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Zweites Maü
IH Jahrgang
Erscheint 12g8ch inL Ausnahme de§ SomrtagS.
Die ..HieHeaer JotftoMEtttt" werden dem .An^erqer^ vrernral wüchenltich bsqeleqt, das „Sreis-tatt pir den Xrrir ßietze«" zweimal wöche^üch. Die .^«-«irt-chaMchev Seit- fragen" erschemen mouatirch zweorrai.
Gietzener Anzeiger
Seneral-Anzeiger für Oberhejjen
Domerstag, \S. Juni M4
Rotationsdruck und Verlag der Brühuschen UnwersttätS-Blich- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^nl. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerÄießen.
hessische Zweite Komma.
tb. Darmstadt, 17. Juni.
Am RegierungStifchc; Staatsmiinster Dr. von Ewald, Fwanzminister Dr. Braun, Mruister des Innern v. &ont* ber*jf, StaatSrat Lorbacher, Ministerialrat Dr. Weber.
Präsident Köhler eröffnet die Sitzung um 9Vj Uhr.
Einziger Beratungsgegenstand ist die Regierungsvorlage, bctr.
Die Revision der Ordensgrsetzzetnmg.
Zuerst nimmt
Minister o. Sombergk
das Wort:
Tic^beutc zur Beratung stehende Vorlage hat im Lande einer, großen Sturm hervorgeruien und zwar besonders daher, weil über den Zweck der Vorlage noch weithin Unklarheit besieht. DeSdalb will ich Ihnen hier des näheren dartun. war- mit der neuen Ge» setzesvorlagc beabsichtigt wird. W handelt sich betreffs der lluter- richtsorden um die fünf bestehenden Institute der Englischen Fräulein in Darmstadt. Benshcim. Mainz, WormS und Bingen. Diese 5 Anstalten hat die Vorlage bestehen lasten. Die katholische Bevölkerung hat sich in.Hessen seit 1874 bedeutend vermehrt, die Zahl der evangelischen Ortseingesessenen stellt sich zurzeit aut 850 000, tue Zahl der katholischen aus 400 000. In Darmstadt und WormS ist die katlwlische Bevölkerung last um das Drcisache. in Mainz um daS Dovveltc gestiegen. ES ist erklärlich, das; insolgedessen auri; che Freguenz des Instituts der Englischen Fräulein sehr bedeutend gestiegen ist, wie der Redner durch Anführung der Zahlcnvcrhält- niste näher nachweist. Trotz chcser Vermehrung der Schülerinnen- zatzl darf aber die Zahl der Lehrschwestern nach dem Stand vom 1. Oktober 1874 nicht vermehrt werden. Man hat sich nun damit zu besten gesucht, dag man vrvvisorisch Lehrschwestern zuließ und so kommt cs, daß die Zahl der Lehrschwestern an einigen der schulen tatsächlich groster ist. ES ist aber doch ein unbaltbarcr Zustand und deshalb will die Vorlage der Regierung die Möglichkeit geben, Lehrschwestern auch über den Stand vom Jahre 1874 hinaus zuzulasien, wenn es das Bedürfnis verlangt. Wenn sich ergeben sollte, daß die Freauenz dieser Institute zum Nachteil einer bestehenden höheren Mädchenschule sich gestalten sollte, so würde die Regierung selbstverständlich einschreitan; eine solche Befürchtung liegt aber nicht oor. Während trüber diese Institute auch von nichtkatholischen Kindern besucht wurden, sind heute keine solchen mehr darin vorhanden. Die Regierung steht mit dem AuSschutz auf dem Standpunkt, dast, wenn man diesen Schulen die Existenzmöglichkcit gewährt hat, man ihnen auch die Epistenzbedingungen nicht vorenthalten darf. Die Borlage bezieh! sich weiter aus die Kra n k c n p s lege t ä ti g-- kert. Hier herrscht iniojcrn ein Mißverständnis, als ob cs sich um eine Vermehrung der Krankcnptlcgeordcn in Hessen bandle. Das tft ober nicht der Fall. Es handelt sich mrr darum, den zu- gelastenen Krankenpslcgevrden noch eine