß der Schuh oder Stiesel nicht genau nach dem Fuße gearbeitet, sondern aus einem Schuhbasar serttg gekauft wurde. Beim Arrprobicren paßte er vorzüglich und erschien herrlich bequem, beim längeren Tragen stellen sich dann aber allerhand Mängel heraus, er beginnt hier zu reiben, dort zu drücken, oder verursacht das imleidliche Brennen der Sohlen, was meistens von zu schmaler Sohle herrührt, wobei der Fuß zusammengedrückt wird und der Strumpf aus der Stelle Fallen tvirst. Oder der TfuR sitzt nicht fest im Spann und in der Fersenkavpe, scheuert deshalb hin und her, reibt wund, verursacht Blasen und zerreißt unbändig viel Strümpfe. Das alles wird bei einem nach Maß gearbeiteten und, notabene von einem guten Schuster verserttgten, Stiesel so leicht nicht Vorkommen, weshalb sür größere Wanderungen und Bergtouren nicht warm genug empfohlen werden kann, sich das Schuhwcrk nach Maß zu bestellen und der Individualität des Fußes gemäß anfertigen zu lasse». Ferner bestelle man das Schuhwerk auch hier nicht zu knapp, und eine besondere, genau nach dem Fuß geschnittene Einlegesohle aus starkem, mindestens vier Millimeter starkem Kalbledcr dazu, aus welcher cs sich herrlich glatt und angenehm kühl laust. Mit einer solchen Einlegesohle versehen, wird man niemals in die Verlegenheit kommen, daß die Füße durch sich nach und nach durchbohretide Holz- oder 'Eisennägel der Sohlen und Absätze verletzt werden und die Strümpfe in unheimlicher Weise das Reißen bekommen, was aus Reisen bekanntlich dovvelt fatal ist. Aber auch etwa vorhandene oder später entstehende Unebenheiten der inneren Sticsel-
Rundgang durch die Ceylon-Ausstillung,
Tie dem Eingänge gegenüber ausgestellte Gruppe von Ikasscebäumen zeigt den charakteristischen Wuchs dieser auch sür unsere Kolonien ungemein wrchtrgen Kulturpflanze: Wagrecht Erbende, seine Zweige mit glänzenden, lorbeerartigen Blattern, aus deren Achseln die duftenden, nmhcn Bluten erschernem Der Kaffeebautn wird sich selbst überlasten höchstens 5 bis 6 Meter doch und Bäume von der Große der ausgestellten bringen >n den Tropen bereits reiche Ernte. Man laßt sie dort rn der Regel aber nickt unge'zindcrt auiwachten, sondern biegt den Mtttelstamm mit der Spitze zur Erde, bis sich NN der Biegungsstelle eine Anzahl junger Schöffe gebildet haben. Tann schneidet man ihn über dreien Schossen ab „Ich was daraus entsteht, ist ein v.elstamnnger n,ed- riger Strauch. der reicher trägt und das Ernten.erleichtert. Dia roten Beeren, welche die Größe einer kleinen Kmche haben, sind nebenan ausgestellt, ebenso eine Probe von h,er u,t Siefen geernteten Kaffeebohnen. Gegenüber stehen trat Anzahl Mcoßblättriger Bäumchen des Liberiakaslees. einer Sorte, d,e größere Bohnen bringt und von deren Anbau ,n unsern Kolonien man ttch viel verspricht Der Kakaobaum, besser -Strauch, denn der .Kakaobaum wird in der Kultur immer strauchartig gehalten, tleht »urzert in voller Blüte Diese stehen aber nicht da. wo „e die^meitten Besucher suchen, an den Zweigen, sondern unten am Stamm. Sie sind unscheinbar Nein, rötlich, schwach wohlriechend und werden auch in den Tropen nicht größer als be, uns. Auch der Kakaobaum tragt in den Tropenländern in der Größe, wie. er hler ausgestellt ist. bereits Früchte. Von ihrer Form und Größe kann man sich ubm- durch die daneben liegenden Proben, von denen erne rerucht Ausgeschnitten ist. um das in der frischen ncruchl weiße Frucht- fleisch in dem die Kakaobohnen eingebettet „nd, zu zeigen g-,e dazu gehörigen Photograph,en erläutern die Art der Ernte, sowie auch kie weitere Behandlung. Im schaukatiei, siegt neben -mer Probe Kakaobohnen aus Kamerun auch Ser hellbraune Eeplon-Kakao, b^sm Einruhr nach Deutschland intolge.der Kakaolutlur m den bcutschen Kolonien von Jahr zu Jahr zurückgeht. , ro »r
Die nächstsalgende Bilderserre,st dem iee geimdmet Cehlon- r« hat auch be, uns einen guten Klang und lerne Einsuhr durste ssi einigen Jahren dieienige des chincsiichen Tees überholt habem Rrv^ Nare Photographien veran,chau!^chen das Niederbrennen des llM°ll«s, das Abroden. Pflanzen, drc Wuckswrm des Teemauches 'nto lungen Teescldern, sirncr das Pflückender ,ungcn Tee- 'tätto von denen nur die drei obersten geerntet werden, erne
thvische Tecsabrik und die Art der Verpackung. Die ausgestellten Tccpflanzcn gehören der gewöhnlichen, schmalblättrigen, in China gebauten Sorte an. Aus Cehlon werden die noch mit dieser Teearr bepflanzten Felder ausgerodet und mit neuen, breitblättrrgen Sorten bepflanzt, weil diese mehr Ertrag bringen. Im tropischen Teil der Insel bringt der Teestrauch jährlich 14—16 Ernten, im Gebirge, wo der feinste Tee wächst, nur 6—10 Ernten. Eine Teeplantage von ttwa 500 Hektar crgchr bei rerchlrchcr Düngung einen Reinertrag von rund 100 000 Mk. jährlich! Das Gebirgslan.d Dcutsch-Ostasrika, besonders die Abhänge des Kilimandscharo, dürsten sich für die Teckultur vielleicht ebenso gut eignen, wie dzc gebirgigen Teile Ceylons. Es gehört aber großer Unternehmungsgeist dazu, nicht nur, um den Urwald urbar zu machen, sondern vor allein auch, um das Pflanzmaterial zu beschassen, da die Samen alsbald ihre Keimkraft verlieren. Selbst aus Eehlon kosten die Pflanzen mehr als die Zubereitung des Bodens.