Iveitcrc Tätigkeit zu ge- sIonen, namentlich bezüglich dcS Näh- und Ttricknntcrrrchts, sowie des Koch- imd HauSboltungsunterrickstS. Auch hier wird die Regierung selbstverständlich zu prüfen haben, ob nicht das Bedürinis durch ausrenhenbe Staats» oder Privatanstaltcn erfüllt wird. Die Beßürckstung, daß damit eine Ausdehnung der Klöster hcrbcigciührt werden könnte, erscheint dcnrnach nicht für gerechtfertigt. ES dreht steh-hier in Wirklichkeit nur um die gesetzliche Sanktionierung eines bereits bestehenden Zustandes. Das Bedürfnis nach Aushilfe in der Seelsorge pflegt setzt in Hessen der Kap-nzrncrorden. Sv steht aber <nt 1 dem Aussterbeetat, es sind nur noch 11 OrdcnSlpriester in den Niederlassungen von Mainz und Dieburg vorhanden. Dabei ist in Betracht zu ziehen, daß die Bevölkerung ständig wächst, während der Zudrang zum Studium nicht in demselben Maße steigt. ES werden auch ans dem Gebiet der Seelsorge jetzt größere Anforderungen gestellt als früher. Die Regierung glaubte deshalb, eine dtesem Bevölkerungszuwachs entsprechende Vermehrung der Mitglieder des KapuzinerordciiS nicht entgcgentreten zu sollen. ES ist dabei auch nicht »vn erheblicher Bedeutung, ob die Personal- Vermehrung sich auf den einen Orden beschränkt. Erkennt man daS Bedürfnis nach Ordcnsgcistlichen in' der Seelsorge an, so kann man auch zugcbcn, daß neben dem Kapuzincrorden auch noch ein anderer Orden von der Regierung zugelassen werden kann. Die Erziehungsanstalten in Trais und Groß-Zinrmern entsprechen
einem Bediirffss; wenn in der Presse Bedenken erhoben wurden, ob auch nur in nationaler und religiöser Beziehung zuverlässige Kräfte zugeiasten werden würden, io ist die Forderung so selbst- verständlÄ, daß wir sie nicht in das Gesetz aiffzunchmen brauchten. In den Kundgebungen gegen die Vorlage tritt auch immer loikder die Befürchtung hervor, daß bei eventueller Aushebung deS Je- suitengcsetzeS durch das Reich den Jesuiten der Eingang in Hessen geöffnet würde. DaS ist falsch, denn nach Art. 1 des OrdenSgeictzeS blechen die Jesuiten in Hesten ausgeschlosten und ihre Zulassung könnte nur durch ein neues Gesetz beschlossen werken. Daran wird auch durch dch gegenwärtige Vorlage nichIL geändert. Es ist der Regierung scdc Möglichkeit entzogen, den Jesuitenorden inS Land hereinzulasten und Inch dem Gesetz wird auch die Tür ffir alle andern Orden in Hesten verschlossen, welcher Art sie auch immer sein mögen. Der Minister bespricht nun die statistischen Angaben des Handbuchs von Große und bemerkt, daß diese Zahlen zweifellos lln- richiigkeiten enthalten, ebenso ivic die Angaben des Pfarrers Müller. Auf Grund dieser Müllerschen Arbeit seien die Kreisämter veranlaßt worden, diese Angaben nochmals ganz genml nachzuprüsen und es habe sich ergeben, daß sic vielfach nicht richtig sind. Auch die BLittcilungen deS statistischen Jahrbuckw beruhten nicht aus Erhebungen staatlicher Beamten, das Bild, das die offizielle Aufftcllung ergibt, sei viel richtiger: die anderen hätten vicffach alle wegen Alter oder Krankheit längst nicht mehr tätigen Leute mit ausgezählt. ES werde auch mit großem Nachdruck behauptet, daß die Vorlage die Staatshoheit gesähäxst. Diese werde aber durch die Vorlage vollständig aufrecht erhalten und auf die neuen Bestimmungen ausgedehnt. Die bestehenden Zustimmungen reichten auch vollständig ans, eine schärfere Waste als die Befugnis zur Aufsicht und das Recht zur Auflösung könne cS doch kaum geben. Es sei aber seither von diesen Befugnissen nock; kein Gebrauch gemacht worden, weil noch keine lleberg-riffa vorgekommen sind. Daß Proteste aus evangelischen Kreisen kommen würden, war voranSzuschen, aber daß sie einen so großen Um- sang annehmen würden, war nicht zu erwarten. Es handelt sich hier um verschiedene grundsätzliche Anschauungen und cmc Einigung ist da nicht zu erzielen. Um so mehr ist es aber Pflicht der Regierung. Mittel und Wege zu findcti, um ein friedliches l! leben- einanderlcben zu ermöglichen. Schon seil Jahren waren berechtigte Klagen laut geworden, die abzustellen die Regierung sich für verpflichtet hielt. Nachdem die Verhandlungen zu einer einstimmigen Annahme des Antrags Dr. Schmitt führten, haben auch die Beratungen im Gesetzgebungsausschuß erkennen lchsen, daß der Zweck der Vorlage erreicht werden wird. Die Regierung erwartet, daß die Kammer zum Wohlc der Allgemeinheit und des friedlichen Zusammenlebens ihre Entscheidung treffen wird.
Abg. Reh sf. Bp.): Die Angriffe in der Presse veranlassen mich, aus die Sache ebenfalls näher cinzugehen. Bei Behandlung kommt zunächst der Rechtsstandpunkt in Betracht. Tie Regierung wstl zuerst aus dem Gebiet der Krankenpflege aus sozialen Gründen den veränderten Verhältnissen gerecht werden; es muß hier so weit als möglich entgegeugekommen werden. Ter Antrag K o r e l l- Jngelheim wollte hierzu die Einschränkung, daß eine Vermehrung der Ordensmitglieder nur insoweit gestattet sein sollte, als die bürgerlichen Krantenpflcgeanstälten nicht ausreirben. Der Ausschuß lzrt dieS abgelehnt, da ja die Regierung ohnehin die BedürfniSfroge prüscu muß. Bei den PrivatuntcrrichtSanstalten handelt es sich um die Bermchruug der Lehrschwestern des schon bestehenden Ordens Nlit der Einschränkung, daß das Bedürfnis nachgewiescn werden muß. Den Antrag Korcll-Jngelheim, daß diese schulen dasselbe Schulgeld erheben sollten, wie die übrigen Anstalten, koume der Ausschuß nicht gutb-eißcn. ES mutz zugegeben werden, daß eine .Vermehrung der Lehrschwestern bei den Englischen Fräulein stattgeiunden hat, und hier hätte die Staatsaufsicht bester auf dem Platz sein müssen; es handelt sich aber nur um 0 Lehrschwestern innerhalb der letzten 40 Jahre und der Sturm in der Presse ist somit zwecklos gewesen. Am meisten Erregung hat in evangelischen Kreisen die Bestimmung hervor- gccuscn, daß an Stelle der Kapuziner auch ein anderer Orden zur Seelsorgetätiqkeit zugclassen werden Hann, Damit sei auch die Möglichkeit gegeben, daß ein zcntrumsfreundlicheü Ministerium auch einmal den Jesuiten üwr und Tür öffnen könnte. Der Minister
hat aber ausdrücklich die Unmöglichkeit zu einem jolchen Schritt dargetan. (Ur Redner geh: nun aussülfrlich aut du einzelnen Artikel der Vorlage und die hierzu gestellten Anträge Korell ein, wobei er erklärt, daß die letzteren keine Anträge der fortschrittlichen Volkspartci seien, sie hätten aber wesentlich zu einer Klärung beigetragcn. Gegen die vom Abg. Tr. Stephan gestcNtcn Anträge sei wohl im allgemeinen nichts einzuwenden. TaS Gesetz von 1874 sei nach seiner Meinung ein Ausnahmegesetz, daS einer Revision bedüritig sei. Dadurch werde der konsessionellc Friede nicht gcsährdet, und wer aut die Erhaltung des konfessionellen Friedens hinnstrke, der erwsrbc sich ein großes Verdienst um das Volk.