Reisbau ist fast überall in den Tropen Sache der Eingeborenen. Er ist an das Vorkoimnen von reichlich fließendem Wasser gebunden. Man sieht in der Ausstellung die teraffeniürmigesi Anlagen, wo das Wasser oben zugeleitet, unten absließend, von einer Terrasse zur andern die Reispslanzcn berieselt. Ist der Reis reff, so wird mitten hinein in die inzwischen trocken gelegten Felder eine Hütte gebaut, in welcher Tag und Nacht gewacht trnrd, um das der Frucht nachstellende Getter durch Spektakel zu verscheuchen. Den meisten Besuchen, fremd ist das Aussehen des ge- schälten Reis, wie er don allgemein als Hauptnahrung dient. Er unlerscheidet sich von dem Reis unserer Kaufladen dadurch, daß ihm die innere Schale, die rötlich aussieht, erhalten geblieben ist. Der Genus; des polierten Reis, wie er bei uns genossen wird, erzeugt aber bekanntlich jene gefürchtete Tropeutrankheft, welche man unter dem Namen Berri-berrr kennt.
Neben dem flachen Zinkgefäß. in welchem ein Miniatnr-Rers- seld gedeiht, stehen zwei Kokospalmen, an denen nach die Nüsse crlolten sind. Sie haben zurzeit^ noch ungeteilte Blätter, die späteren kommen gesirdert hervor. Sic sind gegenwärttg drei Jahre alt. Die sirnge Anpflanzung von Cevlon, welche die Pasinrn in ziemlich demselben Stadium bildlich darstellt und in der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Peradeuiya im Januar d. Js. photographisch ausgenommen ward, hatte ein Alter von nur sechs Wochen. Das Anschauungsmaterial sür die Kokospalme ist ab- iichtlrch besonders reichlich gewählt, well sie für den mew'chlrchen Haushall, auch für den des Europäers, eine Wichrigkesi erlangy hat, von dir man sich vielleicht einen Begriff machen kann.
wenn man sich vergegenwärtigt, daß allein nach Deutschland im Jahre 1916 1 965 978 Tovvelzcnlner Kopra, d. i. der getrocknete, fettreiche Kern der Kokosnüsse, eingesührt wurde, welche größtenteils zu Pslanzenbutter und Pflanzeniett verarbeitet werden und ein Defizit an Butter und Feit decken, welches unsere Landwirb- schalt zu erzeugen nicht fähig ist. Man hat statisttsch berechnet, daß der Preis für Butter und Fett sich um 50—60 Pro-z. der den» Fehlen dieser Einsuhr erhöhen würde. Nicht weniger wichtig ist die Einsuhr von Palmenkucheu und welcher Baumzüchter wollte Kokosfasentricke, welche Haussiau Kokosläuser usw. cnlbehien. Wie diese Erzeugnisse gewonnen und von Eingeborenen hergestellt werden, zeigen eine Menge guter Bilder, Präparate und Warenproben.
In demselben Glaskasten sind Proben von Zucker zu sehen, welcher aus dem Taste der Kokospalme, Palmyra- und Kittulyalmc gewonnen wird, indem man den jungen Blütenstand anschneidet und den ausfließenden Säst in Gesäßen auffängt, die oben in den Kronen der 25 bis 30 Meter hohen Palmen angebracht sind, welcher dann über offenem Feuer eingeöickt wird. Das Zuckerrohr, deijen Bedeutung für uns seit Einsührung der Zuckerrübenkultur bedeutend zurückqcgangen ist, steht gegenüber. Ferner findet man in dieser Abteilung Samen und Pflanzen der indischen^ Heilbohne, der Mungobohne, einer Hülsensrucht. welche neben dem Reis bei der Ernährung der Volksmassen Ostindiens eine Hauvlrolle spielt den indischen Bohnenbaum und die Erdnuß.
- Die archäologische Erforschung des ältesten Palästina hat, wie in der Londoner Sitzung des Palästina Exploration Fund milbeteilt wurde, im vergangenen Jahre reiche Ergebnisse gezeittgt. die sich vor allem aus die Zeit der ersten Besiedelung Palästinas beziehen. Neue Einblicke in die eigenartige Zivilisation, die bereits vor dem Erscheinen der Hebräer in Palästtna bestand, wurden gewonnen; cs besteht kein Zweifel mehr, daß diese Ureinwohner des heiligen Landes bereits über eine erstaunlich hochentwickelte Kultur versüglen. Ter Palästtna Exploration Fund rüstet sich nun zu einer neuen großen Arbeit, die jedoch erst in Angriff genommen werden wird, wen» die nöttgen Mittel zu einer völligen Durchiührung des Planes gesichert sind. Es haistielt sich dabei um die Ausgrabungen im alten A s ! a l o n , wo nach allen Anzeichen reiche Funde und neue Ausschlüsse über die vorhebräische Kultur Palästinas zu erwarten sind.