Mg. Dr. Stephan (Natl. führt aus, cs sei für seine Partei in der ganzen Frage vor allem der Gesichtspunkt maßgebend gewesen, daß das Verhältnis von Staat >md Kirche nur durch Staat-gesetz acregelt werden kann, das den verschiedeu- artigen Berbättnstscn Rechnung trägt. Wir unterscheiden UNS hierdurch besonders vom Zentrum, das solche Fragen durch das Konkordat gelöst wissen will. Es kamt von UNS nicht zugeqrbenl werden, daß durch das Gesetz von 1874 der Grundsatz „Gleiches Recht" für Alle verletzt worden wäre, wie Mg. Dr.. Schmitt in seinem Antrag behaumetc. Die Orden können doch ibrer gairzen Organisation nach nicht unter dem Gesichtswinkel des bürgerlichen Rechts betrachtet werden. Wir kommen den Anträgen Dr. Schmitts lediglich deshalb so weit als mögliäi entgegen, weil wir ein friedlich Mitcinanderleben mit den katholischen Mitbürgern wollen. DaS Wesentlichste ist für uns die Aufrechtcrhnltnng der Staatsaufsicht, das Allssichtsrecht des Staates. Der Minister meint, der Sturm im Lande ist hervorgeruscn Ivorden durch die Unklarheit über Ziveck und Tragweite der Vorlage; er kommt aber nicht zum mindesten daher, daß unbcstrittcnermaßen gerade in der kritischen Zeit die Regierung nicht von ihrem SlaatsanssichtSrccht den entsprechenden Gebrauch gemacht hat. Der Redner erklärt, er hätte von dar Regierung mehr erwartet, als der Minister hier vorgebracht Hot. Wir können nur zustimman, wenn wir die Gewißheit haben, daß die Regierung von dem ihr zustchendcn AustichtSrecht auch Gebrauch machen wird; nur dann wird wieder Beruhiguna in die Gemüter einkchrcn. In WormS ist das konscstionellc Verhältnis in den letzten 30 Jahren ziemlich konstant geblieben. Das Gesetz von 1874 war ein Kamvfgesatz und ist zum Teil beute nicht mcdr zutreffend. Wenn damals die hessische dänische Partei die Vorgängerin der hessischen nationallibcralen Partei für daS Gesetz stimmte, so fand sie sich in politischem Gegensatz zum Zentrum: eS waren lediglich politische Gründe dafür maßgebend. Von einer Feindschaft gegen Kirche und Religion konnte nicht die Rede sein. Tic früheren Voraussetzungen sind nicht zutreffend, man weiß jetzt, daß unsere katholischen Mitbürger reichstreu sind, wie die andern und wir sieben mit dem Zentrum fest zusammen im Kampfe gegen die Partei des Umsturzes. Und deshalb wird die Mehrzahl meiner Parteifreunde bezüglich der Lrdensichulen der Regierungsvorlage zustimmen mit der Abänderung, daß das Mo icke nt des Bedürfnisses stärker zur Geltung gebracht wird. Auch den Krankenpslcgeorden solle weitgehende Freiheit gewährt werden, so weit nicht eine Gefährdung des kon- icstionellen Friedens zu befürchten ist. 'Auch hinsichtlich der Leel- iorgcorden seien grundsetzlich keine Bedenken vorhanden. Der Redner erklärt, er wolle keinem Geistlichen daS Recht nehmen, sich politisch zu betätigen; die Sache werde nur dann für den Geistlichen etwas mißlich, wenn in seiner Gemeinde verschiedene oolitischc Parteien vorherrschten. Mit dem Schlagwort, daß der Geistliche nicht in die Politik gehöre, könne man heute nicht mehr agieren. Der Geistliche würde sein Amt nicht richtig auffasten, der nur von der Kanzel predigen und sich nicht um die sozialen Gegensätze in unserer heutigen tfstsellschaffsordnnng kümmern würde und sich nicht sic auszugleichen bestrebte. Das gelte sowohl von der evangelischen, wie von^der katholischen Geistlichkeit. Ten National- libcralen würde ihre Stellung wesentlich erleichtert werden, wenn derjenige Orden, der neben rcsp. nach dem Kavuzinerordcn noch in Betracht kommen soll, gleich im Gesetz namentlich enthalten wäre. Nach den Erklärungen der Regierung könne er der Fassung der Vorlage nach den Ausschußbeschlüssen zustimmen. Er hoffe, daß damit der Friede wieder hcrgcstellt und aus lange Zeit erhalten bleiben wird. (Zustimmung.)
Das Gleichgewicht in der Natur.
Bon UniversitätSvrofestor Konrad Guenther.
Es ist ein noch inrmer weitverbreiteter Fehler, von nützlichen und schädlichen Tieren in der freien Natur zu sprechen. Die Narnr ist einem Uhrwerk unendlicher Kompliziertheit zu vergleichen, in dem jede Tier- und Pilanzcnart ein besffmmtes Rädchen darstellt. Alle diese Rädchen greisen ineinander, und das Uhrwerk kann nur bestehen, wenn keines von ihnen herauSgenonnnen nstrd.
Bor langen, langen 'Zeiten stellte auch der Mensch ein Rädchen in diesem Uhrwerk dar. Allmählich aber lernte er cS nicht nur, sich au» dem in steter Bewegung befindlichen Gerriebe beran-zu- heben, sondern auch, an dieses selbst ein,»greisen jund hier ein Stückchen dort ein anderes für sich zu verwerten. Je mehr Macht er über die Natur gewann, um so kräftiger konnte er sie zu seinen Gunsten re> ändern. Und er tat da:- denn -auch in ansgrebigem Matze. Pflanzen und Tiere, die er für sich verwenden konnte, nannte er nützlich, andere, die ihm cntgegcntratcn oder sich von seinen Schützlingen nährten, ivaren für ihn schädlich. Ersterc suchte er zu pflegen, letztere auszurotten.
Wo ihm aber das gelang, wo er ganze Tierarten vernichtete, da entfernte er ein Rädchen aus dem Uhrwerk der Natur, und drcscs konnte nun nicht mehr in der alten normalen Weise ablaufcn. J.cx Mensch wunderte sich, daß plötzlich sckfäden hcroortraten an^lel- len die er scheinbar gar nicht berührt hatte. Erst rn unteren ü.agcn hat'er den Grund eingeschen. KeinTicr, kerne Pflanze steht IN der Natur unabhängig für sich allein da. Bon jedem Wesen lausen gewlsscrmasen mi'ichtbarc Fäden zu anderen Organismen hm, ,o daß auch diese getroffen und getötet werden, wenn man lenes
Ein altes Bciiviel zeigt drasffich, aber treffend, wie Tiere und Bilanzen zusammen hängen, die scheinbar miteinander nichts zu tun haben ' Es ih irt Wenn in einem lDoric recht viel alte ^,ung,crn wohne», dann ietzt der Klee reichlicher -amen an. Tie sackic »er- f>a(t lief) nun jo. 32ic alle Viiunzfkn, io bUbct trudi öcr ftltc nur 1 S<rmeit wenn er vorher befruchtet worden ist, das beißt. >ven» der männliche Zeuaunqsstoff Pollen, Blutenstaub! au, die weibliche Emoiangnisstelle Narbe gcbrack, wird. Diefe Ueberlragung besorgen bei den Blmenpilanzen die zznfcktcn Für sie fchnden drc Blüten den stscttar oder Honig aus, den drc Insekten auslecken oder sammeln, wobei der Blüienstaub sich an ihrem Körper abstreist. Kommeir sie nun an die nächste Blüte, so strciscn ne wieder ihrcr- ,' n ,- een Blüienstaub an die fstarbe ab. lind die Befruch.ru iig der ^fihe tritt ein. Xer Mlcc wirb nun auslchlienlich burch Hummeln, befruchtet. Diese baue» ihre Nester in die Erde Hier ivcrdcn ne hänng von beit Mäusen gesunden, für drc sowohl der eingetragene ffonia als and» die Hummellarven eine beliebte Nahrung find. Die Mäuse haben zu Feinden die Katzen imd dieie werden am liebsten von allen Jungicrn gepflegt. Lv Ist der Ring geickloiicn. cmy viel alte Iunqicrn sind, es viele Kufren, bie Maßen l-alten hie Mäuse in 3dmd), diese vermögen nur wenig öummcLncitcr *u ierftüren, bie Hummeln vermehren lief) und können allen Klee be- fruöjtett, der nun ieinerseits Samen anfetzt. Als man IN 'Neuseeland anffng, Klee zu bauen, wunderte man sich, datz er dort zwar
gut gek-ieh, aber kernen soomen hervorhrachtc. ES fehlten eben die Hummeln. Man führte diese Insekten ein und hatte denn auch alsbald den gewünschten Erfolg.
Wir lömiten alle unsere Tiere und Pflanzen in derartige Reihen brmgen. die wir dann ihrerseits wieder verknüvien könmen. so daß am Ende alles znjanimenhingc. Und alle Glieder dieser Reihen halten sich gcgcnseing im Gleichgcwrcht. Vergrößert sich eine zu stark, so tritt in einer freien, gesunden Natur alSbald die Regulierung ein. Wenn z. B. ein besonders warmer und trockener Sommer die Mäuse einer Gegend zu starker Vermehrung bringt, so bemerkt man nach einiger Zeit, wie auch ihre Feinde zunehmeu, teils dadurch, daß sie bei der reichlichen Nahrung ihre Jungen bester durchbringen, teils durch Zuwanderung, Je mehr Füchse, Wiesel, Raubvögel und Eiilen nun über die Mäuse hersallen, um so ge- nnger wird deren Zahl werden. Ist die 'Nahrung aber wieder zu- sammengeschmoizen. dann vermindern sich auch die Feinde, sie vermehren sich nicht mehr so stark oder wandern ab. Die Mäuse erholen sich von neuem und vermehren sich ihrerseits, und so schwankt die Wage zwischen den Verfolgern und Verfolgten stickig aut und ab, ohne aber sc mit einer 'Schale den Boden zu berühren., Das Gleichgewicht bleibt erhalten.
Man steht also, in einer gesunden Natur werden die Raubtiere niemals imstande sein, ilfre Beutetiere auszurotten. Tie Natur rechnet eben schon mit einem sehr starken ?lussall bei jedem Organismus, daher ihre ungeheure Ucbcrprodukiion. Würden die Vernichtungsgciahren sehlan, so würde fcdcS Tier in kürzerer oder längerer Zeit für sich allein die Erde übervülkern. Es leben aber Millionen von Tier- und Ptlanzcnarten auf unserem Planeten nebeneinander, und das ist nur dadurch möglich, daß. em.- Art die andere im Gleichgewicht hält, daß von jedem Tier, feder Pflanze unzählige zugrunde gehen.
Nehmen wir an, ein Fuchspaar würfe in seinem Leben nur (i Junge im Wirklichkeit sind es jährlich 4—3 und diese vermehrten sich in derselben Weise weiter, so würde der Fuchsbcftand in lOJahrcn sich aut 118098 Stück vergrößert haben. Von diesen nrüsten also alle biS aus zwei vernichtet werden, damit daS Gleichgewicht zwischen den Füchsen und den anderen Tieren gewahrt bleibt.
Wir beobachten denn auch, daß bei jedem Organismus Vcrmeh- rimg und Vernichtung so genau reguliert und auseinander eingestellt sind, daß das Resultat überall in gleick,er Weise herauS- kommt, nämlich, daß, jede Art in ihrer Zahl im Durchschnitt erhalten bleibt. Ter Adler und Lämmergeier, die in ihren Alpen - abgesehen vom Menschen — keine Feinde haben, ziehen nur ein oder zwei Junge jährlich auf. Ter wehrhafte Fuchs, der aber früher von den großen Raubvögeln, von Wolf und Bär zu leiden hatte, ivirft 4—5 Image, der Hase 8—10 jährlich und die vicl- verfolgic Braus gar 30. Weit größere Bernichtungsgefahren wie die Landtiere haben aber die des Wasser- auszusteheu. Tae Forelle in ihrem Bach ,at zwar noch verhälttaismäßig wenig Feinde, darum legt sie auch „ltur" 600 Eier, der ichwersälligc Karvien hingegen wird viel verfittgt, beionderS als Jungnich, und auch seine Eiep werden von allen möglichen Tieren geäreisen. Er würde auS-
sterben. wenn er den Ausfall nicht durch seine starke Vermehrung (3 —700 000 Eier- wcttmachcn würde. Tic größten Bermehrungs'- zistern weifen die Eingeweidewürnicr auf. Ter Spulwurm bringt 64 Millionen, der !Bandwiirna gar 100 Millionen Eier hervor. Wie groß sind aber auch die Vcrnichtungsgesahren bei diesen Tieren, welch ein Zufall ist eS, wenn wieder einmal aus einem Ei ein gc- schlcckstSrciier Bandwurm wird. Ta mutz daS El auS dem Darme des Menschen, in dem der Bandwurm haust, auStreien. es muß aui die Wiese fallen, hier gerade zusällia vo» einem weidenden Rind bei einer anderen Art muß cs ein Schwein sein geäressen werden. Und dann wird das Ei er)t die „Finne", die in das Fleiicki deS Rinde- cindringt und sich in ihm verkapselt. Soll ans der Finne- der Bandwurm lief» entwickeln, dann muß da- Rind geschlachtei und sein Fleisch in rohem Zustande wieder von einem Menschen ge- gessen werden.
To sind also auch die Raubtiere für die Natur unentbehrlich, denn ohne sie gäbe es kein Gleichgewicht. Und der Mensch tut sehr unrecht, wenn er sic auSrottct, in der Meinung, dem Wilde oder seinen Haustieren damit etwas Gutes zu tun. Tenn mich noch! einen anderen Nutzen haben die Raubtiere. Ihnen fällt zu allererst das schwächliche und kranke Wild zum Ovser, dadurch aber erhalten sie das andere gesund und bewahren es vor Ansteckung Weil unser „Raubzeug" so stark aüSgerottet wurde, darum mutz unter 'Wild w sehr an Krankheiten leiden. Vernünftige Jäger haben denn da- auch bereits eingesehen, ja man hat hie und da z, B. den Fuchs wieder eingebürgert, wo er bereits ausgcroltct war, weil das das einzigste Mittel war, den Hasenicuchen zu steuern. Die Amiloven Afrikas sind denn auch viel kroitvollcr. als unsere Hirsche und Reke, sic trotzen WiltermigScinslüssen besser und halten viel schwere lBerwundungen aus. Sie stehen eben unter der scharfen „Gesund- hcitSvolizei" der Löwen, Leoparden und anderer Raubtiere der freien Steppe, lind überall zeigt es sich, daß dort, wo viel Raubtiere sich aushalten, auch der reichste Wildbestand vorhanden ist. Am schwächlichsten und am meisten von Krankheiten gevlagt sind unsere Haustiere und ist der Mensch selbst. Tiefe sind aus dem Räderwerke der Natur herausqehaben und der ffiiche, ewig verfün- gende Strom der großen Allmntter trifft sie nicht mehr in vollem Maße.
Aber auch der Mensch, seine Laustiere und feine Kultur- pslanzcn entstammen der Natur und können nur gesund bleiben, wenn auch für sie das Gleichgewicht wieder hergestellt wird. Besonders deutlich zeigt sich da- in unsern Wäldern, aus dein Felde und in den Weinbergen. Nur deshalb treten hier io oft große Schäden aus, weil die regulierenden Organismen fehlen. Keine Vögel sind mehr da. die die schädlichen Insekten im Gleickigewickst halten, denn es gibt für sie kein Gebüsch mehr und keine hohlen Bäume, in denen sie nisten können. Erft neuerdings hat man erkannf, wie wichtig ffir unsere Kulturen auch die ickieiubar wertlosen sträuchcr, Blumen und viele Tiere sind, und seil nran wieder dafür gesorgt hat, auck; in Wald und Feld der Namr eine» Platz zu gönnen, ist merkliche Besserung eingetrcten.


